Die Galactica braucht neue Piloten, doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Zwischen Starbuck und Apollo fliegen mal wieder die Fäuste und am Ende gibt Kara doch zu warum: Sie ist eifersüchtig. Auf wen? Antworten gibt's below :-).
Eifersucht ~ Jealousy
„Lee, das ist jetzt wirklich nicht Dein Erst?! Bitte sag', dass das nicht Dein Ernst ist!", Kara hatte sich mit verschränkten Armen vor ihm aufgebaut. Er kannte diese Haltung nur zu gut und er kannte sie gut genug, um wissen, dass – zumindest im Moment – noch keine Gefahr von der Situation ausging. Kara zog demonstrativ eine Schnute. Er hatte gewusst, dass sie nicht gerade erbaut sein würde, er hatte damit gerechnet, dass sie versuchen würde to fight about it. Die Liste, die er ihr gerade gereicht hatte, hatte sie demonstrativ auf den Tisch zwischen ihnen geknallt, so als wolle sie davon nichts wissen, so als tangiere sie der Inhalt in keinster Weise, so als könne sie die Liste von Namen darauf einfach ignorieren – aber noch war alles im grünen Bereich, fand Lee. Ihre Augen funkelten, das schon, aber mit einer gehörigen Portion Schalk, in ihrem Tonfall lag noch etwas Neckisches. Er konnte es also wagen, den Ball anzunehmen. Er hatte sich an diese „Wir-tun-als-ob-Wortgefechte" gewöhnt, und wenn er ehrlich war: er mochte sie sogar. In letzter Zeit endeten sie immer seltener mit richtigen Handgreiflichkeiten – schon lange nicht mehr mit schmerzhaften Veilchen im Gesicht, viel größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegenseitig piesakend auf der Matratze landeten oder einfach in einer festen Umarmung.
„Nope. Das ist mein voller Ernst, Kara", antwortete Lee. Arme ebenfalls verschränkt.
„Lee, das sind Kinder…"
„Nein Kara, dies R, wie Du sie nennst, sind alle volljährig."
„Aber gerade so…"
„Gut, das mag sein, immerhin. Aber Kara, hey, mach' mir doch einen besseren Vorschlag!"
Keine Antwort. Auch Kara wusste, dass neue Piloten nicht gerade auf Bäumen wuchsen – zumal es im Universum auch einen Mangel an Bäumen gab – und dass Lee wirklich sein Bestes gab, um welche aufzutreiben. Sie kaute auf ihrer Unterlippe. Diese Geste sagte ihm: Er hatte fast gewonnen.
„Siehst Du? Komm schon, einen Versuch ist's wert. Du hast schon aus ganz anderen Kalibern Piloten gemacht, da wirst Du doch mit kids klarkommen", sagte er mit einem Zwinkern. Kara an ihrer Ehre zu packen, hatte schon meistens funktioniert.
„Na schön, ich versuch's. Aber wenn sie sich nicht anständig benehmen oder sich kindisch aufführen, Lee … ich schwöre Dir … dann …"
„… was dann?", fiel ihr Lee grinsend ins Wort. Sie gab sich geschlagen: „…Du bist unverbesserlich, Apollo!"
„Du auch…", gab er zurück und fasste sie an ihren Schultern: „Hey, Du bist die beste Pilotenausbilderin, die ich kenne. Du hast sogar aus HotDog einen ganz passablen Viperpiloten gemacht, also, Deal?"
„Deal", antwortete sie, mit sich ergebendem Unterton.
Lee war zufrieden. Er hatte gewonnen. Diesesmal.
„Und wie läuft's?", fragte Racetrack beim Mittagessen. Sie und Sharon hatten sich gerade mit ihren Tabletts zu Kara gesetzt.
„Fragt besser nicht…", gab Kara zurück. Zwei Tage lang trainierte sie nun schon mit den Neulingen. Eine Gruppe von neun Leuten war das, drei Mädchen und sechs Jungs. Kara dachte noch immer in den Kategorien boys and girls – für sie waren das wirklich Frischlinge, im allerbesten Wortsinn, kids. Allesamt gerade einmal knapp volljährig. Beim Tag der initial attac der Zylonen waren sie gerade einmal Teenager gewesen. Gerade raus aus dem Puppen-Alter, sind sie vermutlich auf diese Teenie-Parties gegangen, haben die Musik dieser Boygroups gehört, die Kara nie hatte ausstehen können und hatten Sportler und Sänger angehimmelt. Ob auch ein groupie von Sam darunter war? Kara verbannte den Gedanken an Sam Anders gleich wieder aus ihrem Kopf. Seit dem Pyramid Match waren sie sich gelegentlich über den Weg gelaufen, ein kurzes „Hallo" auf dem Flur, für ein „How are you" hatte es meistens schon nicht mehr gereicht. Sie hatte ihm scheinbar am Ende doch unmissverständlich deutlich gemacht, dass es nichts zu holen gab für den einstigen Pyramid-Star von Pikon.
Es war das Gesprächsthema dieser Tage. Auf der Galactica wurden nun die jüngsten Piloten aller Zeiten ausgebildet. Diese Nachricht hatte es sogar in die Flottenmedien geschafft. Der Commander und Laura Roslin hatten sich schon rechtfertigen müssen, warum man so junge Leute nun in eine Viper ließ: „Adama und Roslin schicken unsere Zukunft in den Tod", hatte eines dieser Klatschblätter getitelt, „Kids zum Schutz der Flotte" war die Schlagzeile in den Radionachrichten gewesen. Die Ausbildung konnte niemals so lange dauern, wie sie es in Friedenszeiten getan hätte. Kara wusste das. Diese neun jungen Leute hatten einige Tage, vielleicht zwei, drei Wochen – je nachdem, wie übel die Zylonen in den kommenden Tagen mitspielen würden oder eben auch nicht – und dann mussten sie dahinaus in den Kampf. Kein Flugsimulator, keine Trockenübungen. Kein Welpenschutz, keine Schonfrist. Sie alle taten das freiwillig, sie alle lebten den Traum vom Fliegen, von der Schwerelosigkeit – aber für manche würde dieser Traum ein Alptraum werden, nicht alle würden es schaffen. Kara wusste das, und sie durfte das nicht auf ihre Arbeit mit ihnen abfärben lassen. Sie seufzte.
Kurz und knapp berichtete sie Racetrack und Sharon, wie anstregend ihre neue Gruppe war. „Wie ein Sack Flöhe…", kommentierte sie. „Die stellen Fragen, die hat noch keiner gestellt. Ich glaube, die meisten von ihnen sind einfach mental noch nicht reif genug…", sie seufzte nochmal, „…aber mach' das mal Lee klar. Der meint noch immer, in diesem unsortierten Kinderhaufen könnten ein bis zwei brauchbare Piloten abfallen."
Und zu allem Überfluss war heute auch noch „Instant-Tag" in der Mensa, will heißen: Es gab nur synthetisches Essen. „Ich fühl' mich wie im Kindergarten", lamentierte Kara weiter. Und als wenn das einer Bestätigung bedurft hätte, kamen die drei neuen Pilotenanwärterinnen auf ihren Tisch zu. Die drei schienen in ein besonders heiteres Gespräch vertieft zu sein. Cindy, großgewachsen, blonde Haare deutete, ob sie sich dazu setzen durften. Sie konnten es ihnen ja schlecht verbieten, dachte Kara und nickte ihnen zu – ihr Lächeln war genervt. Die drei setzten sich also „zu den großen" und kuderten weiter.
„Jetzt weiß ich, was Du meinst…", sagte Sharon.
Racetrack nickte verständnisvoll. „Poor Starbuck", dachte sie. Es schien ihr nur eine Frage der Zeit, bis Kara's Geduldsfaden reißen würde – der war bekanntermaßen nicht allzu strapazierfähig.
Samirah, Jody und Cindy – die drei nuggets – glucksten herum wie auf einer Highschool Party, kicherten und warfen sich gegenseitig verträumte Blicke zu. Schnell wurde klar, worum es in ihrem Gespräch ging: Männer. Galactica's pilots. Und die drei versuchten noch nicht einmal leiser zu werden, oder sich die Hände vorzuhalten, um das im Stillen unter sich zu diskutieren. Auch wenn Kara, Sharon und Maggie das bei Leibe nicht hatten hören wollen, sie kamen gar nicht drum herum: „Ich hab den CAG gestern im Waschraum getroffen…Lords, ich hab noch nie einen solchen Bizeps gesehen…", schwärmte Samirah. „Vom Sixpack mal gar nicht erst zu reden…" Bei der Bemerkung schüttelte sich Racetrack ganz automatisch und irritiert. „Auweia, mal schauen wie lange Starbuck sich das anhören würde", dachte sie. Sharon verschluckte sich beinahe an ihrem Proteinshake, hustete zweimal ehe sie die Fassung wiedererlangt hatte. Kara blieb ruhig, zumindest für den Moment hatte es den Anschein. Die drei erfahrenen Pilotinnen tauschten schnelle, vielsagende und verständige Blicke: „Oh je … oh je, welch ein Niveau." Kara fixierte nun wieder einen imaginären Punkt auf ihrem Teller, als sie merkte, dass die Unterhaltung auf ebendiesem für sie kaum erträglichen Niveau weiterging.
„Narcho und Flat Top sind aber auch nicht ohne…", kommentierte Jody.
„Habt ihr gewusst, Felix Gaeta hat ein Drachen-Schlangen-Tattoo auf der Brust!", wieder Samirah.
„Nein, nicht Dein Ernst?", erwiderten die beiden anderen mehr oder weniger gleichzeitig: „Woher weißt Du das?", hakte Cindy nach und zwinkerte ihrer Kameradin vielsagend zu.
„Tja, das wüsstet ihr wohl gerne, was…", Sharon war sich ziemlich sicher, dass das eine leere Andeutung, ein reiner Bluff war. Jeder hier wusste, dass Felix dieses Tattoo hatte, dafür musste man sich nun wirklich nicht unter seiner Decke herumgetrieben haben. Außerdem, Felix und eines dieser Kinder? Never. Was war das für diese drei Mädchen? Ein Spiel? Eine Brautschau? Seemed to be.
„Ihr habt Euch bisher scheinbar nur die Piloten angeschaut…", Jodie machte eine rhetorische Kunstpause, fuhr dann aber gleich fort: „Umso besser für mich. Jammer hat mich nämlich gestern so angeschaut … ich glaub der steht auf mich!", chuckle.
„Jammer?", fragte Samirah.
„Ja, der hübsche Dunkelhaarige aus der Deck Crew…", antwortete Jodie.
„Du meinst aber nicht den Deck Chief, oder?", Samriah konnte den Namen scheinbar immer noch nicht zuordnen.
„Nein … nicht den Chief … der ist doch … naja, egal … Jammer ist viel attraktiver und er ist nicht so muffig wie der Chief", erklärte Jodie.
Der Chief, muffig? Das wurde ja immer besser, dachte Racetrack. Und ob Jammer sie wirklich so angeschaut hatte, wagte sie auch zu bezweifeln. Zumindest heute Morgen hatte er ihr und Skulls noch erzählt, dass er noch nie eine so nervige nugget-Gruppe zum Einweisen gehabt hätte wie die aktuelle. Gerade an der Stelle der Unterhaltung, als Racetrack schon dachte, das Niveau könne nicht weiter absinken, passierte genau das doch.
„Ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber Apollo ist mit Abstand das hottie unter den hotties…", kicherte Samirah. Bitte was? Sharon war sich nicht sicher, ob sie richtig gehört hatte. Hottie unter den hotties? Sie musste sich zusammenreißen, um nicht lauthaus loszuprusten.
„Sein callsign hat er sicher nicht umsonst bekommen…", gluckste Cindy.
„Das glaube ich auch…", gab Jodie zurück: „Apollo – god of healing, sun and light, figther and avenger, mit dem Ideal eines perfect body. Da hat sich wohl wer was gedacht bei der Wahl des callsigns."
„Ich würde gerne wissen, wie er so ist … how he feels like…", sagte Samirah, als wäre es das Beiläufigste und Selbstverständlichste der Welt. Nein, die drei hatten wirklich keine Ahnung, an wessen Tisch sie saßen, dachte Racetrack und stand auf. Spätestens jetzt wurde es brenzlich. Auch wenn da offiziell zwischen Starbuck und Apollo nichts war, so war doch allen auf diesem Schiff klar, dass beide nicht available waren. Auf diesem Schiff gab es ungeschriebene Gesetze. Period. Eines davon lautete: Finger weg von Apollo, außer man legte Wert auf eine ausführliche Prügelei mit Starbuck. Andersherum galt das natürlich ganz genauso. Dass Kara bei Apollo beizeiten seinen männlichen Beschützerinstikt weckte, war ein offenes Geheimnis auf der Galactica – und inzwischen genierten sich die beiden scheinbar auch nicht mehr, das zu zeigen. Sein Arm auf der Nackenlehne über ihrer Schulter im Aufenthalsraum, ihr Anlehnen an seinen Oberkörper nach einer langen CAP – allen war klar, dass das keine big-brother-little-sister-Sache war. Nicht erst seit dieser Sache auf der Pegasus, von der ohnehin nur ein paar wenige auf der Galactica wussten, und auch nicht erst Starbuck's Entführung durch Leoben. Ach ja, und dann war da noch der Colonial Day gewesen…Starbuck und Apollo, davon ließ man die Finger, schon alleine um nicht zwischen die Fronten zu geraten.
Racetrack schüttelte sich. Ihr war dieser Kindergarten zu peinlich. Definitiv. Sie war froh, nichts mit diesen girlies zu schaffen zu haben. Zumindest für's erste. Sollten die irgendwann Einweisungen in einen Raptor erhalten, konnten sich Sharon oder Crashdown darum kümmern. Sie nicht!
Tennie-Schwärmereien. Poor Starbuck, dachte sie nochmal. Die sollten sich lieber auf die Knöpfe in ihren Vipern konzentrieren, lernen da draußen zu überleben, wenn man von einem zylonischen Jäger ins Fadenkreuz genommen wurde und in Chief Tyrol's ölige Schraub-Schule gehen, um sich im Notfall auch mal selbst mit ihrem Vogel helfen zu können, anstatt hier die Kerle untereinander zu verteilen – wohlgemerkt, Kerle, die zum Teil gar nicht (mehr) zu vergeben waren. Nur hatte das den Frischlingen scheinbar noch niemand gesagt. Sie war gespannt, wie lange es dauern würde, bis diese ungeschriebenen Gesetze zu ihnen durchgedrungen waren.
„Warte Racetrack, ich komm' mit", sagte Sharon und folgte ihrer Co-Pilotin. „Das hier wird mir definitiv zu dumm. Starbuck?"
Kara saß da, Kopf auf einen Arm gestützt und drehte ihr Messer auf der Klinge im Kreis. Sie schüttelte den Kopf. Sollte heißen: „Ich bleibe noch. Ich will wissen, wer von den dreien sich für welchen männlichen Pilotenkollegen entscheiden wird."
„Bis später", sagte sie bloß, mit beiden Ohren weiter der ungebremsten Unterhaltung ihrer nuggets folgend.
Racetrack und Sharon waren noch nicht ganz bei der Tür hinaus, da kam Lee herein. Seine Schicht im CIC hatte etwas länger gedauert als gedacht. Aber an Tagen mit synthetic-food war es auch egal, als einer der letzten zum Essen zu kommen. Da blieb immer genügend übrig. Er füllte sein Tablett mit irgendwelchem Matsch, der laut Auszeichnung nach Erdbeere und Rhabarber schmecken sollte – künstliche Armonen in künstlichen Eiweißen, welch eine Gaumenfreude, dachte er – und ging zu Kara's Tisch.
Er hatte gerade das Tablett abgestellt, doch ehe er sich setzen konnte, war die aufgesprungen und hatte ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt. Lee war irritiert: „Wofür war das?", fragte er vorsichtig. Hatte er etwas verpasst?
„Dafür, dass Du der beste CAG der Welt bist…", antwortete sie, Starbuck-grin on her face. Für die nuggets an ihrem Tisch musste es aussehen, wie ein freudiges, strahlendes Lächeln. Lee wusste, dass es das nicht war. Vielleicht war er Einzige auf diesem Schiff, aber er wusste wie ein ehrliches, aufrichtiges Kara-Lächeln aussah, und das hier, das war defintiv keines. Kara führte irgendetwas im Schilde.
„Ähm, Kara…", begann Lee: „Bei Flat Tops tausendster Landung warst Du dir noch absolut sicher, dass ich der lausigste CAG in the history of colonial fleet bin…", er kam nicht dazu weiterzusprechen, denn im nächsten Augenblick spürte er Kara's Lippen auf den seinen.
„Hmmm?"
„Und dafür, dass Du mir jeden Tag das Bett anwärmst…", hauchte sie, allerdings so deutlich hörbar, dass Lee klar war, dass diese Aussage nicht für ihn bestimmt gewesen war. Okay, dachte er. Kara wollte spielen. Warum auch immer, aber sie wollte spielen und er spielte das Spiel mit, erwiederte ihren Kuss und brachte seine Hände an ihre Hüften. Sie küsste ihn nochmals zart auf die Wange und verließ mit den Worten „See you later flyboy", den Raum. What? Flyboy?
Lee blinzelte kurz, so als wollte er sich versichern, dass er nicht geträumt hatte, und setzte sich dann zu den drei neuen Pilotenanwärterinnen an den Tisch: „Und, wie war Euer Training heute?", fragte er.
„Okay, wer bist Du und was hast Du mit Starbuck gemacht", Lee ließ die Tür zu ihrem Quartier demonstrativ schwungvoll ins Schloss knallen. Kara saß im Bett, an die Rückwand gelehnt, ein Buch in der Hand. Sie sollte nur wissen, dass er sauer war.
„Wie? Hat Dir die kleine Einlage vorhin nicht gefallen?", fragte sie provktativ zurück, ohne auch nur den Blick aus dem Buch zu heben. Die Unschulds-Tour, dachte Lee. Aber nicht mit ihm. Nicht heute: „Stop it!", schrie er.
„Stop what?", kam von Kara zurück, ebenfalls ungehalten, laut. Sie warf das Buch zur Seite – egal ob es Knicke und Eselsohren gab – und fixierte ihn. Es war mal wieder soweit, dachte Kara. Beide aufgebracht, beide vergriffen sich im Ton und beide wussten, dass dieser Abend auf der Krankenstation enden konnte. Das, was nun folgen würde, würde über den gesamten Flur zu hören sein. Keiner von beiden machte sich etwas daraus. Ihre Kollegen wussten, dass Starbuck und Apollo sich regelmäßig heftig zofften – und die meisten glaubten, dass die beiden es brauchten, wie eine reinigende Heilung. Katharsis. Kara seufzte innerlich, ja es war wieder einer dieser Tage, an denen sie hätten Karten ausgeben können.
„Playing with me, Kara. I a your toy!", Lee rang sichtlich nach Fassung: „Ich bin nicht Dein Spielzeug, das Du nach Belieben heiß machen und dann wieder in die Ecke stellen kannst!" Keine Redaktion von Kara. „Ich hab' keinen An- und Ausschalter, auch wenn Du das vielleicht gerne hättest", schob Lee nach, die Stimme hart. Da schwang Kara ihre Beine aus dem Bett und wandte sich zur Tür. „Nein Kara, so haben wir nicht gewettet", dachte Lee, griff nach dem schweren Abschenbecher, der am Tisch stand und donnerte ihn an die Tür: „Keiner von uns beiden verlässt diesen Raum, bevor das nicht geklärt ist. Period!" Lee hatte es kommen sehen. Kara's erster Impuls in einem dieser Streits war immer derselbe: weglaufen. In der Vergangenheit hatte er sie schon unsanft an den Armen gepackt und sie zu Boden gerangelt, an die Wand gedrängt und sie mit beiden Händen so festgehalten, dass am Ende blaue Flecken geblieben waren. Auch wenn Kara das nicht gerne zugab, aber rein körperlich war sie ihm unterlegen. Und Lee nutzte diese seine Überlegenheit nicht gerne aus – aber manchmal ließ sie ihm keine Wahl dazu. Heute hatte er im Affekt also nach diesem Aschenbecher gegriffen. Der hatte eine saubere Delle in der Tür hinterlassen.
Kara schluckte. Lee war definitiv sauer. Mad. Furious. Er hatte noch nie mit Gegenständen nach ihr geworfen. Lee war der geduldigste Mensch, den sie kannte, abgesehen von seinem Vater vielleicht, aber heute schien sie den Bogen tatsächlich überspannt zu haben. Sie biss sich auf die Unterlippe. Frak…
„Lee, I am a screw-up, das solltest Du langsam wissen", sagte sie, trying to calm herself down, to regain control of her breathing und über ihre Stimme, die zitterte. Als er den Aschenbecher geworfen hatte, war sie erschrocken zusammengefahren und auf halben Weg zur Tür stehen geblieben. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, stand mit dem Rücken zu ihm. Und sie fragte sich, ob das nun gerade ein Vor- oder ein Nachteil war.
„Das ist kein Argument", gab Lee barsch zurück. Schweigen. So, Kara war also in der Trotzphase. Na schön, dachte er. Wenn sie nicht freiwillig mit der Sprache herausrückte, dann würde er wohl etwas nachbohren müssen.
„Warum Kara? Was war das heute Mittag und vor allem, was war das dann am Nachmittag im Briefing Room?", er atmete einmal schwer durch und fuhr dann fort: „Erst küsst Du mich in fort of the entire squadorn und dann zeigst Du mir die kalte Schulter, würdigst mich keines Blickes und stellst mich vor den nuggets hin, wie einen Vollidioten…"
Es folgte wieder eine kurze Stille. Kara schien noch nicht bereit, etwas zu dieser Sache zu sagen. „You know that I am ridicuosly in love with you, right?", sagte Lee, seine Stimme jetzt deutlich ruhiger, fast schon wieder sanft. Er hatte einen Schritt auf sie zugemacht, sie an den Schultern gegriffen. Wenn er in den vergangenen Monaten eines gelernt hatte, dann dass man bei Kara mit Stursinn und harten Worten meistens nicht wirklich viel ausrichten konnte – und trotzdem kam es manchmal genau dazu. Er kämpfte gegen den Impuls an, seine Antworten aus ihr heraus zu schütteln, aber sein Griff war dieses Mal nicht fest, nicht grob, weil er wusste, eine solche Aktion würde nichts bringen.
„And you know that it's mutual…", Kara's Erwiederung war bestenfalls ein leises Flüstern. Sie war sich nicht einmal sicher, ob Lee es in seiner Rage überhaupt gehört hatte, die zweifelsfrei noch immer da war, bedrohlich zwischen ihnen schwebte, auch wenn Lee's Ton sich beruhigt hatte. Und genau das brachte die Situation abermals zum kippen.
„Lee … frak … was willst Du hören?", ihre Stimme hatte jetzt klar in den Starbuck-Angriffsmodus geschaltet. His confession und die ihre, seine Sanftheit, seine Nähe und seine Hände an ihren Schultern – all das überforderte sie gerade so sehr, dass sie sich am liebsten freigeprügelt hätte.
„Ich will wissen, warum ich scheinbar gut genug bin, Dich jede Nacht warmzuhalten, Du aber nicht mit der Wimper zuckst, mich vor den Frischlingen lächerlich zu machen, indem Du meine Autorität als CAG untergräbst…", gab Lee zurück und ließ ihre Schultern los. Egal, wie er es heute auch anpackte, es war scheinbar falsch. Er hatte das Gefühl, egal wie viel er sagte, wie viel er von ihr forderte, er kam keinen Schritt weiter.
„Das hab ich nicht getan…", sagte Kara. Jetzt klang sie entrüstet. Was bildete er sich eigentlich ein, ihr so etwas vorzuhalten?
„So nein? Und wie dann soll ich den Kommentar verstehen, dass Namen und bloodlines einiges zur Beförderung beitragen können?", Kara biss sich auf die Unterlippe. Sie hatte gewusst, dass es falsch war, ungerecht, das zu sagen, dass Lee keineswegs nur der CAG war, weil er der Sohn des Commanders war, sondern dass er sich sein Abzeichen mehr als redlich verdient hatte, und sie hatte es im selben Augenblick auch schon bereut als es über ihre Lippen gekommen war, aber da war es zu spät gewesen.
„Fehlt ja gerade noch, dass Du den Mädels rätst, sich hochzuschlafen…", Lee hatte keine Ahnung davon, aber er hatte den wunden Punkt, den eigentlichen Punkt dieser Diskussion getroffen und den Grund, weswegen Kara so mad war. Kara, die noch immer mit dem Rücken zu ihm gestanden hatte, wirbelte nun herum. Augenblicklich hatte sie sich vor ihm aufgebaut: „Genau das werde ich tun, und weißt Du was…" ihr Zeigefinger bohrte sich schmerzhaft in seine Brust: „… und ich werde ihnen sagen, dass Sie beim CAG damit anfangen sollen. Ich bin mir sicher, mindesten wird das Angebot gerne annehmen, Apollo!" Ihre Augen funkelten. Die seltsame Betonung seines callsigns irritierte ihn. Irgendetwas in ihrem Blick konnte Lee nicht zuordnen. Was war das? Da war nicht nur Wut, Streitsucht und Zorn. Konnte das, nein, nein, er musste sich täuschen, er musste das missinterpretieren, aber dann war sein Mund doch schneller als seine Gedanken: „Bei den Göttern … Kara, Du bist eifersüchtig?", es kam viel zu sehr wie ein Vorwurf anstatt einer Feststellung aus seinem Mund: „Eifersüchtig … auf dieses Kind?"
Ihre Ohrfeige traf ihn unvermittelt. Und während er noch nach seiner linken brennenden Wange tastete, war Kara schon bei der Tür hinaus.
Als Kara zwei Stunden später zurückkam, war ihr Bett leer. Lee war nicht da. Sie hätte es sich denken können. Never go to bed angry, lautete eine ihrer Abmachungen. Lee schien sich daran zu halten. Nein, er würde nicht in seine alte Koje im Pilotenquartier gegangen sein, alleine schon um den fragenden Blicken der anderen auszuweichen. Andererseits gewundert hätte sich wohl niemand. Sie musste grinsen. Sie beide, der running-gag auf diesem Schiff. Auf scheinbar öffentliche Liebesbekundungen folgten jedes Mal binnen Stunden Ohrfeigen und lautstarte Auseinandersetzungen, nicht selten auch öffentlich. Trotzdem war sie sich sicher, dass er nicht ins Pilotenquartier gegangen war. Sie hatte eine andere Ahnung, wo sie ihn finden würde.
Auf dem Weg zum Hangardeck kreisten ihre Gedanken um ihre gerade eben stattgefundene Unterhaltung mit Helo. Er hatte sie im Trainingsraum gefunden. „Lass mich raten … Apollo.", keine Frage, nicht mal eine rhetorische, sondern eine Feststellung.
Zuerst hatte sie keine Antwort gegeben, sondern weiter auf den Punching-Ball eingeschlagen. Ihre Hände spürte sie schon länger nicht mehr. Helo hatte den Ball aufgefangen und seitlich hervorgeschaut. „Hey, Kara – so schlimm wird's schon nicht sein. Also, was hast Du angestellt?", hatte er wissen wollen.
„Nichts…", hatte sie motzig zurückgegeben.
„Und deswegen prügelst Du auf den Sandsack hier ein, als wenn es kein Morgen gebe?", Helo hatte ungläubig gegrinst. „Kara, komm schon, das geht besser … also, was ist passiert?" „Frakkkk … Helo, bin ich wirklich so durchschaubar?", hatte sie gefragt.
„Erstens ja, zumindest für mich und zweitens, vielleicht erinnerst Du dich, ich war bei Eurer Auseinandersetzung heute Nachmittag dabei… und so wie ich Euch zwei Herzchen kenne, hatte das ein Nachspiel. Also, raus mit der Sprache…", sie kannte Helo und sie hatte gewusst, dass er nicht locker lassen würde, ehe sie ihm eine zufriedenstellende Erklärung für ihr Verhalten serviert hatte. Was soll's, hatte sie gedacht. Früher oder später wäre er sowieso dahintergekommen. Spätestens, wenn Sharon ihm von der Begegnung am Mittagstisch erzählen würde, hätte Helo mühelos eins und eins zusammenzählen können.
Kurz und bündig hatte sie Helo anschließend von ihrem Streit im Quartier berichtet, davon dass Lee den Aschenbecher an die Wand gedonnert hatte, die Tür nun eine Delle hatte, davon dass er ins Schwarze getroffen hatte, mit seiner Bezichtigung, sie sei eifersüchtig. Was war nur in sie gefahren, dass sie das einfach so zugab?
„Man man man … Kara, ihr zwei macht's Euch schon nicht leicht…", Helo hatte zugehört, ohne sie zu unterbrechen und am Ende nur resignierend den Kopf geschüttelt. Kara hatte sich inzwischen an der Wand auf den Boden gesetzt: „Ich weiß…", hatte sie hervorgebracht. „Auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, Dir in den Rundschlag zu geraten, aber Kara: Stop it. Hört endlich auf damit, alle beide." Ein fragender, fast schon unsicherer Blick. Es war das zweite Mal in ziemlich kurzer Zeit, dass sie diese beiden Wörter in Kombination hörte.
„Stop hurting each other. Ihr seid beide head-over-heels ineinander, da hilft kein Streiten und kein Zaudern, kein Prügeln und auch kein Weglaufen, Kara. Oder glaubst Du, Apollo wird deine Launen und Anfälle auf ewig aushalten?" Kara hatte jetzt den Blick gesenkt. Helo, der ihr die Leviten las. Mal wieder. Sie schämte sich. Auch weil sie wusste, dass er Recht hatte. Lee war der geduldigste und vielleicht auch gutmütigste Mensch, den sie kannte. Was sie betraf war er eigentlich viel zu nachsichtig. Fast schon stoisch nahm er ihre Schreianfälle, ihre Wutausbrüche und ihre Zickereien hin – hatte sie gerade Zickerei gedacht? Ohje, soweit war das also schon mit ihr. Aber Helo hatte Recht, niemand machte das ewig mit. Und an diesem Nachmittag, hatte sie den Bogen definitiv überspannt. „Ich hab's übertrieben, nicht wahr?", hatte sie schließlich gefragt.
„Das ist noch sehr freundlich ausgedrückt … der Einzige in diesem Universum, der so verrückt ist, nach so einer Aktion überhaupt zurück zu kommen, ist Apollo.", hatte Helo geantwortet.
Kara's Blick war immer fragender, immer unsicherer geworden: „Jetzt schau' nicht so betröppelt drein, der kommt schon wieder … der liebt Dich nämlich genauso abgrundgöttisch wie Du ihn.", und mit einem Rempler in die Seite hatte er versucht seine Freundin aufzuheitern.
„Danke, Helo."
„Wofür?"
„Für's Kopfwaschen."
Kara ließ ihren Blick über das Hangardeck streifen. Es war relativ ruhig hier. Lediglich an ein paar wenigen Maschinen wurde noch gerabeitet. Lee konnte sie nicht sehen. Seine Viper Mark VII stand in ihrer Parkbucht und sah ziemlich einsatzbereit aus.
„Hey, Starbuck, auch einen Drink?", Tyrol und seine Crew standen neben einer Viper. Jammer hatte eine Flasche Schnaps in der Hand, Cally hielt ihr ein Glas entgegen: „Da sag' ich nicht nein…", antwortete Kara und gesellte sich dazu.
„Hab ich's doch gewusst…", kommtierte der Chief und schenkte ein. Kara nippte, überlegte kurz und sagte dann: „Ein besonders guter Jahrgang Chief" und fügte dann an: „Hat jemand von Euch Apollo gesehen?"
„Mhm, den hast Du gerade verpasst. Der hat an seiner Viper geschraubt, bis vor etwa fünf Minuten", antwortete Tyrol.
„Geschraubt?", warf Seelix ein, die auf einer Werkzeugkiste saß: „Traktiert hat er sie."
„Wo ist er hin?", wollte Kara wissen und versuchte die Unruhe in sich zu überspielen, in dem sie Jammer ihr Glas zum Auffüllen hinhielt.
„In Richtung Observation Deck", sagte der Chief.
„Aber nicht allein…", fügte Jammer an. Ein fragender Starbuck-Blick in die Runde, der sagte: Her mit der Erklärung oder ich schlage zu.
„Dieses dunkelhaarige nugget … wie heißt sie noch gleich…", begann Jammer.
„Samirah", warf Cally ein und leerte ihr Glas.
„…genau die, hat scheinbar einen Narren an ihrem CAG gefressen", vervollständigte Jammer. „Sieht ganz so aus, klebt an ihm, wie eine Klette", sagte Seelix.
„Tja, und Apollo ist viel zu polite und gentle um sie gewaltsam abzuschütteln…", grinste der Chief.
„Apollo vielleicht", dachte Kara und vervollständigte im Geist but I am not. „Danke, dann werd ich mal sehen, ob er Hilfe braucht…", Kara stellte ihr Glas einen Tick zu hart auf die Werkzeugkiste neben ihnen und marschierte schnellen Schrittes davon.
„Mir schwant nichts Gutes", meinte Jammer. Der Rest der Zurückgebliebenen nickte.
Außer Sichtweite der Deck Crew gingen Kara's Schritte in einen flotten Trab über. Eine Kara Thrace lief keinem Kerl hinterher, noch nicht einmal wenn er Lee Adama hieß – nunja, zumindest sollte es nach Möglichkeit außer ihr niemand wissen. Sie wurde schneller. „Frak…", dachte Kara. Ihr Kopf hämmerte, sie war außer Stande einen klaren Gedanken zu fassen. Was zum Donner wollte er auf dem Oberservation Deck? Und warum war er mit diesem kid dorthin gegangen? Bitch, dachte Kara. „Glaubst Du, Apollo wird Deine Launen auf ewig ertragen", hatte Helo eben gesagt. Sie würde ihn doch nicht in die Arme dieser … dieses Kindes getrieben haben? Frak…
„Du kommst öfter hierher?", fragte Samirah.
„Hmmm … ab und zu", gab Lee nüchtern zurück. The hell, wo hatte er sich hier nur hinein manövriert?! Er hatte sein – ihr – Quartier verlassen, weil an schlafen ohnehin nicht zu denken war. Er hatte zuerst versucht, ein Buch zu lesen, hatte aber schnell gemerkt, dass er sich nicht auf die Wörter und Sätze darin hatte konzentrieren konnte. Nach fünf Seiten, von denen er inhaltlich nichts mitgenommen hatte, hatte er aufgegeben, hatte die Eselsohren, die hineingekommen waren, als Kara vorhin das Buch in die Ecke geschmissen hatte, ausgestrichen und es dann beiseitegelegt, hatte sich seine Jacke geschnappt und war zum Hangardeck gegangen. Schraubenschlüssel und Zange würden es ihm wenigstens nicht übel nehmen, wenn er sie heute Abend etwas grober als sonst anpacken würde. Er war gerade damit beschäftigt gewesen, die Hydraulik im Bauch seiner Viper zu kontrollieren, als ein Paar Füße vor ihm erschienen war. Zuerst hatte er gehofft, es könnte Kara sein, hatte aber sofort gesehen, dass sie es nicht war. Viel zu schmal, zu untrainiert, Kara's Beine hatten ganz andere Muskeln.
„Kann ich helfen, Apollo", hatte sie gesagt und ihm nächsten Augenblick hatte sich Samirah unter seine Viper gebückt. Und was hatte er getan? Statt einem „Nein , Danke" war ein „Ja, den 10er Schlüssel, bitte" über seine Lippen gekommen. Sie hatte sich kurz umgesehen, den Schlüssel – den einzigen der dalag, so gesehen war es nicht schwer gewesen, den richtigen zu erwischen – gegriffen und ihn ihm gereicht.
Mit einem kurzen „Danke" hatte er die letzten Schrauben der Verkleidung nachgezogen und war mit den Worten „So, fertig" unter seiner Viper hervorgekrochen, anstatt einfach noch ein bisschen weiterzuwerkeln und zu hoffen, dass sie wieder gehen würde. Samriah hatte vor ihm gestanden, mit erwartungsvollen Augen. Frak…
„Arbeitet der CAG immer so lange?", hatte sie wissen wollen.
„Manchmal", hatte er kurz angebunden zurückgegeben. Er wollte diese Unterhaltung beenden. Er wusste, wenn er eine Chance auf schnelle Aussöhnung mit Kara haben wollte, dann musste er das hier beenden. So langsam ging ihm nämlich ein Licht auf, was Kara vorhin gemeint hatte, als sie gesagt hatte, eine würde das Angebot gerne annehmen. Er wollte eine Distanz zwischen ihnen schaffen, wollte ihr klipp und klar sagen, dass er der CAG und sie eine Pilotenanwärterin war, mehr nicht, er hätte sie barsch zurückweisen können, hätte sie fies von der Seite anreden können, hätte ihr eine extra Schicht aufbrummen können, mit welcher Ausrede auch immer, aber das war nun auch nicht gerade seine Spezialität. Lee hatte sich hilflos gefühlt, und irgendwie war diese Unterhaltung dann in eine falsche Richtung gelaufen, in eine völlig falsche Richtung. Irgendwann hatte er sich auf dem Weg zum Oberservation Deck befunden. Er hatte geglaubt, sie damit abschütteln zu können. Dieses Deck war das erste gewesen, was ihm eingefallen war, aber es war eine schlechte Idee gewesen. Denn Samirah hatte freudig geantwortet, dass sie dort noch nie gewesen sei und ob sie denn mitkommen dürfe. Ob das nun eine Lüge war oder nicht, er hatte es ihr ja schlecht verbieten können. So, und hier standen sie nun und zu Lee's Überraschung und Unbehagen waren sie alleine. Und er hatte sich noch vor der Tür Gedanken gemacht, wie das nun wieder aussehen würde, Apollo, der CAG und das nugget, abends auf dem Observation Deck. Frak, normalerweise wimmelte es hier doch um diese Zeit von Sterneguckern…
„Ein schöner Ort, um alleine zu sein … oder zu zweit", Samirah machte einen Schritt auf ihn zu. „Frak…", dachte Lee. Er hatte es ja befürchtet. Das war eine glatte Lüge gewesen, sie wusste ganz genau, wo das Observation Deck lag und dass es vor allem für Zweisamkeiten gerne genutzt wurde. Wo waren nur Billy und Dee, wenn man sie brauchte? Oder wenigstens Racetrack und HotDog – wollte denn heute Abend gar niemand kuscheln? Außer Samirah? Das war inzwischen offensichtlich. Sie hatte Hoffnungen. Pläne vielmehr. Und vermutlich hatte sie seine ungeschickte Ausflucht mit dem Oberservation Deck völlig falsch interpretiert. Wie konnte man auch nur so dämlich sein, Lee ärgerte sich über sich selbst. Frak, warum hatte er nicht gesagt, er hätte noch im CIC zu tun. Nun, dafür war es jetzt zu spät. Und Samirah schien eine Frau der Taten zu sein. Kein Fackeln, keine Hemmungen. Sie wollte keine Zeit verlieren und die ungewohnt ungestörte Situation in diesem Raum nahm sie scheinbar als Wink des Schicksals. Mit den Worten „Starbuck blufft, nicht wahr…", schob sie ihre Hände rechts und links unter seine offene Jacke an seine Lenden. She wanted into his pants – kein Zweifel. „Warum sollte ein Mann sich mit ihr abgeben, wenn er Besseres haben kann … und ein Mann wie Du kann immer besseres haben…, o", seltsame Betonung. Schon wieder. Was hatten sie denn heute nur alle mit seinem callsign? Ihre Augen voll Erwartung, spitzte ihre Zunge kurz zwischen den vollen Lippen hervor. Nein, Samirah war wirklich keine, die lange hinterm Berg hielt, dachte Lee noch und spürte im nächsten Augenblick schon, wie sie deutlich an seinen Tanks zog, um sie aus der Hose zu bekommen. „Ich glaube, das ist keine gute Idee, Samirah…", ob er überzeugt klang?
„Das glaube ich auch!", Kara lehnte in der Tür, Arme verschränkt, evil-Starbuck-glance on her face: „Erstens, Starbuck blufft nie, merk' Dir das, und zweitens: Get out of here, ASAP…"
Lee atmete erleichtert auf. Ein vielsagender Blick in Richtung Starbuck genügte und Samirah hatte scheinbar verstanden, denn sie schüttelte leicht den Kopf, ließ Lee los und wandte sich zum Gehen. Als sie an der Tür angekommen war, flüsterte Kara: „You'll never ever know, how he feels like…", damit schien ihr alles gesagt.
Kara trat zu Lee. Sein Blick sagte „Danke."
„Wie sollen wir denn den Krieg gewinnen, wenn der CAG schon nicht mehr mit Kindern fertig wird?", er merkte es sofort, ihre Stimmung war deutlich leichter als zuvor. Sie war nicht mehr bissig, nicht mehr in the mood for fighting, ihre Wut war verraucht.
„Kara…" / „Lee…", begannen beide gleichzeitig.
„Ich zuerst, Lee.", beharrte Kara: „Es tut mir Leid. Ich wollte Dich nicht ohrfeigen, ich wollte Dich heute Nachmittag nicht bloßstellen, es ist nur … Du hattest recht: Ich war … bin … eifersüchtig auf dieses Kind."
„Du weißt, dass Du keinen Grund dazu hast, oder?", antwortete er sachte.
Ihr stummes Nicken war ihm Antwort genug.
„Hmm… es ist nur … ich weiß, es ist egoistisch, aber ich will Dich nicht teilen Lee, mit niemanden. Ich will…"
„Ssschh …", mit Daumen und Zeigefinger hob er ihr Kinn vorsichtig an: „Egoistisch ja, aber auch ehrlich. Und Kara, weißt Du, dass Du frakking süß bist, wenn Du eifersüchtig bist?" Bitte was? Süß? „Lee … sag' das nochmal und Du hast ein blaues Auge. Ich bin nich S, verstanden?!"
Frak, diese blauen Augen, diese Tiefe, diese Sanftheit: „Doch bist Du…"
Aus ihrer beider Grinsen wurde ein ehrliches, aufrichtiges Lachen. Und in dem Moment wussten sie beiden: alles gut. Das mit ihnen, das war wieder in Ordnung.
„Gut, und da wir diesen sonst so gutbesuchten Raum ausnahmsweise mal für uns alleine haben, würde ich vorschlagen wir tun das, was alle anderen hier auch tun…", sie blickte ihn fragend an. Was meinte Lee damit? „Gemütlich machen und Sterne beobachten und von einer besseren Zukunft träumen…", sagte er und drückte Kara in den Sessel hinter ihnen.
„Bright shiny futures are overrated…", kommentiere Kara.
„Sei nicht so destruktiv…", er ließ sich daneben nieder, klappte die Armlehne zwischen ihnen hoch, streckte sich aus und legte seinen Kopf in ihren Schoss: „So, jetzt passt's…"
„Lee? Wenn jemand rein kommt?", fragte sie unsicher.
„Dann wird er denken: Nichts Neues, Starbuck und Apollo sind wieder in der Kuschel-Phase.", gab Lee nüchtern zurück. Eine Zeit lang betrachteten die beiden die vorbei ziehenden Sterne. Sie hatte es nicht einmal bewusst wahrgenommen, aber irgendwann hatten ihre Finger angefangen mit seinen Haaren zu spielen. Sie drehte kleine Schrauben mit ihnen, strich sie dann wieder glatt, and started curling again.
„Lee…wegen vorhin…"
„No take-backs, Kara."
„No take-backs?"
„No take-backs.", damit erschien den beiden alles gesagt.
Was auch immer es bedeuten würde.
„Sag mal, wenn wir die Erde erreicht haben, was tun wir dann?", fragte sie schließlich.
„Was wir dann tun? Wir bauen uns eine Hütte, ich gehe auf die Jagd und bring das Abendessen heim…", Lee schien ganz genaue Pläne für die Zukunft – their future – zu haben.
„Was macht Dich so sicher, dass ich dann weiterhin mit DIR unter einem Dach leben will, wenn ich erst mal die Wahl dazu habe?", sein Blick ließ keinen Zweifel zu. Er sagte ihr: Ich weiß das ganz genau, uns zwei bringt nichts mehr auseinander.
„Lee…ich kann aber nicht kochen…", flüsterte Kara kleinlaut.
„Ich schon…", sagte er und abermals an diesem Abend verlor sie sich in seinen Augen.
Gaetas Stimme riss sie im nächsten Augenblick aus ihrer verträumten Zukunftsplanung: „Action stations. Action stations. This is no drill…"
„Ich fürchte die Einrichtung müssen wir uns wann anders überlegen", Lee war schon aufgesprungen: „So far for today…", er zog Kara mit einer Hand hoch und die beiden stürzten bei der Tür hinaus.
Ich weiß, ich mach's den beiden schon auch nicht leicht ... seid gespannt, wie es weiter geht. Warning: Im nächsten Kapitel wird's wieder ein bisschen "dunkler", nichts für schwache Nerven!
Eure PoV
