Renee setzte sich mit Becca auf die Couch und liess die Kleine erst mal weinen. Becca klammerte sich an Renee, als wollte sie sie nie wieder loslassen. Renee verstand Becca sehr gut, sie wiegte sie sachte hin und her. "Geht´s wieder, mein Engel?" fragte sie nach einer Weile und Becca nickte. "Ich hab so Angst gehabt, Mum."
"Ich weiss doch, mein Schatz. Aber ich bin doch jetzt da und alles ist wieder in Ordnung. Wir haben Dich alle so lieb, Becca." Renee busselte das Mädchen heftig und Becca musste Lachen. "Na siehst Du. Ah... und Hotch-Dad und Jack kommen auch." Renee hatte die Türe gehört.
"Ich dachte, ich muss mal schauen, was meine zwei Frauen machen", Hotch lächelte Renee und Becca liebevoll an. "Ist alles ok?"
"Jetzt schon", murmelte Becca leise und streckte ihre Arme nach Hotch aus. "Drück mich ganz fest, ja Hotch-Dad?" Hotch lachte leise, "mach ich das nicht immer, meine Süsse?"
"Kannst Du mich ein bisschen rumtragen?" Becca schmatzte Hotch einen dicken Kuss auf die Wange. "Ein bisschen um´s Haus, mein Spatz?" Becca nickte, "oh ja, bitte."
Jack kuschelte sich derweil an Renee, die auf der Couch saß. "Weißt Du, ich hab auch Angst gehabt.", liess Jack Renee wissen. "Wovor denn, Jack?"
"Daß ich keine Mum mehr kriegen würde, als Callie weggegangen ist. Daddy ist so traurig gewesen und ich auch." Renee küsste Jack auf die Haare, "Du musst nicht mehr traurig sein, Jack. Ich werd nicht weggehen, ganz bestimmt nicht."
"Vom FBI?", fragte Mona misstrauisch und Derek nickte. Er zog seinen Ausweis aus der Tasche. "Er ist wirklich vertrauenswürdig, Mona", unterstützte Jess Derek ein bisschen. "Allerding würde ich auch gerne hören, warum Derek zum Heiratsschwindler mutiert sein soll." Jess lachte und Mona entspannte sich ein wenig. Ihre sympathische Kundin schien Derek wirklich gut zu kennen und offenbar war sie von seiner Unschuld überzeugt.
"Also gut, Derek Morgan vom FBI. Dann erzähl mal, aber ich hoffe, Deine Story ist gut."
Derek seufzte kurz, "ich hab Dich wirklich angelogen, Mona. Ein einziges Mal. Ich hab nämlich keine Ahnung von Mambo, eine Kollegin hat mir gestern einen Crashkurs gegeben."
" JJ?", fragte Jess. "Jep. Und Strauss hat uns erwischt." Jess prustete los, "ist nicht Dein Ernst?"
"Doch, und sie erwartet, daß ich einen Traingsplan erstelle, weil Tanzen fit hält und das können unsere Agents alle gebrauchen, ausserdem macht es Spass."
"Ich möchte nicht in Deiner Haut stecken", Jess kriegte sich kaum noch ein, sie stellte sich gerade bildlich vor, wie Strauss Mambo tanzte.
"Könnten wir wieder ernst werden, bitte? Ok, es hat alles vor ein paar Wochen angefangen, ich bin mit einem Freund und seinen Kindern im Zoo gewesen. Hotch hat vor einem Jahr seine Frau verloren und er ist mir einfach verdammt einsam vorgekommen und dann bin ich auf die Idee mit der Anzeige gekommen. Ich dachte, ich finde was Passendes für ihn und dann war da plötzlich Renee und irgendwie war dann alles so kompliziert..."
"Renee ist die Freundin, mit der ich hier war", erklärte Jess und Mona nickte, sie erinnerte sich an die hübsche Braunhaarige. "Und Derek hat recht, Aaron war einsam, als Callie gestorben ist."
"Callie, geliebt von Aaron und Jack", sagte Mona tonlos, sie kannte die Beiden, sie hatte Callie ihr Brautkleid verkauft. Sie musste immer wieder an dieses traurige Brautpaar denken. Mona musste sich die Nase putzen. Jess nickte, "das Brautkleid war von Ihnen, Mona."
"Und Dein Freund hat keine Ahnung von der Anzeige?", hakte Mona nach. Derek schüttelte den Kopf, "keinen blassen Schimmer. Und ich erwarte, daß das auch so bleibt." Derek warf Jess einen ernsten Blick zu. "Rossi hat gesagt, Hotch würde mich vierteilen."
Jess kicherte, "wenn nicht sogar noch Teeren und Federn, Derek. Aber Du hast es gut gemeint, das muss ich zugeben. Ich finde aber schon, ein bisschen Strafe müsste sein, finden Sie nicht, Mona?"
Mona grinste, anscheinend war Derek kein übler Kerl, ihr erster Eindruck hatte sie also nicht getäuscht. Aber Jess hatte recht. "Finde ich auch, an was haben Sie denn da so gedacht, Miss Brooks?"
"Also, ich denke, wir sollten alle was davon haben, nicht wahr? Betrachten Sie sich als offiziell zu meinem Jungesellinenabschied eingeladen, Mona." Derek schwante fürchterliches...aber nein, auf so eine Idee würde Jess niemals kommen. Jess war schwanger, solide und...kam nicht auf solche Ideen.
Derek fiel fast in Ohnmacht, als Jess laut lachend erklärte, was sie von ihm erwartete.
"So, nachdem Du jetzt eine fast unanständige Menge Geld ausgegeben hast, was machen wir jetzt?", fragte Spencer seinen Liebsten. Ken lachte, "gute Frage, Herzblatt. Geldausgeben macht mich immer hungrig, wollen wir was Essen gehen?" Spencer sah auf die Uhr, es war kurz nach 12. "Ich sterbe vor Hunger", gab Spencer zu. "Anschliessend müssen wir uns um Jess und Dave´s Hochzeitsgeschenk kümmern, das schieben wir schon so lange vor uns her."
"Puh, ich dachte, Du hast da schon längst was besorgt, Ehemann", neckte Ken seinen Angetrauten. "Sushi?" Ken stoppte vor einem Japaner. Spencer schüttelte sich entsetzt, "hast Du mich schon jemals kalten, rohen Fisch essen sehen?" Ken überlegte kurz, "eigentlich nicht."
"Das wirst Du auch nie", erklärte Spencer entschlossen und schob Ken in eine Tapas Bar, gleich gegenüber.
Spencer lehnte sich in seinem Stuhl zurück. "Und jetzt sag mir nochmal, daß roher Fisch besser ist als das hier.", sagte er eine gute Stunde später, nach Tortilla, Fleischspiessen in Marsala, eingelegtem Gemüse und etlichem mehr. Ken nahm noch einen Schluck von dem kräftigen Roten. "Ok, ich gebe mich geschlagen, mir hat´s auch geschmeckt. Und Sushi kann da nicht mithalten."
"Wusste ich es doch. Aber wir haben immer noch das Rossi/Brooks Problem. Was schenkt man jemandem, der eigentlich alles hat?"
Ken runzelte die Stirn, verdammt gute Frage. "Okay, wie wäre es damit? Sie kriegen für ein Wochenende mein Apartment und wir organisieren ein Programm drum herum? Helikopterflug, Theaterbesuch, ein schönes Essen?"
"Helikopterflug?" wiederholte Spencer und hielt sich die Hände mit etwas Abstand vor den Bauch. Ken stutzte kurz, "Ach so, ja. dann ohne Heli-Flug, was meinst Du?" Spencer kicherte, "viel besser als der Sektkühler, den ich kaufen wollte."
"Mein praktischer Ehemann", Ken lächelte und küsste Spencer liebevoll. "Sehen wir zu, daß wir nach Hause kommen, ich würde gern auf das Thema von heute Morgen zurückkommen."
Spence gab sich ahnungslos, "keine Ahnung, was Du meinst." Ken sah sich schnell um, sie waren unbeobachtet. Er streichelte Spencer verlangend über seinen Schritt. "Immer noch keine Ahnung?" "Nicht die Geringste", log Spencer und versuchte an etwas Neutrales zu denken...wie Ken´s Bauchmuskeln oder seinen ähm,..."Wir würden gerne zahlen", rief Spencer entschlossen.
"Wie war das nochmal mit dem Sex-Süchtig?", fragte Spencer atemlos und machte sich an Ken´s Hose zu schaffen. Der Weg nach Hause war irgendwie endlos gewesen, gerade war die Türe in´s Schloss gefallen. "Du stehst mir da doch in nichts nach, Mr. Reid-Baker." Spencer küsste Ken verlangend und presste ihn gegen die Wand, seine Hand fuhr in Kenneth´s Slip und umfasste Ken´s beginnende Erektion. Ken keuchte und stöhnte, Spencer wusste genau, wie er ihn Wahnsinn treiben konnte. Irgendwie stolperten sie in´s Schlafzimmer, ihre Klamotten landeten in einer Spur auf dem Boden. Ken schubste Reid auf´s Bett und streichelte seinen Oberkörper, küsste seine Halsbeuge und beschäftigte sich ausgiebig mit Spencer´s Brustwarzen. "Ken...ich komme gleich, Ken", flüsterte Reid und keuchte laut auf, sein Mann war nach unten gerutscht und und schloss seine Lippen um ihn. Im gleichen Moment war Spencer verloren.
Renee fand Hotch auf der Veranda auf der Hollywood Schaukel. Er hatte seine Kamera in der Hand. "Hey", sagte Renee und reichte ihm ein Glas Eistee. "Sind das die von heute Mittag?", wollte sie wissen und setzte sich zu ihm. "Ja, möchtest Du mal sehen?"
"Was ist das denn für eine Frage, na klar. Ich muss doch wissen, ob ich fotogen bin", Renee lachte herzlich. "Du bist eine wunderschöne, junge Frau Renee. Bist Du sicher, daß Du einen alten Knacker wie mich wirklich haben willst?"
"Alter Knacker? Ist mir noch nicht aufgefallen, Hotch. Die Nummer am Strand war sicher nicht die eines alten Mannes, also hör auf mit dem Unsinn. Ich liebe Dich, hörst Du?" Renee sah Hotch ernst an, "Du bist die Liebe meines Lebens, Aaron, Ich will mit Dir alt und grau werden und mit unseren Enkelkindern hier auf der Veranda sitzen. Punktum."
"Punktum?" Renee nickte, "Punktum. Und jetzt lass mich gucken." Sie schmiegte sich an Hotch und er legte seinen Arm liebevoll um sie. "Das ist schön, Aaron", das Bild zeigte Renee und die Kinder beim Burgenbauen, sie strahlten in die Kamera. "Und das erst", schmunzelte Hotch, das Motiv war Renee, sie war gerade aus dem Wasser gekommen und sah umwerfend aus, fand Hotch.
"So hübsch bin ich doch gar nicht, Aaron", meinte Renee und wurde ein bisschen rot. "Und eigentlich bin ich doch gar nicht Dein Typ, ich meine Haley und Callie waren zarte Blonde, ich bin eine üppige Dunkelhaarige."
"Schau mich mal an, Renee", bat Hotch und sah ihr dann in die Augen, "mir ist das völlig egal, Fröschchen. Es würde mich nicht kümmen, wenn Du zwei Meter groß wärst und blaue Haare hättest, ich liebe Dich, so wie Du bist." Die Worte waren heraus, bevor Hotch sich versah. Aber es war ja so. Er liebte Renee. "Ich liebe Dich, Renee", sagte Hotch noch einmal, um Renee zu zeigen, daß er es ernst meinte. Renee´s Augen wurden feucht, er hatte es gesagt. Zwei mal. Renee schwebte gerade mindestens besagte zwei Meter über dem Boden. "Du weinst aber jetzt nicht, mein Engel, oder?" Hotch lächelte und zog Renee noch ein bisschen näher an sich heran. Er konnte kaum glauben, daß er wieder glücklich war.
Als er das letzte Mal hier gewesen war, hatte es nicht danach ausgesehen. Es war ein paar Tage nach Callie´s Tod. Er hatte sich hier verschanzt, redete mit niemanden, ass kaum etwas, seine einzigen Freunde waren Jack und Johnny. Hotch erinnerte sich, daß er seine Waffe in der Hand hatte, mehrfach. Das Einzige, was ihn damals abhielt, waren sein Sohn Jack und das Versprechen, das er Callie gegeben hatte. Nicht verzweifeln und eine neue Liebe finden. Hotch erschien das damals unmöglich, seine Liebe lag doch in diesem Sarg und trug ihr Hochzeitskleid. Dann war Sean aufgetaucht, wie aus dem Nichts. Und er hatte ihm eine reingehauen, die ihn auf die Bretter schickte. Das Nächste, an das sich Hotch dann erinnerte war, daß Sean ihn unter eine eiskalte Dusche gestellt hatte und ihm einen gigantischen Anschiss verpasste. Hotch wusste den genauen Wortlaut nicht mehr, er wusste nur noch, daß er in Sean´s Armen geweint hatte, wie ein kleiner Junge.
"Dürfen wir mitkuscheln?" Jack´s Frage riss ihn aus den trüben Gedanken. "Natürlich, kommt her Ihr Zwei." Hotch und Renee schlossen ihre Kinder in die Arme.
Ken und Spencer lagen ineinander verknotet in Spencer´s Bett. Ken brummte zufrieden und streichelte seinen Mann liebevoll. "Jetzt brauchen wir nur noch eine passende Bleibe. Dein Apartment ist kuschlig, Spence, aber auf Dauer zu klein." "Hm, ich gebe es ungern zu, aber Du hast recht.", stimmte Spencer zu, seine 60qm waren überschaubar, ganz im Gegensatz zu Ken´s Apartment in NY, das locker doppelt so groß war. Spencer´s grobe Schätzung belief sich auf 145,67qm. Exclusive der Dachterrasse.
"Haus oder Wohnung?", wollte Spencer wissen. "Haus natürlich, mit einem Garten, zum Spielen."
"Zum Spielen", wiederholte Spencer träumerisch, "für unser Kind. Ob Kikki wirklich gut darüber nachgedacht hat? Ich meine, wenn man die reinen Fakten betrachtet, sie würde ihr Kind hergeben. Nicht an fremde Leute, Ken, aber trotzdem. Können wir ihr das denn zumuten?"
Ken verstärkte seine Umarmung. "Ich weiss nicht, Spence. Ich hab auch schon darüber nachgedacht. Kikki würde uns das aber nicht anbieten, wenn sie sich nicht sicher wäre. Aber im Moment ist das eine rein hypothetische Diskussion, Spence. Auch wenn ich es schön fände, daß er oder sie die Gene von uns Beiden hätte. Ich bin nicht sicher, ob wir Kikki´s Angebot annehmen können. Sie ist meine ganze Familie, zusammen mit Dir natürlich, ich will ihr nicht weh tun, Spencer."
"Das wirst Du nicht, Ken. Was ist denn mit Deinen Eltern? Denkst Du nicht, es wäre an der Zeit, Dich mit Ihnen auszusprechen?" Kenneth setzte sich ruckartig auf, "ich bin für meine Eltern gestorben, Spencer. So wie sie für mich. Und darüber will ich nicht reden, kannst Du das respektieren?" Ken sah seinen Mann ernst an und Spencer küsste ihn liebevoll. "Ich will Dich zu nichts drängen, Ken. Ich will nur, daß Du glücklich bist. Wenn es Dich glücklich macht, nicht über Deine Eltern zu reden, dann akzeptiere ich das. Ich verstehe es nicht wirklich, aber ich respektiere Deinen Wunsch." Ken nickte zufrieden. "Ich hab wirklich Glück mit Dir, Spencer Reid-Baker." Spencer schüttelte den Kopf, "ganz und gar nicht, ich bin der jenige welche. Und jetzt küss mich, ich hab schon wieder Entzugserscheinungen."
