Kapitel 21

Alice Sicht

Endlich hatte ich den Freitag hinter mich gebracht und musste mich zwei Tage nicht um Jasper kümmern. Erleichtert stöhnte ich auf und ließ mich an der Haustür auf den Flurboden gleiten. Es war anstrengender als ich gedacht hatte Jasper zu ignorieren.

Ich brachte meine Schultasche in mein Zimmer und wollte mir ein Buch aus dem Regal suchen, als es an der Haustür klopfte. Sam hatte ich lang nicht mehr gesehen und ich freute mich, mal wieder mit meinem Bruder zu reden.

„Was hast du am letzten Wochenende gemacht?" Klar wollte er das wissen. „Ich war campen." Der trotzige Unterton ließ sich nicht vermeiden, doch dann musste ich wieder an Jasper denken und ich wurde ruhig. Sam dagegen explodierte. „WAS? Ich hab dir doch gesagt es ist zu gefährlich im Wald zu campen. Du... du warst nicht im Reservat." Ihm schien zu dämmern, was ich gemacht hatte. „Alice, sag mir, dass du nicht alleine ihm Wald, außerhalb des Reservats warst." „Sam das kann ich nicht. Aber du hast keinen Grund sauer zu sein die Cullens haben mir nichts getan..." Was weißt du über die Cullens?" Wenn Sam kurz davor war die Beherrschung zu verlieren wurde er immer ganz still. So wie jetzt.

„Ich weiß, dass sie Vampire sind. Aber ich verstehe nicht ganz was das Problem zwischen euch beiden ist. Die Cullens jagen nur Tiere, das hab ich gesehen, nachdem ich es herausgefunden hatte. Sie töten keine Menschen, im Gegenteil. Carlisle ist Arzt, er hilft ihnen." „Wenn ein Vampir seine Beherrschung verliert ist er kaum noch aufzuhalten. Alice sei vernünftig. Vampire sind zu gefährlich."

„Ach, aber Werwölfe sind zahme Schoßhündchen?" Jasper stand auf einmal hinter Sam in der Küche. „Was hast du hier zu suchen, Sam?"

„Das könntest du dich selbst fragen. Ich kann mich nicht erinnern dich rein gelassen zu haben." Er ging wirklich zu weit, wenn er einfach in mein Haus kam, ohne zu fragen. Langsam drehte er seinen Kopf zu mir. „Ich muss mit dir reden." „Wie du siehst habe ich gerade Besuch. Vielleicht ein andermal." Eigentlich hatte ich nicht so kalt sein wollen und die Reaktion von Jasper konnte ich mir auch nicht erklären. Er zuckte vor meinen Worten zurück, wie vor Säure. Dann bis er die Zähne zusammen. „Es ist wirklich wichtig." Ich schaute zu Sam, der am ganzen Körper zitterte. „Sam?" Er schüttelte den Kopf, ein klares Zeichen, dass er nicht wollte, dass ich mit Jasper redete. „Du kannst doch zu Emili fahren und ich komm dann nach." Auch wenn es wie ein Vorschlag klang, wusste Sam, dass ich mit Jasper reden wollte. So schnell er konnte rannte er aus dem Haus und explodierte direkt vor dem Wald zu einem riesigen schwarzen Wolf.

Traurig sah ich ihm hinterher, bevor ich mich an Jasper wandte. „Also, was ist so wichtig?" Er hatte sich entspannt, sobald Sam den Raum verlassen hatte. „Es geht um Victoria. Sie hat mitbekommen, wie ich mit Edward über die letzte Woche und vor allem über das Wochenende geredet habe." „Und jetzt ist sie sauer. Da kann ich nichts machen Jasper." Gequält schaute er mich an. Die Neutralität, die die ganze Woche über in seinen Augen gelegen hatte war verschwunden. „Vampire sind sehr nachtragend und vor allem rachsüchtig. Victoria denkt, du hattest mich dazu gebracht mich in dich zu verlieben und ist davon überzeugt, du hättest ihren Seelenverwandten gestohlen. Aber das hast du nicht, denn ich bin nicht ihr Seelenverwandter." „Was bedeutet das?" Lag das nicht auf der Hand? Eine Vampirin war sauer auf mich, weil sie dachte ich hätte ihr versucht den Freund auszuspannen. „Ich meine kann man sie nicht davon überzeugen das sie falsch liegt. Schließlich hast du dich ja gar nicht in mich verliebt, oder?" Jasper vergrub sein Gesicht in den Händen und kam langsam auf mich zu. Erst als er eine Handbreit von mir entfernt stand ließ er die Arme wieder sinken. Seine rechte Hand legte sich an meine Wange und die Linke an meinen Hals. „Doch, genau das habe ich." Seine Daumen strichen über meine Wangenknochen und ich holte tief Luft. Alle Gefühle, die ich angestaut hatte bahnten sich ihren Weg nach draußen. Er wusste wie ich mich fühle, er konnte meine Gefühle wahrnehmen, so wie Edward Gedanken lesen konnte. Ein glückliches Lächeln hellte sein Gesicht auf und er zog mein Gesicht an seines heran.

Dieser Kuss war anders, sanfter und mit anderen Gefühlen. Das Verlangen war nicht mehr so deutlich zu spüren, stattdessen lag eine tiefe Sehnsucht in dem Kuss. Bevor ich mich darin verlieren konnte, wie seine kalten Lippen meine berührten, zog er sich zurück und schaute mich ernst an. „Victoria wird das nicht einfach hinnehmen. Sie hat vor dich zu töten und das werde ich nicht zulassen. Meine Familie hilft mir dabei, aber du musst hier weg. Irgendwo hin, wo sie dich nicht findet."