Eine Hand lag auf ihrer Schulter und sie konnte Stimmengewirr hören, als sie wieder zu sich kam.
„Wer ist das? Kennt man die?", hörte sie eine Männerstimme fragen.
„Ich brauch eine Zigarette!", stöhnte Helia, während sie sich langsam wieder aufrappelte. Auf dem Boden unter ihr lag immer noch Snapes Leiche. Ihr weißes Seidenkleid war über und über mit Blut befleckt und sogar ihr Haar hatte etwas abbekommen. Sie musste einen guten Eindruck machen.
„Mädchen, hast du Zigaretten in deiner Handtasche?", fragte sie genervt und sah auf die Handtasche des braunhaarigen Mädchens.
„Nein - nein leider nicht, Madame.", antwortete sie stotternd. Ihr Anblick musste sie auch ziemlich verwirren.
„Schade drum.", bemerkte sie. Glücklicherweise hatte sie selbst noch genügend, sonst würde dies eine sehr unangenehme Nacht werden, für jeden der ihr begegnete.
„Wer zur Hölle sind Sie?", fragte der rothaarige Junge, der sie misstrauisch beäugte.
„Zur Hölle.", wiederholte sie lachend. „Das ist gut." Fragend sahen sich die Jugendlichen an.
„Ich bezweifle, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Erklärungen ist. Ihr würdet es ohnehin wieder vergessen." Sie streckte sich ein wenig und sah auf die Leiche zu ihren Füßen. Eine leere Hülle, nichts weiter. Sie wollte das Zimmer verlassen, als die drei plötzlich ihre Zauberstäbe auf sie richteten.
„Die war bei den Malfoys! Jetzt erinnere ich mich. Hatte ganz vergessen, dass sie da war.", sagte der rothaarige Junge verwirrt.
„Vergessen, wie ich schon sagte. Und jetzt runter mit den Zauberstäben, sonst tut sich noch jemand weh.", befahl sie. „Ich bin unbewaffnet, wie euch vielleicht aufgefallen ist." Weiter kam sie nicht, denn eine eiskalte, hohe Stimme durchbrach die Unterhaltung. Er gab ihm eine Stunde sich zu stellen. Eine Stunde, die Verwundeten und Toten wegzuschaffen, dann würde er selbst kommen und ihn sich holen. Solange würde er auf ihn warten, im Veorbtenen Wald, wo auch immer das sein mochte.
„Wo ist dieser Wald?", fragte Helia an die Jungen gewandt.
„Der große Wald? Direkt neben der Schule?", sagte der Rothaarige und sah sie an, als sei sie ein bisschen dämlich.
„Danke Junge.", sie nickte ihm dankend zu.
„Auf welcher Seite stehen Sie?", fragte Potter misstrauisch, ehe sie gehen konnte. Er war zwar davon ausgegangen, dass sie ein Todesser sein mochte, aber sie trug keine Tätowierung und machte auch keine Anstalten sie auszuliefern, Hilfe zu holen, oder sie zu bedrohen.
„Auf meiner Seite." antwortete sie „Immer auf meiner.",
„Sie wollen doch jetzt nicht etwa zu ihm gehen? Allein, unbewaffnet?", fragte das Mädchen und sah sie verwirrt an.
„Lass das mal meine Sorge sein, Kind. Habt ihr nicht eine Schlacht zu gewinnen?", fragte sie und drängte sich an ihnen vorbei zur Tür.
„Einen Krieg!", fügte Harry Potter hinzu.
Der Boden war uneben und voller Wurzeln. Mehrmals hatte sie sich an dornigen Büschen festhalten müssen, um nicht den Halt zu verlieren. Dieser Wald gehört auch wirklich verboten, dachte sie, während sie sich fluchend einen Weg hindurch bahnte. Man würde sie schon von Weitem kommen hören. Waren das da gerade etwa Zentauren? Sehr schön. Was war das bloß für eine Schule, die Zentauren auf ihrem Gelände duldete? Sie würde es nicht wundern, wenn gleich noch ein paar Dementoren auftauchen würden. Über die sie sich allerdings freuen würde. Sie wären ein sicheres Zeichen, dass sie auf dem richtigen Weg war. Kaum hatte sie den Gedanken zu Ende geführt, konnte sie auch schon die Kälte spüren. Sie erkannte ihre Schatten, die sich lautlos zwischen den Bäume hin und her bewegten. Helia konnte Dementoren nicht ausstehen und die Dementoren sie nicht. Noch nie. Beide wollten Seelen und somit waren sie praktisch natürliche Feinde. Glücklicherweise hatte sie ihren Zauberstab doch mitgebracht, wenn auch gut in ihrem Ausschnitt versteckt. Ohne Zauberstab war ein Patronus selbst für sie unglaublich schwierig heraufzubeschwören. Rings um sie herum kamen immer mehr Dementoren zwischen den Bäumen hervor. Der Weg schien schon einmal nicht so verkehrt zu sein, dachte sie.
„Verschwindet!", befahl sie ihnen. Sie hatten einen respektvollen Abstand gewahrt und kamen nicht näher auf sie zu. Jedoch gehorchten sie nicht. Langsam schwebten sie auf der Stelle. Helia ging ein Stück auf sie zu, doch sie wichen nicht zurück.
„Verschwindet!", befahl sie erneut. Sie war vor einem sehr großen Exemplar angelangt, welches ihr den Weg versperrte. Dieses Verhalten legten sie meist an den Tag, wenn sie eine von Helias Sorte erwischten. Sie in ihrem Kreis einschließen, damit sie ihnen nicht ihre Opfer streitig machen konnte.
„Ihr habt es nicht anders gewollt!", sagte sie kühl „Expecto Patronum!", rief sie und ein Schwarm eleganter Elstern schoss aus ihrem Zauberstab und stob die Dementoren auseinander. So konnte sie ihren Weg fortsetzen. Der Boden wurde ein wenig abschüssig und es kam ihr vor, als würde sie einen Berg hinab laufen. Sie blieb eine Weile stehen, um zu lauschen. Müssten hier nicht irgendwo Stimmen sein? Er wäre bestimmt nicht allein gegangen. Schließlich würde er wollen, dass so viele seiner Anhänger wie möglich dabei zusahen, wie er den Jungen endgültig vernichtete und seine Macht ein für alle Male bewies. Es war still und finster. Keine Menschenseele trieb sich hier draußen herum. Nicht einmal der Junge. Er hatte ja noch Zeit, dachte sie. Irgendwie ging sie nicht – anders als Tom – davon aus, dass er sich einfach stellen würde. Er war noch ein Kind. Sie hatte selten Kinder oder Jugendliche in seinem Alter erlebt, die keine Angst vor dem Tod oder dem Sterben hatten, vorausgesetzt sie waren gesund. Sie lief weiter. Was blieb ihr auch anderes übrig? Wie groß kann dieser scheiß Wald schon sein?, fragte sie sich. Nach einer Weile konnte sie endlich ein Licht erkennen. Es war ein orange-roter Schein, wie der eines Lagerfeuers. Sie war auf dem richtigen Weg. Endlich. Zwischen den Bäumen blieb sie stehen. Mehrere Todesser standen wachsam auf einer kleinen Lichtung, dicht gedrängt beieinander. Irgendwo zwischen den Bäumen erkannte sie zwei Riesen, vermutlich war der Kleinere der beiden dieser Hagrid. Wozu sie die wohl hergebracht hatten? Stinkende Biester, dachte sie. Die Schlange war ebenfalls anwesend. In ihrer silbernen Sphäre, ringelte sie sich fröhlich über den Köpfen der Todesser. Niemand sprach ein Wort. Die Todesser blickten stumm umher, wartend. Vorsichtig, um nicht zu viel Aufsehen zu erregen, trat sie zwischen den Bäumen hervor. Augenblicklich waren Zauberstäbe auf sie gerichtet.
„Kein Grund sich in die Hosen zu machen.", sagte sie scharf „Ich bin nicht Potter!" Ein Raunen ging durch die Menge. Scheinbar hatte sie falsche Hoffnungen geweckt.
„Ich muss mit dir sprechen.", sagte sie und schritt auf Tom zu, der sie - wie gewohnt – zornig anblickte. „Allein!", fügte sie hinzu. Er wirkte widerwillig. Schließlich konnte der Junge jeden Moment hier auftauchen.
„Keine Angst, du verpasst nichts. Er ist nicht da draußen. Glaub mir, ich hätte ihn gesehen oder er mich, solange wie ich hier herumgeirrt bin." Resigniert willigte er ein sich mit ihr zu unterhalten. Sie gingen ein Stück, um von den Anderen weg zu kommen.
„Sprich!", befahl er ihr.
Sie sah ihn nur zornig an, holte mit einem mal aus und schulg ihm zielsicher ins Gesicht. „Was zur Hölle läuft falsch mit dir?", flüsterte sie zornig „Was, Tom? Gibt es einen Namen für das, was mit dir falsch läuft?" Er starrte sie erbost an und betastete kurz seine Wange. Sie hatte nicht sehr fest zugeschlagen, scheinbar fehlte ihr die Kraft dazu. Der Zorn, der in seinen Augen aufglühte, war überwältigend. Wie konnte sie so dumm sein? Blitzschnell griff er nach ihrem Hals und drückte gefährlich stark zu. Sie bekam keine Luft mehr und versuchte seinen Griff von ihrer Kehle zu lösen. Ihre Fingernägel gruben sich in seine Hand, jedoch hatte es keinen Sinn. Er zog sie etwas zu sich empor. In seinen Augen lag purer Hass.
„Tu das nie wieder!", zwischte er gefährlich in ihr Ohr, ehe er sie wie eine Puppe zu Boden warf. Sie keuchte und musste schmerzhaft husten, doch die Luft kam zurück.
„Wieso Severus? Wieso nicht Malfoy oder irgendjemand anderes? Was hat er getan, dass er so einen Tod verdient? Er war dir immer treu ergeben!", fragte sie mit heiserer Stimme und richtete sich langsam wieder auf. Er betrachtete sie genauer und erkannte, dass sie über und über mit Blut beschmiert war. Es war mittlerweile braun und hart geworden. Sie musste ihn gefunden haben. Trauer schwang in ihrer Stimme mit. Scheinbar hatte sie ihn wirklich gemocht.
„Er hat mir immer treu gedient, wie du selbst sagst. Aber er tötete Dumbledore also musste ich ihn töten, damit der Elderstab wahrhaft mir gehört. Ich bedaure es.", erklärte er ruhig.
„Ach was? Glaub doch nicht an solche Märchen! Die Macht des Stabes hängt einzig und allein von demjenigen ab, der ihn führt!"
„Wie schon gesagt, du verstehst es nicht.", gab er zurück und wand sich um. Die Unterhaltung war für ihn beendet.
„Na solange du es verstehst. Ich hab keine Lust mehr auf diesen Unsinn! Ich werde diesen kleinen Bengel jetzt selbst suchen und herbringen. Ist es nicht vollkommen egal wie du ihn umbringst, ob er sich nun freiwillig stellt oder nicht? Die Sieger schreiben die Geschichte. Immer! Du kannst am Ende doch erzählen, was du willst. Bring ihn einfach um, damit wir alle nach Hause gehen können, verdammt! ", fluchte sie und ging. Er erhob keine Einwände.
