Zwei Jahre später

Heißer Atem kitzelte mich im Nacken und jagte mir Schauer über den Rücken. Mein Atem beschleunigte sich automatisch.

"Nicht hier. Nicht hier!", zischte ich über meine Schulter. "Am Altar wartet mein Verlobter auf mich!" Doch ich konnte nur schwer die Wärme ignorieren, die sich in meinem Inneren breit machte.

Wieder der heiße Atem auf meiner Haut. "Lass ihn warten." Eine Hand legte sich auf meine Schulter und strich zart meinen Träger zur Seite, gefolgt von einem gehauchten "Komm mit".

"Aber mein Verlobter, ..." Mein Kopf wurde gedreht und warme Lippen ließen mich augenblicklich verstummen. Muskulöse Arme packten mich und zogen mich vom Flur weg. Ich hörte irgendwo eine Tür schließen und ein Schloss drehte sich. Ich löste mich kurz von seinen Lippen und öffnete die Augen. Ich befand mich in der Garderobe. Mein Gegenüber grinste mich verschmitzt an "Denk nicht so viel nach.", bevor er seine Hände an meinen Nacken legte und mich wieder zu sich zog. Eine Hand wanderte meinen Rücken hinab und, während die andere in mein Haar wanderte und sich darin vergrub. Zum Glück hatte ich beschlossen meine Haare offen zu tragen, schoss es mir durch den Kopf.

Leidenschaftlich bewegten sich unsere Lippen im Einklang.

"So stürmisch.." murmelte er heißer während seine Lippen meinen Mund verließen und an sich ihren Weg hinab bahnten. Über meine Wangen in Richtung Ohr, wo sie kurz verweilten. Die Lippen öffneten sich und die Zungenspitze tanzte über mein Ohrläppchen. Befeuchtete es, bevor ein Hauch meine Haut in Gänsehaut verwandelte und mich erschauern ließ.

"Und so empfindlich." Seine Lippen spielten jetzt mit der zarten Haut hinter meinem Ohr "Dein Verlobter lässt dich verhungern, scheint mir. Dafür hast du ja jetzt mich."

Meine Knie wurden weich, schienen bald unter mir nachzugeben unter dem leidenschaftlichen Ansturm, der über ihnen seine Bahnen zog. Ich schlang meine Hände um seinen Nacken, ließ eine in sein Haar wandern. Suchte Halt in den seidenen Strähnen und zog ihn weiter zu mir herunter. Dort wanderten die Lippen weiter. Geschmeidig glitten sie über meinen Hals hinab zu meinem Schlüsselbein, wo sie luftig zarte Küsse hinterließen. Meine Umgebung verschwand mit jeder Liebkosung, in der sich mein Körper badete. Der zweite Träger wurde von meinen Schultern gelöst und in einer fließenden Bewegung landete mein Kleid um mich herum auf dem Boden.

Mir entrang sich ein Wimmern, wo rauf hin sich die Lippen von meinem Hals lösten und ein verwuschelter Kopf in meinem Blickfeld erschien. "Komm", und er griff nach meiner Hand und führte mich in die Mitte des kleinen Raumes, wo ein großer Standspiegel aufgebaut war. Er stellte sich hinter mich und blickte mich durch den Spiegel an.

"Weiß dein Verlobter überhaupt zu schätzen, was er besitzt?" Seine Hände griffen von hinten um mich und umschlossen zart meine Brüste. Wie eine Feder ließ er seine Finger über sie kreisen, während er leicht die Körbchen nach unten schob. Meine Brüste befreit, richteten sie sich ihm gleich entgegen und er ließ seine Daumen darüberstreichen.

"Seh doch, wie du auf mich reagierst. Ich wette das tust du bei ihm nicht, hab ich Recht?"

Ich konnte nicht anders, als stumm nicken. Jegliche Worte waren mir entfallen. Mein Gehirn hatte aufgehört zu arbeiten. Ich empfand nur noch. Gab mich seien Berührungen hin. Vergaß alles, wo wir waren, weshalb ich hier war. Alles ausgelöscht für den Moment.

Meine Arme umschlossen seinen Nacken und ich konnte nur zusehen und ihn gewähren lassen, wie er mir meinen BH öffnete und meinen Slip langsam über meine Hüften streifte und auf den Boden gleiten ließ. Ich senkte meine Arme für einen kurzen Moment und mein BH folgte.

Ich wurde umgedreht, sodass ich ihm nun wieder zugewandt war und unsere Lippen trafen stürmisch aufeinander. Ich fühlte eine Leidenschaft, wie noch nie zuvor. Das Begehren, das ich empfand antwortete mir in gleichem Maße. Ich spürte wie ich hochgehoben wurde und schlang meine Beine um ihn, seine Erektion presste sich in meine Mitte. Ich wollte ihn. Jetzt, sofort.

Ich fand mich an eine Kleiderwand gepresst wieder. Lehnte meinen Rücken an der Wand an, während seine Hände meinen Po packten und stützten. Meine Hände kämpften mit dem Gürtel, doch ich war ihm nicht schnell genug und er half mir. Ich legte meine Hände an seine starken, muskulösen Schultern, als er mit einer fließenden Bewegung in mich eindrang.

Gleichzeitig stöhnten wir auf.

"Gott, du fühlst dich so gut an." Seine Stimme hatte einen hungrigen Ton angenommen. Er beugte sich zu mir hinab und nahm meine Lippen in Besitz, während er sich in mir zu bewegen begann.

Die Leidenschaft übermannte mich und ich merkte schnell wie sich die Hitze in meinem Magen ausbreitete. Keuchend tauchte ich aus seinem Kuss auf und legte mein Gesicht an seine Schulter. Seine Bewegungen wurden schneller, trieben mich immer näher dem Gipfel entgegen. Sein Stöhnen wurde lauter, was meine Erregung ins Unermessliche steigerte. Mein Körper rieb sich an seinen und ich explodierte mit einem leisen Aufschrei, bevor er meine Laute mit seinen Lippen einfing und dämpfte. Meine Erschütterungen brachten auch ihn zur Erlösung und er küsste mich leidenschaftlich.

Seine Stirn lehnte sich an meine und er flüsterte mir zu.

"Wirst du an mich denken, wenn du das nächste Mal mit ihm zusammen bist?"

"Ich werde immer an dich denken!"

Langsam glitt er aus mir heraus und er setzte mich wieder sicher auf meine Füße. Etwas taumelnd sammelte ich meine Klamotten an und betrachtete mich stöhnend im Spiegel, als ich mich ankleidete. Wie konnte ich mich immer wieder in solche Nesseln setzten? Das würde noch ein Nachspiel haben. Ich seufzte nur, als ich es nicht schaffte, dass das Kleid richtig saß. Alice mit ihren Designs.

Noch immer zitternd traten wir wieder auf den Gang, als ich notdürftig mein Kleid wieder richtete. Seitdem ich wieder lange Locken hatte, sahen sie eh immer wild aus. Das kam mir bei solchen Aktionen immer wieder zu Gute. Sie häuften sich einfach.

"Man, da seid ihr Zwei ja. Angela dreht schon durch. Sie wartet hinter der Tür auf dich. Dass ihr aber auch nicht die Finger von einander lassen könnt. Und Jazz, du musst zum Altar. In der Garderobe? Wirklich. Ihr beide seit euch wirklich für nichts zu schade?", polterte Jake von der Seite los, während ich kurz etwas Lippenstift aus dem Gesicht meines Verlobten wischte. Ich grinste ihn an. Quickies in der Öffentlichkeit waren schon seit Langem ein kleines Spiel zwischen uns. Es war, als ob wir dann immer wieder in andere Rollen schlüpfen würden. Nicht, dass es unserem Sexleben an irgendetwas mangelte, doch diese verspielten Quickies waren immer wieder ein besonderes Vergnügen. Auch, wenn gerade der Zeitpunkt nicht gerade passend war an der Hochzeit meiner Schwester. Und so wie es aussah warteten bereits die ganzen Gäste auf uns Beide. Peinlich!

"Man nimmt was man kriegt, Jake. Vielleicht solltest du Nessie hierher später auch hin entführen. Die Garderobe hat schon ihren Reiz, nicht wahr, Baby?"

"Vor Allem der Spiegel!", lachte ich.

"Ihr zwei. Wenn ich bedenke, was das am Anfang für ein Krampf gewesen ist, den ihr verzapft habt. Und jetzt wie zwei Frischverliebte. Egal Bumbel, los zu Angela und den Mädels."

Jake zog grinsend ab. Es war nicht die erste Situation, wo er uns erwischt hatte. Irgendwie hatte er einen Riecher dafür. Manchmal kam mir der Gedanke, ob er vielleicht selber Plätze für etwaige romantische Abenteuer mit Nessie suchte. Allerdings bevorzugte er weiterhin Outdoor. Nicht daran denken! Sehnsüchtig schaute ich zu Jazz, der mal wieder sein etwas selbstgefälliges Grinsen aufgesetzt hatte.

Dafür war jetzt keine Zeit mehr, aber vielleicht konnten wir uns später ja mal nach draußen stehlen.

Nein! Angela würde uns umbringen. Mit einem flüchtigen Kuss verschwand ich in das Hinterzimmer, wo Angela bereits auf mich wartete.

"Verdammt, wo warst du so lange? Du wolltest doch nur zum Klo! Und hättest du nicht deinen Lippenstift nachziehen können, wenn du dort schon einmal gewesen bist?"

Bridezilla, schoss es mir durch den Kopf. Nicht einmal Rose war vor einem halben Jahr, als sie ihre Hochzeit in den Bergen feierte so bossig gewesen. Ich ließ ihre Schimpftirade über mich ergehen. Alice kam aufgeregt auf mich zugeschossen.

"Verdammt dein Kleid sitzt schief. was hast du nur schon wieder angestellt?" Alice war mittlerweile eine angesagte Jungdesignerin mit eigenem Label. Und immer noch Single und glücklich. Sie reiste wieder viel und war das halbe Jahr in der Weltgeschichte unterwegs. Jetzt hatte sie die Braut und ihre drei Brautjungfern ausstaffiert. Eine davon schwanger. Rose war im letzten Trimester und trug ihre Kugel stolz durch die Gegend. Allerdings war ich mir sicher, dass sie sofort nach dem Mutterschutz wieder ins Krankenhaus zurückkehren würde. Und wenn sie das Baby mitnehmen müsste. Diese Cullens und ihre Ärztekittel. Sie konnten einfach nicht anders.

"Ich weiß nicht, das Kleid muss verrutscht sein. Keine Ahnung, wie das passieren konnte." Ich versuchte unschuldig auszusehen, doch Rose warf mir nur einen wissenden Blick zu. Ich grinste sie an.

"Egal, ich mach das schon!", als Alice mich Richtung Spiegel zerrte und mir den Lippenstift in die Hand drückte, bevor sie an meinen Kleid herum zupfte.

Zwei Minuten später war es auch schon an der Zeit, als Carlisle auftauchte, der Angela zum Altar führen würde. Wer sollte mich eigentlich zum Altar führen? Nicht, dass ich in absehbarer Zeit heiraten würde. Wir hatten es nicht so eilig. Jake vielleicht. Würde mir irgendwie gefallen. Billy? George? Oder Bridget. Wäre doch einmal etwas anderes, wenn ich von einer Frau zum Altar geführt werden würde. Immerhin war sie mir wirklich eine Stütze gewesen und auch heute noch eine Mutterfigur für mich.

"Bella, wir müssen los!", zischte Bridezilla in mein Ohr und ich verwarf die Gedanken schnell wieder.

Wir stellten uns auf und die ersten sanften Töne von Pachelbel's Canon in D Major erklangen.

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Bridezilla und mein zukünftiger Schwiegervater setzten sich in Bewegung. Man, ich würde irgendwo am Strand heiraten! In weißem kurzen Kleidchen und barfuß.

Alice stupste mich an und ich fing an zu laufen, oder eher zu schreiten. Extra einstudiert. Vorbei an den ganzen Gästen, an George und Bridget, die Angela mittlerweile auch sehr ins Herz geschlossen hatten. In der ersten Reihe saßen Esme, neben Edward mit seiner Frau Maria, die im achten Monat schwanger war. Ich lächelte ihnen zu. Wahrscheinlich hofften sie auf eine baldige Hochzeit, weil sie vielleicht immer noch Angst hatten, dass Jazz sich umentschieden würde. Ja, ich weiß, ein dummer Gedanke.

Carlisle gab Angela einen Kuss auf die Wange, legte dann ihre Hand in die von Ben, bevor er sich neben Esme niederließ.

Jazz, als Trauzeuge, er sah wie immer unglaublich aus. Ich konnte mich nie an ihm sattsehen. Konnte bestimmt nicht schaden, wenn man in einer Beziehung war.

Es ging mir gut. Besser als gut.

Die Zeremonie war wunderschön, aber trotzdem nicht meines. Wieder kamen mir Bilder von einem weißen Strand und eine Hochzeit unter Palmen in den Sinn. Vielleicht sollte ich diese Phantasie erst einmal in einem Buch unterbringen. Jetzt, wo die Kolumne eingestellt war und ich mich als Schriftstellerin versuchte.

Nach der Trauung beim Sektempfang fühlte ich starke Arme um mich.

"Na, auf den Geschmack gekommen?"

"Ich bin mir immer noch nicht sicher wo und wann. Gerade habe ich irgendwelche Bilder von einer Hochzeit unter Palmen im Kopf. Aber das ändert sich von Tag zu Tag."

"Ich hätte mich auch gewundert, wenn du eine traditionelle Hochzeit gewollt hättest. Vor Allem nicht, als ich die Hochzeit von Jake miterlebt habe auf der Klippe von Forks, wo das werte Brautpaar, danach gemeinsam von der Klippe gesprungen ist!"

"Das war symbolisch. Das war Nessies erstes Mal und sollte zeigen, dass sie ihm überall hin folgt. Aber ja, das war schön. Wir werden schon das Richtige finden. Ist ja nicht so, dass wir es so eilig haben wie Edward und Maria. He, ist das Alice da hinten mit Paul?"

Jazz und ich schauten in die Richtung, in der Alice mit Paul stand. Und verdammt, hielten sie sich beide an den Händen.

Alice und Paul?

"Hm, wären die beiden nicht vielleicht ein süßes Paar? So wie ich Paul erlebt hatte, könnte er bestimmt besser mit Alice Temperament klar kommen, als mein Bruder." Jazz gab mir einen Kuss auf die Schläfe, während ich gebannt meine beste Freundin anstarrte, die ihre Lippen gerade auf die von Paul presste.

Lächelnd wand ich mich zu Jazz um. "Ja vielleicht. Bei Alice kann man nie wissen. So Verlobter, hast du die Gartenhütte draußen gesehen? Vielleicht könnten wir die später einmal inspizieren. Für den Fall, dass Jake und Nessie sie nicht vor uns finden!"

"Ich hol dir mal einen Sekt, damit du dir Mut antrinken kannst", witzelte er. Ich küsste ihn kurz und nickte.

Gedankenverloren fasste ich an meine linke Hand und spürte das kühle Metall unter meinen Fingern. Ich bestaunte den schönen, eleganten Ring. In dem Moment, als er ihn an meinen Finger steckte fühlte es sich richtig an. Aber wie sagt man nicht so schön?

Alle guten Dinge sind Drei. Vielleicht galt das auch für Verlobungsringe.