Wie lange ich hier schon sitze?
Zumindest hat es aufgehört zu bluten…
Ich sollte zum Hotel… nicht, dass Watari sich doch noch irgendwelche Gedanken oder unnötig Sorgen macht.
Aber waren diese Sorgen wirklich noch so unnötig?
Ich weiß es nicht…
L begann sich vorsichtig aufzurappeln, drehte das Wasser ab, schnappte sich seine Kleidung und zog sich diese geschwind an. Als er auf dem Weg nach draußen nochmal in den Spiegel sah, blieb der Detektiv stehen und fasste sich an den Hals. Er hatte die Rötung ja total vergessen, die Kleidung war auch noch leicht feucht und er hoffte sehr, dass sie, bis er im Hotel eintraf, trocken war.
Schweren Schrittes setzte er seinen Weg fort, spürte plötzlich wie ihm bei jedem Schritt ein Schmerz durch den Körper jagte. Als er kurz davor war, an Beyonds Zimmertür vorbei zu laufen, blieb er erneut kurz stehen.
Wie soll das nur weitergehen?
Soll ich mich zurückziehen und ihn, wie Watari es verlangt, fallen lassen oder es erneut drauf anlegen? Meine Gefühle zu ihm haben sich nicht verändert… ich fühle mich immer noch sehr zu ihm hingezogen, obwohl er mir das angetan hat, aber sollte ich es wirklich weiterhin zulassen?
Es hat mir, wenn ich jetzt darüber nachdenke, schon sehr gefallen…
Vielleicht… muss ich mich einfach nur daran gewöhnen?
L schlenderte die letzten Schritte vorwärts, schaute in Beyonds Zimmer und sah diesen auf seinem Bett entspannt liegen, mit den Händen hinterm Kopf und ein Bein übers andere geschlagen. Unbewusst lange starrte er ihn einfach nur an, bis die roten Augen seine trafen und ihn ebenfalls musterten. Doch plötzlich schlich sich ein fieses Grinsen auf die Lippen des Jüngeren, er zwinkerte L zu und winkte ihm zum Abschied.
Der Detektiv spürte schon wieder diese Hitze in sich aufsteigen, er drehte seinen Kopf weg, marschierte schnell den Flur hinunter, verabschiedete sich vom Aufsichtspersonal und lief zur Hauptstraße. Dort hielt er inne, seufzte einmal schwer und blickte gen Himmel.
Was ist nur los mit mir?
Es reicht heute mit der ganzen Fragerei, ich fahre jetzt ins Hotel und werde erst einmal eine Nacht darüber schlafen. Morgen entscheide ich dann, wie ich mit der Situation umgehen werde…
Gerade wollte L nach seinem Handy in der Tasche greifen, als er bemerkte, dass diese vollkommen leer war. Nicht ganz leer, denn im nächsten Moment fischte er einen kleinen weißen Zettel hervor und entfaltete ihn. Er konnte nicht glauben, was er da gerade las. Kraftlos ließ L seine Arme sinken, blickte die Straße herunter und setzte sich langsam in Bewegung.
Das darf doch nicht wahr sein!
Wann, um Himmels willen, hatte er mir mein Handy aus der Tasche entwendet?
Ich habe es überhaupt nicht mitbekommen… deswegen dieses Grinsen und das gespielt, freundliche Winken zum Abschied. Verdammt!
Tja… dann laufe ich wohl die paar Kilometer zum Hotel… wenn nur nicht dieser blöde Schmerz wäre…
Als L nach einer Weile endlich sein Hotel erreichte und nun vor der Tür zu seinem Appartement stand, hoffte er nur inständig, dass Watari dieses Mal nicht auf ihn wartete… er konnte es nicht gebrauchen, erneut eine Diskussion zu führen und ihm heute noch erklären zu müssen, was dies an seinem Hals war. Geschweige denn, hatte er auch keine Lust darüber zu reden, wieso seine Kleidung so durchnässt war, obwohl es draußen nicht regnete.
Noch einmal holte er tief Luft, drückte die Klinke herunter und betrat das große Wohnzimmer, doch dieses Mal war es stockdunkel und Watari schien schon zu schlafen oder noch unterwegs zu sein. Endlich hatte L ein wenig Glück, sodass er sofort erleichtert ausatmete, zielstrebig Richtung Schlafzimmer zu steuerte und sich dort einfach nur aufs Bett fallen ließ. Langsam beruhigte sich sein Körper, seine Atmung normalisierte sich, er drehte sich langsam auf die Seite und zog seine Beine nah an seinen Bauch.
So schön warm und weich…
Morgen werde ich mich entscheiden müssen, wie es weiter geht…
Ach, und dieser Zettel: „Ich habe etwas, was du nicht hast. ;-) Komm und hol es dir!"
Das konnte ja nur von ihm sein…
Und dadurch, dass Beyond mein Handy hat, bleibt mir keine andere Möglichkeit, als ihn erneut zu besuchen und es mir zurückzuholen… das war doch garantiert geplant gewesen, damit er wieder mit mir unter vier Augen ist oder nicht?!
In der Zwischenzeit in einem kleinen, dämmrigen Zimmer einige Kilometer entfernt…
Ein kleiner, rechteckiger Gegenstand wirbelte immer wieder durch die Luft und wurde sicher aufgefangen. Das leise Kichern, welches von den Wänden des düsteren Zimmers schallte und einem das Blut in den Adern gefrieren ließ, durchbrach die sonst beruhigende Stille.
Tja mein Kleiner… der Weg ins Hotel war garantiert nicht angenehm…
Und bestimmt ist dir mittlerweile auch aufgefallen, dass dein gutes Handy abhandengekommen ist. Was ein Jammer… kihihi…
Ja, äußerst schade Beyond… nun muss er doch glatt erneut zu dir kommen und kann nichts dagegen tun.
Ach, er wird froh sein, dass ich ihm eine Entscheidung abgenommen habe! Er hätte sich noch seinen armen, kleinen Kopf zerbrochen mit so einer banalen Frage, ob er mich wieder sehen soll oder nicht.
Das stimmt, du bist so schlau Beyond!
Chehehe… ich weiß…
Und wenn er wieder da ist, werde ich ihm ruhig und nett erklären, was er die nächsten Wochen zu tun hat und das es keine Alternative gibt.
Jawohl! Wenn er dich will Beyond, muss er tun was du von ihm verlangst! Hahahaha….
