Disclaimer: Das ist eine Übersetzung. Das Original heißt Parenting Class von IcyPanther.
Kapitel 21 – Angriff der Puppen
Alle Schüler machten sich nach ihren Unterrichtsstunden eifrig auf den Weg in die Große Halle, da sie sehen wollten, was aus dem Saal geworden war. Die Tapeten waren repariert worden, obwohl eine große Anzahl von Juwelen immer noch fehlten, die aber später wieder angenäht werden würden. Der Boden wies neue Bodenbretter auf, die die Löcher verdeckten, und alle Tische waren ersetzt worden.
Hermine setzte sich neben Ginny, Harry neben ihr und Draco auf Harrys anderer Seite, so dass beide ihren Schützling von dessen teuflischen Freund fernhalten konnten. „Dürfte ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten", rief McGonagall vom Lehrertisch und schlug mit einem Löffel gegen einen Kelch.
Auf der Stelle verstummten die Schüler und alle Augen wandten sich zu Dumbledore, der sich erhob. „Zuerst möchte ich verkünden, dass alle Schüler, die entkommen sind, im Krankenflügel behandelt werden. Keiner ist vermisst." Lautes Jubeln brach aus und Dumbledore wartete geduldig darauf, dass er fortfahren konnte. „Jedoch hatte ich viele Beschwerden darüber, dass keiner der Lehrkörper während des Vorfalls in der Halle gewesen war. Ich fürchte, das ist meine Schuld, da die anderen Professoren und ich eine Besprechung hatten. Aber glücklicherweise hat Miss Granger einen verblüffenden Zauber ausgeführt, der die Flammen bezähmen konnte." Wieder brach Applaus aus, während die braunhaarige Hexe vor Freude rot wurde.
Nach dem Abendessen machten Hermine, Draco und Harry sich auf den Weg zu ihrem Raum, als Dumbledore sie aufhielt. „Ich vermute, dass Sie wissen wollen, wie Sie diesen Zauber geschafft haben, richtig, Miss Granger?"
„Ja, Sir", antwortete sie begierig.
„Es hat mit Mr. Potter zu tun", sagte er. Er lächelte auf den Jungen hinunter. „Wenn er Angst bekommt oder sich aufregt, tritt seine versehentliche Magie zutage. Diesmal, da er sich, wie ich glaube, an Sie festgehalten hat, ist seine Magie in Ihren Zauberstab verlagert worden und hat Ihren Zauber ein wenig verstärkt."
„Ein wenig", staunte Hermine, während sie den Jungen verwundert anstarrte. „Also ist es in Wirklichkeit Harry, den wir in der Halle hätte danken sollen."
„Nein", erwiderte der Zauberer mit viel ernsterer Stimme. „Es ist nicht sicher für Harry, wenn andere von seiner Macht wissen. Er ist im Augenblick nur ein Kind… wenn bestimmte Leute davon erfahren, fürchte ich um seine Sicherheit."
„Das verstehen wir", sagte Hermine leise und drückte Harry an sich. Sie verabschiedeten sich von dem Schulleiter und gingen in ihr Zimmer, wo sie Augenblicke später alle einschliefen.
Der nächste Morgen graute viel zu schnell für alle Schüler der Hogwarts- Schule für Zauberei und Hexerei. Gleißendes Sonnenlicht strömte durch die Fenster herein und weckte die schlafenden Bewohner zu einem neuen Tag. Die einzige Schülerin, die zu der Zeit bereits wach war, war Hermine Granger.
Die Gryffindor lag auf ihrem Bett und las sich abermals ihren Aufsatz für Zauberkünste durch, bevor sie ihn am Montag einreichen musste. Zu ihrer Verärgerung zwang ein Klopfen an der Tür und Leviculus' Rufe sie aufzustehen und nachzusehen, wer es war.
„Ist es nicht noch ein bisschen früh?", fragte sie, als Lavender hereinrauschte, einen schlafenden Ron auf dem Arm und Terry im Schlepptau.
„Kannst du uns einen Gefallen tun, Mine? Bitte?", flehte Lavender. „Bitte pass einen Tag lang auf Ron auf:"
„WAS? Bist du wahnsinnig?", rief sie. Sie musste sich zu einem leiseren Tonfall zwingen, um die anderen nicht aufzuwecken. „Nach dem, was er gestern getan hat?"
„Ich weiß, ich weiß. Aber es ist ein Notfall. Meine Mum ist gestern Nacht ins Krankenhaus eingeliefert worden… sie hatte einen Autounfall und Professor Dumbledore hat mir erlaubt, sie zu besuchen."
„Und… sie war bei meinem Dad", sagte Terry grinsend. „Sie gehen miteinander", fügte er hinzu, als er Hermines verwirrten Blick bemerkte. „Die Ärzte sagen, es ist nichts Ernstes, aber wir würden sie gerne besuchen gehen."
„Oh, natürlich!", rief Hermine. „Draco und ich passen auf ihn auf, bis ihr zurück seid. Schließlich ist es Samstag, so dass wir zumindest keinen Unterricht haben."
„Du bist unsere Lebensretterin", jubelte Lavender und zog sie in ihre Arme. Beide Eltern gingen rasch los und ließen Hermine allein mit einem Jungen, der zu ihrem besten Freund heranwachsen würde, im Augenblick jedoch der reinste Albtraum war.
Hermine hob Ron sachte hoch und legte ihn auf das Bett neben Harry, in der Hoffnung auf einige Minuten angenehmer und friedlicher Ruhe. Das Glück stand nicht auf ihrer Seite.
Gerade als sie aus Harrys Zimmer trat, wachte Ron auf und blickte sich wild um. „Wo sind Lavender und Terry?", verlangte er.
„Sie mussten nach Hause gehen", seufzte Hermine. „Ich werde heute auf dich aufpassen."
Sobald Hermine hinausgegangen war, wobei sie einen Zauber auf das Zimmer legte, der sie alarmieren würde, falls irgendwelche Explosionen losgingen, betrat das Mädchen ihren Raum und legte sich wieder hin, um weiterzulesen.
„Harry", flüsterte Ron. Er schüttelte seinen Freund aufgeregt. „Harry, wach auf!"
„W-was?" Der schwarzhaarige Junge sah Ron benommen an. „Was machst du denn hier?", fragte er.
„Hermine meinte, Terry und Lavender mussten irgendwohin. Deshalb bin ich den ganzen Tag bei dir! Und weißt du was? Ich hab etwas Lustiges, das wir machen können!"
„Ist es gefährlich? Ich will wirklich nicht in Schwierigkeiten kommen…"
„Nö. Ich hab es aus Lavenders Koffer genommen. Siehst du?" Er zog ein kleines Kästchen aus seinem Umhang hervor, den Lavender ihm übergeworfen hatte, bevor sie ihn hergebracht hatte.
„Was ist das?"
„Ein Set zum Puppenbasteln. In den Anleitungen steht, dass wir sie dazu bringen können, sich wie echte Menschen zu benehmen. Willst du eine machen?"
„Klar!"
Ron kippte das Kästchen auf dem Boden aus und drei Figuren fielen heraus, alle aus weißem Stoff, eine Sammlung an Kleidungsstücken und ein Blatt Papier. „Lass mal sehen", sagte Ron und nahm die Anleitung in die Hand. „Kannst du das lesen?", fragte er und drehte sich zu Harry um.
„Da steht, dass man ein Haar von der Person besorgen muss, der die Puppe ähnlich sehen soll…"
„Du gehst eins von Dracos Haaren holen. Ich hole Hermines."
Harry schluckte, nickte aber und ging zu Dracos Raum. Auf Zehenspitzen in den Bau des Slytherins schleichend, holte Harry tief Luft und zwang sich, vorwärts zu gehen, eine Schere in der Hand. Draco schlief geräuschvoll. Glitzer saß auf dem Kissen neben seinem Kopf und seine Decke lag an seinen Füßen. Er trug nur smaragdgrüne Boxershorts.
Harry nahm eine Strähne von Dracos in die Hand und hob die Schere, wobei er am ganzen Körper zitterte. In dieser Sekunde öffnete Draco die Augen. Beide starrten einander an, bevor beide kreischten, Harry vor Überraschung, dass Draco wach war, und Draco, weil Harry kreischte.
Harry ritzte Draco eine lange Wunde über die Stirn, als er nach hinten fiel. Die Schreie wurden noch lauter und Harry brach in Tränen aus, als er das Blut heruntertropfen sah. Ruhig packte Draco seine Decke und hielt sie gegen den Schnitt.
Hermine kam in den Raum gerannt, Ron an sie geklammert mit einer Strähne ihres braunen Haares in seiner Faust gepackt. „ICH HABE IHN UMGEBRACHT!", rief Harry, auf dem Boden kauernd und die „Waffe" in der Hand.
„Nein, hast du nicht", beruhigte Hermine und brachte Draco dazu, die Decke loszulassen, damit sie sich den Schnitt ansehen konnte. „Wir müssen nur mal in den Krankenflügel." Ron, der Harry aufgebracht sah, begann ebenfalls zu weinen, bis das Geräusch zu einem furchtbaren Pegel anschwoll. Und deswegen geriet Hermine in Panik.
Sie nahm Draco am Handgelenk und zerrte ihn auf die Füße. Sie sammelte beide weinenden Jungen in ihren freien Arm und raste aus der Tür, Draco hinter sich her zerrend. „Mir geht's gut", protestierte der Slytherin, der joggen musste, wenn er nicht seinen Arm verlieren wollte. „Ernsthaft, Hermine, es ist nur ein Kratzer."
Einige Schüler sahen ihnen neugierig entgegen, wobei die Blicke mehrerer Mädchen an Draco hängen blieben. Erkenntnis traf den Slytherin. „Verdammte Scheiße, Hermine!", brüllte er. „Ich bin nur halb angezogen!"
„Macht nichts", keifte sie und verdoppelte ihre Geschwindigkeit. „Darüber kannst du dir später Gedanken machen. Jetzt besorgen wir dir medizinische Versorgung."
Die vier kamen Sekunden später im Krankenflügel an und Hermine schob Draco auf ein leeres Bett. „Madam Pomfrey!", rief sie und ließ Harry und Ron auf den Boden fallen.
„Sie schon wieder", schnaubte Pomfrey, die aus ihrem Büro trat. „Ich schwöre Ihnen, Miss Granger, mindestens fünf Mal die Woche ist einer von Ihrer Gruppe mit einer Verletzung hier. Sind Sie es oder Mr. Malfoy?"
„Draco. Er blutet."
„Mir geht's gut", knurrte Draco, als die Pflegerin sich näherte und seine Hand von dem Schnitt wegzog. „Es ist nur ein Kratzer."
„Nein, ist es nicht", tadelte sie. „Kopfwunden bluten immer mehr, als sie es sollten, aber davon abgesehen ist diese immer noch ziemlich schlimm. Zu Ihrem Glück kann ich es in Ordnung bringen. Jetzt trinken Sie das." Sie reichte ihm ein Glas mit Ekel erregend aussehendem, grünem Saft, bei dessen Geruch Draco den Kopf wegdrehte.
„Das können Sie vergessen."
„Sie werden es trinken oder ich fühle mich gezwungen, Ihnen einen Ganzkörperfluch aufzulegen und es Ihnen persönlich einzuflößen", drohte Pomfrey. Widerstrebend schluckte Draco die Flüssigkeit. Sein Gesicht war vor Ekel verzerrt. „Sehen Sie, es hat schon funktioniert. Jetzt machen Sie, dass Sie hier rauskommen. Und ich will für die nächste Woche keinen von Ihnen mehr sehen, haben wir uns verstanden?"
Alle nickten und Hermine ging ihnen voran aus dem Zimmer. Draco genoss die Aufmerksamkeit der weiblichen Bevölkerung von Hogwarts (das Blut kümmerte ihn nicht länger), so dass es doppelt so lange dauerte, zu ihrem Raum zu kommen.
„Geh dich etwas Angemesseneres anziehen", schimpfte Hermine und schubste Draco zu seinem Zimmer. „Und ihr beiden", sagte sie an ihre Schützlinge gewandt. „Haltet euch einfach aus Schwierigkeiten raus und spielt leise, okay?" Beide nickten und verschwanden in Harrys Zimmer.
„Hast du Dracos Haar bekommen?", fragte Ron, mit Hermines Strähne in der Hand.
„Nein."
„Dann gehen wir ihn fragen. Hermine hat nicht einmal bemerkt, dass ich ihre genommen habe."
Ron zog Harry aus dem Zimmer zu Dracos Raum und platzte hinein. „Wir brauchen deine Haare", verkündete Ron und setzte sich auf das Bett neben Draco, der gerade ein Paar Socken anzog.
„Warum?", fragte er wachsam.
„Für ein Puppenset, das Lavender mir gegeben hat", sagte Ron.
„Sie hat es dir gegeben?"
„Hmm."
„Aber du hast gesagt – ", platzte Harry heraus, bevor Ron ihm eine Hand über den Mund schlug.
Bevor Draco blinzeln konnte, hatte Ron ihm eine Haarsträhne abgeschnitten und war aus dem Raum gestürzt, dicht gefolgt von Harry. Als Draco aus dem Zimmer trat, warf Hermine, die im Gemeinschaftsraum saß, ihm einen Blick zu und lachte. „Was ist so komisch?", verlangte er, die Hände auf die Hüften gestemmt.
„Deine… Haare", kicherte sie. Draco sah in den Spiegel, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen. Ron hatte gute drei Zentimeter von der rechten Seite seines Kopfes abgeschnitten.
„Geh sofort in den Krankenflügel", befahl er, eine Hand über sein fehlendes Haar gelegt. „Hol Haarwachstrank… oder so etwas Ähnliches."
„Sorry, kann ich nicht", erwiderte sie grinsend. „Madam Pomfrey hat gesagt, dass sie uns für die nächste Woche nicht sehen will."
„Bitte?", flehte Draco. „Ich tue alles dafür!"
„Alles?"
„Ähm… ja?" Was habe ich mir da bloß eingebrockt?
„Oh, gut", feixte Hermine. „In diesem Fall will ich, dass du diese Liste von Büchern für mich in der Bücherei zusammensuchst."
„Das war's schon? Du willst mich nicht deine Hausaufgaben machen oder dein persönlicher Sklave sein lassen oder so?"
„Ich mache meine Hausaufgaben selbst. Wenn du es übernehmen würdest, würde ich wahrscheinlich schlecht dastehen. Aber was dich als meinen Sklaven angeht… das klingt gut."
Ich und mein verdammtes Mundwerk! „Komm schon, Mine… du wirst mich doch nicht wirklich alles tun lassen, oder?"
„Du kannst damit anfangen, in allen Räumen Staub zu wischen", sagte sie. „Und dann möchte ich, dass du alle Bücher auf den Regalen in alphabetischer Reihenfolge sortierst. Und danach…"
Zwanzig Minuten später verließen Hermine den Raum und Draco starrte ihr hinterher, eine Liste von über zwanzig Zoll auf dem Boden ausgebreitet.
In der Zwischenzeit waren in Harrys Zimmer eine Draco- und Hermine- Puppe erfolgreich gebastelt worden. „Sie sehen genau wie sie aus", stellte Ron lächelnd fest, während er sein Kunstwerk betrachtete. Sobald die Kinder die Haare an den Puppen befestigt hatten, hatten sie sich in sehr gute Nachahmungen der beiden verwandelt, bis hin zu den Slytherin- und Gryffindor- Abzeichen auf ihren Umhängen.
Ron ließ die Hermine- Puppe mit unglaublicher Geschwindigkeit über den Boden gehen. Im Korridor zum Krankenflügel beschleunigte Hermine plötzlich, ihre Beine außer Kontrolle. Schüler starrten sie unverwandt an, während sie die Halle hinuntersprintete.
Ginny, die das Problem ihrer Freundin sah, holte sie ein. „Was ist los?", fragte sie und rannte neben ihr her.
„Ich weiß nicht! Aber ich kann nicht aufhören!"
Ginny blickte nach vorn und sah das Ende des Korridors nahen, doch Hermine steuerte immer noch geradeaus zu. „Bleib stehen!", rief sie. „Du krachst gleich gegen die Wand!"
„Ich kann nicht!"
In dieser Sekunde ließ Ron die Puppe fallen und Hermine fiel mit einem Plumps auf den Boden. „Bist du okay?", erkundigte Ginny sich. Sie beugte sich hinunter und half Hermine auf die Füße.
„Ich… ich denke schon."
„Ups", sagte Ron grinsend. „Ich hab sie fallen lassen. Wir sollten sie besser wieder laufen lassen!"
Hermine, die gerade noch stillgestanden hatte, rannte plötzlich wieder mit der unmenschlichen Geschwindigkeit los, diesmal glücklicherweise in die Richtung des Krankenflügels. „Aus dem Weg!", rief sie, während sie durch Schülertrauben raste und dabei einige umrannte. Buchstäblich die Treppen hinauffliegend, stürmte sie in die Krankenflügel. „Ich brauche Haarwachstrank!", sagte sie und krachte in eine Wand, während ihre Beine immer noch Schritte machten, obwohl sie sich nicht bewegte.
Verwirrt reichte Pomfrey ihr den Trank und drehte das Mädchen dann um, so dass sie wieder aus der Tür ging.
„Lass uns auf deinem Bett hüpfen!", schlug Ron vor und warf die Hermine- Puppe auf Harrys Schreibtisch. In der Halle kreischte Hermine, als sie durch die Luft flog und plump auf einer der Ritterrüstungen landete. Ron und Harry begannen, auf der Matratze herumzuhüpfen, die Draco- Puppe immer noch in Harrys Hand.
Draco, der unter der Couch saubergemacht hatte, wurde plötzlich in die Luft geschleudert, und fiel er mit einem Plumps zu Boden. Bevor er auch nur aufstehen konnte, flog er wieder, diesmal noch höher.
„Was" –hops–
„zur" –hops–
„Hölle" –hops–
„geht" –hops–
„hier" –hops–
„vor" –hops–
„sich?" –hops–
Draco hielt sich diesmal, als er fiel, an der Couch fest, doch als er spürte, wie sein Körper wieder hochgehoben wurde, bewegte sich die Couch ebenfalls, sehr zu seiner Verwunderung, bevor sie beide zusammen wieder auf den Boden stürzten.
In seinem Zimmer warf Harry die Draco- Puppe in die Höhe, um sie wieder aufzufangen, als ihr Kopf in der Decke stecken blieb.
„Oh oh", machte Ron. „Jetzt müssen wir es runterholen."
Draco brüllte, als er 10 Meter in die Luft flog, bevor er durch die Decke segelte und sein Kopf in den Raum im oberen Stockwerk hineinragte. Benommen blinzelnd blickte er sich um.
Rote Plüschsessel und Sofas standen im Zimmer verstreut und goldene Banner hingen von jedem verfügbaren Fleck an der Wand. Und um seinen Kopf herumgedrängt stand ein Haufen Gryffindors, die ihn angafften. „Draco?" Ginny kniete sich neben seinen Kopf. „Was ist los?"
„Scheint wohl, dass ich im Gryffindor- Gemeinschaftsraum gelandet bin", bemerkte er trocken.
„Was machst du hier oben?"
„Wie soll ich das denn wissen? Ich war in meinem Gemeinschaftsraum, als ich plötzlich hier war."
Harry balancierte in seinem Zimmer wankend auf Rons Schultern, der auf dem Bett stand, in dem Versuch, die Draco- Puppe zu retten.
„Hab sie!", rief er strahlend und riss an den Beinen der Puppe. Der echte Draco wurde plötzlich aus dem Gryffindor- Gemeinschaftsraum gezogen und fiel mit einem Plumps zu Boden.
„Draco? Alles okay?", rief Ginny durch das Loch hinunter.
„Was denkst du denn?", ächzte er. „Ich glaube, mein Rückgrat ist gebrochen."
„Beweg dich nicht", riet der Rotschopf.
„Zu spät", murmelte Draco, als er einige Meter durch die Luft flog, bevor er wieder hinunterstürzte.
„Ich gehe Hermine holen!", sagte Ron aufgeregt. „Ich will, dass sie auch hüpft!" Mit der Puppe in der Hand kletterte er wieder auf das Bett und begann zu springen.
Hermine, die sich gerade von der Rüstung befreit hatte, wurde in die Luft geschleudert, bevor sie wieder hinunterstürzte. Bei dem nächsten Sprung gelang es ihr, auf den Füßen zu landen. Und so bewegte sie sich den gesamten Korridor entlang, alle paar Schritte einen Satz in die Luft machend.
Ron und Harry, die es allmählich leid wurden, auf dem Bett herumzusitzen, begannen, den Puppen eine Geschichte vorzulesen, so dass die echten Hermine und Draco für den Augenblick verschont blieben. Als Hermine den Raum betrat und Draco ganz still daliegen sah, raste sie hinüber. „Draco!"
„Ich glaube, es geht ihm gut", rief Ginny. Überrascht sah Hermine hinauf. „Er kam durch die Decke geflogen", erklärte das Mädchen. „Ich weiß nicht warum, aber er fliegt irgendwie immer wieder in die Luft… vor ungefähr einer Minute hat er aufgehört."
Hermine nickte und wedelte mit ihrem Zauberstab in Richtung Decke, worauf sich das Holz von selbst reparierte, so dass niemand auch nur erahnen konnte, dass es einmal ein Loch gegeben hatte. „Draco", wiederholte sie. „Kannst du mich hören?"
Silberne Augen öffneten sich einen Spalt. „Ja. Was ist passiert?"
„Ich weiß nicht. Kannst du aufstehen? Ich helfe dir auf die Couch." Halb von Hermine getragen, halb auf sie gestützt, schaffte er es auf die Couch. Sie beschwor einen Eisbeutel herauf und legte ihn auf seinen Rücken, wo sich bereits eine Prellung abzeichnete. „Ich habe dir den Trank für deine Haare mitgebracht", sagte sie lächelnd. „Obwohl ich nicht glaube, dass du es brauchen wirst. Dein Haar ist nachgewachsen."
„Ach… wirklich?"
„Ja. Ich frage mich, warum… wir behalten das hier aber für Notfälle", sagte sie und stellte die Flasche auf das Regal. Der Grund, weshalb Dracos Haare nachgewachsen waren, war, dass die Draco- Puppe nach seinem Original geschaffen worden war. Und da die Pupen genauso aussahen, wie die Person zu jener Zeit, war sein Haar nachgewachsen.
„Schau mal!", quietschte Ron und deutete auf den Stapel von Kleidung. „Wir können die Puppen anziehen!" Ron suchte zwei sehr knappe Teile für Hermine aus. „Es ist ein Badeanzug!"
„Ich glaube nicht", sagte Harry. „Da fehlt etwas am unteren Teil, siehst du?"
„Tja", sagte Ron. „Vielleicht ist es kaputt. Lass uns Hermine anziehen!"
Hermine, die gerade die Bücher durchforstet hatte, während Draco sich ausruhte, schauderte plötzlich. Sie sah an sich hinunter und kreischte angesichts ihres neuen Outfits. Ein ziemlich durchscheinender schwarzer Seiden- BH bedeckte ihre Vorderseite und ein schwarzer Tanga den Rest von ihr. Draco, der ihren Schrei hörte, sprang auf, die Augen auf Hermine geheftet.
Bevor das Mädchen etwas dagegen tun konnte, wurde ein Foto geschossen. Draco grinste sie an. „SCHAU WOANDERS HIN!", rief sie alarmiert. Sie griff sich eine Decke, die auf der Lehne der Couch lag, und schlang sie um sich selbst.
„Es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest", sagte Draco lächelnd und zog die Kamera außer Reichweite, bevor Hermine sie zerstören konnte.
„Ich glaube, der Puppe ist kalt", stellte Harry fest. „Es ist September." Also steckten beide Kinder Hermine wieder in ihren Umhang. Als die Hexe die Decke von sich entfernte, sah sie überrascht, dass sie wieder ihre Roben trug.
„Was geht hier vor sich?", fragte sie leise. Sie hielt die Decke immer noch um sich gewickelt und setzte sich neben Draco.
„Keine Ahnung", sagte er achselzuckend, worauf er bei der Bewegung das Gesicht verzog. „Obwohl einige Teile davon gar nicht so übel waren." Hermine versetzte ihm einen leichten Klaps, um den Slytherin nicht zu verletzen, nachdem er von der Decke gefallen war.
„Wir sollten sie sich küssen lassen", entschied Ron, nachdem sie die Geschichte zu Ende gelesen hatten. Er nahm Harry die Draco- Puppe ab und presste die Gesichter der Puppen aneinander.
Im Gemeinschaftsraum klebten Draco und Hermine plötzlich mit den Lippen aneinander. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, Überraschung und einigen anderen Reaktionen. Sobald Ron die Puppen auseinander gezogen hatte, sprangen Hermine und Draco voneinander weg. Der Gryffindor schoss das Blut ins Gesicht und der Slytherin hatte einen Hauch Rosa auf den Wangen.
„W- Warum… hast du… mich gerade… geküsst?", flüsterte Hermine. Ihre Finger berührten leicht ihre Lippen.
„Habe ich gar nicht. Du hast mich geküsst."
„Gar nicht… heute sind uns den ganzen Tag merkwürdige Sachen passiert… glaubst du, es ist ein Fluch?"
„Du glaubst nicht einmal an das Zeug."
„Ich weiß… aber es ist so irreal. Was ist nur los?"
„Hermine! Ich habe Hunger!", jammerte Ron, der mit Harry im Schlepptau aus dem Zimmer trat, die Puppen in seiner Hosentasche versteckt. „Können wir jetzt frühstücken gehen?"
Hermine warf einen verstohlenen Blick zu Draco, der leicht nickte. „Okay, kommt, ihr beiden." Hermine und Draco waren beide angenehm überrascht, als sie es in die Große Halle schafften, ohne dass Unfälle oder weitere seltsame Dinge geschahen.
„Ist alles in Ordnung mit euch beiden?", erkundigte sich Ginny, als Hermine sich neben ihre langjährige Freundin setzte.
„Bin nicht ganz sicher", antwortete Hermine. Sie griff sich eine Orange aus der silbernen Obstschale. „Heute sind den ganzen Tag bizarre Sachen passiert."
„Wie zum Beispiel?"
„Naja… meine Schnelligkeit und dann sind Draco und ich beide gehopst… obwohl Draco es scheinbar schlimmer getroffen hat."
„Noch etwas?"
„Äh… nein, gar nichts mehr."
„Du hast etwas vergessen", schaltete Draco sich grinsend ein.
„Wenn du etwas sagst", raunte Hermine ihm drohend zu, „werde ich nicht zögern, dich persönlich zu kastrieren."
„Eigentlich, wenn ich noch mal darüber nachdenke, ist nichts passiert." Ginny schmollte, wohl wissend, dass etwas geschehen war, doch keiner verriet etwas.
„Hey? Wo sind Ron und Harry hin?", fragte Hermine plötzlich.
„Sie sind zum Lehrertisch gegangen. Wahrscheinlich wollten sie nur Dumbledore Guten Morgen wünschen oder so. Mach dir keine Sorgen um sie", sagte Draco. Er nahm sich ein Stück von Hermines Orange.
Am Lehrertisch hielten Ron und Harry neben Snape an, obwohl Harry sich hinter Ron duckte. „Entschuldigung", sagte Ron und zupfte an Snapes Umhang. Der Zaubertränkemeister sah auf die Kinder hinunter, einen warnenden Blick in den Augen. „Wir haben uns gefragt, Professor Scary Sir, ob wir ein paar Haare von Ihnen haben können."
„Wie hast du mich genannt?", fragte Snape mit einer unheilverkündenden Stimme.
„Professor Scary", sagte Ron grinsend. „So heißen Sie doch, oder?"
Eine Vene pochte in Snapes Kopf und Ron entschied sich für die beste Handlung. Er streckte die Hand aus, schnappte sich ein paar schwarze Haare und sauste dann davon. Harry warf dem Mann noch einen letzten furchtsamen Blick zu, bevor er ihm folgte.
In einer Ecke der Großen Halle befestigte Ron das Haar an die letzte leere Figur. Auf der Stelle hielt er einen Miniatur- Snape in den Händen. „Wir sollten ihn etwas glücklicher aussehen lassen", beschloss Ron. „Damit die Leute sich nicht mehr so vor ihm fürchten. Und ich glaube, ich weiß auch wie…"
„Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist", murmelte Harry, als er Rons Kleidungswahl für Snape sah.
„Unsinn", erwiderte Ron grinsend. „Lass uns zum Tisch zurückgehen, damit Hermine und Draco sich keine Sorgen machen."
Die beiden Missetäter (naja, eigentlich nur Ron, da Harry nur mitgeschleift wurde) setzten sich auf die Bank am Gryffindor- Tisch und Ron fuhr damit fort, Snape „glücklicher" aussehen zu lassen. „Wir sollten ihn auch tanzen lassen", strahlte Ron.
Verblüfftes Luftschnappen und laute Schreie brachen durch das allgemeine Geschnatter beim Frühstück und alle wandten sich zum Lehrertisch. Darauf stand Snape, gekleidet in ein rosafarbenes Tutu mit einem pinken Seidenhaarreifen, der sein Haar zurückhielt, während er mit einem Ausdruck blanker Abscheu tanzte.
Draco starrte ihn mit offenem Mund an. Er empfand so viel Mitleid mit seinem Paten, wie er es immer in seinem Leben getan hatte. Während sie ein Foto schoss, fragte Hermine sich, was das verursachte. Sie betrachtete ihre beiden Schützlinge und das, was Ron in der Hand hielt.
„RONALD WEASLEY! DU STECKST HINT–" Hermine verstummte, als Ron die Draco- und Hermine- Puppen hervorholte und sie sofort wieder aneinanderlegte.
Aller Aufmerksamkeit wandte sich von Snape zu den küssenden Jugendlichen, während Kameras aufblitzten. „Ron hat das getan!", sagte Hermine in Dracos Mund und ruckte mit ihrem Kopf zu dem Rabauken. Draco griff hinter sich und entriss dem Kind die Puppen, worauf er und Hermine sich voneinander lösen konnten. Hermine packte die Snape- Puppe und zog schnell den schwarzen Umhang über das Tutu.
„Möchtest du vielleicht eine Erklärung abgeben?", fragte Hermine mit blitzenden Augen. Sie hielt die Puppen in die Luft, damit alle sie sehen konnten.
Ron starrte sie erschrocken an, bevor er den Mund öffnete und auf das Kind neben ihm deutete: „Harry war es!"
