Kapitel 20
Die ganze Woche über hatte Hermine immer und immer wieder an den Ball denken müssen und sie war dabei im Gegensatz zum Rest der Schule nicht in Schwärmereien ausgebrochen.
Nun saß Hermine an einem der vielen kleinen Tische, die am Rande der Großen Halle aufgestellt worden waren.
Die letzten Minuten hatte sie damit zugebracht auf ihren erst zur Hälfte gelehrten Teller zu starren und sich zu fragen, warum sie sich nicht einfach krank gemeldet hatte.
Zu allem Überfluss stand Dumbledore nun auch noch auf und verkündete, dass man nun, da alle mit dem Essen fertig seien, mit dem Ball beginnen wolle.
Hermine bedachte ihn mit einem Blick, der dem Todesblick a la Severus um nichts nachstand. Nun, sie hatte eben einen guten Lehrer gehabt.
Währenddessen am Lehrertisch...
„Severus, würdest du mir bitte einen Gefallen tun?", fragte Albus den Tränkemeister, der so still wie eh und je auf seinem Stuhl saß.
Severus brummte unwillig. „Wenn es denn unbedingt sein muss." Er wusste genau wie jeder andere, dass man keine Chance hatte Albus einen Gefallen auszuschlagen.
Albus lächelte nachsichtig und wenn Severus sich die Mühe gemacht hätte und genau hingesehen hätte, hätte er das Funkeln in den Augen des Direktors gesehen, das bei allen Lehrern als eine Art Unheilsvorzeichen berühmt... berüchtigt war.
„Würdest du bitte an meiner Stelle mit Miss Granger tanzen? Ich fürchte, meine Knie sind vom vielen Treppensteigen dermaßen überlastet, dass ich heute Abend lieber auf das Tanzen verzichten werde."
Amüsiert bemerkte Albus wie sich das Mienenspiel des Tränkemeisters schlagartig änderte. Von verschlossen zu geschockt. Von geschockt zu... erfreut?
Anstatt eine Antwort zu geben stand Severus auf und steuerte langsam auf den Tisch zu, an dem Hermine saß.
Albus und Minerva, die auf die Idee gekommen war, wechselten einen verschwörerischen Blick und wandten sich dann mit einem Lächeln wieder Severus zu, der Hermine gerade zum Tanz aufforderte.
Wieder bei Hermine...
Nach der kleinen Ansprache von Dumbledore wartete Hermine eigentlich nur darauf, dass sie von wem auch immer zum Tanz aufgefordert wurde.
Draco verbeugte sich bereits vor Pansy und nachdem diese kichernd zugestimmt hatte, wartete er nur noch darauf, dass irgendjemand sie, Hermine, aufforderte, damit man den Ball beginnen konnte.
Hermine warf ihm einen kurzen Blick zu und sah dann in der Halle umher.
Das war das berüchtigte Organisationsloch bei jedem Ball, der in Hogwarts stattfand: Wer forderte die Schulsprecherin zum Tanz auf?
Ohne dass sie es bemerkt hatte, war Severus zu ihr getreten.
„Wenn Sie mir die Ehre erweisen würden und mir den ersten Tanz schenken würden?", fragte er, während er sich gemäß dem Protokoll leicht verbeugte.
Hermine stand auf und knickste. „Die Ehre ist ganz auf meiner Seite", sagte sie und nahm den ihr angebotenen Arm an.
„Ich hoffe, Sie können tanzen", flüsterte Severus leise, während er sie auf die Tanzfläche führte.
Hermine nickte leicht. „Ja, meine Eltern haben mich gezwungen Tanzen zu lernen", gab sie genauso leise zurück.
„Tango?", fragte sie überrascht, als die ersten Takte der Musik erklangen waren. „Wer fängt einen Ball mit einem Tango an?"
„Albus", antwortete Severus nur, während sie die Ausgangsstellung annahmen. „Auf so eine Idee kann nur er kommen."
„Stimmt."
Wie auf ein stilles Kommando begannen beide gleichzeitig zu tanzen.
Nach einer Weile erhob Severus wieder das Wort. „Sie tanzen wirklich gut", sagte er leise, sodass keines der anderen Paare, die mittlerweile um sie herum tanzten, sie hören konnte.
„Sie ebenfalls, Professor", gab Hermine zurück und konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
„Was?"
„Nun, ich hatte nicht gedacht, dass die erste Person, der ich sage, dass sie gut tanzen kann, mein Zaubertrankprofessor ist, das ist alles."
Severus runzelte die Stirn. „Ach, und ausgerechnet mir wird jetzt diese Ehre zuteil?" Hermine nickte, was ihn schnauben ließ.
Dieses Mal verzog sie keine Miene. „Seien sie froh, dass sie nicht zweifelhaft gesagt haben", meinte sie scherzhaft.
Severus zog eine Augenbraue in die Höhe. „Wollen Sie mir etwa drohen?", fragte er.
Hermine schüttelte fast unmerklich den Kopf. „Ich bin eine Gryffindor, Sir. Gryffindors drohen nicht."
„Und wieso haben sie dann Mr Potter und Mr Weasly vor gut einer Woche gedroht sie zu verhexen, wenn sie noch einen weiteren Kommentar machen würden?"
Hermine war dermaßen überrascht, dass sie beinahe aus dem Takt gekommen wäre. „Sie haben es gehört?"
„Natürlich", antwortete Severus. „Oder glauben Sie etwa wirklich, dass man ihr – man könnte es fast schon als Geschrei bezeichnen – überhören könnte?"
„Nicht wirklich."
Bevor sie sich weiter unterhalten konnten, endete das Lied und Severus entließ sie aus der Tanzhaltung.
„Es war mir eine Ehre mit Ihnen zu tanzen", sagte er mit einer Verbeugung, bevor er sich wieder auf den Weg zum Lehrertisch machte.
Hermine spielte derweil mit dem Gedanken sich erst einmal wieder an ihren Tisch zu setzten und etwas zu trinken, doch Draco machte ihr einen Strich durch die Rechnung, indem er sie zum Tanzen aufforderte.
„Und? Worüber habt ihr euch unterhalten?", wollte er wissen, kaum dass sie die ersten Schritte getanzt hatten – dieses Mal war es ein Cha-Cha-Cha, was Hermine sehr gelegen kam.
„Warum interessiert dich das so brennend?"
„Weil mein lieber Onkel sonst nie tanzt und ich einfach neugierig bin", antwortete er ihr, während er sie ein Damensolo tanzen ließ.
„Nichts Wichtiges. Er hat mir nur gesagt, dass ich gut tanzen könne", murmelte sie.
„Nichts Wichtiges? Mein Onkel betreibt nach Jahren wieder etwas Zwischenmenschliche Konversation und du sagst nichts Wichtiges? Wo lebst du?"
„Im Gryffindorturm", gab Hermine zurück.
Draco tat so, als hätte sie ihm eine gescheuert. „Autsch! Das habe ich ja ganz vergessen! Manchmal denke ich fast schon, dass du eine Slytherin bist!" Als er ihren mörderischen Blick bemerkte, sprach er schnell weiter. „Nicht im Sinne von Todesseranwärterin, versteht sich. Ich meinte eher, dass du so listig bist und so weiter."
Hermine nickte leicht. „Wenn du meinst..."
Sie tanzten schweigend bis zum Ende des Liedes. Und auch dieses Mal machte man ihr einen Strich durch die Rechnung, nur dass er nun so breit war, dass er kaum auf das mentale Blatt Papier passte.
...Lucius Malfoy...
Ende Kapitel 20
Sooo, und nun seit langem mal wieder ein paar Reviewantworten:
Cyberrat: :grins: was denkst du, was meine Absicht war?
Jeanuts: Weiß ich auch nicht, wie du das vergessen konntest. Aber keine Sorge, passiert mir auch schon oft genug::grins:
Und Draco... ein richtiger Frauenversteher ist er ja nicht... er kann sich nur in Hermines Lage hineinversetzen, immer hin geht es ihm in mancher Hinsicht ja noch schlimmer. Er muss mit einem Mörder als Vater leben und muss so tun, als würde er hinter ihm stehen.
Nena: Deine Fragen dürften beantwortet sein, oder? Severus kann sie leider nicht retten, aber so etwas Ähnliches wird er schon noch machen :g: (nächstes Kapitel)
Jessy2104: Zufrieden, oder soll ich ihn noch mehr vorkommen lassen?
me-chan: Danke für dein Review! Schwarzleser sind diejenigen, die sich eine Geschichte durchlesen und kein Review schreiben... ich gehöre selbst manchmal zu der Gruppe... :blush: peinlich...
Bluefurryelf: Ja, ja, Ron nervt mich auch manchmal... Ich hoffe, das war schnell genug...
Crimegirl: Das mit Severus und Hermine hatte ich dir schon erklärt oder::sich nicht mehr erinnern kann:
Dax: Danke für dein Review::einmal durchknuddelt:
Inezsnape: Leider kann/konnte Dumbledore da nichts machen, ihm sind die Hände gebunden. Ich hoffe, es war genug Severus in diesem Kapitel, wenn nicht: in den nächsten gibt's noch mehr!
Avenna: Wieso viele Männer::an den Fingern abzählt: eins... zwei... drei... ... nicht viele...
Lucius ist der Böse, der kriegt später noch sein Fett weg. Draco ist eine Art Seelenklempner für Hermine, weil er als einer der Wenigen ihre Situation versteht. Und Severus... kannst du dir bestimmt schon denken, oder?
Darkside: Ich hoffe, dir gefällt, was ich mir aus den Fingern gesaugt habe. Meine Güte, die sind ja ganz schlapp! Igitt!
Tommy: Tut mir leid, habe mich schon festgelegt, aber ich hoffe, du liest trotzdem weiter!
Und am Ende der traditionelle Aufruf: REVIEWS!
