20. Just think about it
Draco lag genervt, und in einer viel zu dicken Decke eingewickelt, auf dem Sofa im Wohnraum und starrte bewegungslos und stockstarr ins Feuer.
Ginevra, die ihn vor wenigen Minuten unter seinem Protest in diese eingewickelt hatte, saß schräg neben ihm in einem der Sessel und las. Das Feuer prasselte leise vor sich hin, Potter – der scheinbar ganz dringend noch die eine oder andere Sache zu seinem Hocruxe-Verdacht besprechen wollte - schlich ab und an durch den Raum und Finnigan und Weasley spielten hinter ihnen stumm Schach.
Niemand hier benahm sich wie sonst. Jedenfalls soweit er es einschätzen konnte, denn er war ja erst seit ein paar Wochen hier. Und er war bisher der Eindringling gewesen. Jetzt schien er, aufgrund der Tatsache dass wohl nun wirklich jeder seinen fiebrigen, nackten Arsch gesehen hatte, dazuzugehören.
Diese Sippe schien ein bedenkliches Aufnahmeritual zu haben.
Seufzend starrte er auf die dämliche Katze, die sich zum tausendsten Mal über die Rückenlehne in die Lücke quetschte, die zwischen seinen Füßen und der Sofalehne bestand. Er hob müde die Augenbraue, entschied sich aber dazu, das blöde Vieh einfach gewähren zu lassen.
Denn wenn er sie verscheuchen würde, könnte die Decke verrutschen. Dann würde Ginevra wahrscheinlich wieder anfangen an dieser rumzuzupfen und ihren Bruder dazu verdonnern ihm noch mehr Tee aus der Küche zu holen. Tee den Draco nicht trinken wollte, denn wenn er mehr trank, musste er wieder auf die Toilette.
Und wenn er sich bewegte um diese aufzusuchen, würden ihn wieder alle anstarren und mit den Blicken verfolgen. Wahrscheinlich würde das weibliche Wiesel ihn wieder unnötig darauf hinweisen „es langsam angehen zu lassen", was Granger aus ihrem kleinen Labor hervorlocken könnte, in dem sie sich seit gestern Mittag verkrochen hatte.
Sie würde wieder einen unsicheren und prüfenden Blick auf ihn werfen, mehrmals hintereinander seine Temperatur messen und dann sagen, dass er mehr Trinken sollte.
Nein. Er würde sich nicht bewegen.
Dummerweise seufzte er, was Ginny dazu brachte ihn anzusehen. Verdammt, hatte er sie gerade Ginny genannt?
Gut, wenigstens hatte er es nicht ausgesprochen.
„Brauchst du irgendetwas?", flüsterte sie und blickte von ihrem Buch auf.
Soweit er es sehen konnte, war es das Buch, das auch Granger ständig las.
Draco schüttelte den Kopf, ließ sich tiefer ins Sofa sinken und schloss die Augen.
Das weibliche Wiesel lachte und er runzelte mit geschlossenen Augen die Stirn.
„Was?", fragte er schneidend.
„Du siehst verdammt friedlich aus, für den bösen Jungen, der du doch eigentlich bist", sagte sie leise und Draco musste grinsen.
„Äußerlichkeiten können trügen, Weasley", gab er zurück.
Seine Zunge fühlte sich immer noch entsetzlich schwer an. Und das obwohl er sich heute sehr viel besser fühlte, als gestern.
„Er ist vielmehr der tragische Held, Ginny", warf Wiesel ein und Draco öffnete langsam die Augen.
„Schön zitiert", erwiderte er so herablassend wie möglich und verzichtete darauf, sich aufzurichten.
Jedoch öffnete er die Augen. Sein Blick traf sich mit dem der Katze, die ihren Kopf auf seinen Füßen gebettet hatte.
Ginevra lachte und blickte zwischen ihm und ihrem nichtsnutzen Bruder hin und her. Dann folgte ihr Blick scheinbar Dracos und sie lächelte, als sie das kleine Fellknäul entdeckte, dass sich gerade wohlig schnurrend auf den Rücken drehte.
Draco hingegen verdrehte genervt die Augen und starrte erneut ins Feuer.
„Er mag dich. Er hat die ganze Zeit über in deinem Zimmer geschlafen. Streckenweise sogar in deinem Bett", sagte Ginevra leise.
Der Blonde sah sie an und lachte laut und heiser. „Dein Bruder oder der Kater?"
Der Rotschopf lachte überraschenderweise ebenfalls. Allerdings schnaubte Wiesel mehr als nur wütend auf.
„Ich wünschte, Mione hätte dich tatsächlich ausversehen umgebracht, du überheblicher Scheißkerl. Du hättest es verdient", spie er, richtete sich hektisch auf und sprang polternd die Treppen rauf.
Alle Blicke folgten ihm fassungslos und Draco richtete sich langsam auf. Die Decke rutschte auf seinen Schoß und der Kater sprang vorwurfsvoll maunzend auf den Boden. Mit erhobenem Schwanz und durchgedrücktem Rücken tänzelte er um das Sofa herum und verschwand hinter diesem in der Weite des Raums.
Der Blonde blickte fragend rüber zum Rotschopf, der sich nun mit leicht geröteten Wangen auf das Buch stützte.
„Wie meinte er das?", fragte er schneidend. „Ich dachte, es war der Virus?"
Ginevra nickte, doch Finnigan kam ihm mehr oder weniger zur Hilfe.
„Das war ein scheiß Versehen, das sagte selbst Bukater. Sie konnte es nicht wissen."
Draco sah ihn forschend an. „Was konnte sie nicht wissen?"
Ein Seufzen, das von der jungen Weasley kam. „Sie hätte die Medikamente vorsichtshalber absetzten müssen, als du die Phase der körperlichen Gegenwehr hinter dir gelassen hast. Allerdings waren da einige Dinge, die sie nicht bedacht hat. Es war ganz sicher nicht ihre Absicht dir zu schaden."
„War es nicht", ertönte es vom Treppenabsatz.
Der ehemalige Slytherin wandte sich grinsend zu ihr um und sah sie strafend und spottend zugleich an. „Noch etwas, was du mir nicht sagen wolltest? Mal abgesehen davon, dass du meiner Mutter fast Zündstoff für eine weitere Anhörung gegeben, und mich zusätzlich fast umgebracht hast?"
Er hatte gestern fast den ganzen Tag mit dem alten Weasley über einer albernen Liste gesessen, in der er so etwas wie ein schriftliches Geständnis über die Dinge auflisten musste, die er verbrochen hatte. Und die Menschen, die er mehr oder weniger auf dem Gewissen hatte.
Was gab es auch Schöneres, als in solchen Erinnerungen zu schwelgen?
Granger zog die Lippen schmal und trat wieder die Treppen hinauf.
Oh ha.
Da mochte wohl jemand den Gedanken nicht, zu versagen.
Somit würde Draco ihr ganz sicher noch die eine oder andere, wertvolle Lektion mit auf ihren weiteren Weg geben. Und dieser war sicher steinig. Im Grunde konnte sie ihm also dankbar sein.
Ein Grinsen umspielte seine Lippen, als er sich wieder zurückdrehte und ins Sofa sinken ließ.
Ginevra sah ihn vorwurfsvoll an, sagte aber nichts.
„Du kannst froh sein, dass sie deinem hässlichen Arsch ein wenig Zeit verschafft hat", zischte Finnigan und als er aufsah, sah er dass der Ire direkt am Sofa stand.
„Seamus, lass ihn. Er ist müde und erschöpft", schien das weibliche Wiesel zu seiner Verteidigung einzuwerfen.
„Er ist ein Malfoy", knurrte Finnigan und stieß sich dann vom Sofa ab, um ebenfalls die Stufen hinauf zu springen.
Draco lachte heiser und blickte wieder ins Feuer. „Was seid ihr alle empfindlich."
Ginevra lachte bitter. „Nicht jeder kann so ein emotionaler Trampel sein wie du."
Er sah sie an und leckte sich langsam über die Lippen. „So bin ich nun einmal. Und weißt du was: Er hat recht. In jeder anderen Situation wäre ich jetzt rasend, weil sie unwissend an mir herumgedoktert hat und mir damit fast die letzte Stätte geschaufelt hätte. Doch es ist mir egal. Ich werde eh sterben." Damit blickte er zurück in die Flammen.
Jedes Wort war erschreckenderweise wahr.
Im Grunde hätte er ausrasten müssen. Vielleicht hätte er sogar ihre Aufmerksamkeit genießen müssen, jetzt wo er erschöpft war und auch noch umsorgt wurde. Doch er tat es nicht. Stattdessen fühlte sich jede untätige Sekunde wie ein Haufen ganzer unnützer Jahre an, die durch seine sterbenden Finger wie Sand rieselten.
Und er sah jedem einzelnen Korn, welches so viele Möglichkeiten bot, hilf- und tatenlos zu.
„Ihr ist es aber nicht egal, Malfoy. Sie macht sich Vorwürfe", sagte der Rotschopf leise.
Ein spöttisches Lachen entwischte ihm, als er sie ansah. „Ja und? Was soll ich jetzt tun? Zu ihr hochgehen und ihr das zartbesaitete Selchen streicheln, weil sie doch ihr Bestes gegeben hat?"
Weasley sah ihn ernst an. „Ja, das wäre ein Anfang."
Er lachte nur noch lauter. Was dachte sie, wen sie hier vor sich hatte?
„Und weißt du warum?", fuhr die Irre im Sessel fort. „Weil sie ihr Bestes tut. Das tut sie immer. Und das bedeutet in diesem Fall nicht, dass sie für dich aus sechs Wochen sechs Monate macht oder dir jeden Tag so erträglich, wie nur irgendwie möglich."
Draco verstummte, als ihm die Wahrheit in ihren Worten bewusst wurde. Doch er entschied sich zu schweigen und seine Miene emotionslos zu halten.
Sollte er weniger von ihr erwarten, als dass sie ihr Bestes für die Informationen gab, die er ihnen zu bieten hatte?
Ginevra lachte und rutschte etwas vor. Ihre Hände zitterten. „Und weißt du, was das Schlimmste ist? Das Beste ist niemals genug für diese Frau", sie deutete nach oben, dort wo Granger sich gerade eben eindeutig befand. „Nicht, wenn am Ende immer noch der Tod steht."
Der Blonde rollte mit den Augen und wandte sich ab.
„Was glaubst du, warum sie alle diese Bücher durchwühlt?", fragte das weibliche Wiesel spitz und hielt das Schundheftchen hoch, welches sich in ihren zitternden Händen befand.
Draco lachte. „Weil sie sich an den schönen, erotischen Szenen erheitert."
„Nein, das ist nicht der Grund", spie Ginevra hervor.
Einen Moment wollte er ihr widersprechen, aber ihr angespannter Gesichtsausdruck sagte ihm, dass das eine schlechte Idee war. Also ließ er sie weiterhin reden.
„Sie sucht nach einem Heilmittel. Sie würde es so niemals sagen, weil sie weiß, dass es keines gibt. Aber, insgeheim ist das das Einzige, mit dem sie sich zufrieden geben würde. Etwas, das dich rettet Malfoy. Und wenn du stirbst, sei es nach sechs, acht, zehn oder meinetwegen auch zwanzig Monaten, wird sie hier sitzen und sich selber dafür strafen, dass sie es nicht gefunden hat. Dieses Mittel, das es nicht gibt."
Draco verstummte. Irgendwo in ihm rieselte etwas Steiniges hinab, was ein komisches Gefühl in seinem Bauch erzeugte.
Er schwieg.
„Wenn du dich also fragst, ob sie es verdient hat, ein wenig gestreichelt zu werden, weil diese Sache für sie nicht beendet sein wird, wenn du unter der Erde oder an einer Kette hängst, dann ja Malfoy: Das hat sie." Mit einem Satz und vor Zorn funkelnden, blauen Augen, stand sie auf. „Das hat sie." Mit diesen Worten setzte sie sich in Bewegung und verließ den Raum.
Ließ ihn allein mit der schnurrenden Katze, der viel zu warmen Decke, dem prasselnden Feuer und einem merkwürdigen Gefühl im Bauch, welches er schon lange nicht mehr gespürt hatte, im Wohnraum zurück.
Und Draco verfluchte sie dafür. Denn so wie er vergessen hatte, wie sich dieses Gefühl wirklich anfühlte, so hatte er auch vergessen, wie man es gezielt verdrängte.
-v-
Mione stand in dieser Nacht noch bis zwei Uhr nachts vor einigen Blutwerttabellen und Erkenntnissen, die sie sich notiert hatte und sah sie sich immer wieder an.
Es war nicht so, dass sie sie nicht verstand. Eher das Gegenteil war der Fall. Doch, sie war sich bereits einmal so entsetzlich sicher gewesen, was zu tun war und wie die Lage aussah. Wie sie sie deuten musste.
Und sie hatte falsch gelegen, was nicht noch einmal passieren sollte und durfte.
Mit einem Seufzen nahm sie noch einen großen Schluck Kaffee und starrte erneut auf die Tafel, die sie bis zu den Rändern zugekritzelt hatte. Ja, sie hatte wahrhaftig gekritzelt. Bis über den Rand, so dass sich die bunte Kreide, ebenfalls über den dünnen Holzrand verteilte.
Ihre Finger waren ebenso bunt und verschmiert, wie dieser.
„Übst du dich in Kreativität?"
Mione wirbelte hektisch herum und sah ihn überrascht und vielleicht auch etwas gehetzt an. Sie versuchte seit gestern ihm aus dem Weg zu gehen.
Nach dem Warum, brauchte sie sich gar nicht fragen.
„Arthur sagte, er wird diese Sache regeln können. Auch wenn deine Erklärung einen halben Tag zu spät bei der zuständigen Stelle ankam", erklärte sie leise.
Ein Nicken. „Das ist mir ebenfalls bereits bekannt."
Ja. Das war ihr nicht neu. Aber es war das Erste, was ihr in den Sinn gekommen war. Sie musste einfach reden, um nicht denken zu müssen. Sein Anblick ließ dieses Gefühl der Hilflosigkeit in ihr hochkommen. Und diese Mischung des Beigeschmacks, den diese und die Gewissheit, dass sie sich ganz bald noch viel hilfloser fühlen würde, war schier unerträglich.
Er trat in den Raum und blickte auf die Tafel.
„Das sind deine Werte", erklärte sie die dreispaltige Tabelle. „Das die eines gesunden Mannes deines Alters", damit deute sie auf die zweite Spalte. „Und das hier sind Werte vermeintlicher Lamia. Da sie aber nicht autorisiert wurden, vermute ich, sie sind nicht echt."
Sie trat von der Tafel zurück, den Blick immer noch auf die dritte und letzte Spalte gerichtet. Schließlich kam sie neben ihm zum Stehen und es war ein merkwürdig beruhigendes Gefühl.
Er sah bei weitem nicht mehr so schwach aus, wie er gestern ausgesehen hatte. In diesen ausgeleierten Shorts und dem verwaschenen Shirt, das an seinem beinahe schmächtig wirkenden Oberkörper geklebt hatte.
Heute wirkte er wieder alles andere, als schmächtig. Wenn auch nicht so kräftig, wie er vor einigen Tagen gewirkt hatte. Im Bad.
Ihre Wangen erröteten und sie versuchte ihn nicht zu offensichtlich zu mustern. Er trug eine ausgeleierte Trainingshose und einen ebenfalls ziemlich mitgenommen, grauen Stoffpullover.
Beides stammte von Seamus und Merlin, sie hatten Sex gehabt, während der Ire diese Hose trug. Er hatte sie dazu nicht einmal ausgezogen. Und alles was ihr gerade in den Sinn kommen wollte, war dass der Blonde soviel besser in dieser Hose aussah. Und die Frage, ob er wohl etwas darunter trug.
Mit einem Husten starrte sie angestrengt zurück zur Tafel.
„Das verstehst du?", fragte er leise.
„Was?", krächzte sie ertappt.
Malfoy sah sie kurz an. „Diese Aufzeichnungen."
„Oh", hauchte sie und nickte schließlich schwach. „Ja. Überwiegend. Die letzten Werte verstehe ich jedoch nicht."
Er runzelte die Stirn.
„Nach allem, was wir über die Lamia wissen, ergibt es keinen Sinn."
„Wir wissen aber nicht besonders viel", sagte er.
Sie nickte und nahm einen Schluck Kaffee. „Dennoch ergibt es keinen Sinn."
Kurzes Schweigen trat ein.
„Warst du gut? An der Universität?"
Sie sah ihn überrascht an, doch er lachte, bevor sie antworten konnte.
„Was für eine alberne Frage. Natürlich warst du das. Du bist Hermione Granger." Er trat einen Schritt zurück und sie ließ die Tasse langsam sinken.
„Es tut mir leid. Ich hätte es bedenken sollen. Dass du.", sie musterte ihn von oben bis unten. „.das du anders wirst. Dass ich dich nicht mehr wie einen Mensch sehen sollte."
Malfoy hielt inne und starrte an ihr vorbei an die Tafel. „Wahrscheinlich hättest du das von Anfang an nicht tun sollen."
Mione wusste, das er diese Aussage nicht auf das Hier und Jetzt und das Fakt seiner Infektion bezog. Er bezog es auf den Menschen, der er einmal gewesen war. Der Junge namens Malfoy. Der Todesser.
„Hattest du jemals andere Pläne? Etwas wie einen Plan B, falls dieser Krieg niemals ausgebrochen wäre?"
Ein bitteres Lächeln umspielte seine Lippen und das Nein, das er nicht aussprach, lag schwer in der Luft. Also seufzte sie und blickte zu Boden.
„Ich habe geschummelt. In einem der letzten Tests, die ich schreiben durfte. Weil jeder so viel von mir erwartete und ich wusste, dass ich diese Erwartungen nicht erfüllen kann", sie sah ihn an und versuchte soviel Ausdruck in ihr Gesicht zu legen, wie nur irgendwie möglich. „Niemand ist unfehlbar, aber niemand ist wirklich so, wie es Andere von einem erwarten."
Schweigen und dennoch lag ein Grinsen in seinen Mundwinkeln. Jede stille Sekunde, die verging.
„Welch weise Worte, Granger. Vielleicht solltest du sie dir selber zuflüstern, wenn du wieder darüber grübelst, was du tun kannst und tun könntest", wisperte er und blickte zu Boden. „Jeder meiner Fehler hat unzählige Leben gekostet, Granger. Meines inklusive. Keiner deiner Fehler, kann es also schlimmer machen."
Sie lächelte bitter. Was sollte das werden?
So etwas wie ein Schuldbekenntnis? Ein Scherz? Tatsächlich so etwas wie Dankbarkeit oder Reue?
„Ich habe Ginnys Wutausbruch gehört. Spar es dir also", raunte sie.
Er lächelte ebenso bitter zurück. „Was nicht bedeutet, dass sie unrecht hat."
Mione starrte an die Tafel und schüttelte den Kopf. „Ich könnte soviel mehr geben, als mein Bestes." Das Wort sprudelte wie ausgesprochenes Gift aus ihr heraus.
„Und ich könnte ein soviel besserer Mensch sein, Granger."
Sie sah ihn an. Überrascht.
„Gib einfach weiterhin dein Bestes. Das ist mehr, als jemand wie ich von dir erwarten kann", flüsterte er und trat rückwärts durch den Türrahmen.
„Was soll das werden? Oder, wie genau soll ich das deuten?"
Er lachte. „Nicht als Danke", erwiderte er zwinkernd, „aber, du solltest wissen, dass das alles ist, was du von mir bekommen wirst."
Sie runzelte die Stirn und spürte, wie ihr Griff um die Tasse sich verkrampfte. Wer war dieser Mann, der dort vor ihr stand?
„Die Tatsache, dass es dir egal ist, ändern nichts daran, dass es mir nicht egal sein kann", wiederholte sie seine Worte und brachte ihr kleines Gespräch auf den Punkt.
Malfoy verharrte wieder auf dem Fleck und sah sie amüsiert an.
Doch dieses Mal sprach sie, bevor er zu Wort kommen sollte. „Und ich weiß, dass die Tatsache, dass es mir nicht egal ist, es durchaus schlimmer macht."
Ein Nicken. „Es geht also nicht um mich, sondern um alle die, die du nicht retten konntest und kannst?"
Es war, als hätte er einen wunden Punkt getroffen. Zum Teil jedenfalls.
„Vielleicht", wisperte sie und starrte in ihre Tasse. „Vielleicht auch nicht."
Ein erneutes Lachen und er trat wieder vor. Mehr noch, er trat an sie heran, bis er fast gegen die Tasse stieß, die nun zwischen ihnen klemmte. Sie blickte entsetzt zu ihm hinauf. Ihre Kehle war entsetzlich trocken.
Er war eindeutig zu nah. Vielleicht sollte sie um Hilfe rufen?
„Oder geht es vielleicht doch um etwas ganz anderes?", fragte er rau und zynisch.
Und wenn sie sich nicht irrte sogar etwas erhitzt. Sie war sich jedoch nicht ganz sicher.
Mione wich irritiert einen Schritt zurück, als sein Atem sie streifte. Er roch nach Kamillentee, was sie verwirrte. Anhand des Blickes, mit dem er sie gerade ansah, hätte sie eher etwas Hochprozentiges vermutet.
„Auf was genau willst du hinaus?", flüsterte sie argwöhnisch und wartete regelrecht auf das spöttische Grinsen, wenn er entdecken würde, dass er sie erwischt hatte.
Nicht weil er recht hatte, sondern weil er sie mal wieder dazu gebracht hatte sich unbehaglich zu fühlen.
Er zuckte mit den Schultern. „Um mich?"
Sie starrte ihn entgeistert an. „Was zur Hölle willst du damit sagen?"
Er musterte sie von Kopf bis Fuß. „Vielleicht ist dir aufgefallen, wie viel Ähnlichkeit ich doch mit deinem tragischen Held habe", er sah sie direkt an und wurde noch nicht einmal rot, als er überheblich weitersprach. „Vielleicht ist dir aber auch nur mein tolles Haar aufgefallen. Nicht das es mich scheren würde. Die Gründe sind mir ebenfalls reichlich egal."
Dann entwischte ihr ein heiseres Lachen. „Du meinst also, das alles beruht darauf, dass ich so wahnsinnig vernarrt in dich sein könnte?", fragte sie abschätzend und herablassend.
Er sah sie matt an, regte sich jedoch nicht.
„Sehr witzig, Malfoy."
Er runzelte die Stirn und starrte wieder an die Tafel. „Ich spaße nicht, Granger. Ich bin im Grunde ein verzweifelter Mann."
Ihr Herz machte einen merkwürdigen Hüpfer, als er so offen sprach. Seine Miene war eine einzige Maske und ein undeutbares Fragezeichen. Aber, scheinbar meinte er diese lächerliche Unterstellung ernst.
Und grundsätzlich würde sie ihm mit einem Hinweis wie arrogant und selbstverliebt diese Annahme und Aussage doch eigentlich war, jeglichen Wind aus den Segeln nehmen. Aber da stand er, sprach von Verzweiflung und sah dabei verdammt ernst und trotzig aus. Die absurde Situation, die sich hier bot, ließ ihr nicht die Zeit, genauer über seine verworrenen Worte nachzudenken.
Sie. und er. Das war lächerlich.
Und sie war kurz davor zu fragen, wie weit er tatsächlich über diese Sache. nachgedacht hatte.
Doch dann traf sie die Erkenntnis und sie trat hektisch vor. Binnen Sekunden presste sich ihre Kaffeetasse in seine Hüfte und ihre Hand gegen seine Stirn. Er sah sie vollkommen überrumpelt an.
Wieder streifte sein Atem ihr Gesicht und seine Augen bohrten sich regelrecht in ihre.
„Ich habe kein Fieber", zischte er und funkelte sie aus nächster Nähe beängstigend an.
Sein Atem streifte ihre Wange und sein Geruch schlug ihr stärker entgegen, den je. Er hatte geschwitzt und den ganzen Tag in ein und denselben Kleidungsstücken unter einer ziemlich dicken Decke und direkt vor dem Kamin verbracht.
Sie nickte fahrig. „Ja. Ich weiß."
Doch wenig belustigend konnte sie sich nicht dazu bringen, zurück zu treten. Stattdessen starrte sie ihn einfach an und verlor sich einen Moment in dem ungewohnten Gefühl seiner Haut unter ihrer Handfläche.
Ein Gefühl, welches eigentlich ganz und gar nicht unbekannt war.
Als sie sich dazu brachte zurück zu weichen, war seine Stirn voller grüner und blauer Kreide. Und sicher hätte sie geschmunzelt, wenn die Situation nicht so absurd und bedrückend gewesen wäre.
„Vielleicht solltest du dennoch ins Bett gehen und dich ausruhen. Helen möchte uns morgen früh sehen. Und Arthur wollte noch einmal mit dir sprechen. und auch Harry.." Sie sah ihn lange an. „Es wird ein anstrengender Tag."
Er wich zurück und sah fast etwas verwirrt aus. „Ja", sagte er dann und starrte fahrig an die Tafel. „Und du solltest dieses komische Männchen da noch einmal überholen", zischte er und deutete auf den Körper, den sie neben die erste Tabelle gezeichnet hatte. „Es sieht aus wie ein Hund."
Mione sog schneidend die Luft ein. „Das ist überhaupt nicht wahr, du-", fluchte sie, doch als sie sich zu ihm umdrehte, hatte er ihr bereits den Rücken zugedreht und war eindeutig auf den Weg zu seinem Zimmer.
Sie blieb zurück, betrachtete seinen Rücken, der sich unter dem Shirt verbarg, und umklammerte ihre Tasse.
-v-
Draco schloss leise fluchend die Zimmertür und lehnte sich fassungslos gegen das Holz. War das gerade wirklich passiert?
Hatte er Grangers Seele gestreichelt und seine dabei mit einem einzigen, unbedachten Satz komplett blank gezogen?
„Oh Merlin", fluchte er und starrte zum Fenster.
Er hatte gewusst, dass er in seinem momentanen Zustand in seinem Zimmer hätte bleiben sollen. Und sein momentaner Zustand war kläglich, übermüdet und vor allem merkwürdig geplagt und belastet.
Fluchend trat er einen Schritt vor und starrte zur Tür, die ihn zu verspotten schien. Warum hatte er Granger nicht gleich zu sich ins Bett geboten, damit sie das Bild ihres geröteten Selbst mit den wippenden Brüsten über ihm etwas auffrischen konnte?
Ein heiseres Lachen entwischte ihm, als er zum Bett trat und sich fassungslos rücklings in den weichen Stoff des frisch gemachten Bettes fallen ließ.
Merlin, er war ein verzweifelter Mann. und Verzweiflung schien bei ihm gerade keine Grenzen zu kennen.
Er schloss die Augen und befühlte seine Stirn. Vielleicht hatte er ja doch Fieber und es würde ihn in dieser Nacht dahin raffen.
Leider war seine Stirn bedenklich kühl.
Nicht einmal eine gebürtige Ausrede für dieses Dilemma gönnte man ihm.
Er öffnete die Augen und starrte. auf seine verschmierten Hände.
„Merlin", flüsterte er und richtete sich langsam wieder auf.
Und ein Blick in den Spiegel, der sich auf einer seiner Schranktüren befand, zeigte ihm, dass er sich gerade nicht nur lächerlich fühlte. Nein, er sah auch noch extrem lächerlich aus.
Vorschau:
„Verdammt, was tust du?", keuchte er und verschränkte die Arme vor seinem Gesicht.
Potter atmete schneidend aus.
„Nichts", krähte Wiesel seltendämlich und richtete immer noch den elenden, überdimensional hellen Stab direkt auf sich Gesicht.
„Es ist heller als sonst. Nimm es verdammt nochmal aus meinem Gesicht", blaffte Draco. Seine Augen begangen eindeutig zu schmerzen.
„Deine Augen, Malfoy." Potter.
Endlich ließen die beiden Volltrottel die Stäbe sinken, so dass er sie wieder ansehen konnte. Allerdings starrten sie ihn an, als wäre er aus einer anderen Welt. Wiesel klammerte sich sogar mit einer Hand an Potters Unterarm.
„Was ist mit meinen Augen?", knurrte er.
Sorry, sorry, sorry für die lange Wartezeit und vielen, vielen Dank für eure Geduld. Das war ne echt miese Zeit. *lach* Daher also Danke für eure lieben Reviews, mit denen ihr mich echt unglaublich aufgebaut habt, und natürlich fürs Lesen. :)
Mein spezieller Dank geht an Fränzi, die trotz persönlichem Stress die Betaarbeit für dieses Kapitel übernommen hat. Ich knutsch und singe auf dem Scheiterhaufen für dich, Süße. *knuddel*
Reviewtime:
HexenLady: Das ist lieb. :) Ich hab das alles, und euch, auch ziemlich vermisst. Und glaub mir, es ist ziemlich große Schei*e, wenn man schreiben will, aber irgendwie nicht kann. :/ Und ich bin an Carpe Noctem dran, denn die Story ist echt grandios. Von daher noch einmal danke für den Tip!
Anna: Nee, so schnell gebe ich nicht auf. Ich gebe zu, wenn man sich *Mission V* und „SYiH* anschaut, dann mag einem da böses in den Sinn kommen, wen ich mal aussetzte. Aber, das hatte nicht nur mit ner einfachen Blockade zu tun. Ja, ich bin also immer noch – mehr oder weniger – fleißig dabei. *lach* Und es freut mich,d ass du auch noch hier bist.
Zilla: Schön, dass du hierher gefunden hast. Und ja, das hoffe ich auch. ;)
Fränzi: Nix da Schande. *lach* Und du wirst immer meine Nervensäge Nummer 1 bleiben – wenn ich die deine sein darf. *hihi*
