Kapitel 21
Am nächsten Morgen, man könnte eigentlich auch noch von Nachts sprechen, saß Harry Potter im Gemeinschaftsraum der Löwen nahe dem Kaminfeuer. Nachdenklich betrachtete er das grüne Kästchen, welches ihm Draco am Abend zuvor auf den Nachttisch gestellt hatte.
Die Kälte der heraufziehenden Dämmerung, die in den Schlafsaal gedrungen war, und Rons ohrenbetäubendes Schnarchen hatten ihn zu so früher Stunde aus dem Bett gescheucht.
Vorsichtig öffnete er das Etui, riss dann überrascht die Augen auf als er dessen Inhalt erblickte. Nahezu ehrfurchtsvoll zog er an der silbernen Halskette und hob das daran hängende Medaillon heraus.
Vor seinen staunenden Augen pendelte der Schmuck mit dem stilisierten Drachen auf der Vorderseite hin und her und warf, wegen dem Feuer, helle Lichtreflexe durch den Raum.
Als er es öffnete sah ein kleines Portrait Dracos auf der einen Seite, und eine angeheftete blonde Strähne auf der anderen. Seidenweich fühlte sie sich an und erinnerte ihn an die Nächte, in denen er seine Hände in den Schopf des Slytherins gegraben hatte.
Lächelnd klappte Harry das Kleinod wieder zu und hängte es sich um den Hals.
Die Wärme des Feuers lullte ihn ein, doch bevor ihn der Schlaf einholte, öffnete sich das Porträtloch leise und eine Gestalt schlich herein. Harry beobachtete sie amüsiert und neugierig bezügliche ihrer Identität, wie sie versuchte, im Dämmerlicht allen Hindernissen auszuweichen. Doch stieß sie mit einem Mal gegen eine Kiste am Boden, es schepperte schrecklich, Rons Schnarchen oben im Schlafsaal stockte kurz, um gleich darauf aber wieder fortzufahren, und die dunkle Gestalt mitten im Gemeinschaftsraum fluchte.
Sie entzündete mit einem „Lumos" einen Lichtschein.
Hermine stand völlig zerzaust im Raum, ihre Jacke im Arm, das Hemd unordentlich halb aus dem Schulrock hängend, einen Kissenabdruck auf der Wange. Ihr Kopf fuhr herum, als sie beim Aufleuchten ihres Zauberstabes ihren feixenden Freund am Kamin bemerkte. Die Verlegenheit stand ihr offen ins Gesicht geschrieben. Harry winkte sie heran und sie ließ sich ihm gegenüber in einen mit Flicken überzogenen roten Sessel fallen.
„Ob deine Nacht nett war, muss ich ja nicht fragen!" Harrys Grinsen war deutlich seiner Stimme anzuhören.
Hermine murrte nur und löschte das Licht ihres Zauberstabes. Der Gemeinschaftsraum wurde wieder dunkler, wobei der rosa Morgenhimmel und der Kamin nur für dämmriges Licht sorgten.
Es blieb nicht mehr viel Zeit um alleine zu sprechen.
„Es war toll mit Blaise…ich bin froh, dass….wir wieder zusammen sind. Aber seine Zauber… er hat mir nicht verraten, woraus er sie fusioniert hat. Vielleicht aus…."
„Halt, halt", unterbrach sie Harry lachend in ihren Überlegungen. „Von der Praxis", sein Lächeln wurde dreckig, „egal welche, ich hab `ne Ahnung, für die Theorie ist Blaise der bessere Ansprechpartner."
Da sie so nahe zusammen saßen, konnte er das hübsche Mädchen schmollen sehen.
„Was bist du eigentlich so früh auf?" Fragte Hermine dann, und musterte den Jungen in den heute auch nicht grade ordentlichen Klamotten vor ihr. Die Augenringe und sein mehr als sonst verwuschelter Schopf sprachen Bände.
Da entdeckte sie die Anhängerkette auf dem unordentlich zugeknöpften Hemd. Gespannt beugte sie sich vor und schnitt Harry die Antwort auf ihre Frage ab.
„Was ist das denn? Ist das von Malfoy?"
Harry zögerte, umfasste den Anhänger und betrachtete den Drachen der sich darauf wand.
„Ja, aber ich weiß nicht warum….Anscheinend hat er viel Zeit zur Schaffung eben dieses geopfert, wenn dies sein „Projekt mit Blaise" war."
Seine Stimmung sank ab.
„Liebst du ihn?" Ging Hermine direkt auf ihr Ziel zu. Harry riss den Kopf hoch, strich sich fahrig eine schwarze Strähne aus den Augen.
„Ich weiß doch gar nicht, was er wirklich für mich empfindet….Wie kann ich ihm trauen?"
Unwillig schüttelte Hermine den Lockenkopf. Das dieses Thema immer wieder aufkam!
„Du bist in dieser Hinsicht ein Idiot", erwiderte sie rüde.
„Ich habe nach dir gefragt. Befreie dich endlich mal von diesem dummen Gedanken. Liebe muss man geben, und nicht bekommen!" Sie schwieg kurz, um ihre Worte sacken zu lassen.
„Was ist nun, liebst du Malfoy?" Bohrte sie dann nach.
Harry fixierte sie mit ernstem Blick, ließ diesen dann durch den Raum gleiten, dessen Einzelheiten im Morgenlicht schon deutlich zu sehen waren. Die braunhaarige Hexe wartete geduldig ab, bis Harrys Aufmerksamkeit wieder zu ihr zurückkehrte.
„Ja, ich liebe Draco Malfoy", gab der Held der Zauberwelt mit rauer Stimme zu. Kaum waren die bedeutungsschweren Worte ausgesprochen, begann unter ihren erstaunten Blicken der Anhänger um Harrys Hals regelrecht zu glühen.
Das Glühen hatte seine Ursache auf der Rückseite, die vorher leer gewesen war, nun aber plötzlich die Worte aufwies: „Ich liebe Dich. D."
Hermine fiel die Kinnlade herunter, was ihren intelligenten Eindruck etwas trübte. Ihre Gedanken rasten, während Harry nur mit weit aufgerissenen grünen Augen hinter den Brillengläsern auf die Worte starrte.
„Harry…", Hermine schluckte, „Harry, von diesem Zauber habe ich gelesen. Er ist so komplex, so perfekt…..Weißt du, was er bedeutet?"
Harry schüttelte nur bleich den Kopf. Sein Misstrauen bezüglich Dracos Integrität schwand immer mehr, doch kam ihm die Hoffnung, die an deren Stelle trat, so verletzlich vor.
„Der Zauber heißt Amor Verus – Wahre Liebe. Er kann nur von einem wahrhaftig Liebenden ausgeführt werden, und der gewünschte Text erscheint nur, wenn der Empfänger sich der gleichen Gefühle bewusst ist."
Harry starrte sie nun mit großen Augen an. „Er liebt mich? Er liebt mich!" Bei dieser Erkenntnis sprang er aus dem Sessel hoch, blickte sich wild um und stürzte dann zum Porträtloch.
„Wo willst du denn hin?" Rief ihm Hermine nach.
„Ich muss ihn vor dem Frühstück abpassen…" Rief Harry zurück und stand schon auf dem Gang, ohne Hermines Worte noch zu hören, die ihn darauf hinwies, dass es noch vor dem Weckruf war, und demzufolge das übrige Schloss noch im Schlaf lag.
Darauf kam der Gryffindor selbst, als er eine ¾ Stunde vor der großen Halle auf und ab lief, bevor die ersten zum Frühstück eintrafen. Erstaunt wurde er gemustert, doch er starrte jedes Grinsen über sein derangiertes Aussehen aggressiv nieder.
Endlich kam Malfoy, an der Spitze seiner Slytherin - Gefolgschaft daher schreitend, in die Vorhalle. Als er den nervösen Gryffindor dort erblickte, ging eine Regung über sein Gesicht, sein Schritt stockte jedoch nicht bevor er kurz vor Harry stehen blieb.
Seine Leute, unschlüssig was zu tun, schließlich hatte Malfoy verlangt, dass sie wieder geschlossen bei den Mahlzeiten erscheinen sollten, blickten gespielt interesselos in der Gegend herum.
Andere Schüler auf dem Weg in die große Halle blieben stehen, um die „Prinzen ihrer Häuser" zu beobachten. Oh, und es tat sich Sehenswürdiges, ganze Schülergenerationen würden noch von der Erzählung des nun Folgenden gespeist werden.
Harry, durch das lange Warten auf den Blonden schon etwas übernervös, fiel dem Slytherin, kaum hatte dieser vor ihm Halt gemacht, in großer Geste um den Hals.
Fest umschlang er den überraschten Jungen.
„Ich liebe dich!" Sagte Harry.
Die Anwesenden keuchten auf, Draco löste sich mühsam aus dem Klammergriff seines Freundes, ergriff seine Arme und hielt ihn vor sich. Die Schüler hätten gesagt, wenn sie es nicht besser gewusst hätten, dass Malfoys Gesicht vor Rührung weich geworden war.
Ernst musterte der Slytherin den Goldjungen, er nahm als erstes dessen Wahrhaftigkeit in den grünen Augen wahr, bevor er überhaupt den Blick an ihm herabsinken ließ und das Medaillon sah.
Es hatte bei Harrys Worten wieder zu strahlen begonnen. Leicht fuhr Draco mit dem Finger über die unebene Oberfläche, Harrys Blick folgte seiner Hand.
Dann zog Draco ihn in einer heftigen Geste wieder an sich. Harry schluchzte sehr unmännlich in dessen Nacken und bettete seinen Kopf auf die Schulter des Anderen, sodass sich blondweißes Haar mit schwarzem vermischte.
Alle konnten hören, wie Draco Malfoy sagte: „Ich bin froh, dass du mir endlich glaubst. Ich liebe dich, mehr als du ahnen kannst."
So standen sie Minutenlang umschlungen, umkreist sowohl von ihren Freunden als auch von ihren Feinden, die aber allesamt Zeichen ihrer Rührung zurückhalten mussten. Verzückung war das Wort dafür.
Doch Blaise war besonders begeistert. Hatte er doch bei der Herstellung des Drachenmedaillons maßgeblich geholfen.
So war es dann auch kein Wunder, dass als sein Buch herauskam, eine lange Zeit nachdem er mit Hermine drei furchtbar kluge, wilde Kinder in die Welt gesetzt hatte, Severus Snape sich zum Entsetzen aller von Lupin hatte an die Leine legen lassen und Harry und Draco aller Zankereien zum Trotz ihr zehntes Hochzeitsjahr gefeiert hatten, es zum absoluten Bestseller in der Zaubererwelt wurde.
Was sicher auch nicht unerheblich an dem Titel lag: „Toy Boy sein das ist nicht schwer, treu zu sein doch um so mehr. Meine wilde Jugend in den Hallen von Hogwarts an der Seite von Harry Potter.
***FIN***
