Hallo ihr lieben. Wieder mal ein neues Kapitel von mir. Sozusagen als Neujahrsgeschenk. Ziemlich kurz, aber ich denke, es wird Euch gefallen.

Also dann, auf geht's – und bitte, meine lieben Schwarzleser, lasst mir doch mal ein Review da.

Bei den Zugriffszahlen, da muss es noch eine ganze Menge Schwarzleser geben...

21. Alltagssorgen – das Leben geht weiter

Auch die nächsten Versuche, das Sehvermögen wieder herzustellen schlugen fehl, immer neue Modifikationen des Basistrankes wurden gebraut, ausprobiert, die Wirkung dokumentiert, die Wirkung analysiert, schon bald hatte sich ein grosser Stapel an Papier auf Hermines Schreibtisch angesammelt, der mit jedem neuen Versuch um einige Seiten wuchs.

Aber nicht nur an einem Trank gegen ihre Blindheit wurde geforscht, nein, auch die gewöhnliche Ausbildung zur Zaubertrankmeisterin musste sie durchlaufen. Verschiedene komplexe Tränke galt es zu brauen, zu verändern, neue Ingredienzien zu untersuchen, Analysen von Proben vorzunehmen, und nicht zuletzt mit Professor Snape über die Resultate ihrer Forschung zu diskutieren.

Vieles dauerte länger, als sie es gewohnt war, bei vielen Dingen benötigte sie am Anfang seine tatkräftige Unterstützung, die ihre Augen ersetzte, aber zunehmend wurde Hermine selbstständiger und begann, sich ihren eigenen Tagesrhythmus aufzubauen, und wieder ihr eigenes Leben zu leben.

Natürlich, die meiste Zeit verbrachte sie mit ihrem Mentor im Labor, aber wenn sie abends nicht gerade mit ihm über die neuesten Artikel aus dem Zaubertrankalmanach diskutierte, oder sie gerade an einem wichtigen Trank tätig war, so genoss sie es, mit Shadow gemeinsam durch das Schloss zu streifen, und ihren Gedanken freien Lauf zu lassen.

„Miss Granger?" Hermine wurde von ihrem Lehrer aus den Gedanken gerissen, die gerade dabei waren, das Rezept für einen komplizierten Trank, den sie am nächsten Tag zu brauen gedachte, in die richtige Reihenfolge zu bringen. Sie wandte sich aus dem gemütlichen Sessel vor dem Kamin der Stimme ihres Mentors zu. „Ja, Professor?"

„Ich möchte sie bitten, mich auf einem längeren Spaziergang durch die Ländereien von Hogwards zu begleiten, Miss Granger. Es gibt einige Dinge, die ich gerne mit ihnen besprechen würde."

Hermine erhob sich sofort aus dem Sessel. „Natürlich Professor."

War er mit Ihrer Arbeit nicht zufrieden? War dies das Ende ihrer Träume? Hermines Gesichtsausdruck schien ihrer zweifelnden Gedanken widerzuspiegeln. „Keine Angst Miss Granger, ich habe nicht vor, ihnen unterwegs ihre Kündigung auszusprechen... Darf ich ihnen meinen Arm anbieten?" Hermine fühlte, wie er ihren Arm in den seinen unterhakte, und sie so mit langsamen, gleichmässigen Schritten durch die langen Flure von Hogwarts an die frische Luft geleitete.

Schweigsam waren sie schon eine ganze Weile einhergegangen, als er schließlich das Schweigen brach. „Wie sie vielleicht bemerkt haben, wird in 2 Tagen die Schule wieder beginnen, Miss Granger!"

Die Schule... Nein, das hatte sie ganz vergessen... Was würden ihre Klassenkameraden sagen? Was würden die anderen denken, wenn man erfahren würde, dass sie bei Snape eine Ausbildung zur Zaubertrankmeisterin begonnen hatte? Wie würden Harry und Ron reagieren? Sie hatte nach Ginnys Besuch nichts mehr von den beiden gehört, ob sie noch immer sauer waren? Und was war mit Malfoy?

Fragen über Fragen stürzten mit einem Mal über sie hinein, und sie spürte, wie ihre Knie langsam aber sicher unter ihr nachgaben, als sich mit einem Mal alles in ihrem Kopf zu drehen begann.

Zwei Hände die nach ihr griffen, und sie sanft auf einen nahegelegenen Baumstumpf absetzten, Worte, die aus weiter Ferne zu ihr zu dringen schienen...

„Es ist alles in Ordnung, Miss Granger... Ich habe bereits mit Professor Dumbledore gesprochen. Sie werden am ersten Schultag offiziell als meine Assistentin vorgestellt werden, und auch die Begründung für ihre Erblindung haben wir bereits plausibel zurechtgelegt. Es wird keine Probleme geben, Miss Granger..."

„Wie gerne würde ich ihnen glauben, Professor. Es ist nur... Ich..." Hermine senkte den Blick, als die ersten Tränen über ihre Wangen zu laufen begannen. „Ich habe Angst." spuckte sie endlich aus, was sich in ihre Gedanken eingebrannt hatte. „Angst all das zu verlieren, was in den letzten Jahren mein Leben ausgemacht hatte, meine Freunde, meine Familie..."

„Miss Granger, ich dachte, diesen Zweifel hätte Miss Weasley beseitigt. Glauben Sie wirklich, ihre Freunde werden sie fallen lassen, nur weil sie nicht mehr an ihren kindischen Spielen teilnehmen können, weil sie ihre Hausaufgaben nicht mehr abschreiben können, weil sie sich entschlossen haben ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und bei mir, dem abscheulichsten Lehrer der Schule, den Todfeind von Harry Potter, eine Ausbildung anzufangen, glauben sie das, von ihren besten Freunden, von den beiden anderen Teilen des goldenen Trios?"

Hermine zögerte einen Augenblick, bevor ihr tränenverschleiertes Gesicht sich dem seinen zuwandte. „Nein, Sir. Glauben nicht, aber befürchten."

Severus Snape schaute die junge Frau vor sich an. Die leicht geröteten Wangen, das feingeschnittene Gesicht, hängende Schultern, und die feingliedrigen zarten Hände ineinander verschlungen im Schoss. Unschuldig. Verloren. Zweifelnd.

Instinktiv fuhr er mit dem Daumen über ihre Wange und wischte die Tränen fort.

„Kommen sie Miss Granger, wir sollten in Schloss zurückkehren, das Abendessen wird bald beginnen."

Hermine spürte eine wohlige Wärme, die von seiner Berührung ausging, sich von dem leichten Kribbeln der Wange ausbreitete, und langsam weiter wanderte, bis zu ihrer Hand, an der er sie nun vorsichtig fasste, und auf die Beine zog. Eine Zuversicht, dass sie nicht alleine war, was auch immer kommen würde, dass jemand da sein würde, der zu ihr halten würde, in jeder Situation.

Ja, Sir, gehen wir."