Burden of impurity

Kapitel 21

Ganz oder gar nicht

Es war ein eigenartiger Moment, als Hermine realisierte, wie sehr sie einander wirklich wollten. All ihre Emotionen und Gefühle für ihn waren immens gewachsen - für ihn allein, ihren Professor. Sie hatten sich in den vergangenen Monaten und Wochen angestaut und brachen nun in purer Lust aus ihr heraus. Und selbst dann, wenn es das erste Mal war, dass sie sich in dieser Intimität begegneten, so spürte sie kaum noch die letzten Barrieren, die zwischen ihnen lagen.

Es schien paradox zu sein, dass ausgerechnet er derjenige sein sollte, der sie vollends zur Frau machen würde, doch als sie in das Gesicht des Mannes blickte, für den sie so viel empfand, wie für keinen Menschen sonst, begriff sie, dass niemand anders ihr das geben konnte, was Snape für sie darstellte.

Sie drückte ihre Hüften nach oben, um ihm entgegen zu kommen und bemerkte die Überraschung auf seinem konzentrierten Gesicht, als er innehielt und tief in ihr verborgen ausharrte.

„Hermine ...", raspelte er leise und drückte ihre Hand, die immer noch innig mit seiner verschlungen war.

Eine ungewohnte Scheu tauchte auf seinen Zügen auf und sie konnte nicht anders als ihre andere Hand nach ihm ausstrecken, um ihn am Nacken zu sich zu ziehen und zu küssen.

Vor Glück überschäumend fühlte sie seine weichen Lippen auf ihren, bis seine Zunge ungestüm in ihren Mund fuhr und sie liebkoste. Ein sanftes Stöhnen drang aus seinen Tiefen hervor und sie vergrub ihre Finger in den langen Strähnen an seinem Hinterkopf.

Es war nicht leicht für ihn, sich noch länger still zu halten und so löste sie ihre Finger von ihm los und nickte ihm zu.

Snape erzitterte und der Schauder, der dabei durch seinen Körper fuhr, setzte sich in ihrem Inneren fort. Im nächsten Moment schob er sich mit einem Stoß gänzlich in ihre Mitte und sie schloss die Augen, um die schmerzhaften Ausläufer ihrer genommenen Unschuld zu unterdrücken.

Schwer atmend sah er sie an. „Geht es dir gut?"

Sie blinzelte. Dass er so sanft zu ihr sein würde, war ein weiteres Zeichen seiner Gefühle für sie. Sogar seine wundersamen schwarzen Augen offenbarten es. Sie bohrten sich so tief in ihre, als würde er sie zum ersten Mal überhaupt ansehen und damit ihre Seele erkunden.

„Ja, es geht mir gut. Es ist nur … ungewohnt."

Selbst wenn sie Gefahr lief, ihre Unerfahrenheit offen vor ihm darzulegen, war es ihr egal. Er verdiente es, die Wahrheit zu erfahren. Und sie wusste, dass er ihr niemals einen Vorwurf dafür machen würde, weil er sich mindestens ebenso unsicher fühlte, wie sie es tat. Die Zeit des gegenseitigen Herausforderns hatten sie hinter sich gebracht. Langsam hatten sie sich aufeinander zubewegt, ohne es realisiert zu haben. Doch in all den Stunden, die sie miteinander verbracht hatten, hatte sich viel zwischen ihnen ereignet, das sie jetzt endlich in vollen Zügen auskosten konnten.

Hermine blickte sanft zu ihm auf und ließ dabei ihre Hand über die Wölbung auf seinem Rücken gleiten. Jeder seiner Muskeln schien zum Zerreißen gespannt zu sein und sie wusste, dass er nur darauf wartete, sich endlich weiterzubewegen.

„Ich möchte dich spüren, Severus", flüsterte sie auffordernd. „Jetzt."

Kaum dass sie ausgesprochen hatte, fuhr er an der Stelle fort, an der er zuvor innegehalten hatte. Seine Bewegungen füllten sie gezielt aus und Hermine nahm sie tief und mit all ihren Sinnen in sich auf, bis sie bald darauf mit ihm zusammenarbeitete. Ihre Körper verschmolzen buchstäblich miteinander, dabei hätte noch vor wenigen Monaten keiner von ihnen geglaubt, dass es je zu so einer Vereinigung kommen würde. Snape hatte nicht als der Mann gewirkt, der er war, sobald er mit ihr alleine war. Er hatte den Ruf, ein kalter, unnahbarer Zeitgenosse zu sein, den niemand mochte und für den sich auch niemand sonderlich interessierte. Jetzt aber wusste Hermine, dass sie ihn nie wieder gehen lassen wollte. Sie wollte ihn für immer und ewig bei sich haben, obwohl sie wusste, dass es unklug war, so zu denken, schließlich war sie noch immer sehr jung. Doch als er sich ihr hingab, konnte sie nicht anders, als sich eine gemeinsame Zukunft mit ihm ausmalen. Sie wollte sich als Frau an seiner Seite sehen und spüren, wie er ihr auf seine Art seine Gefühle offenbarte. Ganz so, wie er es jetzt tat.

Es war nicht sicher, was noch vor ihnen lag, denn immerhin befanden sie sich am Rande eines beginnenden Krieges. Doch im Grunde genommen war sie schon immer entscheidungsfreudiger als andere Mädchen gewesen. Als er ihr dann diesen tiefen Blick zuwarf, in dem so viel Feuer und Leidenschaft steckte, war es vollends um sie geschehen. Für sie war er schon alleine aufgrund seines Intellekts der vollkommene Mann. Außerdem hatte sie den Eindruck, dass er perfekt zu ihrem Körper passte, was im Moment durchaus alles andere in den Schatten stellen konnte.

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„Fühlst du dich besser?"

Snape hob im Stillen eine Augenbraue und sah sie abschätzig an.

„Komm schon, Severus", drang sie vorsichtig weiter. „Ich hatte den Eindruck, dass es dir gut getan hat, mir mir zusammen zu sein."

Er nickte. „Wenn das jetzt eine Anspielung auf meinen Besuch bei ihm sein soll, muss ich dich bitten, damit aufzuhören, Hermine. Ich möchte nicht weiter darüber reden. Du weißt, dass es nicht gut ist, wenn du zu viel erfährst."

Hermine biss sich auf die Lippe. „Ich wollte nur sichergehen, dass alles in Ordnung ist mit dir, weil ich dir jetzt sagen werde, dass ich gehen muss."

Snapes Züge wurden auf eine verspielte, ganz neue Art ernst und Hermines Herz schlug umgehend schneller. Schon beim Anblick seiner schwarzen Augen hatte sie das Gefühl, erneut vor ihm dahinschmelzen zu müssen.

„Wage es ja nicht, mir zu erzählen, dass du mich wegen Potter und Weasley alleine lassen wirst."

Sie blinzelte überrascht. „Woher weißt du das?"

„Das ist offensichtlich, Hermine."

„Tatsächlich?"

Er hob den Kopf an und stützte ihn auf den Arm.

„Du hast mehrmals versucht, einen Blick aus dem Fenster zu werfen."

Sie wurde rot. „Das hab ich gar nicht bemerkt."

Snape rollte mit den Augen. „Immerzu musst du mich ärgern, Granger."

Noch bevor sie dagegen protestieren konnte, zog er sie zu sich und hielt sie an seinen Körper gedrückt fest. Seine Lippen pressten sich auf ihre und Hermine fühlte einen Schauder über ihren Rücken jagen. Seine Zunge drang in ihren Mund, um mit ihrer zu spielen und eine unbeschreibliche Hitze durchströmte sie, als sie merkte, dass sich seine Männlichkeit ein weiteres Mal fordernd und hart gegen ihren Körper drückte.

Es war wunderbar gewesen, ihn so innig zu spüren und sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie ihr Erstes Mal mit ihm je vergessen würde. Auch jetzt, als sie vor ihm an seine Brust gekuschelt in der Biegung seines nackten Körpers lag, fühlte es sich so großartig und unglaublich an, ihm auf diese Art nahe zu sein, dass sie das Bett am liebsten nie wieder verlassen hätte. Und so war auch dieser Moment ein weiteres intimes Erlebnis zwischen ihnen, das sie kaum begreifen konnte; auch wenn sie wusste, dass er nicht ewig währen würde.

Sanft entzog sie sich ihm und umfasste mit den Händen sein Gesicht. „Ich muss jetzt wirklich gehen, Severus", sagte sie mit deutlicher Wehmut in der Stimme.

Er straffte seine Mundwinkel. „Richte Weasley meine Grüße aus."

Hermine legte die Stirn in Falten. Er hatte Recht: es war nicht fair, das Gespräch mit Ron noch länger hinauszuzögern und ihm damit falsche Hoffnungen zu machen.

„Ich verspreche dir, dass ich es ihm so bald wie möglich sagen werde", erklärte sie offen.

Tief seufzend ließ er sich auf das Bett zurückfallen und verschränkte mit abwesendem Blick die Arme hinter dem Kopf. „Es steht mir nicht zu, dir Vorwürfe zu machen, Hermine."

Ihr war der geknickte Unterton in seiner Stimme nicht entgangen und so drehte sie sich herum und legte den Kopf auf seine Brust.

„Das hängt ganz davon ab, wo wir jetzt stehen, Severus."

Er sah sie an und sie blinzelte verlegen. „Was ist das, was wir miteinander haben?"

Sekunden vergingen, ehe er auf sie reagierte. Seine Lippen wurden zu schmalen Linien und er schien genau jedes einzelne Wort abzuwägen, ehe er es hervorbrachte.

„Ich wäre glücklich, dich als Frau an meiner Seite zu sehen, Hermine. Aber das geht nicht. Du weißt, dass es mir nicht erlaubt ist. Wenn auch nur ein Wort oder eine Geste nach außen dringt, werden sie mich einsperren. Und das zurecht. Was ich hier mit dir tue, ist alles andere als harmlos."

Sie senkte den Blick und ließ nachdenklich ihre Finger über seine Brust gleiten.

„Das weiß ich, Severus. Und ich werde es niemandem sagen. Das Risiko ist zu groß. Aber trotzdem wüsste ich gerne, woran ich bei dir bin."

Er räusperte sich und fiel ihr ins Wort, noch ehe sie weitersprechen konnte. „Ich habe dir gesagt was ich fühle. Aber du sollst auch wissen, dass ich nicht der Typ bin, der es dir hundert Mal am Tag sagen wird. Versteh das bitte nicht falsch, es ist nicht so, dass ich es nicht möchte, aber ich habe Angst davor, dass es irgendwann zu abgedroschen klingen wird. Vor allem solltest du auch so wissen, dass es mir ernst ist, sonst würde ich nicht so viel riskieren. Außerdem teile ich nicht gerne, wie du schon gemerkt hast. Bei mir heißt es ganz oder gar nicht, Hermine."

Sie nickte. „Ich glaube, damit kann ich leben, Severus. Ich bin auch nicht wild darauf, mit jemandem zu spielen. Und solange du mich spüren lässt, was du empfindest, reicht es mir, es immer dann zu hören, wenn es aus tiefstem Herzen kommt."

Er schnaubte amüsiert. „Du meinst so wie vorhin?"

Über Hermines Gesicht legte sich ein Lächeln. „Vielleicht kannst du es ja ausnahmsweise noch einmal wiederholen? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe ..."

Blitzschnell schossen seine Arme nach vorne und drückten sie an sich. Hermine blieb vor Schreck die Luft weg, doch noch ehe sie begriff, was geschah, rollte er sich herum und lag plötzlich auf ihr. Dann grinste er sie triumphal und mit leuchtenden Augen an.

„Du solltest dich nicht zu sehr daran gewöhnen, weißt du? Es kann ganz schön gefährlich sein, mich herauszufordern."

Ohne Vorwarnung sausten seine Lippen auf ihren Hals hinab und saugten sich daran fest.

Hermine kreischte auf. „Severus! Wirst du wohl damit aufhören!"

So plötzlich wie er begonnen hatte, zog er sich wieder zurück.

Hermine wollte enttäuscht aufstöhnen, doch dann sah sie seine Augen und überlegte es sich besser, als ihn mit einer dummen Frage zu konfrontieren.

„Geh jetzt, bevor ich es mir anders überlege."

Hinter seinen Worten lag ohne Zweifel etwas Kraftvolles und sofort wusste sie, dass er es ernst meinte.

Einen verstohlenen Blick auf seine unergründlichen Augen werfend suchte sie ihre Sachen zusammen und schälte sich hinein. Kurz darauf eilte sie zur Tür und lugte ein letztes Mal mit einem schelmischen Grinsen auf seinen nackten Körper.

„Ich liebe dich", murmelte er mit geschlossenen Augen.

Ein wohliger Schauder durchfuhr sie, dann machte sie sich innerlich bestätigt und dennoch voller Sehnsucht nach ihrem Professor auf den Weg.