21. Kapitel

Snape traute noch immer seinen Ohren und Augen nicht.

Er musterte die stellvertretene Schulleiterin und konnte sich keinen Reim aus ihren Worten machen.

„Sie wollen mir also andeuten, dass eine innoffizielle Beziehung zu Miss Granger für Sie in Ordnung geht?"

„Na ganz so profan würde ich das nicht ausdrücken, aber wenn Sie so wollen, dann: Ja.

Ich sehe keinen Grund darin, Ihnen bei Ihren Gefühlen zu Miss Granger im Weg zu stehen!"

„Sehen Sie nicht?" fragte der Lehrer des Toxischen ganz perplex.

„Nein, Severus. Oder sollte ich?"

„Ich bin mir nicht sicher…"

„Na Severus, meiner Meinung nach, kann es Ihnen nur gut tun, Jemanden an Ihrer Seite zu wissen, der Sie liebt und Ihnen in Ihrer schweren Zeit zur Seite steht!"

Snape schaute die Hauslehrerin argwöhnisch an „Was denn für schwere Zeiten?"

„Na Sie wissen schon. Der dunkle Lord ist zurückgekehrt, und er wird wohl regelmäßig nach Ihrer Gesellschaft verlangen.

Sie stehen dem Dunklen Lord doch noch nahe, Severus?"

„Natürlich tue ich das…" grummelte der schwarzhaarige und schenkte McGonnagal einen seiner unterkühlten Blicke.

„Gut, gut." Murmelte Minerva und sah Ihren Kollegen schief an. Sie hatte ein funkeln in den Augen, was Snape sehr verräterisch vorkam.

Snape starrte ungerührt zurück. Als ihm die Stille unangenehm wurde, platzte es aus ihm heraus:

„Bei Merlin, nun sagen Sie es schon. Ich sehe doch, dass Sie etwas sagen wollen. Oder sollte ich besser sagen: fragen wollen?"

Minerva lächelte ertappt, ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

„Sie wissen doch, Severus, unser Sommernachtsball steht bald an"

Ach du liebes bisschen, nicht auch noch der Ball, schoss es Snape durch den Kopf.

„Was ist denn mit ihm?" fragte Severus gedehnt und zog warnend eine Braue in die Höhe.

„Nun, Albus und ich, wir dachten uns, es wäre doch eine schöne Idee, wenn unsere Schüler, die in einem Fach die Bestnote erreicht haben, ein Geschenk von ihren jeweiligen Professoren bekommen…"

Minerva schwieg erwartungsvoll, als müsse Snape wissen, worauf sie hinaus wollte.

Da dies aber nicht der Fall war, sagte er nur trocken: „Aha?"

„Nun, auch in Ihrem Fach gibt es einen Schüler, der die Note Ohnegleichen erreicht hat. Oder besser gesagt, eine Schülerin."

Langsam dämmerte es Snape, worauf die Hauslehrerin hinauswollte.

„Und? Was wollen Sie damit andeuten?"

„Ich will gar nichts andeuten, Severus. Ich wollte Ihnen diese Information nur weitergeben, damit Sie sich schon einmal Gedanken um die entsprechende Belohnung für die Schülerin machen können. Weiter nichts."

„Ich nehme an..:" sagte Snape mit einem Knurren in der Stimme „diese gewisse Schülerin ist Miss Granger?"

„Exakt!" jubelte Minerva erfreut und klatschte in die Hände, als ob Snape grade eine wahnsinns Entdeckung gemacht hatte.

„Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie das alles ungemein amüsiert, Minerva!" schnappte Snape, wütend von ihrem kindlichen Gehabe.

„Durchaus, lieber Severus, durchaus. Aber nicht aus dem Grund, den Sie vielleicht vermuten!"

„Ach nein? Würden Sie dann die übermäßige Höflichkeit besitzen, mich in diesem Falle aufzuklären?" Snape fixierte die Lehrerin vor sich, die sich immer noch wie ein kleines Kind freute, und legte seine Fingerspitzen aneinander, weil ihn das immer ungemein beruhigte. Und er brauchte in diesem Moment sehr viel Ruhe, um nicht auszurasten.

Wenn er was hasste, dann waren es Andeutungen und Heimlichtuereien.

„Nun, lieber Kollege, ich hoffe Sie werden nicht allzu sauer auf mich und Dumbledor sein. Ja, ich gebe zu, es zeugt vielleicht nicht von…"

„Jetzt sagen Sie schon was los ist" zischte Snape, dem langsam der Geduldsfaden riss.

„Ist ja in Ordnung.

Mensch, Severus, Sie sollten vielleicht mal Yoga machen, das entspannt ungemein"

Snape lief langsam rot an und Minerva vermutete, zu Recht, dass sie wohl jetzt lieber mit der Sprache herausrücken sollte.

„Dumbledore und ich haben gewettet!"

Stille.

Das war ja mal wieder typisch für Albus. Und er hätte sich wohl denken müssen, dass Minerva bei so etwas mit macht.

Als Minerva keine Anstalten machte, weiter zu erzählen, rückte Snape auf seinem Sitz vor und seiner Stimme hörte man die unterdrückte Wut deutlich an „Reden Sie nur weiter…Oder muss ich etwas Veritas besorgen?"

Minerva schnappe entrüstet nach Luft, angesichts der versteckten Drohung in Snapes Worten, besann sich dann aber und sagte im ruhigen Ton.

„Wir haben darum gewettet, dass es irgendwann einmal Hermine gelingen wird, ihr Herz zu erobern!"

„Wie bitte?" diesmal war Snape es, der nach Luft schnappte. „Das ist doch nicht Ihr ernst? Bin ich denn hier in einem Irrenhaus gelandet?"

Snape schritt im Zimmer hin und her und wusste nicht, wie er auf diese Information reagieren sollte.

Was fällt denn diesen zwei Spatzenhirnen ein, einfach um seine Gefühle zu wetten? Wie pubertär war denn das, bitte schön? Und dieses Verhalten auch noch vom Schulleiter und dessen Anhängsel!

Und…Moment mal.

„Sie haben gewonnen, oder?" fragte Snape, der plötzlich einen Gedankenblitz hatte.

„Sie haben gewonnen, und deswegen haben sie sich so dumm und dämlich gefreut. Und das bedeutet, dass Albus dagegen gewettet hat!" er wusste selbst nicht, warum er letzteres gesagt hatte. Doch irgendwie verletzte es ihn, dass Dumbledor nicht daran glaubte, dass er Gefühle entwickeln könnte. Oder war der Schulleiter vielleicht der Meinung, dass Jemand anderes besser zu ihm passen würde, als Hermine.

Als ob Minerva seine Gedanken erraten hätte, sagte sie:

„Dumbledor hat die Wette verloren, weil er nicht daran glaubte, dass Sie sich in Hermine verlieben könnten!"

Snape drehte sich in Zeitlupe zu seiner Kollegin um, während sich die nächste Frage auf seinen Lippen formte „Wieso hat er das angenommen?"

„Nun…" Minerva stand auf und goss sich eine Tasse frischen Tee ein und fuhr dann fort „er war durchaus überzeugt, dass, wenn es überhaupt mal einer Dame gelingen würde, in Ihnen Gefühle erwecken zu können, dass dies nur Miss Granger gelingen würde.."

„Wieso glaubt er das?" unterbrach sie Snape, der sich nun wieder auf das Sofa niederließ.

„Weil sie beide, Severus, wirklich gut miteinander harmonieren könnten. Wenn man mal den Altersunterschied außer Acht lässt, so haben sie beide doch wirklich viele Gemeinsamkeiten."

„Die wären?" fragte Snape, teils neugierig, teils skeptisch, weil er sich nicht vorstellen konnte, was das für Gemeinsamkeiten sein könnten.

„Da wäre zum Beispiel der unstillbare Wissensdurst, den sie beide offensichtlich haben. Sie zeigen das in den experimentieren und erforschen von neuen Zaubertränken, Hermine tut das, in dem sie ihre Bücher wälzt und alles Mögliche hinterfragt. Dann wäre ihr streben nach der Wahrheit zu erwähnen. Sie haben beide einen überaus ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, welches bei Hermine offensichtlich ist, und bei Ihnen, lieber Severus, immer zwischen den Zeilen erkennbar ist!"

Snape rümpfte leicht die Nase. Er wusste nicht, ob er die Worte der Verwandlungslehrerin gutheißen sollte. Oder ob er lauthals loslachen sollte.

Zwei Gemeinsamkeiten. Und diese zwei Gemeinsamkeiten trafen sicherlich auf die Hälfte der restlichen Menschheit zu.

„Und Sie sind der Meinung, verehrte Kollegin, dass diese zwei Eigenschaften Grundlage unserer Gefühle sind?"

„Durchaus, Severus. Doch hier spielen auch deren Intensität und die Ausprägung eine Rolle. Und außerdem war ich ja noch gar nicht fertig, mit meiner Ausführung."

Snape machte eine ausladende Handbewegung „Dann fahren Sie doch bitte fort, Minerva!"

„Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass sie beide ziemlich Dickköpfig und trotzig sein können!"

Sofort wurde Minerva mit einem Todesblick gestraft. „Aber so ist es, lieber Severus. Sie müssen auch mal für Kritik offen sein." Die Hauslehrerin der Gryffindors schenkte sich eine weitere Tasse Tee ein und nahm wieder gegenüber von Snape Platz.

„Wie ich weiterhin finde, passt Miss Granger deshalb so gut zu Ihnen, weil sie Sie ergänzt:

Sie ist wohl als einzige in der Lage, Ihnen als Ebenbürtige gegenüber zu treten und Ihnen die Stirn zu bieten, wenn es darauf ankommt. Sie kann mit Ihren Temperament umgehen und im Gegenzug kann Sie durch ihre feinfühlige Art auch Sie, Severus, positiv beeinflussen."

Snape starrte Minerva einen Augenblick ratlos an. Dann bildete sich eine neue Falte auf seiner Stirn, wie immer, wenn er über etwas grübelte.

Eine Sache war ihm noch nicht ganz klar.

„Warum…?"

Minerva blickte den Professor für Zaubertränke bekümmert an.

„Warum war Dumbledor der Meinung, dass Sie sich nicht in Hermine verlieben können?" probierte sie seinen Satz zu vollenden.

Snape nickte fast unmerklich.

„Er war der Meinung…" McGonnagal stockte. Sie war sich unsicher, wie der Professor auf ihre Aussage reagieren würde.

„Ja?" fragte Snape und dachte im selben Moment, dass er die Antwort wahrscheinlich lieber gar nicht wissen wollte.

„ Er war der Meinung, dass Sie nicht mehr zu solchen Gefühlen fähig sind. Und wenn doch, dann glaubte er, würden Sie zu viel Stolz und Hochmut besitzen, um es zu zugeben, wenn dem so wäre! "

Minervas Worte trafen ihn wie ein Schlag in die Magengrube und ließen sein Herz für einen kurzen Moment vor Hass erstarren.

OoOoOoOoOoOoOoO

Hermine hatte sich mit Ginny in die Große Halle zum Mittagessen begeben und ihre Augen suchten sofort den Lehrertisch nach einer bestimmten Person ab.

„Er ist nicht da!" stellte Ginny fest, die Hermines Blick gefolgt war.

„Bestimmt kommt er noch! Oder er hat sich noch mal aufs Ohr gehauen!"

Ein instinktives Wissen in Hermine sagte ihr, dass Snape sicherlich nicht die Ruhe gehabt hätte, sich noch eine Runde Schönheitsschlaf zu gönnen.

Vielleicht grübelte er immer noch am Fenster stehend über ihre Worte nach?

„Nun iss aber erst einmal etwas. Keiner mag ein abgehungertes Hühnchen als Freundin haben. Nicht einmal eine Kerker-Fledermaus." Ginny lachte kurz aufgrund ihres Wortspiels und Hermine stimmte halbherzig mit ein.

Dann nahm sie sich etwas Kürbissaft und ein wenig Pastete und begann gedankenversunken zu essen.

Sie war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie zuerst nicht einmal das Tippen an ihrem Rücken bemerke. Erst als Ginny sie an stupste und mit einem Blick hinter sie deutete, nahm sie das zarte Tippen wahr.

„Oh, hallo! Wer bist du denn?" eine kleine Hauselfe stand vor Hermine, die ihr mit zittrigen Händen ein Blatt Papier entgegen hielt.

„Mein Name ist Wanny, Herrin. Ich habe hier einen Brief für Sie!" Hermine nahm der zitternden Elfe den Brief ab und gab als kleines Dankeschön der Elfe ein Stück Kürbiskuchen.

„Danke schön, Wanny. Und du musst wirklich keine Angst vor mir haben!"

sagte Hermine mit dem liebeswürdigsten Gesicht, welches ihr möglich war.

„Danke, Herrin. Und Wanny hat keine Angst vor Ihnen, wirklich nicht. Nur vor dem Herrn, der Wanny diesen Brief gab.

Dieser war sehr aufgebracht, ui ui ui!"

Die kleine Elfe verbeugte sich kurz, dann war sie mit einem Plopp! verschwunden.

Eilig faltete Hermine das Blatt auseinander und lass mit wachsendem erstaunen: „ Sehr geehrte Miss Granger, ich würde mich freuen,

wenn du dich zu einem Gespräch im Laufe des Tages in meinen Gemächern einfinden könntest.

Hochachtungsvoll, SS!"

Ginny, die über ihrer Schulter den Brief mitgelesen hatte, pustete nun anerkennend die Luft aus „Hätte ich nicht von der Fledermaus erwartet, dass der nochmal das Gespräch sucht!"

„Er hat mich geduzt!" sagte Hermine und deutete auf das entsprechende Wort in seinem Brief. „Das ist doch ein gutes Zeichen, oder?"

„Wahrscheinlich!" sagte Ginny kauend und wandte sich wieder ihrem Essen zu. „Bei der Fledermaus weiß man nie."

Hermine wand sich zu ihrer Freundin um:

„Ginny?"

„Ja?"

„Könntest du aufhören, ihn immer Fledermaus zu nennen? Wenigstens in meiner Gegenwart?"

Ginny sah ihre Freundin entschuldigend an.

„Sorry, Süße. Na klar, mach ich!"