Papierkram: Harry Potter gehört J.K. Rowling. Promises Unbroken gehört Robin4. Der Fanclub übersetzt nur.
Falls ihr PU über eine E-Mail-Benachrichtigung aufruft: Für das letzte Kapitel kam keine an. Schaut also besser noch mal nach, ob ihr Kapitel 19 schon gelesen habt, nicht dass euch was entgeht :-).
Ansonsten bedankt sich der Fanclub herzlich für die... öhm, das Review und wünscht viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!
Promises Unbroken
Kapitel 20: Wahre Freundschaft
Der Mond schien hell über Godric's Hollow, als Peter vor dem Vordereingang des Hauses apparierte, weil er die Schutzzauber fürchtete. Natürlich kannte er das Passwort, doch in seinem aktuellen Zustand hatte er nicht genau zielen können. Wieder zwang er sich durchzuatmen, bevor er sich der Tür zum Haus der Potters näherte. Es war Zeit.
Ein Winken seines Zauberstabs ließ eine silberne Scheibe vor ihm materialisieren, und der Nachrichtenzauber huschte vorwärts, während er ausschritt. Unbeeindruckt von physischen Hürden passierte die Scheibe die grüne Vordertür und bewegte sich weiter, nun außer Sicht. Nun, wo er sich entschieden hatte, fühlte er sich besser. Über eine Dekade des Bedauerns plagte ihn noch immer mit jedem Schritt, doch plötzlich wurde es akzeptabel - irgendwie änderte das Wissen, doch noch einen Unterschied machen zu können, die Dinge. Es entschuldigte seine Taten nicht, natürlich nicht, doch es war ein Anfang. Er erreichte die Tür und erhob die Hand um zu klopfen, gerade als James sie öffnete.
Verschlafen und schief, aber eindeutig überrascht, sah sein alter Freund ihn an. „Peter?", fragte er überflüssigerweise und schob die Brille auf seinen Nasenrücken zurück. „Was ist aller Welt machst du hier, Kumpel?"
Peters Hände zitterten. Nicht jetzt, fuhr er sich wütend an. „Ich muss mit dir sprechen, James."
„Um die Uhrzeit?"
Der hart arbeitende, stets beschäftigte James Potter hatte eindeutig geschlafen, wovon nicht nur die Tatsache zeugte, dass er nichts als eine schottisch gemusterte Stoffhose trug. Sein schwarzes Haar stand nach allen Seiten ab, was allerdings wenig Unterschied zu seinem üblichen Erscheinungsbild machte, daher nahm Peter es kaum wahr. Auch James, vermutete er, interessierte herzlich wenig, wie er aussah - obwohl Lily, die nun hinter ihm die Treppe hinabkam, deutlich ordentlicher wirkte und sich eindeutig Zeit gelassen hatte, eine Robe überzuwerfen, während James die Treppe hinabgesprintet war.
„Ja." Zum ersten Mal registrierte Peter, dass es schon nach ein Uhr morgens war. „Es ist wichtig."
„Na dann, komm rein, Wurmschwanz." James lächelte; der besorgte Ton in Peters Stimme hatte ihn offenbar endgültig geweckt. Vor Jahren hätte James solche Kleinigkeiten nie im Leben bemerkt, doch die Jahre hatten sie alle verändert.
Peter betrat das Haus und erlaubte James, ihn ins Wohnzimmer zu führen, wie er es mindestens eine Million Male getan haben musste, doch diesmal verspürte er einen unangenehmen Schauder. Das war es. Entweder begann jetzt eine Zeit der Ehrlichkeit oder es war das Ende von allem, was er liebte... doch es musste getan werden. Egal, wie es ausging, das war es wert, und er schuldete es seinen Freunden. Er schuldete es den Rumtreibern, und insbesondere dem, der zehn Jahre lang gelitten hatte und nun die Chance seines Lebens erhielt. Die ganze Zeit war ich ihm so nahe und habe es nie erkannt... Er schnitt eine Grimasse, die James bemerkt haben musste, denn er sprach ihn an.
„Was ist los, Peter?"
Er seufzte und akzeptierte den angebotenen Platz. „Versprich mir, dass du zuhörst, bevor du etwas sagst, James."
„Natürlich höre ich zu..."
„Versprich es bitte einfach." Er hätte sich nie vorgestellt, dass es so schwer sein könnte, doch nun runzelte James die Stirn, und Lily beobachtete ihn sehr besorgt. Für Sirius, rief er sich ins Gedächtnis zurück. Ich schulde es Sirius... Gott, ich schulde es ihnen allen. Ich schulde ihnen so viel und ich habe ihr Vertrauen enttäuscht...
„Ich verspreche es." So ehrenhaft und vertrauensvoll, James Potter. Sofort bereit, ein Versprechen abzugeben, selbst wenn er den Grund nicht verstand. Er war schon immer so gewesen, und selbst ein Dutzend Jahre als Auror hatten ihn nicht zynisch genug werden lassen, um sich zu ändern. Peter hatte ihn dafür immer bewundert, doch jetzt tat es weh.
Ihm fielen keine Worte ein, die gepasst hätten, und nach einem Augenblick des Zögerns schlug er einfach die Ärmel seiner Robe zurück und enthüllte das Dunkle Mal.
James' und Lilys scharfes Einatmen waren die einzigen Geräusche im Raum, doch er fühlte ihre Freundschaft mit ihnen sterben. Langsam begann er zu sprechen. „Ich wurde im Juni 1980 ein Todesser", sagte er leise, unfähig, sie anzusehen, und starrte schließlich den Boden an. „Damals erschien es mir als gute Idee... Ich war so sicher, dass der Dunkle Lord gewinnen würde. Ich dachte, dass irgendwie..." Gott, wie dämlich das klingt. So naiv. „...dass ich meine Freunde auf diese Weise beschützen könnte... dass ich euch am Ende, wenn ich auf seiner Seite stehe, irgendwie vor dem Tod retten könnte.
Ich erkannte ziemlich schnell, wie blöd ich gewesen war, aber es gab schon keinen Ausweg mehr. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, oder wohin ich gehen könnte, und ich war sicher, wenn ich es irgendeinem von eurer Seite sagte, würde ich in Askaban landen, oder Schlimmeres. Meistens war ich ein Spion und brachte Ihr-Wisst... Voldemort Informationen, und weil sie mich für dumm hielten, erwarteten sie nie viel. Also stellte ich mich weiter dumm und verängstigt und sagte ihnen nur so viel, um in ihrem Kreis bleiben zu können. Weil ich ein Spion war, wussten die meisten Todesser nicht einmal, wer ich war. Nur Malfoy und die Lestranges wussten es."
Er schluckte hart. Noch immer blieb James still. Peter blinzelte. Erwachsene Männer weinten nicht.
„Ich wollte kein Todesser sein", flüsterte er. „Aber als Malfoy mir das Angebot machte und behauptete, dass es euch alle retten würde..." Mit einem zitternden Atemzug unterbrach er sich. Er war nicht hier, um Vergebung zu erlangen, das lag hinter ihm. Was auch immer mit ihm geschah, er würde es verdienen. „Aber das ist nicht wichtig. Nicht jetzt."
„Was ist es denn?" James klang so leer und schmerzerfüllt, als spreche er aus seinem Grab.
„Sirius." Peter hob den Kopf und zwang sich, James' Blick zu erwidern.
„Was..."
„Ich wurde heute Nacht zu einem Treffen gerufen und Ih-... Voldemort sagte, er sei in Askaban gewesen, aber entkommen. Er lebt, James, und ist irgendwo da draußen - sämtliche Todesser suchen nach ihm, er will Sirius um jeden Preis. Aber er lebt." Die Worte klangen selbst in seinem eigenen Mund fremd, obwohl er sie schon zuvor gehört hatte. „Er lebt."
„Er lebt?" James war zu einem geisterhaften Schatten erblasst, während Peter sprach, und die Worte kamen in einem seltsamen Flüstern hervor. „Sirius?"
Neben ihm drückte Lily seine Hand, doch als sie Peter ansah, war ihr Stimme kalt. „Voldemort kennt seine Animagusgestalt, nicht wahr?"
Peter schüttelte den Kopf. „Ich habe ihm nie davon erzählt...", flüsterte er. „James..." Er wartete darauf, dass sein Freund ihn ansah, bevor er fortfuhr. „Ich verstehe, dass du mich jetzt hasst, aber ich will, dass du eines weißt:
Ich wollte nie meine Freunde betrügen. Ich war zu feige, meine Fehler zu korrigieren, aber ich habe niemals dich verraten... oder Remus, oder selbst Sirius, obwohl ich dachte, er sei tot. Als wir geschworen haben, Brüder zu sein, habe ich es so gemeint. Ich war eures Vertrauens nicht würdig, aber ich habe euch niemals verraten. Und ich werde es auch nicht tun, egal was geschieht." Er wandte den Blick ab, als James ihn mit tiefen, ausdruckslosen Augen musterte. „Ich wünschte, es hätte nicht so etwas gebraucht, um zu erkennen, dass ich so nicht weitermachen kann... Aber immerhin kann ich Sirius helfen, bevor es zu spät ist. Egal, was mit mir passiert, er verdient Besseres."
Was folgte, war ein langer Augenblick der Stille. Schließlich flüsterte Lily: „Eine Menge macht jetzt Sinn..."
Jetzt wurde es schwer, Tränen zurückzuhalten. Wieder starrte er zu Boden.
„Peter." James sprach mit tiefer Stimme. Peter schluckte, konnte jedoch nicht sprechen. Plötzlich wurde es zu schwer. Wie entschuldigte man sich für einen so tiefen Vertrauensbruch? Es gab keine Worte dafür, und er wusste, dass es vorbei war. Er schüttelte den Kopf und versuchte, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen.
„Ich..."
„Wurmschwanz." Plötzlich stand James vor ihm, umfasste seine Schultern, und Peter sah auf, unfähig den Unterton des anderen zu entschlüsseln. „Ich glaube dir", sagte James langsam. „Und ich vertraue dir, wenn du sagst, dass du mit Voldemort fertig bist."
„Das bin ich", flüsterte er erstickt. Oh ja, das war er. Egal, was sonst noch geschah, dessen war er sich sicher.
„Ich weiß, dass du uns nie verraten würdest", flüsterte James. „Du bist noch immer mein Freund, Peter, egal was kommt. Und ich werde immer an deiner Seite stehen... bis zum letzten Tag."
Peter starrte ihn an, doch James zog ihn lediglich auf die Füße und umarmte ihn. Nach einem Augenblick des Zögerns folgte er seinem Beispiel. Endlich gab er seinen Tränen nach. James mochte nicht alles völlig verstanden haben - aber er vergab ihm. Er hasste ihn nicht... selbst wenn Peter noch nicht verstanden hatte, wie es möglich war, ihn nicht zu hassen.
„Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll...", begann er nach einer Minute zu flüstern, doch James löste sich von ihm.
„Hilf mir einfach Sirius zu finden", erwiderte er ruhig. Wieder drückte er Peters Schulter. „Ich weiß, dass Remus mir zustimmen wird. Lass uns einfach Sirius finden."
Dunkelheit und Schmerz.
Alles andere war unscharf geworden. Es war schwer, die Dinge auseinander zu halten. Es mochten Tage vergangen sein, seit er entdeckt wurde - vielleicht sogar Wochen. Monate? Er glaubte es eigentlich nicht, aber Bill dachte momentan nicht mehr sehr klar. Oder nicht nur momentan. Er schwamm jetzt in Schmerz, schauderte, als die Dementoren sich ihm näherten, und reagierte mit instinktiver Panik, wenn sie seine Zelle betraten. Ein Teil von ihm kämpfte gegen die irrationale Angst an, aber es schien keinen Grund mehr dafür zu geben. Wenn sie kamen, um ihn zu holen, holten sie ihn zur Folter. Wie oft er das bereits durchgestanden hatte, wusste Bill nicht mehr. Zählen erforderte eine zu große Anstrengung, die es nicht wert war.
Dennoch widerstand er irgendwo, vergrub sich in den Teil seiner selbst, den die Lestranges nicht erreichen könnten. Er war betrogen worden, das wusste er jetzt, doch wie, konnte er nicht ergründen. Etwas war schief gelaufen. Da war kein Zufall im Spiel. Voldemort hatte es gewusst. Er hatte gewusst, wo er suchen musste, Bills Auftrag gekannt und den Zeitpunkt seines Anfangs.
Aber Bill konnte noch immer nicht verstehen, wie. Doch sein Kopf schmerzte von all der Grübelei, und so gab er es auf. Zu einem Ball zusammengerollt lag er im hinteren Teil seiner Zelle, entschlossen, die Momente zwischen Hölle und größerer Hölle auszudehnen. Ein Teil von ihm, der noch vernünftig arbeitete, fragte sich, warum er noch immer am Leben war - er wusste nichts Nützliches, dessen war er sich selbst in seinem derzeitigen Zustand klar. Warum brauchten sie ihn lebendig? Warum folterten sie ihn noch immer? Sie wollten etwas, und eine Weile hatte er geglaubt, dass sie ihn mit ihrem unaufhaltsamen Streben nach größeren Schmerz und Hoffnungslosigkeit einfach brechen wollten, aber jetzt war Bill nicht mehr sicher. Vielleicht gab es keinen Grund und es ging nur um die Befriedigung der manischen Ausbrüche der Lestranges'.
Und sie waren wütend, in Rage über etwas, das nichts mit ihm zu tun hatten. Viele Stunden nach Voldemorts verwirrender Entdeckung des Portschlüssels hatte Bill Stimmen gehört, die außer sich waren.
Kälte überrollte ihn, und er zitterte unkontrolliert, kniff die Augen vor den Erinnerungen zusammen. Doch der Dementor kam nicht näher, und nach mehreren langen Sekunden versuchte er zu atmen und sich zu beruhigen. Es funktionierte schon lange nicht mehr, doch die Stimme der Vernunft hallte noch immer in seinem Kopf wider.
Voldemort hatte es gewusst.
Bill versuchte zu denken, zu verstehen, doch er konnte seinen Geist wie so oft nicht mehr kontrollieren. Alles verschwamm, außer jenen Szenen, an die er sich nicht erinnern wollte. Doch ihm entging etwas.
Wie?
Er war verraten worden, irgendwie, von irgendwem - doch von wem? Selbst in seinem miserablen Zustand wusste Bill, dass nur wenige über das Askaban Projekt und seine Details bescheid gewusst hatten. James sicherlich, ebenso wie Dumbledore, doch wie konnte man glauben, dass Voldemorts größte Ziele ihn verraten würden? Dasselbe galt für Ministerin Figg. Wenn also nicht einer von ihnen, wer dann? Vielleicht hatte man den Inneren Zirkel des Phönixordens eingeweiht, aber mit Sicherheit würde keiner von ihnen...
Kälte. Wieder näherten sich Dementoren, und diesmal hatte er keinen Zweifel, dass sie zu ihm kommen würden. Bill schauderte und versuchte sich zu konzentrieren - doch seine Gedanken trieben davon und nahmen seinen Verstand mit sich, und dann war da Schmerz.
Poppys Traumloser Schlaf-Trank half sehr, befand Remus, während er Sirius' schlafendes Gesicht beobachtete. Es wirkte jetzt so friedlich, und wenn er seine hageren Züge und die dunklen Male an seinem Hals nicht beachtete, könnte er fast der Sirius von einst sein. Einen Augenblick tagträumend, konnte Remus sich fast das sorglose Lächeln vorstellen, oder die unschuldige Art, in der Sirius stets beteuerte, dass es nicht seine Schuld war - doch nur fast. Schon immer hatte er zu sehr in der Vergangenheit gelebt, doch zum ersten Mal seit Jahren wirkte die Gegenwart viel anziehender.
„Sie sollten schlafen", sagte Poppy neben ihm.
Remus winkte ab. „Später."
„Ich hatte völlig vergessen, wie viel Ärger Sie vier machen konnten", gab die Matrone zurück, und die Nachsichtigkeit in ihrer Stimme veranlasste ihn, den Kopf zu heben. Poppy lächelte leicht. „Ich konnte die drei nie dazu bringen zu gehen, wenn Sie hier waren."
„Dazu sind Freunde da", flüsterte Remus. Brüder. In Zeiten wie diesen konnte es keinen Schlaf geben. Gerade wirbelte es zu sehr in seinem Kopf, und sein Herz spielte verrückt - es war noch immer schwer zu realisieren, dass dies Sirius war, und dass Sirius lebte. Wie immer verschlimmerte der Wolf in ihm die Lage, der jaulen wollte, und heulen, und vor Freude tanzen. Die Rumtreiber hatten stets das Rudel für den Wolf dargestellt, und jetzt waren die Rumtreiber wieder vereint. Zum ersten Mal in einer Dekade gab es keine Lücke mehr. Tatze war zurück.
Poppys Hand legte sich auf seine Schulter, und der Schulleiter lächelte, als sie sie leicht drückte. Er vermutete, dass ein Teil von ihm immer der verängstigte Elfjährige sein würde, in dem nun mal ein Werwolf steckte und sich verzweifelt nach dem Verständnis sehnte, das die Matrone ihm anbot. Von all seinen Angestellten sprach er mit Poppy Pomfrey am Seltensten, aber in mancherlei Hinsicht stand sie ihm am nächsten. Es gab einfach so viele Dinge, die nicht ausgesprochen werden mussten und die sie verstand. Nach einem letzten mitfühlenden Lächeln ließ sie Remus allein bei seinem Freund zurück, darauf vertrauend, dass er sie rief, wenn sie gebraucht wurde. Ihr Verschwinden ließ Stille zurück, jedoch eine angenehme.
Remus warf einen Blick auf die Uhr und stellte erstaunt fest, dass es beinahe vier war. Am Morgen würde er James und Peter über das Flohnetzwerk kontaktieren, vorausgesetzt natürlich, dass Sirius es erlaubte. Doch Dumbledore war vor einer Stunde gegangen, sehr sicher, dass (wie auch immer das möglich war) kein Imperius-Fluch auf Sirius lag, was bedeutete, dass es keinen Grund mehr gab, sich um die anderen zu sorgen, und dass alles in Ordnung kommen würde. Vielleicht ließ er sich zu sehr von all den neuen Möglichkeiten mitreißen, doch Remus fühlte sich mit einem Mal jünger. Jahre des Alterns und der Schmerzen wurden plötzlich leichter zu tragen, denn Sirius war zurück. Seit Jahren hatte er an der Seite seiner beiden besten Freunde gekämpft, aber dabei niemals vergessen, dass er den dritten verloren hatte. Es war schön, auch einmal falsch zu liegen.
Also musste er nur noch darauf warten, dass Sirius erwachte, damit er den anderen die Neuigkeit überbringen konnte.
Sie nutzten die wenigen Stunden vor Tagesanbruch, jede mögliche Route von Askaban aus durchzugehen und festzustellen, wo Sirius sich befinden konnte. Unglücklicherweise waren die Möglichkeiten unendlich... Und immer wieder stolperte James im Geiste über das Wunder, dass er und Lily freiwillig Seite an Seite mit einem geständigen Verräter arbeiteten. Was ihn wirklich überraschte war jedoch, dass es ihn nicht kümmerte. Vielleicht war er zu besessen von dem Wissen, dass Sirius lebte, aber dann war da außerdem die Tatsache, dass es Peter war. Wurmschwanz war ein Rumtreiber - und neben all der Ehrlichkeit in Peters Geständnis hatte ihm der Schmerz nicht entgehen können. Vielleicht hätte er die Anzeichen früher bemerken müssen (und das hatte er, wenn er jetzt darüber nachdachte), aber er kannte die Gründe und verstand. Peters Wahl war keine, die er selbst getroffen hätte... doch wenn er sich an die dunklen Tage vor Dumbledores Aufstieg ins Ministerium erinnerte, verstand James die Angst, die einen Mann in Voldemorts Arme treiben konnte.
Er wünschte nur, dass Wurmschwanz verstanden hätte, dass es immer einen Ausweg gab, und dass seine Freunde ihn nicht verachtet hätten. Aber jetzt weiß er es, und alles andere ist unwichtig, erinnerte er sich. Über Karten gebeugt hatte er leise mit seinem Freund gesprochen, und langsam begann Peter zu verstehen. Begann sich zu erinnern.
Erwachsen zu werden hatte zu Distanz zwischen den Rumtreibern geführt. Hogwarts zu verlassen hatte ihre Welt verändert. Sie standen sich weiterhin nahe, doch sie waren nicht dauernd verfügbar - James befand sich ununterbrochen im Ministerium, Remus war in Hogwarts, und beide hatten vergessen, wie sehr Peter sie brauchen konnte. In gewisser Weise, hatte er seinem Freund langsam erklärt, war es ebenso ihr Fehler wie der seine. Und er bewunderte den Mut, den es erforderte, sich umzuentscheiden, vor allem nach so langer Zeit.
Um sechs Uhr morgens unterbrach ein Kopf im Kamin ihre Arbeit. Lily hatte sich darum gekümmert, weil weder James noch Peter gewillt waren, sich vom Küchentisch zu erheben, der mittlerweile völlig mit Karten und Pergamenten mit Notizen übersäht war - doch ihr Tonfall hatte sich verändert, als sie James' Namen rief.
„James! Komm rüber!"
„Bin gleich wieder da, Wurmschwanz", sagte James und klopfte Peter auf den Rücken, bevor er ging. Manchmal konnte man mit Lily einfach nicht streiten, und nach ihrem Ton zu urteilen war eines dieser Male angebrochen.
Dennoch war er überrascht, Remus' Gesicht in den Flammen tanzen zu sehen. „Moony?"
„Setz dich, James." Die blauen Augen des anderen Rumtreibers wurden von Müdigkeit beschattet, doch in ihnen brannte ein Feuer, das er noch nicht identifizieren konnte. James setzte sich, während er sich fragte, worum es wohl gehen mochte - sein eigener Kopf arbeitete noch zu langsam, nachdem er einen Großteil der Nacht durchgemacht hatte - und Remus fuhr fort. „Du wirst es nicht glauben, Krone, aber Sirius lebt."
Snape musste es ihm gesagt haben. „Ich weiß", erwiderte er ruhig. Es gab keine Möglichkeit, die Neuigkeit auf später zu verschieben. „Peter hat es mir gesagt."
„Was?" Etwas Dunkles glitt über Remus' Augen. „Peter ist da?"
„Japp. Er..."
„Er ist ein Todesser." Moonys Stimme klang hart, sogar gefährlich.
„Ich weiß", erwiderte James sanft. Dann jedoch runzelte er die Stirn, als er gedanklich umschaltete. „Aber wie hast du es herausgefunden?"
„Sirius ist hier, James."
„Was?" Er fühlte sein Herz hart aus der Brust schlagen und irgendwo auf dem Boden landen, aber es interessierte ihn nicht. Sirius war in Hogwarts - in Sicherheit! Wie er es bis in die Schule geschafft haben konnte, wagte James sich nicht vorzustellen, aber es war nicht wichtig. Sirius ist in Hogwarts. Sirius ist in Sicherheit. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken, und dennoch entging ihm nicht Lilys scharfes, erleichtertes Ausatmen aus Richtung der Tür. James wandte sich um und sah Peter, der erleichtert gegen den Türrahmen sank.
„Er weiß es, nicht wahr?", fragte Peter langsam.
Remus beäugte ihn misstrauisch.
„Peter ist auf unserer Seite, Remus", erklärte James freundlich. „Er kann von sich aus zu mir, um mir von Sirius zu erzählen - er wusste vorher nichts davon. Und zurzeit jagt jeder Todesser Sirius nach."
„Überrascht mich nicht." Hogwarts' Schulleiter antwortete erst nur auf den letzten Teil, doch seine Augen lagen noch immer auf Peter, der sich unter seinem Blick wand, ihm jedoch standhielt. Schließlich nickte Remus. „Okay."
„Wie geht es ihm?", fragte Lily für sie alle.
„Übel", erwiderte Remus. „Sieht höllisch aus... Aber Poppy sagt, er kommt in Ordnung, und Dumbledore war ebenfalls schon da und hat sein Okay gegeben."
Der zynische Teil in James fragte sich, wie jemand aus Voldemorts Klauen entkommen konnte, ohne von einem oder auch zehn Unverzeihlichen beherrscht zu werden - doch dem Rest von ihm gelang es erstaunlich schnell, die Information zu akzeptieren. Bei Sirius, hatte er vor langer Zeit gelernt, war nichts unmöglich. Dennoch waren Flüche und körperliche Verletzungen nur die offensichtlichsten der möglichen Probleme. „Aber wie geht es ihm?", fragte er.
„Wie ein Tier in der Falle." Remus zögerte. „Verschweigt eine Menge. Darüber hinaus weiß ich nicht viel. Er ist noch nicht lange hier und wir haben versucht ihn dazu zu bringen, sich auszuruhen. Ich hätte mich früher gemeldet, aber Sirius ließ mich nicht..."
„Was?"
Remus warf ihm einen säuerlichen Blick zu. „Er hatte Angst, dass er unter dem Imperius-Fluch steht. Ich nehme an, er hätte auch nicht mit mir gesprochen, aber ich bin da gewesen, bevor er sich weigern konnte."
„Oh." Es gab so vieles, was er noch fragen wollte, doch James zögerte, sprachlos zu einem der ersten Male in seinem Leben. Was nun? Er verzog die Lippen zu einer Grimasse und versuchte Worte für das zu finden, was er sagen wollte.
„Krone, kommst du nun nach Hogwarts oder willst du den ganzen Tag reden?", wollte Moony plötzlich wissen; dann huschte sein Blick zu Peter. „Und du kommst besser auch, Wurmschwanz. Ich weiß nicht, was er sagen wird, aber was auch immer es ist, du solltest da sein."
„In Ordnung", antwortete Peter schnell, und James war bereits auf den Beinen, während er schon nach Lilys Hand griff. Sie mochte nicht zu den Rumtreibern zählen, doch dies war ebenso ihr Moment.
„Wir sind sofort da."
Tbc...
