Letztes Kapitel – Der Ball von Hogwarts (Draco)
„Wie seh ich aus?", fragte Draco, im schwarzen Smoking vor dem Spiegel stehend und seine Fliege richtend.
„Du bist der schönste Mann der Welt", antwortete Harry – ebenfalls im schwarzen Smoking –. stellte sich neben ihn, sodass er sich und seinen Geliebten im Spiegel sehen konnte, und küsste ihn.
Draco tat grimmig und befahl: „Zeig mir Deine rechte Hand! – Du hast nichts gelernt. Siehst Du, da steht: Ich soll keine Lügen erzählen!" Er legte seine schmeichelsanfte Stimme auf und fuhr fort: „Und dabei weißt Du genau, dass Du der schönste Mann der Welt bist!" Und mit einem Grinser fügt er hinzu: „Ich werde Dir wieder den Hintern versohlen müssen."
„Nicht, wenn ich ihn Dir zuerst versohle!", sagte der Schwarzhaarige und ließ seine Hände über das Gesäß des Blonden streichen.
„Leute, Ihr wisst schon, dass ich noch im Raum bin, oder?", unterbrach Ron ihr Liebesgegurre.
„Ach, stell Dich nicht so an! Was ich alles hab durchmachen müssen, als Hermine und Du im Sommer in der Turtelphase wart! Da hab ich viel Schlimmeres in Eurer Gegenwart erleben müssen", erwiderte Harry.
Harry hatte die Worte viel Schlimmeres merkwürdig betont; daraus und aus dem plötzlich ins Kirschrote gehenden Teint Rons folgerte Draco, dass, was auch immer dieses viel Schlimmere war, versprach, sehr interessant zu sein. Er beschloss, Harry später danach zu fragen.
Er warf noch einen letzten Blick in den Spiegel und sagte: „Gut, also von mir aus geht's. Wie sieht's bei Euch aus?"
Harry sagte nur: „Bereit!", und hakte sich bei Draco ein, während Ron noch eine weiße Rose für seine Herzdame holte.
Sie gingen in den Gemeinschaftsraum, wo sie noch auf besagte Herzdame warten mussten. Sie waren nicht die einzigen im Raum. Viele warteten hier noch auf ihren Tanzpartner, genauer gesagt auf ihre Tanzpartnerinnen: Die meisten der Wartenden waren Männer.
Ron lamentierte: „Was dauert das so lang? Wir haben ausgemacht halb, jetzt ist es dreiviertel ... Lassen die uns absichtlich warten?"
Aber schon wenige Minuten später betrat seine Freundin den Raum, in einem strahlend weißen Kleid mit einem silbernen Löwen auf dem Rücken und einem tiefen Ausschnitt, der den anwesenden Männern den Atem nahm. Für Harrys Geschmack war er wohl zu tief, denn Draco hörte auf einmal, wie ihm sein Freund leise, sodass nur er es hören konnte, zuzischte: „Schau ihr nur einmal ins Dekolleté, und ich schneid ihn Dir ab."
Ah, wie hab ich das vermisst ...
Sicherheitshalber drehte er sich zu Harry, denn er wusste nicht so recht, ob das jetzt ein harmloser Scherz oder eine echte Drohung war. Aber Harry lächelte ihn mit einem breiten Grinser an, Draco konnte aufatmen.
Ron hatte inzwischen seiner Freundin den Arm angeboten und sie machten sich auf den Weg in die Große Halle, die heute in einen Ballsaal verwandelt worden war. Die Kerzen über ihren Köpfen waren durch große Kristallluster ersetzt, die Tafeln waren durch kleine Tische ersetzt, an denen jeweils einige Stühle standen, und inmitten des Raumes war eine große Tanzfläche. Der Saal selbst war bereits gefüllt mit vielen Gästen, nicht nur Schülern. Viele Außenstehende – vor allem Ehrengäste, Absolventen und Eltern von Schülern – waren wegen der Gedenkveranstaltung am Nachmittag gekommen und auch noch zum Ball geblieben. Dass dennoch genug Platz im Raum war für alle, grenzte schon an Magie.
Die vier gingen an der Tanzfläche vorbei und setzten sich an einen eigens für sie reservierten Tisch, zwischen den Lehrern und Ehrengästen einerseits und den Schülern andererseits. „Ich kann's kaum erwarten wieder mal mit Dir zu tanzen", sagte Harry, in dessen Augen sich hunderte Kristalle widerspiegelten.
„Hast Du nicht schon wieder alles vergessen, was ich Dir zu Halloween beigebracht habe?"
Harry gab nur ein kryptisches „Wer weiß ..." von sich, was Draco nicht genügte, sondern nur neugieriger machte.
Langsam füllten sich um sie herum die Tische und die dort Sitzenden warfen neugierige Blicke auf ihren Tisch.
„Geht Euch das nicht auf die Nerven? Dauernd starren sie uns an!", sagte Draco gereizt.
„Naja, es für sie sicher nicht leicht zu glauben, dass Du wirklich in Hogwarts unterrichtet hast", mutmaßte Hermine. „Und mir ginge es genauso. Hätte ich jetzt nicht Zeit gehabt, den wirklichen Draco Malfoy kennenzulernen, würde ich genauso ungläubig glotzen."
„Ach was, die können einfach nicht glauben, welches Glück ich hab", widersprach ihr Harry, beugte sich zu Draco und drückte ihm einen ordentlichen Schmatzer auf die Lippen. Und als einem honorigen Gast mit Monokel, der ungeniert auf die beiden hingestarrt hatte, ein „Nein, sowas!" entfuhr, erwiderte Draco den Kuss, öffnete seinen Mund vereinte seine Zunge mit Harrys, sodass dem brüskerten Herren auch noch das Gebiss entfuhr und auf den Tisch plumpste.
„Hem, hem", räusperte sich da plötzlich eine viel zu bekannte Frauenstimme, die vor Dracos geistiges Auge einen Alptraum in Rosa, eine Dame mittleren Alters mit Krötengesicht beschwor, und Harry zusammenzucken ließ, sodass er Draco in die Zunge biss.
„UMBRIDGE!", keuchte Harry, und sah sich völlig entgeistert um, sah aber nur eine sich vor Lachen krümmende Hermine. Sie hielt sich an Ron fest, der sich auch vor Lachen den Bauch hielt, und brachte nur mit Müh und Not ein Geständnis hervor, dass sie sich eben mit einem Stimmenimitations-Zauber einen kleinen Scherz erlaubt hatte. Harry und Draco mussten ihr erst einen bösen Blick zuwerfen, bevor sie sich auch darüber amüsieren konnten.
„Also, ich muss wirklich sagen", sagte Ron, „das war ein echt schönes Schuljahr. Noch schöner als alle anderen ..." Und mit belegter Stimme fügte er hinzu: „Hogwarts wird mir fehlen ..."
Die ausgelassene Atmosphäre war wie weggeblasen, aber es machte nichts aus. Alle wussten, dass sie dieses Gespräch einmal führen mussten: das Abschiedsgespräch. Mit ihrer Zeit in Hogwarts hatte auch ihre Zeit zusammen geendet.
Morgen würden sich ihre Wege und Schicksale trennen. Sie alle hatten ihre UTZ-Prüfungen bestanden, Draco und Hermine ausnahmslos mit der Bestnote Ohnegleichen. Draco erhaschte sogar in Verwandlungen diese Note, worüber er sich irrsinnig gefreut und Prof McGonagall geküsst hatte – und Harry wurde dabei nicht einmal eifersüchtig!
Der Slytherin hatte, dank Harrys Fürsprache bei Minister Shacklebolt, bereits eine Stelle im Ministerium in der Abteilung für Alchimie und Transmutation in London. Damit war ihm der Weg frei für den Posten des Lehrers für Zaubertränke, wenn ein paar Jahre später Slughorn in Pension gehen würde. McGonagall hatte ihm bereits gesagt, wie sehr sie sich darüber freuen würde, wenn Schüler als Lehrer an ihre alte Schule zurückkehren wollten, und dass sie seine Bewerbung voll und ganz unterstützen würde.
Hermine und Ron würden zu zweit eine kleine Weltreise machen und dann, nach ihrer Rückkehr, gemeinsam nach Rumänien gehen, wo Ron mit seinem Bruder Charlie mit Drachen arbeiten würde („Die brauchen jede Hand – nicht nur, weil Drachen gerne Hände abbeißen!"), während Hermine bei einem dortigen Verleger für Grimoire eine Stelle antreten würde.
Wenigstens mit Harry blieb Draco noch eine Gnadenfrist: Über den Sommer würden sie gemeinsam am Grimmauldplatz wohnen, weil Harry einen Lehrerfortbildungskurs in London gebucht hatte. Aber mit dem neuen Schuljahr würden sie wieder scheiden müssen, Harry nach Hogwarts zurückkehren und Draco in London bleiben. Abgesehen von den Weihnachts- und Sommerferien würden sie einander kaum sehen.
„Jaah ...", sagte Hermine und wischte sich eine Träne aus dem Auge. „Hogwarts wird mir auch sehr fehlen ..."
Harry sah in die Runde und sagte mit leerem Blick: „Es war eine unvergessliche Zeit."
Und dann sagte keiner mehr etwas. Aber in den Augen aller konnte Draco sehen, wie schwer ihnen der Gedanke fiel, Abschied voneinander nehmen zu müssen. Für Harry und Draco war es besonders schwer: Es waren nicht nur ihre Freunde, ihre besten Freunde, die sie für längere Zeit nicht mehr sehen würden, sondern ihre ersten wirklichen Freunde: Harry hatte bei den Muggeln, bei denen er bis zu seinem elften Geburtstag gelebt hatte, keine Freunde haben können. Und alle Freunde, die Draco geglaubt hatte zu haben, stellten sich als falsche Freunde heraus, die nicht ihn mochten, sondern seine Herkunft, sein Erbe, seinen Namen. Ron und Hermine aber, und natürlich Harry, mochten und liebten ihn, so wie er war.
Um die Stille zu brechen und in der Hoffnung, die Stimmung ein wenig heben zu können, griff Draco zu seinem Becher und erhob ihn zu einem Toast: „Auf Hogwarts ... weil wir ohne diese Schule einander nicht kennengelernt hätten!"
Und sie erhoben ihre Getränke, und tranken auf die Schule, die ihnen allen so viel bedeutete. Und dann schwiegen sie wieder.
Im Laufe des Abends war die Stimmung wieder lockerer geworden. Freunde des Potter-Trios, die bereits Hogwarts absolviert hatten, gesellten sich zu ihnen – obwohl immer noch einige zurückschraken, als sie Draco sahen – und tratschten über die gute alte Zeit: Schüler kamen mit ihren Eltern vorbei und stellten diesen stolz ihre Lehrer in VGDK vor. Der Reihe nach waren die Mitglieder der Familie Weasley gekommen – Mrs Weasley hatte Draco als Erstes gefragt, ob er denn seinen Pullover mit aufgesticktem D trage und Ginny hatte sich dafür entschuldigt, dass sie ihm an Halloween gedroht hatte. Prof Trelawney war vorbeigekommen und hatte sowohl der Beziehung von Draco und Harry als auch der von Ron und Hermine eine kurze Dauer prophezeit (woraufhin Harry seinem Freund zulachte: „Damit ist es offiziell – wir bleiben ewig zusammen!").
Schließlich begaben sie sich auf die Tanzfläche.
„Harry, Du kannst ja auf einmal tanzen!", staunte Draco, als Harry wie ein junger Gott über das Parkett schwebte. „Wer hat Dir das beigebracht? Und warum hast Du nicht mich drum gebeten?"
Der Gryffindor antwortete: „Es sollte eine Überraschung sein, –"
„– die Dir wirklich gelungen ist! –"
„– drum hab ich mit Ron geübt, während Du mit Ramona gelernt hast." Er las Dracos ungläubigen Gesichtsausdruck und fügte hinzu: „Er kann besser tanzen, als man glaubt."
Draco warf einen Blick zu Ron und zu Hermine, die in der Nähe tanzten, und erhielt sofort die Bestätigung der Aussage: Als sie zu Halloween getanzt hatten, hatte er nur Augen für Hermine in ihrem Veela-Kostüm gehabt, Ron hatte er kaum wahrgenommen. Aber der Rotschopf, für den Draco einige Adjektiva in petto hatte, von denen keines grazil oder anmutig hieß, war ein überraschend guter Tänzer – wenn auch kein so guter wie Draco.
„Apropos", sagte der Blondschopf und seine Lippen verzogen sich in ein schelmisches Grinsen, „Du hast heute gesagt, Du hättest Ron und Hermine bei etwas viel Schlimmerem als unserem Geturtel erwischt; was war denn das? Das klingt so, als könnte ich ihn damit bei Gelegenheit sehr gut aufziehen."
„Das?" Harry musste über die Erinnerung schmunzeln, „Sie waren einmal so sehr in ihr Herumgeschmuse vertieft, dass ihnen überhaupt nicht mehr aufgefallen ist, dass sie im Wohnzimmer des Fuchsbaus waren und die ganze Familie und ich anwesend war." Harry lachte auf, hielt seinen Mund an Dracos Ohr, wozu er sich auf die Zehenspitzen stellen musste, und flüsterte: „Und auf einmal hat sich Ron den Oberkörper freigemacht und sich auf Hermine gestürzt, als wollte er sie gleich vor der Familie vernaschen." Harry und Draco lachten auf, und Ron warf ihnen plötzlich einen skeptischen Blick zu, als würde er ahnen, dass sie eben einen Witz auf seine Kosten gemacht hatten. „Ihm war das so peinlich, er ist nicht nur im Gesicht rot angelaufen, sondern am ganzen Oberkörper!"
„Nein, sowas! Ron, der alte Schwerenöter! – Ich hoffe, Ihr habt ihn damit lange Zeit aufgezogen!"
„Kein Tag verging, ohne dass er daran erinnert wurde!", lachte Harry erneut.
Das Lachen ebbte ab, und mit ihm das Gespräch. Sie schmiegten sich eng aneinander und wiegten sich im langsamen Takt der Musik. Und während sie wie Wellen im Meer der Tänzer wogten, ließ Draco das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren. Soviel war geschehen ...
Er hatte drei wunderbare Freunde kennengelernt ... einer davon war der Mensch geworden, der ihm das meiste auf der Welt bedeutete ... ohne den er nicht mehr leben konnte, aber ohne den er bald leben müsste ...
Er hatte sich in den Augen der Menschen rehabilitiert ... viele sahen ihn nicht mehr als den Todesser, der er nie sein wollte ... er war ein ehrbares Mitglied der Gesellschaft geworden ... auch wenn einige einfach längere Zeit gebraucht hatten oder brauchen würden, um das zu akzeptieren ...
Er hatte seinen Vater verloren ... was ihn schwerer getroffen hatte als gedacht ... Er hatte immer geglaubt seine Eltern zu hassen ... aber doch geweint, als sein Vater gestorben war ... und seine Mutter besucht, um sie zu trösten ...
Draco sah sich im Raum um. Hermine und Ron tanzten, eng umschlungen, gleich in der Nähe. Prof McGonagall saß am Tisch neben einigen Ehrengäste und sah mit schwermütigen Augen in die Runde – ob sie die Erinnerung an die Schlacht, die ja der eigentlich Anlass der Feier war, so betrübte, oder ob es die bevorstehende Trennung von liebgewonnenen Kollegen und Schülern war, oder ob die Ehrengäste einfach nur stinklangweilige Gesprächspartner waren – wer weiß. Prof Trelawney versuchte gerade Hagrid einzureden, dass er jetzt mit dem Butterbier aufhören müsse, oder noch mindestens zwei trinken, weil er sonst genau dreizehn Butterbier getrunken hätte und dann noch heute eines grässlichen Todes sterben müsste. Er sah Snow an einem Tisch mit zwei Erwachsenen sitzen.
„Harry", sagte er zu dem Gryffindor und riss ihn unsanft aus seinem seligen Schwelgen, „ich möchte mich noch von Snow verabschieden. Wir werden einander vermutlich nicht mehr sehen, und mir wäre leid drum, wenn ich mich nicht von ihm verabschiedet hätte."
Harry nickte und begleitete ihn zu dem Tisch, wo Draco sogleich die Hand zu den am Tisch sitzenden Paar ausstreckte: „Sie müssen das Ehepaar Snow, die Eltern v– AU!"
Ohne Vorwarnung hatte ihn Harry in die Seite geboxt. Leise flüsterte er ihm zu: „Das sind sicher nicht seine Eltern, Draco! Gabriel ist Vollwaise!"
Draco fiel das Herz in die Hose; schnell sah er zu dem Kind, in der Angst, es zum Weinen gebracht zu haben, aber es hatte anscheinend seinen Lehrer nicht gehört.
Er sammelte sich, zwang das Lächeln, das ihm eben erstorben war, zurück auf seine Lippen und überlegte, was er jetzt sagen könnte.
Aber als was soll ich sie jetzt anreden? Erziehungsberechtigte? Onkel und Tante? Vielleicht Geschwister? Oder ...
Zum Glück nahmen ihm die zwei die Arbeit ab. Beide sprangen auf und begrüßten Draco und Harry:
„Sie sind der berühmte Prof Potter! Und dann müssen sie Prof Malfoy sein! Es ist uns ein Vergnügen, sie endlich kennenzulernen!", sagte die Frau, während sie Hände schüttelten. Und der Mann fügte hinzu: „Gabriel hat uns so viel von Ihnen erzählt! Bitte, setzen sie sich doch zu uns!"
Sie setzten sich zu dem Paar, das sich als Bruder und Schwägerin von Snows Mutter herausstellte, und plauderten. Draco fühlte sich ziemlich beschämt, dass er Snow nun bereits seit einem Jahr unterrichtete, aber so wenig von seinem Lieblingsschüler wusste.
Es war nicht zu vermeiden. Ich war der Bad Cop. Ich sollte nicht zu sehr mit den Schülern auf einer persönlichen Ebene Kontakt schließen ... ich sollte mir keinen Vorwurf machen – und dennoch ...
Und dann erfuhr er etwas, dass ihm sehr zu denken gab: Mr und Mrs Snow waren Muggel und erst voriges Jahr von Todessern getötet worden.
Ich bin mitschuldig an seinem Los! Hätte ich nicht geholfen, Voldemort an die Macht zu bringen, würden seine Eltern vielleicht noch leben! Und als wäre das nicht schlimm genug: Hätte ich Snow ein Jahr früher kennengelernt, hätte ich ihn vermutlich genau so falsch und ungerecht behandelt wie damals Hermine: Ich hätte Snow als Schlammblut beschimpft, ich hätte vehement dagegen protestiert, ihn in Slytherin aufzunehmen, und hätte dann viel Zeit verwendet, um ihm das Leben schwer zu machen ... Ich wäre nichts anderes als eine dünnere, größere Version von diesem fetten, kleinen Arschloch Bulstrode gewesen, der Snow das halbe Jahr drangsaliert hat ...
Traurig und schuldbewusst sah er zu dem kleinen Slytherin. Dieser interessierte sich nicht für die Diskussion der Erwachsenen, stattdessen zeigte er Draco, was für Zauber er heuer gelernt hatte.
Er zeigte seinem Lehrer, wie gut er schon eine Feder schweben lassen konnte, und Draco reagierte mit einer Aufforderung – wie schon im Unterricht. Der ältere Slytherin bat den jüngeren: „Versuchen Sie, die Feder noch ein wenig länger in der Luft zu halten, sie noch ein wenig höher schweben zu lassen. Sie wissen, dass Sie das können. Aber geben Sie Acht, Ihre Hand darf dabei nicht so verkrampft sein. Machen Sie das ein wenig lockerer. " Und Snow probierte es noch einmal, und noch einmal, und beim nächsten Mal schwebte sie schon am Plafond.
Im Unterricht hatte Draco bei allen anderen Schülern bei derlei Aufforderungen immer ein wenig Angst gehabt, dass der Schüler doch versagt: Wenn ich ein Kind zu einer Sache auffordere, die es nicht kann, dann wirkt das nur demotivierend ... Aber beim Kleinen hier hat es immer gepasst, bei ihm hab ich immer gewusst, ob er es besser kann oder nicht ...
Snows Onkel und Tante, selbst übrigens Zauberer und Hexe, waren ganz begeistert von der Entwicklung ihres kleinen Neffen und von seinen Lehrern. Und als sie sich dann verabschiedeten – der Zweitklassler in spe musste ja doch beizeiten zu Bett – konnte sich Draco eine Träne nicht verkneifen, als der Kleine seine Beine umarmte und weinend sagte, dass er ihn vermissen würde.
„Aber Sie haben nächstes Jahr noch Prof Potter, und der besser als ich!", versuchte er vergebens, ihn zu trösten.
„Aber er ist nicht Sie!", war Snows Antwort, auf die Draco nur verlegen zu Harry lächelte und sagte: „Pass auf den auf, der wird Dir nächstes Jahr vielleicht Probleme machen!"
Als er sich dann schniefend von Draco losstemmen ließ, verabschiedete er sich noch mit einem Winken und einem traurigen Hundeblick und verschwand mit seiner Tante und seinem Onkel aus Dracos Leben.
Ihn werd ich von allen Schülern am meisten vermissen ...
Harry schien zu sehen, wie traurig dieser Abschied Draco gemacht hatte, und sagte: „Komm, lass uns noch ein wenig tanzen. Das wird Dich wieder ein wenig aufmuntern."
Lustlos ließ er sich auf das Parkett bewegen, aber es wurde ein schneller Tanz gespielt und Harry brachte ihn so in Schwung, dass Dracos Traurigkeit wie Schnee in der Sonne wegschmolz und sein Geist sich bald wieder einem fröhlicheren Thema widmen konnte.
Der Tanz war ganz anders als der zuvor. Die Tänzer bewegten sich wie zuvor zur Musik, aber die spielte schneller und heißer, das Meer der Tänzer war keine ruhige See mehr, sie wurde vom Saxophon und von den Trompeten aufgepeitscht.
Nach wenigen Minuten war das Feuer des Tanzes in Ihnen aufgelodert, die heißen Rhythmen brachten sie ins Schwitzen. Und dann wurde das Feuer des Tanzes vom Feuer der Leidenschaft ergänzt, das immer höher und höher flackerte. Draco fühlte Harrys Körper an seinem, Harrys Becken an seinem. Er sah ihm in smaragdgrünen Augen, und fast konnte er die rubinrot flackernden Flammen der Wollust sehen.
„Ich will Dich, Harry", keuchte er schließlich, „Ich brauch Dich", er küsste ihn auf den Hals, „ich muss Dich haben", er biss ihn sanft ins Ohrläppchen: „Jetzt, hier und jetzt!"
Harry sagte zwar schmunzelnd: „Nein, das können wir nicht hier tun!" Aber sein Körper sagte: „Halt die Klappe, da oben, ich übernehm jetzt das Ruder!"
Und schon hatte Harry seine und Dracos Fliege abgenommen und angefangen, das Hemd des Blondschopfs aufzuknöpfen und die silbrige Haut auf dem Oberkörper des Slytherin mit seinen zierlichen Fingern zu betasten und mit seinen Lippen zu küssen.
„MR POTTER, MR MALFOY, GRUNDGÜTIGER – WAS IN ALLER WELT TUN SIE DA!?", hörte er noch die Stimme der Schulleiterin. Und ohne sie zu sehen, wusste er, dass ihre blassen Wangen wieder ein leichtes Rouge angenommen haben mussten – wie immer, wenn es um etwas Unsittliches ging.
