Lange hab ich euch jetzt zappeln lassen. Sorry, deswegen. Aber ich gehe wieder arbeiten und habe nicht mehr so viel Zeit. Und zusätzlich wird gerade unser Haus gebaut. Ist also eine aufregende Zeit für mich. Aber nun genug geschwafel… hier geht's weiter!

Penny Parker

Salma sollte Recht behalten. Als Harry am nächsten Tag aufwachte, waren sowohl das Kopfweh, als auch das Fieber weg. Er schwang seine Beine über die Bettkante und torkelte auf das Fenster zu, um die Rollo rauf zu lassen.

Es hatte tatsächlich zu schneien angefangen. Harry grinste und eine unbändige Freude machte sich in ihm breit. Heute würde ein großartiger Tag werden! Das spürte er.

ooo

Am Vormittag gingen Harry, Draco, Salma und Severus hinunter nach Hogsmead um Penny von Bahnhof abzuholen. Harry hüpfte im Schnee herum und konnte nicht widerstehen Draco einen Schneeball an den Kopf zu werfen.

„Potter!" rief dieser verärgert, „was soll der Unsinn?"

„Ach, komm schon Draco. Hab ein bisschen Spaß! Es ist Weihnachten!" rief Harry lachend.

„Das nennst du Spaß? Jemanden Schnee auf den Kopf zu werfen?" fragte Draco ungläubig.

Doch noch bevor Harry darauf antworten konnte, traf Draco erneut ein Schneeball. Diesmal jedoch nicht von Harry, sondern von Salma.

„Hey, zwei gegen einen ist unfair!" beschwerte sich Draco.

„Da muss ich Draco zustimmen!" sagte Severus und warf einen Schneeball nach Salma. Und schon war eine Schneeballschlacht im Gange. Salma und Harry, gegen Severus und Draco, der sich gezwungenermaßen beteiligen musste. So liefen und tollten sie den Weg nach Hogsmead hinunter und lachten jedes Mal, wenn sie jemanden getroffen hatten.

Als sie keuchend am Bahnhof ankamen, waren sie allesamt durchnässt. Schnell ließen Salma und Severus ihre Kleidung mit den Zauberstab wieder trocknen. Harry war so aufgedreht, dass er kaum still stehen konnte.

„Wann kommt denn der Zug?" fragte er so circa alle zwei Minuten.

„Harry, wenn du das noch einmal fragst, dann steck ich dich Kopf voran in den nächsten Schneehaufen!" sagte Severus schließlich entnervt.

Ooo

Mit quietschenden Bremsen kam der Hogwartsexpress zum Stillstand. Die Türen gingen auf und mehr und mehr Leute stiegen aus dem Zug. Harry stand schon auf Zehenspitzen, um Penny ja möglichst früh zu entdecken. Doch offensichtlich hatte es Penny nicht eilig den Zug zu verlassen. Als es schon fast so aussah, als würde niemand mehr aussteigen, tauchte ein weiterer Koffer in einer der Türen auf.

Harry hielt die Luft an. Für ihn bewegte sich die Zeit in Zeitlupe. Ein schwarzer Stiefel war bereits zu sehen. Und dann… fiel Harrys Kinnlade runter. Seine Bilder, die er sich ausgemalt hatte, verpufften in der Luft. Beinahe ungläubig starrte er Penny an.

Penny trug eine schwarze kurze Lederjacke und darunter einen dicken roten Strickpulli. Der lederne Minirock ging gerade mal über ihren Hintern. Ihre Beine waren mit einer schwarzen Strumpfhose bedeckt und die Stiefel gingen bis zu den Knien. Sie hatte schwarze Haare, doch ob sie fett waren wie die von Severus, oder nicht, konnte man nicht so genau sagen, sie waren zu dicken Strähnen verfilzt und wurden mit einem roten Gummiband locker zusammen gehalten. Ein schwarzer Lippenstift und stark schwarz geschminkte Augen ließen ihre Haut beinahe weiß erscheinen. Sie hatte ein Piercing im Nasenflügel und ihr rechtes Ohr, war fast bis oben hin durchlöchert und mit kleinen Ringen versehen. Das linke Ohr hingegen hatte nur einen Ohrstecker.

„Hi, Mum!" sagte sie, als sie vor dem kleinen Empfangskomitee zu halten kam.

Schweigen war diesen Worten gefolgt. Doch schließlich sagte Salma, „Ich dachte, wir wären und einig, dass du dich etwas neutraler kleidest."

„Och Mum, warum soll ich vorgeben wer zu sein, der ich nicht bin?" waren Pennys Worte und dann sah sie erwartungsvoll zu Severus, „Hi, Dad!"

Severus Mienenspiel war nicht zu deuten. „Willkommen in Hogwarts!" sagte er schließlich etwas steif.

Dann sah Penny zu Harry und Draco, „Und ihr seid?"

Während Draco verächtlich schnaubte, sagte Harry schnell, „Harry! Und das hier ist Draco!"

„Coole Narbe hast du da auf der Stirn. Ist die echt?" fragte Penny interessiert.

Harry glaubte sich verhört zu haben. Mal davon abgesehen, dass Penny offensichtlich nicht genau wusste, wer er war, so war sie die erste, die seine Narbe ‚cool' nannte.

„Ja!" sagte er etwas verwirrt.

„Abgefahren! Sieht echt stark aus!" sagte Penny offensichtlich ernsthaft begeistert.

„Danke!" sagte Harry verlegen und schielte dann zu Draco hinüber, der ungläubig den Kopf schüttelte.

„Und dir ist so heiß an den Ohren, dass du Löcher darin brauchst?" fragte Draco unverblümt und ließ seine Abneigung deutlich werden.

Penny lachte jedoch nur und erklärte, „Oh nein, die Ringe haben eine tiefere Bedeutung, aber davon wirst du wohl nichts verstehen."

„Oh, ich wäre begeistert, wenn du es mir erklären würdest!" ging Draco auf die Herausforderung ein.

„Natürlich, aber ich denke, du hast noch nicht viel Erfahrung mit Mädchen, daher würde es nicht viel bringen, dir das näher zu erläutern!"

„Meine Erfahrung mit Mädchen spielen hier ja wohl keine Rolle! Aber vielleicht hast du zu wenig Erfahrung mit Jungs, um das zu erkennen!"

„Aus!" ging nun Salma dazwischen. „Was soll diese Streiterei?"

„Wir streiten nicht, wir diskutieren!" stellte Penny klar, doch ließ von dem Gespräch mit Draco ab.

Harry sah zu Severus und stellte fest, dass dieser mit der Situation etwas überfordert schien. Und irgendwie amüsierte es Harry. Ja, Penny war anders, als sie alle gedacht haben, aber Harry war Pennys Anblick nicht allzu fremd. Dieser Art der Aufmachung war ihm vom Sommer noch sehr vertraut, als er mit Mark und seiner Clique die Gegend unsicher gemacht hatte.

„War deine Reise angenehm?" fragte Harry schließlich, um die Stille zu überbrücken, die sich gebildet hatte, während sie den Weg Richtung Schloss einschlugen.

„Na ja, das internationale Flohnetzwerkreisen ist nicht so mein Fall. Aber die Zugfahrt hierher war ganz witzig. Obwohl die Leute hier alle irgendwie komisch drauf sind!" erzählte Penny.

„Wie meinst du das?" fragte Harry.

„Sie schauen alle so komisch. Und der Kontrolleur im Zug wollte mich schon fast raus hauen, nur weil ich mein Ticket nicht gleich gefunden habe!" beschwerte sich das Mädchen.

„Oh!" machte Harry, als er nicht wusste, was er darauf sagen sollte.

„Du hast mir immer noch nicht erzählt, wie du zu der Narbe gekommen bist!" wechselte Penny das Thema.

„Wieso willst du das wissen?" fragte Harry etwas nervös.

„Weil die in Amerika nichts von deiner Berühmtheit wissen, Potter!" mischte sich Draco wieder ein.

„Berühmtheit?" fragte Penny nach. „Bist du ein Sänger, oder so was?"

Harry lachte überrascht auf, schüttelte aber verneinend den Kopf.

„Du hast also nie was von einen Harry Potter gehört?" fragte Draco nun ungläubig nach.

„Kann sein, dass der Name schon mal in der Zeitung gefallen ist. Aber ich interessiere mich eigentlich nicht dafür, was die da schreiben" rechtfertigte sich Penny.

„Manchmal schreiben sie, sowie so nur Müll!" fügte Harry bitter hinzu.

„Das was sie allerdings diesen Sommer über dich geschrieben haben, hatte doch einiges an Wahrheit, oder willst du das leugnen?" fragte Draco.

„Halt die Klappe, Malfoy! Du hast keine Ahnung was diesem Sommer passiert ist!" rief Harry nun aufgebracht. Er hatte seine ‚wilden Tage' durch Surrey schon beinahe vergessen und wollte auch nicht unbedingt daran erinnert werden.

„Und was wenn nicht? Knallst du mir dann wieder eine, so wie in der Winkelgasse?" Draco grinste höhnisch während er zusah, wie Harry zu kochen anfing.

„Es reicht, Jungs!" sagte nun Severus entschieden.

Doch Harrys Gefühle waren in Aufruhr geraten. „Würde dir vielleicht ganz gut tun!" rief Harry erzürnt.

„Harry! Beruhige dich!" warnte Severus.

„Worauf wartest du dann noch?" fragte Darco herausfordernd.

„Draco, sei still!" mahnte Severus nun den anderen.

„Denkst du, ich trau mich nicht?" fragte Harry.

„Hört auf der Stelle auf! Alle beide!" rief Severus erneut, doch noch immer ignorierten ihn die Jungs.

„Oh, ich bin mir sicher du traust dich. Du bist doch ein Gryffindor, nicht wahr? Ich wusste nur nicht, dass Gryffindors ihre Probleme auf derart primitive Weise lösen, dass sie sich gegenseitig die Schädel einschlagen. Andererseits würde das erklären, warum ihr allesamt so unterbelichtet seid."

Harry konnte nicht mehr reden vor Zorn. Was bildete sich Draco ein, ihn vor Penny schlecht zu machen? Mit unglaublicher Hitze schlug die Wut in Harry hoch und dann plötzlich fing der Boden um Draco an zu brennen. Mannshohe Feuerzungen schlossen Draco ein und leckten an seiner Kleidung.

Draco entkam ein entsetzter Schrei, als das Feuer ihn einschloss.

„Harry, stopp das. Sofort!" rief Severus verärgert.

Harry atmete schwer. Im ersten Moment machte ihn sein Zorn so blind, dass er nicht sah, was er getan hatte.

„Harry!" rief Severus mit drohender Stimme und erst jetzt kam Harry schlagartig wieder zu sich. Erschrocken machte einen Schritt retour und ließ die Flammen verschwinden. Draco sah Harry mit blankem Entsetzen an, vor allem, als er feststellte, dass Harry nicht einmal seinen Zauberstab in der Hand hatte.

Ooo

Draco lag im Krankenflügel und Penny war gerade beim Auspacken ihrer Sachen. Harry saß auf seinem Bett in Snapes Privatquartier. Erschrocken über sich selbst hatte Harry die Knie zu sich gezogen und wippte hin und her. Severus war noch bei Draco, er hatte Harry befohlen in seinem Zimmer auf ihn zu warten, was Harry auch tat.

Harry verstand nicht was passiert war. Er war wütend gewesen, aber warum? Und warum war Draco auf einmal wieder so gemein? Und wie um alles in der Welt kam dieses Feuer zu Stande? Draco hatte schlimme Verbrennungen davon getragen. Ja, Harry wollte Draco wehtun, aber sicher nicht so. Was war nur passiert? Woher kam diese Macht? Harry hielt es kaum aus in seinem Zimmer. Er wollte Antworten. Er wollte sich bei Draco entschuldigen. Aber vor allem hoffte er, dass Severus nicht all zu sauer war, jetzt, wo Harry ihn brauchte.

Endlich ging die Tür seines Zimmers auf und Severus kam herein. In seinem Blick war deutlich Enttäuschung erkennbar. Harry schrumpfte ein paar Zentimeter.

Severus sah ihn einen Moment unschlüssig an. Offenbar suchte er nach Worten.

„Wie geht es Draco?" fragte Harry, als er die Stille nicht mehr aushalten konnte.

„Die Verbrennungen sind leicht zu heilen. Offen gestanden mache ich mir im Moment um ihn nicht solche Sorgen, wie um dich."

Harry ließ den Kopf hängen.

„Was ist nur in dich gefahren?" fragte Severus erstaunlich ruhig.

„Ich weiß nicht, ich war auf einmal so wütend!"

„Wieso hast du nicht auf mich gehört, als ich gesagt habe, dass ihr aufhören sollt?"

„Draco hat auch nicht aufgehört!" wies Harry darauf hin.

„Ich habe mit Draco schon gesprochen. Jetzt geht es um dich!"

Harry seufzte. „Ich weiß es nicht. Ich konnte irgendwie nicht aufhören. Ich wollte nicht, dass er vor Penny schlecht über mich spricht."

„Du warst außer Kontrolle!"

„Da war nur diese Wut. Ich weiß nicht, von wo die herkam!"

„Sie kommt nicht einfach her, sie ist in dir Harry. Wut ist ein Gefühl, das in uns allen steckt. Was meinst du warum es so wichtig ist, dass du deine Emotionen in den Griff bekommst? Die Wut in dir, ist wie ein wildes Tier, das aus seinen Käfig will."

Harry schauderte, „Ich will es loswerden?" rief Harry panisch.

„Du kannst es nicht loswerden! Es –"

„Es hat Draco in Brand gesteckt!" unterbrach Harry aufgebracht.

„Nein, das warst du, Harry!" stellte Severus klar.

„Ich wollte Draco doch nicht grillen!" verteidigte sich Harry.

„Ich weiß, deshalb musst du Herr deiner Gefühle werden, du darfst dich nicht von ihnen leiten lassen. Du bist mächtig Harry, inzwischen solltest selbst du das festgestellt haben. Jetzt ist es an der Zeit die Macht zu akzeptieren und verantwortungsvoll damit umzugehen. Du musst lernen dich zu beherrschen!"

Harry saß auf seinem Bett und ließ den Kopf erneut hängen. „Aber wie ist das nur möglich?" fragte er schließlich mit leiser Stimme, „Die Macht des Phönix wird doch mit Liebe ausgelöst und nicht mit Hass."

Severus zog eine Augenbraue hoch. „Dann stell dir eine gerade Linie vor. Auf der einen Seite steht der Hass, auf der anderen die Liebe" sagte er und sah Harry erwartungsvoll an.

Harry sah fragend auf. Dann nickte er um Severus verständlich zu machen, dass er fortfahren konnte.

„Und nun biege diese Linie zu einem Kreis. Was passiert?" fragte Severus.

Nun wurden Harrys Augen groß und er schluckte, „Liebe und Hass liegen dann neben einander!"

„Korrekt! Liebe und Hass sind gegensätzlich Gefühle und doch sind sie sich sehr ähnlich. Was meinst du, warum Voldemort auf die Phönixkraft zurückgreifen kann? Weil sich Hass von der Liebe kaum unterscheidet!"

„Ich will nicht wie Voldemort werden!" flüsterte Harry nun ängstlich.

„So lange du diesen Wunsch in dir trägst, gibt es wohl keine Gefahr, dass es so wird. So lange du noch Reue empfinden kannst, bist du auf den richtigen Weg! Aber sei dir bewusst, dass die Versuchung Macht zu missbrauchen sehr groß ist. Vor allem wenn man dazu neigt, spontan zu handeln und sich keine Gedanken um die Folgen macht."

Harry schloss gequält und schuldbewusst die Augen.

„Wie lernt man so was? Wie lernt man, sich nicht von Gefühlen lenken zu lassen? Wie lernt man, sich zu - beherrschen?" fragte Harry nach einer Weile leise.

„Es geht jedenfalls nicht von heute auf morgen! Ich werde dich in die Meditation einweisen. Du solltest jeden Tag, morgens oder abends meditieren. Aber um den täglichen Frust loszuwerden, solltest du auch etwas Körperliches machen, bei dem du dich abreagieren kannst."

„Du meinst so was wie joggen gehen?" fragte Harry ungläubig.

„Das ist eine von vielen Möglichkeiten. Muggeln scheinen ja drauf zu schwören. Ich persönlich bevorzuge tanzen, wie du weißt!"

Nun huschte ein Schmunzeln über Harrys Lippen. Er konnte sich an den Tango tanzenden Severus noch sehr gut erinnern.

„Wo tanzt du denn hier im Schloss?", fragte Harry neugierig.

Um Snapes Mundwinkel zuckte es. Schließlich war seine Tanzerei ein wohl behütetes Geheimnis. Nun ja... nicht ganz so wohl behütet, denn Harry wusste darüber Bescheid. Aber nicht einmal Salma wusste davon und das obwohl sich Severus immer vorstellte mit ihr zu tanzen. Severus wusste nicht, ob die echte Salma überhaupt Tango tanzen konnte.

„Sev?" fragte Harry und holte Severus wieder aus seinen Gedanken.

„Ich habe meinen Platz!" kam schließlich die Antwort.

„Weiß Salma davon?"

„Nein, und das wird auch so bleiben!" damit sah Severus Harry streng an.

„Wäre es nicht schöner für dich mit ihr zusammen zu tanzen. Ich meine sie wirklich im Arm zu halten und sie zu spüren?" wunderte sich Harry.

„Du mischt dich schon wieder in etwas ein, dass dich nichts angeht!"

„Alles was dein Leben betrifft, geht mich was an, denn es ist jetzt unser Leben! Ich bin jetzt ein Teil davon!" wies Harry darauf hin.

Severus zog eine Augenbraue hoch. „Aha, und deswegen soll ich keine Privatsphäre mehr haben?"

„Doch, natürlich hast du die. Entschuldige!" gab Harry kleinlaut zurück.

Und nach einer Stille sagte Harry mit kaum hörbarer Stimme: „Danke!"

„Wofür?" fragte Severus.

„Dafür, dass du nach diesen Vorfall noch zu mir stehst und mich nicht abschiebst!"

Für einen Augenblick war Severus entsetzt, dass Harry so etwas auch nur denken konnte. Doch offensichtlich war es wohl den Dursley zuzuschreiben, dass Harry Angst hatte wieder abgewiesen zu werden.

„Ich hab dir schon einmal gesagt, dass ich immer zu dir stehen werde, egal was du anstellst. Ich habe zugesagt mich um dich zu kümmern. Es war meine freie Entscheidung mich und ich stehe dazu. Ich werde immer da sein und dich auf den richtigen Weg führen, solange du es zulässt!" betonte Severus ernst.

„Trotzdem Danke!" nuschelte Harry und umarmte seinen Adoptivvater. Severus war etwas überrascht, aber erwiderte die Umarmung sogleich.

Oooooo

"Hey!"

Harry fuhr herum, hinter ihm war Penny aufgetaucht. Sie lächelte zaghaft, unsicher darüber, ob Harry überhaupt Gesellschaft wollte. Dieses Lächeln war dem von Salma schon sehr ähnlich.

„Hi!" antwortete Harry schließlich.

„Ganz schön hoch hier oben, hast du denn keine Angst, dass du runterfallen könntest?" fragte Penny mit einem Blick in die Tiefe.

„Das wäre unpraktisch, wenn ich Höhenangst hätte!" sagte Harry mit einem schiefen Lächeln.

„Unpraktisch? Inwiefern?"

„Na ja, ich bin Quidditchspieler" gab Harry die Auskunft.

„Oh, wirklich? Spielt ihr das hier in der Schule? Ich hab das bis jetzt immer nur im Fernsehen gesehen!" sprach Penny enthusiastisch.

„Ja, wir haben eigentlich fast jährlich ein Turnier zwischen den Häusern. Aber... ihr könnt in Amerika so was über Fernseher sehen?"

Penny nickte: „Ich habe schon bemerkt, dass ihr hier zwischen Zaubererwelt und der Muggeln klare Grenzen setzt. Bei uns läuft das ein bisschen freizügiger. Klar sind auch wir vor den Muggeln versteckt, aber wir lehnen nicht alles ab, was diese erfinderischen nichtmagischen Menschen erzeugen, um sich ihr Leben leichter zu machen."

„Finde ich gut!" sagte Harry knapp.

„Ja!" sagte Penny und kurz darauf war das Thema durch und eine Stille folgte, die nur vom Pfeifen des Windes unterbrochen wurde.

Schließlich wagte Penny zu sagen: „Das war irgendwie cool, was du vorhin gemacht hast. Ich meine, du scheinst sehr mächtig zu sein!"

Harry ließ den Kopf hängen, „Das war gar nicht cool!" sagte er betont, „Ich hätte Draco umbringen können! Ich hab die Kontrolle verloren!"

„Aber du hast ihn nicht umgebracht!"

„Aber auch nur, weil Sev mich gestoppt hat!"

„Ich finde es trotzdem cool, dass du so eine Macht hast" sagte Penny gelassen.

Doch damit hatte sie irgendwie das falsche Thema angeschnitten. Harry hatte Mühe, die neu aufqualmende Wut zu unterdrücken. „Ach ja? Würdest du das auch sagen, wenn du gegrillt wirst? Ich bin nicht scharf auf meine so genannte Macht. Ich würde sie lieben gerne jemanden abtreten. Aber das geht nicht, weil ich..." Harry stockte. Er wollte Penny auf keinen Fall etwas von der Prophezeiung sagen. Er atmete ein paar Mal tief durch und als sein Zorn wieder verpufft war, er sagte, „Es tut mir Leid. Ich wollte dich nicht so anfahren. Aber ich bin wirklich nicht stolz auf das, was ich getan habe. Und ich weiß nicht, wie ich diese Macht rechtzeitig unter Kontrolle bringen kann!"

„Nein, mir tut es Leid. Ich wollte dich nicht provozieren. Eigentlich wollte ich dich nur aufbauen, als kleines Dankeschön für vorhin!" sagte Penny mit entschuldigendem Lächeln.

Harry runzelte die Stirn: „Für vorhin?"

„Na ja, du scheinst der einzige zu sein, der kein Problem mit meinem Äußeren hat."

Nun musste Harry ebenfalls wieder lächeln. „Das Innere macht einen Menschen aus, nicht das Äußere!"

„Ja, leider verstehen das nur wenige Menschen!" Penny sah auf einmal traurig aus. Doch dann schüttelte sie sich kurz und lächelte wieder.

Harry wollte sie nicht weiter um genauere Erklärungen drängen, daher nickte er nur stumm.

Eine neue Stille entstand in der sich die beiden gegenseitig musterten. Pennys Haare und Augen stammten ohne Zweifel von Sev. Doch ihre Gesichtszüge und vor allem ihr Lächeln spiegelten eindeutig ihre Mutter wider.

„Du machst den Eindruck, als wenn dir diese Art von Mode nicht so fremd sei, wie anderen!" bemerkte Penny schließlich.

Harry lief einwenig rot an, „Na ja" begann er unsicher, „Ich war im Sommer mit einer Clique zusammen, die ähnlichen Modestil hatte."

„Wirklich? Ah... hat das was damit zu tun, was dieser Arrogant gesagt hat?"

„Er heißt Draco!" bestand Harry „und ja. Er hat mich in diesen Aufzug gesehen und ist über mich hergefahren. Mir ist der Kragen geplatzt, ähnlich wie heute, nur hab ich ihm keinen Fluch an den Hals gejagt, sondern eine rein gehauen."

„Ach, das erklärt seine Abneigung mir gegenüber. Er hat Angst, dass ich ihm auch eine reinhaue!" sagte Penny amüsiert.

Nun lachte Harry kurz auf, „Das wäre jedenfalls nicht das erste Mal!"

„Nein?"

„Nein. Hermine, eine Freundin von mir, hat ihm auch schon einmal eine verpasst!"

„Oh, die Frau würde ich gerne kennen lernen!" lachte Penny.

Harry wurde wieder ernst, „Ich fürchte dazu bist du nicht lange genug da. Sie ist über Weihnachten mit Ron, meinem besten Freund, zusammen."

Nun runzelte Penny die Stirn „Und warum bist du dann hier geblieben, wo deine Freundin und dein Freund wo anderes sind?"

„Ich will sie nicht stören. Jetzt wo sie sich endlich gefunden haben. Außerdem ist Hermine im Moment sauer auf mich."

„Hmm verstehe, das fünfte Rad am Wagen. Kenne ich nur zu gut!" bestätigte Penny.

Harry zog eine Augenbraue fragend hoch. Dann deutete Penny auf die Ohrringe.

„Jeder Ohrring steht für eine Beziehung, die man gehabt hat. Je mehr Ohrringe man hat, umso mehr wird man bei den anderen geachtet und umso mehr Jungs versuchen das offensichtlich schwer erreichbare Mädchen zu beeindrucken."

Harry blicke auf Pennys Ohr und zählte die Ringe dann klappte er staunen den Mund auf, „Du hattest schon sieben Freunde?"

Penny verzog den Mund, „Mehr oder weniger. Ich gestehe, ich hab ein wenig gemogelt. Ich hab es weniger gemacht, um bei den Jungs Eindruck zu schinden, als bei den Mädels beachtet zu werden. Das geht bei unserer Schule Hand in Hand. Bist du bei den Jungs begehrt, achten dich auch die Mädls, ansonsten hacken sie nur auf einem herum."

„Hmm manchmal ist es aber nicht so schlecht, wenn man nicht ständig beachtet wird und im Mittelpunkt steht."

„Ach ja, hat Draco nicht etwas gesagt, dass du berühmt wärst? Ich bin neugierig. Was hat er damit gemeint? Bist du der beliebteste Boy in der Schule?"

Harry lachte auf, dann schüttelte er den Kopf: „Wäre schön, wenn es das wäre, aber nein. Ich war schon berühmt, noch bevor ich an diese Schule kam. Ich bin berühmt, für etwas, was ich nicht getan habe. Für etwas, das nicht in meiner Macht lag. Aber alle wussten davon, lange bevor ich es wusste. Und alle sehen in mir den großen Helden, erwarten von mir große Taten. Dabei wünsche ich mir nichts mehr, als ein ganz normales Leben zu führen."

Penny zog ihre Stirn in Falten, dann sah sie auf die Narbe und plötzlich schien sie sich an etwas zu erinnern. Mit großen Augen fragte sie, „Du bist der Junge, der den Avada Kedavra überlebt hat?"

„Höchst persönlich!" sagte Harry sarkastisch.

„Oh Mann, dann verstehe ich dich. Es muss schrecklich sein, in ein allgemeines Vorstellungsmuster hinein gequetscht zu werden. Du konntest wahrscheinlich nicht einmal Nase bohren, ohne, dass es die ganze Welt erfuhr."

„Na ja, das mit den Nasenbohren gilt eher für jetzt. Ich bin unter Muggeln aufgezogen worden. Bis ich elf war, hat niemand gewusst, wo ich war, außer Dumbledore!"

„Unter Muggeln? Wann hast du dann erfahren, dass du ein Zauberer bist?"

Und so erzählte Harry eine Kurzfassung seiner Lebensgeschichte. Während der Wind fleißig um seine Ohren wehte. Er war gerade bei seinem zweiten Schuljahr angelangt, und erzählte von der Kammer und den Basilisken, als eine schneidende Stimme ihn unterbrach.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich annehmen, du legst es darauf an, den ganzen Tag mit Krippe im Bett zu verbringen!"

„Dad!" rief Harry überrascht als er zu Severus aufsah.

„Ich bin sicher, was immer ihr euch zu erzählen hab, kann auch im Innerem des Schlosses geklärt werden. Wieso musst du immer in der Kälte hocken?" fragte Severus verständnislos.

„Ich mag den Wind" rechtfertigte sich Harry, als er aufstand und von der Bürstung hinunter hüpfte.

„Hi, Dad!" sagte Penny schließlich um Severus Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

„Ich nehme an du hast dich bereits häuslich eingerichtet?" fragte Severus reserviert und musterte Penny von oben bis unten, unfähig seinen Abneigung gänzlich aus seinem Blick zu entfernen.

Doch Penny ignorierte es. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr Dad ihr um den Hals fallen würde. „Ja, danke," sagte sie bemüht höflich. Was mit einem stummen Nicken seitens Severus quittiert wurde.