A/N: Da ich so liebe Kommentare erhalten (Danke! Danke! Danke!) und ich mich so darüber gefreut hab, mach ich euch auch eine Freude und hab ein neues Kapitel hochgeladen. Ich hoffe es gefällt euch. Es geht diesmal um die Dementorenszene im HogwartsExpress, diesmal aus der Sicht von Skyla, Fred und den anderen.


Kapitel 21:

Nach dem Abendessen, für das der Wirt Tom extra einige Tische zusammen geschoben hatte, gingen sie fast alle nach oben. Skyla betrat ihr Zimmer und legte sich auf ihr Bett. Sie schnaufte und seufzte ein bisschen. Der Tag war anstrengend gewesen. Es lag nicht nur an der ganzen Einkaufstour für Hogwarts, sondern vor allem an der Sache mit Hermines Vater. Das hatte sie gemerkt, als Fred sie darauf angesprochen hatte. Es war etwas komisch gewesen, mit ihm darüber zu reden. Sie hatte gespürt, dass er sich etwas schwer damit tat. Sie war zwar froh, dass er da war, aber sie glaubte, dass wenn Cedric bei ihr gewesen wäre, dann wäre das Ganze vielleicht etwas anders gelaufen. Sie hatte das Gefühl, dass Cedric im Trösten besser war, als die Zwillinge, aber irgendwie wunderte sie das gar nicht. Fred und George sahen immer nur die positiven Seiten im Leben, immer waren sie nur am Lachen und Quatsch machen, mit wirklich schwermütigen und traurigen Dingen kannten sie sich nicht aus. Aber das machte Skyla ihnen nicht zum Vorwurf. Sie verdankte ihnen viel. Denn durch ihre Lebenseinstellung hatten die beiden Jungs sie wieder aufgeheitert und abgelenkt.

Sie freute sich auf morgen. Dann ging es endlich zurück nach Hogwarts. Dann würde sie auch alle wieder sehen. Emily, Lee und Cedric. Und dann stand ja auch noch das Wochenende in Hogsmeade bevor, zu dem Cedric sie eingeladen hatte. Sie... sie konnte es immer noch nicht glauben. Aber sie hatte auch Angst es Fred zu sagen. Ihr war noch gut seine Reaktion in Erinnerung, als er Cedric bei ihr zuhause angetroffen hatte. Noch hatte sie genug Zeit es ihm und seinem Zwillingsbruder zu sagen. Sie seufzte erneut.

Plötzlich bewegte sich etwas in ihrer Einkaufstüte. Irritiert stand sie auf und nahm sie hoch. Skyla leerte die Tüte und hatte das Nuntius-Pergament in der Hand, auf dem einige Zeilen standen.

Hey Skyla!

Ich wollte mal das Ding ausprobieren! Schreib doch mal zurück!

Fred

Skyla lächelte. Sie nahm ihren neuen Federkiel und schrieb zurück. Oben in die Empfängerzeile notierte sie die Namen „Fred Weasley" und „George Weasley", dann schrieb sie ein paar Zeilen.

Hey Fred! Hey George!

Ich hab deine Nachricht bekommen, Fred. Ich will jetzt mal testen, ob auch George meine geistigen Ergüsse bekommt. Also, Fred, sag ihm, er soll sein Nuntius-Pergament kontrollieren.

Skyla

Sie musste leise lachen. Wenn diese Pergamentblätter wirklich so funktionieren sollten, wie versprochen, dann war das echt super. Dann konnten sie sich nachts heimlich Nachrichten schicken, oder aber miteinander kommunizieren, wenn sie mal wieder in unterschiedlichen Strafarbeiten saßen.

Ich hab deinen Text auch bekommen. Die Dinger sind echt cool!

George

Ja, George hatte absolut Recht. Das schrieb sie ihm auch zurück. Dann legte sie sich wieder auf ihr Bett zurück und wollte nur noch schlafen. Der Tag war doch ziemlich anstrengend gewesen. Hinzu kam auch noch, dass sie die letzte Nacht wenig geschlafen hatte, als sie bei Fred und George im Zimmer war.

Das war ihnen noch nie passiert, dass sie bei den Zwillingen im Bett geschlafen hatte. Eigentlich hatten sie es immer geschafft, dass Skyla (und auch Emily) rechtzeitig zurück in ihr Zimmer kamen. Wenn sie jetzt darüber nachdachte, fand sie es ein bisschen beschämend. Als sie heute morgen aufgewacht war, lag sie mit ihrem Kopf auf Freds Brust und hatten ihren Arm um seinen Bauch geschlungen. Fred dagegen hatte seinen Arm um sie gelegt und seine Hand lag auf ihrer Schulter. Kein Wunder, dass Mrs. Weasley wütend war. Ihre Mutter hätte sicher genauso reagiert, wenn dass bei ihnen passiert wäre.

Auf einmal hörte sie Geschrei aus einem Zimmer auf ihrem Flur. Sie seufzte mal wieder. Sie verstand nicht viel, aber konnte doch ausmachen, dass Percy und Ron stritten und wenn sie es richtig verstanden hatte, dann ging es um das Schulsprecherabzeichen von Percy. Garantiert hatten die Zwillinge ihre Finger im Spiel. Die beiden liebten es, ihren großen Bruder zur Weißglut zu bringen. Aber Percy bot auch einfach ein zu leichtes Ziel. Er ließ sich sehr schnell provozieren, dadurch dass er so regelfanatisch war. Percy würde sicher einen guten Schulsprecher abgeben. Da war sich Skyla sicher. Er war dafür genau der richtige.

Am nächsten Morgen wachte sie in ihren Klamotten auf, als jemand gegen ihre Tür klopfte.

„Aufstehen, Skyla.", hörte sie Mrs. Weasley rufen. Sie ging weiter und klopfte an die nächste Tür.

Skyla stand auf und zog sich frische Sachen an. Anschließend packte sie ihre Einkäufe von gestern in ihren großen Schrankkoffer, der dadurch noch schwerer wurde. Sie gähnte und ging dann hinunter. Auf der Treppe begegnete sie Ron, der gar nicht glücklich aussah.

„Ich hasse Percy.", murmelte er leise. In dem Moment kamen auch die Zwillinge aus ihrem Zimmer und gratulierten ihm dazu, dass Ron es wieder geschafft hatte, Percy wütend zu machen.

Sie warf Fred und George einen grimmigen Blick zu. Sie war noch zu müde, um sich von ihrer guten Laune anstecken zu lassen. Sie hatte noch nie verstanden, warum die beiden morgens schon so gut drauf sein konnten.

Nach einem kurzen Frühstück brachten sie ihre Koffer hinunter und verstauten sie in den Autos, die das Ministerium zur Verfügung gestellt hatte. Als alle in den Autos saßen, fuhren sie zum Bahnhof King's Cross. Dort holten die Ministeriumsangestellten einige Gepäckwagen und luden ihre Koffer auf. Dann verabschiedeten sie sich von Mr. Weasley und fuhren wieder weg.

Zu neunt gingen sie auf die Absperrung zu und einer nach dem anderen verschwand dahinter. Auf dem Bahnsteig waren eine Menge Menschen und es herrschte freudige Aufbruchsstimmung. Skyla folgte den Zwillingen zum Zug und stieg direkt nach ihnen ein. Gemeinsam suchten sie ein leeres Abteil und fanden auch auf Anhieb eines. Dann holten sie ihre Koffer und wuchteten sie hinein.

Anschließend sprangen sie zurück auf den Bahnsteig und verabschiedeten sich von Mr. und Mrs. Weasley. Mrs. Weasley verteilte an ihre Kinder ein paar Brote und Mr. Weasley sprach abseits mit Harry. Skyla sah sich um und suchte Emily oder Lee, doch sie konnte keinen von beiden entdecken, auch Cedric ließ sich nicht blicken.

Die Zwillinge, Percy, Ginny, Ron, Hermine und Skyla sprangen in den Zug, weil er in wenigen Augenblicken abfahren sollte. Harry stand immer noch bei Mr. Weasley und redete. Die Zwillinge und Skyla gingen zurück in ihr Abteil. Dort erwartete sie eine freudige Überraschung.

Lee und Emily waren gerade dabei ihre Koffer in die Gepäckablage zu verfrachten, als sie die Tür aufmachten.

„HEY!", riefen alle durcheinander und umarmten sich gegenseitig. Sie setzten sich und dann ging das große Erzählen los. Emily erzählte von Italien und mit Hilfe von Lee auch von ihrer letzten Ferienwoche und die Zwillinge mal wieder von Ägypten.

„Wir haben etwas für euch.", sagte Skyla plötzlich, als die anderen vier mal eine kurze Pause einlegten.

„Ja, genau.", nahm Fred ihren Gedanken auf und kramte in seinem Koffer herum. Er holte zwei Nuntius-Pergamente heraus und gab sie Lee und Emily.

„Danke. Aber was ist das?", fragte Lee und besah sich das Blatt skeptisch.

„Das ist die Lösung aller Probleme!", meinte George dramatisch.

„Aha!", sagte Emily nur und klang genauso skeptisch und misstrauisch wie ihr Freund.

„Das sind sogenannte Nuntius-Pergamente.", sagte Skyla und erklärte dann ihre Funktionsweise. Mit jedem Wort mehr verwandelte sich der fragende Gesichtsausdruck von Emily und Lee zu einem immer breiter werdendem Grinsen.

„Das ist ja super!", meinte Emily und Lee nickte aufgeregt. Sofort testeten sie es aus und es funktionierte. Sie waren begeistert.

Fred und Skyla grinsten sich an. Ein Glück, dass sie diese Dinger entdeckt hatten.

Lee sah auf die Uhr. „Ich glaub, du musst los.", meinte er zu Emily. Auch diese sah auf die Uhr und stand schnell auf.

„Du hast Recht.", erwiderte sie und gab ihrem Freund das Pergament. Dann ging sie aus dem Abteil. „Bis gleich!" Sie war verschwunden.

Fred, George und Skyla sahen sich fragend an und blickten dann zu Lee. „Wo muss sie hin?"

„Zu den anderen Vertrauensschülern, damit sie eingewiesen wird.", erklärte er.

„Emily ist Vertrauensschülerin geworden?" Die drei starrten ihn ungläubig an.

„Wusstet ihr das nicht?" Lee klang überrascht. Die anderen schüttelten mit dem Kopf.

„Jetzt müssen wir uns wohl zurück nehmen, oder wie seht ihr das?", fragte George. „Sonst gibt sie uns noch eine Strafarbeit auf."

Fred lachte. „Ich glaub kaum, dass sie das schaffen wird."

„Ich frag mich, wer noch Vertrauensschüler geworden ist.", meinte Skyla und dachte nach. Wer aus ihrem Haus war es würdig ein solches Amt einzunehmen? Sie hatte so eine Vermutung und musste leicht lächeln.

„Was hast du?", fragte Fred misstrauisch und sah sie durchdringend an.

„Ach, nichts. Ich glaub, ich weiß, wer unser zweiter Vertrauensschüler in Hufflepuff ist.", antwortete sie ihm.

„Cedric.", meinte George leise und Skyla fühlte sich ertappt. Sie grinste ihn unsicher an und nickte leicht.

„Na toll ...", murmelte sein Zwillingsbruder. „Wer es wohl bei uns geworden ist?"

„Ich tippe auf Alicia.", sagte Lee.

„Oder Angelina. Und der männliche Vertreter?"

„Keiner von uns, also bleiben nur noch Simon oder Sam.", analysierte Lee die Lage. „Und ich tippe auf Sam."

„Ja, ich auch. Ich will nicht, dass Simon Vertrauensschüler wird.", meinte Fred und George stimmte ihm zu.

In dem Moment ging die Abteiltür auf und Emily kam wieder. Sie sah ihre Freunde unsicher an und wurde ein bisschen rot im Gesicht.

„Tut mir leid, dass ich nichts gesagt habe, aber ich hatte Angst.", meinte sie kleinlaut und setzte sich zu Lee, der einen Arm um sie legte.

„Angst wovor?", fragte George.

„Davor, dass ihr dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollt."

„Wir lassen uns doch nicht wegen eines Schönheitsfehlers unsere Freundschaft kaputt machen.", meinte Skyla und die Zwillinge nickten zustimmend.

Man konnte förmlich spüren, wir Emily ein Stein vom Herzen fiel und sie lächelte die drei dankbar an.

„Und?", drängte sie Fred.

„Was und?" Sie war irritiert.

„Wer ist noch alles Vertrauensschüler geworden?" Er klang so, als wenn es eine dumme Frage von ihr gewesen wäre.

„Achso." Sie grinste. „Also in Ravenclaw sind es Frank Miller und Susi Adams, die beiden, die bei uns in der Primusschule waren. In Slytherin – wie konnte es anders sein – Amanda und dann noch dieser schmierige Jacks, Mike Jacks."

„Und bei uns?", fragte George.

„Alicia."

„Wusste ich es doch!", meinte Lee. „Und der andere?"

„Sam Gink."

„Merlin sei Dank!", kam es von den drei Jungs wie aus einem Mund.

„Und wer noch bei uns?", fragte Skyla leise. „Cedric?" Emily nickte und Skyla sah sich in ihrer Vermutung bestätigt.

„Was haben sie dir denn alles erzählt?", fragte Lee und seine Freundin antwortete ihm. Skyla hörte nicht zu. Sie dachte an Cedric. Warum hatte er es ihr nicht erzählt? Aus dem selben Grund wie Emily? Hatte er Angst, dass sie dann nichts mehr mit ihm zutun haben wollte? Oder wollte er sie nicht bloßstellen, weil sie nicht ernannt wurde? Wenn sie sich Recht erinnerte, hatte er sie damals, als die Briefe kamen, gefragt, ob was besonderes dabei war und sie hatte es verneint. Jetzt verstand sie die Frage erst richtig. Sie musste grinsen, als ob sie ihm böse sein konnte...

„Ich muss mal wohin.", meinte sie, stand auf und verließ das Abteil. Sie ging zu den Toiletten und musste etwas warten, weil dort einige Mädchen in einer Schlange standen.

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„Ist die Gute ins Klo gefallen?", meinte Fred lachend und sah auf die Uhr. Skyla war jetzt schon über eine Viertelstunde weg.

„Bestimmt ist da eine Menge los.", meinte Emily. „Als ich vorhin dran vorbei gegangen bin, standen da ein Haufen Mädchen."

„Das liegt daran, dass ihr nie alleine auf Klo gehen könnt.", meinte George lachend. „Woran liegt das. Kannst du mir das vielleicht mal erklären?"

Emily lachte. „Also erst einmal ist Skyla jetzt alleine hingegangen, also stimmt deine Aussage nicht ganz. Und was der Grund ist... hmm... wer weiß das schon so genau?" Sie grinste die Jungs wissend an. Sie wusste genau, dass sie sie damit ärgern konnte. Und sie hatte Recht behalten. Alle drei sahen sie grummelnd an.

„Was soll das?", fragten sie.

„Ich kann doch nicht eines der größten Mysterien lüften und dann auch noch an drei so große Machos wie euch." Sie lachte laut.

„Machos?" Sie waren empört. „DU nennst uns Machos? Du, die du früher jede Woche einen Neuen hattest, den du anhimmeln konntest, nennst uns Machos?", meinte Fred.

„Klar." Sie grinste immer noch. „Ihr lasst doch nie eine Gelegenheit aus, um mit den Mädchen zu flirten." Die drei Jungs knirschten mit den Zähnen und Emily fing wieder an zu lachen.

„Also ich geh jetzt mal Skyla suchen.", meinte Fred und stand auf. Er ging aus dem Abteil und in Richtung der Toiletten. Auf halben Wege blieb er wie angewurzelt stehen. Da vorne stand sie und lehnte sich etwas seitlich an die eine Seite des Zuges. Direkt vor ihr stand dieser Diggory. Er strich ihr eine Strähne hinter das Ohr und berührte dabei ihr Gesicht. Die Wut stieg in ihm hoch. Doch er musste sich zurück halten, denn wenn er was unüberlegtes machte, dann würde Skyla ihm eine Szene machen.

Langsam ging er auf die beiden zu, setzte ein breites Grinsen auf und legte dann einen Arm um sie.

„Hier bist du! Wir hatten dich schon verloren.", meinte er und sah sie grinsend an. Sie blickte ihm überrascht ins Gesicht.

„Fred. Was gibt's?"

„Hi Cedric. Ich hab gehört, du bist Vertrauensschüler geworden. Glückwunsch!" Immer gute Miene zum bösen Spiel machen. Er grinste immer noch.

„Hallo Fred. Danke.", meinte dieser nur und sah ihn wütend an. Er schien gar nicht begeistert darüber zu sein, unterbrochen zu werden, und dann auch noch von Fred. Da hatte er ja genau das erreicht, was er wollte.

„Was ist los?", fragte Skyla erneut. Sie war auch nicht gerade erfreut, dass Fred aufgetaucht war.

„Wir haben ein kleines Problem und brauchen deine Expertenmeinung." Er lachte sie an.

„Kann das nicht noch warten?"

„Nein, leider nicht. Ist sehr dringend.", meinte er. Sie seufzte.

„Okay. Wir sehen uns später, Cedric.", sagte sie zu ihrem Gegenüber. Fred, der immer noch ihren Arm um sie gelegt hatte, drehte sich sofort mit ihr um und ging wieder zu ihrem Abteil.

„Ja, bis gleich.", rief Cedric ihnen hinterher. Skyla schaute noch einmal zurück und winkte ihm zu. Dann ließ sie sich von Fred weiterführen.

Kurz vor ihrem Abteil nahm Skyla wütend seinen Arm von ihren Schultern und funkelte ihn an. „Was sollte das, Weasley?" Oh ha... Weasley. So nannte sie ihn nur, wenn sie wirklich sauer auf ihn war.

„Was denn?", fragte er unschuldig.

„Tu nicht so blöd! Du weißt genau, was ich meine." Sie hielt die Abteiltür zu, die Fred gerade aufmachen wollte. „Nichts da, du erklärst es mir erst!"

„Aber doch nicht hier auf dem Gang, wo uns jeder hören kann.", sagte Fred und schob sie zur Seite, damit er die Tür öffnen konnte. Dann schob er sie ins Abteil. Die anderen drei sahen sie überrascht an.

„Wir haben uns Sorgen gemacht. Kein Mensch brauch mehr als 20 Minuten auf dem Klo!", sagte Fred aufgebracht.

„Was sollte mir denn bitte hier im Hogwarts-Express passieren?" Genau in diesem Moment stoppte der Zug. Sie hatten gar nicht gemerkt, dass sie langsamer wurden.

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„Sind wir schon da?", fragte Lee und versuchte aus dem Fenster zu blicken, doch es war vergebens, denn es war schon dunkel und Wind und Regen peitschten gegen den Zug.

Dann plötzlich ohne jede Vorwarnung gingen die Lichter aus. Skyla tastete sich zu einem der Sitze und wollte Platz nehmen, aber sie spürte etwas weiches unter sich.

„Autsch, Skyla. Das war mein Bein."

„Tschuldigung, Fred!" Sie setzte sich auf den Platz neben ihn.

„Was ist denn überhaupt los und warum halten wir?"

„Also eigentlich können wir noch nicht in Hogwarts sein, dazu ist es noch zu früh.", meinte Emily beunruhigt.

„Aber warum halten wir dann?", wiederholte George die Frage seines Freundes Lee.

In diesem Moment ging die Tür auf und ein schreiender Junge kam herein. „Hilfe! Wir werden angegriffen!" Sie kannten die Stimme. Sie kam von ihrem „besten Freund" Draco Malfoy, der im Schuljahr ihres Bruders Ron war und ihnen nicht selten das Leben schwer machte.

Malfoy drehte sich ein paar mal im Kreis und schrie, dann verließ er wieder ihr Abteil.

„Was bei Merlins Unterhose war das denn?", fragte George und konnte ein Lachen nicht unterdrücken.

Doch in diesem Moment wurde es sehr kalt in ihrem Abteil. Sie konnten ihren eigenen Atem sehen, wenn sie ausatmeten und sie fingen an zu zittern.

Skyla merkte, dass sie nur schlecht Luft bekam. Die Kälte setzte sich in ihre Lungen, in ihre Brust, in ihren ganzen Körper fest und ließ sie an schreckliche Dinge denken. Sie hatte das Gesicht ihres Vaters vor Augen. Im ersten Augenblick sah es noch ganz normal aus, doch dann änderte es sich. Es war blutüberströmt und ihm fehlte die eine Hälfte seines Gesichtes. Skyla kniff die Augen zusammen und packte Freds Hand. Sie wollte das nicht sehen. Dann hob ihr Vater seinen linken Arm und streckte ihn nach ihr aus. Auch sein Arm war nur noch unvollständig. An seiner Hand fehlten zwei Finger und sie war ziemlich groß und flach. Gerade als er nach ihr greifen wollte, war das Bild verschwunden.

Die Lichter gingen wieder an und Skyla war ganz außer Puste, als ob sie gerade eine lange Strecke gelaufen wäre. Schweiß lief ihr über das Gesicht, der sich mit Tränen mischte.

„Was war das?", fragte Emily. Ihre Stimme zitterte leicht.

„Ich hab keine Ahnung. Aber Malfoy lag mit seinem Angriff gar nicht so falsch, oder?", meinte George und lachte nervös.

Sie nahm das einsetzende Gespräch nur ungenau wahr. Sie konnte das Gesicht ihres Vaters nicht vergessen und noch immer drückte sie Freds Hand.

„Du kannst jetzt wieder loslassen.", meinte er leise. Dann starrte er sie an. „Skyla? Skyla? Hörst du mich?" Er drehte sie zu sich. Sie war ganz bleich und sah aus, als müsste sie sich gleich übergeben. Die anderen kamen zu ihr und sahen sie besorgt an.

„Was ist los mit ihr?", fragte Lee.

„Skyla?" Es war Emily. Skyla blickte zu ihr und nickte. „Ist alles in Ordnung bei dir, Süße?"

„Jaa...", antwortete sie schwach.

„Was war denn los?", fragte Fred.

„Ich weiß auch nicht, aber ... ich hab meinen ... meinen Vater plötzlich gesehen. Er ... er sah schrecklich aus." Ihr kamen die Tränen. Emily nahm sie in den Arm.

„Denk nicht mehr dran. Es ist alles vorbei!", meinte diese beschwichtigend.

„Hier! Mein letzter.", meinte George und hielt ihr einen Schokofrosch hin.

„Danke.", sagte Skyla und löste sich aus der Umarmung. Sie nahm den Frosch und aß ihn. Sofort ging es ihr besser. Die Wärme kam wieder und verdrängte die Kälte und die ungebetenen Gedanken. Sie atmete einige Male tief durch.

Dann fuhr der Zug wieder an und die Fahrt ging weiter.