Kapitel 20: Der erste Verlust

Es waren 6 Tage vergangen, seitdem Ethel Ihrem Sohn gesagt hatte, dass sie sterben würde. Es waren 6 Tage vergangen, seitdem Richard Spencer in Elsas Leben getreten war. In diesen 6 Tagen, hatten sich Jimmy und Elsa kaum gesehen. Ein flüchtiges Hallo oder ein schneller Blick war in dieser Zeit alles, was die beiden teilten. Jimmy war noch immer völlig erschüttert über das Geständnis seiner Mutter und er war am Verzweifeln. Wie sollte er den letzten Wunsch seiner Mutter erfüllen, wo er Elsa doch so liebte?

Elsa war in dieser Zeit zu beschäftigt, um sich um Jimmy zu kümmern. Richard Spencer war ständig an ihrer Seite und ermutigte sie, sich ihrer Karriere voll und ganz hinzugeben. Er versprach ihr Ruhm und er bestärkte sie in den Glauben, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft ein großer Star werden würde. Elsa stand täglich viele Stunden auf der Bühne und studierte neue Lieder ein, sie fuhr zum Fotografen um neue Fotos von sich machen zulassen, sie verwendete all ihre freie Zeit mit ihrem Aussehen. Neue Cremes, Parfüms und Accessoires waren für Elsa wichtiger denn je geworden. Sie wollte ein Star sein und als dieser würde sie den Menschen in Erinnerung bleiben. Viel schöner und strahlender als jeder Stern am Himmel. Es gab nur eine Sache, die Elsa zur Weißglut trieb und das war Spencers großes Interesse an den Zwillingen. Elsa wusste, dass es für sie hier keine Konkurrenz gab aber die Zwillinge bereiteten ihr Kopfzerbrechen. Sie waren Freaks aber auf einer seltsamen Art und Weise liebenswert. Sie waren fast ein und dieselbe Person und doch so unterschiedlich….wahrscheinlich war es das, was die Leute so faszinierte. So oder so, waren sie eine Gefahr für Elsa und sie wollte sie nicht länger um sich haben. Elsa erinnerte sich an diesen kleinen arroganten Schnösel, dessen Mutter die Zwillinge kaufen wollte. Damals war es für Elsa undenkbar, doch nun bot sich darin eine echte Option. Ganz früh noch bevor alle aufgestanden waren, fuhr Elsa unter einem Vorwand zur Villa der Familie Mott. Sie schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, sie würde genug Geld bekommen um ihren hohen Lebensstandard beizubehalten und sie würde die Zwillinge loswerden. Und es gab für Dot und Bette auch keinen Grund zur Klage. Wie viele Freaks dürften schon in einer prächtigen Villa leben? Der Gedanke daran reinigte Elsas Gewissen, als sie zurück fuhr und in ihrem Zelt verschwand noch bevor alle anderen wach wurden. Das jedenfalls dachte sie.

Eine Sorge weniger'

Elsa setzte sich auf ihr großes Bett und begutachtete die Einkäufe, die sie Gestern getätigt hatte. Unter anderem war auch ein schönes rotes Negligee dabei. Es war mit schwarzer Spitze versetzt und unglaublich sexy. Elsa war sich sicher, dass Jimmy das ebenfalls so sehen würde.

Jimmy.'

Sie hatte ihn kaum gesehen in den letzten Tagen und auch er schien nicht wirklich Interesse daran zu haben. Vielleicht war es auch besser so aber ein anderer Teil von ihr, wollte ihn bei sich haben. Elsas Gedanken wurden unterbrochen, als sie draußen ein panisches Gemenge vernahm.

„Sie ist weg….ich kann sie nicht finden." hörte Elsa jemanden rufen. Zuerst dachte sie, es würde um die Zwillinge gehen, doch niemand hier sprach von ihnen in der Einzahl. Verwirrt stand Elsa auf und verließ ihr Zelt. Sie erblickte Paul, Suzi und Eve die sich panisch unsahen.

„Was ist hier los? Wer ist weg?" sagte Elsa streng und blickte auf die drei anderen.

„MaPetite…sie ist weg, sie war nicht in ihrem Bett und auch sonst können wir die Kleine nicht finden." Sagte Eve völlig aufgelöst.

Elsas Herz setzte einen Moment aus, dass konnte doch nicht sein….MaPetite ging niemals allein weit weg vom Zeltplatz. Für Elsa war MaPetite immer etwas ganz besonderes. Liebenswert, gut und rein….durch und durch.

„Wir müssen alle wecken und sie suchen…..los, sie kann ja nicht allzu weit weg sein." rief Elsa und begann gemeinsam mit den anderen die Suche nach der kleinen Frau.

Jeder suche nach MaPetite, doch die Stunden vergingen und es gab keine Spur von ihr. In allen keimte langsam der Verdacht auf, dass ihr etwas zugestoßen sein musste. Paul rief nach einiger Zeit, dass auch die Zwillinge weg waren.

„Vielleicht sind ja Dot und Bette mit ihr unterwegs?" sagte Suzi um sich selbst zu beruhigen.

Am liebsten hätte Elsa sofort gesagt, dass das nicht möglich war, doch wie sollte sie erklären woher sie das wusste? Es war Jimmy der hinter Elsa erschien und zu sprechen begann.

„Ich habe da hinten alles abgesucht aber keine Spur von ihr und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie mit den Zwillingen unterwegs ist. Glaubt wirklich einer hier, dass die 3 zusammen die Stadt unsicher machen, wo wir von so vielen hier gehasst werden? Niemals! Wir müssen weiter suchen…"

„Jimmy hat recht, ich kenne MaPetite gut und sie würde nicht einfach ohne Bescheid zugeben irgendwo hingehen." rief Eve und rannte sofort wieder los, um nach ihrer kleinen Freundin zu suchen.

Alle verteilten sich wieder und riefen laut in alle Richtungen.

Elsa wusste wo Bette und Dot waren und das es ihnen gut ging aber wo war nur MaPetite? Ihr kleiner Schatz. Tränen der puren Angst liefen über Elsas Wangen und ihre Hände zitterten, als sie sich eine Zigarette anzünden wollte. Jimmy war der Einzige, der nicht gegangen war und er trat dicht hinter Elsa. Er hatte sich vorgenommen, auf Abstand zugehen bis er selbst entschieden hatte, was er tun sollte aber die Situation war ein Ausnahmezustand. Sanft legte er seine Hände von hinten auf Elsas Schultern und küsste kurz und sanft ihre Schläfe „Wir finden sie….keine Angst Elsa…wir finden sie."

Elsa schloss die Augen und lehnte sich für einen Moment an Jimmy, seine Nähe beruhigte sie und ihr zittern ließ langsam nach „Sie ist zu klein….wenn sie sich verirrt hat, dann wird sie nicht lange durchhalten. Sie braucht uns doch."

„Ich werde mit den anderen weiter suchen, wir finden sie schon. Bleib du am besten hier und warte ob sie zurück kommt oder ob sie vielleicht ein Bewohner von Jupiter gefunden hat und wieder herbringt." Jimmy küsste noch einmal Elsas Stirn und lächelte sie aufmunternd an, auch wenn ihm selbst nicht danach war.

Die Stunden vergingen und es wurde schon dunkel, die meisten saßen zusammen im großen Zelt und warteten auf die Rückkehr von Jimmy und Paul, die noch auf der Suche waren. Bislang hatte niemand die kleine Frau oder die Zwillinge finden können. Alle bis auf Elsas nahmen an, dass sie 3 Mitglieder der Familie vermissten.

Plötzlich vernahmen sie Schritte, die sich dem Zelt nährten. Aufgeregt und ängstlich standen alle auf und blickten erwartungsvoll zum Eingang. Jimmy und Paul betraten das Zelt und hielten eine kleine Kiste in der Hand…..eine Kiste…..gerade groß genug für MaPetite.