Kapitel 21: Die Zeit läuft

Als Harry in den Gemeinschaftsraum eintrat wurde er sofort auf Ron, Hermine und Neville aufmerksam. Die drei Gryffindor saßen in ihrer Ecke und Neville hatte eindeutig etwas zu sagen. Harry hatte sich noch nicht ganz in den freien Sessel gesetzt, da fuhr ihn Neville an, „Warum hast du ihr das angetan?" „Die Antwort darauf kannst du dir selbst geben", erwiderte Harry scheinbar gelassen, doch seine Gelassenheit ließ die anderen kalt. „Habe ich richtig gehört? Ihr? Ich dachte sie wäre raus", empörte sich Hermine und warf Harry einen ungläubigen Blick zu.

Der wich dem Blick nicht aus und seine Augen brannten mit kaltem Feuer. „Sie ist die Richtige für den Job", wiederholte er ruhig und sah dann zum Zeichen, dass das Thema für ihn erledigt war, zu Ron. „Wenn ich dir das nächste Mal sage, du sollst an einem bestimmten Ort auf mich warten, dann heißt das nicht, belausche mich", wies er den Rotschopf zurecht, der ein wenig in seinen Sessel sank. „Du sagst immer, wir sollen uns Vorteile schaffen", verteidigte sich der Weasley kleinlaut. „Ja, aber Eigeninitiative und Gehorsam sind nicht immer miteinander vereinbar und im Zweifelsfall muss Gehorsam Priorität haben, sonst zerfällt das System", setzte ihm Harry vehement zu.

Ron starrte ihn an, ertrug dann seinen Blick nicht mehr und sah auf seine Schuhe. Zufrieden wendete sich Harry noch mal Neville und fixierte seinen Freund mit seinen eiskalten Augen. „Und dich warne ich auch nur noch einmal. Lass dein Urteilsvermögen nicht von deinen Gefühlen trüben, sonst wirst du zu einem Risiko, das ich mir nicht erlauben kann", beschied der Anführer seinem Stellvertreter und die Drohung hinter den ruhig gesprochenen Worten war unverkennbar. Mit diesen Worten erhob sich Harry wieder und verschwand durch die Tür zu den Schlafsälen.

„Was sollte das denn jetzt?", wunderte sich Ron, der sich in seinem Sitz wieder aufrichtete. Keiner würdigte die Frage mit einer Antwort. Neville stand einfach auf und verließ den Gemeinschaftsraum durch das Portraitloch, während Hermine nur den Kopf schüttelte und ein Buch zur Hand nahm. „Gut, dann redet halt nicht mit mir", murrte der Quidditchkapitän und machte sich an die Hausaufgaben.


In den folgenden Tagen sah man sehr wenig von Harry. Er erschien zu allen privaten Übungsstunden, aber im Unterricht oder beim Essen konnte man ihn nirgendwo entdecken. Als Neville nachfragte, blockte Harry entschieden ab. Neville sah deutlich, dass irgendetwas Harry trieb, aber er wusste es besser als weiter zu versuchen in seinen Mentor einzudringen. Er musste sich anderweitig die Informationen besorgen.

Auch beim nächsten Treffen der DA zeigte sich Harry von einer anderen Seite. Er schmiss alle Pläne über den Haufen und schleifte die Flammensänger über zwei Stunden lang gnadenlos. Keiner murrte oder beschwerte sich gar, aber wenn sie ehrlich waren nur aus Angst vor Harry. Eine unheimliche Aura von unabdingbarem Willen umgab ihn und so unerbittlich er auch war, keiner konnte einwenden, dass seine Schinderei ohne Erfolg war. Jeder Einzelne von ihnen bekam gezeigt, wo seine Leistungsgrenze war und sie war bei allen weiter entfernt als sie selbst gedacht hatten.

Nachdem dem Training schleppten sich die meisten Schüler aus dem Raum der Wünsche, der nach Schweiß stank wie noch nie. Nur die Offiziere blieben bei Harry stehen, der dem Abzug mit ein wenig Genugtuung hinterher sah. Sein Gesicht wurde aber sofort ausdruckslos als er bemerkte, wie sich auch Blaise verdrücken wollte. „Hey, Blaise! Wohin des Weges? Na los, du gehörst jetzt hier zu und das heißt noch zwei weitere Stunden Training", informierte er sie und zögerlich kam die Slytherin zurück.

„Ich kann mich nicht erinnern dem zugestimmt zu haben", merkte sie an, doch Harry tat den Einwand mit einem Kopfschütteln ab. „Ich habe auch nicht nach deiner Zustimmung gefragt", beschied er ihr und ignorierte ihr böses Starren. Der Anführer zog seinen Drill einfach weiter durch und am Ende lagen Hermine, Susan, Luna und Blaise am Boden. „Was ist los, meine Damen?", erkundigte sich Harry, der, obwohl er noch mehr getan hatte als sie, als einziger noch fit aussah. Ron und Ginny standen zwar noch, mussten sich aber mit ihren Händen auf den Knien abstützen um zu verhindern, dass sie zu sehr zitterten und Neville hatte sich in eine Art Trance versetzt.

„Also schön. Wir machen Schluss für heute. Dobby, du kannst jetzt rauskommen", sagte der Anführer der DA und wandte sich von seinen geschafften Offizieren ab. Der kleine Hauself erschien im Raum und schlappte mit gesenktem Blick bis vor Harrys Füße. Furchtsam blickte er zu dem Zauberer auf und wollte etwas sagen, doch Harry bedeutete ihm zu schweigen. Erst als sich der Letzte aus dem Raum geschleppt hatte, ließ er seinen mahnenden Zeigefinger wieder sinken und sagte freundlich, „So, Dobby, was gibt es?"

„Es tut Dobby Leid, dass er jetzt erst fertig ist, aber die Arbeit war schwierig und Dobby hat nicht viel Zeit neben seinen anderen Pflichten gehabt", erklärte der Hauself und sah den Jungen mit seinen großen Kulleraugen an. Harry brauchte ein paar Sekunden um zu begreifen wovon die kleine Kreatur sprach, dann ging ihm ein Licht auf. „Du hast es geschafft einen Anzug aus der Basiliskenhaut zu fertigen?", fragte Harry begeistert, aber irgendwie schien der Hauself den Ton falsch zu verstehen.

„Nicht einen, sondern sieben", korrigierte der Hauself so leise, dass selbst Harry ihn nur mit Mühe verstand, denn er sprach zum Boden und die Arme hatte er schützend vor den Kopf geschoben, als erwarte er einen Schlag. „Du hast WAS?", platzte es verblüfft aus Harry heraus und Dobby zuckte zusammen, als hätte Harry ihn wirklich geschlagen. Doch nichts lag Harry ferner. Er packte den kleinen Kerl an den Schultern und hob ihn hoch. „Dobby, du bist der Beste", lobte er seinen Freund, der vorsichtig zwischen den Fingern hindurch auf ihn heruntersah.

„Harry nicht sauer, weil Dobby nicht seine Anweisungen befolgt hat?", erkundigte sich der Elf zaghaft und Harry lachte. „Warum sollte ich? Ich hatte einen Anzug erwartet und du machst mir gleich sieben. Das ist doch herrlich", beschwichtigte Harry, der die Besorgnis des Hauselfens drollig fand. Vorsichtig setzte er den emsigen Diener wieder ab und rückte den markanten Hutstapel zurecht. Ein unsicheres Lächeln zeigte sich in Dobbys Gesicht und Tränen stiegen ihm in die Augen. „Noch nie hat einer so etwas Nettes zu Dobby gesagt", bekannte der Hauself und schnaufte in sein Halstuch.

„Ich müsste es dir jeden Tag sagen, bei all dem das du für mich tust", eröffnete ihm der Zauberer und das brachte Dobby noch mehr in Verlegenheit. „Harry muss es nicht, Dobby tut es gern für Harry. Viel besserer Meister als alter Meister", sagte Dobby und die Gedanken an Malfoy schienen ihn die Euphorie zu rauben. „Dobby, ich habe dir schon oft gesagt, dass ich nicht Meister von dir genannt werden will", rüffelte Harry seinen Freund und tippte leicht gegen den Hutstapel. „Ja, Harry", bestätigte der Hauself und richtete seinen Kopfschmuck.

„Kann ich sie sehen?", fragte Harry schließlich und Dobby nickte enthusiastisch, packte ihn beim Arm und sie standen plötzlich in einem Teil des Schlosses, der selbst Harry unbekannt war. Doch das war dem Schwarzhaarigen in diesem Moment ziemlich egal. Er hatte nur Augen für die sieben Anzüge, die an Gestellen nebeneinander aufgereiht waren. Jeder Anzug bestand aus einem Hemd, einer Hose, einer Robe mit Kapuze und einem Paar Stiefeln, die alle in demselben Grünschwarz schimmerten.

„Sie sind wundervoll", hauchte Harry und fuhr bedächtig über das weiche Leder, das es an Festigkeit fast mit Drachenhaut aufnehmen konnte. „Sie waren sehr schwierig zu nähen und die Magie einzuweben war noch schwerer", sagte Dobby, der ebenfalls ehrfürchtig über eins seiner Werke strich. „Magie? Was für Magie?", hakte Harry nach und bemühte sich ruhig zu sprechen. „Bescheidene Magie, Hauselfenmagie", räumte der Elf ein und strich nervös mit einem Fuß über den Boden, „Dobby wusste nicht, wem Harry die übrigen Stücke geben würde, also hat Dobby sie verzaubert. Sie können ihre Größe ändern."

„Das ist … einfach genial. Ich weiß nicht wie ich dir danken soll", gestand Harry ehrlich überrascht und Dobby sah betreten zu Boden. „Lob ist Dobby Dank genug. Mit der Haut von der schrecklichen Schlange zu arbeiten, war das Schönste was Dobby je getan hat", vertraute der kleine Elf dem Jungen an und beide lächelten sich an. Dann musterte Harry die sieben identischen Anzüge der Reihe nach. Es lag auf der Hand wer sie bekommen würde, auch wenn er es ein wenig bedauerte keinen davon selber tragen zu können.

„Kannst du die Anzüge nächsten Montag gegen Neun in den Raum der Wünsche bringen?", fragte Harry mit einem Seitenblick auf seinen fleißigen Freund, der so heftig nickte, dass der Hutberg fast abrutschte. „Sehr schön", murmelte Harry und sah noch eine Weile auf die Hinterlassenschaften von Slytherins Basilisken. Welch eine Ironie, dachte Harry bei sich und lachte leise.


Während sich Harry mit Dobby im Raum der Wünsche unterhalten hatte, spielte sich vor der Tür folgendes ab. Blaise wollte sich abwenden und Richtung Kerker gehen, als Ron sie am Arm festhielt. Ihre Blicke trafen sich wie zwei Eisberge und man konnte es förmlich knirschen hören. „Hör zu, Slytherin, Harry mag dir vertrauen, aber ich werde ein Augen auf dich haben", warnte er sie und sah verächtlich auf das Mädchen herab. Sie sann noch über eine Erwiderung nach als Neville in Rons Rücken sagte, „Lass sie los." Dabei betonte er jedes Wort überdeutlich, als ob er sich nur schwer beherrschen konnte.

Verwundert drehte sich der Weasley zu dem blassen Jungen an und schien unschlüssig zu sein, was er davon halten sollte. Bevor der Rotschopf die richtigen Schlüsse ziehen konnte, die ihn wahrscheinlich sehr aufgeregt hätten, griff Hermine ein. Mit einem entschuldigenden Lächeln an die beiden anderen, legte sie einen Arm um Ron und führte ihn mit sanfter Gewalt fort. Blaise entspannte sich sichtlich als Ron sie losließ und auch Nevilles Anspannung fiel von ihm ab. Schweigend sahen die beiden zu wie sich Ron und Hermine entfernten, wobei Hermine eindringlich auf ihn einredete und mit ihrem freien Arm heftig gestikulierte.

„Alles in Ordnung?", erkundigte sich Neville und Blaise als die Gryffindor um die nächste Ecke bogen. Sie schenkte ihm ein Lächeln und sagte, „Ja, nur ein wenig erledigt. Was ist mit Harry los? Nicht, dass er sonst normal war, aber er scheint mir seit neustem … gehetzt." Neville legte einen Arm um ihre Taille und gemeinsam gingen sie die Treppen herunter. „Ja, etwas bedrückt ihn. Ich glaube, er hat Angst bald zu sterben", vertraute er ihr mit gedämpfter Stimme an, doch sie schnaubte ungläubig, „Das wäre zu schön." „Ich weiß, ihr beiden hattet eure Differenzen, aber du musst ihn verstehen. Er glaubt das Weh und Wohl der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen. Das belastet", erklärte der blasse Junge und sie nickte knapp.

„Aber mit dieser Belastung lebt er schon länger. Warum ist er plötzlich so erpicht darauf uns zu Tode zu schinden?", wunderte sich die Slytherin. Mittlerweile hatten sie die Eingangshalle erreicht und gingen auf die verschlossene Eingangstür zu, was die beiden natürlich nicht aufhielt. Als sie draußen waren und zu ihrer üblichen Runde am See entlang einschwenkten, erwiderte Neville, „Er weiß, dass die meisten noch nicht soweit sind, aber er ist der Meinung keine Zeit mehr zu haben und will deshalb noch so viel wie möglich von seinem Wissen vermitteln."

„Wenn er sie gegen die Todesser schickt wird es ein Massaker geben", orakelte die Slytherin düster und diesmal war es an Neville ungläubig die Luft durch die Nase auszustoßen. „Glaubst du wirklich, die DA würde jemals einen Todesser zu Gesicht bekommen?", triezte der Junge und knuffte sie in die Seite. „Den Eindruck hatte ich", räumte Blaise verschnupft ein. „Die DA ist eine Rückversicherung für ihn. Sie beruhigt sein Gewissen. Er hat eine Gegenbewegung zu den Todessern geformt, aber sie ist nicht für diesen Krieg bestimmt. Das ist sein Krieg", legte Neville seine Gedanken dar und eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her.

„Was ist mir dir?", fragte Blaise schließlich ihren Begleiter und Neville saß über den düsteren See hinaus. „Als Harry am Anfang der Ferien zu mir kam und mich fragte ob wir zusammen trainieren sollten, sagte er, er und ich hätten dasselbe Schicksal. Du weißt, dass meine Eltern von Todessern um den Verstand gebracht worden sind?", fragte er und sie schmiegte sich an seine Schultern, schlang ihre Arme um ihn und nickte. „Er schürte diesen Hass und zeigte mir, wie man ihn in Kraft umwandeln konnte. Ich konnte plötzlich Dinge tun, die ich mir nie erträumt hätte. Er brachte mir viel bei, auch wenn ich nicht wusste, woher er all das Wissen hatte", berichtete Neville und verstummte dann.

„Weißt du es jetzt?", bohrte Blaise nach, als sie merkte, dass er von alleine nicht weiterreden würde. „Nicht sicher, aber ich vermute er hat Voldemorts Gedanken angezapft. Und dann fing es an mit den Zeitreisen. Es war richtig unheimlich. Er wurde von einen Tag auf den anderen stärker, schneller, ausdauernder, besser. Ich war ziemlich frustriert bis ich hinter die Sache mit den Zeitreisen kam. Er hat aber nie etwas gesagt, hatte Angst Voldemort würde durch mich etwas erfahren", erzählte Neville und lehnte sich an seine Freundin.

„Warum nahm er dich nicht mit auf die Reisen?", fragte sie und er zuckte mit den Schultern. „So wie ich ihn kenne, ist es zu gefährlich für alle außer ihm oder ich war nicht stark genug", seufzte der Junge betrübt. „Wie konnte er dann stark genug dafür werden?", wunderte sich Blaise und Neville sah ihr in die Augen. „Weil er mehr hasste. Und mehr litt", sagte er schließlich und daraufhin stellte Blaise keine weiteren Fragen mehr. „Lass uns zurückgehen. Der Raum sollte jetzt frei sein und es gibt noch etwas, dass ich dir zeigen wollte", sagte sie nach langer Stille und Hand in Hand gingen sie zum Schloss zurück.


Am nächsten Abend bestellte Dumbledore Harry in sein Büro.

„Professor", sagte Harry und nickte dem alten Zauberer zu. „Oh ja, Harry. Schön das du da bist. Setz dich. Setz dich", forderte Dumbledore aber der Junge winkte ab. „Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, doch ich habe heute noch einiges vor und wäre dankbar, wenn es hier schnell gehen würde", erklärte er und blieb stehen. „Natürlich. Im Grunde habe ich auch nicht viel zu berichten. Meine Versuche das Mischwesen aus Irland herzuholen scheitern nach wie vor am Widerstand des irischen Ministeriums, dass einen Groll gegen das unsere hegt, aber ich denke, sie werden bald nachgeben.

Dafür ist mir im Bezug auf das gestohlene Anch ein wichtiger Schritt gelungen. Ich habe in den Schriften etwas ausfindig gemacht, dass sich ‚die Kunst' nennt, leider wird sie nirgendwo näher spezifiziert… Ist alles in Ordnung, Harry?", erkundigte sich der Schulleiter, als Harry sich versteifte. Der Junge bemühte sich gelassen zu wirken, aber so wirklich wollte es nicht funktionieren. Wie ein Vorschlaghammer hatten die Worte die Mauer eingerissen, die sich zwischen Harry und dem Offensichtlichen befunden und jetzt war alles so klar.

„Sicher, mir ist nur etwas eingefallen", brachte der Anführer der DA schließlich hervor und sein Gegenüber schien sich damit zufrieden zu geben. „Jedenfalls, diese ‚Kunst' scheint auf erstaunliche Weise einen Verstand zu beeinflussen. Die Okklumentik und Legilimentik könnten aus ihr hervorgegangen sein. Das Anch scheint seinen Träger vor ‚der Kunst' zu schützen oder so ähnlich. Die betreffenden Stellen sind sehr wage. Sobald ich mehr herausfinde, werde ich es dich wissen lassen", bekräftigte Dumbledore und Harry hielt das Gespräch damit für beendet.

„Danke, Professor und noch einen schönen Abend", wünschte Harry, doch Dumbledore hob die Hand und sagte, „Eine Sache noch." „Ja?" „Ich muss gestehen, dass Voldemort mich überrascht hat. Er vergeht sich wohl seit längerer Zeit an bestimmten Hexen und Zauberern, die meist ein eher zurückgezogenes Leben führen. Ich bemerkte es erst als ein Mitglied des Lehrerstabs von Hogwarts Opfer dieser Übergriffe wurde und informierte das Ministerium. Kurzfristige Untersuchungen haben bisher dreiundzwanzig weitere Vermisste zu Tage gebracht und es werden sicher noch einige folgen", enthüllte Dumbledore und Harry war neugierig geworden.

„Voldemort hat einen Hogwartslehrer angegangen? Warum habe ich davon nichts mitbekommen?", wunderte sich der Junge, der über die Vorkommnisse innerhalb der Mauern sehr gut informiert war. „Sibyll wurde unter falschem Vorwand aus der Schule gelockt und dann vermutlich von Todessern entführt. So ist es auch anscheinend den anderen Sehern ergangen", informierte ihn der Schulleiter. „Seher? Voldemort lässt Seher entführen?", wunderte sich Harry. „Im großen Stil", bestätigte Dumbledore.

Harry sah eine Weile schweigend in die Ferne, dann sagte er, „Er will so an die Prophezeiung kommen!" „Das ist auch der Schluss, den ich gezogen habe. Alle Seher wurden mittlerweile informiert, aber Sibyll scheint nur das jüngste Opfer zu sein. Einige Seher gelten schon seit Wochen als verschwunden, aber niemand hat einen Zusammenhang hergestellt", monierte Dumbledore und nahm sich ein Zitronendrops. „Wenn er Informationen von ihnen will, sollten sie erstmal sicher sein", versuchte Harry optimistisch zu sein. „Bis ihm einer die Information liefert, die Voldemort haben will", fügte Dumbledore an und die beiden tauschten einen unbehaglichen Blick.

„Wenn das jetzt alles ist. Gute Nacht", sagte Harry schließlich und verabschiedete sich endgültig.