21. Meeting the Family

One day you will do things for me that you hate.

That is what it means to be family."

Jonathan Safran Foer

Sie war nicht schnell genug gewesen. Alles Gute fand irgendwann ein Ende. Es war das, was sie fluchend dachte, nachdem es fünfhundertmal an ihre Tür geklopft hatte. Dabei hatte sie die Schuhe schon an! Und sie war wirklich gut geworden, dass Haus so schnell wie möglich zu verlassen.

Aber nicht heute. Mist.

Resignierend schritt sie zur Tür, wie nach einem Endkampf besiegt. Sie zog die Tür auf. Und Narzissa wirkte so überrascht, als wäre es nur ein Besuch auf gut Glück gewesen. Als hätte sie niemals damit gerechnet, dass Hermine ihr noch überhaupt jemals wieder öffnen würde.

„Oh", war auch tatsächlich das erste, was Narzissa sagte. „Ich… hatte gedacht, du wärst schon verschwunden", entfuhr es ihr, und zum ersten Mal wirkte Narzissa ein wenig unvorbereitet.

„Nein, ich bin noch hier. Was willst du?", kürzte Hermine das Gespräch ab, denn wenn sie Narzissa sah, dann dachte sie an Malfoy, und dann kribbelte ihr Körper vor Wut. Und Narzissa blinzelte überrascht.

„Ich… äh…" Narzissa wirkte ein wenig neben sich. Hermine atmete langsam aus, denn sie wusste, wenn sie Narzissa nur reden ließ, vielleicht könnte sie dann so schnell wie möglich zur Arbeit? „Ich wollte dich einladen", schloss die blonde Frau schließlich, ein wenig kleinlaut.

„Einladen?", wiederholte Hermine argwöhnisch. „Wohin?" Vor ihrem inneren Auge sah sie schon, wie Narzissa versuchen wollte, sie nach Malfoy Manor zu schleppen.

„Nun, ich dachte mir, es könnte nicht schaden, wenn… wenn wir uns etwas besser kennenlernen? Vor allem, wo du nicht auf meiner Geburtstagsfeier gewesen bist?" Hermine wusste nicht, wie diese Frau es schaffte, aber tatsächlich fühlte sich Hermine für eine Sekunde schlecht. Aber nur für eine lächerliche Sekunde.

„Ich habe keine Zeit", schloss Hermine. „Ich werde noch arbeiten, so lange ich kann", erwiderte sie, so unfreundlich sie konnte.

„Ich… habe schon mit Mr. Connor gesprochen", rückte Narzissa mit der Sprache raus. „Und ich habe ihm gesagt, dass es langsam an der Zeit wird, dass dein Mutterschutz anfängt", schloss sie. Hermines Mund öffnete sich langsam. Narzissa hatte was…?! Das war nicht ihr Ernst?!

„Nein!", entfuhr es Hermine tonlos.

„Oh doch", bestätigte Narzissa besorgt. „Ich meine, dein Bauch ist riesig, es wird für dich immer schwerer, ins Ministerium zu gelangen, und außerdem darfst du ab nächste Woche nicht mehr apparieren!", maßregelte sie Hermine.

„Du sprichst hinter meinem Rücken mit meinem Boss? Du-" Hermine musste sich sammeln vor Wut. „-das geht nicht! Das ist ganz und gar nicht ok!", brachte sie zitternd hervor.

„Wie ich hörte ist dein – Freund – zurzeit auf Reisen, und deshalb dachte ich, könntest du eine kleine Pause gut gebrauchen", erwiderte Narzissa, und hatte das Wort Freund sehr vorsichtig betont. Wie sie hörte?! Wahrscheinlich hatte sie ihre Elfen auf sie angesetzt!

„Nein, brauche ich nicht! Und ganz bestimmt werde ich mich nicht von dir irgendwohin einladen lassen!", fuhr Hermine sie fassungslos an.

„Es ist alles gebucht!", rief Narzissa aus. Hermine wusste nicht weiter. Hermine hatte keine Ahnung, wie sie es dieser Frau klar machen sollte! Und sie wollte nicht wissen, was Narzissa ‚gebucht' hatte, aber sie nahm an, letztendlich diente es nur der Demütigung.

„Narzissa!", begann sie aufgelöst. „Ich kann das nicht mehr!", sagte sie wieder einmal. Narzissa wirkte schon wieder nachsichtig mit ihr, aber Hermine schüttelte den Kopf. „Du bist nicht meine Schwiegermutter, verstehst du? Wir haben nichts miteinander zu tun!"

„Und das möchte ich ändern!", sagte Narzissa schlicht.

„Aber ich nicht!", rief Hermine verzweifelt. Narzissa Ausdruck wirkte verschlossen.

„Aber es geht nicht mehr nur um dich", informierte sie Hermine kühl, vielleicht ein wenig beleidigt. Hermine war nicht in der Stimmung für vorsichtige Worte. Dafür war sie zu wütend auf Malfoy! Und auf Narzissa!

„Es geht auch nicht immer nur um dich! Weißt du, warum dein Sohn dich nicht leiden kann?", verlangte Hermine von der Frau zu wissen, und kurz bröckelte Narzissas Fassade. „Weil du keinen ehrlichen Knochen im Leib hast!", warf Hermine ihr zornig vor. „Dich interessiert es doch überhaupt nicht, ob ich arbeiten gehe, ob ich appariere, ob ich schlafe oder eine Pause mache!", rief Hermine wütend. „Für dich bin ich nur eine Gebärmutter auf Beinen! Ich bin die lästige Tatsache, um die du nicht herumkommst!", spuckte sie der Frau entgegen.

„Ich weiß, was ihr Leute von mir haltet! In eurem Reinblüter-Club! Dein Mann hatte eine Verfügung gegen mich erwirkt! Und ich nehme an, wenn du könntest, würdest du mich nach der Geburt direkt entmündigen, und das Kind an dich reißen!", ereiferte sich Hermine nur noch mehr.

„Ich-", begann Narzissa überfordert, aber Hermine war noch nicht fertig!

„-nein! Weißt du was?", wollte sie freudlos von der Frau wissen, und Narzissa schwieg abrupt. „Wenn du dir wenigstens einmal – nur einmal – Mühe gegeben hättest, irgendetwas über mich herauszufinden, mir nur einmal eine persönliche Frage gestellt hättest, anstatt mir deine Meinung aufzuzwängen – dann wäre es vielleicht anders gekommen!", warf sie ihr vor. „Aber das hast du nicht", schloss Hermine bitter, und ihr Atem ging unregelmäßig.

„Das… das ist nicht gerecht von dir!", erwiderte Narzissa tonlos.

„Nicht gerecht von mir?", wiederholte Hermine belustigt. „Ich bin nicht diejenige, die an sich arbeiten muss, Narzissa! Ich muss mich nicht ändern! Ich bin nicht diejenige, die ein Problem mit dem ‚Schlammblut' hat!"

„Das – ich habe überhaupt kein Problem damit!", entfuhr es Narzissa.

„Warum lügst du mich an?", wollte Hermine erschöpft wissen. „Warum bist du nicht wenigstens ehrlich?" Und Narzissa wirkte zum ersten Mal unglücklich.

„Weil… weil ich meinen Enkelsohn sehen will, wenn er geboren ist!", entfuhr es der Frau verzweifelt. „Weil… es ungerecht ist, dass Draco kein Interesse an dir hat, und ich diejenige bin, die gestraft ist! Und es ist nicht nur deine Herkunft! Es ist alles! Deine Einstellungen, deine Vorstellungen von Werten und Erziehung! Wie willst du ein vernünftiges Lebewesen erziehen bei deinen… deinen Voraussetzungen?", schloss sie aufgebracht und war ganz bleich geworden.

Aber Hermine war fast dankbar. Dankbar über diese Ehrlichkeit aus ihrem Mund, nach all den Monaten voller Lügen. Und sie nickte schließlich.

„Nur gut, dass du so einen ausgeglichenen, höflichen, beispiellos gut erzogenen Sohn hast. Vielleicht kann ich mir da ein, zwei Sachen abschauen? Schick doch deine Elfen vorbei, die mich bespitzeln, dann können sie mir vielleicht sagen, wie man einen faschistischen Reinblüter erzieht?", schlug Hermine ihr kalt vor. Narzissas Mund öffnete sich schockiert.

„Und jetzt verlass mein Grundstück, bevor ich mich vergesse!", knurrte Hermine, und Narzissa schien begriffen zu haben, dass sie ihre Chancen verspielt hatte.

Und tatsächlich passierte, womit Hermine schon nicht mehr gerechnet hatte. Narzissa ging. Es war, als hätte Hermine das Monster in die Flucht geschlagen.

Sie war ein wenig verblüfft. Und stolz auf sich selbst! Und sie war gerade so richtig in Schwung, stellte sie fest. Das sollte sie ausnutzen. Auf der Arbeit gab es hundert Idioten, denen sie noch nie die Meinung gesagt hatte!

„Was soll das heißen?", wollte Narzissa fast schon wütend von ihm wissen, während er wie ein Idiot auf der Willkommen-Matte stand.

„Erklär es mir noch mal", forderte er seine Frau gefährlich ruhig auf, die ganz klar den Verstand verloren hatte. Narzissa richtete ihre Bluse, zupfte noch mal an ihrem Rock, schob dann seinen Krawattenknoten höher, und dann betätigte sie das seltsam erleuchtete Schild, was einen Glockenklang von sich gab, der im Innern zu hören war.

„Wir werden uns mit ihnen bekannt machen. Wir werden dafür sorgen, dass wir dieses Kind zu Gesicht bekommen, komme was da wolle!", brachte sie gepresst hervor.

Lucius schüttelte nur resignierend den Kopf. Was er nicht alles tat! Für seine wahnsinnige Frau.

Ein Mann öffnete kurze Zeit später, graue, wilde Haare auf dem Kopf, eine Pfeife im Mund, die Zeitung unterm Arm, und er könnte nicht verblüffter wirken.

„Wir… kaufen nichts?", fühlte sich der Mann wohl gehalten sie zu informieren, mit einem misstrauischen Blick aus den braunen Augen, nachdem er seine und Narzissas Erscheinung gemustert hatte. Narzissa tauschte mit ihm, Lucius, einen kurzen ratlosen Blick. Lucius atmete entnervt aus. Natürlich überließ es Narzissa ihm, zu reden.

„Guten Tag, Mr. Granger." Lucius nahm einfach mal an, dass es sich bei diesem Exemplar von Muggel nicht um den Hausdiener handelte. Und es war ihm noch nicht passiert, dass jemand nicht wusste, wer er war. Und zum ersten Mal stellte er sich tatsächlich irgendwo vor. „Lucius Malfoy, und das ist meine Frau Narzissa. Verzeihen Sie, den Überfall, aber… wir wussten nicht, wie wir einen Termin mit Ihnen ausmachen sollten", informierte er den Mann in braunen Cordhosen mit ausgewählter Höflichkeit. Rauch paffte verblüfft aus der Pfeife des Mannes.

„Malfoy?", wiederholte er den Namen, als hätte er ihn schon mal gehört. Lucius wartete, bis eine Art Wiedererkennung in seinen Blick getreten war. „Das… sollte interessant werden", bemerkte er anerkennend. „Rose?", rief er über die Schulter zurück, vielleicht ein wenig schadenfroh.

„Was ist denn? Wer war das an der Tür? Wieder die Zeugen?", ertönte eine Frauenstimme aus dem Wohnzimmer. Wieder tauschte Lucius einen Blick mit Narzissa.

„Nein. Die Malfoys sind hier", antwortete er, nicht sicher, was er wohl mit dieser Information anfangen sollte.

„Wer?", kam kurze Zeit später die verständnislose Antwort, ehe die Frau ebenfalls im schmalen Korridor erschien. „Oh", schloss die Frau, als sie neben ihrem Mann stand. Sie trug eine verwaschene Jeans und eine über Bauch geknotete helle Bluse. Lucius stellte fest, er und Narzissa waren entschieden overdressed. Wunderbar.

„Ähm", begann die Frau ratlos und räusperte sich. „Ich nehme an, Sie… wollen reinkommen?" Es klang nicht wie eine Einladung, aber mehr brauchte Narzissa auch nicht.

„Gerne, vielen Dank", sagte sie mit einem falschen Lächeln. Lucius nahm an, es würde unangenehm werden. Schon standen sie im engen Flur des kleinen Hauses. „Sie haben ein wunderschönes Haus!" Narzissa hatte viele Persönlichkeiten, Lucius gab es zu. Und überrascht sah er sich im engen Flur um. Dieses falsche Kompliment wäre ihm nun nicht unbedingt als erstes in den Sinn gekommen.

„Danke", erwiderte Mrs Granger verwirrt. „Geben Sie mir Ihre Mäntel", sagte Mrs Granger kopfschüttelnd. „Tee?"

„Tee wäre herrlich", bestätigte Narzissa und folgte Mrs Granger. Für Lucius war es schon ein seltsames Konzept, einem Menschen seinen Mantel zu geben. Er sah sich verstohlen um, aber kein einziger Elf erschien aus dem Nichts. Wie kamen Muggel nur zurecht? Mr. Granger bedeutete Lucius ebenfalls ins Wohnzimmer zu gehen. Alles hier war winzig klein. Er kam sich fast vor wie ein Riese.

Und keine Minute später saßen sie auf einer sehr bunten Couch. Sie war gerade groß genug für zwei. Scheinbar hatten die Grangers den Tee schon beendet, denn zwei leere Tassen standen auf dem Tisch, aber Lucius hörte bereits den Teekessel aus einiger Entfernung wieder leise pfeifen.

Mr. Granger paffte noch einen Zug aus seiner Pfeife, und stumm saßen sie zu dritt im Wohnzimmer. Lucius Blick war auf eine schwarze, rechteckige Scheibe gefallen, die seltsam präsent auf einem Wagen im Wohnzimmer stand. Er hatte das Gefühl, die Einrichtung war auf diese schwarze Scheibe ausgerichtet.

War es Kunst? Er legte den Kopf etwas schräg, und erkannte sich und Narzissa in der Spiegelung. Schlichte Kunst, vielleicht? Narzissa neben ihm lächelte unentwegt, ließ den Blick ebenfalls schweifen.

Ein paar Bücherregale, ein Esstisch mit vier Stühlen, eine weitere Couch – und das war das Wohnzimmer gewesen. Lucius erkannte eine ähnliche Kunst wie das schwarze Fenster auf dem Esstisch. Es war ein kleineres schwarzes Fenster. Es stand scheinbar aufgeklappt, aber er konnte die untere Seite nicht wirklich ausmachen. Kleine Plättchen sammelten sich vor der kleineren schwarzen Scheibe.

Er nahm an, es handelte sich um Muggelgeräte. Merlin, er hatte keine Ahnung. Er beschloss, den Blick wieder auf Mr. Granger zu richten. Ihm fiel auf, wie befremdlich er sie betrachtete, die Pfeife immer noch schief im Mund. Die dunklen Augen erinnerten Lucius an seine Tochter.

Endlich kam seine Frau zurück, vier Tassen auf dem Tablett und setzte sich neben ihren Mann auf die andere Couch, nachdem sie die Tassen verteilt hatte. Lucius erkannte den Geruch von Earl Grey und fühlte sich zumindest ein wenig an Zuhause erinnert.

„Warum sind Sie hier?", begann nun Mrs Granger das Gespräch. Sie hatte den Blick wachsam auf ihn gerichtet. Vielleicht kam ihr Narzissa zu übertrieben freundlich vor. Lucius konnte das nachvollziehen. Um liebsten hätte er seine Frau in die Seite geknufft.

„Es… es geht um die Schwangerschaft ihrer Tochter", sagte er einfach, was nicht schön zu reden war.

„Das haben wir angenommen", mischte sich Mr. Granger mit sanftem Spott ein.

Lucius war sich nicht sicher, ob er sich angegriffen fühlen musste. Merlin, er war sich nicht mal sicher, ob sie hier überhaupt sein sollten.

„Meiner Frau ist es ein Anliegen-", aber er unterbrach sich knapp. „Mir und meiner Frau ist es ein Anliegen, dass…" Und er wusste nicht, wie er es sagen sollte. Diese Leute wirkten nicht besonders angetan von ihrem Auftauchen, und letztendlich wäre es für ihn, Lucius, auch kein Problem, diese Sache – diese Schwangerschaft – zu ignorieren, wenn es denn nicht anders ging. Dann würden sie ein Tuch über den Stammbaum hängen, und damit wäre diese Sache vorüber. Aber Narzissa wandte langsam den Blick, und hinter ihrer aufgesetzten Freundlichkeit erkannte er sehr wohl die Verzweiflung.

Und sie hatte ihm gesagt, über die Tochter kämen sie nicht weiter. Und wenn sie das Kind zu sehen bekäme, dann nur über die Eltern von Hermine Granger, weshalb eine Bindung aufgebaut werden müsste. Am liebsten hätte er aufgestöhnt. Und Narzissa hatte ihm geraten, zu lügen, höflich zu sein – so wie er es auf seiner Arbeit und im Umgang mit Teresa Zabini gewöhnt war, aber er nahm nicht an, dass das der richtige Weg war.

„Unsere Kinder können sich nicht leiden", sagte er also schlicht, und Narzissa Kopf schoss zu ihm herum.

„Lucius! Das ist wohl etwas hart ausgedrückt! Draco hat-"

„-sie können sich wirklich nicht leiden", beharrte Lucius auf seiner Aussage, und er konnte es verstehen. Wirklich verstehen.

„Das ist uns zu Ohren gekommen", sagte Mrs Granger, ehe Mr. Granger seinen Spott in den Augen in adäquate Worte hatte fassen können.

„Meine Frau hat versucht, zu Ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen, ihr klarzumachen, wie gerne wir ein Teil im Leben ihres Sohnes sein möchten, und nicht nur durch die finanzielle Unterstützung", schloss er, so sachlich er konnte.

„Hermine hat uns von dem ersten Termin erzählt", räumte Mrs Granger nachdenklich ein.

„Von wie viel Geld sprechen wir eigentlich?", mischte sich Mr. Granger interessehalber ein.

„George", entfuhr es seiner Frau gepresst.

„Was denn? Man darf doch fragen?", rechtfertigte er sich paffend.

„Der Betrag des Unterhalts, den wir erstritten haben, beläuft sich auf 40 Millionen Galleonen. Das ist allerdings nur der Schadensersatz den wir verlangt haben", bemerkte Lucius. Die Grangers sahen ihn verblüfft an.

„Ist eure Währung in der Umrechnung zu Pfund eher geringer im Wert, oder…?" Mr. Granger schien den Wert nicht ganz begreifen zu können, aber Lucius schüttelte den Kopf.

„Unsere Währung sind Abstufungen von Gold, wohingegen Pfundnoten sich dem Wert von Kupfererz und Sterling Silber beugen, nicht wahr?" Lucius kannte sich mit Muggeln nicht aus, aber Währungen waren etwas, mit denen selbst er etwas anfangen konnte.

„Ach was?" Das schien für Mr. Granger völlig neue Dimensionen zu eröffnen. Narzissa war durchaus gelangweilt von diesem Gespräch.

„Was heißt das, Schadensersatz?", mischte sich Mrs Granger ein. Lucius antwortete, ehe Narzissa es unbedarft tat.

„Draco ist der Vater des Kindes, was ihn mit dem Unterhalt belastet. Und… nun, da es sich hierbei um eine… unverschuldete Schwangerschaft handelt… stand uns ein Schadensersatz zu."

„Hermine sagt uns, sie will nichts von Ihrer Familie annehmen", erwiderte Mrs Granger streng.

„Das ist sehr löblich", entschied Lucius zu erwidern, „aber durchaus unnötig", schloss er dann mit ernstem Blick.

„Wir zahlen gern!", sagte Narzissa sofort. „Sehr gerne!"

„Damit Sie das Kind sehen können?", schloss Mrs Granger sofort und fixierte Narzissa schließlich. Diese tauschte wiederum mit ihm einen unsicheren Blick.

„Wir wollen nicht… dafür bezahlen, dass wir es sehen können!", versuchte es Narzissa erneut. „Wir… wollen es einfach sehen", endete sie stiller. Und Mr. Granger kratzte sich verblüfft am Hinterkopf.

„Wenn Ihr Sohn der Vater ist, dann… besteht doch kein Problem, oder nicht?", wollte er wissen, und wieder sah Narzissa ihn unglücklich an.

„Draco wird ablehnen", antwortete Lucius ruhig.

„Was wird er ablehnen?", wollte Mrs Granger wissen, aber Lucius stellte fest, dass die Tochter der Grangers ebenfalls nicht besonders erpicht darauf war, ein Gespräch mit ihren Eltern über den Ablauf der Dinge zu führen.

„Die Rechte der Vaterschaft."

„So was ist möglich?", entfuhr es Mrs Granger ungläubig.

„Sicher. Es war eine unverschuldete Schwangerschaft", wiederholte Lucius erneut. „Und natürlich besteht – unter beiderseitigem Beschluss – die Möglichkeit, ein Elternteil auszuschließen." Merlin, Lucius kam sich vor, wie bei besonders unangenehmen Geschäftsverhandlungen.

„Er will nichts mit dem Kind zu tun haben", fasste Mr. Granger zusammen.

„Ja", bestätigte Lucius, und Narzissa schoss ihm einen bösen Blick zu.

„Weil wir Muggel sind?", erkundigte sich Mrs Granger und betonte das Wort äußerst abfällig. Er sah aus den Augenwinkeln, wie Narzissa die Augen schloss, aber Lucius schüttelte den Kopf.

„Nein, das ist tatsächlich nicht der Grund", widersprach Lucius. „Unser Sohn hält nichts von Verantwortung, die er übernehmen muss, und-"

„-Lucius!", rief Narzissa empört, aber Lucius ließ sich nicht beirren.

„Und er wird niemals mehr tun als das, was er muss", endete er bitter. „Für ihn ist diese Schwangerschaft… ein Ärgernis – aber… das wäre wohl jede Schwangerschaft für ihn."

Die Grangers sahen sie an.

„Für uns nicht!", beteuerte Narzissa sofort. „Wir wollen einen Enkel! Wir wollen einen!", wiederholte sie gepresst.

„Und was wollen Sie von uns?", fragte Mr. Granger schließlich, und Narzissa rutschte bis an die Kante der Couch.

„Bitte, reden Sie mit Ihrer Tochter. Ich habe alles versucht, damit wir uns besser verstehen, damit wir uns näher kommen! Ich will nicht viel. Ich würde einfach nur gerne… teilhaben", flehte Narzissa nun praktisch. Lucius nahm an, Narzissa hatte bei weitem noch nicht alles getan. Aber er wusste auch, wie schwer sich Narzissa tat. Und Narzissa versuchte es über die Mitleidstour. „Und… wenigstens zu seinem Geburtstag würden wir ihn so gerne sehen!"

Und Mrs Granger atmete aus. „Ach, du meine Güte! Hermine wird nicht so kaltherzig sein! Wieso sollten Sie Ihren Enkelsohn nicht sehen?", fragte sie Narzissa kopfschüttelnd. Aber Lucius musste unwillkürlich freudlos lächeln.

„Weil Ihre Tochter uns auch nicht leiden kann", schloss er kopfschüttelnd. Mr. Granger musste tatsächlich grinsen.

„Sagen Sie, sind Sie so was wie die Bösewichte der Zauberer?", wollte Mr. Granger fast amüsiert wissen, uns Narzissas Mund klappte auf. Lucius runzelte die Stirn.

„Nein!", beteuerte Narzissa. „Nein, wir sind keine… Bösewichte!", rief sie aus.

„Sagen wir einfach, wir und Ihre Tochter standen auf recht verschiedenen Seiten", schloss Lucius knapp.

„Und das tun Sie nicht mehr?", wollte Mrs Granger wissen.

„Nein. Der Krieg ist vorbei. Wir…" Er unterbrach sich, atmete langsam aus. „Sicher ist es nicht einfach!", sagte Lucius jetzt entnervt. „Aber…"

„Aber ein Kind von zwei verschiedenen Enden der Gesellschaft ändert die Dinge jetzt?", wollte Mrs Granger herausfordernd wissen, und Narzissa nickte überstürzt.

„Ja! Das tut es!"

Lucius atmete aus. Er erwartete schon, dass sie nun vom Hof gejagt wurden. Aber… einen Hof gab es nicht. Es gab einen kleinen Vorgarten. Vielleicht konnten sie von dem gejagt werden?

„Wir würden Ihrer Tochter nichts verweigern. Sie kann sich alles von uns wünschen, was Ihr Herz begehrt. Wir würden weder Kosten, noch Mühen scheuen, unserem Enkelkind alles zu geben, was es braucht", sagte Lucius jetzt. Kurz fing er Narzissas Blick auf, aber sie konnten nicht alles nur über das Kind verhandeln. Sie mussten die Mutter akzeptieren. Sie gehörte dazu. „Auch wenn unser Sohn die Verantwortung ablehnt. Wir würden sie gerne übernehmen", schloss er ernst.

„Sie wollen Hermine kaufen?", folgerte Mrs Granger schließlich.

„Nein!", widersprach Narzissa, ehe er es tun konnte. „Wir wollen…, dass sie und das Kind sich wohlfühlen!" Und zum ersten Mal war Narzissa wieder sie selbst, stellte er beruhigt fest. „Wir wollen einfach nur eine Chance", entfuhr es Narzissa müde. „Nur eine Chance!"

Mrs Granger tauschte mit ihrem Mann einen Blick, und dieser zuckte offen mit den Achseln. Dann atmete die Frau resignierend aus.

„Mein Name ist Rose", stellte sie sich schließlich freundlicher vor. „Das ist mein Mann George", fuhr sie fort. „Wissen Sie, wir haben nicht die Hälfte von dem verstanden, was uns Hermine erzählt. Und glauben Sie mir, ich war von vornherein gegen diese magische was-weiß-ich Prozedur gewesen!", fuhr sie mit erhobenen Brauen fort. „Und ich finde, es ist wie eine gute Fügung – oder vielleicht aus Hermines Sicht eine schlechte – dass zu dem Kind, was sie bekommen wird, nun doch ein Vater passt, der nicht unbekannt aus einem Katalog ausgesucht wurde."

Narzissa hatte neben ihm den Atem angehalten.

„Aber meine Tochter hat uns vor zwei Monaten ihren neuen Freund vorgestellt. Und ich weiß nicht, wie es alles noch zusammen passen soll, wenn-"

„-vergessen Sie unseren Sohn", unterbrach Lucius die Frau schließlich. Narzissa sah ihn bestürzt an. „Er hat kein Interesse an dieser Verbindung, aber wir haben das", beteuerte er sanft. „Ihre Tochter kann gerne einen anderen Mann heiraten, Mrs Granger. Dieser Mann kann gerne das Kind adoptieren, wenn er möchte. Wir wollen…" Und es behagte ihm nicht, bei anderen Leuten zu betteln, aber Narzissa schien endlich auf die magischen Zauberworte gekommen zu sein.

„Aber wir wollen Großeltern sein", sagte sie leise, und Mrs Granger schien aufzutauen.

„Meine Güte, als ob Sie uns um Erlaubnis fragen müssen!", bemerkte Mrs Granger peinlich berührt. „Sie sind doch ohnehin Großeltern. Und wir sind Großeltern!", schien ihr einzufallen. „Und ich sehe kein Problem darin, wenn wir eine Einheit bilden, nicht wahr, George?" Aber Mr. Granger hatte mittlerweile seine Zeitung aufgeschlagen.

„Sicher", bestätigte er lächelnd. „Wenn Hermine uns dann nicht auch noch aus ihrem Leben streicht, wo sollte das Problem sein?", wollte er spöttisch wissen, und Lucius nahm an, das war wohl etwas, was passieren könnte, würde Miss Granger von dieser neuen Verbindung erfahren. Und dann hob Mr. Granger den Blick zu Lucius' Gesicht. „Wie schwer war dieser Gang für Sie zwei wirklich?", erkundigte sich, echtes Interesse auf den Zügen.

Und Lucius Mundwinkel entspannten sich, während er sich auf der hässlichen Couch zurücklehnte und endlich nach seinem kalten Tee griff.

„Es war der schwerste Gang unseres Leben", gab er schlicht zu. Der Tee war kalt, stellte er mit spitzen Lippen fest. „Sagen Sie", begann er langsam, „haben Sie etwas Stärkeres als das?"

Und er und Mr. Granger tauschten einen Blick. Und es war ein Blick des Einverständnisses.

Er hörte Mrs Granger unterdrückt aufstöhnen.

„Lucius, nicht wahr?", vergewisserte sich Mr. Granger mit erhobener Braue, und Lucius nickte. „Kennen Sie sich mit schottischem Whiskey aus?", wollte er wissen, als handele es sich um eine Fangfrage.

„Oh Merlin", entfuhr es Narzissa kopfschüttelnd. Die Herren erhoben sich gleichzeitig.

„Was haben Sie anzubieten? Single Malt, Single Grain oder Blended? Dann sage ich Ihnen, ob er gut ist oder nicht", bemerkte Lucius, und Mr. Granger lächelte versonnen. Es war eine Sprache, die scheinbar kulturübergreifend war. Die Sprache des Whiskeys. Aber Lucius entgingen die Worte seiner Frau nicht.

„Männer", brachte sie gepresst hervor. „Ich hasse Whiskey", murmelte Narzissa.

„Ja", bestätigte Mrs Granger knapp. „Ich auch, ich auch."

Er und Mr. Granger verließen das Wohnzimmer, um zu einer Vitrine in einem anderen Zimmer zu gelangen. „Und ist… ist das Ihre echte Haarfarbe oder… ist das gefärbt?", erkundigte sich der Mann vor ihm mit echtem Interesse, als er die Glastüren öffnete um eine sehr kleine Flasche Macallan hervorzuholen. Lucius bevorzugte Macallan persönlich. Allerdings nahm er nicht an, dass es sich bei Mr. Grangers Macallan um einen sonderlich teuren Jahrgang handeln konnte. Aber er schätzte den Geschmack des Mannes. Und allein deshalb beschloss Lucius, diese Frage einfach überhört zu haben.