21 Fighting

Als die Eule endlich kam, war sie auf dem Sofa am hinwegdösen gewesen, taub vor Schmerzen und Ausgelaugtheit, aber das Gerappel der Klauen des Vogels auf dem Fenster riss das dünne Gewebe der Träume hinweg und sie saß abrupt auf und stöhnte, als der Schmerz wie ein elektrischer Schlag durch ihren Körper fuhr. Severus war schon aufgestanden um das Fenster zu öffnen, aber als er das gemurmelte Geräusch des Schmerzen hörte, drehte er sich zu ihr um und gab ihr einen durchdringenden Blick.

„Mir geht es gut", flüsterte sie, aber ihre fiebernden Augen und ihr blasses Gesicht erzählten eine andere Geschichte. Lass es rein. Ich muss wissen, was sich ereignet hat. Er sah die Anspannung in ihrer schmalen Figur, die Angst vor dem, was sie bald herausfinden würde und das Bedürfnis sicher zu sein. Er wollte ihr sagen, dass .. was auch immer den Familien geschehen war .. nicht ihre Schuld war. Das sie getan hatte, was möglich war, und dass sich selber fertig zu machen keine Lösung war. Aber dann erinnerte er sich, dass Phrasen wie diese ... normalerweise von einem besorgten Albus ausgesprochen... ihm nicht ein bisschen geholfen hatten und er blieb stumm.

Der Brief, der an den Fuß der Eule gebunden war, bestand nur aus zwei kurzen Sätzen:

Sie sind zurück. Ich bin in meinem Büro.

Er reichte das schmale Stück Pergament zu Hermine herüber, und ging zum Kamin hinüber. In dem Moment waren die Flammen grün geworden, das geisterhafte Gesicht von Albus Dumbledore erschien in den Flammen und suchte den Raum sofort nach Hermine ab.

„Da sind Sie ja meine Liebe", grüßte er sie, jedoch ohne seine normale Fröhlichkeit in seiner Stimme. „Ich gehe davon aus, dass es Ihnen gut geht?"

„Recht gut Schulleiter, danke Ihnen", antwortete sie ruhig. „Was berichtet das Rettungsteam?"

Severus kannte sie mittlerweile gut genug, um die Spannung in ihrem schmalen Körper zu bemerken, die Panik, die unter der Oberfläche kochte, aber für Albus schien ihr Gesicht nicht anders als abgeklärt ruhig. Der alte Mann hatte sich immer zu sehr auf seine Legilimentikfähigkeiten verlassen, und sie war wahrscheinlich selbst jetzt noch geschäftig dabei, Bilder der Ruhe in den Vordergrund ihres Geistes zu projizieren.

Lüge sie an, bitte! Sie muss die Wahrheit jetzt nicht wissen, fand sich Severus fieberhaft denkend vor, aber offensichtlich dehnte sich die sonst so legendäre Sensibilität nicht auf Mädchenspione aus.

„Sie waren in der Lage zwei Familien zu warnen und vor den Attacken zu evakuieren. Leider kamen sie zu spät um die Hollins Familie zu retten. Als sie ihr Haus erreichten, schwebte das dunkle Mal schon über ihrem Haus. Sie waren gefoltert und dann lebend verbrannt worden", erzählte er in einer müden Stimme. „Die Kinder waren schon tot, als sie sie gefunden hatten, die Mutter und der Vater überlebten nur noch eine weitere Stunde. Es tut mir leid, dass ich Dir keine besseren Neuigkeiten geben kann meine Liebe..."

„Nein, ist schon gut Schulleiter", antwortete sie schwach. „Ich bin sicher, dass Sie alle ihr bestes gegeben haben."

Er sah wie sie blass wurde und sich in ihrem Geist zu einem schmalen, sicheren Ball zusammen zog. Aber Albus konnte ihre Augen nicht sehen, und wusste nicht, wie Neuigkeiten wie diese sich anfühlten. Sie hielt ihn gut genug zum Narren. Und irgendwie bemerkte er mit Ehrfurcht, dass ihr sogar ein winziges Lächeln gelang.

Nein... es ist nicht in Ordnung, Albus!, dachte er wütend, während er den Ausdruck der nahen Erleichterung des Schulleiters beobachtete . Du lügst das Pottergör fast die ganze Zeit an – warum kannst Du Deinen Überbeschützungsinstinkt nicht mal auf die erweitern, die ihn wirklich brauchen. Nur der enge Griff über seine eigenen Emotionen hielt ihn vom ärgerlichen Knurren ab.

Anstelle dessen übernahm er die Konversation mit Albus, erlaubte ihr, sich in sich zurück zu ziehen. Nachdem er dem Schulleiter eine gute Nacht gewünscht hatte und die Feuerverbindung geschlossen hatte, drehte er sich zu ihr, nur um sie tief in ihr Kissen gedrückt vorzufinden, das Laken bis zu ihrem Kinn hochgezogen.

„Ich denke ich werde nun schlafen", sagte sie, ihre Stimme so kalt, genau so, wie sie das erste Mal mit ihm im Büro des Schulleiters gesprochen hatte.

Er versuchte an etwas zu denken, dass sie aus ihrer Schale aus Eis herausreißen könnte, nach etwas, das helfen würde, aber ihre Augen sagten, dass das nichts war, was sie im Augenblick wünschte, und so wünschte er ihr einfach nur eine gute Nacht, sagte ihr, dass er seine Tür offen lassen würde, so dass sie nur nach ihm rufen könnte, und zog sich nach oben zurück

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Sie trafen sich am nächsten Morgen beim Frühstück. Hermine hatte bis zum Morgengrauen wach gelegen, der Schmerz pochte in ihrem Bein, und sie dachte an die Leute, die gestorben waren, weil sie nicht schnell genug gewesen war. Die Kinder.

Sie hatte genug entsetzliche Vorstellungen gesehen, um zu wissen, was sie vor ihrem Tod ertragen hatten. Es schien etwas in den Kindern zu sein - vielleicht ihre Unschuld, vielleicht ihre tiefe und ihre uneingeschränkte Furcht – das die Todesser stets erregte. Sie würden meistens ihr bestes oder, gegeben der Perspektive, ihr schlimmstes bei den Kleinen geben.

Vor ihrem inneren Auge blitzten Bilder von gebrochenen Knochen, zerrissenen und verstümmelten Körpern , Wunden, die wie weit aufgerissene Münder weit aufklafften, und Gesichter auf, die vor Terror und Schmerz verzogen waren.

Sie hatte an ihnen Versagt.

Und, egal was sie tat, sie würde immer versagen die zu beschützen, die es brauchten. Sie war einfach nicht schnell denkend genug gewesen, zu langsam und hilflos gegen eine Organisation, die so brillant und skrupellos war, dass es ihr immer noch den Atem verschlug, obwohl sie schon seit Monaten ein Teil davon war.

Sie waren so viele, mit all den neuen Mitgliedern, die wöchentlich beitraten, und sie war alleine. Selbst Severus, obwohl er so brillant war, konnte ihr dort nicht helfen.

Sie erinnerte sich, wie sie unter falscher Lust unter Lucius Körper gestöhnt hatte, wie sie sich unter den Flüchen und Zaubern von unzähligen Zauberstäben gewunden hatte, während sie in ihrem Geist die schwarzen Figuren stille, schlafende Häuser umschließen sah, eine Attacke vorbereitend, vor der sie hilflos war sie zu warnen.

Wäre Hermine noch jemand gewesen, der immer noch weinen konnte, nachdem, was sie alles gesehen und ertragen hatte, hätte sie das nun so getan, in der Dunkelheit der Bibliothek. Aber sie konnte nicht weinen.

Anstelle dessen starrte sie stundenlang in die Nacht, ihre trockenen Augen so brennend, dass keine Nässe sie jemals löschen könnte. So gegen Morgengrauen bemerkte sie, dass der Schmerz in ihrem Bein abgenommen hatte, und als sie ihre Hand hob und einen kurzen Spruch wisperte, sah sie in dem Licht, dass von ihrer Handfläche schoss, dass ihr Bein nun in Ordnung zu sein schien. Immer noch geschunden und in bestückt mit einer eher eindrucksvollen Auswahl von Farben, aber auf alle Fälle war ein Knochen vorhanden.

Sie seufzte vor Erleichterung, schwang ihre Beine vom Sofa herunter und stieg, den Schmerz, der bei jedem Schritt durch sie hindurch schoss, ignorierend die Treppe zu ihrem Raum hinauf. Sie brauchte eine Dusche.

Severus auf der anderen Seite, hatte erstaunlich gut geschlafen, wenn man die Tatsache bedachte, dass er – zum ersten Mal in zwanzig Jahren die Tür zu seinem Schlafzimmer offen gelassen hatte, ohne Banne und ohne einen Schweigezauber. Er weigerte sich über die Folgen von einem ungestörten Schlafes nachzudenken, aber er konnte ein schiefes Grinsen nicht unterdrücken, als sein Magen in Erwartung eines Frühstücke ein Knurren von sich gab.

Auf jeden Fall. Du wirst schwach, Severus!

Wie auch immer, das Grinsen verschwand, als er das Sofa, auf dem Hermine geschlafen hatte, leer vorfand. Schnelle Schritte brachten ihn zurück auf das obere Stockwerk, wo er sein Ohr gegen das dicke Holz ihrer Tür presste. Er entspannte sich sichtlich, als das murmelnde Geräusch einer Dusche seine Ohren erreichte.

Sie war die Nacht zuvor nicht in der Lage gewesen eine Dusche zu nehmen, und er verstand, dass das sich reinigen nach den Treffen zu einem Ritual für sie geworden war. Eine Methode, um den Dreck und die Schmerzen, die Grausamkeit hinweg zu waschen. Duschen bedeute mehr für sie, als einfach nur sauber zu werden. Es bedeutete...

Was für ein Psychologe bist Du doch geworden.

Frühstück ist in einer halben Stunde", rief er, und glaubte, dass er eine Rückmeldung von ihr bekommen hatte.

Während er das Essen vorbereitete, grübelte er über ihren Gemütszustand nach. Wie sollte er sie heute behandeln? Sie würde depressiv sein, sich selber für alles und jedes die Schuld geben. Willens, alles hinweg zu werfen, was sie für erreicht hatte für die Leben der „armen Kinder".

Nicht verstehend, dass ihre Arbeit viel mehr wert war, als das Überleben dieser Familie.

Er hatte gelernt diesen unzähligen Körpern keine Gesichter zu geben, nicht in ihrem Leiden zu verweilen, sondern sich auf den Job zu konzentrieren, der getan werden musste. Mitleid half normalerweise keinem weiter. Es hinterließ einen nur niedergeschlagen und ineffektiv.

Er bevorzugte diese Gedankenführung gegenüber Albus ständigem Verständnis oder Remus niedergeschlagenem Schweigen.

Sich zu sorgen brachte einem nur Ärger. Er wusste, dass seine Schüler dagegen argumentieren würden. Und genau so würde es auch Hermine. Er beobachtete während dem Frühstücks, ihre müden, roten Augen, ihr zu einer dünnen Linie zusammengepressten Mund, ihren zuckenden Kiefermuskeln. Sie sagte wenig und aß noch weniger. Es war offensichtlich, dass sie sich selber bestrafte. Und sie hatte ihm erzählt, dass sie nicht aufhören wollte sich zu sorgen? Aber das war lächerlich!

Ihr zuliebe hatte er den Albus- Weg versucht, versuchte sie zum reden zu überreden, hatte ihr sogar Schokolade angeboten. Aber nichts taute sie auf. Nun, er hatte noch nie verstanden, wie in einer Tasse heißer Flüssigkeit Erlösung liegen konnte.

Er versuchte es wirklich, aber als sie nach dem Frühstück aufstand um zu gehen, verließ ihn seine Geduld endgültig.

Es geschah mit einer gewissen Erleichterung, als er zurück in die Rolle von Snape schlüpfte, des giftigen Zaubertrankmeisters.

Oh zum Himmel nochmal. Hör endlich auf Dich im Mitleid zu suhlen! Du bist fast schon so schlimm, wie der Junge- der- heute wimmert", grollte er und ihr Kopf fuhr herum und sie starrte ihn in ungläubig an.

Nun, wenigstens habe ich nun ihre Aufmerksamkeit, grinste er, machte eine Handbewegung zu einem Stuhl und fuhr dann in einer marginal leiseren Stimme fort. „Da ist nichts, was Du hättest tun können um sie aufzuhalten. Da wird immer Tod, Schmerz und Leid um Dich herum sein. Schuld, Selbstvorwürfe und Gram machen Dich schwach, sie werden Dir Deine Energie entziehen. Aber wenn Du Deine Emotionen richtig kanalisierst, können sie zu einer treibenden Kraft werden, etwas was Dir Kraft und Stärke und Entschlossenheit."

Während er sprach war sie in ihrem Sessel wieder zusammengesunken, während ihre Augen sein Gesicht nie verließen. Als er nun ihre Augen traf, erwartete er Niedergeschlagenheit, Wut oder Verletzung. Er sollte es besser gewusst haben, als eine normale Reaktion von ihr zu erwarten.

Anstelle dessen dämmerten Verständnis und Faszination auf ihrem Gesicht. Also darum ist das so", flüsterte sie, während sich ihre abgespannten Züge vor Interesse entspannten.

„Wie bitte?"

Wovon redete sie nun?

„Das ist es, warum Du immer so wütend warst. Nicht war?", fragte sie mit Genugtuung in ihrer Stimme. Er kannte den Ton von den perfekten Antworten zu den schwierigsten Fragen in dem Klassenraum. „Du benutzt Deinen Ärger um Dich am weitergehen zu halten, und das war, warum Du immer so verärgert gewirkt hast! Ich habe mich immer gewundert, warum jemand so kontrolliertes wie Du die Schüler so anfauchen würde, aber wenn Du wütend werden wolltest..."

Du bist einfach zu clever für Dein eigenes Wohl, Hermine! Severus war nun sehr geneigt, sie für diesen Einblick an zu fahren, aber er konnte sie nicht dafür verantwortlich machen, wenn sie seine Theorien aufgriff. Er wusste nicht, ob er ihre „Antwort" zu der schwierigen Frage, von Severus Snape mochte, aber wenigstens hatte sie nun wieder ein bisschen Leben in sich drin.

„Wut kann ein mächtiges Werkzeug sein, aber es muss kein Ärger sein", ging er unwillig in die Rolle eines Lehrers über. „Dumbledore glaubt, dass Liebe die stärkste Emotion ist. In der Tat vergeht kein Tag, ohne dass er diesen Glauben in seinen Wunderjungen hineintrichtert. Nur Du selber kannst wissen, was die Kraft ist, die Dich vorwärts treibt. Aber Du musst diese in Deine Stärke umwandeln, dieser nicht erlauben, dass sie zu einer Schwäche wird. Wenn Du wütend mit Dir selber bist, wird das nichts ändern. Wenn Du mit denen wütend bist, die wirklich für den Tod von diesen Leuten verantwortlich sind, kannst Du die Welt aus den Angeln heben."

Sie nickte langsam, ganz so, als ob sie versuchen würde ein theoretisches Problem anzufassen.

„Das was Du mir sagen willst, ist das ich nicht aufhören muss mich zu sorgen", sagte sie, versuchend aus den Gedanken Worte zu machen, die ihren Geist in Flammen setzten. „Ich muss nur das passive Gefühl in eine aktive Kraft umwandeln."

„Du kannst das in dieser Art ausdrücken." Er hatte es nie und war eher erstaunt von diesem Winkel, aber er würde ihr das sicher nicht sagen.

Schweigen herrschte, während sie wiederum langsam nickte. Er stellte sich vor, wie sie diese Information weg heftete, sie in einen Teil ihres Geistes abspeicherte, wie er es immer tat. Aber sie war noch nicht fertig mit ihm.

„Warum ist es bei Dir Ärger?", fragte sie ruhig, wissend, dass sie gerade jetzt eine Grenze überschritten hatte, aber hatte trotzdem gefragt.

Er hatte nur eine wissende Augenbraue gehoben und sie senkte ihren Kopf, akzeptierte sein Schweigen und entschuldigte sich schweigend zur selben Zeit.

„Ich denke es wäre heute Zeit mit der etwas mehr ... vorbeugenden Seite unseres Verständnisses zu beginnen", sagte er schließlich. Er hoffte das dieses die richtige Sache zu dieser Zeit war, aber er hatte schon für seinen Geschmack zu lange gewartet.

„Was meinst Du?"

„Ich meine unseren Unterricht, Hermine."

„Wir reden hier nicht über Okklumentik oder?", fragte sie, Misstrauen ließ ihre Stimme kalt und vorsichtig werden.

Er seufzte ungeduldig bei ihrer Starrköpfigkeit.

„Nein, tun wir nicht", antwortete er. „Du bist genau so in Okklumentik bewandert, wie ich es bin. Ich könnte Dich nicht unterrichten, selbst wenn ich es wollte. Noch brauchst Du Training in dem eher konventionellen Aspekt der Tränke, Zauber und Verwandlungen. Was Du lernen musst, sind Dinge, die Du in keinem Buch finden kannst, oder in keinem Stundenplan."

„Was meinst Du?" Was willst Du das ich lerne?"

Richtig, dachte er, nun sind wir da. Er hoffte nur, dass sie die Notwendigkeit davon einsah.

„Die Kunst der Manipulation", antwortete er. „ Wie man die Anderen kontrollieren kann, ohne sie es merken lassen. Wie Du sie von Dir abhängig machst. Wie Du Wissen erwirbst und wie Du es benutzt. Wie Du mit allem kämpfst, was Du hast."

„Aber ich weiß von diesen Dingen", protestierte sie und er grinste bei ihrem erregten Ton. Es war ein Zeichen davon, wie weit er mit ihr gekommen war, dass sie es ihrer Maske der Gleichgültigkeit in seiner Gegenwart erlaubte zu entgleiten. Dumbledore hätte nur kaltes Amüsement getroffen, aber bei ihm klang sie fast schon mürrisch.

„Immerhin habe ich Lucius Malfoy dazu gebracht das zu tun, was ich wollte, oder?"

„Wir reden hier über Raffinesse, Hermine", sagte er trocken, und dann, plötzlich „Wusstest Du, dass Averys Mutter ein Schlammblut ist?"

„Nein, wusste ich nicht... Weiß es der Dunkle Lord...?"

„Darüber wissen? Natürlich nicht. Avery hat sie verborgen, sobald die Todesser zustande kamen. Sie ist nun schon seit Jahrzehnten in der Versenkung. Ich bin einer von den wenigen Menschen, die wissen wo."

„Wie hast Du das herausgefunden?"

„Anders als Du, war ich als Gleichgestellter in ihren Kreis aufgenommen worden. Das machte mich anfällig für Informationen, die Du nie alleine bekommen würdest. Sie haben mir vertraut. Ich war ihr Freund. Da gibt es nicht viel, was Du vor einem Freund verbergen kannst, vor allem nicht vor einem so guten Zuhörer wie Deinem unterwürfigen Diener. Ich habe Stück für Stück ihre dreckigen kleinen Geheimnisse gesammelt und aus ihnen einen Berg gebaut. Da gibt es nicht viel, was ich nicht weiß, oder wenigstens war da etwas."

„Also möchtest Du mir das, was Du über die Todesser weißt beibringen?"

„Unter anderem", stimmte er zu. „Aber das ist nicht das wichtigste, dass Du lernen musst. Meine größte Aufgabe ist zu helfen, dass Du das wirst, was Du schon bist."

Sie rollte nur ihre Augen. „Oh bitte", stöhnte sie. „Gib mir bitte nicht dieses Yoda – Gespräch!"

Dank Minervas unendlichen Zusammenfassungen von Muggelfilmen konnte er diesen Kommentar einordnen und grinste sie an. Aber nur für einen Moment.

„Du hast unglaubliche Talente, Hermine", sagte er ruhig. „Und Du bist ein Spion. Aber Du versuchst immer noch in einer verdrehten Art normal zu bleiben, versuchst bei den Schülern dieser Schule hinein zu passen. Das kannst Du nicht. Du bist eine lodernde Flamme, während die anderen, wenn überhaupt, nur flackernde Kerzen sind. Das musst Du akzeptieren. Und Du musst aufhören nach Kameradschaft und Verständnis unter ihnen zu suchen."

Er stellte das Reden ein um seine Worte hineinsinken zu lassen. Braune Augen waren in einem wortlosen Starren auf sein Gesicht fixiert. Das war grausam für sie. Er wusste, wie sehr sie es von Anfang an versucht hatte. Immer schon, seit ihrem ersten Schuljahr, hatte sie versucht hinein zu passen, Freunde zu machen, in jeder Art normal zu sein. Aber selbst am Anfang hatte das nicht funktioniert. Er hatte sie wieder und wieder versagen gesehen, hatte beobachtet, wie sie Zuflucht in der Rolle des harmlosen Bücherwurms genommen hatte.

„Du bist keiner von ihnen, Hermine", fuhr er fort, erzählte ihr, was er sich selber Jahre vorher erzählt hatte, eine endlose Liternei um den Schmerz verschwinden zu lassen. „Und außerhalb dieser Räumlichkeiten, da ist niemand, dem Du trauen kannst. Die ganze Welt ist ein Feind, und Du kannst es Dir nicht leisten jemandem ein Druckmittel gegen Dich zu geben."

Das ist genug, sagte ihm eine innere Stimme, oder Du wirst sie wieder depressiv machen. Gib ihr nun etwas Action!

Er untersuchte sie plötzlich kritisch, ließ seine Augen in einer beurteilenden Art über ihren Körper wandern, bei dem sie sich unangenehm fühlte..

„Das sollte es tun", sagte er und erhob sich rasch. „Komm mit mir, Hermine."

Sie folgte konfus seinem Blick ihren Körper herab, sah aber nichts anderes als sie Kleider die sie für diesen Tag ausgewählt hatte, weite Baumwollhosen und ein dunkelrotes Sweatshirt. Was zur Hölle hat er nun vor?, wunderte sie sich, wusste aber, dass er in dieser Stimmung nicht antworten würde.

So folgte sie ihm einfach, hinaus aus seinen Räumen und dem Klassenraum, froh etwas Zeit für sich zu haben. Er war wirklich ein Meister der Manipulation. Die dunklen Wolken der Depression waren verschwunden, um von einem Tumult der Emotionen ersetzt zu werden, die sie nicht platzieren oder ihnen einen Namen geben konnte.

Die Schwarzen Roben wallend, führte sie Severus durch die Kerker zu einer alten Tür, über die sie sich, während ihrer Wanderungen durch die Schule, gewundert hatte. Sie war immer verschlossen gewesen und hatte jedem Spruch stand gehalten. Als Severus nun seine Hände auf dem Knauf platzierte, während seine Augen ein schmales Loch in dem Holz fixierten wusste sie warum.

Aufgeregtheit erfüllte sie. Die letzte Tür die er auf diese Art geöffnet hatte führte in ein ein Wunderland der Bücher und Sicherheit. Was würde er ihr dieses Mal zeigen.

Wie auch immer, zu ihrer leichten Enttäuschung, enthüllte die geöffnete Tür nichts weiter, außer einem eher enttäuschenden, gewunden Treppenhaus. Großartig, genau dass, was ich brauche, brummelte sie flüsternd. Stufen!

Severus, als ob er sie gehört hatte, drehte sich um und grinste.

„Ich habe diesen Platz kurz nachdem ich die Position als Zaubertrankmeister bekommen hatte gefunden", erklärte er in einer seidigen Stimme, die nicht die Belastung des Aufstiegs zeigte, während sie die scheinbar hunderten von Stufen heraufstiegSen. „Er muss vor einigen Jahren von einem Club genutzt worden sein, aber als ich ihn einmal angepasst hatte, passte er perfekt zu den Bedürfnissen. Vor allem das Treppenhaus. Es ist eine perfekte Vorbereitung."

Sie hatten das Ende des Treppenhauses erreicht, und standen, wiedereinmal, vor einer schweren Holztür. Er grinste wieder. „Ziehe bitte Deine Schuhe aus."

Sie kniete sich gehorsam gemeinsam mit ihm hin, entknotete ihre Schuhbänder und platzierte ihre Schuhe neben seinen schwarz polierten.

Dann öffnete er die Türe und winkte sie anmutig hindurch.

In Verwunderung starrend, betrat sie den großen Raum, der so anders war, als die normale Hogwartseinrichtung, dass sie den Blick überprüfen musste, um sich selber zu vergewissern, dass sie noch innerhalb des Schlosses waren. Aber sie war, von der Position von dem See und den Bergen, irgendwo im Ostturm.

„Das ist ein Sportraum", hauchte sie vor Überraschung, nahm die Spiegel an der Wand und die geschlossen Schränke, die die Spiegel einrahmten, wahr. Der Boden war mit Tatamimatten ausgelegt.

„Was werden wir machen? Duellieren?"

„Das ist, warum es mir immer eine Freude ist Dich zu unterrichten, Hermine", sagte er sarkastisch. „Du tendierst von selbst zu den richtigen Schlüssen zu kommen."

Wieder errötete sie, aber er konnte sehen wie es in ihrem Kopf weiter ratterte.

„Aber Du hast gesagt, dass wir nicht an Sprüchen oder Verwandlungen arbeiten würden", protestierte sie.

„Und wir werden auch nicht", stimmte er zu. „Was in den Textbüchern steht, wird Dir nicht in einem engen Raum helfen. Du brauchst nicht den offiziellen Duellkodex. Du brauchst die dreckigen Tricks."

„Zum Beispiel, würdest Du komplett hilflos sein, wenn ein Gegner ... dieses tun würde".

Und damit schwang er eine Faust mit voller Geschwindigkeit in Richtung ihres Gesichtes, darauf vorbereitet sie direkt vor ihren geweiteten Augen zu stoppen.

Auf das, was er nicht vorbereitet war, war ein perfekt ausgeführter Block, der die Kraft seines Schlages nutzte, um ihn nach links zu drücken, was seine rechte Seite ihr zuwendete und entblößt ließ. Das und die kleine Faust, die plötzlich an seiner Kehle verweilte, exakt auf seinem Adamsapfel.

„Körperlicher Kampf ?", fragte sie, so, als ob ihre Unterhaltung nie unterbrochen worden wäre, als ob sie nicht beinahe die Luftröhre zerschmettert hätte. „Aber ich dachte Du würdest mir einige Zauber und Flüche beibringen!"

Sie senkte ihre Arme und trat von ihm weg. Für einen Moment stand er einfach da, rieb seine Kehle und starrte sie abwesend an.

„Du hörst nie auf mich zu erstaunen", sagte er schließlich. „Wo zur Hölle hast Du das gelernt?"

Sie grinste.

„Meine Tante. Sie war ein Kampfkunstexpertin. Sie hat mich normalerweise unterrichtet, als ich kleiner war und in den Sommerferien. Nicht viel, aber ich habe gewisse... Reflexe entwickelt."

Er schnaubte. „Immerhin etwas. Das sollte einiges vereinfachen."

„Du bist wahrscheinlich wahnsinnig geworden, mir die Basisdinge in diesem Alter bei zu bringen", stimmte sie bereitwillig zu. „Aber warum hältst Du dich damit überhaupt auf?"

„Weil die Überraschung immer die beste Waffe eines Spions ist", antwortete er. „Richtige' Zauberer sind fast immer auf ihre Magie als Waffe fixiert. Ein guter Tritt oder Schlag im richtigen Moment kann den Strom in einem Kampf ändern. Und Du kannst auf diese Techniken zurückgreifen, wenn deine Magie erschöpft ist und Du das nicht aufdecken willst, oder es nicht benutzen kannst. Ich kann nicht aufzählen wie oft das mein Leben über die Jahre hinweg gerettet hatte."

Einen Moment lang stellte sie sich Severus Snape, seine schwarzen Roben um ihn herumwirbelnd, in einem Kampfkunstduell, wie sie es in diesen Filmen gesehen hatte, vor, und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Aber das Bild war nicht stark genug um sie von ihrem Weg abzulenken.

„Damit hast Du wahrscheinlich recht", stimmte sie gedankenvoll zu. „Ich habe... einmal Draco geschlagen. Im dritten Jahr, und er schien absolut entblößt. Wirklich geschockt. Nicht in der Art, in der er nach einem Fluch geschaut hätte, sondern als ob er nicht verstanden hätte, warum sie körperliche Kraft eingesetzt hatte. Er ran danach weg", schloss sie, bei dieser Erinnerung grinsend.

„Er hat mir darüber nie etwas erzählt", sagte Severus, seine Lippen zuckten, als er sich Dracos panische Gesicht vorstellte.

„Nun dann, zeig mir wie viel Du von dieser Tante gelernt hast!"

Sie kannte nur eine limitierte Menge an Blöcken, Schlägen und Tritten, aber alle die beherrschte sie recht gut.

Und ihre Reflexe – so wie sie es vorher gezeigt hatte- waren exzellent. Alles in allem, hatte das Training, dem ihre Tante sie unterworfen hatte, sie mit einer komfortablen Basis von alle dem versorgt, dass er ihr beibringen würde.

Nur ihre Ausdauer war weniger zufriedenstellend. Sei es von dem Strom der Verletzung der vorherigen Nacht oder von dem Mangel von regelmäßigem Training. Nach einer halben Stunde Training fand er ihren Puls, wie Pauken im Takt von ihren Tritten und Schlägen hämmernd, vor.

Zehn Minuten des Sparrings später, war sie sichtlich erschöpft, ihre Schläge wurden schwächer, aber immer noch entkam kein Ton ihrer Kehle, außer einem gelegentlichen Stöhnen.

Als sich seine Augen von den Muskeln ihrer Schultern und ihrem Magen, die normalerweise die nächste Bewegung des Gegners aufzeigte, weg schlichen, sah er Tränen ihr Gesicht runter laufen.

Unter normalen Umständen, hätte er lange vorher gestoppt, ihr Zeit gegeben Atem zu holen und ihren Körper zu beruhigen, aber das war kein normales Training. Ihr Zusammenbruch war genau das, was er erhofft hatte. Sie musste es aus ihrem System bekommen, verdammt sei sie!

Kampf war eine Chance alles raus zu lassen, was unter fester Kontrolle stand, Innen zusammengeballt und erstickt. Aber obwohl ihr Körper feucht mit Schweiß war und obwohl jede Zelle ihm Erschöpfung zu rief, behielt sie die Kontrolle. Ihr Gesicht zeigte nichts außer Anspannung und Erschöpfung.

Er erhöhte das Tempo. Komm schon Hermine, lass es gehen, dachte er während er einen tiefen Tritt gegen ihre Hüfte führte, den sie mit mehr Kraft als notwendig blockte. Entfessele Dich selber.

„Was für einen Nutzen hat das alles?", schrie sie plötzlich auf und platzierte einen Schlag der seinen linken Arm gelähmt hätte, wenn er ihn nicht zu seiner Rechten ablenkt hätte. „Warum zerstöre ich mich selber, indem ich da immer wieder hin gehe und nicht einmal das Leben dieser Kinder retten kann? Was zum Teufel ist falsch mit mir."

Er hätte das beantworten können, ihr sagen können, dass nichts mit ihr falsch war, dass sie nicht hoffen könnte alle zu retten, dass sie es immerhin geschafft hatte die anderen zwei Familien zu retten. Aber er blieb still. Sie wusste diese Dinge immerhin selber. Wusste sie theoretisch, aber dass würde die Schuld, die Scham und den Ärger nicht davon abhalten an die Oberfläche zu treten und ihr Leben zu ruinieren. Sie musste es raus lassen.

So zwang er sie weiter, testete ihre Stärke mit rauen Stößen und Tritten, zwang sie, die feste Kontrolle um sie herum zu lockern.

Ihre Schläge und Tritte wurden fahriger und verloren ihre rhythmische Eleganz. Sie schlug wild herum, kümmerte sich nicht, ob sie ihr Ziel trafen, und er konnte sie einfach treffen. Anstelle dessen, ließ er sie weiter machen, blockte sie, wenn es notwendig war.

„Warum sterben sie alle?", schrie sie endlich in einer elenden Stimme die es um sein Herz herum eng werden ließ, sicherlich vergessend, dass er da war um es zu hören. „Sie schwinden dahin und ich kann es nicht stoppen! Diese Kinderaugen – sie brennen in meinen Träumen... Gott verdammt!"

Ein Wimmern entkam ihr, und ihre Schläge waren nichts weiter mehr als blindes Raten.

Vorsichtig, sanft, fing er ihre Handgelenke, hielt sie und zog sie näher an ihn heran. Sie schluchzte nun hart, erlaubte sich endlich die Schwäche des Trauerns, und, nach einem Moment des Zögerns- schloss Severus endlich seine Arme um sie. Sie kollabierte in seine Arme.