Dracos Herzschlag setzte für ein paar Sekunden lang aus und er konnte nur völlig fassungslos in Harrys Gesicht starren. War das gerade wirklich passiert? Hatte Harry-Goldjunge-Potter ihm gerade gesagt, dass er sich in ihn verliebt hatte?
"Potter... Harry... ich...", stotterte er reichlich unorientiert, und der Gryffindor seufzte leicht und wandte den Kopf ab, ein leichtes Rosa seine Wangen färbend.
"Ist schon gut", sagte er leichthin und sah angestrengt an ihm vorbei, "ich weiß, dass du nicht das Gleiche fühlst. Du bist Draco Malfoy, richtig? Du weißt ja nicht mal, was Liebe ist." Er biss sich auf die Unterlippe, und Draco hatte das ungute Gefühl, dass er sein Geständnis mehr als bereute.
Er verfluchte sich innerlich und zwang sich dazu, nicht all seinen Instinkten zu folgen und mit fliegenden Fahnen von dannen zu rennen um nie auch nur wieder in die Nähe dieses Menschen zu kommen, der ihn so mühelos um den Finger wickeln konnte. Seine gesamte Erziehung schrie danach, dass er dieses unbekannte Territorium namens "Liebe" sofort wieder verließ, vor allem da es ihn in so einen engen Kontakt mit dem wohl meistgejagten Zauberer des ganzen Landes brachte, aber der Anblick des Dunkelhaarigen, der so krampfhaft versuchte, seine Enttäuschung zu überspielen, hinderte ihn daran auch nur einen Blick in Richtung der Tür zu werfen.
"Du bist ein Idiot, Potter."
Die grünen Augen blitzten auf und starrten ihn böse an, und er wand sich innerlich unter dem Blick.
Hmm, vielleicht der falsche Ansatz.
"Du hast keine Ahnung, was ich fühle", stellte er klar und erlaubte sich ein kleines Lächeln, ehe er sich das Kinn des Gryffindors schnappte und seine Lippen sanft auf die des Anderen legte, die sich weitenden grünen Augen geflissentlich ignorierend.
Der Kuss war lang und sanft, und alles, was Draco nicht aussprechen konnte und nun schon viel zu lange mit sich rumtrug, legte er in ihn hinein. Es war der reinste und ehrlichste Kuss, den Draco je mit jemandem geteilt hatte, und diese Tatsache machte ihn auf eine Weise zufrieden, die sein Vater sicherlich ekelerregend gefunden hätte.
Als sie sich voneinander lösten, sah ihn Harry mit leicht verklärtem Blick an, und der Slytherin gönnte sich ein kurzes Triumphgefühl dafür, dass dieser Blick allein sein Verdienst war.
"Spielst du nur mit mir?"
Draco starrte ihn an und fragte sich unwillkürlich, auf wie viele Weisen er diesem Sturkopf von Gryffindor noch beweisen musste, dass es ihm ernst war. Merlin, Morgana und Mordred, diese Unsicherheit war ja ab und an ganz niedlich, aber in diesem Augenblick nervte sie ihn gewaltig.
„Bist du völlig banane, Potter?!"
Harrys Gesichtsausdruck schlug in beeindruckender Schnelligkeit von leiser Verunsicherung über Fassungslosigkeit in brodelnde Wut um, und Draco wäre zu gern zurückgewichen, wenn ihn nicht etliche Jahre Malfoy-Erziehung vor solch kleinen Zeichen der Schwäche kuriert hätten. So blieb er nur stehen und hoffte, dass der Dunkelhaarige durch seine Ironie und Arroganz hindurch sehen und den Kuss in Erinnerung behalten würde, der doch eigentlich alles hätte klären sollen.
„Was soll das denn heißen?!" fauchte Harry dann wütend, anscheinend weder in der Lage noch willens, Dracos – zugegebener Maßen seltsames – Spiel zu durchschauen, „verflucht, kannst du nicht einmal eine klare Ansage machen anstatt dich immer hinter deiner begnadeten Coolness zu verstecken?! Merlin, Draco, wenn du mich... wenn du das hier nicht willst, dann sag es halt, anstatt mich hinzuhalten wie einen Fisch auf dem Trockenen!"
Ehrlich gesagt fand er die Metapher ziemlich unpassend, aber er hatte das starke Gefühl, dass das nicht der richtige Zeitpunkt war, um Harry darauf hinzuweisen. Außerdem hatte er ohnehin schon das Gefühl, dass hier einiges nicht so lief, wie es sein sollte. Dass Potter jetzt auch noch sauer wurde und ihn dafür verantwortlich machte, setzte dem Ganzen noch die Krone auf.
„Mein Gott, Potter – was glaubst du denn, was ich will? Meinst du, es ist besonders slytherin oder cool, dass ich völlig neben mir stehe, sobald du irgendwo auftauchst? Merkst du nicht, wie ich mich in deiner Gegenwart verhalte?! Glaubst du wirklich, ich mache das alles zu meinem Privatvergnügen?!" Er schnaubte wütend. „Kannst du dir auch nur vorstellen, was mein Vater mit mir macht, wenn er irgendetwas hier von erfährt?!"
Harry ballte wütend die Fäuste. „Ich habe nicht den geringsten Schimmer, Malfoy", gab er schneidend zurück, „aber ich schätze mal, was immer es ist, dass es dir nicht sonderlich gefällt. Wieso tust du es also?"
„WEIL ICH NICHT ANDERS KANN, DU IDIOT!" brüllte Draco erbost und stieß den Gryffindor gegen die Wand, sodass dessen Rückseite recht unangenehmen Kontakt mit der Wand machte, „WEIL ICH AUS IRGENDEINEM BLÖDEN GRUND – VERMUTLICH ZUR FREUDE EINES ÜBELGELAUNTEN GOTTES – AUSGERECHNET IN DICH DOOFE TORFNASE VERLIEBT BIN!"
Der Dunkelhaarige starrte ihn einen Moment lang ungläubig an, ehe er leicht debil lächelte und nach Dracos Händen griff. „Was hast du grade gesagt?"
Der Slytherin schnaubte erneut und schüttelte wütend die Hände von sich. „Torfnase! Vollidiot! Weichflöte! Du... du... du blöder Gryffindor!"
Harry zeigte sich von der Tirade von Beleidigungen nicht im Geringsten beeindruckt sondern lächelte weiter vor sich hin. Seine Augen funkelten in einem fröhlichen Hellgrün.
„Das meine ich nicht", erwiderte er ruhig, „du hast 'verliebt' gesagt."
„Ach was!" schnappte Draco zurück, „ist es also doch endlich angekommen und ich kann aufhören, diesen gigantischen Zaunpfahl – ach was, den ganzen Zaun – zuschwenken als würde ich Geld dafür kriegen? Hat es tatsächlich deinen doofen Sturschädel durchdrungen, dass ich ... dass ich..."
Er stockte, und das Lächeln Harrys wandelte sich in ein leicht diabolisches Grinsen. „Dass du...?"
Draco verengte böse die Augen. „Manchmal hasse ich dich fast dafür, dass ich dich so liebe", knurrte er dann, sah mit einer gewissen Befriedigung zu, wie sich die Augen des Gryffindors weiteten und griff dann nach dessen Hinterkopf, um ihn hungrig zu küssen. Dieses Mal hatte der Kuss nichts Sanftes, er war voller Wut und Verlangen, und erst, als Harry sanft über seine Wangen strich, beruhigte sich sein aufgewühltes Gemüt etwas, und der Kuss wurde wieder liebevoller.
Als sie sich wegen Sauerstoffnot trennten, erlaubte Draco nicht, dass sich der Gryffindor wieder von ihm entfernte sondern legte stattdessen seine Stirn an die des Anderen und genoss das Gefühl, das Harrys Atem auf seinen immer noch leicht feuchten Lippen hinterließ. Fast genüßlich fuhr er sich mit der Zunge über diese und stellte mit Entzücken fest, dass sie noch nach dem Anderen schmeckten.
„Ich dich auch", flüsterte der Dunkelhaarige dann leise, und als Draco verwirrt die Stirn runzelte und sich ein winziges Stückchen entfernte, um ihm fragend in die Augen zu sehen, errötete er etwas und fügte dann an: „Ich liebe dich auch, du arroganter Eisklotz."
Jetzt verstand er, wieso Harry vorhin so dämlich gegrinst hatte. Auch bei ihm wollte sich jetzt dieses debile Lächeln auf die Züge legen, und nur mit äußerster Anstrengung schaffte er es, dieses Lächeln irgendwie in sein patentiertes Malfoy-Grinsen umzuwandeln und eine Augenbraue zu lupfen. „Natürlich tust du das", entgegnete er in scheinbarer Gelassenheit, und sein Gegenüber zog in einer seltsamen Kopie ebenfalls eine Augenbraue hoch.
„Natürlich?" echote er mit spöttischem Unterton, auch wenn seine Augen dabei immer noch mit einem derart hingerissenen Blick an Draco hingen, dass er genau wusste, dass diese Frage nicht ernst gemeint war und sie sich nur ihrem üblichen Geplänkel frei nach Malfoy und Potter hingaben, das sie ja auch schon die letzten Jahre geübt hatten.
„Ja", bestätigte er daher mit einem überlegenen Grinsen, „schließlich sehe ich gut aus, bin intelligent, ein begnadeter Quidditch-Spieler und noch dazu reich!"
Harry sagte einen Moment lang nichts, ehe er ganz nah an ihn heran trat, sodass seine Lippen leicht Dracos Ohrmuschel berührten. Sein Atem kitzelte die feinen Haare in seinem Nacken, und ihn überlief unwillkürlich ein Schauer. „Das alles sind Gründe, dich toll zu finden", sagte er dann heiser, und seine Stimme vibrierte durch den ganzen Körper des Blonden, „ich aber liebe dich. Weil du den seltsamsten Sinn für Humor hast, den ich kenne; weil du im Schlaf aussiehst wie ein Engel; weil deine Augen funkeln, wenn du mich siehst und weil du lautlos meinen Namen sagst, wenn du kommst." Er hauchte einen kleinen Kuss auf Dracos Hals. „Und weil du schmeckst wie alles, was ich je wollte, von dem ich aber nie den Mut hatte, es zu fordern." Seine Zähne bissen sanft in den Nacken des Slytherin. „Und weil du mir gehörst."
Im Allgemeinen war er eigentlich kein großer Freund von Besitzansprüchen, aber in diesem Augenblick, als der Gryffindor sich einen Weg an seinem Hals entlang knabberte, fand er die Idee plötzlich nur noch sehr passend. Schließlich hatte Potter durchaus Recht, auch wenn es natürlich vor allem anders herum war:
„Und du gehörst mir", stellte er klar, und als Antwort lächelte ihn Harry auf eine Weise an, die irgendwie seinen Puls beschleunigte.
„Ich weiß", sagte er schlicht, und in diesem Moment – und wohl auch für immer – hätte Draco sich keine bessere Antwort wünschen können.
Wie von selbst verflochten sich ihre Finger miteinander und ihre Lippen fanden sich zu einem weiteren kurzen Kuss. Als der Slytherin dann die Tür der Umkleide aufstoßen wollte, um den Tag mit dieser unerwarteten Neuerung an seiner Seite nochmals zu begrüßen, zog ihn Harry hektisch zurück und wand seine Hand aus dem Griff des Anderen. Draco runzelte angesichts dessen missbilligend die Stirn. „Was tust du da, Potter?!"
„Wonach sieht es denn aus? Ich will nicht, dass irgendwer von uns erfährt!" erwiderte der Gryffindor in solch einem selbstverständlichen Tonfall, dass es Draco im wahrsten Sinne des Wortes den Atem verschlug. Er hatte das Gefühl, jemand hätte ihm gerade mit ungeheurer Präzision in den Magen geboxt.
„Na, wie reizend", sagte er bissig und verfluchte sich selbst dafür, dass er so unbedacht all seine Mauern hatte fallen lassen und nun dementsprechend leiden musste, „hast du Angst um deinen Ruf? Soll ich mir die Haare wachsen lassen und zu Zöpfen flechten, damit du nicht als schwuler Held da stehst und somit die Jugendträume jeder Elfjährigen zerstörst?!"
Harry sah ihn an als hätte er noch nie etwas Dämlicheres gehört. „Erzählst du nicht selbst immer, wie schlau du bist?! Kannst du mir dann bitte verraten, wieso du gerade solch einen Blödsinn erzählst? Es geht nicht um mich!"
„Ach", entgegnete Draco böse, „und um wen dann? Das Wiesel? Granger? Hagrid?!"
„Es geht um dich, du Idiot!" fauchte der Gryffindor gereizt zurück. „Du hast doch selbst gesagt, wie dein Vater reagieren würde – denkst du, ich würde dich irgendeiner Gefahr aussetzen, wenn ich es verhindern kann?"
Draco starrte ihn wie betäubt an. Das war wohl mit Abstand das Kitschigste, was je ein Malfoy gehört hatte, aber da er in den Augen des Anderen nur Ehrlichkeit – und begründbaren Ärger – feststellen konnte, war es wohl auch das Rührendste, was je ein Malfoy gehört hatte. „Was?"
„Ich will nicht, dass du... dass du wegen mir leiden musst. Oder auf irgendetwas verzichten musst. Du sollst nicht bereuen, dass wir... dass ich..." Harry stockte hilflos und zuckte mit den Schultern. Seine Wut war anscheinend genauso schnell verflogen wie Dracos.
„Mein Vater ist mir ziemlich egal, Potter", sagte er trocken, „und du vergisst wohl, dass ich ein Malfoy bin. Ich würde nie auf irgendetwas verzichten." Er grinste überlegen. „Am allerwenigsten auf dich."
Harry sah ihn erneut mit diesem glücklich-andächtigen Gesichtsausdruck an, und dieses Mal verlor Draco den Kampf gegen sein eigenes Gesicht. Auch seine Lippen verzogen sich zu diesem dämlichen, überaus unmalfoyischen Lächeln und er war nur heilfroh, dass nirgends ein Creevey in der Nähe war, der diesen Moment der Schwäche für immer auf Film bannen würde. „Für Momente wie diesen sollte es Zeugen geben", flüsterte Harry leise, „denn niemand wird mir glauben, dass das wirklich passiert ist."
„Niemanden außer uns geht es was an", erwiderte Draco leise, und das Lächeln auf Harrys Gesicht nahm noch an Intensität zu, sodass sich der Slytherin fast davon geblendet fühlte. Der Dunkelhaarige griff nach seiner Hand, und Draco verschränkte wie selbstverständlich ihre Finger miteinander, ehe er die Tür nach draußen aufstieß.
Wie erstarrt blieben beide im Türrahmen stehen.
Auf der eben noch sommerlichen Wiese, über der sich Bienen und Schmetterlinge getummelt hatten, lag nun eine etwa 30 cm hohe Schneeschicht, die fröhlich im Licht der Sonne glitzerte.
Es hatte geschneit.
Im Juli.
„Was...", brachte Draco gerade noch hervor, ehe ein überaus gut gelaunter Elf in ihr Blickfeld flog und enthusiastisch die kleinen Hände zusammenklatschte. „Wunderbar, oder? Hach, ich habe mich mal wieder selbst übertroffen. Wahnsinn. Wenn ich könnte, würde ich mich selbst dafür umarmen. Also, noch fester als ich es ohnehin tun würde. Ich meine, wenn ich könnte würde ich mich generell pausenlos umarmen, einfach nur, weil ich so ein verflucht hübsches Kerlchen bin. Aber jetzt, angesichts dieser magischen Meisterleistung, würde ich mich so doll drücken, dass ich mir bestimmt selbst ein paar Rippen brechen würde!"
„DU hast das hier gemacht?" fragte Harry verblüfft, und Darry nickte stolz.
„Ja, ich! Ich allein! Wundervoll, oder?" Er strahlte über sein ganzes kleines Gesichtchen, und sogar Draco musste zugeben, dass die Nervensäge in diesem Moment fast niedlich aussah. „Also, naja, vielleicht nicht ganz allein. Ihr habt ein wenig geholfen. Ein ganz klein wenig. Einen.. wie soll ich sagen... Hauch Mitarbeit habt ihr auch geleistet."
„Wir?!" echoten sie im Chor, und der Elf nickte bedächtig.
„Ja, ihr. Ich hatte ja schon alle Hoffnung aufgegeben – immer dieses Hin und Her und dann wieder Hin und Her und nochmal Hin und Her... Ihr versteht, was ich meine. Fürchterlich. Aber was lange währt wird endlich gut, was? Ihr habt es tatsächlich noch geschafft, euch eure wahren Gefühle mitzuteilen. Wer hätte das gedacht, vor allem von Mr Eisklotz Malfoy persönlich? Oder von unserem ach-so-schüchternen Möchtegern-Helden? Wirklich, ohne meine tatkräftige Hilfe wäre das nie was geworden. Aber ich will ja nicht prahlen. Ich sag nur: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen, richtig? Und hier bin ich: Gestatten, Berg. Und ihr, ihr seid die Propheten. Ihr wisst schon."
Draco blinzelte ein paar Mal und warf dann einen irritierten Blick zu Harry. „Was redet er denn da bloß für einen Schwachsinn?"
Darry schnaubte leise und rümpfte seine winzige Nase. „Schwachsinn nennst du das, was? Aber guck dich doch mal um! Denkst du, das ist so leicht, wie es aussieht? Das ist Schnee! Bei guten 30° im Schatten! Du allein könntest vermutlich gerade mal ein winziges Flöckchen entstehen lassen, und ich habe das gesamte Schulgelände eingeschneit! Jawohl! Schneesturm Darry ist hier!"
„Er hat völlig den Verstand verloren", murmelte Harry leise und fuhr sich durch seine Haare. „Wie wirkt sich das wohl auf unsere Note aus?"
Der Elf versetzte ihm als Antwort einen heftigen, ziemlich unfreundlichen Stoß gegen die Schulter, der, wenn Darry menschliche Größe gehabt hätte, verflucht schmerzhaft gewesen wäre.
„Ich bin so sehr da wie noch nie zuvor!" blökte das kleine Wesen entrüstet und baute sich dann in der Luft vor Draco auf. „Bist du komplett bescheuert geworden oder hat dir dein süßer Harry-Schatzi-Putzi dermaßen die Sinne vernebelt, dass du nicht mal mehr deine eigene Metapher erkennst, wenn sie direkt vor dir liegt?!"
Draco sah ihn verständnislos an, ehe es ihm langsam dämmerte. Es war jetzt ungefähr eine Woche her – Mordred, erst eine Woche, es fühlte sich an wie Jahre... - und er hatte sich mit Blaise unterhalten. Und dann...
„Verdammt, ich könnte sicherlich selbst dieses dämliche Wiesel dazu bringen, mir winselnd die Füße zu küssen - aber bei Potter muss ich warten, bis er mich will - und das ist leider so unwahrscheinlich wie Schnee im Juli..."
Er schnappte nach Luft, griff sich dann ohne nachzudenken den Kopf seines Freundes und zog ihn zu einem heftigen Kuss an sich, die ohnehin schwachen Proteste des Gryffindors im Keim erstickend. „Du willst mich", sagte er atemlos, als er sich schließlich wieder von ihm löste, „du meinst es wirklich ernst!"
Harry runzelte verblüfft die Stirn und schob ihn dann entnervt von sich. „Sag mal, du hast das Gespräch eben aber schon mitbekommen, du völlig neben sich stehender Trottel? Ich habe dir ungefähr 38 Mal auf 56 verschiedene Arten gesagt, dass ich dich will! Muss ich es mir erst auf die Stirn tätowieren, bis es richtig ankommt?"
„Es würde sicherlich nicht schaden", meinte der Blonde grinsend, „aber gerade in diesem Moment genügt es mir, dass deine Gefühle für das hier gereicht haben." Er machte eine weitschweifende Handbewegung, und der Gryffindor sah noch irriterter aus als vorher.
„Meine Gefühle?"
„Glaub mir einfach", erwiderte Draco zufrieden, zog dann den Dunkelhaarigen wieder an sich und küsste ihn abermals – einfach, weil er es konnte. Diesmal wehrte sich Harry nicht.
Er war gerade dabei, das Ganze richtig zu genießen, als ihn etwas kaltes an der Wange traf und ihn unsanft zurück in die Wirklichkeit beförderte. Überrascht drehte er sich nach der Störungsquelle um und sah dann Darry, der mit einem wahrhaft diabolischen Lächeln mit winzigen Schneebällen jonglierte. „Habt ihr mich etwa vergessen?"
„Wie könnten wir", entgegnete Draco düster, was der Elf wohlweislich ignorierte.
„Gut, dann kann ich euch ja daran erinnern, dass ihr die.. nun, sagen wir mal: neuen Entwicklungen... noch der Schülerschaft präsentieren dürft. Auf, auf, Zeit ist Geld und Geld ist knapp! Außerdem solltet ihr den Schnee genießen, solange er da ist – das hier aufrecht zu erhalten ist schwieriger, als man denken sollte."
„Du meinst, den Schnee bei diesen Temperaturen?" fragte Harry verständnisvoll, woraufhin Darry fröhlich den Kopf schüttelte.
„Nein, meinen Mageninhalt in meinem Körper bei eurem übelkeiterregenden Liebesgeflüster."
Draco seufzte und schnappte sich das kleine Kerlchen aus der Luft. „Naja, wenigstens bist du nur noch wenige Tage hier, ehe du wieder in deinem Blumentöpfchen verschwindest."
Darry steckte ihm die Zunge heraus und verfiel ihn trotziges Schweigen, was angesichts seines vorherigen Redeschwalls nur positiv zu bewerten war. Trotzdem spürte Draco einen kleinen Stich bei dem Gedanken, dass die ewig plappernde Miniatur ihrer Selbst in kurzer Zeit Geschichte sein würde. So nervig er auch sein würde – aus unverständlichen Gründen musste man den Elf einfach mögen.
So in Gedanken versunken merkte er gar nicht, wie sie sich allmählich dem Schloßtor näherten, an dem sich schon einige Neugierige versammelt hatten, die staunend den Schnee anstupsten als hätten sie Angst, dass das weiße Gebilde sich bei Berührung in ein Monster verwandeln würde. Er wurde den Menschen erst gewahr, als plötzlich ein durchdringendes Quieken zu hören war und sich dann ein kleines Etwas an seine Brust klebte.
„Draaaaaaaaaaaacoooooooooo...", fiepste es schrill, „es schneeeeeeeeeeeeeeeeit..."
„Es hat geschneit, Lancy", verbesserte Harry säuerlich und zupfte die Elfe vom Oberkörper des Slytherin, „und im Übrigen solltest du deine patschigen Griffel von ihm lassen."
Die Elfe starrte ihn mit großen runden Augen und einem unschlagbar dämlichen Gesicht an, und auch Lavendar und Pansy, die ihrem Schützling hinterher getrottet waren, sahen ihn schockiert an. „Wie sprichst du denn mit ihr? Dray, Schatz, dass ausgerechnet DU mit deinen guten Manieren an SO einen kommen musstest...", flötete Pansy hold, und Draco seufzte bloß.
„Ist er aber", knurrte Harry, anscheinend mehr als nur angenervt und legte besitzergreifend einen Arm um Dracos Taille, der angesichts dessen verwundert die Augenbrauen hochzog, „auf mehr als eine Weise! Ich wäre dir dankbar, wenn du dir das merken könntest, Parkinson, auch wenn eine solche Information dein Hirn sicherlich fast sprengt!"
Lavendar fiel der Unterkiefer herunter, und auch Pansy sah aus als würden ihr gleich die Augen aus den Höhlen kullern. Draco hätte zu gerne eine Kamera dabei gehabt und erlaubte sich ein genüßliches Lächeln. „Soll das heißen..."
„Ja", bestätigte Draco knapp, „und da das nun geklärt wäre, denke ich, dass allen Umstehenden klar sein wird, warum Potter und ich die nächsten Stunden ungestört sein wollen."
Er warf ein dreckiges Grinsen in die Runde, schnappte sich Harrys Hand und ging an der wie vom Donner gerührt da stehenden Menge vorbei ins Schloß. Darry hatte derweil seine Sprache wieder gefunden und trällerte lauthals vor sich hin: „Ain't no mountain high enough... Ain't no valley low enough... Ain't no river wide enough... To keep me from getting to you, babe..."
„Schön, Darry, wirklich, aber jetzt musst du gehen", erklärte Draco dann, warf den Elf relativ achtlos in die Luft, der empört zu zetern begann, was der Blonde aber wie stets nicht weiter beachtete. Stattdessen konzentrierte er sich auf Harry, der gerade damit beschäftigt war, böse Blicke in Richtung der tuschelnden Schüler zu werfen. „Wir haben jetzt etwas alleine vor."
„Hmm?" machte der Gryffindor konfus und drehte ihm den Blick zu, „hast du was gesagt?"
Draco lächelte bloß raubtierhaft und presste den Anderen mit seinem Körper an die nächstbeste Mauer. „Zuhören, Harry", flüsterte er leise, „du könntest was verpassen."
Harry stöhnte leise auf, ein Geräusch, das scheinbar direkt zwischen Dracos Beine floss. „Astronomie-Turm. Jetzt."
Man musste Draco nicht lange überreden, um zu gehorchen. Und auch wenn das sicherlich eine Premiere war, so fiel sie den beiden doch noch nicht mal auf.
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Es ist vollbracht! SIJ ist hiermit offiziell abgeschlossen – ich hoffe, ihr hattet ebenso viel Spaß beim Lesen der FF wie ich beim Schreiben! Ich danke euch für die Geduld, Unterstützung und vielen lieben Reviews!
In nicht allzu ferner Zukunft wird dem ganzen Spektakel hier noch ein kleiner Epilog folgen, ein klein wenig Harry/Draco kommt also doch noch! Ansonsten mache ich hier jetzt mal schamlos Eigenwerbung und verweise auf meine anderen FFs!
Danke fürs Lesen und hinterlasst doch einen Review!
