Susanne war ein überaus neugieriger Mensch. Etwas ging vor, das auch sie betraf.

Sie wollte es nicht vor Sprach und dem Rattentod zugeben, aber ein bisschen reizte sie der Gedanke, in den Gedanken anderer Leute herum zu spuken. Immerhin war sie eine Lehrerin. Einflussnahme, war ein wichtiger Teil ihrer Arbeit.

Wenngleich sie sich nicht genau vorstellen konnte, war im Begriff war gerade zu geschehen, verspürte sie ein gewissen Bedürfnis genau das herauszufinden. Vielleicht einfach nur um ihrem Großvater zu beweisen, dass nichts weiter geschehen war.

Sie schnippte mit dem Finger - was eigentlich nicht nötig war, aber es wirkte irgendwie cool – und aus der Herzogin Susanne Sto Helit wurde Susanne Tod.

Eigentlich war es keine große Veränderung, sie trug nun ein schwarzes Kleid und ihre Haare legten sich dem Anlass entsprechend zu einer wilden explodiertem-Löwenzahn-Frisur, bei der kleine Locken zu allen Seiten des Kopfes abstanden, doch an ihrer inneren Einstellung, dem sturen, fokussieren Gesichtsausdruck und dem strengen Blick änderte sich nichts.

Sie mochte das Kleid nicht, es war alt und abgetragen. Sie wusste nicht, wo es herkam und wie sie ein neues bekommen konnte. Wo bekam ihr Großvater seine Kutten her?

Sie mochte es auch nicht, dass ihre Haare einen eigenen Willen besaßen. Sie waren die Essenz von unbändigem Haar. Sie konnte nichts dagegen tun. Sie legten sich der Situation und ihrer Stimmung entsprechend und Susanne fand das ärgerlich, denn so konnte man ihr an den Haaren ablesen, wie sie sich fühlte.

Die explodierter-Löwenzahn-Frisur war die, mit der sie geboren wurde und mit der sie die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hatte, ehe sie versuchte Zöpfe zu flechten, Pferdeschwänze zu binden oder Haarnadeln zu verwenden. Es nutzte alles nichts. Erst später entdeckten ihrer Haare ihren freien Willen, als Susanne sich mit dem Löwenzahn arrangiert hatte.

Die weiße Farbe mit den zwei schwarzen Strähnen tat ihr übriges: Susanne fiel auf. Susanne flößte Respekt ein. Vor Susanne hielt man sich fern. Susanne war so offensichtlich gegenwärtig, dass man es verdrängte. Susanne provoziert Abneigung. Susanne provozierte Furcht. Deshalb wurde sie meist ignoriert bis übergangen.

Wie auf den Tod selbst mussten alle Menschen auf sie fixiert sein, wenn sie ihr begegneten. Wie den Tod selbst schoben sie Susanne aus ihrem Blickfeld.

Die Enkelin den Todes verließ ihre Wohnung und betrat die Straßen von Ankh-Morpork, die keine Gefahr für sie darstellten, selbst wenn sie allein und zu Fuß unterwegs war.

Die Straßen waren leer und ruhig. Kein Nachtwächter. Kein Trunkenbold. Kein Dieb. Kein Assassine.

Keine Nachtmare. Keine Schwarzen Männer.

Alle schienen zu schlafen.

Wie genau trat man in den Traum eines Menschen?

Susanne wusste es nicht. Sie brauchte genauere Informationen. Außerdem hatte sie seit Sprach an ihr Fenster geklopft hatte ein enormes Bedürfnis sich bei ihrem Großvater zu entschuldigen. Er war ihr einziger Verwandter, mit dem sie ab und an noch kommunizieren konnte und sie hatte ihm derart vor den Kopf gestoßen.

Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Das war es, was er erreichen wollte, dachte Susanne. Er wollte, dass ich mich schlecht fühle, deswegen nicht mehr einschlafe und als Entschuldigung diese Sache für ihn erledige.

Ja, sie brauchte genauere Informationen und bei dieser Gelegenheit, konnte sie ihrem Großvater sagen, dass sie ihn durchschaut hatte. Ja, sie hatte ihn durchschaut.