Kapitel 21 – Hierbleiben

Hermine beschloss, dass es besser war, ihn gehenzulassen. Es war offensichtlich, dass er das Ganze erst einmal verdauen musste.

Seufzend stellte sie die Bücher zurück ins Regal und ging in ihren Schlafraum, wo sie sich aufs Bett legte und ins Nichts starrte. Und das für den Rest des Nachmittags und Abends. Selbst zum Abendessen ging sie nicht, zu sehr hatte ihr die Begegnung auf den Magen geschlagen. Sie wusste nicht, ob sie traurig war oder wütend oder enttäuscht oder vielleicht sogar hoffnungsvoll sein durfte – sie war auf jeden Fall nur eines: verwirrt. Verwirrt, ob sie es sich jetzt für immer mit ihm verdorben hatte oder ob sein stiller Abgang bedeutete, dass das wahre Geständnis in ihm ein Denken in eine positive Richtung ausgelöst hatte...

Erst gegen zehn Uhr abends regte sie sich wieder, denn eine Eule pickte aufgeregt an ihr Fenster. Zuerst hatte sie sie ignorieren wollen, doch die Eule wollte einfach nicht lockerlassen.

Als Hermine das Fenster öffnete, entnahm sie der Eule den Brief, den sie im Schnabel trug, gab ihr noch ein paar Keksstücken, die sie in einer Schublade aufbewahrte, und begann den Brief zu öffnen und zu lesen.

Sehr geehrte Miss Granger,

als erstes muss ich Ihnen wohl sagen, dass ich Ihren Mut bewundere. Obwohl Sie in Gryffindor sind, hätte ich Ihnen niemals zugetraut, mir so etwas wie heute in der Bibliothek ins Gesicht zu sagen. Als zweites bin ich Ihnen einen Dank schuldig, denn schon lange wollte ich wissen, wie Sie über mich denken. Nun weiß ich es und bin über die Antwort sowohl erfreut als auch nicht. Erfreut, weil ich Sie ebenfalls mag, sehr sogar; nicht erfreut, weil es nicht sein kann. Zu viel steht auf dem Spiel und ich möchte nicht Ihr Leben in Gefahr bringen, ganz zu schweigen von dem Aspekt, dass ich vermutlich nicht der Richtige für Sie bin. Ich wollte Ihnen dies mitteilen, damit Sie sich nicht weiterhin den Kopf über mich zerbrechen müssen, denn es ist unmöglich. Am besten, Sie geben Ihr Vorhaben, mich längerfristig für sich zu gewinnen, auf und suchen sich einen Zauberer in Ihrem Alter.

Ich wünsche Ihnen alles Glück der Welt und bitte Sie, auf sich aufzupassen.

Prof. S. Snape

Hermine starrte auf den Brief. Sie wusste nicht, ob sie sich darüber freuen sollte oder lieber weinen. Einerseits hatte er ihr gestanden, dass er ihre Gefühle erwiderte, und andererseits hatte er eindeutig gesagt, dass aus ihnen beiden nichts werden würde.

Während sie weiterhin auf den Brief starrte und ihn nochmals und nochmals las, wurde ihr bewusst, dass sie eine Entscheidung treffen musste: Würde sie diesen Brief, diese Abfuhr akzeptieren – oder nicht?

Wenn Hermine den Brief akzeptieren soll, dann lies in Kapitel 30 weiter; wenn nicht, in Kapitel 31.