Kapitel 21: Familienzuwachs
Gegen Mittag war Harry im Ministerium angekommen.
Zielstrebig ging er auf den Mann hinter dem Schalter zu, Dylan lief neben ihm und hielt sich an Harrys Hand fest, während er sich staunend und leicht ängstlich umsah.
„Entschuldigung.", sprach Harry den alten Mann hinter dem Schalter an.
„Ja."
„Ich würde den Kleinen hier gerne Adoptieren. Wo muss ich da hin?"
„Dritter Stock."
„Danke.", damit machte Harry sich mit Dylan auf den Weg zu den Aufzügen, um in den dritten Stock zu fahren.
Als der Kleine neben ihm ängstlich zu zittern anfing, da noch einige andere Hexen und Zauberer im Aufzug waren, nahm er ihn einfach wieder auf den Arm, was ihm einige seltsame Blick der anderen Anwesenden einbrachte, die Harry aber gekonnt ignorierte. Er war schon auf dem Weg hier her von den Passanten schräg angesehen worden, was nicht gerade beruhigend auf Dylan gewirkt hatte.
Im dritten Stock angekommen stieg Harry mit Dylan auf dem Arm aus und die Beiden machten sich auf die Suche nach dem richtigen Büro.
Nach einiger Zeit hatten sie es endlich gefunden, klopften an und traten ein.
Eine ältere Hexe begrüßte sie stirnrunzelnd. Auf dem kleinen Schild auf ihrem Schreibtisch stand ihr Name: Agathe Crystan.
„Guten Tag, Frau Crystan.", meinte Harry höflich. Dylan nuschelte nur ein zögerndes „Tag" und vergrub sich dann wieder in Harrys Kleidung.
„Guten Tag, Mister Potter. Setzen sie sich doch.", meinte die Frau und deutete auf einen Stuhl, welcher vor ihrem Schreibtisch stand.
Harry kam der Aufforderung gerne nach, immerhin rannte er jetzt schon seit geraumer Zeit mit einem Kleinkind auf dem Arm durch die Gegend. Da war er für eine Sitzgelegenheit sehr dankbar. Allerdings würde er sich hüten, das auch laut zu sagen. Nicht, dass Dylan es falsch verstehen würde.
„Was verschafft mir die Ehre ihres Besuches und wer ist der kleine Mann auf ihrem Schoß?"
„Der kleine Mann heißt Dylan und ist Grund meines Besuches. Ich hab den Kleinen gestern Abend auf der Straße gefunden und ihn mit nach Hause genommen, da es schon ziemlich spät war. Remus Lupin, ein guter Freund von mir, hat dann herausgefunden, dass der Kleine ein Werwolf ist. So viel ich bis jetzt von ihm erfahren habe, haben seine Eltern ihn deshalb vor die Tür gesetzt und ich würde den Kleinen jetzt gerne adoptieren. Wenn das möglich wäre."
„Oh. Das dürfte gar nicht so leicht werden. Zum einen müssen wir die Eltern informieren und ihr Einverständnis holen, auch wenn sie den Kleinen ausgesetzt haben und zum anderen muss überprüft werden, ob es dem Kleinen bei ihnen auch gut geht. Die ganze Sache wird jedoch noch durch die Tatsache erschwert, dass der Junge ein Werwolf ist."
„Das können sie außer Acht lassen. Mein Freund Remus ist auch ein Werwolf und er hat mir vor kurzem von einem neuen Trank erzählt, der die Gefahren, die von einem Werwolf bei Vollmond ausgehen, vollkommen eliminieren."
„Wie das? Von diesem Trank hab ich noch nie gehört."
„Er ist ganz neu und gerade erst unter den meisten Werwölfen bekannt geworden. Dadurch wird der Werwolf zu einem Animagus, der ohne Schmerzen jederzeit hervorgeholt werden kann. Remus hat ihn auch schon getrunken und es gab beim letzten Vollmond überhaupt keine Probleme."
„Das ist wirklich interessant. Nun, damit dürfte zumindest das erste Problem gelöst sein. Allerdings kann es sein, dass die Eltern den Kleinen dann wieder zu sich nehmen. Wissen sie, Mister Potter, es gibt viele Eltern, die ihre Kinder nach einem Werwolfsbiss von zu Hause rausgeschmissen haben, weil sie Angst hatten. Mit dem neuen Trank könnten diese Kinder wieder nach Hause, da die Eltern keine Angst mehr haben müssen."
„Ich verstehe, was sie meinen, aber ich finde es doch ziemlich traurig, dass Eltern ihre Kinder rauswerfen, wenn größere Probleme auftreten. Was macht sie, da sie doch für das Wohl von Kindern zuständig sind, so sicher, dass die Eltern ihre Kinder nicht wieder vor die Tür setzten, sollte irgendetwas vorfallen.
Dylan war gestern, als er zu uns kam, total verängstigt. Er lässt sich von keinem außer mir anfassen, ohne dabei fast in Panik auszubrechen. Und an diesem Zustand sind die Eltern des Kleinen Schuld, da sie ihn einfach so rausgeschmissen haben. In dem Wissen, dass ein so kleines Kind sich niemals selbst versorgen könnte. Ich bezweifle, dass der Kleine recht lange alleine auf der Straße überlebt hätte.
Und aus ihren Worten schließe ich, dass es noch viele Kinder gibt, denen es ebenfalls so ergeht.
Warum tun sie nichts dagegen?"
„Mister Potter, Werwölfe sind dunkle Kreaturen. Wenn es nach den Meisten hier gehen würde, würden sie alle ausgerottet werden. Niemand interessiert sich dafür, was sie tun, so lange sie sich ruhig verhalten. Kein vernünftig denkender Zauberer würde sich freiwillig um diese Kinder kümmern. Mir persönlich tut es im Herzen weh, diesen Kindern nicht helfen zu dürfen, aber ich kann nichts dagegen tun, sonst verliere ich meine Arbeit."
„Gibt es außer Werwölfen noch andere solcher Kinder?"
„Ja. Leider viel zu viele.", meinte die Frau seufzend.
„Warum...warum baut man nicht eine Art Heim für sie? Dann müssten sie nicht auf der Straße leben. Verdammt noch mal, wir verurteilen unschuldige Kinder zum Tod, nur, weil wir uns selbst zu fein sind, uns um sie zu kümmern."
„So ist es nun mal. Und ich befürchte, das wird sich auch nicht ändern, solange das Ministerium das Sagen hat."
Harry runzelte die Stirn.
So sprach keiner, der an Dumbledore oder Fudge glaubte. Das würde kein Weißmagier sagen. Allerdings konnte Harry bei der Frau kein dunkles Mal ausmachen. Das ließ nur einen Schluss zu:
„Sie sind eine Anhängerin Voldemorts."
Die Frau zuckte kurz zusammen und wurde leichenblass.
Ein schiefes Lächeln breitete sich auf Harrys Gesicht aus.
„Keine Angst, ich verrate es niemandem aber...warum treten sie ihm nicht bei, wenn sie doch an seine Worte glauben?"
„Ich...nun ja...also.", die Frau seufzte ein mal schwer. „Jetzt ist es eh schon egal. Ich glaube zwar an das, was er sagt, aber seine Art mit den Todessern umzugehen gefällt mir nicht. Ich bin nicht wirklich daran interessiert für jede Kleinigkeit gefoltert zu werden."
Harry konnte nicht anders. Er musste einfach lachen. Das war genau der Grund, weshalb er seinen eigenen Orden gegründet hatte.
Als er sich nach einiger Zeit wieder beruhigt hatte, meinte er: „Ich war auch nicht sonderlich scharf drauf und hab deshalb die dritte Alternative gegründet."
„Wie meinen sie das?", fragte die Frau verwundert.
„Nun ja, bis jetzt gab es die Möglichkeit: Todesser oder Anhänger.
Ich selbst wollte kein Todesser werden, aber als Anhänger, der sich eigentlich nur aus der ganzen Sache raushält, wollte ich auch nicht enden. Zur weißen Seite hab ich schon seit einiger Zeit kein Vertrauen mehr, darum hab ich meinen eigenen Orden gegründet. Die Inter Parts. Wir verfolgen die gleichen Ziele wie Voldemort, unsere Organisation ist allerdings anders. Voldemort weiß von uns und akzeptiert es."
„Oh. Davon wusste ich gar nichts."
„Ist auch erst seit gestern offiziell."
„Ach so. Ähm..."
„Wenn sie wollen, können sie beitreten. Kommen sie doch einfach heute Abend um halb acht in den kleinen Park am Ende Londons. Wenn sie wollen, können sie auch andere Interessenten mitbringen. Dort haben wir mehr Zeit, das Ganze zu besprechen.
Aber...was ist jetzt mit Dylan?"
„Danke, ich werde kommen.
Wegen dem Kleinen...er scheint sich ja ziemlich wohl bei ihnen zu fühlen und wenn seine Eltern ihn wirklich rausgeworfen haben, können wir sie, bis wir eine Antwort auf die Anfrage wegen der Adoption haben, als Aufsichtsperson eintragen lassen. Das erhöht ihre Chancen, dass die Adoption später bewilligt wird, da durch die Zeit der Aufsicht auch erkannt wird, ob sie sich um den Jungen kümmern können. Immerhin sind sie noch sehr jung."
„Da haben sie recht, ich bin noch sehr jung. Allerdings war ich das auch, als Dumbledore mich mit elf Jahren für das Wohl der gesamten Zaubererschaft verantwortlich gemacht hat und mich in einen Krieg schickte, den die Erwachsenen selbst nicht gewannen.
Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie mich als Aufsichtsperson eintragen könnten.
Geben sie mir doch bitte bescheid, wenn die Antwort der Eltern eingetroffen ist. Einen schönen Tag noch."
Damit stand Harry mit Dylan, der auf seinem Schoß eingeschlafen war, auf und verließ das Büro wieder. Eine sprachlose und verwirrte Frau zurücklassend.
Als Harry sich wieder im Eingangsbereich des Ministeriums befand, apparierte er nach Hause. Er hatte Bill damit beauftragt, während sie mit dem Kleinen einkaufen waren, ein Kinderzimmer herzurichten. Dafür vorgesehen hatte er das Gästezimmer neben seinem eigenen Zimmer.
Jetzt mussten sie nur abwarten, wie es Dylan gefallen würde.
Der Kleine jedoch schlief erst mal für die nächsten Stunden in seinem neuen Zimmer.
Ginger und Hermine hatten sich bereiterklärt, bei dem Kleinen zu bleiben, solange dieser schlief, damit er keine Angst bekam, wenn er in einer unbekannten Umgebung aufwachte.
Harry hatte sich in der Zwischenzeit mit Tom zusammengesetzt, um über die weitere Verbreitung des Ordens der Inter Parts zu sprechen. Es reichte ja nicht aus, dass die Todesser und der Phönixorden bescheid wussten. Auch die restlichen Zauberer mussten informiert werden.
Ginny, die bis dahin unbemerkt in einer Ecke am Kamin gesessen und gelesen hatte, während Harry und Tom diskutierten, hatte Schlussendlich den besten Einfall.
„Gerüchte."
„Hä?", kam es verwirrt von Tom.
„Natürlich, du meinst, so wie in Hogwarts. Wir sähen einfach Gerüchte darüber, dass es einen zweiten dunklen Orden gibt, der von Voldemort akzeptiert wird. Die beiden Orden arbeiten zusammen, stehen also für die gleichen Ziele, werden allerdings von zwei verschiedenen Personen auf unterschiedliche Weise geleitet."
„Genau. Die Frage ist nur, wie machen wir das?"
Einige Zeit lang herrschte nachdenkliches Schweigen.
„Wir könnten die Clanmitglieder darum bitten, die Gerüchte in ihren Läden zu streuen. Fred und George könnten das in ihrem Scherzartikelladen auch machen. So haben wir verschiedene Orte, an denen die Gerüchte ausbrechen und es kann, sollte die weiße Seite es versuchen, nicht zu uns zurückverfolgt werden.", meinte Harry schließlich.
„Dann müssen wir mit deinem Sensei Kontakt aufnehmen, damit er die Order an die anderen Clanmitglieder weiterleitet.", meldete sich jetzt auch Tom zu Wort.
„Das dürfte kein Problem sein, der hat sich für Samstag sowieso angekündigt. Und deine Todesser könnten das ganze unter deinen Anhängern bekannt geben. Ich bin mir sicher, dass es einige gibt, die so denken wie Miss Crystan."
„Kann ich machen..."
„Ich mach's, bin sowieso mit Regulus verabredet. Bis später.", meinte Ginny nur und floh mit hochroten Wangen aus dem Zimmer.
Harry starrte ihr ungläubig einige Sekunden hinterher, ehe er sich wieder Tom zuwandte.
„Hat sie gerade gesagt, sie hätte ein Date mit Regulus?"
„So hab ich's verstanden, warum?"
„Warum? Du fragst, warum?"
„Ähm, ja. Keine Panik, Harry, Regulus wird nichts tun, was sie nicht will."
„Wenn du denkst, damit könntest du mich beruhigen, hast du falsch gedacht."
Seufzend zog Tom Harry auf seinen Schoß, der, als er realisierte, wo er sich befand, so rot anlief, wie Ginny, die eben geflohen war.
Tom kicherte leicht.
„Hab ich dir schon mal gesagt, wie niedlich du bist, wenn du rot wirst?", säuselte der dunkle Lord Harry zu, während er sein Gesicht an der Halsbeuge des anderen vergrub und dort sanfte Küsse auf die empfindliche Haus hauchte, während er mit seinen Händen zärtlich über Harrys Oberkörper strich.
„Tom...was...was hast du vor?", fragte Harry, dessen Atem sich schon erhöht hatte, abgehakt.
„Was du mich tun lässt.", war die einfache Antworte, während Tom nun begann, die andere Seite von Harrys Hals zu küssen.
„Ich hab...nicht meine Zustimmung dazu gegeben."
„Aber du hast auch nicht gesagt, dass ich aufhören soll. Nur ein Wort dagegen und ich hör auf."
„Wer's...glaubt.", meinte Harry, und konnte sich im nächsten Moment ein erschrockenes Aufkeuchen nicht verkneifen. Toms Hände hatten inzwischen nämlich damit begonnen, Harrys Hintern zu massieren und eine seiner Hände machte ganz eindeutig Anstalten, die Hose des Jüngeren zu öffnen.
Ein Räuspern ließ die Köpfe der beiden herumfahren.
Da stand eine grinsende Ginger mit Dylan an der Hand, der seinen Daddy anstrahlte.
Dieser wäre im Moment am liebsten im Erdboden versunken.
Gingers süffisantes Grinsen und das Scheinheilige „Solln wir wieder gehen?", gaben Harry den Rest und er vergrub sein Krebsrotes Gesicht an Toms Schulter.
„Fortsetzung folgt.", meinte Tom nur leise zu Harry. Dann wandte er sich den beiden anderen zu. „Ihr könnt ruhig bleiben. Wir setzten das ganze dann später fort, wenn wir ungestört sind."
Harry sprang, mit immer noch rotem Gesicht, von Toms Schoß auf, schnappte sich seinen Fast-Sohn und verließ eiligst das Zimmer.
