Bran, den 12. November
Mein lieber Bruder,
Du hattest Recht. Mephisto hat Miss Granger in diesem verfluchten Schloss ausfindig gemacht. Leider wird sie durch mehrere Zauber bewacht, so dass ich noch nicht zu ihr durchdringen konnte. Inzwischen habe ich Verstärkung erhalten; Balthasar, ein guter Freund, hat zugesagt, mir zu helfen. Er hat dasselbe Problem wie Dein Freund Remus, und so ist es für ihn eine Frage der Ehre, uns behilflich zu sein.
Allerdings kann er nicht so offen auftreten; wenn das Ministerium noch nicht genügend arme Geschöpfe gefangen genommen hat, ist auch Balthasar in Gefahr. Er ist jedoch ein äußert groß gewachsenes Geschöpf; allein seine körperliche Kraft kann uns vielleicht helfen.
Und Balthasar kennt einen alten Mann, der einmal Hausmeister auf Schloss Bran gewesen ist, als es noch nicht von den dunklen Mächten eingenommen war. Vielleicht kann er uns einen Tipp geben, wie wir unbemerkt dort eindringen können.
Ich habe Mephisto mit einem kleinen Trank-Fläschchen zu Miss Granger gesandt. Ich hoffe, es ist möglich, dass sie es durch die Gitter ihres Fensters erhält. Ich hoffe, der stärkste Schutzzauber betrifft nur die Tür zu ihrem Gefängnis.
Der Inhalt der Phiole sollte sie vor allen mir bekannten dunklen Tränken, die ihr etwas anhaben könnten, schützen, doch sicher sein kann ich nicht. Ich habe diesen Trank auch lange Zeit nicht mehr gebraut; dennoch hoffe ich, die Nebenwirkungen werden nicht allzu stark sein.
Dieser Viktor ist immer noch verschwunden; langsam denke ich, er könnte doch irgendwie tiefer in die Angelegenheit verstrickt sein, als Miss Granger – und auch ich – dachte. Denn sollte er Malfoy und seinen Leuten zum Opfer gefallen sein, hätten sie ihn sicher nicht verschont; ich hätte also seine Leiche oder was sonst von ihm übrig geblieben sein sollte, finden müssen.
Weshalb sie ihn ebenfalls festhalten sollten, ist mir nicht klar, denn Miss Granger stellt sicher einen wesentlich besseren Köder dar, um an Lupin zu gelangen.
Ein ehemaliger Hogwarts-Lehrer als Hauptattraktion; kein Wunder, dass die Malfoys mitmischen.
Severus, ich muss schon sagen, ich habe mich doch sehr darin getäuscht, in Dir einen verbitterten, in selbstgewählter Einsamkeit vor sich hin lebenden Lehrer zu sehen; unser wiederbelebter Kontakt beweist mir, dass Dein Herz immer noch am rechten Fleck sitzt. Die Gefühle, die Du für Miss Granger zu hegen scheinst, behindern hoffentlich jedoch nicht Deine Überlegtheit, die ich früher schon an meinem großen Bruder bewundert habe.
Ich bitte Dich, Severus, überstürze nichts. Wenn Du tatsächlich überwacht wirst, ist es besser, Du hältst Dich zurück. Vorerst jedenfalls, bis wir Genaueres wissen. Wenn sie Dich auch noch festsetzen, haben wir hier und auch Dein Freund vielleicht niemanden mehr, der notfalls eingreifen könnte.
Ich beende diesen Brief nun; ich erwarte Mephistos Rückkehr, hoffentlich mit einem guten Zeichen.
Malicia
