Verlieben für Anfänger 21

Er hatte viel nachgedacht über die Feiertage. Es gab da eindeutig etwas, zwischen ihr und ihm. Etwas dass er sich nicht traute näher in Worte zu fassen. Etwas, dass er mit jeder Faser seines Seins erstrebte und gleichzeitig mehr als alles fürchtete. Er war ruhelos ohne sie und unsicher mit ihr. Es war schier zum Verzweifeln.

Als er endlich einsah, dass ihn Logik und Vernunft nicht weiter bringen würden, entschloss er sich zu etwas für ihn sehr Ungewöhnlichem und Ungewohntem. Er verließ sich auf sein Gefühl und das ließ ihn wenige Tage nach Weihnachten entnervt zu seinem Winterumhang greifen und mit festem Schritt zum Apparierpunkt eilen.

Lange hatte er unschlüssig und immer wieder mit sich ringend in der dunklen Seitengasse des Londoner Vorortes gestanden. So lange, dass sein Umhang die Nässe des Bodens tief aufgesogen hatte.

London zeigte sich typisch: Nass und kalt; und so zog er seine mittlerweile klamme Bekleidung noch etwas enger um seine lange Gestalt.

Da stand er nun, er, der gefürchtete Tränkemeister von Hogwarts, wie ein unsicherer Teenager und traute sich nicht an diese verfluchte Türe zu klopfen.

Lächerlich! Wovor hatte er eigentlich Angst? Gute Frage, besser noch: Warum war er eigentlich hier, ließ sich nass werden, anstatt wohlig und zufrieden vor einem prasselnden Kaminfeuer in seinem durchaus gemütlichen Wohnzimmer zu sitzen?

Da fiel es ihm wieder ein: Der Grund war jung, sehr attraktiv, äußerst klug und vor allem, dieser Grund hatte sein Herz gestohlen, still und leise, aber – das hatte er sich irgendwann in den letzten Wochen und Tagen widerwillig eingestehen müssen – definitiv.

Verdammt! Und er wusste auch wovor er Angst hatte. Davor, dass er sich blamieren würde, dass er sich lächerlich machen würde oder genau so schlimm, dass sie mit ihm und seinem unsäglichen Gefühlschaos Mitleid haben würde.

Erbärmlich! Seine Hände ballten sich noch etwas stärker zu Fäusten. Doch dann sah er sie und ihre großen hellbraunen Augen vor sich, die ihn sanft anlächelten und ihren Mund, der ihm leise ein frohes Weihnachtsfest wünschte und er spürte wieder ihre warmen Lippen auf seiner Wange, als sie sich unerwartet auf die Zehenspitzen gestellt und ihn geküsst hatte.

Genau, das war der Grund warum er hier unsinniger Weise herum stand und es nur noch eine Frage der Zeit war, bis irgendein misstrauischer Muggelnachbar die Polizei rufen würde.

Aber er musste es endlich wissen! Er gab sich einen Ruck, straffte seine Schultern, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und betrat schließlich den schmalen Vorgarten des Eckhauses. Sein Gesicht zeigte wilde Entschlossenheit als er energisch an die mit einem weihnachtlichen Türkranz verzierte Türe klopfte.

Er musste eine Weile warten, ehe sie von einem fragend blickenden Mann von ca. 50 - 60 Jahren, mit wirrem grauen Haupthaar, einem Schnauzbart in der gleichen Farbe und einer randloser Brille geöffnet wurde.

„Professor Snape?", fragte der Hausherr verwundert und bat die schwarze, durchfrorene Gestalt mit einer einladenden Geste hinein.

Der rührte sich aber erst einmal keinen Millimeter um dieser Einladung nachzukommen.

„Guten Tag, Dr. Granger, entschuldigen sie die Störung, ich hätte nur gerne kurz Ihre Tochter gesprochen", etwas steif und hochmütig und gewohnt förmlich brachte er sein Anliegen vor.

Mister Granger blickte ihn prüfend an: „Professor, kommen Sie doch erst einmal richtig hinein und wärmen sie sich etwas auf. Das Wetter ist ja scheußlich."

Die offene und unkomplizierte Art hatte sie also von ihrem Vater, genau wie das helle Braun der Augen, wie er jetzt im erleuchteten Flur erkannte.

„Hermine ist leider nicht hier", entgegnete Mister Granger entschuldigend, als Severus an ihm vorbei getreten war, "sie ist mit meiner Frau zu einer Bekannten aufgebrochen, heute direkt nach dem Mittagessen, aber ich erwarte sie eigentlich in Kürze zurück."

Unmerklich ließ Severus enttäuscht die Schultern sinken. Sie war gar nicht zu hier. Nun, dann brauchte er hier auch nicht länger zu bleiben.

„Es stellt kein Problem dar, wenn Ihre Tochter nicht zu Hause ist. Ich möchte Sie auch nicht weiter stören, bitte richten Sie Hermine doch freundlicherweise aus, dass ich sie am 2. Januar zurück erwarte."

Severus wollte sich schon umwenden, als Mister Granger ihn zurückhielt. „Aber sie stören doch nicht, Professor! Ich würde mich vielmehr freuen, wenn sie mir die Ehre erweisen, mir bei einer Tasse Tee, die ich mir gerade frisch aufgegossen habe, Gesellschaft zu leisten."

Hm, Tee wäre sicherlich gut, schoss es durch seinen Kopf, aber er hatte nicht die geringste Lust auf oberflächliche Konversation mit einem offensichtlich gesprächigen Muggel-Zahnarzt! Er wollte daher schon zu einer ablehnenden Entgegnung ansetzen, als Mister Granger leise hinzufügte: „Und Hermine wäre sicherlich untröstlich, wenn sie gleich nach Hause kommt und Sie verpasst hätte."

Gut, da war er wieder, der Grund, warum er sich in diese überaus peinliche Situation gebracht hatte. Sie würde sich freuen! Hoffentlich!

Zögerlich drehte er sich wieder Dr. Granger zu, der ebenfalls seltsamer Weise erfreut schien, dass er den mürrischen Tränkemeister zum Tee bewegen konnte. Ihren Hang für schwierige Charaktere hatte sie dann wohl auch von der väterlichen Linie abbekommen.

„Nun, ich würde mich über einen Tee sehr freuen", er wollte sich wirklich bemühen.

Allerdings hatte er diesen Vorsatz gar nicht umsetzen müssen, denn Henry Granger erwies sich wiedererwarten als angenehmer und kluger Gesprächspartner, der über ein breites Interessensgebiet verfügte und einen unübersehbaren Hang zu Büchern und Literatur hatte.

Nach dem Tee hatten sie bei einem guten Glas Scotch über englische Literatur im Allgemeinen und Shakespeare im Besonderen diskutiert und die beiden Herren hatten über ihre interessanten Gespräche gar nicht bemerkt, dass Mutter und Tochter nach Hause gekommen waren.

Erst als Hermine, mit von der Kälte geröteten Wangen, ungläubig und staunend in der Türe zum Wohnzimmer stand, hatten sie die Rückkehr der Frauen bemerkt.

„Ah, da seid Ihr ja wieder!", hatte Mister Granger erfreut ausgerufen. „Hermine, mein Schatz, Du hast einen Gast! Professor Snape war in der Nähe und wollte Dir etwas ausrichten."

„Er war in der Nähe?", echote Hermine ungläubig.

„Ja, ist das nicht schön? Allerdings wollte er direkt wieder gehen, als ich sagte, dass ihr unterwegs seid. Aber ich konnte ihn überzeugen zu bleiben."

Mister Granger zwinkerte seiner Tochter zu. „Ich sagte ihm, dass Du Dich sicherlich freuen würdest ihn zu sehen."

Nach dem letzten Satz beobachtete nicht nur Severus Hermines Reaktion sehr genau, sondern auch ihr Vater hatte die aufkommende Röte und den leicht verschämten Blick bemerkt, den er hervorgerufen hatte. Zufrieden grinste er seine Frau an, die nun ebenfalls ins Zimmer kam und Severus genau so offen und gewinnend anlächelte, wie ihre Tochter das konnte.

„Professor Snape, welch eine Überraschung! Frohe Weihnachten Ihnen." Mrs. Granger hatte wohl ihre Gesichtszüge und ihre schlanke Figur an ihre Tochter vererbt, die glatten rotbraunen Haare, jetzt zu einem eleganten Knoten zusammengesteckt, die vielen nicht zu übersehenden Sommersprossen und vor allem die hellen grünen Augen würden vielleicht eine oder zwei Generationen überspringen.

Severus gefielen die Grangerfrauen ausnehmend gut.

„Ihnen auch Dr. Granger, und Ihnen natürlich auch noch einmal, Hermine!" Anmutig verbeugte er sich vor den Damen. Dann beging er den Fehler und blickte Hermine in die Augen.

Verflucht, er stand seit ewiger Zeit auf grüne Augen, warum war er nun so gefesselt von diesem hellen Braun? Seine ganze Gelassenheit und Beherrschtheit war gerade die Themse hinunter gespült worden. Unglaublich!

Er wusste nicht, wie lange sie sich einfach nur angesehen hatten, mitten im Wohnzimmer der Grangers, ohne etwas zu sagen oder sich zu bewegen.

Irgendwann hatte Mrs. Granger sich leise amüsiert geräuspert und vorgeschlagen: „Hermine, meine Liebe, willst Du Professor Snape nicht mit nach oben nehmen, dort könnt ihr Euch in Ruhe unterhalten, ich mache in der Zwischenzeit Abendbrot und rufe Euch, wenn wir fertig sind."

Hermine hatte sie etwas verwirrt blinzelnd angeschaut und dann abwesend genickt.

„Wenn Sie mir bitte folgen wollen, Severus. Es ist ganz oben."

Zusammen waren sie schweigend die Treppen zu Hermines Zimmer hochgestiegen. Hermine fragte sich sicherlich gerade, warum er hier in Muggellondon unterwegs gewesen wäre und er überlegte fieberhaft, wie er hier wieder ehrenvoll und unbeschadet herauskommen könnte. Leider lenkte ihn ihre wohlgeformte Kehrseite, die in engen Jeans steckte, und sich sehr nahe vor seiner Nase befand, eindeutig vom Finden kluger Ausreden ab! Bei Merlin!

Unterm Dach angekommen, hatte sie eine Tür geöffnet, und als er eingetreten war, schaute er sich doch interessiert um. Hermines Zimmer umfasste fast die gesamte Fläche des Hauses und zwei große Gaubenfenster spendeten am Tag genügend Licht, damit der Raum davon durchflutet wurde. Jetzt schaltete sie die elektrischen Lampen ein und mit einem Schlenker ihres Zauberstabes entfachte sie ein munteres Feuer im Kamin. Vor diesem standen ein einladendes Sofa und ein breiter Ohrensessel, der mit einem passenden Fußhocker zum Lesen und Verweilen einlud.

Der gesamte Raum war hell und doch gemütlich gestaltet, ein großes, weißes Himmelbett dominierte die vom Kamin abgewandte Seite, dazwischen, direkt unter der einen Gaube ein riesiger Schreibtisch, über und über mit Pergament und Büchern bedeckt. Bücher waren übrigens fast überall in diesem Raum zu finden, in den breiten Regalen, auf dem Nachttisch, auf dem Sofa und auch sonst an jeder freien Stelle dieses Zimmers. An den Wänden hingen Fotos und Bilder und viele wissenschaftliche Schautafeln und Tabellen. Es roch nach Magie und Wissen und ganz besonders nach Hermine und er fühlte sich sofort wohl.

„Bitte setzen Sie sich doch, Severus", bat Hermine und räumte die Bücher von der Couch.

„Nun, wie gesagt, ich wollte nicht stören und Ihnen auch nur ausrichten, dass ich sie am 2. Januar wieder zurück erwarte", schnarrte er in bester Lehrermanier und stand weiterhin unschlüssig vor dem Kamin. Er fühlte sich schrecklich unsicher, was sie hoffentlich nicht bemerken würde.

„Aber deswegen sind Sie doch nicht extra vorbei gekommen, oder?" Hermine hatte sich auf das Sofa gesetzt und schaute ihn zweifelnd an. Intelligenz konnte manchmal wirklich störend sein, fand Severus und verfluchte sich, dass er sich keinen besseren Grund hatte einfallen lassen. Musste er wirklich beschließen seinen Verstand auszuschalten?

„Sicherlich hätte ich eine Eule schicken können, aber ich war tatsächlich hier in der Nähe".

Klang auch nicht sehr überzeugend, gab er vor sich selber zu.

Für Hermine anscheinend auch nicht, denn ein weiterhin zweifelndes „Aha…" kam von ihrer Seite.

„Wie dem auch sei", Severus überkam langsam Panik, er musste hier weg, bevor er noch mehr Blödsinn erzählte und sich zum weltgrößten Obertrottel machte, „ich werde dann mal wieder…"

„Ich bin wirklich sehr froh, dass Sie hier,… nun, vorbeigekommen sind", unterbrach Hermine ihn leise und zupfte eindringlich an einem losen Faden ihres Sofas. „Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie noch ein wenig bleiben könnten", setzte sie hinzu.

Da war er wieder, dieser verflixte Blick aus diesen verflixten braunen Augen. Der fand irgendwie immer den direkten Weg zu seinem Herzen, und in letzter Zeit leider auch noch wo anders hin…

„Ja, nun", er musste sich wirklich zur Ordnung rufen und seine Stimme schnellstens dazu bringen nicht so heiser zu klingen, „vielleicht könnte ich ja noch etwas Zeit erübrigen."

„Sehr gut", ein warmes Lächeln breitete sich über Hermines Gesicht aus und wärmte schlagartig auch sein Herz, „aber bitte erübrigen Sie Ihre Zeit, während Sie sich zu mir setzen", Hermine wies nochmals auf den Platz neben sich und fügte spöttisch grinsend hinzu: „Ich versuche auch nicht zu beißen."

‚Wenn du mich so anschaust, wie eben, würde ich es noch nicht einmal bemerken, wenn du über mich herfallen würdest', ging es Severus resignierend durch den Sinn. Er setzte sich dennoch in Bewegung und nahm am anderen Ende des Sofas Platz.

Bedauerlicherweise – oder auch nicht – wie man es eben sehen wollte, war das Sofa nur ein bescheidener Zweisitzer und die Distanz zwischen den beiden war beängstigend gering.

Als sich ihre Knie berührten, zuckte er erschreckt zurück, was Sie zu einer weiteren belustigten Beruhigung animierte: „Ich beiße wirklich nur ziemlich selten."

„Davor habe ich eigentlich auch keine Sorge", entschlüpfte es ihm daraufhin.

„Ach", eine Hermine Granger ließ sich eine solche Vorlage nicht entgehen, „wovor haben Sie denn sonst Sorge, Severus?", flötete sie interessiert und die Betonung, die sie auf seinem Namen legte, verursachte einen erregenden Schauer auf seinem Rücken.

„Ich…", krächzend brach er ab, denn er wollte darauf auf keinen Fall wahrheitsgemäß Antwort geben.

Sie hingegen rückte doch unerhörter Weise ein spürbares Stück näher an ihn heran und da er die Lehne schon überdeutlich in seinem Rücken spürte, gab es für ihn kein unauffälliges Entkommen.

„Ja?", fragte sie unschuldig, „ich möchte wirklich gerne an ihren Sorgen teilhaben."

„Warum sollten Sie das wollen?", das wollte er auch nicht gesagt haben, aber war das nicht genau der Grund weshalb er hier war? Wollte er nicht wirklich dringend wissen, ob sie irgendein Interesse an ihm hatte, das über das Berufliche hinausging?

„Vielleicht, weil Sie mir wichtig sind, Severus", Hermines Blick war eindringlich geworden und fesselte ihn ohne jede Gegenwehr.

Und als sie flüsternd ergänzte: „und weil Sie mir viel, sehr viel bedeuten", klappte sein Mund vor Erstaunen ein kleines Stück auf.

„Als Tränkemeister?", er verfluchte sich, aber diese Frage war einfach so über seine Lippen gekommen, warum schaltete sich sein Gehirn eigentlich gerade auf Standby?

„Im Augenblick weniger", Hermines Antwort war nur noch ein Wispern, dafür war ihr Körper noch ein deutliches Stück näher an ihn herangerückt.

Unerträglich! Ihm brach der Schweiß aus.

„Sondern?", der Kloß in seinem Hals war gigantisch und sein Herz schlug ihm mittlerweile bis unter die Haarspitzen.

„Als Freund", jetzt setzte sein Herz einige holprige Schläge lang enttäuscht aus, bevor sie ergänzte, „und als Mann."

Dabei waren ihre Blicke fest auf seine Lippen gerichtet, denen sie mit ihrem Gesicht unaufhaltsam näher kam. Als er aber auch die letzte kleine Distanz zwischen ihnen nicht aus eigenem Antrieb überbrückte, setzte sie atemlos hinzu: „Und wenn ich Ihnen ähnlich wichtig sein sollte, als Freund und vielleicht auch als … Frau …, dann…", sie brauchte den Satz nicht zu beenden, er hatte es verstanden.

Endlich!

Nach so vielen Jahren, bat eine Frau ihn freiwillig und ohne Bezahlung um zärtliche Zuwendung. Es war seine zweite Chance und er ergriff sie und auch die junge Frau mit beiden Händen und zog sie zu sich heran, dann legte er seine Lippen sanft, aber bestimmt auf ihre und als der Kuss sich vertiefte, entkam ihm ein erleichtertes und sehr zufriedenes Seufzen, was ein kleines Schmunzeln auf ihr Gesicht zauberte.

Sein Körper hatte all die wunderbaren, unbeschreiblichen und einfach nur phantastischen Reaktionen gezeigt, die er seitdem noch so viele, viele Male erleben durfte. Wie hatte er nur so lange darauf verzichten können? Nach diesem Abend war seine bewusst gewählte und oftmals geschätzte Einsamkeit nur noch zweite Wahl.

Nachdem sie sich eine Weile erkundend geküsst hatten, löste sie sich ein wenig aus seiner Umarmung, streichelte über seinen Kiefernknochen und schaute ihn forschend an,

„Seit wann, Severus?"

Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust, als er ihre Hand ergriff, ihre Innenfläche zärtlich küsste und murmelte: „Schon eine ganze Weile, fürchte ich."

Hermine strahlte ihn an, „Ich wusste es! Und warum hast Du nichts gesagt?"

Aus einem ersten Impuls heraus, wollte er eigentlich schon erwidern, dass er einfach zu feige gewesen war, was sicherlich auch ein Grund war, aber so einfach war es dann doch wohl nicht.

Ernst sah er sie an, „Ich war und bin mir sehr sicher, dass ich und meine Gefühle für Dich, Deiner in keinster Weise würdig oder auch nur irgendwie angemessen sind und es für Dich besser wäre, wenn Du sie als dumme, irrelevante Schwärmerei, ignorierst." ‚Auch wenn ich nicht weiß, wie ich das überleben werde!' fügte er resignierend in Gedanken an.

Hermines Augenbrauen schoben sich entschlossen zusammen, „Ich habe aber ganz und gar nicht vor, irgendetwas in dieser Art zu ignorieren, Severus Snape! Denn zufälliger Weise bin ich mir ziemlich sicher, dass ich ebenfalls Ähnliches für Dich empfinde!"

„Ach, und warum hast Du nichts gesagt?", wollte er jetzt grummelnd wissen. Er hätte sich eine Menge schlafloser Nächte ersparen können, wenn sie ihm mal einen kleinen Hinweis gegeben hätte.

Hermine lächelte ihn kopfschüttelnd an und küsste flüchtig seine Unterlippe, dann wanderte ihr Mund bis zu seinem Ohr um dort leise zu flüstern: „Das habe ich getan, Severus, mehrfach, aber leider hast Du auf diesem Ohr so gar nicht gehört! Zudem war ich der Meinung, dass Du da auch selbst drauf kommen müsstest!"

Er fasste mit beiden Händen in ihr dichtes Haar und zog sie sanft ein Stück zurück, damit er ihr in die Augen schauen konnte, „Und warum jetzt?"

Auch Hermine vergrub ihre Finger in seinem Schopf und ihre Augen funkelten ihn an, „Weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Ich wäre spätestens am 2. Januar zu Dir gekommen und hätte Dir reinen Wein eingeschenkt, egal wie Deine Reaktion ausgefallen wäre!"

„Dann ist es doch gut, dass ich auch nicht mehr länger warten konnte!", stimmte Severus rau zu und er verschwendete keine Sekunde mehr, sondern küsste sie leidenschaftlich.

So verging die Zeit wie im Flug, bis Mrs. Granger sie zum Abendbrot gerufen hatte. Er musste einen Abschwellzauber über ihre Lippen sprechen, sonst wäre ihren Eltern sofort klar gewesen, womit sie die Wartezeit verbracht hätten. Die Gespräche beim gemeinsamen Essen waren dann fast ausschließlich von den Grangers bestritten worden, denn sowohl er, als auch Hermine waren offensichtlich mit ihren Gedanken wo anders.

Dennoch genoss er das Zusammensein mit den dreien und als er sich dann zu später Stunde und schweren Herzens von den Grangers verabschiedete, versicherte ihm Hermine, dass er spätestens am 2. Januar mit ihr zu rechnen habe.

Und er hatte wie ein Schuljunge errötend gemurmelt, dass er sich schon jetzt darauf freue.