21. Wo ist der Mut des Löwen?
Hermine saß zusammengesunken in einer Ecke des Erkers.
Die Beine waren eng an den Körper und die Arme wie zum Schutz über ihren Kopf gezogen. Das Gesicht hatte sie fest auf ihre Knie gedrückt und ihr Körper zitterte vor Anstrengung, die tiefen Schluchzer die aus ihrer Seele wollten, zu verbergen.
Snape blieb vor ihr im Erker stehen.
„Steh auf!" sagte er ruhig und als sie nicht reagiert nochmals lauter: „STEH AUF!"
Hermine kauerte sich nur noch mehr zusammen. Unbeherrscht fasste er ihren Oberarm und zerrte sie auf die Füße.
„Meine Frau wird nicht hier sitzen und sich in Selbstmitleid auflösen, verstanden?"
Hermine konnte nicht antworten, neue Schluchzer saßen ihr wie eine dicker Klos in der Kehle und machten sie stumm, aber ihre angstvoll aufgerissenen Augen sprachen Bände.
Für eine Sekunde konnte sie Snape in die Augen sehen, sein undurchdringbarer Blick schreckte sie nur noch mehr und verzweifelt versuchte sie sich seinem festen Griff zu entziehen.
Dieser jedoch zog die widerstrebende Hermine mit sich und zwang diese, sich neben ihn auf die Couch zu setzen.
Sein Griff lockerte sich etwas, als er leise sagte: „Wenn ich Dir jemals hätte Gewalt antun wollen, dann hätte ich es zu jeder Zeit tun können!"
Er schwieg einen Moment, suchte nach geeigneten Worten um fortzufahren.
„Ich hätte gegen keines unserer Gesetze verstoßen, niemand hätte mich dafür belangen können!"
Behutsam lockerte er seinen Griff um Hermines Oberarm und ließ seine Hand auf ihr Handgelenk herabsinken.
„Entgegen der Meinung meines Umfeldes habe ich doch noch so etwas wie Ehre und Anstand in diesem, allerseits verhassten Körper!"
Aus seiner Stimme sprach nun die Bitterkeit langer Jahre des Alleinseins.
Hermine wagte einen halbherzigen Versuch sich von ihm zu befreien und seine Hand abzuschütteln.
Da zog er sie plötzlich an sich, umschloss ihren zitternden Körper mit seinen Armen.
Snape grub sein Gesicht in ihre Haare und hoffte, dass wenn er sie nur lange genug festhielte, ihre Angst vor ihm endlich nur etwas Zuneigung weichen würde.
Aber es war, als hielte er eine Katze über ein Fass mit Wasser, so sehr schien sich alles in dem Mädchen gegen ihn zu sträuben.
„Ich verspreche dir, dass ich dich nicht anrühren werde, nicht eher als es unbedingt sein muß!" murmelte er und entließ sie aus seinen Armen.
„Versprochen?" Hermines Stimme klang zaghaft und voller Unglauben.
Sie war müde, ihre Lieder waren schwer und geschwollen vom Weinen, hinter ihrer Stirn hämmerte ein dumpfer Schmerz.
„Versprochen!" knurrte er und stand schnell auf.
Hermine wischte sich mit ihrem Ärmel die Tränen aus den Augen und atmete tief durch.
„Wie wäre es nun mit Abendessen?" fragte Snape freundlich.
Hermine zuckte mit den Schultern, gleichgültig sah sie auf ihre Hände.
Snape hingegen rief laut nach den Hauselfen und binnen weniger Sekunden war der Tisch gedeckt.
Aus seinen Vorräten holte Snape extra für Hermine eine Flasche süßen Elfenwein und schenkte ihr ein.
Er selber bevorzugte trockenen Rotwein aber er meinte sich zu erinnern, dass die Mädchen in seiner Jungendzeit auf den wenigen Partys zu denen er eingeladen war, Elfenwein getrunken hatten und danach sehr entspannt gewesen waren.
„Trink das!"
Hermine nippte vorsichtig an dem Getränk. Es schmeckte köstlich. Der Wein war kühl und klar und legte sich wie Balsam auf ihr geschundenes Gemüt.
Gierig trank sie das Glas rasch leer.
Lächelnd schenkte Snape ihr erneut ein.
Mit jedem Schluck fiel die Angst mehr und mehr von ihr ab.
Sie aß sogar etwas Brot und kalten Braten und das Feuer im Kamin verbreitete eine gemütliche Wärme,. die ihr erst jetzt wirklich bewusst wurde.
Das Erlebte hatte sie ziemlich verwirrt, doch wollte sie heute nicht mehr über sich und ihren Ehemann nachdenken.
Der Wein hatte ihre Glieder schwer gemacht und sie sehnte sich nach ihrem Bett.
Snape bemühte sich nicht grosartig Konversation zu betreiben.
Stattdessen beobachtete er sie nur, trank genüsslich von seinem Rotwein und aß ausgewählte Happen des Abendessens.
Er versuchte sogar, Hermine freundlich zuzublinzeln.
Diese schenkte ihm ein entspanntes Lächeln.
„Er hat tolle Augen," schoss es ihr durch den Kopf aber schon im nächsten Augenblick , „ich muss betrunken sein, DAS ist Snape!"
Ein weiteres Glas Elfenwein perlte über ihre Zunge und schmiegte sich warm an ihre Magenwände.
„Ich bin müde!"
Hermine stand schwankend auf.
Snape grinste süffisant.
"Dann wünsche ich eine gute Nachtruhe!"
Hermine taumelte beim ersten Schritt und musste sich an der Stuhllehne festhalten.
„Oh Mrs. Snape, haben wir dem Gegorenen zu sehr zugesprochen?"
Snape grinste nun unverhohlen.
Vor Hermines Augen verschwamm er zu einem schwarzen Klecks.
Sie machte zwei schwankende Schritte Richtung Schlafzimmer, dann wurde ihr speiübel und sie sank in die Knie. Alles drehte sich, alles bewegte sich und bevor es komplett dunkel wurde um sie, spürte sie noch zwei Hände die sie auffingen.
„Nein nicht," schrie alles in ihr, dann dachte sie nichts mehr und entglitt in einen wirbelnden Strudel.
Snape hatte es kommen sehen und er schämte sich etwas, dass er ihren Vollrausch nicht verhindert hatte. Elfenwein war übel, sehr übel sogar wenn man nichts gewohnt war.
Elfen verstanden mehr vom Keltern als die Muggel, ohne Frage und den hohen Alkoholgehalt schmeckte man kaum. Den Elfen war es egal, sie konnten nicht betrunken werden aber auf Sterbliche hatte der Wein fatale Auswirkungen. Hermine würde 1 bis 2 Tage außer Gefecht sein, soviel war klar.
Er trug ihren erschlafften Körper ins Schlafzimmer, legte sie auf das Bett und setzte sich einen Moment zu ihr auf die Bettkante. Er schaute sie an. Ihr Gesicht war friedlich und sie schlummerte entspannt. Die Wangen waren rosig, die Haare zerzaust, die Unterlippe im Schlafe etwas schmollend vorgeschoben.
„Warte ich mache es dir etwas bequemer," murmelte er, und zog ihr ihre Jeans aus. Ihr T-Shirt ließ er lieber unangetastet. Sicher war sicher. Er dachte an seinen Moment der Schwäche, wo er sie umarmt hatte. Das durfte nicht mehr passieren. Sie war seine Schülerin und würde es auch weiterhin sein. Keinesfalls durfte er sich zum Narren machen.
Mit einem Finger fuhr er die Konturen ihres Mundes nach, dann streichelte er sacht ihren Oberschenkel.
„Severus du bist ein Schwein!" schalt er sich leise, dann deckte er Hermine fürsorglich zu, streichelte ihr nochmals übers Haar und ging ins Labor.
Er nahm sich vor solange zu arbeiten, bis er seine unredlichen Gedanken vertrieben hatte, und das würde lange dauern.
tbc
