Awaiting the greater good

Kapitel 21

Pace

Seine Rückkehr am Abend war wie ein tosender Sturm, der Hermines gesamtes Haus erbeben ließ. Zuerst sah sie nur grobe Umrisse seiner schwarzen Kleidung, dann nach und nach schemenhaft sein Gesicht. Ein Gesicht, das etwas an sich hatte, dem sie sich nicht entziehen konnte. Selbst mit den dünnen, farblosen Lippen und all seinen zahllosen Furchen darauf konnte es Gefühle in ihr hervorrufen, wie kein anderes. Aber wie so oft war auf den von einer dunklen Aura umgebenen Zügen auch diesmal kein Lächeln erkennbar. Geplagt von Gewissensbissen sprang sie vom Sofa auf und hoffte auf gute Neuigkeiten. Vergeblich.

„Seine Begeisterung hat sich in Grenzen gehalten", verkündete er zynisch. Er fiel träge auf das Sofa, seine Hände vor dem Schoß verschränkt. „Halb so wild. Am besten, wir lassen das."

Nach seiner Unterredung mit Dumbledore hatte er lange überlegt, was er tun sollte. Sich mit Potter treffen und ihm alles sagen, während er ihm ins Gesicht blickte, oder weiter im Alleingang alles bewältigen. Aber dann hatte er feststellen müssen, dass weder das eine noch das andere eine zufriedenstellende Option für ihn war. Wenn er das, was er mit Hermine begonnen hatte, wirklich bis zum Ende mit ihr durchziehen wollte, musste er von seinen alten Gewohnheiten absehen. Es behagte ihm nicht, keine Frage. Es würde ein Sprung ins kalte Wasser werden, wie beinahe alles mit ihr. Aber es war sinnlos, sich länger dagegen zu sträuben. Alleine ihre erwartungsvollen Blicke in diesem Moment brachten den eisigen Kern in seinem Herzen zum Schmelzen.

Hermine nickte. „Wenn du es sagst", murmelte sie und setzte sich zu ihm. Anstatt darauf herumzureiten, lies sie die Angelegenheit auf sich beruhen und berichtete ihm, wie sie mit den Jungs im Grimmauldplatz Kontakt aufgenommen hatte. Sofort konnte sie spüren, wie er sich versteifte. Doch er sagte kein Wort. Schon beim bloßen Gedanken an Potters Patronus stellten sich ihm aus alter Gewohnheit die Nackenhaare auf. Für ihn war es immer leichter gewesen, auf irgendetwas (oder irgendjemand) wütend zu sein, als den beschwerlichen Weg zu gehen, bei dem das Miteinander eine Rolle spielte. Schweigsam hörte er sich demnach alles an. Wie sie erste Andeutungen machte, dass es einen Zwischenfall gegeben hatte. Wie Potter langsam aber sicher immer ungeduldiger wurde, bis er die Nerven verlor …

Als sie fertig war, rieb sie ihre Nase an seiner Wange. Er hingegen erwiderte ein wohliges Brummen, um den Zorn in ihm zu unterdrücken, der seit seiner Jugend in seien Eingeweiden steckte. Niemandem sonst gelang es, ihn so leicht zu besänftigen, das wusste er.

„Du hast ihm nicht direkt gesagt, dass wir dafür verantwortlich sind, dass wir jetzt kein Schwert mehr haben?" Seine Stimme klang gemäßigt, fast vollkommen ruhig. Trotzdem hing die Frage unbeantwortet in der Luft.

„Doch, das habe ich", sagte sie schließlich.

Er sah verwirrt aus. Damit hatte er offenbar nicht gerechnet.

„Wie meinst du das?"

„Irgendwann hätte er es sowieso erfahren. Deshalb dachte ich, es wäre eine gute Gelegenheit, den ersten Schritt zu machen."

Hellhörig geworden, zog er eine Braue hoch, so dass Hermine über den Anblick lachte.

„Entspann dich. Ich habe ihm lediglich erzählt, wie du mir einen Besuch abgestattet und mir das Schwert überreicht hast. Dabei kam es zu einer unvorhersehbaren magischen Reaktion, bei der das Schwert unglücklicherweise geschmolzen ist."

„Nicht dass ich ein Experte darin wäre, was in Potters Kopf vorgeht, aber das hat er dir abgekauft?"

Unbeholfen zuckte sie die Achseln. „Harry interessiert nicht, wie Magie funktioniert. Er will sie nur beherrschen, um diesen Kampf zu gewinnen, den er seit Jahren führt."

„Da ist was Wahres dran", bemerkte er spöttisch und ignorierte gekonnt ihr Augenrollen.

„Solange er damit Du-weißt-schon-wen vernichtet, soll's mir recht sein. Er muss sich verstecken und abwarten, bis sein großer Moment gekommen ist. Glaub mir, er hat jetzt wirklich andere Sorgen. Außerdem habe ich ihm versichert, dass wir die Magie des Schwerts immer noch zu unserem Vorteil nutzen können."

Mit einem Mal war es vorbei mit seiner Ruhe. „Du hast was?", fragte er mit bebenden Nasenflügeln.

„Er muss ja nicht wissen, woher unsere Verbindung wirklich stammt, geschweige denn, wie sie entstanden ist. Wir wissen es ja selbst kaum, wenn wir ehrlich sind."

Sein Blick wurde hart. „Verstehe ich das richtig?", hakte er nach. „Potter glaubt, die Magie des Schwerts hat eine Verbindung zwischen uns geschaffen?"

„Das tut er. Eine tödliche. Und es käme uns beiden gelegen, wenn er in dem Glauben bleibt. Jedenfalls vorläufig, bis alles vorbei ist."

Stille. In ihm aber überschlug sich alles. Er dachte an die unzähligen magischen Gesetze, die er im Laufe seines Lebens kennengelernt hatte. Daran, wie er von klein auf versucht war, ihrer Herr zu werden. Und dann daran, mit welcher Gleichgültigkeit und Arroganz selbst manch gelehrte Hexe oder weiser Zauberer ihnen gegenübertrat. Magie steckte in so vielen Dingen. Sie konnte winzig klein und banal oder schrecklich und zerstörerisch sein. Dabei waren es in Wahrheit bloße Mysterien, die sich hinter all dem Unerklärlichen verbargen und darauf warteten, entschlüsselt zu werden. Am meisten die, die keiner logischen Gesetzmäßigkeit folgten und sich scheinbar nach Lust und Laune wandelten.

„Vielleicht hast du recht und es ist besser so", hörte er sich sagen.

Ihr war unbegreiflich warum, aber wie auf Knopfdruck atmete sie befreit aus. Wenn sogar er seine übliche Skepsis überwand, konnte ihre Entscheidung nicht die schlechteste sein. Zwar hatten sie noch immer keine Ahnung, wie es tatsächlich um ihre Verbindung bestellt war, doch das ließ sich herausfinden. Deshalb reiste Hermine noch am selben Abend zum Grimmauldplatz, um ihre beiden Freunde zu sich zu holen. Severus wollte derweil auf sie warten. Das unterschwellige Grinsen um seine Mundwinkel verriet ihr, dass er es genoss, Harry und Ron auflaufen zu lassen, wenn sie ihn zu Gesicht bekämen.

Da sie und die Jungs wieder miteinander redeten, war alles sehr viel einfacher geworden. Sie hatten längst ausgetüftelt, wie sie die Todesser vor dem Haus unschädlich machen sollten. Hermine brauchte ihren Freunden nur im Vorfeld ihren Besuch anzukündigen, um nicht wieder stundenlang draußen eine passende Gelegenheit abwarten zu müssen, die es ihr erlaubte, ins Haus zu gelangen. Alle drei wurden so immer besser im Umgang mit ihren Patroni. Nachdem Harry und Ron die Wachposten von einem Fenster aus mit einem Verwirrzauber belegt hatten, schlüpfte Hermine schnell ins Innere und richtete die Schutzzauber so ein, dass sie fortan bequem zwischen dem Grimmauldplatz und ihrem Elternhaus hin und her apparieren konnten. Einziger Nachteil dieser Neuerung war die Aufgabe ihrer geheiligten Privatsphäre. Von nun an würden sie und Severus wieder vorsichtiger sein müssen. Und das nicht nur, was zukünftige Besuche des Professors anbelangte.

Gleich bei ihrer Ankunft mit den Jungs stellte sich eine kühle Atmosphäre ein. Harry und Ron hatten sicher nicht erwartet, ihren ehemaligen Lehrer auf einem Sessel in Hermines Wohnzimmer sitzen zu sehen. Beiden gefiel gar nicht, was sich vor ihren Augen auftat. Und in beiden arbeitete es unübersehbar, ob sie ihn nicht doch vorsichtshalber mit ihren Zauberstäben ausquetschen sollten, um ihn zur Rede zu stellen; denn dass es so einiges gab, was sie nur zu gern gewusst hätten, verstand sich von selbst.

Noch bevor sich die beiden von ihrer Schockstarre erholt hatten, schritt Hermine bereits zur Tat. Sie deutete auf ein gutes Dutzend Bücher, allesamt vor Severus auf dem mit Hilfe eines Zaubers auf das Doppelte seiner Größe herangewachsenen Sofatisch ausgebreitet. „Wie ihr sehen könnt, stehen wir vor einem großen Rätsel, denn keines der Bücher liefert eine vernünftige Antwort auf die Frage, womit wir es zu tun haben. Deshalb", sie klappte der Reihe nach mehrere Buchdeckel zu und deutete auf den darunterliegenden Klumpen, der einmal das Schwert gewesen war, „werdet ihr euch jetzt alle zusammennehmen, damit wir gemeinsam eine Lösung für unser Problem finden können." Ein bedeutungsvoller Blick in Richtung des Professors folgte, der daraufhin sofort entnervt die Augen verdrehte. „Das gilt auch für dich, Severus."

Während Harry und Ron hörbar nach Luft schnappten, ließ Severus ein süffisantes Schnauben vernehmen.

„Ich bewundere dein Taktgefühl, Hermine", rollte es sanft von seinen unbeweglichen Lippen. Ein Teil von ihm schien amüsiert, ein anderer fassungslos, dass sie ihn vor ihren Freunden mit seinem Vornamen angesprochen hatte.

„Und wenn schon. Sie sollten wissen, dass wir zusammen sind." Zwei unterdrückte Aufschreie waren zu hören, die sie aber ignorierte, wohingegen Severus die Pupillen bedrohlich zu Schlitzen formte, als würde er sie warnen wollen, an diesem Punkt Schluss zu machen. Aber auch ihn beachtete sie nicht. Genauso wenig wie den beklemmenden Druck in ihrer Brust, den sie schlicht auf die Aufregung schob, einen Horkrux zu zerstören. „Ich verlange nichts von euch, was ich nicht selbst zu tun bereit bin, noch möchte ich meine Gefühle länger unterdrücken. Harry, Ron, es ist, wie es ist. Severus ist nicht unser Feind, sondern Ihr-wisst-schon-wer. Leider kann uns das Schwert jetzt nicht mehr gegen ihn helfen, es sei denn, wir wollen ihn mit diesem Klumpen bewerfen. Oder ihr kennt zufällig einen Kobold, der uns daraus eine neue Waffe schmiedet." Sie schüttelte den Kopf. „Aber das ist unmöglich. Ich hab mir alles gut überlegt, wie ihr seht, kein Kobold würde uns diesen Gefallen tun. Außerdem wissen wir nicht, ob es überhaupt funktionieren würde", fügte sie theatralisch an, ehe sie sich direkt an Severus wandte. „Hab ich noch was vergessen?"

„Abgesehen davon, dass unsere Beziehung der Geheimhaltung unterliegen sollte, da uns deine Freunde mit ihrer Neugierde höchstwahrscheinlich in ein weiteres Dilemma stürzen werden, hast du an alles gedacht. Wenn du mich fragst, stehen wir in der Tat vor einer beachtlichen Herausforderung."

„Sie fragt aber keiner." Unverkennbar Harry. „Du und er?", würgte er hervor. „Wie konnte das nur passieren?"

Severus war plötzlich auf den Beinen und zog aufgrund seiner Statur und der üblichen Montur alle Aufmerksamkeit auf sich.

Nein, bloß kein Streit zwischen euch.

Schmerzhaft biss Hermine sich auf die Unterlippe, sammelte im selben Atemzug ihre ganze Energie und fauchte angriffslustig. „Darüber zu urteilen, steht dir nicht zu, Harry. Das ist ganz meine Sache."

Ein scharfer Blick zu Ron folgte, was jedoch überflüssig war, da dieser allem Anschein nach die Sprache verloren hatte. Ihm stand fassungslos der Mund offen.

„Ehrlich, ihr könntet wenigstens so tun, als würdet ihr euch für mich freuen. Ich bin glücklich mit meiner Wahl."

In den Augen des Professors blitzte es befriedigt-diabolisch auf. Er genoss ohne jeden Zweifel, dass sie das sagte, und gab sich keine Mühe, es zu verbergen. Ein Umstand, der Hermine erstmals zu Denken gab. Was war nur mit ihr los? Vielleicht war sie doch etwas zu euphorisch gewesen mit ihrer Offenbarung. Vielleicht hätte sie sich nicht dazu hinreißen lassen dürfen …

„Wenn du keine weiteren Überraschungen hast, werde ich jetzt wieder gehen", kündigte Harry unerwartet an.

„Ich komme mit", entschied Ron.

Hermine schnellte nach vorn und stellte sich ihnen in den Weg. Sie befürchtete bereits, dass Ron ausschließlich das tun würde, was Harry vorhatte. Doch das musste sie verhindern.

„Ron, das kannst du nicht machen. Wir müssen zuerst den Horkrux vernichten. Denk doch nur an Ginny und daran, was Du-weißt-schon-wer ihr angetan hat!"

Harry war kurz vor dem Ausrasten. Die Züge auf seinem Gesicht hatten noch nie so hart gewirkt wie in diesem Moment – Ginny ging auch ihm unter die Haut. „Wie denn? Wie zum Teufel willst du ihn ohne das Schwert zerstören?", herrschte er sie an. Für ihn war klar, wer die Schuld daran trug, dass sie die nützlichste Waffe im Kampf gegen die Horkruxe verloren hatten. Er würde aufgrund ihrer gemeinsamen Vorgeschichte immer einen Weg finden, Severus etwas anzuhängen.

„Du irrst dich, wenn du denkst, Severus hätte etwas damit zu tun. Ich war die, die das Schwert zuletzt in Händen hatte. Ich weiß, es klingt verrückt, aber in mir steckt so viel Magie, dass ich fast explodiere." Allmählich ging ihr ein Licht auf: Soviel zu ihrem mangelnden Taktgefühl.

„Das Schwert … hat irgendwas mit mir gemacht. Also hol endlich den verdammten Horkrux heraus und leg ihn auf den Boden", sagte Hermine unbeirrt von seinem misstrauischem Blick. Obwohl sie nicht wusste, was sie tun musste, um ihre Aufgabe zu erfüllen, spürte sie doch die geballte Ladung der neugewonnenen Kraft, die in ihr steckte. Einer Kraft, die ungestüm aus ihr herauszubrechen drohte, wenn sie nicht bald zum Einsatz kam. Es war ihre womöglich einzige Chance, Harry ihre Theorie zu beweisen. Außerdem waren sie Dank der Elfen so weit gekommen, viel weiter als ursprünglich erhofft, dass es jetzt kein Zurück mehr gab.

Ohne länger zu zögern, fasste sie nach Severus' Arm und zog ihn zu sich heran. Nur für alle Fälle, dachte sie insgeheim und wurde auch schon von einer Woge der Erleichterung erfasst; es war bemerkenswert, wie ruhig er geblieben war. Lediglich seine zusammengezogenen Brauen verrieten, dass es finster in seinem Kopf rumorte.

Noch während Harry überlegte, stieß Ron ihn auffordernd in die Seite. „Wenn es nicht klappt, verschwinden wir."

Schließlich stimmte Harry zu und tat, wie ihm geheißen. Der Horkrux, in der Mitte der kleinen Runde liegend, wirkte so unscheinbar wie eh und je. Hermine wollte sich ihm gerade nähern, als Severus einen Schritt nach vorne machte.

„Mir wäre wohler zumute, wenn ich das erledige", forderte er ernst.

„Das glaube ich dir gern", sagte sie sanft über den wohltuenden Klang seiner tiefen Stimme hinweg, die sofort ihre Knie ins Wanken brachte. Es war zwecklos, den Einfluss, den er auf sie hatte, weiter zu analysieren. Jedenfalls in diesem Moment. „Aber du bist derjenige, der Voldemort unter die Augen treten muss. Deshalb wäre mir wohler zumute, wenn ich es tue."

Erneut war ein aufgebrachtes Stöhnen zu hören, doch wenigstens hielt Harry nun die Klappe.

Mit all ihrem Mut ging sie vor den Versammelten auf die Knie und streckte ihre Hände nach dem Becher aus. Sie konnte fühlen, wie ihre Haut prickelte. Vollkommen selbstverständlich streckten sich ihre Finger danach aus, als wäre sie von einem Kraftfeld umgeben, das ihr die unausweichliche Richtung wies. Und dann, im selben Moment, als sie den Becher berührte, fingen ihre Fingerspitzen gleißend zu Leuchten an.

Erschrocken wich sie zurück. Die Aufregung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie hatte gespürt, wie ihre Hände vibrierten und auch jetzt war ihr, als würde sie noch am ganzen Leib beben.

„Habt ihr das gesehen?"

Severus kniete sich neben sie und begutachtete mit prüfendem Blick aus der Nähe den Becher. „Er schmilzt", sagte er trocken.

Und tatsächlich, an der Stelle, die Hermine berührt hatte, waren eindeutige Spuren der Zerstörung erkennbar.

„Er kann uns nichts tun", setzte Severus entschieden nach. „Es funktioniert."

Unbeabsichtigt griffen er und Hermine gleichzeitig nach dem Becher, was zur Folge hatte, dass ein gewaltig helles Licht den Raum erfüllte. Mit einem Zischen sackte das Metall formlos in sich zusammen und jegliche Magie daran wurde unschädlich gemacht. Zurück blieb, wie schon bei dem Schwert, ein harmloser, unbrauchbarer Klumpen.

Eine Hand auf Hermines Schulter besagte ihr, dass es endgültig vorbei war. Sie fühlte sich wie in Trance, als sie in Severus' Gesicht blickte. Glücklich, verwundert.

Sie fiel ihm um den Hals und vergrub ihre Nase tief in seinem schwarzen Haar.

„Wie ist das möglich?", hauchte sie leise.

Er brachte sie sacht auf Abstand, seine Augen bohrten sich in ihre; erst jetzt realisierte sie, dass Harry und Ron auch noch da waren, obwohl die beiden selbst zutiefst benommen wirkten.

„Das Schwert muss dir seine Magie übertragen haben. Und du hast sie auf mich übertragen."

Ergab das einen Sinn? Seine Worte brachen wie eine aufwirbelnde Welle über ihren Verstand herein. „Denkst du, dass die Prophezeiung die ganze Zeit darauf bezogen war?"

„Ich weiß nicht, was ich denken soll, Hermine. Seit wir wissen, dass du Teil einer Weissagung geworden bist, geht alles drunter und drüber. Aber wir haben eines soeben am eigenen Leib erfahren: Du bist in der Lage, unbeschadet mit deinen bloßen Händen einen Horkrux zu zerstören."

Wir", berichtigte sie und grinste verschlagen. Sie konnte es nicht aufhalten, die Freude brach einfach aus ihr heraus. „Wir sind die ultimative Waffe gegen Voldemort."

Die Erkenntnis jagte ihr Tränen in die Augen. Ungeachtet des leisen Gemurmels ihrer Freunde im Hintergrund warf sie sich ihm noch einmal entgegen und ließ den Dingen, wie auch ihren Gefühlen, freien Lauf und küsste ihn. Dabei war egal, was Harry und Ron davon halten mochten, solange sie in seinen Armen Zuflucht fand. Und das tat sie. Sie war bei ihm, sie war mit ihm. Koste es, was es wolle. Um nichts würde sie ihn abermals aufgeben oder sich davon abhalten lassen, ihre tiefsten Empfindungen mit ihm zu teilen. Erst recht nicht in einem Moment wie diesem.

Sie atmete von seinem betörenden Duft berauscht pures Glück in sich ein und schwelgte darin wie eine Königin in ihrem Sieg über ein gefürchtetes Heer. Nach und nach fügte sich alles, wie es sein musste. So dachte sie zumindest.

Als sie sich Minuten später umsah, war sie mit Severus allein im Raum.