Kapitel 24: Okklumentik/ Legilimentik

„Legilimens!" ertönte Snapes emotionslose Stimme durch die dunklen Kerkerräume an denen das Licht der Fackeln bei jedem Windhauch dem Raum ein verändertes Aussehen verpasste.

Ohne Erbarmen war die Zeit bis zum Freitag wie im Fluge vergangen, an dem Harry wieder seine Okklumentikstunden beginnen musste. In der letzten Woche war wieder einmal so viel geschehen, dass er nicht einmal dazu gekommen war, seine eigenen Okklumentikübungen fortzusetzen. So war er mit relativ schlechtem Gewissen nach dem Abendbrot zu den Kellerräumen aufgebrochen. Der aufbauende Kuss seiner Freundin hatte ihn wenigstens kurzfristig aufgeheitert, konnte allerdings nicht alle schlechten Erinnerungen an diese Stunde entfernen.

Dies hatte sich auch nicht gerade verbessert, als Harry beim Eintreten in den Kerker als erstes seinen Lehrer dabei beobachten konnte, wie dieser einige Gedanken in Dumbledores Denkarium beförderte. Die giftigen Blicke von Snape bewiesen ihm dabei nur zu gut, dass dieser sich wohl genauso gut an den Vorfall im letzten Jahr erinnern konnte, bei dem Harry getrieben von seiner Neugier in das Denkarium gefallen war. Im Nachhinein wusste es Harry nicht mehr so genau, wie er es geschafft hatte, das er lebendig und in einem Stück den Klassenraum verlassen hatte.

Auch für Harry waren die Gedanken an diesen Vorfall nicht gerade erfreulich. Zum ersten Mal in seinem Leben musste er feststellen, dass sein Vater nicht immer so ein guter Mensch gewesen war, wie ihn alle beschrieben hatten. Am meisten ärgerte Harry dabei, dass es ausgerechnet Snape war, den sein Vater ständig lächerlich machen musste. Dadurch konnte ihm Snape manchmal sogar ein kleines bisschen Leid tun. Allerdings bemühte dieser sich stets darum, dass Harry nicht zu große Gewissensbisse bekam. Doch wenn er es genau bedachte, dann verhielt sich Snape dieses Jahr anders. Nicht nur, das er seltener Schüler einschüchterte und Strafarbeiten verteilte, nein - es schien fast so, als ob er seinen Groll gegen Harry vergessen oder verdrängt hätte.

„Ein bisschen mehr Konzentration, Potter!" holte ihn Snape aus seinen Gedanken zurück. „Auch wenn ich nur einen kurzen Blick von dem Fuchsbau erhalten habe, sollten Sie sich darauf konzentrieren, damit meine wertvolle Freizeit nicht vollkommen verschwendet ist." Die schwarzen Augen hatten sich bedrohlich verengt und fixierten ihn grimmig. Früher wäre Harry bei so einem Blick das Herz in die Hose gerutscht, aber er kannte seinen Zaubertränkelehrer einfach zu gut, als das ihn dieser Blick beeindrucken würde.

„Noch ein Versuch! Vielleicht haben sie ja diesmal etwas mehr Glück!" sagte Snape gehässig und sah Harry höhnisch an. Harry wusste genau, dass er dies nur tat um ihn zu provozieren, damit er sich anschließend nicht auf seine Okklumentik konzentrieren konnte. Doch wozu hatte er die ganzen Übungen in seinen Sommerferien gemacht? Er wollte sich weder von Malfoy noch von Snape provozieren lassen. Besonders, da er wusste, wie sehr er die Beiden damit ärgerte, wenn er seine Beherrschung nicht verlor.

Also konzentrierte er sich auf darauf, seine bisherigen Übungen umzusetzen. Er überprüfte, ob alle seine Türen in seinem Kopf verschlossen waren und stellte erfreut fest, dass dies so war. Keine Sekunde zu früh, denn schon ertönte wieder Snapes Stimme durch den Kerker: „Legilimens!"

Harry spürte einen leichten Druck in seinem Kopf, welcher ihn zu seinen Gedanken während des Sommerurlaubs ziehen wollte. Er sah schon seine Erinnerungen von dem Training mit Remus auf sich zueilen und verschloss die letzten Türen zu dieser Erinnerung besonders fest. Zwar verstärkte sich der Druck auf seine letzten Türen noch etwas, aber sie hielten dem Angriff stand. Ziemlich außer Atem brach Snape den Versuch ab. Harry konnte sich bei dem Anblick seines Professors ein Lächeln nicht verkneifen, da dieser verzweifelt versuchte wieder ruhig zu atmen. Dieses wurde ihm aber schnell wieder vom Gesicht gewischt, als ein gezischtes „Anfängerglück, Potter! Noch einmal!" Snapes Mund verließ.

Beim nächsten Versuch schien Snape nach anderen Ereignissen bei Harry zu suchen, denn er stellte fest, dass sie auf dem Weg zu seinen Erinnerungen an die letzten Okklumentikstunden waren. Aber auch hier konnte Harry ihm eilig einige weitere Türen in den Weg legen. Nach zwei weiteren Versuchen, brach ein sichtlich genervter Zaubertrankprofessor seine Versuche ab, in Harrys Geist einzudringen.

„Sie scheinen ja tatsächlich etwas gelernt zu haben", hörte Harry die sarkastische Stimme von Snape. Harry ließen diese Worte aufhorchen. War das wirklich schon fast ein Lob seines „Lieblings"-Professors? Das konnte doch nicht wahr sein! Oder doch?

Bevor er dieses außergewöhnliche Lob weiter verarbeiten konnte, wurde er bereits wieder durch eine leise und bösartig klingende Stimme unterbrochen.

„Dass Sie es meist schaffen mich aus ihren Gedanken herauszuhalten, bedeutet allerdings nicht das Sie dies´ beim Dunklen Lord auch schaffen werden." Er legte eine Kunstpause ein, bevor er fort fuhr. „Daher werden Sie auch weiterhin freitagabends hier mit mir üben. Der Direktor wünscht zudem, das Sie eine Einführung in die Legilimentik erhalten."

Harry sah überrascht in die dunklen, kalten Augen seines Gegenübers. Er sollte Legilimentik lernen? Wozu? Dumbledore wollte das er in die Gedanken anderer sehen konnte und er sollte das ganze mit Professor Snape üben?? Ob das so eine gute Idee war, ausgerechnet das von Snape zu erlernen und auch … er wagte gar nicht daran zu denken … an ihm zu üben? Er sollte schnell sein Testament schreiben, dachte sich Harry. Das war schon zum Scheitern verurteilt.

„Beim nächsten Mal werden Sie lernen, wie sie ihre Türen noch wirkungsvoller verstärken können. Dann werden wir mit Legilimentik und dem absichtlichen Zeigen selbst erfundener Gedanken weiter arbeiten. Ich erwarte von Ihnen, das Sie sich anstrengen, denn der dunkle Lord wird nicht so sanft mit ihnen umgehen wie ich." Ein zynisches Lächeln umspielte die Mundwinkel des Zaubertranklehrers, und er strich sich eine fettige Haarsträne aus dem Gesicht. Harry wollte schon patzig antworten, dass er es selbst wisse, wie Voldemort mit ihm umgehe, da wurde er auch schon wieder unterbrochen.

„Sie können gehen, Potter", knurrte der Professor und wandte sich nun einigen Pergamentblättern auf seinem Schreibtisch zu. Das ließ sich Harry bestimmt nicht zweimal sagen, und so packte er schnell seine Tasche und eilte aus dem kalten Kerker, mit dem vagen Gedanken, sich an Ginny wieder etwas aufzuwärmen…

Bei jedem Essen in der großen Halle wurde Harry wieder daran erinnert, wie merkwürdig sich Dumbledore manchmal verhielt. Nicht das bei jedem Essen etwas Ungewöhnliches geschah, sondern allein der Anblick des Schulleiter bereitete Harry Sorgen. Die Gesichter der anderen Professoren waren dabei auch nicht besonders hilfreich ihm diese Sorgen zu nehmen, denn nicht nur auf McGonnagals Stirn waren stets deutliche Sorgenfalten zu erkennen.

Daher hatte Harry beschlossen, sein eigenes Training zu intensivieren. In fast jeder freien Minute war er im Raum der Wünsche und übte besonders die Sachen, welche ihm noch Probleme machten. Während seine Fortschritte bei Zauberkunst ganz gut waren (er hatte damit begonnen mit einem oder zwei Säbeln gegen eine herbei gewünschte Puppe zu kämpfen), lief sein Training mit den nonverbalen Zaubersprüchen immer noch ziemlich schlecht. Zwar hatte er mittlerweile einen Expelliarmus geschafft, allerdings war der Zauber so schwach, das er schon durch eine Handbewegung weggewischt werden konnte. Aus Wut über sein Unvermögen bei diesen Sprüchen war er wieder zu den Waffen zurückgekehrt und hatte wieder einmal begonnen, eine Puppe mit 2 Säbeln zu zerfetzen. Allerdings war dabei seine Konzentration nicht durchgehend auf die Puppe konzentriert gewesen, und schon hatte ihm ein Säbel einen tiefen Schnitt im Oberschenkel hinterlassen. Notdürftig hatte er sich ein Stück Stoff um das Bein gewickelt und war zum Krankenflügel gehumpelt. Allerdings stellte sich das nicht so vorteilhaft für sein Bein heraus, denn kaum hatte er den Krankenflügel erreicht, verweigerte sein verletztes Bein seinen Dienst und er konnte sich gerade noch an einem der Betten festhalten. Der Umhang war mittlerweile schon fast überall von seinem Blut getränkt, und die herbeieilende Krankenschwester war alles andere als begeistert.

„Mister Potter, was haben Sie denn schon wieder angestellt!" sagte sie vorwurfsvoll, während sie ihn energisch auf das freie Bett drückte.

„Ich habe mich schon gefragt, wann ich sie dieses Jahr wieder sehe, immerhin scheint sie dieser Ort hier wie magisch anzuziehen.

Ohne weiter auf eine Antwort zu warten hatte sie bereits begonnen die Wunde zu waschen, um sie anschließend mit einem Zauber wieder zu verschließen.

„Vielen Dank", begann Harry und wollte schon wieder aufstehen, als ihn Madam Pomfrey nicht gerade sanft wieder aufs Bett drückte.

„Kommt überhaupt nicht infrage, dass sie schon wieder gehen", sagte sie streng und hatte Harry mit einem Schwenk ihres Zauberstabes seiner Kleidung entledigt und gegen einen Pyjama ausgetauscht.

„Aber es geht mir doch …", begann er zu widersprechen, wurde allerdings sofort unterbrochen.

„Keine Widerrede. Sie haben zuviel Blut verloren, das muss erst wieder nachgebildet werden. Und so lange bleiben sie hier. Trinken sie das, es wird die Blutbildung unterstützen." Sie hielt ihm ein Gefäß mit einer hellgrün schimmernden Flüssigkeit entgegen. Ohne weiter zu murren nahm Harry die Flasche entgegen und trank sie in einem Zug lehr. Es schmeckte wie die meisten Heiltränke nicht besonders gut, aber Harry hatte ja damit schon ausreichend Erfahrung gesammelt. Als die Schulkrankenschwester sicher war, dass Harry den Trank auch geschluckt hatte und so schnell keine Fluchtversuche mehr unternehmen würde, machte sie sich wieder auf den Weg in ihr Büro. Allerdings sah Harry es ganz und gar nicht ein, einfach nichts tuend im Bett zu liegen - und so rief er sich sein Buch über das Apparrieren an sein Krankenbett, um daran weiter zu lesen. Er war bisher noch nicht so oft dazu gekommen darin zu lesen und nahm sich dies nun für die nächste Zeit öfters vor. Wer wusste schon, wann er das mal gebrauchen konnte. Doch nach zwei Kapiteln hatten seine Augen dermaßen gebrannt, dass er das Buch unmöglich weiter lesen konnte. Kaum hatte er es aus der Hand gelegt, war er schon fast eingeschlafen. Sein letzter Gedanke, Madam Pomfrey müsse wohl ein Schlafmittel in den Blutbildenden Trank gemischt haben, und die Rache dafür, hatte er am nächsten Morgen bereits wieder vergessen.

Kaum war Harry wieder aus dem Krankenflügel entlassen, da stürmte schon Ginny mit Unheil verkündender Miene auf ihn zu.

„WAS HAST DU SCHON WIEDER ANGESTELLT UM IN DEN KRANKENFLÜGEL ZU KOMMEN?" Harry zog seinen Kopf ein und versuchte erfolglos, Ginny zu beschwichtigen.

„Ich war gestern noch ein bisschen mit den Säbeln trainieren und dabei…", begann er vorsichtig.

„BIST DU VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN?" Kaum merklich senkte sie die Stimme, da einige neugierigen Erst- und Zweitklässler vorbei kamen. Diese flohen allerdings vor dem finsteren Blick, den ihnen Harry zuwarf.

„Mit den Säbeln zu trainieren, und das allein! Du musst verrückt geworden sein. Du hättest mir etwas sagen können, das du trainierst."

„Das war alles nicht so schlimm, Madam Pomfrey hatte mich sofort wieder…"

„NICHTS IST IN ORDNUNG! Was wäre passiert, wenn du dich nicht mehr hättest bewegen können, um zum Krankenflügel zu gelangen. Du denkst einfach nie nach! Du hättest sterben können." Ginny standen wirklich die Tränen in den Augen und Harry fühlte sich auf einmal ziemlich schlecht dabei. Er war Schuld, das Ginny sich solche Sorgen machen musste, durch wieder einmal so eine unüberlegte Sache. Ja, er war wirklich ziemlich unvorsichtig gewesen und hatte nicht überlegt, was alles mit einer wirklichen Waffe passieren könnte.

Doch bevor er Ginny in die Arme schließen konnte hielt sie ihn auf und sagte zaghaft: „Bitte versprich mir, niemals wieder allein mit den Muggelwaffen zu üben! Ich will dich nicht verlieren." Weitere Tränen strömten über ihre Wangen und sie zitterte leicht, wie Harry besorgt feststellen musste.

„Ich verspreche es dir", sagte er mit belegter Stimme und schloss sie in seine Arme, wo sie ihren Kopf an seiner Schulter vergrub. Beruhigend strich Harry ihr über den Rücken und flüsterte ihr dabei zusammenhanglos beruhigende Worte zu.

Als sich Ginny langsam in Harrys Armen entspannte und sich noch fester in seine Umarmung schmiegte, fühlte er sich wieder richtig lebendig.

„Lass uns zum Gemeinschaftsraum gehen", schlug Harry vor. „Immerhin werden sich Ron und Hermine auch Sorgen gemacht haben."

„Um Ron brauchst du dir keine Sorgen zu machen", warf Ginny missmutig ein. „Er hat sich gestern mit Hermine im Gemeinschaftsraum gestritten, weil er es immer noch nicht akzeptieren kann, dass wir so glücklich zusammen sind, während er selbst…" Ginny ließ den Rest des Satzes offen, aber Harry wusste genau was sie sagen wollte.

„Und hat es Ron eingesehen, dass er nur bei sich etwas ändern kann?" fragte Harry, ohne jedoch daran zu glauben, dass es so gekommen war.

„Nein, du kennst doch Ron", bestätigte ihm Ginny. „Er hat sich wie ein Stier verhalten, der ein rotes Tuch gesehen hat. Hermine hat zwar versucht es ihm zu erklären, aber irgendwann ist sie wütend in ihrem Schlafsaal verschwunden."

„Hmmm", antwortete Harry wenig geistreich. Er war eigentlich nur froh, dass Ginny ihm verziehen hatte und alles andere war im Moment nicht wichtig. Zu seinem Bedauern brauchten sie keine Ewigkeiten, bis sie den Gemeinschaftsraum der Gryffindors erreicht hatten.

Obwohl sie mittlerweile bestimmt schon ein Achtel der Bibliothek auf der Suche nach einem Hinweis wegen Dumbledores Erkrankung durchsucht hatten, waren sie noch immer nicht weiter gekommen als bei Beginn der Suche. Hermine war dabei auf die Idee gekommen, auch mal in der Bibliothek der Blacks zu suchen, da sie dort vielleicht fündig werden würden. Doch da sie Hogwarts nicht während des Schuljahres verlassen durften, dachten sie zuerst, dies erst in den Weihnachtsferien durchführen zu können. Woran sie allerdings nicht gedacht hatten, war ein übereifriger Hauself, der nun mit Begeisterung Harry diente. Ohne es beabsichtigt zu haben, war Ron auf die Idee gekommen, dass sie Dobby die Bücher zusammen suchen lassen konnten. Der Hauself hatte sich auch nur allzu gerne dazu bereit erklärt ihnen täglich neue Bücher vorbei zu bringen, so dass sie nach und nach die Bibliothek durcharbeiten konnten. Das war für alle die beste Lösung, da sie sich nun nicht mehr an die Öffnungszeiten in der Bibliothek halten mussten, da viele der ´interessanteren´ Bücher nicht verleihbar waren. Und Dobbys Augen glitzerten vor Freude, dass er Harry helfen durfte bei seiner Suche nach einem Gegenmittel (oder Fluch). Manchmal übertraf er sich selbst, wenn er die Bücher sogar schon vorsortiert hatte, so dass sie nur die viel versprechenden Stellen lesen mussten. Aber auch mit dieser gewaltigen Hilfe, kamen sie nicht von der Stelle. Als sie mal wieder in dem Gemeinschaftsraum ein Buch aus der Black Bibliothek durchgearbeitet hatten, indem zwar höchst interessante Tränke verzeichnet waren, welches ansonsten aber völlig nutzlos war, knallte Hermine das Buch wütend zu.

„Das hat doch alles keinen Sinn", sagte sie aufgebracht und betrachtete das Buch feindselig, als sei es selbst dafür verantwortlich, dass nicht das Richtige darin gestanden hatte. Harry wollte zwar etwas einwenden, aber ihm viel einfach nichts ein, was sie aufheitern konnte. Insgeheim fragte er sich selbst wie sinnvoll ihre Suche eigentlich war oder ob sie nur ihre Zeit für Nichts verschwendeten. Die anderen aus der DA schauten auch nicht besonders motiviert, und so beschloss Harry, dass sie für heute die Suche einstellen sollten. Immerhin war morgen auch noch ein Tag an dem sie weitere Bücher durchforsten konnten.

„Lass uns für heute aufhören und etwas anderes tun." Harry schaute zu seinen Mithelfern, die ihm zustimmend ansahen und seiner Ankündigung nur zu gerne folgten.

„Was machen wir nun?" fragte Ginny ihren Freund welcher neben ihr sitzen geblieben war.

„Wie wäre es mit einem Besuch bei Remus?" überlegte Harry. „Ich habe ihn schon länger nicht mehr außerhalb des Unterrichts gesehen." Ginny nickte zustimmend und sie machten sich auf den Weg. Harry hatte vorsichtshalber noch seinen Tarnumhang eingesteckt, denn es war mittlerweile schon recht spät geworden. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als ihr Glück, den im zweiten Stock begegneten sie fast einem ziemlich mies gelaunten Snape. Harry war froh, dass sie so nah an einem Wandteppich waren hinter dem sie schnell verschwinden konnten. Und tatsächlich schien sie der Professor nicht bemerkt zu haben, als sie erleichtert seinen sich entfernenden Schritten lauschten.

„Ich glaube wir nehmen lieber den Tarnumhang, bevor wir ihm noch einmal begegnen", flüsterte Harry und zog diesen aus seiner Tasche hervor. Leise und behutsam schlichen sie weiter und zuckten erschrocken zusammen, als sie kurz vor Remus Büro ein leises Kichern hörten. Vorsichtig bewegten sie sich weiter darauf zu und blieben wie erstarrt stehen, als sie die zwei recht bekannte Körper in dem schwach beleuchteten Gang erkennen konnten. Dort stand mit dem Rücken zu ihnen, eine Aurorin mit bonbonrosafarbenem Haar, welches nur zu Tonks gehören konnte. Ihre Hände hatte sie um den Hals von Remus gelegt, der ähnlich verwirrt aussah wie Harry sich fühlte. Lange sahen sich beiden einfach nur an, ohne ein Wort zu sagen, bis Tonks sich näher an ihn heranbeugte und leise zu sprechen begann.

„Ich wünsche dir noch eine gute Nacht", säuselte sie und hauchte dem völlig verblüfften und noch immer wie erstarrten Werwolf einen Kuss auf den Mund. Dann verschwand sie mit einer Leichtigkeit und Elleganz, welche ihr Harry niemals zugetraut hätte. Nach fast einer Minute erwachte Remus aus seiner Reglosigkeit und ging in sein Büro zurück, während er sich geistesabwesend über seine Lippen strich, genau über die Stelle, an welcher ihn Tonks geküsst hatte. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, wagte Harry sich wieder zu bewegen.

„Ich glaube, wir sollten Ihn ein anderes Mal besuchen", flüsterte Ginny in sein Ohr und Harry wusste ohne sie anzusehen, dass sie mühsam versuchte ein Lachen zu unterdrücken.

Auch Harry fand es sehr amüsant, die Beiden gerade in diesem privaten Moment erwischt zu haben. Damit könnte er Remus bestimmt noch aufziehen in den Weihnachtsferien. Er hatte bisher nie daran gedacht, dass die Beiden zusammen kommen könnten, aber wenn er es recht bedachte passten sie wirklich gut zusammen. Wahrscheinlich war Tonks auch der Grund, warum man Remus außerhalb seiner Unterrichtsstunden kaum mehr zu Gesicht bekam. Das diese nun in Hogwarts lebte und arbeitete, als Schutztruppe des Ministeriums, hatte den beiden überhaupt erst die Möglichkeit gegeben sich richtig kennen zu lernen. Mittlerweile war die Anwesenheit der Auroren nichts Ungewöhnliches mehr und man konnte sogar feststellen, dass einige Schüler mit bestimmten Auroren Freundschaften geschlossen hatten. Auch Harry war froh über deren Anwesenheit, auch wenn er sich bisher kaum mit den anderen Auroren beschäftigt hatte. Dafür hatte er einfach immer zu viel anderes zu tun gehabt.

Obgleich Ron gegenüber Harry und Ginny nichts mehr gesagt hatte, war ihm anzusehen, dass er sich nur mühsam beherrschen konnte, die beiden nicht zusammen zu stauchen. Einzig Hermines warnende Blicke schienen ihn in seinen Schranken zu halten. Bei der Bücherrecherche half er engagiert mit, ansonsten aber hatte er sich vollkommen von Harry und auch von Ginny distanziert. Während Ginny sogar meinte, so sei es angenehmer als vorher, wo Ron sie andauernd beschützen wollte, vermisste Harry seinen besten Freund mehr als er es erwartet hatte. Seine Versuche mit Ron zu reden waren allerdings immer kläglich gescheitert. Entweder war Ron so schnell wie möglich wieder verschwunden, oder aber, wenn er nicht so leicht flüchten konnte, hatte er einfach geschwiegen und so getan als würde er Harry nicht hören.

Da er mittlerweile schon fast eine Woche lang mit Ron kein Wort mehr gewechselt hatte, versuchte Harry am Dienstag Hermine nach seinem Zustand zu befragen.

„Ähm Hermine?" fragte er vorsichtig auf dem Weg zur Bibliothek, da Hermine in letzter Zeit immer leicht gereizt auf Unterbrechungen und besonders auf Ron reagiert hatte. Ein gemurmeltes „Hmmm" signalisierte ihm, das Hermine zumindest registriert hatte das er ihre Aufmerksamkeit erreichen wollte.

„Weißt du vielleicht wie es Ron so geht? Er hat in der letzten Woche nicht einmal mit mir gesprochen und ich dachte vielleicht das du…" Unsicher brach Harry ab und sah zu Hermine hinüber, aber im Gegensatz zu den letzten Tage war sie gerade nicht kurz vorm explodieren, sondern nur unnatürlich abwesend.

„Was hast du gesagt?" Etwas verwirrt schaute sie Harry an.

„Ich wollte wissen, ob du weißt wie es Ron so geht", wiederholte Harry seine Frage. Gespannt blickte er Hermine an, in deren Gesicht kurzzeitig etwas wie Freude aufzublitzen schien. Doch wahrscheinlich hatte er sich nur geirrt, denn einen Moment später hatte sich ihr Gesicht wieder zu einer ausdruckslosen Maske verändert.

„Ja", sagte Hermine zu Harrys Freude. Doch während Harry auf einer genauere Information von Hermine wartete, schweiften deren Gedanken an das Gespräch mit Ron zurück.

FLASHBACK Hermine

„Ich kann es einfach nicht glauben, dass Harry einfach so mit Ginny geschlafen hat", murmelte Ron schon zum wiederholten Mal, während er Nichts tuend auf einer Couch im Gemeinschaftsraum lag.

„Das geht dich überhaupt nichts an", wandte Hermine genervt ein, da sie sich bei dem Hintergrundgemurmel von Ron nicht auf die Hausaufgaben konzentrieren konnte.

„Natürlich geht es mich was an!" Ron richtete sich sofort senkrecht auf und schaute wütend und empört auf Hermine. „Sie ist meine Schwester!!" Hermine hatte nun endgültig die Aufmerksamkeit für die Hausaufgaben verloren und sah nun zu Ron auf.

„Aber sie ist nicht deine Freundin, Ron! Solange Harry sie glücklich macht, geht es dich überhaupt nichts an was die beiden zusammen tun oder nicht. Willst du etwa, das dir Harry vorschreibt, mit wem du dich treffen darfst und mit wem nicht?"

„Ähm, nein das will ich nicht, aber darum geht es doch gar…" begann Ron etwas verunsichert.

„Natürlich geht es darum. Stell dir doch mal vor dir würde es so wie deiner Schwester gehen und hättest endlich deine wirkliche Liebe gefunden." Ron bekam bei diesen Worten wirklich rote Ohren, immerhin wusste er genau, wer die Liebe seines Lebens war. Wenn Hermine nur wüsste, dass seine große Liebe direkt vor ihm saß.

„…und nun würde dich Charly anschreien, warum er dich mit deiner Freundin zusammen in einem Zimmer erwischt hätte", drang Hermines Stimme wieder in sein Ohr. Es dauerte einen Moment, bis die Worte von Hermine sich in seinem Kopf auf diese Situation eingestellt hatten. Wenn er mit Hermine in einem Bett gelandet wären und er seine Hand an ihrer Brust…Nein darüber durfte er gar nicht genauer nachdenken, sonst würde er hier und jetzt noch seine Selbstbeherrschung verlieren und über sie herfallen. Halt Stopp, wieder zurück zum ursprünglichen Gedanken. Also wenn Charly gerade in dem Moment in sein Zimmer kommen würde, er hätte ihn schon erwürgt, bevor er anfangen könnte zu schreien. Wenn er ihm einen solchen schönen Moment zerstört hätte.

„Wie würdest du denn darauf reagieren?" Hermines Stimme hatte wieder den Weg in durch seine wirren Gedanken gefunden.

„Und nun musst du dir nur noch vorstellen, wie es wäre, wenn dein Bruder anschließend noch nicht einmal ein Wort mit dir wechseln würde, dann kannst du ungefähr nachvollziehen wie es Harry gerade geht.

Ron wurde langsam wirklich schlecht. Daran hatte er gar nicht gedacht. Und Harry war ihm noch nicht einmal böse gewesen, er hatte sogar versucht mit ihm zu reden.

„Noch dazu bist du auch sein bester Freund und da tut es besonders weh". Diese letzen Worte waren für Ron der Knock Out, auch wenn er vom Boxen der Muggel keine Ahnung hatte.

Resigniert senkte er den Kopf und fragte nach einer langen Pause: „Bin ich wirklich so schlimm?"

Hermine sah ihn verdutzt an. Die einzige Möglichkeit einer Antwort auf diese Frage war JA. Aber Ron sah gerade nicht danach aus, als ob er noch mehr Tiefschläge vertragen würde. Außerdem schien er zum ersten Mal überhaupt mal an seinen Freund und seine Schwester zu denken und nicht nur an sich. Daher zog sie eine diplomatischere Antwort vor. „Manchmal kannst du schon wirklich schlimm sein, wenn es um deine Schwester geht." Nachdenklich blickte Ron auf den Teppich vor dem Kamin, während sich einige Falten über seine Stirn legten. Eine ganze Weile lang saßen sie beide schweigend auf den Stühlen vor dem Kamin, nur durch das knacken des Feuers in den Gedanken unterbrochen.

„Meinst du, du kannst mal mit Harry darüber reden, wenn er dich wieder anspricht?" fragte Hermine vorsichtig, wobei sie nicht Ron sondern das Feuer ansah. Wieder dauerte es eine ganze Zeit bis Ron überhaupt etwas sagte, wobei Hermine schon fast alle Hoffnung aufgegeben hatte.

„Ich denke, ich kann es mal versuchen", sagte Ron zähneknirschend. Doch bevor er wieder in seinen Gedanken versinken konnte, war Hermine schon wie ein Wirbelwind aufgesprungen und zog einen fast ängstlich aussehenden Ron in eine feste Umarmung.

„Oh Ron, endlich." Während sich Ron´s Gesicht langsam seiner Haarfarbe anglich, fiel Hermine mindestens ein Stein vom Herzen. Ihre beiden besten Freunde würden sich endlich wieder vertragen.

FLASHBACK ENDE Hermine

Harry wartete immer noch auf eine Antwort von Hermine und sah sie erwartungsvoll an, während sich auf deren Gesicht ein glückliches Lächeln ausbreitete.

„Ich denke es geht ihm ganz gut", sagte Hermine endlich.

„Wirklich?" fragte Harry ungläubig. Immerhin war sein letzter Versuch mit Ron vorgestern wieder einmal eine einzige Katastrophe gewesen.

„Vielleicht solltest du Ron noch ein bisschen Zeit geben. Er ist gerade dabei es zu akzeptieren, dass er nicht für seine Schwester das Leben bestimmen kann. Gib ihm noch ein paar Tage, dann redet er bestimmt wieder mit dir."

Harry verstand zwar immer noch nicht wie das funktionieren sollte, aber wenn Hermine das sagte, konnte man ihr vertrauen.

Wie es ihm Professor Snape angekündigt hatte, begannen sie in der nächsten Stunde schon mit der Legilimentik. Doch bevor er mit den praktischen Übungen begann, musste er sich einen nicht enden wollenden Vortrag über Legilimentik im Allgemeinen, in der Anwendung und über den verantwortungsvollen Umgang mit diesem Bereich der Zauberei anhören. Wieder einmal war er sehr froh darüber, während der letzen Woche die Einführung über die Legilimentik gelesen zu haben, sonst hätte er von Snapes Erklärungen höchstens nur die Hälfte verstanden. Dieser verstand es nämlich prächtig, wichtige kleine Details zu vernachlässigen oder zu übergehen, so dass man es einfach nicht richtig lernen konnte.

Bei den moralischen Belehrungen allerdings, stellte er seine Ohren auf Durchzug. Er wusste genau, dass er diese Fähigkeit nicht einfach so anwenden würde. Eigentlich ließ er den ganzen Unterricht nur deswegen über sich ergehen, weil er dadurch vielleicht eine bessere Chance zum Überleben hatte und nicht weil er in den Gedanken anderer Menschen spazieren gehen wollte.

„Jetzt schauen wir mal, was Sie von meinen Erklärungen behalten haben." Schon wieder war dieser Satz in diesem gewissen, nur für Harry reservierten, Ton gesprochen worden. Darin war seine gesamte Abneigung gegenüber allen Potters gespeichert, ebenso wie seine Meinung, ein Potter könne eh´ nichts Richtiges schaffen.

„Nehmen Sie ihren Zauberstab heraus und versuchen Sie in meinen Geist einzudringen." Harry nahm vorsichtig seinen Zauberstab aus seinem Umhang und richtete ihn auf seinen Lehrer. Zum ersten Mal hatte er etwas Angst vor dem Zaubern, da er gar nicht wissen wollte, was Snape alles für Erinnerungen hatte. Vielleicht würde er wieder seinen Vater sehen, der den jüngeren Snape beleidigte oder etwas von Voldemorts Morden. Zögerlich öffnete er seinen Mund und sprach zum ersten Mal die Worte: „Legilimens".

Doch statt eine Erinnerung zu sehen, erkannte er immer noch Snape vor sich, wobei einige weiße Nebelschwaden vor ihm auf und ab wirbelten. Dabei fühlte er sich als wäre er direkt gegen eine Mauer gelaufen.

Snape wies ihn belustigt an es wieder und wieder zu versuchen, aber am Ergebnis änderte sich dabei nicht viel.

„Wie ich es erwartet habe, ist Potter zu nichts fähig". Selbstgefällig strich er seinen schwarzen Umhang glatt und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem mühsamen Lachen. „Ein letzter Versuch, bevor wir diesen sinnlosen Unterricht für heute beenden.

Harry wusste eigentlich, woran es lag. Sein ganzer Kopf sträubte sich dagegen in die Gedanken von Snape einzudringen. Besonders wollte er es vermeiden, die Erinnerung mit seinem Vater wieder zu sehen. Aber das war eigentlich der Schlüssel zu den Gedanken seines Professors. Er kannte jede Einzelheit von diesem Ereignis, so dass es leichter sein würde, diesen Gedanken zu finden.

Wieder hob er den Zauberstab und sprach mit deutlich kräftigerer und festerer Stimme: „Legilimens". Ein Wirbel von Farben umgab ihn und zog ihn in eine Richtung fort und einen Moment später befand er sich wieder an einem sehr bekannten Ort.

Er war wieder auf den Schlossgründen von Hogwarts. Ihm gegenüber saß sein Vater im Gras und unterhielt sich mit Sirius, während er m seinem Schnatz spielte. Snape, der in der Nähe gesessen hatte, war inzwischen aufgestanden und verstaute jetzt ein Papier in seiner Tasche. Als er aus dem Schatten der Büsche trat und über das Gras davongehen wollte, standen Sirius und James auf. Lupin und Wurmschwanz blieben sitzen: Lupin starrte weiter auf sein Buch, doch seine Augen bewegten sich nicht und eine kleine Falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet. Wurmschwanz ließ mit einem Ausdruck begieriger Erwartung den Blick von Sirius über James zu Snape wandern.

Alles klar, Schniefelus?", fragte James laut.

Snape ließ seine Tasche fallen, fuhr mit der Hand in seinen Umhang und hatte den Zauberstab schon halb in der Luft, als James rief: „Expelliarmus!"

Snapes Zauberstab flog dreieinhalb Meter hoch und fiel mit einem leisen dumpfen Aufschlag hinter ihm ins Gras. Sirius lachte bellend.

Impedimenta!", sagte er und zielte mit dem Zauberstab auf Snape, der gerade zu einem Hechtsprung nach seinem am Boden liegenden Zauberstab angesetzt hatte und nun von den Füßen gerissen wurde.

Ringsumher hatten sich Schüler umgewandt und schauten zu. Manche waren aufgestanden und rückten langsam näher. Einige sahen argwöhnisch, andere belustigt aus.

Snape lag keuchend am Boden. James und Sirius kamen mit erhobenen Zauberstäben auf ihn zu; James blickte im Gehen über die Schulter zurück zu den Mädchen am Ufer.

Wie ist die Prüfung gelaufen, Schniefelus?", fragte James.

Ich hab ihn beobachtet, der war mit der Nase auf dem Pergament", feixte Sirius. „Werden richtige Fettflecken drauf sein, man wird kein Wort lesen können."

Einige Zuschauer lachten. Wurmschwanz wieherte schrill.

Snape versuchte aufzustehen, doch noch immer lag der Zauber auf ihm; es schien ganz so, als würde er mit unsichtbaren Fesseln kämpfen.

Ihr - wartet nur", keuchte er und starrte mit unverhohlenem Hass im Gesicht zu James hoch, „wartet nur!"

Worauf denn?", sagte Sirius kühl. „Was willst du machen, Schniefelus, deine Nase an uns abwischen?"

Snape stieß eine Flut von Schimpfwörtern und Verwünschungen aus, doch da sein Zauberstab drei Meter entfernt lag, geschah nichts.

Wasch dir den Mund", sagte James kalt. „Ratzeputz!"

Sofort quollen rosa Seifenblasen aus Snapes Mund. Der Schaum bedeckte seine Lippen, stopfte ihm die Kehle, würgte ihn -

Lasst ihn IN RUHE!"

James und Sirius drehten sich um. James' freie Hand schnellte augenblicklich zu seinem Haar als er die Stimme von Harrys Mutter hörte.

Alles klar, Evans?", sagte James und seine Stimme klang plötzlich freundlich, tiefer, reifer.

Lasst ihn in Ruhe", wiederholte Lily. Sie blickte James mit allen Anzeichen tiefer Abneigung an. „Was hat er euch getan?"

Nun", sagte James und schien darüber nachzudenken, „es ist eher die Tatsache, dass er existiert, wenn du verstehst, was ich meine ..."

Viele der umstehenden Schüler lachten, auch Sirius und Wurmschwanz, doch Lupin, scheinbar immer noch in sein Buch vertieft, lachte nicht, ebenso wenig wie Lily.

Du glaubst, du wärst lustig", sagte sie kalt. „Aber du bist nichts weiter als ein arroganter, lumpiger Quälgeist, Potter. Lass ihn in Ruhe."

Wenn du mit mir ausgehst, Evans", sagte James rasch. „Komm schon ... geh mit mir aus und ich richte nie wieder den Stab auf den ollen Schniefelus."

Hinter ihm verlor der Lähmzauber an Kraft. Snape fing an hinüber zu seinem im Gras liegenden Zauberstab zu kriechen und spuckte dabei Seifenlauge.

Mit dir würde ich nicht ausgehen, selbst wenn ich nur die Wahl hätte zwischen dir und dem Riesenkraken", erwiderte Lily.

Na so ein Pech, Krone", sagte Sirius belustigt und wandte sich wieder Snape zu. „Oh!"

Doch zu spät; Snape hatte seinen Zauberstab direkt auf James gerichtet, es gab einen Lichtblitz und über eine Seite von James' Gesicht zog sich eine klaffende Wunde, aus der Blut auf seinen Umhang spritzte. James wirbelte herum: Einen Lichtblitz später hing Snape kopfüber in der Luft, der Umhang war ihm über den Kopf gerutscht und man konnte magere, bleiche Beine und eine bunte Unterhose sehen.

Viele in der kleinen Schar der Umstehenden johlten. Sirius, James und Wurmschwanz brüllten vor Lachen.

Lily, in deren wütender Miene es einen kurzen Moment gezuckt hatte, als wollte sie lächeln, sagte: „Lass ihn runter!"

Klar doch", sagte James und ließ seinen Zauberstab hochschnellen. Snape stürzte und sackte auf dem Boden zu einem zerknitterten Häuflein zusammen. Er befreite sich aus dem verhedderten Umhang und rappelte sich schnell hoch, den Zauberstab erhoben, doch Sirius sagte: „Petrificus Totalus!", und Snape kippte erneut vornüber, steif wie ein Brett.

LASST IHN IN RUHE!", schrie Lily. Sie hatte nun ihren eigenen Zauberstab gezückt. James und Sirius beäugten ihn argwöhnisch.

Ah, Evans, zwing mich nicht, dich zu verhexen", sagte James ernst. Dann nimm den Fluch von ihm weg!"

James seufzte schwer, wandte sich Snape zu und murmelte den Gegenfluch. Na bitte", sagte er, als Snape aufstand. „Du hast Glück, dass Evans hier ist, Schniefelus –„

Ich brauch keine Hilfe von dreckigen kleinen Schlammblüterinnen wie der!" Lily blinzelte.

Schön", sagte sie kühl. „In Zukunft ist es mir egal. Und an deiner Stelle, Schniefelus, würde ich mir mal die Unterhose waschen."

Entschuldige dich bei Evans", brüllte James und richtete den Zauberstab drohend auf Snape.

Ich will nicht, dass du ihn zwingst sich zu entschuldigen", rief Lily und wandte sich zu James um. „Du bist genau so schlimm wie er."

Was?", japste James. „Ich würde dich NIE eine – Du-weißt-schon-was nennen!"

Du machst mich KRANK, Potter." Sie wirbelte auf dem Absatz herum und eilte davon.

Evans!", rief ihr James nach. „Hey, EVANS!"

Aber sie drehte sich nicht um.

Was ist los mit ihr?", sagte James und versuchte vergeblich ein Gesicht aufzusetzen, als ob dies eine beiläufige Frage wäre, die ihn eigentlich nicht interessierte.

Ich würde sagen, sie hält dich für ein bisschen eingebildet", sagte Sirius.

Na schön", sagte James und sah jetzt wütend aus, „schön –„

Wieder gab es einen Lichtblitz und Snape hing abermals kopfüber in der Luft.

Wer will sehen, wie ich Schniefelus die Unterhose ausziehe?"

Die Menge schrie James begeistert zu, während dieser seinen Zauberstab hob.

Harry fühlte sich grauenvoll. Er wollte gar nicht sehen was weiter geschah, aber er konnte sich nicht von diesem Gedanken lösen. Er hielt die Luft an, wobei es fast so schien, als würde er von diesem Gedanken festgehalten, da er unfähig war auch nur seinen kleinen Finger zu bewegen.

Wie in Zeitlupe, so kam es zumindest Harry vor, öffnete dieser seinen Mund und sprach: „Aufero bracae". Snapes Unterhose riss dabei in der Mitte auf und fiel in mehreren Streifen zu Boden. Das Kreischen der Menge wurde noch lauter, als er verzweifelt versuchte, mit den Armen die Sicht auf sein bestes Stück zu verdecken, was ihm allerdings nicht so ganz gelang. Doch urplötzlich hörte das Gekreische und Gekicher auf, da sich eine ziemlich wütende McGonnagal den Weg durch die Schüler bahnte.

Doch anstatt einer Standpauke von McGonnagal, sah er wieder in das Gesicht von Snape, der wie erstarrt vor ihm stand. Sein Gesicht war blutleer und auf seiner Stirn traten einige Adern hervor. Seine linke Hand hatte sich krampfhaft um seinen Zauberstab geschlossen und seine Augen waren starr auf Harry gerichtet.

Noch nie hatte sich Harry schlimmer gefühlt als in diesem Moment und es würde wohl auch sein letzter Moment seines Lebens sein, so wie ihn Snape anschaute. Wenn er aus seiner Erstarrung erwachte, war er ganz sicher Tod. Die Sekunden schienen sich endlos in die Länge zu ziehen, bis Snape endlich seinen Mund öffnete. Doch anstatt ihn anzuschreien, flüsterte er fast. „Nur ein Wort von dem zu jemand anderem und du wirst den schmerzvollsten Tod erleben den du dir vorstellen kannst. Ich werde dich quälen bis du um deinen Tod bettelst und dann noch etwas länger." Seine Stimme war kälter als die Luft im Kerker und Harry wusste, dass er es absolut so meinte wie er es sagte. Er versuchte unauffällig schnell aus seiner Reichweite zu kommen und verlies fluchtartig den Kerker. Er hatte bestimmt nicht vor es jemand anderem zu sagen. Nicht nur, weil er sonst von Snape umgebracht werden würde, sondern auch weil er sich so wie noch nie in seinem Leben für seinen Vater schämte. Zum ersten Mal war er nicht stolz ein Potter zu sein.

Die nächsten Stunden verliefen auch nicht wirklich besser. Wie man es drehte oder wendete, Harry konnte bei seinen Legilimentikstunden Snape niemals zufriedenstellen. Schaffte er es nicht in den Kopf seines Lehrers einzudringen, hielt dieser ihm mit Freude einen Vortrag über seine verschwendeten Mühen bei einem so unfähigem Schüler wie ihm. Schlimmer wurde es nur, wenn er es schaffte in den Gedanken von Snape etwas zu entdecken. Natürlich konnte er ihm dabei nichts vorwerfen, immerhin war ja genau das seine Aufgabe. Hatte Harry am Anfang des Schuljahres noch gehofft, das die Abneigung seines Professors sich veringert hatte, so wurde er nun eines besseren belehrt. Seine tiefschwarzen Augen verengten sich jedesmal gefährlich wenn Harry in sein Blickfeld kam, und seine Blicke flackerten mörderisch auf. Unter diesen Umständen wurde es für Harry immer unangenehmer zu den, von seinem Schulleiter verordneten, Stunden zu gehen.

Der Freitag war schon längst für ihn zu einem Horrortag geworden, der nur deswegen zu bestehen schien, um ihm das Wochenende so gut wie möglich zu vermiesen. Und heute war wieder einmal so ein Tag gewesen.

Bei seinem eintreten war Snape wieder einmal damit beschäftigt gewesen seine Gedanken in Dumbledores Denkarium zu verstauen. Jedesmal schien es Harry so als ob die Gedanken, welche sich sein Lehrer entzog, mehr wurden. Ein genervt wütender Blick streifte ihn, als er durch ein Räuspern auf sich aufmerksam machte.

„Schließen Sie die Tür hinter sich, Potter!" zischte Snape hasserfüllt.

Das war ja wieder einmal ein guter Start für den Unterricht, dachte Harry, schloß aber so leise wie möglich die Tür zu dem Kerkerräumen. Jedesmal wurde ihm dabei etwas flau in seinem Magen, da er sich damit einschloß und das mit einem schnell reizbarem und verärgerten Professor den nichts mehr zu freuen schien, als wenn er möglichst bald sterben würde.

„Wie lange wollen Sie noch die Tür anstarren?", erreichte ihn die sarkastische Stimme Snapes, „ich kann nicht meine ganze wertvolle Freizeit für diesen Unterricht verschwenden." Genüßlich hatte er die letzten Worte ausgesprochen, wobei sich sogar seine Lippen zu einem kleinen Lächeln verzogen hatten. Seine Beleidigungen und die ständigen Erinnerungen an die verschwendete Zeit seines Unterrichts, schienen für Snape der einzige Trost bei der ganzen Sache zu sein. ´Wertvolle Freizeit´, dachte Harry empört. Für was brauchte Snape denn seine Freizeit, wo er doch eh nur in seinen Kerkern hockte, wenn er nicht gerade für den Orden bei Voldemort spionierte. Sein Leben schien aus nichts anderem als aus Unterricht, spionieren und seinen geliebten Zaubertränken zu bestehen. Ob er jemal etwas anderes gemacht hatte?

„Nehmen sie ihren Zauberstab heraus, Potter" wurde er aus seinen gerade abschweifenden Gedanken gerissen. Automatisch war seine Hand schon zu seinem Zauberstab in seiner Umhangtasche gewandert und hatte diesen elegant hervor geholt.

„Sie wissen doch was sie tun müssen", blaffte ihn Snape an, „versuchen Sie in meine Gedanken einzudringen." Dabei konnte Harry in seinen Augen, eine ganz andere Aufforderung lesen: Wehe, du schaffst es in meine Gedanken einzudringen!

Lustlos hob Harry seinen Zauberstab und konzentrierte sich auf den Zauberspruch, wobei er den Augenkontakt mit seinem Lehrer nicht unterbrach. „Legilimenz" sagte er mit festerer Stimme als er erwartet hatte. Doch statt etwas von dem Okklumentikschilden und –türen zu sehen, war alles was er erkennen konnte weißer Nebel. Unsicher versuchte er einige Schritte in verschiedene Richtungen sich zu bewegen, aber mehr konnte er von dort auch nicht erkennen.

„Ein hoffnungsloser Fall", sagte ein höchst zufrieden wirkender Snape, nachdem Harry bei seinem vierten Versuch auch nicht mehr erkennen konnte. Dabei gab dieser sich nicht einmal Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen.

„Ich wusste doch, das Sie einfach unfähig sind, wenn es etwas schwieriger wird."

Unfähig ist nur einer, dachte Harry und wurde langsam wirklich wütend. Aber damit hatte Snape seinen Triumph noch nicht voll ausgekostet.

„Ihr Vater war ebenfalls mehr als unfähig seine Gedanken zu verschließen und hat es auch mit Hilfe seiner ´großen´ Freunde nie geschafft sie vor mir zu verbergen." Er lies eine kurze Kunstpause verstreichen, bevor er sagte: „Noch einmal, Potter, vielleicht schaffen Sie es ja noch in den nächsten Jahren…"

Nun hatte Snape es fast geschafft, das Harry zum ersten Mal in diesem Schuljahr die Beherrschung verloren hätte. Trotzdem versuchte er seine Wut nicht überhand nehmen zu lassen. Er wollte es Snape zeigen, nachdem er sich so über ihn und seinen Vater lustig gemacht hatte. Mühsam versuchte er seinen Geist zu leeren, bevor er sich so stark wie nie zuvor auf den Zauber konzentrierte.

„Legilimens!" Noch beim Sprechen waren seine, durch die Wut hervorgerufenen, Energien in den Zauber geflossen und rissen ihn mit einer bisher unbekannten Geschwindigkeit durch unzählige Gänge und Türen in Snapes Kopf. Er hatte kaum die Möglichkeit die verschiedenen Schilder der Räume zu lesen, während die zersplitternden Türen hinter ihm in seinen Ohren krachten. Weniger als eine Sekunde später konnte er nur noch Dunkelheit um sich erkennen.

Erst nach einigen Minuten, oder waren es nur Sekunden, der Finsternis konnte er einen recht dunklen Gang erkennen. Da er kaum etwas sah, versuchte er angestrengt, irgendein Geräusch auszumachen. Erst nach einiger Zeit, in der er sein schnell schlagendes Herz beruhigt hatte, hörte er ein ganz leises Atmen direkt rechts neben ihm. Und dort stand ein ziemlich nervös wirkender und elegant gekleideter Slytherin Schüler. Erst auf den zweiten Blick erkannte er mit einem kleinen Schreck, das dies der etwa 16 jährige Snape sein musste. Denn im Gegensatz zu heute, hatte er weder seinen schwarzen Umhang an, noch hingen seine Haare ihm fettig ins Gesicht. Neidlos musste Harry zugeben, das er in diesem dunkelgrünen Festumhang, der mit silbrig schimmernden Schlangen verziert war richtig gut aussah. Sein Haar reichte ihm fast bis zu den Schultern und fiel elegant gerade bis auf seinen Umhang hinab.

Aber was machte Snape nur in diesem dunklen Gang allein?

Während Harry sich noch fragte was Snape bloß in diesem düsterem Gang wollte, bemerkte er eine Bewegung an dessen anderen Ende. Auch Snape schien dies bemerkt zu haben, denn er wandte ebenfalls seinen Kopf in diese Richtung. Dabei schien er ziemlich nervös, was seine leicht zitternden Hände verrieten, bevor er diese in seinen Umhangtaschen verschwinden lies.

Währenddessen hatte sich Ihnen ziemlich schnell ein Mädchen genährt, ohne dabei besonderen Lärm zu verursachen. Erst als sie an einer Fackel in seiner Nähe vorbei kam konnte Harry etwas von ihren Umrissen erkennen. Im ersten Moment, in dem er seinen Atem anhielt, hatte er sie doch tatsächlich für seine Mutter gehalten, aber bei genauerem hinsehen, war schnell klar das es sich um jemand anderes handeln musste.

"Endlich, Sophie!" flüsterte Snape kaum hörbar neben ihm.

Auch die letzten Meter zu Snape überwand sie sehr schnell und blieb nur eine Handbreit vor ihm stehen. Nun konnte Harry auch deutlich mehr von ihr erkennen. Sophie hatte haselnussbraunes Haar, welches im Licht der Fackeln leicht rötlich schimmerte. Ihr Gesicht hätte Harry nicht unbedingt als hübsch bezeichnet. Ihre Augen waren auffällig groß, im Vergleich zu ihrer Nase, aber genau das passte eigentümlicherweise genau zu ihrem schlanken Körper. Die blattgrünen Augen schienen Harry fast zu leuchten, wobei er den Eindruck bekam, von ihr durchleuchtet zu werden.

Auch Snape schien wie Harry aus seiner Betrachtung gerissen zu werden durch ein energisches "was machen wir hier; Severus?" von Sophie.

Snape schien diese Frage etwas aus dem Konzept zu bringen wie Harry belustigt bemerkte, denn er brauchte ungewöhnlich lange für seine Antwort.

"Ich wollte dich einfach noch heute Abend treffen", sagte er endlich und Harry war sich sicher, das dies nicht der Grund dafür war. Auch Sophie schien nicht zufrieden mit dieser Antwort, aber sie fragte doch etwas anderes als es Harry erwartet hatte.

"Hätte das nicht bis morgen Zeit gehabt? Da treffen wir uns doch wegen der Hausaufgaben für Zauberkunst. Ich wollte heute Abend einfach ein bisschen Spaß haben."

"Den können wir doch auch zusammen haben", versuchte Snape seine Felle nicht davon schwimmen zu lassen, "wir könnten..."

"Du verstehst das nicht", fiel ihm Sophie energisch ins Wort, "ich will tanzen und meinen Spaß beim Ball haben. Ich weiß das wir auch oft unseren Spaß zusammen haben, aber heute will ich einfach etwas anderes. Verstehst du das?" Dem Gesichtsausdruck Snapes nach zu urteilen, wusste er nicht wovon sie sprach und auch Harry sah etwas ratlos von einem zum anderen.

"Wir haben zwar wirklich oft Spaß miteinander und ich bin sehr froh dich als Freund zu haben, aber ich will auch mal einen Freund haben der mich wirklich liebt. Und da heute Abend der Ball ist, habe ich die Möglichkeit jemanden näher kennen zu lernen."
Das vorher noch freundliche Gesicht von Snape schien sich in sekundenschnelle zu einer Maske ohne Reaktionen zu verwandeln.

"Aber ich liebe dich doch...", versuchte Snape in einem letzten Versuch Sophie zum bleiben zu bewegen.

"Sag´ so etwas nicht, wenn es nicht stimmt. Ich bin froh in dir einen Freund zu haben, aber ich liebe dich nicht, auch wenn ich dich gern habe." Während sich die Maske bei Severus nur einen kurzen Moment gelockert hatte, strahlte Sophies Gesicht dabei eine Entgültigkeit aus, welcher Snape nichts entgegen zu setzten hatte. Erst als Snape sich abwandte und mit schnellen aber dennoch unsicheren Schritten den Gang verlies konnte Harry in Sophies Augen deutliches Mitgefühl und Mitleid sehen. Nach einem Moment in dem sie wie eine Statue unbeweglich Severus nachsah, lies sie leicht pfeifend die Luft aus ihren Lungen entweichen, welche sich seit Snapes Abgang dort aufgestaut hatte. Mit einem kleinen Sprung in die Luft und einem freudigen Flüstern: "Remus, ich komme", verschwand sie in der entgegengesetzten Richtung.

Etwas unsanft wurde Harry aus der Erinnerung zurück geworfen, da er sich einen Moment entspannt hatte. Scheinbar hatte er dadurch Snape die Möglichkeit gegeben ihn aus seinem Kopf zu vertreiben. Und keine Sekunde später war er aus den Gedanken verdrängt worden und sah wieder das angestrengt und trotzdem bleiche Gesicht seine Zaubertränkeprofessors vor sich.

Auch an diesem Abend hatte sich Harry mit Ginny in einem der Sessel im Gemeinschaftsraum zusammengekuschelt. Aber ausnahmsweise schweiften seine Gedanken immer wieder zu der heutigen Legilimentikstunde mit Snape ab. Eigentlich hatte es Harry gar nicht erwartet, das Snape jemals sich Gedanken um Mädchen gemacht hatte. Aber wenn er genauer darüber nachdachte, war dieser ja auch mal ein Junge gewesen und hatte sich, wie Harry auch, einfach verliebt. Und obwohl dieser Snape des letzten Schuljahres sich deutlich von seinem heutigen Lehrer unterschieden hatte, war es doch ein und diesselbe Person. Wie schwer musste es Snape in seinem Leben gehabt haben bei den ganzen Rückschlägen und dazu noch ständig in der Angst von der ein oder anderen Seite als Spion entlarvt oder enttarnt zu werden. Wirklich kein beneidenswertes Leben.

Immer noch gedankenverloren streichelte er über Ginnys Bauch und wurde erst wieder aus seinen Grübeleien gerissen als diese sich noch enger an ihn schmiegte und dabei eine gewisse Reaktion bei ihm auslöste. Aber davon lies er sich gerne ablenken, denn wer will schon den ganzen Abend über das Leben eines Menschen nachdenken, der es einem selbst immer besonders schwer gemacht hatte.

Zufrieden lehnte er sich in dem Sessel zurück und genoß es einfach seine Freundin zu streicheln und den Duft ihres Haares einzuatmen. Das er dabei eingeschlafen war bemerkte er erst am nächsten Morgen.