Es dauert ein bisschen, man könnte es Jelag nennen. Doch Irland hält nicht nur Friede und Freude bereit.

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25. Das Problem vom Ankommen

Carlisle

Blicke überrascht auf, als ich in unser Zimmer komme.

Jasper und ich haben beschlossen, uns in einem Zimmer einzumieten, natürlich mit zwei Einzelbetten, weil wir uns viel zu selten sehen, solange ich noch in Forks arbeite.

Alice und Esme sind in derselben Pension untergebracht. Vladimir und Stephan sowie Familie Delos in einer anderen, 15 Autominuten entfernt.

Und die beste Freundin meines Cousins sitzt auf dessen Bett und blickt mich mit Kabeln in der Hand an.

„Du hast doch das gleiche Handy, wie Jazz, oder?!", Esme lässt die Arme sinken.

„Ja, wieso?"

Esme stößt angestrengt Luft aus. „Weil der Junge natürlich nicht alles eingepackt hat. Er hat das Ladekabel vergessen.", Esme sieht mich an. „Und damit können wir beide unser Telefon nicht laden. Für so was ist er eigentlich zuständig."

Reiche ihr den Netzstecker meines Handys, sehe mich um.

„Wo ist Jay überhaupt?"

„Der telefoniert mit seiner neuen Freundin.", Esme wackelt mit den Augenbrauen.

Gut. Ich freue mich für meinen Cousin, hoffe aber, dass er nicht wieder eine Maria anschleppt.
„Du denkst an Maria, oder? Du hast so einen verkniffenen Gesichtsausdruck.", stellt Esme fest.

Erm, ja?

„Aber keine Sorge, die nachfolgenden waren alle einen Tick normaler.", die anderen? Das klingt nach mehr Frauen, als ich gehört habe.

„Eigentlich wollten Jay und ich was Essen gehen, vor 20 Minuten schon, aber dann habe ich einen Anruf bekommen. Wollt ihr mitkommen?", erkundige ich mich.

„Jazz hat davon gesprochen, aber Alice hat ein wichtiges Date mit ihrem Facebook Account und der Suche nach Shoppingmöglichkeiten. Aber ich gehe gern mit euch."

Ich habe in den letzten Stunden sehr oft das Wort Shopping in Verbindung mit Alice gehört, aber sie ist erst Schülerin.

„Eine eher unangenehme Frage, ist Alice shoppingsüchtig?", ich bin etwas besorgt. Junge Menschen fallen oft unbedacht in Suchtschemata. Mir ging es nicht anders.

Esme lacht. „Wahrscheinlich wird sie es werden. Irgendwann. Aber eigentlich will sie für ihre Zuhause Gebliebenen Mitbringsel kaufen. Und ich habe das Geld, was meine Tante für Alice in ihren Urlaub vorgesehen hat."

Das beruhigt mich. Es ist nicht gut, wenn ein so junger Mensch schon so kaufwütig ist.

„Komm schon, Carlisle, ich hab Hunger. Annie an der Rezeption meinte, die Straße runter ist ein netter Pub, in dem man gut essen kann."

Hier gibt es mehr als 20 Pubs und Bars in denen man gut essen kann. Aber mit meinem Wissen werde ich lieber nicht angeben.

Jasper verspricht nachzukommen, telefoniert immer noch. Aber ich glaube inzwischen mit dem General.

Die Abendsonne ist angenehm, die Stadt leiser als Seattle.

„Wirst du deine Familie besuchen?", fragt Esme plötzlich. „Entschuldige.", als ich sie erschrocken ansehe. „Jazz hat gesagt, dass sie dich angerufen haben."

Das stimmt wohl. Aber nachdem ich ein paar Minuten mit meiner Mutter gesprochen habe, habe ich mich entschieden, ihr nicht zu sagen, wo ich bin.

„Ich weiß nicht.", vor allem, weil auch Aro und Caius gerade wieder in London sind. Ich habe gehört, sie versuchen Marcus Galanis in ihre Firma zu ziehen, bisher ohne Erfolg. Aber Aro hat es schon immer geschafft, dass die meisten Leute einknicken und tun, was er will. Sie fürchten seinen Einfluss.

Aber ich schulde meinem Freund Alistar einen Besuch.

Wir werden sehen.

„Was ist eigentlich mit deiner Familie? Jasper zählt nichts.", lenke ich ab.

Esme verzieht das Gesicht zu einer Schnute, ich glaube schon, sie würde protestieren, aber dann lässt sie es doch sein.

„Du kennst Alice ja. Sie hat einen großen Bruder, Emmett, ein Freund von Jasper. Sie sind die Kinder von meiner Tante. Und dann gibt es da noch unseren Cousin Edward, er ist 19 und studiert Medizin."

„Und deine Eltern?"

Sie blickt mich kurz misstrauisch an, bevor sie antwortet.

„Mit denen habe ich wenig Kontakt."

Ich würde gern fragen, wieso, aber ich erzähle ihr auch nicht von meinen, also kann ich es nicht erwarten.

Wir begegnen im Pub Cillian Donlley und seinen Zwillingsmädchen, die ein bisschen Ähnlichkeit mit Maggie haben.

Anscheinend hat es in Dungarvan schon die Runde gemacht, wen Liam und Siobhan mitgebracht haben, deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Cillian uns anspricht.

Es ist eines der Mädchen, dass einen Satz über Engländer fallen lässt, den sie vermutlich bei ihrem Vater oder Großvater aufgeschnappt hat, nicht versteht, aber nachplappert, als Cillian feststellt, dass ich einen englischen Akzent habe. Er vermeidet es, mich auf den Nachnamen anzusprechen.

„Entschuldige, sie erzählen gerade alles nach!", Cillian blickt seine Tochter an und schüttelt den Kopf. Aber sie ist zu klein, um es zu verstehen. Vermutlich haben Papa und Co herzhaft darüber gelacht, wieso sollte es jetzt nicht auch lustig sein?

Winke ab, weil die beiden Mädchen wirklich süß sind.

„Ihr kennt Onkel Liam?", beide sehen Esme an, die sich zu ihnen hinunter beugt.

„Ja.", antwortet sie lächelnd.

„Wirst du auch ein hübsches Kleid tragen?"

Cillian schmunzelt über die Sorge seiner Töchter.

„Ja, aber es wird bestimmt nicht mal halb so hübsch sein, wie eure.", antwortet Esme und bringt die Kindergesichter zum Strahlen. Cillian verabschiedet sich mit seinen Mädels, nicht ohne dem Wirt zu erklären, wer wir sind.

Carmen

Molly O'Toole ist eine Irin aus vollstem Herzen. Mir ist ihr Akzent bisher nicht so stark aufgefallen, wie heute. Das läge an den anderen, ein Wort ihres Bruders genüge und sie sei wieder in ihrem Heimatdialekt.

Frage mich, ob ich auch einen Akzent hätte, wenn ich mit meiner Mutter sprechen würde. Obwohl ich mich, dank guter schulischer Ausbildung, allgemein akzentfrei verständigen kann.

„Es sieht alles aus, wie aus einem Film, findest du nicht?", unterbricht Tia meine Gedanken. Ich habe eigentlich vermutet, dass mein Ziehkind mit ihren 14Jahren die Idylle hier ziemlich langweilig finden würde. Aber wieder einmal belehrt mich meine ernste Tia eines Besseren. Nicke zustimmend. „Maggie und ich haben überlegt, ob wir nicht mal die Ferien zusammen hier verbringen könnten? Immerhin kennt ihr jetzt ihre Familie.", na ja, noch kennen wir die Familie nicht wirklich, aber ich verstehe, was sie meint.

Dungarvan ist ein kleiner Ort, anders als Seattle, befürchte, dass sie sich langweilen könnten. Aber auch dafür würden die beiden Freundinnen sicher eine Lösung finden.

„Lass uns die Woche abwarten und dann können wir das gern besprechen.", schlage ich vor. Wer weiß, ob sie immer noch so begeistert am Ende der Woche ist? Sie ist ein Teenie.

„Und wir könnten ja auch meine Oma in Mexico zusammen besuchen, wenn das für Liam und Siobhan in Ordnung geht.", oha, soweit haben die beiden also schon geplant?

Tias gebrechliche leibliche Oma, mit ihrer riesigen Familie. Ich bin froh, dass Tia schon in New Jersey gelebt hat, als der schreckliche Unfall mit ihrer Familie passiert ist und dass das Testament ihrer leiblichen Eltern deutlich Eleazar und seine erste Frau als Ersatz vorgesehen hat. Sonst hätte ich mein liebstes Mädchen nicht kennen gelernt.

„Also", beginnt Eleazar, als er ins Zimmer kommt. „Stefan und Vladimir wollen sich erstmal so die Gegend ansehen. Habt ihr Hunger?"

„Maggie besuchen geht nicht?", erkundigt sich Tia. Die beiden saßen 16 Stunden neben einander und trotzdem ist es eines der ersten Dinge, die wichtig sind!

„Lass Maggie erstmal ankommen. Ihre Eltern haben sie schon eine Weile nicht gesehen.", erklärt El.

„Okay. Dann, ja Hunger.", seufzt Tia.

„Bin ich dir nicht genug Gesellschaft?", witzele ich. Tia reißt die Augen auf, schwört, dass ich voll ausreiche. Sie kann so süß sein.

Als Maggie damals nach Seattle gekommen ist, war ich einen Moment beunruhigt. Tia hätte sich auch nicht mit ihr verstehen können. Immerhin hat Maggie Eltern, auch wenn sie viel lieber bei ihrem Bruder leben würde. Tia hat diese Wahl nicht mehr. Aber der erste Abend, den wir damals zusammen verbrachten bewies, wie gut Tia mit ihrer Vergangenheit umgeht, wie gut wir die Erinnerungen an ihre Eltern aufrecht erhalten, dass sie Maggies Bestreben sofort unterstützte.

Anfangs sogar zu sehr, als sie gegen alle Vernunft arbeiteten und gemeinsame Sache gemacht haben.

„Und, was hältst du von Padraig?", erkundigt sich Eleazar bei mir.

„Ist es nicht unfassbar, dass die drei dieselben Augen haben?", ist es das erste, was mir an Liams und Maggies Vater aufgefallen ist. Und dass man die Ähnlichkeit der drei auch sonst recht gut sehen kann. Ich verstehe, warum Mrs. Newton davon ausgegangen ist, dass Maggie Liams Tochter ist, kann sehen, woher sie es beide haben.

„Was machen wir denn morgen? Fahren wir zu Maggie? Wie läuft das jetzt ab?", erkundigt sich Tia, blickt auf ihr Telefon.

Morgen werden wir uns alle im Hause Gallagher treffen um letzte Vorbereitungen zu besprechen. Zumindest ist das der Plan. Dass die Familie das ein wenig torpedieren könnte, hat Liam schon prophezeit.

„Ich möchte Maggies Mom kennen lernen. Und Mhamó Yoda!", Liams Großmutter… im gesamten Freundeskreis heißt sie ‚Mhamó Yoda' als sei es ihr Name, nachdem wir von ihrer Aufklärung an Maggie gehört haben. Anscheinend beschränkt sich ihre Weisheit aber nicht auf Maggie, aber was sie Liam erzählt hat, weiß ich nicht.

„Soweit ich weiß, kommt Großmutter Essylt in zwei Tagen sowieso her.", wieder, so ist es geplant. Aber ich weiß auch, dass es Siobhans Fluchtplan ist, wenn es zuviel wird, nach Waterford zu fahren.

Padraig Gallagher

Ich verstehe Maddys Misstrauen. Maggie ist soweit von uns entfernt, da ist niemand gut genug. Aber ich vertraue auf Liams Urteilsvermögen, immerhin ist er schon lange mit Garrett befreundet. Und auch das Blümchen scheint ihn für gut zu befinden. Und das Maggie von ihrem neuen Kumpel begeistert ist, konnten wir ja schon nach ihrem ersten Besuch feststellen. Auch wenn sie inzwischen die Schattenseiten entdeckt hat. Zum Beispiel, dass sie ihre Süßigkeiten nun zu teilen hat.

Und dieses entzückende Ding, die Kuchen- nein, die Backfee, wie Maggie sie nennt, ist Siobhans beste Freundin.

Und mir scheint sehr deutlich, dass Liam und Siobhan klare Regeln haben, denen auch meine ungestüme kleine Fee sich beugt. Liams warnendes „Maggie" war völlig ausreichend um sie in Bewegung zu setzen.

Ich habe mit Widerworten gerechnet. Hm, es scheint, als haben wir die richtige Entscheidung getroffen und auch mein Junge, der besorgt war, der Verantwortung nicht gewachsen zu sein, schlägt sich recht gut.

Lege meiner lieben Frau eine Hand auf den Oberschenkel. Sie ist so eine Löwin, wenn es um unser kleines Mädchen geht. Aber ich habe schon drei Kinder erlebt, verstehe, dass sie manchmal ihre Freiheit brauchen, um zurück zu kehren. Deirdre ist wieder näher. Liam kommt nun regelmäßiger, dank Maggie. Ist es doch auch Maggies Geburt, die ihn überhaupt dazu verleitet hat, immer wieder zu kehren. Ich bin mir sicher, dass ich ihn ohne unseren Lockenkopf verloren hätte. Weitestgehend. Und Orla. Meine süße Orla kommt nicht so oft heim, wie ich es mir wünschen würde. Aber sie ruft an. Und sie wird zur Hochzeit ihres kleinen Bruders kommen.

Oh Pa, das verpasse ich unter gar keinen Umständen! Ich muss die Frau persönlich treffen, die es geschafft hat, den Bengel festzunageln!", Orla hat viel Ähnlichkeit mit ihrer Mutter, nur das sie größer ist. Und ihr tiefes Lachen hat sie von mir. Es erfüllt mich mit Genugtuung, dass ich meine Schwiegertochter vor ihr kennen gelernt habe.

„Sieht so aus, als hättet ihr Maggie gut im Griff, eh!", mein Junge verzieht den Mund, schweigt jedoch. Nachdem er anfangs oft mit seiner Stiefmutter aneinander geraten ist, hat er mit der Zeit gelernt, diplomatischer zu sein. Hat gelernt, dass es nicht leicht für uns alle war, als er und Maddy lautstark stritten. Dabei hat sie es nur gut gemeint. Es hat sie immer sehr getroffen, wenn der Junge lädiert heimgekommen ist. Mit blauen Flecken, Schürfwunden oder einer gebrochenen Nase. Aber er ist ein Gallagher! Ein Junge! Ich hätte es eher sehr fragwürdig gefunden, wenn er ganz unversehrt bei uns eingetroffen wäre. Dann hätte ein anderer seine Unstimmigkeiten ausgetragen. Tz!

„Sie hat zugenommen.", stellt Maddy pikiert fest. Fahre mir über mein wohlverdientes Guinnessbäuchlein. Ich finde, sie sieht endlich gesund aus, nicht mehr so blass.

„Sie hat jetzt fast Normalgewicht.", stellt Liam bitter fest. „Untergewicht ist ungesund."

Maddy starrt ihn an.

„Was willst du damit sagen, Liam?", hakt sie nach. Tätschele ihr das Bein, wir müssen nicht unhöflich werden.

„Nur dass wir es fast geschafft haben, dass deine Tochter nicht mehr wie eine Verhungernde aussieht. Ich finde fünf Kilo Untergewicht sehr bedenklich, vor allem in ihrem Alter."

„Sie ist einfach so klein.", widerspricht Maddy.

„Was nicht bedeutet, dass es für sie kein Normalgewicht gibt.", erwidert Liam ernst.

Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass es gefährlich ist. Nicht bei der Menge an Essen, das Maggie im Allgemeinen vertilgt. Zumindest an den Wochenenden, daher habe ich immer geschlussfolgert, dass sie eben von der zierlicheren Sorte ist.

„Ich will nicht, dass sich meine Tochter mit Junkfood voll stopft."

Oh Schatz, wir wissen doch unlängst, was der Junge von Junkfood hält! Ich bezweifele, dass es das oft gibt. Maggies Klagen diesbezüglich habe ich noch deutlich in den Ohren.

Liam kneift die Augen zusammen. Er ist ziemlich eitel, was seine Kochkünste angeht. Nur weil er einen Braten fehlerfrei hinbekommt! Eitler Gockel!

Beobachte Siobhan dabei, die ihre Hand in sein Bein drückt, seinen Blick anzieht, sie sehen sich beide an, während mein Sohn um Haltung ringt.

„Maggie hat unlängst entdeckt, wie viel besser, das Essen ihres Bruders schmeckt.", schreitet meine zukünftige Schwiegertochter ein.

„Sie sieht wirklich gesünder aus, als früher. Sie hat mehr Sommersprossen.", unterbreche ich.

Sie verstehen die Sorgen von Maddy falsch, ich weiß wie sehr sie unser Kind liebt, wie viel sie für Deirdre und Liam übrig hat. Orla kennt sie zu wenig, aber ist ihr wohlgesonnen.

Liam und Siobhan lächeln sich an.

„Sie ist viel draußen.", Liam lacht leise. „Hat sie dir erzählt, was sie als ‚außerschulische Aktivität' machen will?"

Siobhan schmunzelt.

„Noch nicht. Was denn?", es wird etwas sein, was es auf dem Mädcheninternat nicht gegeben hat.

„Sie will ins Baseballteam. Wie Tia."

Blicke meine Frau an, der bei einer so rauen Sportart die Farbe aus dem Gesicht fällt.

Orla war auch im Camogie Team. Es hat ihr nicht geschadet.

Garrett

Mein Dad ist vor ein paar Jahren gestorben. Aber er hatte ein gutes Leben. Hat Jahrelang in der Army gedient und kannte kurioser Weise sogar den General, Jaspers Vater.

Ich liebe ihn. Aber ich bin auch froh, dass ich so niemals in den Genuss einer Stiefmutter kommen kann.

Ich habe so meine Probleme mit Menschen, denen der Schein wichtiger ist, als die Wirklichkeit. Im Gegensatz zu Liam hält Orla mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg und nach und nach fallen mir ihre Kommentare zu Madelaine wieder ein.

Stehe in der Tür und betrachte das Zimmer, in dem Kate und ich nun eine Woche miteinander aushalten müssen. Zum Glück gibt es genug Ablenkung, genügend Familie und andere neue Menschen, die es kennen zu lernen gilt.

Maggie entführt die Zänkische, während das Blümchen mit ihrer Mutter telefoniert. Mich überrascht es ein bisschen, dass Molly O'Toole nicht auch hier ist, nicht auch sofort Zeit mit ihrer Tochter beansprucht.

„Ja, die Wände sind dicker, als in unserem Wohnhaus.", blicke meinen besten Freund erschrocken an. Was er für Schlüsse zieht, nur weil ich mir den Türrahmen angesehen habe!

„Man kann ja nie wissen.", fährt Liam fort. Doch bevor ich irgendetwas dazu sagen kann, ertönt Padraigs Stimme, fordert Liam auf hinunter zu kommen.

Liam und Siobhan lächeln sich an, als er an ihr vorbei geht.

Blicke sie an, bevor ich das Zimmer des Grauens betrete, um mir anzusehen, auf wie viel Quadratmeter ich es mit meiner kleinen Backfee aushalten werde.

Sehe mich um. Es gibt einen kleinen Schreibtisch, einen dunkelbraunen Schrank. Das Badezimmer teilt es sich mit dem angrenzenden Zimmer, in dem Siobhan und Liam untergebracht sind.

Hey, Moment, es gibt nur ein Bett.

Gehe zum Schrank hinüber, aber auch darin verbirgt sich kein ausklappbarer Schlafplatz. Das Bett selbst hat keinen Bettkasten.

Sehe mich um. Es gibt auch keine Couch.

Das kann doch nicht wahr sein!

Liebster Garrett, du wirst dich diese Woche doch vorbildlich verhalten oder? Egal was passiert?", hat sie gezwitschert. Jetzt macht das alles einen Sinn.

Ich habe ihr versprochen, mich zu benehmen. Ich habe mir geschworen, die kleine heiße Backfee nicht mehr anzurühren, weil ich durch sie nur graue Haare bekommen werde.

Und nun sollen wir eine Woche im selben Bett liegen? Das hat ja die letzte Nacht in Seattle schon ausgezeichnet funktioniert. Siobhan behauptet gern, dass sie friedfertig ist. Das sehe ich anders, sie mag es anscheinend mich zu quälen, ich bin entsetzt.

Reiße die Tür auf, blicke in den Flur, stelle fest, dass das Lockenköpfchen und die Zänkische bereits wieder im Flur erscheinen. Erhasche einen Blick auf Siobhan, die besonnen lächelt.

DU hinterhältiges kleines Biest!

„Kate?", fordere ich meine Eisprinzessin auf. Sie rückversichert sich bei Siobhan, die nur mir den Schultern zuckt.

Wenn der Hund schon nicht auf mich hört, tut es diesmal wenigstens die holde Katie.

„Was kann ich für dich tun, großer Alpha!", grinst die Backfee zänkisch.

Sehe sie an, schüttele den Kopf. Sie wird mir ewig vorhalten, dass Rea ein kleiner mieser Verräter ist.

„Wie viele Betten zählst du, Holdeste?", verschränke die Arme, warte, bis es ihr dämmert.

Kates Blick tanzt durch den Raum, wird nervöser, blickt mich aus ihren großen eisblauen Augen an.

„Eins?!", ihre Stimme wackelt ungewohnt.

„Richtig. Gutes Kind."

Wir sehen uns einen Moment an.

„SIOBHAN!", rufen wir gemeinsam.

Es kann nur auf ihrem Mist gewachsen sein.

Kate

Maggie grinst ihren großen Bruder an, als der sie bittet, mir mein Zimmer zu zeigen. Wieder sprintet sie vor mir die alte Eichentreppe empor. Sie ist mir bisher nie so kindlich vorgekommen, wie hier in ihrem Elternhaus. Aber Siobhan hat ja von demselben Eindruck über Liam gesprochen.

Wir sind eben alle nur die Kinder unserer Eltern, was sollten wir auch dagegen tun.

Garrett steht in der aufgerissenen Zimmertür und funkelt Siobhan an.

Ich hatte gehofft, dass die irische Luft zu einer Besserung meines Geisteszustands beiträgt, aber ich finde ihn immer noch heiß, wie er da steht und seine Augen blitzen.

„Kate?", herausfordernd. Wende mich meiner Freundin zu, die nur mit den Schultern zuckt und dann mit Maggie die Treppen hinunter stürzt.

Maggie hat mir alle anderen Zimmer in dieser Etage gezeigt.

Sie hat tatsächlich das größte abgesahnt. Es sei früher das Zimmer von Orla gewesen, aber da Orla Jahre vor ihrer Geburt ausgezogen ist…

Maggie hat mir sogar die Kaninchen gezeigt, die es im Hinterhof gibt. Ähnlich wie bei meinen Verwandten auf dem Land, hat mir ihre Namen aufgezählt und festgestellt, dass es zwei nicht mehr gibt. Mich hat das immer traurig gemacht, doch Maggie zuckte nur mit den Schultern, es gab auch zwei neue, die sie noch nicht kannte.

Als Liam nach ihr rief, schoss sie durch den Garten zurück.

Ich finde die beiden einfach nur herzig miteinander. Wenn Maggie will, kann sie sich unheimlich anbiedern. Fast wie Reagan, wenn es um Futter geht.

Doch unser Gästezimmer habe ich noch nicht gesehen.

Ich muss es tatsächlich mit diesem „Unhold", wie Padraig die beiden Männer nennt, auf engstem Raum aushalten.

Es ist hell. Das Bett steht etwas näher an der linken Wand. Der Rahmen hat dieselbe Farbe, wie die Fensterrahmen und der Kleiderschrank. Dunkelbraunes Holz. Es passt zur heimeligen Atmosphäre dieses Hauses.

Maggie hat erzählt, dass vor ihrem Fenster mal ein Baum gestanden hat, den Pad dann gefällt hat. Ich kann mir die Kinder der Familie vorstellen, die daran rauf und runter geklettert sind.

Blicke wieder den Schrank an. Der Hallodri wird aus seiner Tasche leben müssen. Für eine Woche brauche ich den ganzen Schrank.

„Wie viele Betten zählst du, Holdeste?", der Hüne neben mir verschränkt die Arme und sieht zu mir hinab.

Moment, ein Schrank, ein Fenster, ein angrenzendes Bad, ein Schreibtisch, zwei Nachttische, ein Bett.

EINS!

Das hat sie nicht gemacht! Das würde meine beste Freundin niemals tun!

„Eins?!", meine Stimme wackelt unsicher. Das überlebt mein Stolz nicht! Meine Tugend schon gar nicht!

„Richtig. Gutes Kind.", ich hasse ihn.

Einen Moment sehen wir uns an. Wir haben denselben Gedanken.

„SIOBHAN!", rufen wir gemeinsam.

Es tut mir leid, aber Liam wird keine Frau zum Heiraten mehr haben, wenn ich sie in die Finger kriege!

Wir poltern beide ziemlich laut die Stufen hinunter und rennen beinahe Liams Stiefmutter über den Haufen, die uns kritisch mustert. Wir müssen wie Erstklässler auf sie wirken.

Siobhan steht neben ihr und lächelt besonnen.

Ich bin sprachlos. Garrett lächelt gezwungen bevor er sich suchend abwendet und ins Wohnzimmer abdriftet, aus dem man Padraig hören kann.

„Aye, was ist?", wie leiblich sie klingen kann. „Wie gefällt euch euer Zimmer? Maddy hat doch ganze Arbeit in den drei Räumen geleistet, nicht?"

Was soll ich bitte darauf antworten, ohne die Frau zu vergrätzen? Ohne mir die Blöße zu geben?

„Wenn Sie oder ihr Lebensgefährte noch etwas benötigen?", Padraig ist schon längst auf ‚Du' umgestiegen. Und Siobhan steht da und korrigiert Maddys Annahme nicht. Wenn ich es tue, dann bringe ich meine Freundin bei ihrer Stiefschwiegermutter in Ungnade. Und Siobhan weiß genau, dass ich das nicht tun würde.

„Das Zimmer ist wirklich schön.", bringe ich hervor. Daran ist immer hin alles wahr. „Danke, ich denke wir haben alles.", außer ausreichend Platz.

„Gut.", Siobhans Schultern sind angespannt, das Gespräch über Maggie scheint ein wenig anders gelaufen zu sein, als erhofft. Madelaine Gallaghers Gesicht leuchtet, wenn sie lächelt. Auch wenn es ein bisschen gruselig ist, dass sie auf einmal so… mütterlich erscheint. „Kate, begleiten Sie uns in den Garten? Ich möchte gern mit Siobhan auf die Familie anstoßen. Findest du nicht, dass es Zeit für unser ‚Du' wird?", Maddy an Siobhan.

Meine Freundin nickt höflich, als Maddy vorgeht. Ich kann ihre Verwirrung sehen, ihr Misstrauen.

Hake mich bei ihr unter, als wir am Wohnzimmer vorbei kommen, riskieren wir beide einen Blick hinein.

„Wie kannst du mir das antun?", zische ich. „Ich will ein eigenes Bett!", fordere ich.

„Stell dich nicht so an. Das ist Karma.", antwortet sie gelassen.

Bitte wie?

„Du hast SEIN Bett vernichtet, da steht dir kein eigenes zu.", erklärt sie und tritt hinaus in den Garten, wo Maddy bereits Prosecco einschenkt. Fantastisch. Wo wir beide dieses Gesöff doch so lieben… Wenn sie nicht aufpasst, werde ich vorschlagen, dass wir beide uns ein Zimmer teilen, dann können die Männer noch einmal Abschied feiern.

„Maggie, lass die Männer in Frieden!", ich habe nicht erwartet, dass Madelaine mal nicht in einer geziemten Tonlage spricht.

„Aber Mama!", stöhnt der Ringelkopf und kommt angeschlürft.

„Heb die Füße!", Maddy starrt Siobhan an, diese Anweisung synchron.

„Ihr seid so….!", seufzt Maggie und plumpst auf einen der Stühle. „Pa erzählt gerade von früher."

„Du musst nicht hören, was dein Bruder so für dummes Zeug gemacht hat!"

„Stimmt, um es zu sehen haben wir ja Ron!", pustet Maggie Luft aus.

Hallo Pubertät! Wer hätte gedacht, dass Maggie so ein widerspenstiges Ding sein kann.

Beobachte, wie Siobhan einen warnenden Blick in ihre Richtung schickt und Maggie prompt „Entschuldige, Mama.", fallen lässt.

Liam

„Aye, worüber regt der Junge sich auf?", erkundigt sich Pa, der viel Spaß mit einer Bemerkung zu Garretts schickem Accessoire auf der Stirn hatte. Garretts Gesicht ist hart.

Kannst du deine FRAU bitte zurückhalten?", hatte er gezischt. „Ein Bett! EINS! Bist du irre?!"

Nein, aber bei meinem Freund bin ich mir da gerade nicht so sicher. Kate sagt ihm, dass sie ihn hasst und er verfällt ihr.

Ich könnte meinem Vater erzählen, dass Garrett sich Gedanken macht, dass die Wände nicht dick genug sind, aber das würden mir beide nicht verzeihen.

„Darüber, dass wir immer noch Guinness unterversorgt sind.", mein Vater schnalzt mit der Zunge und öffnet drei Flaschen.

„Ernsthaft, Mann, das übersteh ich nicht.", Gar lehnt sich zu mir rüber. Wir sind beinahe zehn Jahre befreundet und noch nie habe ich ihn so erlebt.

„Habt ihr schon darüber gesprochen?"

Das Entsetzen in seinem Gesicht reicht völlig.

„Dann wirf mir nicht vor, dass ich irre bin. Du stellst dich an, wie eine Klosterschwester. Was ist los mit dir?", blicke ihn an. „Mann!", was auch immer Kate Denali gemacht hat, sie hat meinem sonst so gerade heraus besten Kumpel ziemlich zugesetzt.

„Aber ICH würde gern entscheiden, wie ich meine Angelegenheiten regele!", Pa kommt von der Tür zurück.

Warum sollte es Garrett anders gehen als mir? Er unterstützt die Theorie doch, dass die Dinge immer irgendwie zu Siobhans Gunsten ausgehen. Wieso sollte es nun anders sein? Meine wilde Blume hat sich in den Kopf gesetzt, den beiden Zänkischen auf die Sprünge zu helfen. Und das wird sie bis zum bitteren Ende durchziehen, mit allen Mitteln.

Col ceathrar (Cousin)! Deartháir (Bruder)!", platzt Ronan herein. Ich bin erstaunt, dass er geklingelt hat und nicht einfach so hereingekommen ist. „Wo ist meine liebste Siobhan?!"

„Die versteckt sich vor dir.", nuschelt Pa. Obwohl mir Rons Gesellschaft lieber wäre, als die von Maddy.

Ron und Garrett nicken sich kurz zu, als Pa anfängt, sie vorzustellen.

„Ihr kennt euch?", hakt er nach. Davon habe ich gehört.

„Ihn weniger, aber wo ist das entzückende Fräulein, das mit deinem Hund Gassi war?"; Rea hebt den Kopf, nimmt sonst aber wenig Notiz von meinem Cousin.

Garrett kneift die Augen zusammen, verzieht kurz das Gesicht, ich nehme an, die Beule auf seiner Stirn macht sich bemerkbar. Und der Holzkopf ist zu stolz, Carlisles Tipp vom Voltaren zu befolgen. Und ich verstehe nicht, warum er seiner Backfee nicht sagt, was er von ihnen hält.

Gut, sie hat sein Bett verschwinden lassen und hat einen Dickschädel, aber der braucht das. Eine Frau, und sei sie auch noch ein Mädchen, die ihm die Stirn bietet, jemand auf Augenhöhe.

Außerdem kann er ihr dann sagen, dass er möchte, dass sie bleibt, dann ist auch Siobhan endlich die Sorge los, dass Kate zurück nach Alaska gehen könnte.

Wir haben uns einmal aus den Augen verloren. Ich will nicht, dass es noch einmal so kommt.", klagt Siobhan, blickt mich aus ihren großen violettblauen Augen an, als könne ich an Kates Entscheidungen rütteln. Dass müssen Zänkische und Zerzauster schon mit sich ausmachen.

„Ich geh mir ein Bier holen. Uncail (Onkel), noch eins?", Ron grinst. „SIOBHAN!", ruft er. „Kate?", das hat Garrett auf den Beinen.

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Find me here, speak to me

I want to feel you, I need to hear you

You are the light that's leading me

To the place where I find peace again

You are the strength that keeps me walking

You are the hope that keeps me trusting

You are the light to my soul

You are my purpose, you're everything

(Lifehouse, Everything)

Siobhan steht vor mir und blickt mich an, während ich auf dem Bett sitzend zu ihr aufsehe. Ihre Finger tanzen über meinen Nacken, sie wirkt gedankenverloren.

Seit heute duzen sie und Maddy sich, ich weiß nicht, was ich vom plötzlichen Anflug dieser Freundlichkeit halten soll, auch wenn es ja eigentlich ganz natürlich ist.

Kate ist wohl ziemlich bockig geworden, wogegen sich Garrett anscheinend murrend in sein Schicksal fügt. Aber ihm ist ja auch klar, dass er in die zänkische Kate verliebt ist.

Finde es hochgradig amüsant, dass die beiden besten Freundinnen beide einen unsäglichen Dickschädel haben und nun sehen wir, wer gewinnen wird.

„Sie könnte es einfach zugeben!", seufzt Siobhan. „Und fertig!"

Schmunzele. Wieder versteht sie nicht, dass es nicht immer so einfach ist. Allein von Garretts Seite. Es gibt so viele Gedanken, die man sich macht, wenn man sich in jemanden verliebt, der so viel jünger ist. Ich kann meinen Freund zwar gut verstehen, sehe aber auch, dass es alles gut ausgehen kann.

„Soweit ich Kate kenne, ist sie niemand der ihre Prinzipien über Bord wirft.", auch wenn ich ihre Maximen für die manchmal etwas utopischen Ideen einer 19jährigen halte, aber sie ist eben noch nicht älter. „Da ist sie dir nicht unähnlich.", entweder so wie Kate es will oder gar nicht. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Meine Blume verzieht den Mund, spitzt die Lippen. „Was willst du mir damit sagen, Fear céile (Ehemann)!?", entrüstet sie sich. „Hör auf zu grinsen!"

Sie ist so hinreißend, wenn sie sich aufregt. Drücke meine Lippen auf ihre, zum einen weiß sie genau, was ich ihr damit sagen will, zum anderen weiß sie auch, dass ich unser Gespräch damit für beendet halte.

Die Tür des Badezimmers im angrenzenden Zimmer knallt ins Schloss und schon im nächsten Moment kommt Kate durch die Tür zu unserem Zimmer.

„SCHLUSS DAMIT!", ziehe eine Augenbraue in die Höhe, blicke Kate an. Und bin froh, dass Maggies Zimmer auf der anderen Seite dieses Stockwerks ist.

„Ganz falscher Zeitpunkt, Liebste.", stellt Siobhan fest. Sehe sie an, hat sie das gerade wirklich zu ihrer Freundin gesagt?

„Findest du?", Kate grinst über das ganze Gesicht. „Aber Garrett und ich haben uns geeinigt, dass wir beide und ein Zimmer teilen und er und Liam einen drauf machen!", die zierliche Blondine stemmt die Hände in die Hüften und wartet darauf, dass wir parieren.

Blicke Siobhan an, deren Gesicht alles widerspiegelt, was ihr gerade dazu durch den Kopf geht. Das ist hochgradig belustigend, deswegen werde ich mich zurückhalten und abwarten, was sie so vorhat.

„Mein Freund unterstützt so einen Blödsinn nicht.", statuiert meine wilde Blume. „Außerdem, findest du es nicht ein bisschen ungerecht, dass ich auf meinen Mann verzichten soll, nur weil du es mit deinem nicht geregelt bekommst?", Kate reißt ihre blauen Augen auf, auch ich sehe meine Verlobte überrascht an. Auch wenn ihre Stimme ganz gelassen ist, kann ich nicht fassen, dass sie ihrer besten Freundin gerade gesagt hat, dass sie vorhat Sex zu haben und nicht bereit ist, dass der Freundschaft wegen zu opfern.

„Garrett ist nicht mein Mann!"

„Wieso eigentlich nicht?", kontert Siobhan.

Und sooft, wie die beiden schon miteinander zugange waren, zählt das unlängst nicht mehr als einmalige Nummer.

Und so pikiert, wie Kate ist, wenn eine von Garretts Bekanntschaften auftaucht oder zur Sprache kommt, ist ihr das auch klar.

„ARGH! Du bist so gemein!", mit einem lauten Rums knallt unsere Badezimmertür in den Rahmen zurück und Kate ist verschwunden.

Was haben wir uns nur mit den beiden eingehandelt?

„Du wirst also nicht verzichten?", hake ich nach. Es ist so untypisch für sie, so etwas laut auszusprechen.

Siobhan lächelt. „Nein. Auf gar keinen Fall!", kichert sie, drückt ihren Mund auf meinen.

Kate

Wieso nicht! Sie weiß ganz genau, wieso nicht! Weil er ein Idiot ist! Widerlich! Und so Ekel erregend selbstsicher!

Was?

„Garrett, was machst du da?"

„Wonach sieht es denn aus? Ich gehe ins Bett!"

Nein, ich werde mir bestimmt nicht das Bett mit ihm teilen!

„Aber das ist meine Seite!", platzt es aus mir heraus.

„Hast du nicht verkündet, dass du nicht mehr neben mir liegen wirst?", er verzieht die Augenbrauen, so als würde er mich nicht ernst nehmen. „Und bist du dann nicht wie eine Fünfjährige zornig aus dem Zimmer gerannt?"

Ich bin hinausgegangen, weil es mir überhaupt nicht gefallen hat, wohin sich unsere Diskussion gedreht hat.

Mir ist egal, wo du schläfst, aber ich teile das Bett nicht.", verschränke die Hände.

Dann kannst du dir ja einen anderen Schlafplatz suchen, und es direkt Paddy erklären.", kontert er. Es ist gemein, dass sie den halben Abend mit Bier und dem irgendwie herzigen alten Mann verbracht haben und wir mit Madelaine und Blubberwasser. Ich bin sehr froh gewesen, als Pad sich neben Siobhan auf die Gartenbank fallen ließ und „Mein Mädchen" oder so was zu ihr gesagt hat. Er ist witzig.

Ich…!"

Reg dich ab, little One. Warst du es nicht, die damit angefangen hat?"

Was bitte? Der zerzauste Hallodri hat den Schuss wohl nicht gehört!

Nichts habe ich!"

Du hast mich geküsst!"

Tz, das war höchstens ein Küsschen.

Du bist über mich hergefallen!", glaube ich. Ich erinnere mich nicht so genau, wer was begonnen hat. Es verschwimmt alles in einem Rausch von…Hormonen, die eigentlich Ruhe geben sollten, verdammt. Und wie er da steht, so verwegen so… mir ist schon wieder ganz warm.

Soweit ich mich erinnere, hast du dich rege daran beteiligt!"

Ich! Also!

Ja man, was erwartet er! Er hat diesen intensiven Blick und ist so… schrecklich gut aussehend. Der Bart ist heiß und die Entschlossenheit in allem was er sagt.

Sag mir, Katie, als was sehen wir das nun?"

Ich weiß nicht. Diese Frage hat sich mir noch nie gestellt. Es war immer klar, was es ist, wenn ich mit einem Mann, einem Jungen, ins Bett gegangen bin. Es sind immer Dates voran gegangen. Es war immer klar, dass es eine Beziehung ist, wenn auch nur drei Wochen lang. Es waren auch noch nicht viele, mit denen ich bis ins Bett gegangen bin.

Und nun steht ein Mann vor mir, der sich durch unzählige Betten geschlafen hat und will wissen, wie wir nun damit umgehen, dass wir Sex hatten. Guten Sex, zumindest in meiner Erfahrung.

Wieso sagt er mir nicht, was das ist? Er kennt sich da sicher besser aus als ich.

Der widerliche, ekelhafte Kerl hat dich etwas gefragt, little One.", er macht sich auch noch über mich lustig! Wie soll ich ihn auch sonst nennen? Mann meiner schlaflosen Nächte? Ich muss sein übersteigertes Selbstbewusstsein nun wirklich nicht noch untermauern.

Muss ihm nicht sagen, dass ich fortan die Jungs, und seien sie noch so verwegen, alle samt als Jungs betrachte und wahrscheinlich keinen Spaß mehr daran haben werde, sie zu küssen, weil ich ihn inzwischen geküsst habe.

Argh! Stürme ins Bad hinein und fasse den Entschluss, Siobhan zur Lösung der Situation aufzufordern.

Garrett zieht sein TShirt aus und legt es auf die Kommode. Er weiß genau, was die Bilder auf seiner Haut bei mir auslösen, wenn man sehen kann, wie sich die Muskeln unter der Farbe bewegen. Oh Gott, jetzt ist mir heiß.

„Sakra pekný sukničkár (verdammter gut aussehender Weiberheld)!", schimpfe ich.

Garrett sieht mich einen Moment an, als habe er etwas davon verstanden, bevor er tatsächlich die Bettdecke zurückschlägt.

Er glaubt also, er sei so viel reifer als ich, das er mich als Fünfjährige bezeichnen kann? Das behauptet der Mann, der auf Süßwaren abfährt?

Na was er kann, kann ich schon lange!

Drehe mich zum Schrank um und ziehe mein Oberteil aus. Ich kann das Keuchen hinter mir hören.

Ha! Nimm das!

„Kate, was machst du da?"

„Wonach sieht es denn aus?", erwidere ich, drehe mich in seine Richtung. „Ich will gleich ins Bett gehen.", antworte ich und ziehe meine Hose aus. Hm. Das Blitzen in seinen Augen gefällt mir.

„Aber was soll ich morgen nur anziehen? Ron hat angeboten, uns die Stadt zu zeigen."

Garrett und Ron haben sich immer wieder überboten, dabei sollten sie sich eigentlich ausgezeichnet verstehen, haben sie doch angeblich denselben Frauenverschleiß.

„Das ist doch völlig egal. Könntest du dich bitte jetzt bedecken?", knurrt der Mann vom Bett.

„Ja gleich. Sieh mal, das Tattoo ist abgeheilt. Müssen wir das noch mal nachstechen?", drehe mich voll zu ihm um.

Nun komm schon, mach was! Mein Stolz weigert sich, zuzulassen, dass ich zu dir ins Bett steige. Aber ich halte es nicht aus, wenn du nicht gleich was unternimmst!

Was soll ich denn noch machen? Nackt herum laufen?

„Was soll das, Kate?", Garrett blickt mich an, rutscht herum. Angespannt.

Ich weiß es doch selbst nicht so genau.

Er ist so wild. So entschlossen. So erfahren. So… ein Mann. Und dann kann er so sanft sein, wenn er mit Maggie spricht, oder mit Siobhan scherzt, mit Carmen oder Esme. Er liebt seine Mutter.

Er weiß, was er vom Leben erwartet.

Ich weiß nicht mal, was ich gerade erwarte.

Ich bleibe meine Antwort schuldig, als Garrett aufsteht und im Bad verschwindet. Ich kann Wasser rauschen hören.

Ich bin wütend. Es ist das zweite Mal, dass er mich ablehnt, als ich in Unterwäsche vor ihm stehe. Wie kann er es wagen, mich zu einem seiner Bimbos zu degradieren?

Klettere ins Bett, bleibe in der Mitte liegen, rolle mich in die Decke ein. Er wird auf gar keinen Fall neben mir liegen, schon gar nicht, nachdem er mich so verschmäht hat. Auch wenn das Bett problemlos noch immer groß genug ist, ist es nur schwieriger für ihn, Platz zu finden.

Werde noch wütender, als ich Tränen des Zorns spüre, die sich an die Oberfläche kämpfen.

Die Matratze hinter mir gibt nach, er ist wieder da.

„Ich dachte, du hast EINE Seite.", stellt er fest.

„Hmpf!"

Ich glaube, er lacht leise. Ich werde nicht weichen!

Dann legt er einen Arm um mich, ich kann seine Brust an meinem Rücken spüren, er wird sich also wirklich keinen anderen Schlafplatz suchen.

OH!

„Schlaf gut, Katie.", flüstert der Hallodri, als ich ihn deutlich spüren kann. Oh mein Gott, mit einem Mal ist meine Wut verpufft.