Mathilda Coffin stellte ihren Wagen vor dem Haus ab. Sie klappte noch einmal schnell den kleinen Handspiegel auf, den sie immer bei sich trug. Sie war beim Friseur gewesen und hatte sich von ihrem Dutt getrennt, ihre Haare fielen Tilly jetzt in weichen Wellen auf die Schulter. Wie ungewohnt das ist, dachte sie. Und sie fragte sich, was Renee Malone wohl wollte. Sie war geheimnisvoll gewesen, vorgestern am Telefon. Hatte sie gebeten, sich hübsch zu machen und von einer Überraschung gesprochen. Eigentlich war Tilly Coffin kein Freund von Überraschungen, aber irgendetwas in Renee´s Stimme hatte Tilly in Aufregung versetzt, eine Ahnung in ihr geweckt. Sie tat etwas, was sie noch nie gemacht hatte, sie googelte Dr. Malone und stiess auf das Foto aus der Klinikzeitung, das auch Garcia gefunden hatte. Tilly war fast das Herz stehen geblieben, als sie darauf auch Georg erkannte. Ihren Georg...In Tilly wuchs ein so ungeheurer Verdacht, konnte Renee Georg hierher geholt haben? Ganz offenbar kannte sie ihn gut, Tilly wollte sich nicht der Hoffnung hingeben, ihre Jugendliebe wiederzusehen, aber sie kannte Renee Malone ein wenig, kannte ihr großes Herz und ihr Bestreben, alle um sich herum glücklich zu machen.

Und deswegen hoffte Tilly doch. Sie holte noch einmal tief Luft, bevor sie die Strasse überquerte, um zu klingeln.

"Na? Ist bei Euch alles ok?", fragte Renee und kam zu Hotch und dem Professor auf die Dachterrasse. Sie setzte sich zu Hotch auf den Schoss und streichelte liebevoll über seine Wange. "Wir sprechen über besondere Menschen, Renee." Prof. Dietrich prostete Renee zu und sie lächelte. "So besonders bin ich nicht, finde ich." Sie sah auf die Uhr, "Mathilda müsste jeden Moment kommen, sind sie nervös, Georg?" Dietrich streckte seine Hand aus, "operieren könnte ich gerade nicht. Denken Sie, sie freut sich wirklich, mich zu sehen?" Renee nickte, "Sie hätten hören sollen, wie sie über Heidelberg gesprochen hat und über die verpassten Chancen. Ich bin mir ganz sicher. Oh, und Aaron. Mich hat heute Mrs. Bancroft angerufen und mir die Stelle der Schulpsychologin in Jack und Becca´s Schule angeboten. Ich soll mich morgen da vorstellen, ist das nicht großartig?" Hotch küsste sie schnell. "Ich dachte schon, daß Dir das gefallen würde. Es würde auch wunderbar mit den Kindern passen..." "Das haben wir Mum schon gesagt", Jack und Becca standen kichernd an der Tür. Hotch musste lächeln, er hatte Jack noch nie so unbeschwert und glücklich gesehen wie im Moment.

Es klingelte.

"Das muss Mathilda sein, ich gehe aufmachen." Renee ging schnell zur Tür. "Oh, Mrs. Coffin! Sie sehen ja so hübsch aus! Kommen Sie doch bitte herein."

"Finden Sie?" Tilly strich sich ein bisschen unsicher durch die Haare. Renee nickte, "so viel besser als der Dutt. Ich hab ja schon gesagt, ich habe eine Überraschung. Und...ich hoffe sehr, Sie sind mir nicht böse, daß ich mich in Ihr Leben ein bisschen einmische, aber ich konnte nicht anders. Sie haben mir von Heidelberg erzählt und von Georg." Tilly schlug sich die Hand vor den Mund, "er ist wirklich hier, ? Bitte, sagen Sie, ist er hier?"

Georg Dietrich kam von der Terrasse nach drinnen. "Ja, denkst Du denn, es könnte mich jemand davon abhalten, meine Tilly zu sehen?" Tilly schluchzte laut und mit einem kaum verständlichen "Ach Georg", stürzte sie in seine Arme.

Renee schniefte und Hotch drückte sie. "Gut gemacht, mein Engel.", flüsterte er ihr ins Ohr. Becca kam und schmiegte sich an Hotch, "jetzt hab ich keine Angst mehr vor Mrs. Coffin, Hotch-Dad. Weisst Du, ich glaub, sie ist nur alleine gewesen." Hotch nahm Becca hoch. "Du bist ein schlaues kleines Mädchen, Becca." Er drückte sie liebevoll. "Wollen wir Essen?", fragte Hotch, "Renee ist eine so gute Köchin, es wäre schade, wenn es kalt wird."

"Ja, ich erinnere mich", erwiderte Georg. Er fasste Tilly bei der Hand, "komm, meine Liebe. Renee kocht wirklich sehr gut."

Das Essen verlief in sehr lockerer Stimmung, selbst die Kinder legten endgültig ihre Scheu vor Tilly ab, machten ihre Späße mit Hotch und Renee und bezogen auch Georg und Tilly mit ein. Renee beobachtete fasziniert, wie jung Tilly plötzlich wirkte, wie glücklich, vor allem. Und auch Georg wirkte so entspannt wie nie, er konnte kaum aufhören, Mathilda anzusehen.

Hotch und Renee brachten nach dem Dessert zwei sehr müde Mäuse ins Bett und hatten dann ein bisschen Zeit, um mit Tilly und Georg zu sprechen.

"Also sind Sie mir nicht böse, Mathilda?", fragte Renee lächelnd. Sie und Hotch teilten sich den großen Sessel, Georg und Tilly saßen auf der Couch. "Nein, meine Liebe, auf gar keinen Fall. Ich habe es ja schon angedeutet, wir haben uns in Heidelberg kennengelernt, Georg und ich. Ich war gerade zwanzig, eine blutjunge Studentin und ich habe mich sofort in diesen Mann verliebt." Mathilda lehnte sich an Georg und er lächelte, "und ich mich in diese Frau. Ich war nicht sicher, wohin das führen sollte, schliesslich bin ich fast 15 Jahre älter als Tilly." Hotch nickte, er wusste, was man sich für Gedanken machte, schliesslich war Renee fast 20 Jahre jünger als er selbst. Er legte seine Arme ein bisschen fester um sie und Renee kuschelte sich an.

"Er hat sich ein bisschen gewehrt, hat den Unnahbaren gespielt, aber irgendwann war der Altersunterschied nicht mehr wichtig", erzählte Tilly weiter. "Wir sind so glücklich gewesen, Georg und ich. Leider wurde meine Mutter schwer krank und ich musste zurück in die Staaten, um mich um meinen Vater und meine kleine Schwester zu kümmern, sie war gerade erst 11. Ich versprach Georg, so schnell wie möglich zurückzukommen, aber meine Mutter starb und mein Vater verlor vollkommen den Boden unter den Füßen. Ich konnte nicht zurück nach Deutschland." Mathilda sah Georg traurig an und er legte seinen Arm um sie. "Ich habe das immer verstanden, Tilly. Auch wenn mich das innerlich fast zerrissen hat. Ich konnte Dich nicht vor die Wahl stellen, deshalb habe ich Dich gehen lassen."

"Es ist schwer vernünftig zu sein", sagte Renee leise. "Ja, das ist es.", bestätigte Georg, "aber manchmal muss man das Richtige tun, auch wenn es weh tut. Danke, Renee. Sie haben uns ein Geschenk gemacht und Tilly und ich werden jetzt sehen, was wir daraus machen. Ob wir nicht zu alt sind, um noch einmal neu anzufangen."

Tilly versetzte Georg einen Klaps, "sag noch einmal, wir wären alt, Georg. Das sind wir nicht." Sie küsste ihn auf die Wange. "Wir haben eine Menge aufzuholen." Tilly zog Georg vom Sofa. "Ich möchte Ihnen Beiden danken. Ich hatte das nicht erwartet. Erhofft, ja. Aber nicht erwartet." Renee umarmte Georg und Tilly kurz. "Sie müssen sich nicht bedanken, Mathilda. Aaron und ich sind glücklich, wenn Sie und Georg das sind."

Hotch half Renee, die Spülmaschine zu füllen, nachdem sich das ältere Paar verabschiedet hatte. Er war froh, daß er und Renee keine Zeit verschwendet hatten. "Vielleicht solltest Du eine Partnervermittlung aufmachen, Renee.", schmunzelte Hotch und Renee kicherte. "Findest Du? Ich denke, ich werde jetzt erstmal Jack und Becca´s Schule aufmischen. Und dann sollten wir über den Umbau nachdenken, das Kinderzimmer für Becca." Renee legte Hotch ihre Arme um den Nacken. "Oder willst Du damit noch ein bisschen warten? Wir müssen nichts überstürzen, weisst Du?"

Hotch hm-te, "Nein, Du hast vollkommen recht, wir sollten den Umbau planen. Becca´s Zimmer, ein weiteres Bad und..."

"Und was?", fragte Renee neugierig nach einem Kuss. "Vielleicht noch ein Kinderzimmer? Nicht gleich heute oder morgen, aber wir sollten es ins Auge fassen, meinst Du nicht?" Renee machte große Augen, deutlicher konnte Hotch nicht ausdrücken, wie sehr er sie liebte. Renee küsste Hotch wieder. "Nächstes Jahr um diese Zeit, Aaron? Dann wäre mein Jahr in der Schule zu Ende und wir könnten uns ausgiebig diesem Projekt widmen." Hotch musste lachen, "Projekt? So, so. Ich fürchte aber, wir müssen noch eine ganze Menge üben, bis wir unser 'Projekt' starten." Er knöpfte langsam Renee´s Bluse auf und setzte sie auf die Küchentheke. Dann nahm er die Klammer aus ihren Haaren und liess die haselnussbraune Flut über ihren Rücken fallen. Renee stöhnte leise, als Hotch ihren Brustansatz streichelte und dann ihren BH öffnete. "Das hab ich mir vorgestellt, als Du das erste Mal auf die Kinder aufgepasst hast, Renee. Du hattest dieses kurze Ding an und hast mich vollkommen verrückt gemacht." Renee grinste, "und ich hab schon gedacht, ich hätte mir Deine Blicke eingebildet. Dann lasse ich mich mal überraschen, was Du Dir sonst noch so vorgestellt hast." Renee liess sich nach hinten sinken und genoss Hotch´s Einfallsreichtum.