A/N: Die Obsternte ist im vollen Gange und fordert ganzen Einsatz, von daher weiß ich nicht, ob ich regelmäßig immer an den geraden Tagen zum Updaten komme, aber ich bemühe mich.
Das heutige Kapitel ist recht kurz, enthält aber ähnlich wie Kapitel 11, an das es inhaltlich anschließt, Gedanken zu Themen, die für kleine Kinder noch etwas schwierig sein könnten.
Da das eigentliche Kapitel kurz ist, kann ich sozusagen als Ausgleich die Autornotizen ein wenig länger machen und mal auf die Gast-Reviews eingehen:
Zoodirektor
Max hat nichts gegen Zoos an sich, bloß was dagegen, alle Tiere eines solchen darstellen zu müssen. :-P
Zugegeben, Jay hat sich in dieser Geschichte ein wenig in den Vordergrund gespielt - aber das macht er in der Serie auch. ;-)
Es ist einiges ungewöhnlich auf Sensei Yins Feld. ;-)
Vielen Dank für die Reviews. :-)
Sunshine
Vielen Dank für das Review und herzlich willkommen. :-) Freut mich, dass Dir der Anfang gefällt und hoffe, der Rest findet ebenfalls Deinen Zuspruch. Du stößt zu einem günstigen Zeitpunkt dazu, denn jetzt kommt bald die eigentliche Handlung richtig in Fahrt.
Cole blieb noch ein wenig an der frischen Luft, nachdem der Novize unter Deck verschwunden war. Nachdenklich lehnte er an der Reling und betrachtete die sinkende Sonne. Ganz in Gedanken ließ er seine Hände durchlässig werden und ins Geländer einsinken, dann zog er sie wieder heraus. Es war nur eine Spielerei, wie wenn man mit den Fingern trommelt oder mit den Füßen wippt, aber dadurch wurde ihm einmal mehr bewusst, wie selbstverständlich ihm seine Geistereigenschaften in den letzten Monaten geworden waren.
'Der Sensei hatte völlig Recht', dachte er bei sich. 'Man kann nicht nehmen, ohne zu geben. Aber darf ich deswegen kein Mensch sein wollen? Nein, ich habe meine Entscheidung getroffen und bleibe dabei, auch wenn ich bedauere, meine Geistereigenschaften aufgeben zu müssen.'
Er stellte sich vor, wie es sein würde, wieder mit seinen Geschwistern schwimmen zu gehen und im Wasser zu planschen. Oder wie er ganz unbesorgt im Regen spazieren gehen könnte, ohne Regenschirm oder Nyas Hilfe. Er kicherte plötzlich bei dem Gedanken an eine Wasserbombenschlacht mit Jay.
Sicher, als Mensch würde er auch wieder krank werden und altern, wie der Sensei gesagt hatte. Aber war das wirklich so schlimm? Cole stellte sich vor, wie es wäre, wenn er nie älter werden würde. Irgendwann wären die anderen Ninja - außer Zane - alt und grau, aber er wäre noch immer der Geist eines jungen Mannes.
Ja, und irgendwann würden die Anderen schließlich sterben. Selbst Zane würde vermutlich irgendwann aufhören zu existieren. Sein Titankörper war zwar extrem haltbar, aber dennoch nicht unvergänglich, und auch seine Software könnte mit der Zeit aufhören zu funktionieren. Dann wäre Cole als Einziger noch übrig - ganz allein. Wollte er das? Wollte er wirklich ewig so bleiben, wie er jetzt war, und alle seine Freunde überdauern? Er dachte daran, was der Sensei über die Ewigkeit gesagt hatte.
Er schüttelte sich. Nein, er wollte ganz bestimmt nicht ewig existieren, auch nicht als ewig jugendlicher Geist mit tollen Fähigkeiten! Und er wollte auch nicht, dass sein Geisterdasein in einem einzigen Moment durch einen Schwall Wasser beendet würde, ohne dass er wüsste, was danach mit ihm passierte. Er wollte wieder ein ganz normaler Mensch werden, der sich verletzte, hin und wieder krank wurde, mit seinen Lieben zusammen alterte und irgendwann schließlich einmal das Zeitliche segnete und in das Reich der Erinnerung einging, wie alle Anderen auch.
'Aber solange ich noch ein Geist bin, sollte ich meine besonderen Fähigkeiten ausnutzen', sagte er sich und machte sich gleich einmal unsichtbar. Als er wieder erschien, grinste er von einem Ohr zum anderen. "Jetzt beginnt die Geisterabschiedsparty!"
Cole machte sich einen Spaß daraus, nach oben zu schweben und durch die verglaste Wand in den leeren Kontrollraum zu gleiten. Dort hielt er kurz inne, bevor er genüsslich an die Decke schwebte.
Doch warum sollte er dort aufhören? Er fuhr durch die Decke hindurch, so dass er sich über dem Schiff befand, und begab sich schließlich in den Ausguck auf dem Mast, zwischen den beiden quergestellten roten Segeln. Er tat so, als liefe er auf dem Segeltuch Schlittschuh, und stürzte sich dann ganz plötzlich in die Tiefe. Doch anstatt hart auf dem Deck aufzuschlagen, glitt er sanft durch den Boden, durch alle Decks hindurch bis hinunter in den Frachtraum. Nur so zum Spaß ergriff er von einer leeren Kiste Besitz und ließ ihren Deckel klappern.
Schließlich schwebte er rückwärts durch Wände und Decken zurück an Deck und ließ seinen Körper wieder fest werden.
"Sicher, es macht Spaß, meine Geisterfähigkeiten einzusetzen, aber ich bin bereit, sie gegen ein Leben als normaler Mensch einzutauschen." Nachdenklich griff er sich ans Kinn und setzte schalkhaft grinsend hinzu: "Auch wenn das heißt, dass ich mich wieder jeden Morgen rasieren muss."
