Vielen lieben Dank für die netten Reviews! Es ist schön zu wissen, dass tatsächlich noch jemand hier mitliest und diesmal hab ich mir auch Mühe gegeben frühzeitig upzudaten, auch wenn wohl einige noch mit HP7-Lesen beschäftigt sind...
Also Danke euch allen #euch ganz doll drück und knuddel# fürs Mitlesen und Reviewen!
Das Erbe Merlins
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Krankenflügel-Verbot
In den ersten Tagen des frisch angebrochenen Jahres fiel noch einmal Neuschnee, der gleichsam die Spuren des vergangenen Jahres zu verwischen schien, so wie Yvan prophezeit hatte.
Sirius fiel es in dieser entspannten Atmosphäre ungewöhnlich leicht, seinen unangenehmen Aufenthalt bei den Lestranges zu vergessen – oder zu verdrängen, wie Remus es nannte.
Die einzige Erinnerung an das unliebsame Wochenende bei seiner Familie stellte die Brandwunde an seinem Arm dar, die einfach nicht verheilen wollte. Sirius nahm an, dass es an dem mächtigen Fluch Malfoys lag, der die Wunde nicht so schnell verheilen ließ, doch er war darauf bedacht, seinen Arm mit den Roben bedeckt zu halten, sodass niemand ihm unangenehme Fragen stellen konnte.
Seine Familie jedoch verfolgte ihn hartnäckig auch in das neue Jahr hinein: Ein paar Tagenach ihrer Sylvesterfeier kehrten Narzissa und Bellatrix in das Schloss zurück. Insofern schien Yvans Methode wohl doch nicht ganz aufzugehen…
Narzissa schien sich immer noch ein wenig seltsam zu verhalten, doch der Trank ließ wohl allmählich nach.
Bei den Blicken, die seine Cousinen ihm derzeit zuwarfen, wenn sie ihn beim Essen sahen oder zufällig über den Weg liefen, zog Sirius es vor, ihnen lieber aus dem Weg zu gehen.
Die erste Drudenfußzauberstunde im neuen Jahr fand am späten Abend statt, da Dumbledore es nicht anders einrichten konnte.
Sirius klopfte etwas nervös an die Bürotür des Schulleiters, nach dem, was beim letzten Mal passiert war. Er war überrascht gewesen, als Dumbledore ihm den Termin für ihre nächste Stunde gegeben hatte, denn er hatte nicht gedacht, dass der Schulleiter ihn überhaupt noch weiter unterrichten würde, nachdem es ihn das letzte Mal in den Krankenflügel gebracht hatte.
Während von innen das gewohnte »Herein« erklang, steckte Sirius schnell das Amulett, das er hervorgeholt und beruhigend gestreichelt hatte, wieder zurück in seinen Umhang und betrat das Büro.
Nachdem sich Sirius gesetzt hatte, hob Dumbledore an: »Nun, Sirius, nach dem, was beim letzten Mal passiert ist, sollten wir wohl lieber wieder zu unseren konventionellen Methoden zurückkehren. Madam Pomfrey bringt mich um, wenn ich dich – Drudenfußzauber hin oder her – noch einmal zu ihr tragen muss.«
Sirius fühlte, wie sein Gesicht heiß wurde, und schüttelte sich schnell unauffällig (wie er zumindest hoffte) ein paar Haare ins Gesicht, damit Dumbledore seine Verlegenheit nicht mitbekam. Auf der einen Seite konnte und wollte er dem Direktor nichts von dem Amulett erzählen und auf der anderen wusste er nicht, was Dumbledore von dem ›Unfall‹ bei ihrer letzten Stunde hielt, da er ja nicht wissen konnte, dass es nicht Sirius' Schuld, sondern die des Amuletts gewesen war.
»Du beherrschst alle Fundamente in ihren Grundprinzipien, also sehe ich keinen Grund, warum du es nicht schaffen solltest«, fuhr Dumbledore fort. »Du kannst es eigentlich – doch, davon bin ich überzeugt«, beharrte er, als Sirius schon in protestierender Weise den Mund öffnete. »Du musst nur noch daran glauben. – Also werden wir es wieder und wieder versuchen.«
Der Schulleiter sah eine Weile ins Leere ohne etwas zu sagen, doch er zückte auch nicht seinen Zauberstab zum Zeichen, dass sie beginnen konnten.
Sirius rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum, bis Dumbledore schließlich das Wort abermals erhob: »Bevor du das letzte Mal – nun…«
»Ausgeknockt wurde?«, schlug Sirius vor.
Dumbledore grinste leicht, fuhr dann aber fort: »Hast du da irgendetwas gespürt? Hast du die hierzu notwendige Magie gefühlt?«
Sirius hatte Schwierigkeiten, sich zurückzuerinnern, da sich zwischen den beiden Drudenfußzauberstunden viel ereignet hatte, ganz abgesehen davon, dass er gleich nach der letzten Stunde das Bewusstsein verloren hatte.
Schließlich nickte er. Auf Dumbledores fragenden Blick hin beschloss er, dass er wohl etwas darüber erzählen sollte und so meinte er: »Ich fühlte mich plötzlich so… beschützt… Nichts auf der Welt hätte mir etwas antun können.«
Dumbledore nickte. »Dieses Gefühl ist jedoch ein bisschen trügerisch«, warnte er. »Wenn man bedenkt, dass du keine zwei Minuten später im Krankenflügel gelandet bist…«
Sirius warf dem Schulleiter einen vielsagenden Blick zu. Er hatte selbst gesagt, dass er so etwas noch nie erlebt hätte. Zweifelsohne standen solche ›überladenen Magiefelder‹ bei einem Drudenfußzauber nicht an der Tagesordnung!
Dumbledore schien den Blick bemerkt und richtig interpretiert zu haben, denn er fügte an: »Je komplexer der Spruch ist, desto schwieriger wird es, wie du zweifellos mittlerweile bemerkt haben wirst, ihn abzublocken. Denken wir nur an den Avada Kedavra Fluch, der nicht einmal von dem stärksten Drudenfußzauber abgeblockt werden kann.« Abermals blickte Dumbledore ins Leere vor sich, ehe er sich abrupt erhob.
»Vielleicht noch ein kleiner Tipp«, meinte Dumbledore, als er bereits seinen Zauberstab zückte. »Um die Vorstellungskraft zu materialisieren, kannst du dir die fünf Schritte – der Scutumschild, der Schild durch reine Konzentration, der Tutela Titulus, der freie Wille und schließlich das Zusammenführen aller Komponenten in eine magische Macht – wie die fünf Zacken des Drudenfußes vorstellen.«
Sirius fühlte sich unwillkürlich an den Drudenfußteppich bei den Lestranges erinnert. Auch er holte seinen Zauberstab aus der Umhangtasche.
»Sir«, hob er jedoch an, bevor sie beginnen konnten. »…Auch Schwarzmagier bedienen sich des Drudenfußes, nicht wahr?«
Dumbledore sah ihn einen Moment lang über den Tisch hinweg mit einem seltsamen Ausdruck an. Schließlich antwortete er: »Es gibt nicht nur den weißmagischen Drudenfuß, Sirius.«
Sirius schluckte und sah den Schulleiter entgeistert an. Wie konnte es einen Drudenfuß geben, der nicht weißmagisch war?
»Es ist eine Art Gegenzauber, der den weißmagischen Drudenfuß versucht zu schwächen oder sogar durch ihn durchzudringen, jedoch meist nicht so effizient ist, wie ›unser‹ Drudenfuß. Aber das soll ohnehin nicht unser Problem sein. Wir konzentrieren uns ganz und gar auf den weißmagischen Drudenfuß.«
Sirius nickte rasch. Nach dem, was Dumbledore sagte, musste es sich in Lestranges Villa um einen schwarzmagischen Drudenfuß handeln, das würde Sinn ergeben…
»Ich will, dass du Bescheid sagst, bevor du dich in irgendeiner Weise magisch verausgabst. Verstanden?«, wechselte Dumbledore abrupt das Thema.
Sirius nickte nur abermals und die Stunde konnte beginnen.
Er versuchte sich auf alle fünf Zacken zu konzentrieren und er fühlte sich sogleich wieder in Sicherheit, doch Dumbledore gelang es wie üblich, ihm seinen Zauberstab zu entwenden.
Sirius schnaufte verärgert und zugleich enttäuscht aus, während er sich seinen Zauberstab zurückholte.
Seltsamerweise lächelte Dumbledore ihm zu – und zwar nicht ermutigend wie üblich, sondern schlicht und ergreifend erfreut. »Sehr schön«, lobte er. »Es waren alle Komponenten vereint. Noch sehr schwach in ihren Einzelteilen zwar – kein Wunder, viel Magie wird darauf verwendet, alle Teile zusammenzusetzen – aber es war ein richtiger Drudenfußzauber.«
Sirius sah Dumbledore mit hochgezogenen Brauen an. »Ein richtiger Drudenfußzauber? Verzeihung, Sir, aber ich glaubte, der würde einen Entwaffnungszauber aufhalten!«
»In der Tat, das würde er«, erwiderte Dumbledore noch immer äußerst gut gelaunt. »Doch wie ich bereits sagte, die einzelnen Elemente waren hierfür noch zu schwach…«
»Dann hab ich auch nicht mehr geschafft, als sonst!«, unterbrach Sirius ihn, der aufgrund Dumbledores übertriebener Freude etwas verwirrt war.
»In dem Falle wäre es mir entgangen, dass du schon einmal – zumindest in meiner Gegenwart – einen Drudenfußzauber heraufbeschworen hättest.«
Dumbledore schien zu bemerken, dass Sirius noch immer nicht sehr überzeugt war, denn er setzte hinzu: »Hör zu, Sirius, weiter erwarte ich von dir noch gar nicht zu kommen. – Die fünf Zacken waren verbunden, wenn auch nicht in der Macht, wie du es dir vielleicht vorstellen würdest.«
Sirius seufzte, nickte aber und ging in seine Ausgangsposition zurück.
Trotz größter Anstrengung schaffte Sirius nichts weiter, als diesen sehr schwachen Drudenfußzauber heraufzubeschwören, was ihm in seinen Augen auch nicht viel mehr brachte, als die diversen Schutzschilde in ihren Einzelteilen.
Dumbledore dagegen schien mit Sirius' Leistungen überaus zufrieden.
Am letzten Wochenende vor Schulbeginn lud Piler die vier Freunde nach Hogsmeade ein, um das Ferienende zu feiern.
Sirius, der ohnehin vorgehabt hatte, sich in Hogsmeade eine magische Salbe gegen Brandwunden zu besorgen (die an seinem Arm wurde anstatt besser zu werden immer schlimmer), ergriff die Gelegenheit beim Schopfe, als James vor einem Quidditchgeschäft stehen blieb.
»Ähm… Ich hab noch ein paar Besorgungen zu machen! Ich komm dann später nach.«
»Ich begleite dich, Sirius«, meinte Piler sogleich. »Mit Quidditch kann ich nicht so viel anfangen. Bei den Spielen zuzusehen ist ja ganz schön, aber die verschiedensten Besen Probe zu sitzen…«
Sirius, dessen Plan mit Pilers Worten gefährlich ins Wanken geriet, erwiderte schnell: »Ach, Quatsch, jeder mag Quidditch! Bleibt ihr ruhig hier, ich bin eh schnell fertig.«
James indessen schien nur Augen für ein Besenpflegeset zu haben, das im Schaufenster ausgestellt war, und hörte somit den beiden gar nicht zu. Peter blieb nahe bei James und Remus war inzwischen zum Nachbarladen getreten, der mit Büchern voll gestopft war.
Piler sah Sirius einen Moment lang seltsam an, dann meinte er: »Nein, nein, ich komm schon mit dir mit.«
»Du solltest lieber auf James und Peter aufpassen, sonst kaufen die den ganzen Laden leer«, versuchte Sirius es noch einmal.
»Die beiden sind zu zweit. Ich lass euch nur ungern alleine rumlaufen«, beharrte Piler. »Also lass uns gehen.«
Sirius verdrehte innerlich die Augen. Mittlerweile stand er alleine mit Piler auf dem Gehsteig, da James und Peter in das Quidditchgeschäft verschwunden waren. »Ich schaff das schon, ehrlich!«
»Wenn ich dabei bin, geht's noch schneller.«
»Remus ist auch allein!«
»Willst du mir nicht sagen, worum es wirklich geht?«, fragte Piler nun schelmisch.
Sirius seufzte hörbar. »Okay, ich will nicht, dass du mitkommst.«
Plötzlich grinste Piler. »Welch Überraschung. – Und darf man auch erfahren, warum?«
»Nein.« Im selben Moment wurde Sirius klar, dass er sich die Salbe wohl ein anderes Mal besorgen musste und so fuhr er fort: »Doch. Ich… wollte in das Geschäft dahinten gehen. Dafür interessiere ich mich.«
Piler runzelte die Stirn, während er seinem Fingerzeig folgte. »FürHippogreife?«, hakte er ungläubig nach.
Sirius warf einen flüchtigen Blick auf das Geschäft, auf das er eben gewiesen hatte und das von Ferne eher nach einem harmlosen Ramschladen ausgesehen hatte. Tatsächlich handelte es sich um ein Geschäft für Ausstattung von Hippogreifen. Vom Sattelzeug bis zu besonderen Leckerlis verkündete ein Schild, das eigentlich, wie sich Sirius im Nachhinein überlegte, fast unmöglich zu übersehen gewesen war.
»Ähm… nein, das daneben mein ich.«
Piler warf ihm noch einen letzten ungläubigen Blick zu, doch dann machten sich die beiden auf den Weg zu einem kleinen, etwas heruntergekommenen Süßigkeitenladen, der zwischen Happy Hippogreif und Schreiberlings Federladen fast nicht auffiel.
Am Sonntag, dem allerletzten verbliebenen Ferientag, kehrten auch die übrigen Schüler und Lehrer aus den Ferien zurück.
Remus half Peter gerade mit seinem letzten Aufsatz, den er noch immer nicht fertig gebracht hatte, und Sirius fühlte sich im Gemeinschaftsraum, den er derart überfüllt gar nicht mehr gewöhnt war, nicht recht wohl. Er kaute auf seiner Aufsatzfeder herum und überflog deren eben vollendeten Aufsatz uninteressiert, der vor ihm auf dem Tisch lag.
Genau in dem Moment kam James hereingestürmt.
»Potter, würde es dich wohl stören, wie ganz gewöhnliche Leute den Gemeinschaftsraum zu betreten, anstatt wie eine Herde wild gewordener Hippogreife?!«
James beachtete Lily gar nicht, sondern kämpfte sich zu Sirius durch und begann ganz aufgeregt: »Ich hab's gerade gehört: Das Quidditchfeld ist endlich wieder hergerichtet!«
»Und? Du glaubst nicht im Ernst, dass sie die Quidditchsaison erst im Januar aufnehmen und deswegen den Duellierwettbewerb absagen?!« Sirius blickte noch nicht einmal von ›seinem‹ Aufsatz hoch.
»Nein, aber wir können fliegen! Ein paar Tore werfen… du gegen mich – was ist, macht ihr beiden auch mit?«
Remus sah von seinen Aufzeichnungen auf, mit einem Finger deutete er eben auf eine Zeichnung, die er Peter wohl zu erklären versuchte. »Wir haben hier noch einige Arbeit vor uns.« Er wirkte keineswegs genervt, so wie es Sirius zweifelsohne gewesen wäre, wenn er versucht hätte, Peter den Verwandlungszauber seit über zwei Stunden zu erklären.
James zuckte die Schultern, als wollte er sagen, dass sie Pech gehabt hatten, aber selber Schuld wären. »Na gut, dann gehen wir beide alleine.«
»Halt mal, wer hat gesagt, dass ich mitkommen würde?« Sirius sah alarmiert auf.
Abermals zuckte James mit den Schultern. »Ich«, meinte er dann, als ob das die Diskussion beenden würde.
Doch Sirius, der daheim im Grimmauldplatz nie Gelegenheit gehabt hatte, Quidditch zu spielen, hatte keine Lust, diese Tatsache James zu eröffnen. »Mir ist heute nicht so danach«, erwiderte er stattdessen. »Schon bemerkt, wie kalt es draußen ist?« Er wies mit dem Kopf auf das Fenster. Draußen schneite es zwar nicht mehr, doch die dicke Schneedecke konnte eine Ahnung geben, wie frostig es auf den Schlossgründen sein musste.
James jedoch schien ihn genau zu durchschauen, denn ein Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. »Du kannst gar nicht Quidditch spielen, richtig?«
»Was? Natürlich kann ich Quidditch spielen!«, wehrte Sirius ab.
»Nein, kannst du nicht«, beharrte James noch immer mit demselben breiten Grinsen im Gesicht.
»Also schön, gehen wir«, gab Sirius schließlich nach, dessen Stolz es ihm nicht erlaubte zuzugeben, dass James mit seiner Vermutung vollkommen ins Schwarze getroffen hatte.
Mit einem Klatscher, einem Quaffel und dem Schnatz befanden sich die beiden Jungen bald darauf auf dem Quidditchfeld, das in der Tat wieder hergestellt schien, auch wenn man den Boden aufgrund des hohen Schnees nicht sehen konnte.
Etwas nervös bestieg Sirius den Schulbesen, den sie mit seinem alles öffnenden Messer aus dem Besenschrank geliehen hatten.
Sie waren noch keine fünf Minuten in der Luft, als James schon zwei Tore von der unsichtbaren Freiwurflinie erzielt hatte. Sirius fand es am sichersten, ihm zuzusehen, wie er abermals den Quaffel fing und zurückflog.
Er drehte sich grinsend zu Sirius um, als ob er ihn herbeiwinken wollte, doch dann fixierte sich James' Blick auf etwas hinter ihm. »Pass auf den Klatscher auf!«, rief er Sirius zu, doch da war es schon zu spät…
Das zweite Mal innerhalb der Ferien kam Sirius im Krankenflügel wieder zu Bewusstsein.
»Welch Glück, dass so viel Schnee lag, der ihn weich auffangen konnte. Also wirklich, schon einmal etwas davon gehört, dass man Lehrer um Erlaubnis fragt, ehe man auf dem Quidditchfeld rumfliegt? Noch dazu mit einem Quidditchanfänger!« Unverkennbar war das Madam Pomfreys Stimme. Die würde Sirius mittlerweile unter Tausenden erkennen.
»Hey, Kumpel, geht's dir gut?«, wandte sich James an Sirius, sobald er merkte, dass dieser wach war, ohne Madam Pomfrey etwas zu erwidern. Diese schüttelte nur den Kopf, um daraufhin in ihrem Büro zu verschwinden.
»Ja«, nickte Sirius zur Antwort.
»Mist!«
Sirius warf seinem besten Freund auf diesen Kommentar hin einen pikierten Blick zu, woraufhin dieser sich beeilte anzufügen: »McGonagall meinte, dass wir Strafarbeit haben, sobald es dir besser geht.«
Sirius stöhnte auf. »Sorry, ich hätte dir sagen sollen…«
»Schon okay«, zuckte James die Schultern. »Ich wusste es eh.«
»McGonagall war also auch schon hier?«, hakte Sirius nach.
James nickte. »Piler übrigens auch. War ziemlich wütend, obwohl ich keine Ahnung hab, warum. Als ich ihm versichert habe, dass wir ihm das nächste Mal Bescheid geben, hat er nämlich nur abgewinkt und was gemurmelt von wegen darum ginge es doch gar nicht.«
»Seit wann kommen die Schreckschraube und Piler Schüler im Krankenflügel besuchen?«, wunderte sich Sirius nun. »Es war ein ganz normaler Quidditchunfall. Nichts Spektakuläres, wie ein überladenes Magiefeld oder so.«
»Na ja, Piler hättest du nicht mal davon abhalten können, nach dir zu sehen, wenn du gedroht hättest, ihm die Pest an den Hals zu hexen, und die Schreckschraube – weiß nicht, vielleicht wollte sie uns nur die saftige Strafarbeit verpassen. – Was mich ärgert ist nur, dass sie mich erst reingelassen haben, nachdem sie dich alle untersucht hatten!« James verschränkte die Arme und rümpfte die Nase, als wollte er sagen ›So eine Frechheit!‹.
Sirius durfte den Krankenflügel bereits am nächsten Tag zu Unterrichtsbeginn wieder verlassen.
Es war seltsam, Piler in Verteidigung wieder am Lehrerpult stehen zu sehen und nicht Highking, Jefferson oder Luke.
Während Lily für Piler zusammenfasste, was sie das erste Halbjahr über gelernt hatten, spielte Sirius unauffällig unter dem Umhang mit seinem Amulett herum.
»Das ist doch schon einmal etwas.« Piler nickte Lily dankend für die Erklärung zu. »Heute werden wir…«
»AH!«
»Sirius, Kumpel…?« James beugte sich besorgt zu seinem Freund herunter, der vom Stuhl gerutscht war.
Das Amulett war einmal mehr völlig unerwartet heiß gelaufen. Schwer hing es ihm um den Hals und schien ihm den Atem rauben zu wollen.
Innerhalb dem Bruchteil einer Sekunde war Piler bei ihm. »Ich werde ihn zum Krankenflügel bringen«, verkündete er den Schülern, die sich in den hinteren Reihen auf die Stühle stellten, um sehen zu können, was sich ereignet hatte. »Ihr wartet hier und verhaltet euch ruhig.«
Piler versuchte sich durch James, Remus und Peter durchzudrängen, die allesamt um Sirius herumstanden, doch ehe er zu ihm durchgedrungen war, hatte Sirius sich das Amulett unauffällig vom Hals gezogen und versteckt Remus zugeschoben.
»Übersetzen«, brachte er unter schmerzverzerrtem Gesicht hervor.
Zu seiner Verwunderung ließ der Schmerz nicht nach, als er das Amulett aus der Hand gegeben hatte, sondern verstärkte sich im Gegenteil sogar noch, als wäre das Schmuckstück ob seiner Handlung sauer geworden und verlange, wieder umgelegt zu werden.
Piler hatte endlich die Jungen beiseite geschoben und hob Sirius nun auf. Unter den verblüfften Blicken der Klasse trug er ihn auf seinen Armen aus dem Klassenzimmer.
Sirius bekam von alledem kaum etwas mit. Der Schmerz blendete ihn und er musste sich zu sehr darauf konzentrieren, genügend Luft zu bekommen.
Piler beschleunigte seine Schritte, als Sirius aufkeuchte. Doch plötzlich, ganz plötzlich, so wie es immer der Fall war, verschwand der Schmerz. Als wäre er nie da gewesen.
Erst jetzt wurde Sirius bewusst, dass Piler gerade dabei war, ihn zum Krankenflügel zu tragen.
»Ähm… ich kann selber laufen«, meinte er deswegen leicht verlegen.
Piler blieb abrupt stehen und sah Sirius an, der sich aus seinen Armen zu kämpfen versuchte.
Sobald er wieder Boden unter den Füßen hatte, fuhr Sirius fort: »Ich bin vom Krankenflügel verbannt worden. Pomfrey hat geschworen, dass sie mich an einen Stuhl fesseln und mich nie mehr rauslassen würde, wenn ich es innerhalb des nächsten Monats noch einmal wage, bei ihr vorbeizuschauen.«
Piler schien ihm jedoch gar nicht richtig zugehört zu haben. Er starrte Sirius noch immer baff an. »Du warst gerade – ich dachte, du hättest einen falschen Zaubertrank genommen, oder so, aber… aber jetzt… Was…« Offensichtlich war Piler mehr als verwirrt und Sirius konnte es ihm nicht verübeln. Ein paar Sekunden zuvor hatte er sich selbst noch gefühlt, als wäre er vergiftet worden.
»Mir geht's wieder bestens«, versicherte er deshalb schnell, doch Piler schien sich damit nicht zufrieden zu geben.
Er riss Sirius' Umhang auf, scheinbar in der Erwartung, dort irgendetwas vorzufinden, das ihm solche Schmerzen bereitet haben könnte, doch noch nicht mal ein blauer Fleck war zu sehen. Sirius war froh, das Amulett vorher Remus gegeben zu haben.
Piler seufzte nur. »Kannst du das erklären?«
»Nein.« Es war nicht ganz gelogen, schließlich wusste er selbst nicht genau, warum das Amulett solche Macht über ihn hatte und ihm ab und zu dermaßen Schmerzen bereitete.
»Oder kannst du das nur mir nicht erklären?«, präzisierte Piler in einem leicht verärgerten Tonfall.
Sirius blinzelte. Er erinnerte sich daran, wie James ihm erzählt hatte, dass Piler auch am Vortag im Krankenflügel unergründlicher Weise wütend geworden war.
»Ich… nein… ich meine«, stammelte er wenig hilfreich.
»Du hast solche Anfälle öfter«, stellte Piler fest. Es war keine Frage, sondern einfach nur eine Aussage.
Vermutlich hatte er von Dumbledore bereits davon erfahren. Sirius entgegnete vorsichtshalber nichts.
»Doch anscheinend hast du es nicht für nötig gehalten, mir davon zu erzählen?!«
»Nun, ich hatte lange keinen mehr gehabt…«, verteidigte sich Sirius.
Was nahm sich Piler eigentlich die Frechheit… Er war nicht dazu verpflichtet, wegen jeder Kleinigkeit zu ihm zu rennen! Er war nicht dazu verpflichtet, ihm irgendetwas zu erzählen!
Doch bevor er Piler irgendetwas davon sagen konnte, fuhr der ihn an: »Und das hier?« Piler packte Sirius grob am Arm und schlug den Umhang zurück, was Sirius aufkeuchen ließ.
Die Brandwunden waren noch immer deutlich zu erkennen, obgleich es Sirius vorkam, als wären sie etwas blasser geworden. So als wären sie behandelt worden.
»Hattest du vor, irgendwann einmal jemandem davon zu erzählen?!«
Sirius lief aus Verlegenheit oder Wut – er wusste es selber nicht so genau – leicht rot an und entzog dem Lehrer seinen Arm mit einem Ruck. »Ich… ich hab mich verbrannt… Es geht mir gut, ehrlich«, stammelte er.
Er fühlte seine Beine wieder schwach werden – wahrscheinlich Nachwirkungen von dem Anfall.
»Es reicht!«, rief Piler verärgert. »Es reicht einfach«, murmelte er dann leise und ruhiger als zuvor. Er schien fast ein wenig erschöpft.
»Was…« Sirius räusperte sich. »Was weißt du darüber?«, brachte er schließlich etwas unbehaglich heraus. Er war sich nicht sicher, ob er die Antwort hören wollte.
»Genug«, erwiderte der Lehrer schlicht. Als Sirius ihn fragend ansah, fuhr er jedoch fort: »Weißt du, du brauchst mich nicht anzulügen. Madam Pomfrey hat bei ihrer Behandlung die Brandwunden festgestellt und wir wissen, dass sie von Flüchen herrühren. Ich kann dich nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, aber…«
»Allerdings nicht!«, unterbrach Sirius ihn. Er wurde allmählich zornig. Es ging Piler auch gar nichts an! Weder die Sache mit dem Amulett noch seine Brandwunden oder wo er sie her hatte!
»Es waren deine Eltern, nicht wahr?«, fragte Piler vollkommen unvermittelt, doch völlig ruhig.
Sirius dagegen fühlte sich in die Enge getrieben, wenngleich Piler nicht ganz ins Schwarze getroffen hatte. »Ich wüsste nicht, was Sie das anginge, Professor.«
Damit fuhr Sirius auf dem Absatz herum und floh die nächste Treppe hoch, immer zwei Stufen auf einmal nehmend.
tbc...
