Kapitel 25 – Nichts wie weg

Lara verfolgte die schwebenden Bewegungen der Gestalt sprachlos.

Sie erinnerte die Archäologin an einen Geist mit menschlicher Form. Jedoch mit keinen richtigen Konturen und Gliedmaßen, die genau zu erkennen waren. Von oben bis unten war dieser „Schleier" schwarz. Nur wenn Licht auf die Gestalt fiel, konnte man durch sie hindurch sehen. Und dieses Schwindelgefühl…es hatte sicher was mit dieser Kreatur zu tun.

Lara witterte Gefahr. Eine Gefahr, die sie ausschalten musste.

Der schwarze Geist flog auf Ferdinand zu und wurde immer schneller.

Auch Lara lief los, mit der Absicht den Professor zu retten.

Im letzten Augenblick warf er sich auf den Boden, sodass der Geist über ihn hinweg flog und im dunklen Gang verschwand.

„Professor!", schrie Lara besorgt, „Was ist hier los?"

Doch noch bevor er eine Antwort geben konnte, tauchte der Schleier mit hohem Tempo aus dem Dunklen wieder auf. Diesmal in Form eines wirbelnden Tornados.

Schnell rannte Lara zu Ferdinand, packte ihn und drückte ihn und sich an die erdige Wand, sodass der Geist wieder sein Ziel verfehlte und diesmal im Boden versank.

„Was ist das Professor?", fragte Lara ihren Gegenüber aufdringlich, doch dieser guckte nur ängstlich auf die Stelle, wo die Kreatur verschwunden war.

„Professor, sagen sie was!", forderte Lara erneut, wobei sie Ferdinand an seinen Schultern fasste.

Er machte seinen Mund auf, doch im selben Moment fing die Erde an zu beben.

Reflexartig schauten beide auf den Boden und sahen zu, wie aus ihm eine weitere schwarze Spirale hervorkam.

Noch bevor Lara reagieren konnte, flog das schwarze Etwas auf den Professor zu und dann mitten durch ihn hindurch. Der Archäologe kippte nach hinten. Lara fing ihn auf und schaute ihm ins Gesicht. In seinen Augen konnte sie keinen Ausdruck mehr erkennen.

Er ist doch nicht etwa…

Doch ihre Gedanken wurden von einem lauten Echo unterbrochen.

Lara blickte auf und sah, wie die Kreatur auf sie zuflog.

„Nein…ich darf das nicht! Nickelson hat es befohlen…Ich werde euch alle töten!", zischte das Wesen.

„Was?! Nickelson? Wer bist-", doch Laras Schutzgefühl zwang sie sich nach unten zu bücken, denn die Gestalt flog immer schneller auf sie zu, bis sie im letzen Moment nach oben abbog und mit einem mächtigen Beben in der Decke verschwand.

Im selben Moment fing die Höhle an zu vibrieren, es schien, als habe die Kreatur durch sein Verschwinden dieses Beben ausgelöst. Ohne lange nachzudenken packte Lara den Professor und lief aus der Höhle hinaus.

Auch der Gang, der aus dieser hinausführte fing an zusammenzubrechen. Große Erdbrocken und Holzscheite fielen runter, wobei sie der Archäologin den Fluchtweg erschwerten.

Sie legte den rechten Arm des Professors um ihren Hals und beschleunigte ihre Schritte, wobei sie den bebenden Gang nicht aus den Augen verlor.

Als sie nach links auswich, um sich vor einem Stein zu retten, erblickte sie den kleinen Kriechgang. Dank des Bebens war dieser nicht mehr so niedrig und Lara konnte ihn samt Professor leicht passieren.

Am Ende angekommen sprang die Archäologin förmlich auf und zerrte den Wissenschaftler auf einen der Stühle im Hauptraum, der vom Beben anscheinen verschont geblieben war.

„Ferdinand, na los! Wach auf…komm schon!", redete Lara dem Mann ein und verpasste ihm einige Klapse ins Gesicht.

Wasser…

Schnell holte sie eine Flasche mit der lebenswichtigen Flüssigkeit und schüttete sie dem Professor über das Gesicht.

Schlagartig öffnete dieser die Augen.

„Was ist hier los?! Das Amulett, die Kugel…wo ist sie?!", schrie er, wobei er wild herumwirbelte.

Die Erleichterung im Gesicht der Archäologin, über das Erwachen des Professors war nicht zu übersehen.

Schnell packte sie Ferdinand an den Schultern und versuchte ihn zu beruhigen.

„Es ist alles in Ordnung Ferdinand. Beruhigen sie sich doch mal…"

Laras ruhige Stimme schien zu wirken, denn der Wissenschaftler beruhigte sich allmählich.

„Oh mein Gott Lara, es tut mir Leid. Die Kugel, was hab ich nur gemacht? Ich hätte das nicht tun dürfen. Was hab ich nur angerichtet…", klagte er.

„Welche Kugel Ferdinand?", fragte Lara und musterte das Gesicht des Wissenschaftlers fraglich.

„Jetzt wo dieser Diogo sie hat ist es auch schon egal. Die - "

„Diogo? Ferdinand, woher wissen sie von Diogo?", fragte Lara erstaunt und lies den Professor blitzartig los.

„Er weis, dass ich auf der Suche nach der Àvla bin. Genauso wie er. Er wollte mir die weise Kugelhälfte stehlen. Das ist ihm auch gelungen…", berichtete Bloom und starte in den Boden hinein.

Lara riss unglaubwürdig ihre Augen auf. Das ganze lief nicht nach Plan. Alles schien auszuufern.

„Das heißt, dass…Nein, das kann nicht wahr sein. Professor, wir müssen sofort - ", doch schon im nächsten Moment krachte ein Holzbalken von der Decke auf den Boden und riss den runden Tisch in der Mitte mit sich. Von allen Gängen gingen ohrenbetäubende Schreie aus. Lara hielt sich die Ohren zu und blickte umher.

„Diogo…er kommt.", flüsterte sie.

„Lara…oh mein Gott. Sieh nur!", schrie Ferdinand.

Aus allen neun Gängen kamen zombieartige Kreaturen heraus.

„Das sind Emma, Thomas, Jack…sie alle sind Zombies!", klagte der Professor und überdeckte seine Ohren nun auch mit den Händen, um sich vor dem Lärm zu schützen, der immer lauter wurde.

Lara griff nach ihren Pistolen und fing an zu schießen. Doch schon nach wenigen Schüssen wurde sie von Ferdinand aufgehalten.

„Sie können doch nicht einfach meine Leute umbringen!", brüllte er.

„Sie sind nicht sie selbst. Wer weis, was - "

„Das ist mir egal! Am besten wir verschwinden hier!", forderte der Archäologe und begab sich zum rettenden Gang.

Sofort steckte Lara ihre Waffen ein und lief Ferdinand hinterher.

Als die beiden den Hauptraum hinter sich gelassen hatten, fing die Ausgrabungsstätte wieder an zu beben. Bei jedem Schritt den sie machte, kam es Lara so vor, als würden ihre Füße in dem erdigen Boden stecken bleiben. Dieser seltsame Lärm hörte einfach nicht auf. Die junge Frau beschleunigte ihre Schritte, wobei sie den Wissenschaftler überholte.

Sie vollbrachte eine Tauchrolle über einen Steinhaufen und wich dann einigen Holzbalken aus, die von oben fielen. Den Professor hatte sie schon längst vergessen.

Da überkam sie wieder dieses Schwindelgefühl.

Lara blickte schwer atmend nach hinten und sah, wie ein schwarzer Schatten sich ihr bedrohlich näherte. Von Bloom war keine Spur.

Es schien ihr, als hätte sie ein leises Lachen gehört. Genau in dem Moment warf sie sich auf den Boden. Über ihr konnte sie sehen, wie die schwarze Gestalt vorbei flog in Richtung Ausgang. Mit ihr verschwand auch das Beben, mitsamt Schwindelgefühl und Lärm.

Na warte…dachte sich Lara und rappelte sich schnell wieder auf.

Sie legte einen schnellen Sprint hin und war erleichtert, als sie die Leiter draußen erkannte.

Sie nahm so viele Sprossen wie möglich auf einmal und lies die Ausgrabungsstätte hinter sich.

Oben angekommen konnte sie gerade noch erkennen, wie jemand auf einem Motorrad davonfuhr.

„Eine kleine Spritztour wäre jetzt gar nicht mal so schlecht. Dieser Diogo scheint Geschmack zu haben…", flüsterte Lara sarkastisch und schnappte sich auch eines der Motorräder.

Sie setzte sich auf die Maschine, wobei sie sich den Schweiß von der Stirn wischte und schnell ihr Headset anbrachte.

Zip darf das nicht verpassen…

Schon lief der Motor und die Archäologin nahm die Verfolgung auf.


Tja, so schauts aus! Kaum zu glauben, was Lara an Informationen bekommen hat )

Freu mich schon auf die Ausformulierung des nächsten Abschnittes! Wird mir Mühe geben!

PS: Reviews nicht vergessen