Die ältere der beiden seufzte und rollte die Augen.

„Väter", sagte sie und die andere kicherte.

„Mr. Weasley, ihrer Frau geht es gut, Sie können nur nicht einfach in die Operation rein platzen."

„Aber", stammelte Percy, nun vollends hilflos. Was für eine Operation?

„Agnes schaut mal nach, wie weit der Doktor ist. Ich bringe Ihnen in der Zwischenzeit einen Kaffee. Setzen Sie sich nur."

Percy wusste gar nicht wirklich wie ihm geschah, eine der Krankenschwestern drückte ihn sachte auf einen schnell herbeigeholten Stuhl und nahm ihm noch rasch das Versprechen ab, sich nicht vom Fleck zu rühren, dann stürmten beide los, jeweils in unterschiedliche Richtungen. Es war kalt in dem kleinen Raum, obwohl draußen ein warmer Frühlingstag zu Ende ging. Oder vielleicht war ihm auch nur so kalt, nach dem anstrengenden Weg hierhin. Er seufzte. Sein Herz wollte gar nicht aufhören, schneller zu schlagen.

Schritte auf dem Flur. Percy schrak aus seinen Gedanken hoch.

„Mr. Weasley", sagte die eine nun lächelnd. „Sie können Ihre Tochter besuchen."

Percy stieß beinahe den Stuhl um, so hastig sprang er auf, was die albere Tante schon wieder zum kichern brachte. Merkte sie nicht, dass das hier etwas Wichtiges war? Muggel waren schon irgendwie seltsam. Dennoch folgte er ihr mit großen Schritten den Flur hinunter. Aus einem der abzweigenden Zimmer trat ein Mann mit einem weißen Kittel. Percy nahm an, dass es sich dabei um einen der Muggelärzte handeln musste, denn die Krankenschwester sprach höchst respektvoll mit diesem älteren Herrn.

„Kann ich jetzt endlich zu meiner Frau?", mischte er sich ein, als ihm dieses konfuse Gespräch zu lange dauerte.

„Ja doch, wir haben ihre Frau schon verlegt, sie können zu ihr", beschwichtigte der Weißkittel ihn.

„Welches Zimmer?", knurrte er ungehalten.

„Sieben, aber..."

Den Rest hörte er gar nicht mehr, er rannte einfach los, den Gang hinunter und bremste abrupt vor der Tür mit der Aufschrift „Sieben". Mit pochendem Herzen stieß er die Tür auf.

Alba schlief, das erkannte er sofort. Ihr weißes Gesicht war noch blasser als sonst und sie war verschwitzt. An ihrem Arm hing eine Infusion und ihr schwarzes Haar fiel ihr wild in die Stirn. Und dann war da noch etwas. Ein kleines Bündel in Albas Armen.

Ganz vorsichtig schlich er sich an das Bett heran und warf einen Blick auf das kleine „Ding" in diesem Bündel. Die Augen waren fest geschlossen und die kleine Brust hob und senkte sich gleichmäßig. Aus der weichen Decke lugte ein Büschel roter Haare. Wie im Traum beugte er sich hinab und strich dem winzigen Ding über die Wange. Die Haut war gerötet, aber sonst schien sie absolut gesund zu sein. Der kleine Körper regte sich nur ein kleines bisschen, als er sie berührte. Die kleinen Fingerchen hatte sie um das Ende der Decke geschlungen. Wie sie hier beide so lagen, war alles so friedlich. Percy lächelte auf seine Tochter hinab. Allegretta.

..::~::..

Drei Monate später...

Alba zog dem kleinen Mädchen die Mütze zurecht und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Doch Allegretta war heute nicht in der Stimmung, für ein paar sanfte Liebkosungen. Das kleine Mädchen war widerspenstig und mit ihren drei Monaten schon sehr eigen.

Alba seufzte und nahm einen Schluck von ihrem Kakao. Wieso war Percy heute nur so unpünktlich, das wurde ja jeden Tag schlimmer. Sie saß im selben Café wie vor Allegrettas Geburt und wartete auf ihren Mann. Merkwürdig, wieder hier zu sitzen, während draußen das Leben immer schneller vorbei zog. Die Sonne stand schon tief und Alba war froh, wenn sie endlich wieder zu Hause war. Nie hätte sie gedacht, dass so ein kleines Geschöpf so anstrengend sein konnte. Dankbar registrierte sie, dass Allegretta langsam einnickte, trotz des Trubels, der in dem kleinen Café herrschte.

So starrte Alba nach draußen und wartete.

Die Glöckchentraube an der Tür wurde in helle Aufregung versetzt, als jemand den Laden betrat, aber Alba sah nicht auf.

„Darf ich mich setzen?", fragte eine Stimme, die ihr eigentümlich bekannt vorkam.

Als sie den Blick hob, erkannte sie Ginny, Percys Schwester.

Erschrocken rutschte sie mit ihrem Stuhl zurück und stieß dabei Allegrettas Kinderwagen an. Die Kleine erwachte und fing erschrocken an zu weinen.

Verärgert nahm sie das Kind aus dem Wagen und flüsterte ihr ein paar Worte zu, worauf Allegretta augenblicklich verstummte. Wenigstens war sie kein Kind, dass den ganzen Tag nur schrie.

„Ist das...?" Ginny brachte den Satz nicht zu Ende.

Alba nickte nur. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Noch mehr Dinge, um die man sich kümmern musste. Trotzdem lächelte sie Ginny ermutigend zu.

„Möchtest du sie mal halten?"

Doch Ginny winkte ab. „Nein, ich kann nicht gut mit Kindern."

Verwundert wiegte Alba Allegretta auf und ab, damit sie wieder einschlief. Alle kleinen Mädchen waren doch verrückt nach Babys. Jedenfalls kannte sie das von ihren Freundinnen. Obwohl sie selbst auch nie wirklich etwas mit Kleinkindern anfangen hatte können, wenn sie es recht bedachte. Sie lächelte vage.

„Was möchtest du von mir?", fragte sie leise.

„Du musst mit Percy sprechen."

„Weswegen?"

„Du fragst noch weswegen? Du bist schuld, dass mein Bruder sich von seiner Familie losgesagt hat."

Ginnys Stimme war schrill geworden.

Unwillkürlich schoss es Alba durch den Kopf, dass Ginny doch eigentlich hätte in der Schule sein müssen. Hatte das neue Schuljahr überhaupt schon angefangen? So beschloss sie das Gespräch erst mal in eine andere Richtung zu lenken, schon alleine deswegen, weil sie keine Ahnung hatte, wovon Ginny überhaupt sprach.

„Was machst du überhaupt hier?"

„Ich komme aus der Winkelgasse", entgegnete Ginny knapp mit einem Kopfnicken.

„Und was soll Pecy getan haben?", kam Alba zu dem eigentlichen Thema zurück, weil sie merkte, dass sie so bei Ginny nicht weiter kam.

„Spiel hier bitte nicht die Unwissende", ereiferte sich Ginny.

Alba riss nun endgültig der Geduldsfaden. Die versnobbte Reinblüterin brach durch.

„Pass mal auf, kleine Miss Naseweis, ich habe keinen Grund dich anzulügen und wenn ich dich, verdammt noch mal, frage, was los ist, dann erwarte ich auch eine vernünftige Antwort, oder aber ich stehe auf der Stelle auf und gehe. Du kannst dir das gerne aussuchen."

Allegretta quiekte vor Schreck über die Laute Stimme ihrer Mutter und einige Gäste hatten sich zu ihnen herumgedreht. Beschämt setzte Alba das Kind in den Kinderwagen und starrte böse zu Ginny hinüber.

„Percy hat Dad beschimpft", sagte Ginny mit erstickter Stimme.

„Warum sollte er das?"

„Was weiß ich denn? Er ist befördert worden und..."

Bei Merlins Bart, hoffentlich fing das Mädchen jetzt nicht noch an zu weinen. Alba hasste weinende Teenager. Aber Ginny weinte nicht. Sie starrte nur eine Weile auf die Tischplatte, als ringe sie um Fassung.

„Und?", hakte Alba nach.

„Dad hat ihm gesagt, dass er nur befördert worden ist, damit Fudge jemanden in der Nähe hat, der uns ausspionieren kann."

„Mit Verlaub, so spannend ist die Familie Weasley nicht, warum sollte er das tun?", entgegnete Alba mit hochgezogener Augenbraue.

„Wegen Dumbledore."

„Das klingt ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Was hat Percy mit Dumbledore zu tun?"

Ginny machte ein abfälliges Geräusch.

„Nicht er, aber Dad. Er ist doch schon immer mit Dumbledore befreundet gewesen und..."

Wieder brach sie ab und sah sich hilfesuchend nach der Kellnerin um, als wolle sie etwas bestellen.

Alba schob ihr den Kakao hinüber und Ginny nahm dankbar einen Schluck, auch wenn sie nichts sagte.

„Und?"

„Dad hat ihm all das gesagt, aber Percy wollte es nicht hören. Er hat so furchtbare Dinge über Dad gesagt. Dass er keinen Ehrgeiz hätte. Und dass Percy sich von ihm seine Zukunft nicht verbauen lassen würde und überhaupt sei Dads bescheuerte Art der Grund, warum wir immer so wenig Geld haben."

Sie sagte das nicht beschämt, das bewunderte Alba. Sie selber schämte sich so ziemlich jeden Tag für ihre Karge Wohnung und die wenigen Spielsachen, die Allegretta besaß.

„Und du denkst, dass sei meine Schuld?", fragte sie.

„Percy war nie so, bevor er dich kennengelernt hat", konterte Ginny ungewohnt scharf.

Alba fuhr sich durch die Haare. Vielleicht sah das von ihrer Seite tatsächlich so aus. Aber ganz sicher war nur, dass sie Percy niemals zu etwas gezwungen hatte. Und solche Dinge hätte sie auch nie von ihm verlangt.

„Und dann?"

„Sie haben sich angeschrien und dann ist Percy aus dem Haus und seitdem nicht mehr dagewesen. Er grüßt Dad nicht einmal mehr im Ministerium. Er tut so, als sei er nicht da."

„Ernsthaft?", fragte Alba, weil sie nicht glauben konnte, oder wollte, dass Percy sich so benahm.

„Ja", antwortete Ginny mit Nachdruck.

Allegretta war während des Wortwechsels wieder eingeschlafen. Nachdenklich schaute Alba auf ihre schlafende Tochter hinab.

„Ich spreche mit ihm", sagte sie leise.

Ginny schwieg eine Weile. Alba folgte ihrem Blick. Ginny sah das kleine Mädchen an.

„Sie ist hübsch, die Kleine. Wie heißt sie überhaupt?"

„Allegretta", entgegnete Alba.

Ginny sah auf die Uhr.

„Ich muss los."

Alba nickte nur und Ginny erhob sich. Als die Gryffindor sich zum gehen umwandte, lächelte sie ihr jedoch zaghaft zu.

„Danke", flüsterte sie beinahe.