Ron wachte erstaunlich früh auf und begann auch früher als normalerweise seine Runden um den See. Tatsächlich noch vor Sonnenaufgang, was Hagrid, der ebenfalls eine kleine Runde drehte - allerdings spazierend, dazu veranlasste, ihn erstaunt anzusehen.

Hätte man Ron vor einem Jahr gesagt, dass er mal so enden würde, hätte er einfach gelacht und weitergeschlafen. Vielleicht war er ja tatsächlich verrückt geworden, mit all dem Training und den ganzen Dingen, die sie unter anderem von Mad Eye eingetrichtert bekommen hatten.

Möglicherweise waren es auch schlichtweg die Dinge, die bisher geschehen waren, von Ginnys Tod bis hin zu kleinen Kindern die Todesflüche schoßen. Ron schüttelte es immer bei dem Gedanken, doch es war real gewesen, und es gab nicht viel was er dagegen tun konnte. Jedenfalls nicht alleine.

Die Tatsache, Kinder getötet zu haben, lag schwer auf seinem Kopf, allerdings blieb er betont ruhig, und ließ sich einfach seine Zeit, das zu verarbeiten. Nicht selten war er im Raum der Wünsche, einfach nur am Meditieren, und nicht selten suchte er Hermine oder jemand anderes auf, um zu reden. Manchmal sprach er sogar mit Jason, sofern er Zeit hatte. Allerdings war der zurzeit im Einsatz, und es gab wenig, was Ron Aufschluss geben konnte, was er denn gerade machte.

Vielleicht war es einfach der Einfluss von Jason, allerdings fand er die Arbeit von ihm sehr spannend und unterschwellig hatte er sich dafür trainiert. Vielleicht würde Dumbledore ihn für einen Auftrag in der Richtung heranziehen, auch wenn das seiner Mutter keinesfalls gefallen würde.

Allerdings war es im Moment einfach Rons Aufgabe, weiter zur Schule zu gehen - eine Tatsache, die seiner Mutter eher gefiel, sogar trotz der Dinge die in Hogwarts in den letzten Jahren geschehen sind. Ihr unerschütterliches Vertrauen in Dumbledore war schon beinahe… süß.

Er war auf dem Weg zur großen Halle, und seit Jahren war dies seine liebste Zeit des Tages. Er freute sich immer auf das Frühstück - zugegeben, er freute sich auf jede Mahlzeit. Die Tür zur großen Halle stieß er beidseitig auf, und lief in Richtung des Griffindortischs, als er merkte, dass weder Hermine noch Harry dort waren.

Er war wohl einer der Frühaufsteher, und beim Umsehen bemerkte er die karge Belegung der anderen Tische. Die einzige, die er kannte, saß am Ravenclawtisch, Luna Lovegood, zusammen mit einer Schülerin, die Ron nicht kannte.

Luna war ihr übliches selbst, während sie beiläufig ein Brot aß, hielt sie den Klitterer, verkehrt herum, vor ihrem Gesicht, sich zusätzlich noch nebenbei mit ihrer Sitznachbarin unterhaltend. Diese allerdings erregte Rons Aufmerksamkeit, obwohl man auf erstem Blick absolut nichts Ungewöhnliches an ihr feststellen konnte.

Sie war für ihr Alter ein wenig größer als normale Schülerinnen. Ihr schwarzes Haar endete auf halbem Wege zur Hüfte, und wurde von einer Halbmondförmigen Klammer zusammen gehalten. Ihr Gesicht schien beinahe aristokratisch, denn Ron machte hohe Wangenknochen und einen ernsten Blick aus. Allerdings waren es ihre Augen, die die meiste Aufmerksamkeit auf sich zogen. Sie waren von keiner definierbaren Farbe, und schienen etwas Seltsames abzustrahlen.

Ihre Aura wirkte merkwürdig, und Ron konnte sie nicht direkt ausmachen. Er konzentrierte sich auf das Gefühl dieser Person mit seinen Sinnen, doch sein Gesuch, die Beschaffenheit ihrer Magie zu erfahren, wurde prompt abgewiesen. Es schien als würde das Mädchen ihre Aura verhüllen.

Da seine Neugier geweckt wurde, setzte er sich an den Ravenclawtisch, und wurde von nicht wenigen verwirrten Blicken getroffen, vor allem - erstaunlicherweise - aus den Reihen der Lehrer, welche allesamt um diese Uhrzeit aßen.

Luna wiederrum blickte ihn kurz über das Magazin mit ihren großen Augen an, und lächelte. „Schön dass du da bist, Ronald, aber solltest du nicht an einem anderen Tisch sein?"

Da er keine Antwort darauf wusste, entgegnete er schlicht, „Wo steht das?", und das Thema war effizient beendet.

„Wie ist es wieder in Hogwarts zu sein? Und dann noch so anders?", fragte Luna schließlich.

Ron hob irritiert eine Augenbraue, immerhin brauchte man manchmal etwas Zeit, um Lunas verschroben gestellte Fragen zu entziffern, doch als sein Gehirn die entschlüsselte Frage, Wie ist Hogwarts nun nachdem du dich so verändert hast, verarbeitet hatte, antwortete er, „Der Unterricht ist leichter, und ansonsten komm ich mit den meisten Leuten auch besser aus. Sogar Malfoy ist vergleichsmäßig ruhig."

Es herrschte einen Moment Stille, und Ron war sich erst nicht sicher, ob er die neue Schülerin adressieren sollte, doch es hatte sich bald erledigt, als Luna von selbst auf das Thema zu sprechen kam, „Das hier ist Freja."

Der Name war äußerst ungewöhnlich, und wenn Ron raten müsste, dann würde er auf eine skandinavische Herkunft tippen. Vielleicht auch weiter nördlich, aber nördlich in jedem Fall. Ron war sich nichtmal sicher, ihn richtig verstanden zu haben. Luna blickte Ron an und fuhr fort, „Eigentlich wird es Freyja geschrieben. Aber es hat offenbar keiner hinbekommen."

Ron musste grinsen, obwohl er sich wenig dafür interessierte, wie der Name des Mädchens geschrieben wurde, „Jaja, wenn ich mich zurückentsinne, welche Schwierigkeiten Krum mit Hermines Namen hatte."

Luna nickte darauf nur, und Ron war für einen Moment irritiert, und fragte sich, was Luna wohl lustig fand oder wie ihr Humor war. Lachen gesehen hatte er sie erst ein Mal, allerdings war sein Witz damals doch auf sehr niedrigem Niveau gewesen. Vielleicht fand Luna Pavianhintern auch einfach lustig. Außerdem war auch er in der Vergangenheit nicht unbedingt nett zu ihr gewesen.

Daher empfand er einen Anreiz Lunas Frage zurückzuwerfen, „Und wie kommst du klar?"

Luna lächelte leicht, „Sehr gut bisher. Die Nargel haben die Lust an meinen Sachen verloren. Ich verliere viel weniger in der letzten Zeit. Vielleicht sind sie ja eingeschüchtert."

Ron bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Freja - oder Freyja, was auch immer - etwas genervt mit den Augenbrauen zuckte. Vielleicht waren Nargel ein Codewort von Luna. Allerdings, da das Problem eh geklärt zu sein schien, musste Ron sich nicht damit befassen.

Die neue Schülerin hatte noch nichts gesagt, doch Ron wollte das zunächst ignorieren, und wandte sich nochmals Luna zu, „Wie findest du die neue Lehrerin?", fragte er.

Mit ihrem verträumten Gesichtsausdruck antwortete sie, „Ich habe noch nie eine Veela erlebt, die ihre Aura so gut kontrollieren kann. Vielleicht benutzt sie Bannzauber."

Ron runzelte die Stirn, „Das ist ein wenig übertrieben oder?"

Luna lächelte leicht, „Aber nein, sonst würde sie ja zu viele Schlickschlupfe anlocken." Das sollte wohl heißen, dass sie keine sabbernde Meute unterrichten könnte.

Ron wandte sich der neuen Schülerin zu, und fragte etwas verwundert, „Wann wurdest du sortiert? Ich erinnere mich nicht, dass du da gewesen warst."

„Ich wurde vor Schulantritt nach Ravenclaw sortiert, auf Wunsch Dumbledores. Vater hat zugestimmt, weil er wusste, dass ich sonst unter den Erstklässlern herausstechen würde.", war die knappe Antwort.

Ron nickte bedächtig. „Wie kommt es, dass du in deinem fünften Jahr jetzt in Hogwarts bist? Oder ist es dein sechstes?", fragte Ron.

„Ich bin Fünftklässlerin hier. Aus Sicherheitsgründen." Die kurze Antwort zeigte Ron, dass er nicht weiter nachhaken sollte. Daher vermerkte er das in seinem Kopf, mit dem kleinen Zusatz, später auf jeden Fall nachzuhaken.

Hermine betrat die Halle, etwas durch den Wind, vor allem seit ihrer Unterhaltung mit Dumbledore. Allerdings sah sie nicht unausgeschlafen aus, oder anderweitig gestresst, sodass Ron sich nicht allzu viele Sorgen machte. Immerhin war Hermine normalerweise rechtverlässlich, wenn sie nicht gerade komplett überfordert mit einem Zeitumkehrer rumhetzte.

Sie blickte kurz zum Gryffindortisch, und dann zu ihm, wirkte überrascht, entschied sich jedoch schließlich, sich zu ihm zu setzen. Sie murmelte eine Begrüßung, und machte Anstalten, sich ohne ein Wort zu sagen ihrem Essen zuzuwenden. Doch die Anwesenheit einer neuen Schülerin ließ sie aufblicken, „Hallo, ich bin Hermine Granger.", sagte sie, und bot ihre Hand an.

„Freyja.", antwortete die Schülerin abermals, und wirkte dabei noch immer etwas seltsam. Hermine machte sich nichts aus der Schülerin, und scheinbar auch nichts aus ihrer seltsamen Aura, und aß einfach Frühstück.
Es war fast mechanisch, eine gute Maschine, allerdings dennoch nur eine Maschine, die Hermine Granger ersetzte und für sie ihre Tätigkeiten ausübte. Auf jeden Fall schien Hermine selbst ganz woanders zu sein. Das irritierte und verwirrte Ron, doch vielleicht würde es sich von allein geben, vielleicht war es nur eine Phase. Er hatte gelernt, dass wenn sie nicht von selbst auf ihn zukam, würde sie wirklich nicht darüber reden, egal wie sehr sie es bedrückte.

Ron wandte sich wieder dieser sich versteckenden Aura zu. Er fragte sich, woher sie kam, und zu welchem Zweck sie hier war. Er konnte nur mutmaßen und raten. Er wusste von Harry, dass ihm aufgetragen wurde, besonderes Augenmerk auf dieses Mädchen zu haben, was er allerdings nur insofern getan hatte, dass er öfter den Ravenclawturm besuchte und dort patrouillierte. Harry scherte sich noch nie um Sonderregelungen, Ron allerdings wollte den Grund erfahren. Vielleicht wusste Harry noch etwas über dieses Mädchen, bis auf seine Bemerkungen über Dumbledore.

Dass ihre Abstammung und ihr Akzent von weit her stammen, konnte Ron schlecht bestreiten, allerdings glaubte er nicht, dass es das gewesen sei, zumal Skandinavien jetzt nicht gleich China war. Dafür reichten seine Kenntnisse noch. Allerdings war Dumbledore noch nie jemand, der solche Belanglosigkeiten derart unterstrich.

Harry kam in seiner Uniform zur Halle herein, und auch er war verwirrt darüber, warum Ron und Hermine da saßen wo sie saßen. Nach einem kurzen Blicktausch mit Hermine setzte er sich zu ihnen, und lächelte etwas gestelzt, wie Ron fand.

Vielleicht würde Harry etwas dazu beitragen, dass die Schülerin etwas mehr von sich preisgab, allerdings war dieser ebenso wie Ron vorhin gerade mit ihrer Aura beschäftigt, auch wenn er sie wahrscheinlich anders las als Ron. Er sah zunehmend irritiert aus, und Ron versuchte ihm vielsagende Blicke zuzuwerfen, was ihm nicht immer ganz so gut von der Hand, oder besser von Gesicht ging.

Ron sprach nochmals die neue Schülerin an, „Also, wie gefällt es dir in Hogwarts?"

Etwas versönlicher, allerdings nicht unbedingt weniger knapp antwortete sie nun, „Es ist wahrlich schön.", und bewies damit, dass selbst eine Person von möglicherweise adliger Abstammung nichts gegen Hogwarts sagen konnte.

Harry sah ihn kurz an und Ron schüttelte den Kopf. Fragen zu beantworten war nicht unbedingt hoch auf der Agenda dieser Schülerin und man wollte sie ja auf keinen Fall bedrängen.

„Wie ist dein Name?", hörte er Harry sagen, und er bekam die gleiche Antwort, allerdings ohne Lunas Korrektur.

Was das Mädchen allerdings nun sagte, irritierte Harry wahrscheinlich mehr als Ron, „Und du bist Harry Potter. Im magischen Teil von England ranken sich ja wahre Mythen um deine Person. Ich bin gespannt ob sie stimmen."

Ron musste grinsen und dachte unwillkürlich an die ganzen Bücher über den großen Harry Potter, die seine Mutter immer Ginny vorlesen musste.

Sie unterhielten sich darauf über Harrys zweites Jahr, eine Tatsache, die Ron erst verwirrte, denn kaum jemand erwähnte im Zusammenhang mit Harry eine wahre Geschichte, sondern man machte ihn entweder schlecht, oder übertrieb maßlos. Dieser Mittelweg war sehr erfrischend, wohl auch für Harry, selbst wenn dieser sich wohl eher daran erinnerte, wie ihn alle für den Erben Slytherins - und damit für böse hielten.

Die offizielle Version der Geschehnisse konnte sich Ron heute noch ansehen und darüber lachen. Dass es Lockhart gewesen sein sollte, welcher dabei sein vollständiges Gedächtnis verloren haben sollte. Vielleicht hätten sie auch Harry den Zuspruch zukommen lassen können, allerdings wollte er das nicht und außerdem würde man Fragen stellen.

„Wisst ihr von der neuen… Regelung des Ministers?", fragte Harry vorsichtig, nachdem das Thema zweites Jahr achtsam umschifft wurde. Ron erinnerte sich daran, weil sein Bruder Percy bereits davon wusste.

Hermine wusste davon natürlich nichts, und Ron fand es auch gut so, denn Muggelgeborene dürften als Nächstes dran sein. Dieses kranke Spiel von Umbridge und Fudge war nicht mehr zu ertragen, und Ron wunderte sich hundertfach, warum die beiden überhaupt noch im Amt waren. Das war zu merkwürdig.

Doch der nächste Satz von Harry ließ ihn fast das Essen verschlucken, „Ratet mal, wen sie als erstes rausgeschmissen haben."

Viel mehr als ein entrüstetes „Bitte was?", brachte er im Moment nicht heraus. Sein Kopf konnte erst garnicht verstehen, was sein Freund gesagt hat. Harry Potter, immernoch für die meisten Menschen ein Symbol des Lichts und der Hoffnung, dass selbst der Kleinste gegen das Böse bestehen konnte, wurde als Kreatur aus dem Ministerium geworfen.

Hermine war ähnlich fassungslos und rang in ihrem Schock nach Wörtern, bis Ron fragen konnte, wie das sein konnte. Harrys Antwort war schon fast grausam logisch.

„Der Minister mag mich nicht. Aber das ist okay, er mag niemanden, der selbstständig denken kann." Eine Antwort, welche Ron an seinen Bruder Percy erinnerte, welcher die Parolen des Ministers stets beim Essen zu verkünden pflegte, und besonders wenn Harry in der Nähe war weder etwas sagte oder sich überhaupt sehen ließ.

Allerdings konnte man sich auch denken, dass Fudge für viele dieser Dinge überhaupt nicht der Auslöser war. Mittlerweile waren sowohl Umbridge als auch viele Todesser und auch Dumbledore Menschen mit wesentlich mehr Einfluss auf den Minister als der Minister selbst. Allerdings fragte sich Ron auch, wie viel Einfluss Malfoy wohl darauf hatte.

Er wusste, dass Azkaban die Malfoys wohl nicht lange halten könnte, vor allem mit den neuen Entwicklungen. Er musste auf dem nächsten Treffen des Ordens erfahren, wie es um das alte Gefängnis denn stand.

„Na dann kann er sich selbst ja wunderbar leiden. Das stinkt doch nach Malfoy.", antwortete Ron schließlich.

Harry stimmte zu, es glaubte wohl niemand mehr, dass Azkaban noch sonderlich sicher war. Es war zwar eine Festung, allerdings wenn Voldemort sich entschied, dort rein zu gehen, konnte ihn niemand aufhalten, immerhin war die Besetzung mit Auroren sehr mager und die Dementoren nahmen mittlerweile sogar an den Angriffen Voldemorts teil.

„Meine Rede. Aber dagegen tun kann ich ja auch nichts, ich bin nicht Teil der Regierung, ich bin Unsäglicher, und was haben wir schon zu sagen.", sagte Harry schließlich.

„Mehr als die meisten Auroren, aber die gefallen dem Ministerium mehr.", entgegnete Hermine. Das war wohl wahr. Das Ministerium hatte laufend Schwierigkeiten, sich anzupassen. Außerdem mussten sie erst vor Kurzem zugeben, dass Voldemort zurückgekehrt ist. Und in diesem Kampf würden sie auch wohl keine Hilfe sein.

„Ich glaube das eigentliche Problem ist, dass wir zu viel auf das Ministerium geben, obwohl es gegen alles arbeitet, was wir tun.", sagte Ron schließlich, und er glaubte, dass das Thema damit weitestgehend beendet war. Jedenfalls für jetzt.

Er fragte Harry noch nach seinen Plänen, und sie unterhielten sich etwas über Malfoy, der Idiot, der sich bald gehörigen Ärger einhandeln würde, und mit dem neuen Hauslehrer würde ihm auch sein Status nichts mehr bringen. Immerhin war Slughorn nicht gerade jemand mit Affinität zu Todessern.

Harry war nicht sehr interessiert an den Geschehnissen. Er hatte mit Sicherheit andere Dinge im Kopf und es tat ihm auch bestimmt gut, sich nicht immer so viele Sorgen um alle Anderen zu machen. Ron wusste aber garnicht, ob Harry sich nicht zu sehr für sowas verändert hatte.

Sie beendeten ihr Frühstück, und Ron verabschiedete sich noch von der neuen Schülerin und von Luna, und ging zusammen mit Hermine zum Unterricht für Verteidigung, ein Fach, dem Ron immernoch mit gemischten Gefühlen gegenüberstand.

Hermine schien es genauso zu gehen, und so sagte sie beiläufig, als sie auf dem Weg zum Raum waren, „Ich weiß noch immer nicht, wie diese Frau plant, die siebten Klassen zu unterrichten, oder auch uns im späteren Verlauf des Jahres. Aufgrund ihrer Art kann sie uns ja keine dunklen Künste zeigen, und Teile davon sind nunmal im Rahmenlehrplan."

Ron nickte. Er wollte auch ein Jahr lang mal normalen Unterricht haben, auch wenn er es bei Weitem nicht so genau nahm wie Hermine, und außerdem kannte er die meisten Lektionen in Sachen dunkle Künste bereits, aus seinem Unterricht mit Jason. Die meisten Zauber, die auf das unschädlich machen von größeren Gegnerzahlen ausgelegt waren, waren nun mal dunkle Flüche.

Der Raum war noch relativ leer, als sie eintrafen. Hinter ihnen lief Malfoy, welcher sich schließlich auch weit weg von ihnen setzte. Der Raum bestand zurzeit aus den Stuhlreihen und einem Pult, mit der Tafel nebenan. Auf dem Lehrerpult standen eine Reihe von obskuren Gegenständen, unter denen auch eine seltsam geformte Vase und ein schwarzes Buch waren. Ron dachte unwillkürlich an die Bücher in der verbotenen Abteilung der Hogwarts Bibliothek.

Die Lehrerin trat aus ihrem Büro, und für einen kurzen Moment spürte Ron einen Anflug ihrer Aura, bis die Frau tief einzuatmen schien und schließlich das Gefühl versiegte, eine Tatsache, die Ron jedes Mal verwunderte, wenn er dieses Klassenzimmer betrat. Viel ernster als eine Veela ohne Kontrolle über ihre Aura würde sie allerdings auch nicht genommen werden, da ihre sonstige Ausstrahlung und ihr Aussehen trotzdem auffällig weiblich waren.

Ihre Haltung machte einer aristokratischen Abstammung alle Ehre, und Ron fühlte sich etwas an das erinnert, was er über Vampire wusste, welche wohl das selbstsicherste Auftreten an den Tag zu legen pflegten, was man sich vorstellen konnte.

„Willkommen zu einer neuen Unterrichtsreihe. Bisher haben wir die Grundlagen von Feldzaubern studiert. Nun wenden wir uns kleinen Beispielen von dunkler Verzauberung und dunklen Feldzaubern zu. Dies hat für mich persönlich den Vorteil, dass ich diese vorbereiten lassen kann, da ich sie nicht selbst anwenden kann, ohne meine Magie zu verderben, und für eine Veela wäre dies sehr schmerzhaft. Zur Erklärung, unsere ureigene Natur würde durch die dunkle Magie sich selbst abstoßen, also mit sich selbst kämpfen, was unter Anderem zu den schrecklichsten Krämpfen führt. Im ersten Krieg wurden viele Veelas von dem dunklen Lord gezwungen, schwarze Magie anzuwenden, damit sie qualvoll sterben.", führte die Veela aus.

Ron wunderte sich erst, warum ihnen die Veela verriet, wie man sie selbst bekämpfen konnte, allerdings war der Rahmlehrplan auch darauf ausgelegt, gegen dunkle Kreaturen vorzubeugen, und in England wurden Veelas, so dumm das auch war, als dunkle Kreatur gewertet. Daher musste die Veela dies wohl erklären.

Ron machte sich einige Notizen. Die Stunden hier versprachen interessant zu werden. Immerhin lagen in dunklen Verzauberungen einige Tücken, die man doch lieber umgehen wollte. Die Zauber um die Häuser der Black Familie waren traditionsgemäß mit Zaubern versehen, die Eindringlingen einen qualvollen Tod versprachen, und Ron wollte bei seiner Arbeit nicht durch Zufall sterben. Auch Auroren waren von derartigen Dingen betroffen, allerdings wurden meist erst Spezialisten gerufen, nachdem schon jemand zu Schaden gekommen war.

Professor Delacour konnte all das wunderbar erklären und bald kamen auch die Gegenstände auf ihrem Schreibtisch zum Einsatz. „Hier sehen sie eine Vase. Viele benutzen den darauf liegenden Zauber als Sicherung für ihre Verließe in Gringotts. Er zählt zwar nicht als dunkler Zauber, allerdings ist damit nicht zu spaßen. Ich benötige einen Freiwilligen für eine ganz einfache Aufgabe. Mister Longbottom, würden Sie bitte?"

Neville stand auf, und, selbstsicherer, als Ron ihn in Erinnerung hatte, trat er nach vorne, und wartete darauf, dass die Lehrerin etwas zu ihm sagte.

„Sehr gut. Nun, das was sie machen sollen ist einfach, nehmen sie die Vase von da wo sie steht weg und versuchen mit ihr wegzugehen."

Als Neville die Vase vom Pult nahm, tat er kaum zwei Schritte mit ihr, da fiel sie ihm wieder aus der Hand, doch nicht nur eine Vase konnte Ron ausmachen, sondern es fielen zwei zu Boden. Vor seinen Augen duplizierten sich die Vasen und mit einem lauten Ping erschienen zwei neue Vasen, was Neville leicht erschreckte und ihn zurückweichen ließ.

Die Vasen reichten bald bis zu den Holzbeinen von Rons Tisch, und er trat beiläufig eine der Vasen mit dem Fuß weg. Es war eine fabelhafte Diebstahlsicherung, da man das Original nicht mehr finden würde, allerdings war das weit von dunkler Magie entfernt. Die Vasen würden wieder verschwinden, doch Ron konnte nicht ausmachen, welche Vase das Original war.

Die Professorin schwenkte ihren Zauberstab und die Vasen verschwanden, bis auf das Original. Sie stand neben ihrem Pult, auf den sie wieder die Vase gesetzt hatte. „Dieser Zauber ist eine Art Diebstahlsicherung. Sie ist nicht von dunkler Natur, andernfalls hätte ich den jungen Mister Longbottom nicht gefragt, das Objekt anzufassen. Das hier", sie ließ das schwarze Buch von Tisch levitieren mit ihrem Zauberstab, „ist eine ganz andere Geschichte."

Das schwarze Buch strahle tatsächlich eine gewisse Heimtücke aus, sodass Ron sich gerade aufsetzte und nach vorn lehnte, um es genauer betrachten zu können. Auch dieses Objekt versteckte die magische Signatur in ihm, und Ron hatte Mühe zu identifizieren, was das Objekt denn nun tat. Doch irgendwie wirkte es nicht so als würde es einem nur die Haare pink färben.

Delacour strich sich ein paar der weißen Haare aus dem Gesicht, und fegte sie über ihre Schulter nach hinten, ehe sie sie mit ernstem Blick ansah. „Dies ist ein Artefakt der höchsten dunklen Kunst. Die Zauber auf diesem Buch können nicht nur töten, sondern Unaussprechliches mit einem anstellen. Das Buch hier ist eine Wiederherstellung des Originals, ein Artefakt aus der Gründerzeit von Hogwarts, und die Sagen behaupten, Godric Gryffindor hätte das Artefakt zerstört."

Hermines Arm schoss in die Höhe, und Professor Delacour war für einen Moment verwirrt, allerdings war sie mittlerweile wohl die plötzlichen Fragen gewöhnt, und nahm sie dran, „Miss Granger, sie haben eine Frage oder Anmerkung?"

„Warum wurde das Buch wiederhergestellt?", fragte Hermine schließlich. Berechtigte Frage, wie Ron fand.

„Das Buch stammt selbst aus dem 19. Jahrhundert, die Kreation ist von dem dunklen Lord Grindelwald, und das Buch steht seit dem der Forschung zur Verfügung.", antwortete die Lehrerin, „Ich habe es hier, weil ich in der Lage bin, meine Schüler hiervor zu schützen, daher brauchen sie sich keine Sorgen machen. Sie sind sicher."

Diesen zwei Beispielen folgte nur eine Einführung in verschiedene Verzauberungen, was Ron etwas langweilte, immerhin hatten sie von Jason auch hierin Lektionen bekommen, das er ebenfalls damit jeden Tag zu tun hatte.

Der Unterricht war für Ron im Moment noch nichts Neues, vor allem in Verteidigung, das Interessanteste Fach für ihn war zurzeit Verwandlung, allerdings auch, weil er daran arbeitete, verschiedene Dinge zauberstablos zu wirken, wie es Dumbledore zu tun pflegte.

Allerdings war das nicht die einzige Sache, an der er arbeitete. Verschiedene Leute baten sie, die DA weiterzuführen, und Ron hatte schon einige Ideen dafür, sie waren allerdings noch nicht ausgereift. Vielleicht gab es Handlungsbedarf aufgrund der weißmagischen Lehrerin, denn irgendwoher mussten die Schüler ja mal die dunklen Künste kennenlernen, immerhin ging es in dem Fach darum.

Allerdings war es eine gute Lehrerin, ähnlich wie Remus, was dazu führte, dass Ron es als ein wenig anmaßend empfand, diese Frau zu verbessern.

Das Duellieren jedoch wäre eine Idee, die man umsetzen konnte. Immerhin war das eine der Punkte, die Harry mit der DA letztes Jahr schon durchgeführt hatte, allerdings nicht unbedingt als Hauptaspekt.

Wer in der DA sein würde war auch eine Frage, denn es konnte gut sein, dass viele ausscheiden würden. Die meisten würden vermutlich aus Angst absagen, jedoch war es auch möglich, dass jene, die sich nach Hogwarts getraut hatten, eher bereit waren, ein solches Angebot wahrzunehmen.

Diese Gedanken trugen ihn noch durch so manch andere Unterrichtsstunde, auch der von Professor Flitwick, welcher passend zum vorhergehenden Unterricht nun permanente Verzauberungen durchnahm, eine Kunst, welche sich als sehr schwierig herausstellte, sogar für Hermine.

Nach dem Unterricht allerdings wartete eine Überraschung auf ihn, denn Professor Flitwick bat ihn am Ende der Stunde nach vorn, „Mister Weasley, bleiben sie bitte."

Als er vorne angekommen war, setzte sich der kleine Professor auf seinen Stuhl, und ließ ihn etwas größer werden, sodass er annähernd auf Rons Höhe war. Er sprach in einem leicht genervten Ton, und strich vorher seine Robe glatt, „Der Direktor wünscht, sie zu sehen."

Ron zog die Augenbrauen hoch, „Wissen Sie warum?"

„Nein, allerdings habe ich eine Vermutung. Ich bin nicht Teil des Ordens und es ist auch nicht meine Aufgabe, über Dumbledores Aktionen zu spekulieren, allerdings denke ich, dass es um unsere neue Schülerin geht."

„Warum will Dumbledore dann mit mir sprechen?", fragte Ron.

„Vielleicht liegt es an ihrer kleinen Einlage beim Frühstück. Es kommt sehr selten vor, dass die Schüler an anderen Haustischen sitzen. Aber das ist unwichtig, der Grund, dass ich selbst sie darüber Informiere, ist Folgender: Ich weiß nicht welche Motivation Dumbledore für seine Taten hat, aber meine Pflicht ist der Schutz der Schüler. So sieht das der Direktor ebenfalls, allerdings ist unsere… Auslegung manchmal anders, besonders was den Orden angeht."

Das überraschte Ron, immerhin hielt er Flitwick immer für einen Lehrer, der Dumbledore folgte und nicht unbedingt alles hinterfragte, was vor sich ging. Das schien etwas merkwürdig auf Ron, doch er konnte sich gut denken, was dem kleinen Professor nicht gefiel. Dieses Jahr war Dumbledore wirklich sehr geheimnistuerisch, vor allem was die Schüler anging.

Leider litten manchmal Menschen darunter, allerdings glaubte Ron nicht, dass Dumbledore deswegen sein schlechter Mensch war, nur, dass er manchmal das größere Bild zu sehr vor Augen hatte, und nicht die einzelnen Individuen.

Allerdings war Ron trotz allem neugierig, was der Direktor von ihm wollte, und er hatte auch vor, Befehle von Dumbledore zu befolgen - immerhin hatte sich dieser seit dem wiederauftauchen Voldemorts Stück für Stück verändert und schien jetzt vielmehr wie ein erfahrender Kriegsveteran als der leicht verrückte Direktor, der er vorher gewesen war.

„Ich werde sie begleiten.", sagte Flitwick schließlich.

Es war nicht nötig - immerhin kannte Ron als Vertrauensschüler das Passwort zum Büro des Schulleiters, allerdings nickte er es einfach ab und ließ sich von Flitwick aus dem Raum und durch die Gänge vor jene steinerne Statur bringen, vor der Harry wahrscheinlich mindestens doppelt so oft stand.

Das Büro des Rektors war wieder hergerichtet, und wie immer saß Dumbledore in erwartender Pose hinter seinem Schreibtisch, ein Pergament vor sich ausbreitend, auf dem er zwei Sätze notierte. „Guten Tag, Herr Direktor.", sagte Flitwick, ergeben, allerdings mit seltsamen Unterton, brachte den Schulleiter dazu, aufzuschauen.

Dumbledores Augen blitzten trotz der Spannung mit dem kleinen Professor, und ungestört erwiderte er, „Auch Ihnen einen guten Tag und danke. Mister Weasley, setzen sie sich bitte."

Der Professor trat aus dem Raum, während Ron sich auf den Stuhl vor Dumbledore setzte. Dumbledore blickte ihn funkelnd in die Augen, und bot ihm ein Zitronenbonbon an.

Ron konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, lehnte allerdings ab, und fragte, „Sie wollten mich sehen?"

Dumbledore stellte die Schale ab und genehmigte sich eines. „Das habe ich. Ich konnte nicht übersehen, wie du heute Morgen ein besonderes Augenmerk auf unseren Gast geworfen hast."

Die Formulierung hätte dem alten Ron Schamesröte ins Gesicht getrieben, doch wusste Ron, dass es diesmal nicht um derartiges ging, sondern um etwas Wichtigeres als Liebeleien unter Teenagern. „Wollen sie die Anweisung an Harry nun wiederholen?"

„Ah wie ich sehe hat unser Mister Potter Ihnen davon erzählt. Selbstverständlich ist es keinesfalls meine Absicht, die junge Miss ausspionieren zu lassen, allerdings gilt es dennoch sie etwas besser im Auge zu behalten als manch anderen Schülern.", sprach Dumbledore.

„Was ist so wichtig an ihr?", fragte Ron.

„Meistens sind es nicht die Dinge, die man sieht, die wichtig erscheinen, manchmal sind es Dinge, die man übersieht oder die gänzlich verborgen sind. Manchmal ist man selbst auch garnicht wichtig, wenn man nur ein Schwenker des Zauberstabs in einer Beschwörung ist.", war die Antwort.

Ron hatte keine Ahnung, was er darauf sagen sollte, und schwieg lieber. Solche Aussagen von Dumbledore sollte man sich eigentlich aufschreiben, doch er sprang direkt zu seiner ersten Schlussfolgerung, „Hat es etwas mit ihrer Familie zu tun? Woher kommt sie überhaupt?"

Dumbledore lächelte. „In der Tat ist es ihr Vater, dessen Gunst hier eigentlich wichtig ist. Allerdings vertraut er mir nicht."

„Und dennoch vertraut er Ihnen seine Tochter zum Schutz an? Seltsam.", entgegnete Ron.

„Oh seine Tochter ist keinesfalls zum ihrem Schutz hier. Die Sache sieht sehr anders aus, Mister Weasley."


Sooo, trotz dualem Studium wieder ein Kapitel da - wenn auch mit Verspätung. Ich werde natürlich weiterschreiben, da brauch man garnicht erst zu fragen, immerhin - selbst wenn ALLES hart wird: Ich habe Wochenenden!

Edit 2018-11-22: HA! Ich wusste damals garnicht, was hart ist.