Vampirbaseball
Es dauerte nicht lange, bis wir bei mir waren. Charlie war nicht daheim, woraus ich schloss, dass er noch immer bei Billy war. Ich gab Edward zu verstehen, dass er im Auto sitzen bleiben sollte und ich sprang hinaus, um meine Regenjacke zu suchen, die irgendwo in meinem Schrank hing. Es dauerte nicht lange, da ich nicht genug Klamotten besaß, um ein Durcheinander erschaffen zu können. Nun ja, keine Klamotten, die ich in dieser Welt tragen würde.
Mit der Jacke über dem Arm begab ich mich wieder nach unten und ging rasch in die Küche, um Charlie erneut einen Zettel zu schreiben in dem ich ihm mitteilte, dass ich noch immer unterwegs war. Danach ging ich nach draußen, um mich gemeinsam mit Edward, noch immer in dessen Auto, wieder in Richtung Wald zu begeben. Wir nahmen allerdings eine andere Abbiegung, als beim letzten Mal, woraus ich schloss, dass wir nicht in der Nähe des Hauses sein würden. Bei so einer riesigen Glaswand konnte so ein einzelner kleiner Baseball auch schon einmal gefährlich werden.
Schließlich hielten wir mitten im Wald und obwohl ich mich umblickte konnte ich nichts erkennen, was den Grund dafür darstellen könnte. Dementsprechend verwundert fragte ich Edward auch: „Warum halten wir denn? Kommen die anderen auch hier her?"
Edward lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nein, wir haben noch ein Stück, bis wir die anderen erreichen, aber da wo wir uns treffen, da kommt mein Auto nicht mehr hin. Wir müssen laufen. Oder besser gesagt ich." Erneut lachte er.
Ich grummelte nur leise, was ihn zum Schmunzeln brachte. Manchmal wollte ich ihm einfach nur zeigen, dass er gar nicht so viel besser war wie ich, sondern dass ich genauso viel konnte wie er. Durch den Wald laufen und stolz darauf sein, also bitte. Edward tätschelte mir den Kopf und murmelte: „Keine Sorge, Bella. Ich trage dich wieder, da brauchst du keine Angst zu haben."
Dann stieg er aus und ich folgte seinem Beispiel. Angst, was ein Schwachsinn. Er sollte zuerst mal so schnell werden wie Saphira, bevor er sich auch nur ansatzweise etwas einbilden sollte. Ich spürte Saphiras Zustimmung, die natürlich nichts von diesem Baseballspiel verpassen wollte. Sie war vor etwa zehn Minuten von der Jagd zurückgekommen und hatte es sich in unserem Baumhaus in Ellesmera gemütlich gemacht. Dann hatte sie sich in meinen Blick verkrochen, um alles auch gut zu sehen.
Ich schlug die Autotür hinter mir zu und wandte mich dann zu Edward um. Er lächelte und reichte mir dann die Hand, um mich zu ihm zu ziehen. Er küsste mich kurz auf beide Wangen und die Nasenspitze, bevor er meine Hand, die in seiner lag, an die Nase hob und tief einatmete.
„Es wird immer leichter", murmelte er dann leise und drehte sich um, damit ich auf seinen Rücken steigen konnte. Augenverdrehend kletterte ich darauf und wartete darauf, dass er los lief, als ich sicher saß. Diesmal erlebte Saphira das Laufen live mit und ich hörte sie leise lachen. Und zwar nicht auf die freudige Weise, sondern sie lachte ihn aus. Gut, ich verstand es, da sie viel schneller flog, als er wohl jemals laufen würde und sie das diesmal vergleichen konnte.
Ich wurde jedoch schnell die ständig an uns vorbei ziehenden Bäume leid und schloss deshalb einfach die Augen und lehnte meinen Kopf an Bronzys Rücken. Ich wusste nicht, wie lange wir gelaufen waren, doch nach ein paar Minuten hielt Edward und ich blickte auf. Hinter ein paar Bäumen eröffnete sich ein weites Feld und mir war sofort klar, dass es sich dabei um das Spielfeld handelte.
Ich wartete bis Edward los ging und folgte ihm dann, damit es nicht auffiel, dass meine Sicht besser war als die eines normalen Menschen. Die anderen waren schon da und Carlisle bewegte sich mit Esme an seiner Seite auf uns zu. Beide begrüßten uns freundlich, als sie bei uns ankamen und Esme wies mich an, am besten die Jacke schon anzuziehen.
„Lass uns gehen, Edward", sagte Goldie und drehte sich schon um, um zu gehen. Edward drehte sich jedoch noch einmal zu mir um. Er lächelte und nahm mein Gesicht zwischen seine Hände, dann hauchte er mir einen Kuss auf die Lippen und lies mich dann errötend zurück. Saphira kicherte über meine Verblüffung und meine Reaktion.
Doch ich verteidigte mich in Gedanken: „Es ist nicht so, als ob ich schon einmal einen Freund oder ähnliches gehabt hätte, Saphira. Lach mich also bitte nicht aus."
Dann bemerkte ich, dass Esme noch immer neben mir stand und mich mit einem mütterlichen Lächeln anschaute. „Ich möchte mich bei dir bedanken, Bella. Seit Edward dich getroffen hat, hat er so viel mehr Lebensfreude. Ich habe mir schon immer Sorgen gemacht, weil Edward immer alleine war, aber jetzt hat er dich getroffen. Danke."
Ein Schuldgefühl breitete sich in mir aus und ich blickte nach unten. Es würde vorbei sein, wenn ich in Alagaësia gebraucht werden würde. Und ich wusste nicht, ob ich lebend wiederkehren konnte, wenn ich überhaupt wiederkehren konnte. Bisher war ich mir dieser Schuld nicht bewusst, doch jetzt lag sie mir schwer im Magen. Eines Tages würde ich Edward zurück lassen und vielleicht war dieser Tag schon näher, als ich dachte? Schließlich blickte ich wieder auf und sah auf das „Spielfeld". Es schien als hätten sie sich in zwei Mannschaften aufgeteilt, Alice, Edward und Emmett gegen Carlisle, Jasper und Rosalie.
Erneut ein wenig verwirrt sah ich zu Esme. „Spielst du nicht mit?"
Sie schüttelte den Kopf und erklärt: „Nein, ich bin der Schiedsrichter. Man sieht es ihnen zwar nicht an, aber diese Truppe schummelt nicht gerade zu wenig."
Ich lachte und blickte wieder zurück und beobachtete die anderen dabei, wie sie sich auf dem Spielfeld verteilten. Ein weiteres Mal stutzte ich, denn sie ließen viel größere Abstände, als es bei einem normalen Baseballspiel der Fall gewesen wäre. Ich hatte oft genug diese Spiele im Fernseher zusammen mit Charlie angesehen.
„Sind sie nicht ein bisschen zu weit voneinander entfernt?", fragte ich Esme, doch diese schüttelte erneut lachend den Kopf. „Warte es ab, dann verstehst du den Grund schon. Auch die Sache mit dem Gewitter."
Passend dazu hörte ich es in der Ferne donnern und Esme pfiff einmal laut und lies das Spiel beginnen. Alice warf den Ball so schnell, dass ich die Bewegung nur verschwommen wahrnahm, dann traf der Ball auf den von Rosalie gehaltenen Schläger, was einen lauten Knall verursachte. Sofort war mir klar, dass das auch der Grund war, warum sie nur während einem Gewitter spielen konnte, sonst hätte jemand etwas davon mitbekommen. Der Ball schoss davon, in die Bäume und Edward sprintete hinterher, während Rosalie los lief.
Rosalie war fast am Ziel, als Esme laut und deutlich „Out" rief. Auch ich hatte gespürt, dass er schon wieder auf dem Rückweg war, denn die Natur um ihn herum wurde unruhig, da er so schnell an ihr vorbei lief. Nun wurde ich in den Bann des Spieles gezogen. Rosalie schlug den Ball am weitesten, Edward lief am schnellsten und Alice warf am besten. Hin und wieder stießen zwei von ihnen zusammen und es klang noch schlimmer, wie der Ball.
Saphira, die natürlich auch zuschaute, musste sich genauso wie ich geschlagen geben und gab zu, wie sehr sie das Spiel faszinierte. Auch Alice Vorhersage, dass wir nicht nass werden würden, hatte sich bestätigt. Edward hatte sie gefragt, bevor wir gefahren waren, ich hatte meine Jacke aber trotzdem geholt. Ich war ganz von dem Spiel eingenommen und beobachtete, wie Edwards Team langsam in den Punkten zurückfiel. Hin und wieder schritt Esme ein, wenn die Diskussionen zu heftig wurden.
Nach einer Weile drehte der Wind und blies mir durch die Haare, lies sie im Wind wehen. In diesem Moment erstarrte Alice und auch die anderen wandten sich der Richtung zu, aus der der Wind kam. Auch ich hatte es gespürt. Jemand war in der Nähe. Dann wandte Alice sich entsetzt an Edward, der sie mit aufgerissenen Augen ansah. „Edward, ich habe es nicht kommen sehen. Es tut mir so leid! Du musst Bella ganz schnell von hier weg bringen!"
Es dauerte nicht lange und Edward war bei mir. Er nahm meinen Arm und wollte mich von der Lichtung führen. „Es tut mir leid, Bella. Alice hat andere Vampire kommen sehen, die nicht so sind wie wir." Ich zog eine Augenbraue nach oben und sah ihn an. „Sie sind keine Vegetarier. Du musst jetzt ruhig bleiben. Sie sind schon fast da."
Nichts davon hätte er mir sagen mussten, mal davon abgesehen, dass diese Vampir Menschenblut tranken, denn jetzt nahm ich sie deutlicher war und es dauerte nicht lange, bis sie auf der Lichtung standen. Die restlichen Cullens hatten sich inzwischen um uns versammelt und verdeckten Bronzy und mich vor ihren Blicken.
Es waren drei Vampire. Ein Mann, dunkelhäutig und mit Rasta Locken, eine Frau in der Mitte mit feuerroten Haaren und rechts ein weiterer Mann mit blondem Haar. Sie hatten ihre Blicke auf uns gerichtet. Unmerklich spannte ich meine Muskeln an, da ich mir der Gefahr deutlich bewusst war. So kampfbereit, wie ich es mit dem einzelnen kleinen Messer an meinem Bein, dass nutzlos gegen Vampire war, und meinen sonstigen Fähigkeiten sein konnte, blickte ich auf und erwiderte den Blick aus ihren blutroten Augen.
