Kapitel 25- Die Eule in der Nacht
In der Halle angekommen hastete sie an Sirius, Remus und Peter vorbei.
„Ich hab dir gleich gesagt er schläft bei ihr!", triumphierte Padfoot über Remus. „Glaub mir doch auch mal was."
„OK, ich glaube dir.", knurrte dieser. „Aber wo ist James?"
„Der macht sich bestimmt noch fein!", lachte Sirius.
„Was will er machen? Sich die zerzausten Haare von der wilden Nacht platt drücken?", bemerkte Moony sarkastisch.
„Das wäre bei ihm verlorene Zeit.", überlegte Peter.
„Das ist eigentlich eine gute Tarnung.", stellte Padfoot fest. „Leider ist das bei meinen Haaren nicht möglich.", und er fuhr sich mit der Hand durch die Selbigen.
„Warum heißt du eigentlich Sirius? Narziss hätte viel besser gepasst!", stichelte Remus.
„Das war jetzt aber gemein!", beschwerte sich der Betroffene.
„Hast du gut geschlafen?", fragte Ellen scheinheilig als sich Lily neben sie setzte.
„Ja, und ihr?"
„Ja, wir haben auch gut geschlafen. Aber wir hatten keine männliche Gesellschaft dabei.", grinste Lorrain.
Lily grinste zurück.
„Wie kommt er nur die Treppe hoch?", verlangte Alex zu wissen. „Vielleicht kann Siri mich auch mal besuchen."
Ellen und Lorrain sahen sie mit einem bösen Blick an.
„Macht doch nur ruhig!", beschwichtigte Lily. „Das war eine Ausnahme."
„Aber eine schöne Ausnahme!", seufzte Alex und vergaß ihre vorangegangene Frage.
„Warum war er denn überhaupt da?", bohrte Ellen.
„Mir ging es nicht gut."
Ihre Freundinnen sollten von der Traumdeutung nichts wissen. Die würden sofort in Panik verfallen, so wie Lily sie einschätzte.
„Und da ist er einfach zu dir gekommen? Oh, das ist so süß!", Alex war ganz verzückt.
„Alexandra Shea, jetzt krieg dich wieder ein.", tadelte Lorrain.
„Lass mich doch auch mal."
„Ich lass dich die ganze Zeit."
Alex blickte sie finster an, erwiderte aber nichts weiter.
Etwas später kam James in die Große Halle und setzte sich neben Sirius.
„Und, was war nun? Jemand krank, jemand gestorben oder schwanger?"
Prongs Stirn legte sich in Falten.
„Was habt ihr euch die ganze Nacht nur ausgedacht!"
„Nicht wir. Er!", verbesserte Remus und deutete auf Sirius.
„Lily war bei Apollo um einen Traum deuten zulassen."
„Uuiii.", stöhnten Wormtail, Moony und Padfoot.
„Was für Horrorgeschichten hat er diesmal erzählt?", fragte Peter.
„Das übliche, ich werde bald sterben. Bla bla bla!", äffte James. "Und für Lily gilt das Gleiche. Wenn man so was das erste Mal hört, nimmt einen das schon mit."
Die andern Drei nickten zustimmend.
Das Geräusch von zurück geschobenen Bänken durchdrang die Halle.
„Es wird Zeit.", Remus erhob sich. „Wir sehen uns in Verteidigung.", und er entschwand zu Geschichte der Zauberei.
„Lily, kommst du?", erinnerte Ellen. Die Gefragte stopfte sich gerade noch die letzte Ecke Toast in den Mund und holte auf.
Der Kerker war wie immer unfreundlich und düster.
„Dem Merlin sei Dank ist diese Zeit bald vorbei."
Eine Gruppe Slytherins wartete bereits vor dem Unterrichtsraum.
Lestrange und Snape bedachten beide mit einem angewiderten Blick. Lily blickte ihnen offen ins Gesicht.
„Irgendein Problem?", fragte sie provokativ.
„Nicht doch.", atmete Rabastan tief.
Snape drehte sich von ihr ab.
Etwas später wurde die Türe geöffnet und Randall ließ sie hinein.
Lily und Ellen gingen erhobenen Hauptes vor den Slytherins in den Raum.
Snape stupste Lestrange an und deutete mit seinem Zauberstab auf Lilys Rücken. Er wollte gerade eine Beschwörung sagen als ein „Das würde ich an deiner Stelle lassen.", dicht hinter ihm erklang und die Spitze eines Zauberstabes in seinen Rücken piekte.
Langsam drehte er sich um.
Sirius sah ihn freudestrahlend an.
„Na Schniefelus. Hast du dir das auch gut überlegt?", erkundigte er sich zynisch.
Snape blickte ihn bösartig an und ließ seinen Zauberstab sinken.
„Geh weiter. Du blockierst den Eingang.", sagte Padfoot ruppig.
Etwas später stürzte James in den Raum und setzte sich neben Ellen.
Randall blickte ihn mürrisch an.
„Du hast Toastkrümel am Kinn.", flüsterte Ellen ihm zu.
„Oh.", und er wischte sie mit der Hand beiseite. „Danke."
„Stellen sie ihre Unterhaltungen ein und schauen sie nach vorne!", rief Randall die Klasse unnötig zur Ruhe.
„Heute werden wir den Bestia Multumpotio zu bereiten der Menschen in Tiere verwandelt. Nicht zu verwechseln mit dem Vielsafttrank!"
„Was ist der Unterschied? Ja, sie Mr. Snape."
"Der Vielsafttrank ist nur dafür bestimmt sich in andere Menschen zu verwandeln. Außerdem benötigt man z. B. Haare von demjenigen, in den man sich verwandeln will. Bei Tieren kommt es zu ungeahnten Komplikationen. Bestia Multumpotio ist für die Verwandlung von Menschen in Tiere vorgesehen. Man muss sich nur darauf konzentrieren in welches Tier man sich verwandeln möchte."
„Richtig. 10 Punkte für Slytherin."
„Schleimer.", murmelte Sirius.
„Gönn ihm doch auch mal was.", grinste Lily.
„Das würde ich an deiner Stelle nicht sagen. Der wollte dich vorhin verhexen.", flüsterte Padfoot zurück.
„Was? Ha! Hätte er mal tun sollen.", und sie zeigte auf das Medaillon, dass James ihr geschenkt hatte.
Sirius lachte.
„Ruhe da hinten.", donnerte Randall. „Also- Sie machen den Trank in zwei Schritten. Erst werden die Zutaten in folgender Reihenfolge hinzu gegeben.", er tippte an die Tafel und eine lange Liste von Kräutern und exotischen Innereien erschien.
Der gesamte Kerker seufzte auf.
Die Klasse traf ein argwöhnischer Blick.
„Dann lassen sie die lilafarbene Flüssigkeit vor sich hin köcheln. Nach etwa 20 Minuten rühren sie dreimal im Uhrzeigersinn, dann lassen sie es exakt 2 ½ Minuten weiter kochen. Nach dieser Zeit nehmen sie es vom Feuer. Es kühlt sich bis morgen ab und dort werden wir dann weiter machen."
Jeder Schüler sackte in sich zusammen.
„Worauf warten sie noch!"
Langsam setzte sich die Klasse in Bewegung.
„Warum hat er nicht noch was komplizierteres genommen?", fluchte Sirius.
„Oh, das ist toll. Ich wollte schon immer mal ein Tier sein.", freute sich Lily.
„Meinst du das ist so schön?", flüsterte Padfoot. Sie nickte nur.
„Na ja, ein Hund zu sein ist recht schön, wenn da die Flöhe nicht wären.", überlegte Sirius.
Lily rückte von ihm ab.
Er grinste. „Momentan bin ich Flohfrei- wuff."
Die Stunden vergingen und in ihren Kesseln färbte sich die Flüssigkeit von farblos zu einem tiefen Lila.
„Die Stunde war gar nicht mal so schlecht.", stellte Ellen etwas später fest. „Ich werde mich in einen Schwan verwandeln."
Lily sah sie belustigt an.
„Und du, Lily?"
„Keine Ahnung. Weiß nicht."
„Ich würde gerne ein Hirsch sein. Mit einem richtig großen Geweih!", lachte Sirius, der neben ihnen ging.
„Dann möchte ich ein großer schwarzer Hund sein.", grübelte James und legte einen Arm um Lily.
„Das möchte ich sehen.", sagte Ellen belustigt.
Etwas später saßen sie in der Großen Halle beim Mittag.
Alex und Lorrain kamen aus den Gewächshäusern.
„Pumkpin, du hast Erde im Gesicht.", und Padfoot wischte über Alex Wange.
„Wenn ich ein Tier wäre, meinst du ich könnte mitkommen, wenn es bei Moony soweit ist?", flüsterte Lily James zu.
Er sah sie entgeistert an.
„Darüber reden wir später, Liebling. Nicht hier, und er küsste sie, bevor er nach draußen auf die Schlossgründe ging.
Lily bemerkte, dass einige Schülerinnen sie beobachtet hatten. Als sie sich in ihre Richtung drehte, sahen diese blitzschnell weg.
Es war sehr kalt auf den Ländereien. Es war Mitte Januar und die Sonne war von Wolken verdeckt. Alles war weiß gezuckert und die Schüler stapften durch den Schnee. Alex ging mit Sirius in geringem Abstand hinter den anderen her.
James dachte angestrengt über Lily nach. Ob sie mitkommen könnte, wenn sie ein Tier wäre? Es wäre gefährlich. Das würde nicht gehen.
Die Stunde bei Professor Kettelburn war sehr unterhaltsam. Sie beschäftigten sich mit kleinen Kreaturen die aussahen wie große runzlige Kartoffeln, die gelegentlich heißen Dampf von sich gaben.
Nach der Stunde zauberte Sirius einen Engel in den Schnee, der Alex verblüffend ähnlich sah. Die Echte Alex umarmte Padfoot stürmisch und beide fielen in eine Schneewehe.
Lorrain rollte mit den Augen und machte das sie wieder ins warme kam.
Am Abend saßen Lily und James im Raum der Schulsprecher.
„Hast du darüber nachgedacht?", erkundigte sich Lily.
James blickte von einem Buch auf.
„Na ja.", druckste er.
„Aber du hast mal dran gedacht."
„Ja."
„Und?"
„Ich glaube es ist zu gefährlich. Es geht nicht."
„Aber James. Du hast mal gesagt, dass er Tieren nichts tut."
„Ich weiß, aber ich will nichts riskieren. Ich möchte dich noch eine Weile behalten."
„Und wenn ich nicht am Boden wäre, sondern in der Luft?"
James saß in der Zwickmühle. Das wäre eine Möglichkeit.
„Und was soll das sein?", fragte er resignierend.
„Eine Fledermaus.", triumphierte Lily.
Prongs zog ein Gesicht.
„OK, dann eben eine Eule."
„Das ist schon besser."
Lily strahlte ihn an.
„Aber ich weiß nicht. So was kann auch schief gehen.", zweifelte James erneut.
„James, wenn ich über euch fliege kann mir nichts passieren! Wer will denn zu mir hoch kommen!", sie streichelte seinen Nacken.
Er seufzte genießerisch und ergab sich ihren Überredungskünsten.
„Na gut. Das bleibt aber unter uns und du hältst dich fern!"
„Oh, ich wusste es!", und sie umarmte ihn stürmisch.
„Freu dich nur nicht zu früh."
So wurde es abgemacht. Die anderen sollten nichts davon erfahren, die hätten sich nicht überzeugen lassen. Vor allem nicht Moony. Wie hatte er sich erst gewehrt, dass seine Freunde bei seiner Verwandlung dabei sein wollten.
James erinnerte sich daran, als sie herausfanden, dass Remus ein Werwolf war.
Remus lag in seinem Bett. Seine noch so junge Haut war blass, ja fast grau. Schweiß stand ihm auf der Stirn und er atmete schwer. Die rechte Hand war verbunden.
Es war abends und der abnehmende Mond schien durch das Fenster.
Remus drehte sich von ihm ab. Andere Menschen mochten den Mond. Er nicht, er fürchtete sich eher vor ihm.
Kurze Zeit später kamen Sirius, Peter und James vom Abendessen. Gemeinsam standen sie an Remus Bett.
„Fühlst du dich wieder besser?", erkundigte sich James.
Der Befragte drehte sich zu ihnen um.
„Beim Merlin. Du siehst furchtbar aus!", entfuhr es Sirius. „Sollen wir Poppy holen?"
„Hast du dich wieder gebissen?", sprudelte Peter heraus.
Die anderen sahen ihn mit aufgerissenen Augen an.
„Peter, du Trottel!", knurrte Sirius.
Remus rutschte mehr und mehr nach hinten. Furcht lag in seinen Augen.
Konnten sie es wissen? Womöglich., Remus war kein guter Lügner. Die unzähligen Ausreden jeden Monat. Irgendwann mussten sie es wissen.
„Remus!", bat James inständig. „Wir werden nichts sagen. Wir schwören es. Wir sind deine Freunde!"
Das schien ihn nicht wirklich zu überreden.
„Wie seid ihr drauf gekommen?", fragte er. Bitterkeit lag in seiner Stimme.
Die Drei sahen peinlich berührt zu Boden.
„Wir sind dir gefolgt."
„Ihr seid was? Seid ihr wahnsinnig! Ich hätte euch verletzten könne.", große Verantwortung lag in seinen Worten.
„Wir sind dir nicht in die Peitschende Weide gefolgt.", beschwichtigte Sirius.
„Die ganzen Ausreden jeden Monat. Das war so lächerlich.", grinste James.
„Wir haben unzählige Bücher gewälzt, bis wir darauf gekommen sind.", versicherte Peter.
„Und ihr habt keine Angst vor mir?"
Alle drei schüttelten den Kopf.
„Moony, wir wollen dir helfen."
„Moony?", fragte Remus.
„Ja, das ist unser Spitzname für dich."
„Wir wollen dir helfen!", platzte James heraus.
„Ihr könnt mir nicht helfen. Dafür gibt es kein Gegenmittel."
„Aber wir haben gelesen, dass Werwölfe anderen Tieren nichts tun. Wir könnten uns auch in Tiere verwandeln."
Moony schnaubte belustigt.
„Wie wollt ihr das machen? Ihr seid grottenschlecht in Zaubertränke."
„Nicht in Verwandlung.", trumpfte Sirius auf.
„Erzählt mir jetzt nicht ihr wollte Animagi werden.", Remus lachte auf.
„Doch!", James sah ihn entschlossen an.
„Wir sind deine Freunde Remus und wir werden dir beistehen."
Die Tage vergingen. Lilys Bestia Multumpotio war ein voller Erfolg. Ebenso Ellens. Sie war jedoch kein weißer Schwan geworden, sondern ein Schwarzer. Randall tropfte das Gegenmittel auf sie und mit einem „Puff" stand sie wieder im Raum.
Nach der Stunde sollte James Professor Randall ablenken, damit Lily sich je eine Phiole von dem Zaubertrank und dem Gegenmittel besorgen konnte.
Alles klappte ohne Probleme.
Einige Dinge gingen jedoch nicht so einfach über die Bühne.
An einem freien Nachmittag veranstalteten James, Sirius, Remus und Peter eine Schneeballschlacht. Der friedliche Spaß hielt jedoch nicht lange an, denn kurze Zeit später tauchte Snape mit einigen andern Slytherins auf den Schlossgründen auf. Von fern beobachtete James wie sie die Köpfe zusammen gesteckt hatten.
Die brüten doch was aus., überlegte er.
„Schaut mal, da drüben.", machte er die Anderen auf die kleine Gruppe aufmerksam.
„Die sollen nur kommen.", lachte Sirius und schmiss einen Schneeball nach James.
Die Slytherins ließen sich nicht lange bitten und bald entbrannte ein erbitterter Kampf. Lawinen von Schnee stürzten auf jede Partei ein. Wer weiß was noch daraus entstanden wäre, hätte Professor McGonagall nicht zufällig aus ihrem Bürofenster gesehen.
„Dich kriege ich noch, Black!", zischte Snape im vorbeigehen.
„Nicht, wenn ich schneller bin.", fauchte Padfoot zurück.
Die darauf folgenden Tage waren wie ein Katz und Maus Spiel. Jeder versuchte den andern soviel wie möglich zu verhexen. Leider wurden auch unbeteiligte Schüler davon in Mitleidenschaft gezogen.
„Sirius, das ist so kindisch. Wollt ihr es nicht endlich zu einem Ende bringen?", fragte Lily sichtlich genervt.
„Keine Angst, Lily. Bald ist es vorbei. Da habe ich ihm einen Streich gespielt der sich gewaschen hat.", er lachte verschmitzt.
„Na hoffentlich geht es nicht auf Kosten weiterer Schüler.", Lily erinnerte sich mit großem Mitleid an den einen Ravenclaw, den Snape, anstatt Sirius erwischt hatte. Die vielen Pusteln und der Haarausfall waren so schrecklich gewesen.
Der Januar ging langsam zu Ende.
Es war bald Zeit für Remus sich zu verwandeln. Lily beobachtete ihn diesmal ganz bewusst. Schon eine Woche vor dem eigentlichen Zeitpunkt wirkte er deprimiert. Ihr kam das Stück „Dr. Jackell und Mr. Hyde" ins Gedächtnis. So ging es Remus, nur das es nicht seine Schuld war das er sich in eine Bestie verwandelte.
Padfoot hatte auch wieder glänzende Laune. Er strahlte mit jedem Tag mehr.
„Warum freust du dich eigentlich so?", fragte Moony bitter.
„Lass mich doch auch mal strahlen."
Der zunehmende Mond war auf seinem Höhepunkt angekommen. Lily war ganz aufgeregt. Die beiden Phiolen hatte sie in ihrem Koffer aufbewahrt. James wollte ihr das Gegenmittel dann am nächsten Morgen verabreichen.
Gegen Mitternacht machte sie sich unbemerkt auf den Weg zum Astronomieturm. Der Wind wehte eisig und stark.
Vorsichtig nahm sie die Kappe von der Phiole und trank sie aus.
OK, konzentriere dich, Lily, dachte sie.
„Eine Eule, eine Eule.", sprach Lily vor sich hin und stellte sich in allen Einzelheiten vor, wie die Eule auszusehen hatte.
Es begann mit Kribbeln in den Fingern, dann in den Zehen. Sie fühlte, wie ihr Körper schrumpfte. Ihre Haut juckte und Lily spürte wie die kleinen Härchen auf ihrer Haut zu Federn wurden. Ihr Gesicht verformte sich. Ihr Gehör wurde plötzlich viel besser. Kurzzeitig schloss sie die Augen. Als sie, sie wieder öffnete schaute sie aus einer völlig anderen Perspektive. Alles war so groß! Lily versuchte an sich herunter zusehen. Es hatte funktioniert. Ihre Krallen klickerten auf den Steinen. Sie schlug mit den Flügeln und erhob sich etwas von der Erde.
O mein Gott., dachte Lily. Über das Fliegen hatte sie noch gar nicht nachgedacht! Aber es half nichts. Schließlich wollte sie es so. Langsam hüpfte sie über den Steinfußboden auf den Rand zu. Der Wind wehte noch immer heftig.
Lily atmete gedanklich noch einmal tief durch und stürzte sich nach unten. Instinktiv breitete sie ihre Flügel aus und dann durchfuhr sie ein atemberaubendes Gefühl. Sie schwebte auf einer Böe um den Turm herum. Wagemutig flatterte Lily mit den Flügeln. Sie überblickte Hogwarts und flog um die Türme herum. An Dumbledores Büro vorüber, sowie an Professor McGonagalls und schaute in den Gemeinschaftsraum der Ravenclaws.
So zog sie ihre Kreise und ließ ab und zu einen Jubelschrei von sich.
Die Eulen sind aber laut, heute Nacht., dachte Hagrid und drehte sich auf die andere Seite.
Plötzlich bemerkte sie eine Gestalt an der Tür zur Eingangshalle. James, Sirius oder Peter konnten es nicht sein. Die mussten schon vor einer Stunde zu Remus gegangen sein. Behutsam schwebte sie hinab. Durch ihre geschärften Augen erkannte sie einen jungen Mann. Er hatte zerzauste schwarze Haare, war schlaksig und hatte eine große Nase.
Beim Merlin. Das ist Snape., durchfuhr es Lily. Ein Gefühl sagte ihr, dass sie James warnen musste. Geschickt flog sie um die Peitschende Weide und tauchte in die Öffnung zwischen den Wurzeln ein. Der Gang war schwer zu durchfliegen. Überall hingen Wurzeln von der Decke. Beinahe hätte sie sich in einer verfangen. Von fern sah sie den beruhigenden Lichtstrahl und landete. Lily hüpfte durch den Türspalt ins innere der Heulenden Hütte.
James stand alleine an einem Tisch.
„Uuuhhhuuu", machte Lily. Sprechen konnte sie nicht.
Prongs drehte sich erschrocken um und erblickte die Eule.
„Lily?", flüsterte er ungläubig.
James traute seinen Augen nicht. Eine Eule mit rotem Gefieder und leuchtend grünen Augen hüpfte nervös über den Fußboden.
„Uhhhuuuuu", ertönte es erneut.
„Was willst du hier? Wir hatten doch...", er stockte. Ein komisches Gefühl beschlich ihn.
„Willst du mich warnen?"
Die Eule blinkte mit den Augen und hüpfte in Richtung Tür.
James folgte kurz entschlossen.
„Lumos", sagte er und rannte der Eule nach.
Kurz vor dem Ausgang löschte er das Licht und schaute aus der Öffnung zwischen den Wurzeln hervor.
Das wenige Licht vom Schloss sandte seine Strahlen auf eine Gestalt die sich bedrohlich näherte.
„Glaubst du, wer da auch immer kommt will hier rein?", fragte James die Eule verunsichert.
Ein leises „uuhhuu.", war wieder zu hören.
James bekam eine Gänsehaut. Wenn derjenige, der da kam in die Peitschende Weide kletterte und am Ende des Ganges einen Werwolf finden würde. Nicht auszudenken.
„Lenke ihn kurz ab und hol Hilfe, fliege zu Dumbledores Büro!", wies Prongs Lily an.
Die Eule flog davon, duckte sich wagemutig unter der Weide hindurch und lies einen Schrei von sich der einem das Blut in den Adern gefrieren lies.
Die Gestalt blieb stehen und fuchtelte in der Luft umher.
James verlor keine Zeit. Er drückte die Wurzel und der Baum blieb still. Eilig krabbelte er aus der Öffnung.
Lily flog zu Dumbledores Büro. Es brannte noch immer Licht und Lily landete auf dem Fenstersims. Sie klopfte mit dem Schnabel immer wieder an das Fenster. Plötzlich erschien Professor McGonagall und ließ sie hinein.
„Es ist eine Eule, Albus."
„Trägt sie einen Brief?", fragte Dumbledore.
„Nein, aber sehen sie, sie sich an.", forderte Minerva ihn auf.
Die rot gefiederte Eule hüpfte auf und ab. Schrie ständig und flog wieder auf den Fenstersims.
„Was soll das bedeuten, Albus?"
„Ich vermute, die Eule will uns etwas sagen.", und Dumbledore erhob sich.
Er und Professor McGonagall sahen aus dem Fenster.
Schemenhafte Gestalten waren auf den Schlossgründen zu sehen. Der Vollmond warf jetzt sein ganzes Licht auf die Peitschende Weide. Ein Junge trat auf sie zu. Ein langer Stock war in seiner Hand.
„Albus, er geht auf die Weide zu. Heute ist Vollmond. Wenn er in den Gang geht...", sie stockte.
Zwischen den Wurzeln des Baumes erschien eine weitere Gestalt und stürzte auf die andere zu.
„Wir dürfen keine Zeit verlieren.", und Dumbledore lief eilig aus dem Raum, gefolgt von Professor McGonagall.
Lily stürzte sich wieder in die Tiefe. Dieses atemberaubende Gefühl machte sich wieder in ihr breit.
Die Gestalt kam immer näher. James stürzte aus der Öffnung und rannte auf sie zu. Das Licht des Vollmondes erhellte das Gesicht des anderen.
„Snape!", brüllte James.
„Potter!", rief dieser zurück.
Prongs stieß ihn gerade noch beiseite, denn die Peitschende Weide bewegte sich wieder und hatte zum Schlag ausgeholt.
Gemeinsam fielen sie zu Boden. Eine Eule umkreiste sie und schrie in die Nacht.
„Was machst du hier?", forderte James und drücke Snape zu Boden.
„Das gleiche könnte ich dich fragen!", fauchte Severus. „Lass mich gehen, ich will da runter."
„Was willst du da unten?", forderte James.
„Ich will Black endlich überführen, dass er seine gerechte Strafe bekommt. Ich weiß, dass er da unten ist. Ich habe ihn selber gehört wie er es sagte.", sprudelte es aus Snape heraus. „Lass mich endlich gehen, du Schlammblutliebhaber."
Aus dem Nichts heraus flog plötzlich etwas an ihnen vorbei und hackte Severus.
Ein Schmerzensschrei durchzog die Nacht.
Von weitem waren Schritte zu hören.
„Halt!", rief eine tiefe Männerstimme, die James wohl bekannt war.
Prongs ließ von Snape ab und richtete sich auf.
„Mr. Potter! Mr. Snape! Erklären sie sich!", forderte Professor McGonagall außer sich.
„Ich wollte ihn aufhalten.", platzte James heraus. „Es hatte den Anschein, als wollte er in die Weide!"
„Ist das wahr, Mr. Snape?", wollte Dumbledore wissen.
„Ja.", antwortete dieser nur.
„Bei Merlins Verstand! Warum das?"
„Ich hörte Black, wie er Pettigrew sagte, dass sie heute wieder in die Weide gehen würden. Es sei ja so einfach rein zu kommen, wenn man die Wurzel drückte. Ich wollte ihn auf frischer Tat ertappen. Ich wusste, dass er wieder etwas ausheckt."
Professor McGonagall atmete tief durch.
„Sie törichter Junge!"
„Mr. Snape. Sie können froh sein das Mr. Potter sie gesehen hat. Sonst wären sie womöglich tot.", erörterte Dumbledore nüchtern. „Sie können ihm dankbar sein, er hat ihnen das Leben gerettet."
Auf James Schulter ließ sich die rotgefiederte Eule nieder. Er streichelte über ihr Gefieder.
„Eine bemerkenswerte Eule, Mr. Potter.", sagte der Direktor freundlich. „Wie ist ihr Name?"
„Li...Leonora.", antwortete Prongs schnell.
„Aha, nun möchte ich sie bitten mit in mein Büro zu kommen um alles weitere zu regeln.", und die Lehrer wanden sich zum gehen. Snape funkelte James böse an und ging voraus.
