Wortanzahl: 704 Wörter
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Kapitel 24

Schweigend saß Sam auf dem Beifahrersitz des Wagens ihres Patenonkels.

„Danke, dass du mich abgeholt hast.", sagte sie leise und lächelte George zaghaft an.

„Das habe ich doch gerne gemacht … also … willst du mir sagen, was los mit dir ist?", fragte er vorsichtig nach.

„Ja weißt du …", fing Sam langsam an.

Sie knetete ihre Hände nervös in ihrem Schoß und versuchte dabei die richtigen Worte zu finden. Doch so einfach wie bei Janet wollte es ihr einfach nicht gelingen.
Ihr fehlte dieses warme Braun von Janets Augen, das sie so sehr ermutigt hatte.

„Ich habe mich ein wenig mit deinen Freunden unterhalten.", versuchte George ihr ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Doch bevor sie weiter darüber nachgrübeln konnte, wurden ihre Hände von einer großen, kräftigen gegriffen.
Warm war sie und irgendwie veranlasste sie, dass Sam sich entspannte.

„Ich wollte doch verhindern, dass Mark auszieht … aber er wollte nicht auf mich hören. Ich wollte es doch so sehr verhindern … doch ich habe es leider nicht geschafft.", fing Sam an sich zu rechtfertigen.

„Und Jacob ist im Moment im Einsatz und hat sich noch nicht gemeldet. Obwohl Mark behauptet hat, dass er ihm geschrieben haben soll. Aber …"

Sams Sätze verliefen jedoch leise ins Nichts.

„ … er hat sich ganz einfach nicht gemeldet.", beendete George ihren Satz.

Sam nickte zu Bestätigung.

„Und weißt du … ich wusste nicht was ich machen sollte … seit Mom weg ist … bin ich so allein.", wisperte sie leise und blickte dabei aus dem Fenster.

Langsam sammelten sich Tränen in ihren Augen.
Doch sie wollte nicht weinen.
Sie hatte schon so viele Tränen für ihre Mom vergossen.

George schien jedoch ihre Gedanken lesen zu können.

„Es ist in Ordnung zu weinen, Sam. Du musst auch mal weinen können.", sagte er beruhigend.

Sam schüttelte kurz den Kopf und versuchte sich zu sammeln.

„Ich weiß. Doch es tut so weh. Immer wenn ich über sie rede. Geschweige denn über sie nachdenke.", gestand sie traurig.

Fast hilflos sah ihr Onkel sie an.
Sie spürte seinen Blick aus sich, aber es war nicht genug.
Er konnte sie nicht so beruhigen und aus ihrem Schneckenhaus locken wie der von Janet ...

Doch ebenso wie diese wollte ihr Onkel auch nicht so leicht aufgeben.
Beruhigend legte er einen Arm um sie und zog sie an seinen Körper.
Groß, stark und mächtig kam er ihr in diesem Moment vor.
Eine starke Schulter, die sich ihr anbot.
Nicht wie ihr Vater, nicht wie Mark, die sie beide allein gelassen hatten.

Ohne dass sie es wollte, bebte ihr Körper langsam immer mehr vor schluchzen.
Immer mehr Tränen rannen ihr stumm über das Gesicht.

„Ich vermisse sie doch so sehr.", wisperte Sam mit erstickter Stimme. „Ich schaffe das alles nicht ohne Mom. Sie war immer da wenn … wenn Jacob mal wieder nicht da war.", führte sie mit erstickter Stimme weiter aus.

„Samantha … wir schaffen das schon. Zusammen kriegen wir das hin. Du musst mir nur vertrauen."

Doch als George ihr ins Gesicht blickte, wusste er, dass Sam sich ihm nie anvertrauen würde.

„Wenn du das jedoch nicht willst, dann rede doch endlich mit deinen Freunden. Sie haben Angst um dich. Und sie wollen dir wirklich helfen. Du musst sie ganz einfach nur lassen."

Sam nickte langsam.

„Ich versuche es … ich versuche es.", wiederholte sie sehr leise.

Danach fuhren sie schweigend weiter bis sie vor dem großen, weißen Haus der Carters ankamen.

„Ich komme noch mit rein.", durchbrach George die Stille.

Sam blickte sekundenlang einfach nur auf ihre Hände.

„Du musst nicht mit rein kommen. Ich schaff das schon … wirklich.", sagte sie leise.

„Bist du dir da wirklich sicher?", fragte er leise.

Sam nickte und zog sachte ihre Hand aus seiner.

„Ja … ich bin mir sicher und wenn doch etwas sein sollte … ich rufe dich an und das meine ich ernst.", versprach Sam ihm ernsthaft.

Sie öffnete die Tür und blickte George dann zart lächelnd an.

„Mach dir keine Sorgen …", sagte Sam noch einmal leise.

Dann stieg sie aus, schloss die Haustür auf und war dann verschwunden.

George blickte noch ein paar Sekunden auf die geschlossene Haustür ehe er nach Hause fuhr.

Ende Kapitel 24