So, wer die Reise von Harry gelesen hat, dem gratulier ich für die Geduld. 3000 Wörter können sehr sehr lang sein g Und wer es nicht gelesen hat, ist auch nicht so schlimm, denn es geht nahtlos weiter in dieser Geschichte! Vielen Dank an serpentiara für ihr Review, leider war es das einzige.
Kapitel 23
Hermine tat nichts um Severus zu beunruhigen, oder alles? Sie war immer noch freundlich kühl. Mit keinem Wort wurde dieses sehr intime und aufreibende Wochenende erwähnt. Von keiner Seite. Fast, als hätte es dieses Wochenende nie gegeben. Doch er wusste es besser. Träumte er doch fast jede Nacht von ihr. Von sehr intimen Momenten, manchmal auch von Racheplänen. Was hatte er ihr denn entgegen zu setzen? Nie wieder wollte er ihr weh tun. Er war ihr ausgeliefert, wartete nur auf etwas. Doch was? Er wusste nicht, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. So tat er das einzige, was er konnte. Er ging auf Abstand.
Sehr zu seinem Leidwesen ging es Potter noch am selben Abend wieder gut. Poppy konnte ihn schnell wieder zusammenflicken. Eine kleine Narbe blieb noch, als Andenken. Er hatte den Lehrern von seinen Abenteuern erzählt, doch erntete er keinerlei Mitleid. Vielleicht dachte er das nächste mal nach, bevor er Hermine wieder ins Unglück stürzen wollte. Und ihn gleich mit.
Hermine arbeitete ihren Plan aus. Perfektionistisch, wie sie nun einmal war, hatte sie alles bis ins kleinste Detail bedacht. Nur eins war nicht einzukalkulieren. Ihre Ergebnisse beim Psychiater. Sie hatte sich entschieden einen Therapeuten in Schottland zu suchen. Das Apparieren nach Amerika war anstrengend und nicht mehr sehr sinnvoll.
Durch das Medizinstudium ihres Vaters kannte dieser einen Psychiater in Livingston. Sie teilten sich damals mit ein paar anderen Studenten eine WG und ihr Vater war immer noch in Kontakt mit Adam Stewart. So bekam Hermine recht schnell einen Termin bei ihm. Minerva war damit einverstanden, ihre Arbeiten zu kontrollieren, damit die junge Hexe zweimal in er Woche nach Livingston apparieren konnte. Schon bei ihrer ersten Reise zum Eastwood Park war sie begeistert. Eine sehr noble Gegend.
Ihr Vater hatte ihr erzählt, dass Adam Stewart bereits vor vielen Jahren die Praxis seines Vaters übernommen hatte. Eine freundliche Empfangsdame nahm ihre Daten auf und als sie im Wartezimmer darauf wartete, aufgerufen zu werden, sah sie auf den nahegelegenen Park hinaus. Sie war sehr nervös. Was würde auf sie zukommen?
„Miss Granger, darf ich bitten?", wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Eine sehr tiefe und beruhigende Stimme, wie sie sofort bemerkte.
Adam Stewart war ein sehr freundlich wirkender Mann. Seine warmen braunen Augen strahlten eine Ruhe aus, die sie nicht besaß. Er war so groß wie ihr Vater und sein dunkelblondes Haar wies ein paar einzelne graue Strähnen auf, die ihn aber noch freundlicher erscheinen ließen. Er war schlank und hatte recht breite Schultern. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er, genau wie ihr Vater, zum Ausgleich ins Fitnessstudio ging. Ihm fehlte die charakteristische Brille eines Psychiaters, doch ansonsten schien er ein sehr netter Mann zu sein. Ihm konnte man sich bestimmt gut anvertrauen.
„Wollen Sie nun hineinkommen, oder durchleuchten sie mich erst einmal weiter?", fragte er fast schelmisch.
Hermine senkte schamhaft den Kopf. Sie hätte ihn gern durchleuchtet, eine Eigenschaft, die sie bei Männern immer noch nicht ganz abgelegt hatte, doch wenn er es jemals erfahren hätte, wäre er sicher enttäuscht.
„Es tut mir leid. Eine alte Angewohnheit.", entschuldigte sie sich ehrlich.
Adam Stewart lachte.
„Kein Problem, Miss Granger. Ich kenne diese Eigenschaft von ihrem Vater. John hatte schon immer so einen Blick, dass man meinte, er würde einen durchleuchten. Vielleicht hätte er Röntgenarzt werden sollen."
„Ja, dass kann er heute noch gut. Er weiß auch immer, was mit mir los ist.", Dr. Stewart war ihr sofort sympathisch, doch war würde er denn sagen, wenn er erfahren würde, dass sich nicht nur die Tochter eines alten Freundes war?
Adam zeigte ihr den Weg zu seinem Behandlungszimmer und auch hier musste sich Hermine erst einmal umsehen. Ein riesiges Fenster, welches ebenfalls zum Park hinausführte, erhellte den Raum. Dunkle Eichemöbel, ein wenig altmodisch, wirkten warm auf dem Sandfarbenen Teppich. Auch die typische Couch für die Patienten und der Sessel des Therapeuten fehlte nicht. Ein riesiges Bücherregal, in welchen Hermine zu gern gestöbert hätte, lud zum Lesen ein. Vor dem Fenster stand ein Schreibtisch, ebenfalls in Eiche. Ein PC, sogar mit TFT Bildschirm und zwei einladende Stühle rundeten das Bild ab. Der Raum wirkte sehr gemütlich, aber nicht komplett altmodisch.
Adam Stewart stand neben der jungen Dame, beobachtete ihre Neugier, sah, wie ihr Blick an seinen Büchern hängen blieb. Ja, sie war ihrem Vater sehr ähnlich. Von diesem hatte er erfahren, dass sie Lehrerin in einem Internat, irgendwo in Schottland, war. Doch warum suchte sie ihn auf? Nun, er würde es erfahren.
„Setzen sie sich doch", er deutete auf die Stühle vor dem Schreibtisch. Hermine nickte und kam dem nach. Noch immer war sie sich nicht sicher, was sie ihm alles erzählen konnte. Was hatte ihr Vater denn bereits über sie erzählt?
„Was kann ich denn für sie tun?", mmhh eine Frage, als würde sie Fleisch einkaufen wollen, grinste sie innerlich.
„Ich weiß es noch nicht," erwiderte sie. „Was hat mein Vater denn über mich erzählt?"
Adam grinste. Unsicherheit klang aus ihren Worten.
„Nun, sie sind noch recht jung," mit Frauen sprach man nicht über das Alter, „sind Lehrerin in einem Internat und kommen wegen einem Erlebnis, dass sie seit einigen Jahren verdräng haben. Er sagte auch, dass sie eine ganz außergewöhnliche Frau sind, doch welcher Vater sagt das nicht!"
Hermine nickte grinsend.
„Nun, ich will nicht arrogant erscheinen, doch ich bin wirklich, na ja, außergewöhnlich!"
„Ja, das sind sie sicher." Er glaubte ihr nicht, dass sah man ihm an. Warum kann ein Mensch, der in den Köpfen anderer Menschen wühlte seine eigenen Gefühle nicht verbergen?
„Nein, Dr. Stewart. Ich bin wirklich anders."
Oh, sie sträubte sich, es ihm zu erzählen. Was würde es nützen, wenn ihr Psychiater ohnmächtig wurde, weil sei zaubern konnte? Dann wäre ihr auch nicht geholfen. Doch er hatte bereits im Vorgespräch verlauten lassen, dass er bei ihr eine Hypnose-Therapie ausprobieren wollte. Was, wenn sie dann unbewusst zauberte?
„Wie meinen sie das, sie wären anders?" Adam war nun wirklich neugierig.
Hermine straffte ihre Schultern.
„Ich bin eine Hexe."
„Oh... Das hört man heutzutage nicht mehr allzu oft." Er glaubte ihr wieder nicht. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Soll ich es Ihnen beweisen?"
„Ja, da bin ich nun wirklich gespannt."
Hermine verwandelte sich. Mit den klugen Augen eines Wolfes, sah sie, wie er aufsprang, sich hinter den Stuhl verbarrikadierte. Das war genug der Vorführung, und schon saß eine frech vor sich hingrinsende Hexe am Schreibtisch und versuchte nicht laut loszulachen.
„Dr. Stewart. Sie sehen ein wenig blass um die Nase aus.", grinste sie.
„Das würden sie auch, wenn sie einen Wolf gesehen hätten.", brummte er verdrießlich. Noch immer stand er hinter seinem Stuhl, sah sie skeptisch an.
„Wahrscheinlich," lachte sie.
Langsam kam er wieder zu sich.
„Können sie das noch einmal tun?"
Sie nickte, verwandelte sich erneut. Langsam kam der Arzt auf sie zu. Obwohl es unter der Würde eines Wolfes war, wedelte sie freundlich mit dem Schwanz, ging langsam auf ihn zu, ließ sich sogar den Kopf kraulen. Sie musste dem Arzt vertrauen, doch er ihr auch. Sie schritt auf die Couch zu, sprang hoch und legte sich hin. Adam, immer noch nicht ganz sicher, ob er nicht träumte, hatte ein wenig Angst um seine teure Ledercouch. Keine Versicherung würde ihm glauben, dass ein Wolf die Couch zerkratzt hätte. Doch seine Sorgen waren unbegründet, denn Hermine verwandelte sich fast augenblicklich zurück. Sie setzte sich ordentlich hin, sah ihn immer noch mit schelmischen Blick an.
„Wow, wirklich toll! Schade, dass ich das niemanden erzählen darf. Aber wahrscheinlich würde mir das eh niemand glauben.", seufzte er.
„Das denke ich auch. Aber nun wissen Sie, was mein Vater mit „außergewöhnlich" meinte."
Er nickte.
„Warum haben sie mir das gezeigt?"
Hermine schwieg einen Augenblick, dann sagte sie:
„Weil ich denke, dass wir in meiner Vergangenheit auf ein paar Ungereimtheiten stoßen werden, gerade unter Hypnose. Gerade einem „Nichtmagier" ist es sehr schwer, zu erklären, warum Menschen willenlos gemacht werden können."
Adam war nun wirklich erstaunt.
„Wie meinen Sie das? Willenlos?"
„Nun, es gibt einen Zauber, der ähnlich wirkt, wie eine Hypnose. Damit tun Menschen alles, was man ihnen befiehlt."
„Können sie mir das zeigen?"
Sie überlegte kurz und entschied, dass es ganz nützlich sein könnte, wenn er es verstand. Doch es war ein unverzeihlicher Fluch. Vor allem bei Muggeln. Diese hatten einem Zauber nichts entgegenzusetzen.
„Nein, Dr. Stewart. Dieser Zauber ist verboten. Und das ist auch gut so. Aber ich kann Ihnen beim nächsten Mal etwas mitbringen, dass zeigt Ihnen, wie der Fluch wirkt. Eine Erinnerung."
„Eine Erinnerung?" Eigentlich sollte Adam nichts mehr an dieser jungen Frau, Hexe, wie sie selbst gesagt hatte, wundern. Und doch erstaunte sie ihn immer wieder.
„Es gibt ein Gefäß, dass nennt sich Denkarium. Darin können Erinnerungen abgelegt werden und immer wieder gesehen werden."
Dunkel erinnerte es ihn an einen Videorecorder. Aber ein Gefäß?
„Dann machen sie das mal bitte."
„Gut, dass werde ich. Dann können Sie sich ein ungefähres Bild von meiner Welt machen."
Und wieder konnte sie ihn schocken. Es musste einfach ein Traum sein. So irreal, wie dieses Gespräch war!
„Von Ihrer Welt..."
„Ja. Meine Welt fing mit 11 Jahren an. Davor lebte ich wie ein ganz normales Kind auch. Doch an meinem 11. Geburtstag bekam ich einen Brief der Zaubererschule, die sich Hogwarts nennt. Da ich, wie man sagt, eine Muggelgeborene bin, kannte ich so etwas nicht. Muggel nennen wir Zauberer nicht magische Menschen. Die, die keinerlei Zauberfähigkeiten haben. Von da an änderte sich mein Leben total. Hogwarts ist ein Internat, wo Zauberer und Hexen lernen, mit ihren Zauberkräften umzugehen, sie zu erweitern und bestmöglich zu nutzen."
„Ich lernte auf meiner ersten Fahrt dorthin zwei junge Zauberer kennen, die, genau wie ich, zum ersten Mal nach Hogwarts kamen. Im Laufe der Zeit wurden Ron und Harry meine besten Freunde. Durch den Missbrauch, der mir vor fast 9 Jahren zugefügt wurde, verlor ich Ron als Freund. Er hat nicht verstanden, dass ich mich zurückzog."
„Harry und ich, haben geholfen, einen der bösesten Zauberer, der Zeit, den Dunklen Lord, zu vernichten. Danach habe ich versucht, das Beste aus meinem Leben zu machen."
Sie sammelte sich kurz. Noch immer viel es Hermine schwer, darüber zu sprechen.
„Sie müssen wissen, dass ich mich an den Missbrauch nicht erinnern konnte, denn ich stand unter dem verbotenen Fluch. Ich wusste nur dass, was mir die Heiler im Krankenhaus berichtet hatten. Und das war nicht viel."
Der um einiges blasser gewordene Adam Stewart notierte sich alles, so gut es ging und deutete ihr, doch weiter zu sprechen. Hermine holte tief Luft.
„Ich habe studiert und bereits kurz nach meinem Studium in Hogwarts als Lehrerin begonnen. Harry kam wenig später auch, um als Lehrer zu arbeiten. Vor 10 Monaten wurde ich mit meiner Vergangenheit, vor allem dem Missbrauch, konfrontiert, als ein ehemaliger Lehrer von uns wieder in Hogwarts auftauchte. Dann haben sich die Ereignisse überschlagen, und irgendwann verliebte ich mich in den Lehrer."
Dr. Stewart schluckte.
„Wie meinen sie dass? Mit der Vergangenheit konfrontiert?"
Nun würde das Unvermeidliche kommen, dachte sie. Sie schluckte und sprach weiter.
„Harry hatte herausgefunden, wer mir das angetan hatte. Ein Todesser. Das sind Zauberer, die mit aller Macht für die Reinblütigkeit unter den Magiern kämpfen. Es waren die Gefolgsleute des Dunklen Lords. Nun, ich bin muggelgeboren. Ich habe kein „reines Blut" Außerdem bin ich mit einem mächtigen, guten Zauberer befreundet. Ich sollte aus dem Weg geschafft werden. Deshalb wurde ich missbrauch, vergewaltig," sie schluckte, „ich sollte gebrochen werden, damit Harry auch brach und damit unvorsichtig wurde. Doch ich blieb stark, habe Harry gezwungen, auch stark zu werden und zu bleiben..." Sie brach ab. Konnte nicht mehr.
Doch Adam war noch nicht fertig.
„Das beantwortet aber noch nicht meine Frage," sagte er freundlich, aber bestimmt.
Hermine schluckte abermals, wischte sie die Tränen aus den Augen, von denen sie gar nicht mitbekommen hatte, dass sie sie weinte.
„Der Todesser, der mir das angetan hatte, saß viele Jahre in Askaban. Das ist ein Gefängnis für Zauberer und Hexen, dort werden sie seelisch und körperlich geschwächt um keinen Schaden mehr anzurichten. Er war kein echter Todesser, sonder ein Spion. Doch er bekam 7 Jahre für seine Taten, die er ausführen musste. Danach wurde er wieder Lehrer in Hogwarts."
Mehr musste nicht gesagt werden, denn der Therapeut verstand das Dilemma.
-TBC-
Anmerkung:
Ok, ein paar Worte zum Schluss. Ich habe einige Sachen verharmlost, zum Beispiel die Erklärung von Askaban. Es ist vielleicht nicht richtig, aber ich denke, es reicht, wenn ein Muggel das erfährt. Immerhin wollte ich ihn durch dieses Gespräch nicht ins Grab bringen, denn ich denke, dass Adam (Ich mag ihn übrigens jetzt schon) noch so einiges erfahren wird.
Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen. Es fiel mir sehr schwer es zu schreiben. Denn wie erklärt man einem Muggel alles über Zauberer? Was erzählt man ihm? So wenig wie möglich und doch musste einiges gesagt werden. Denn spätestens bei der Hypnose bekommt er einiges raus.
Irgendwie scheint es derzeit auch einen Psychiater-Trend zu geben. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Auch wollte ich nicht unbedingt auf dieser Welle mitschwimmen, doch Hermine mit ihrer Angst alleine lassen? Nein, dass konnte ich auch nicht. Ich hoffe, ihr verzeiht und denkt nicht, dass es nur ein Trend ist, dem ich nacheifere. Schließlich war Hermine ja schon einmal bei einem Therapeuten und führt es nun zu Ende.
So. Ich würde mich über ein paar Reviews freuen. Vielleicht auch von ein paar nicht ganz so treuen Lesern.
Ganz liebe Grüße
Samanthas Mum
