Titel: Rollenspiel
Autor: Laren
Disclaimer: Ich besitze absolut keine Rechte an Gundam Wing. Und ich gedenke auch keinen müden Pfennig mit diesem Geschreibsel zu verdienen.
Betadank: wie immer an Zanna knuddel.
Oh man, war das Kapitel schwer zu schreiben. seufz Deshalb hat es auch so lang gedauert….
Ich hoffe die Mühe hat sich gelohnt…
Das Blut rauschte in Duos Ohren, als er sah, dass Gordon Heero noch weiter an die Wand drängte. Heeros Gesichtsausdruck verhieß nichts gutes, und alles in Duo schrie danach seinem Freund zur Hilfe zu kommen. Gordon von Heero wegzuziehen und ihm einige auf die Nase geben, würde Duo nur zu gut zu pass kommen. Seine Finger juckten und wollten sich voller Vorfreude schon zu einer Faust zusammen ballen.
Aber es gab zwei Dinge die ihn von diesem Plan abhielten. Plötzlich – und eigentlich sogar unerwünscht – kam ihm so einiges aus den Gesprächen mit Nadine in den Sinn. Und er wusste in dem Moment mit absoluter Sicherheit, dass es verkehrt war wie ein Neandertaler auf Gordon zuzustürmen und ihn mit Gewalt von Heero zu entfernen. Zwar würde er sich dann für einige erfüllte Sekunden wie der Held in strahlender Rüstung vorkommen, aber das würde Heero nicht im Geringsten helfen.
Wie sollte Heero jemals sein Selbstwertgefühl gegenüber Gordon wieder aufbauen, wenn er nicht die Chance bekam selbst mit dem Zwerg fertig zu werden? Auch wenn es Duo gar nicht passte, es war für seinen Freund besser, wenn er sich jetzt etwas zurück hielt.
Der zweite Grund hatte sehr viel mit dem ersten zu tun. Denn kaum hatte Duo erkannt dass es besser war sich noch zurück zu halten, da konnte er auch sehen wie Heero seine Schultern straffte und einen Schritt von der Wand wegmachte, direkt auf Gordon zu.
Das war die Bestätigung, dass Heero vielleicht keine Hilfe brauchte. Und es war für Duo das eindeutige Zeichen, dass er den ehemaligen Wing Piloten diesen Kampf wirklich allein ausfechten lassen sollte.
Und so biss Duo die Zähne aufeinander und versuchte das Rauschen in seinen Ohren loszuwerden.
Trotzdem wollte er Heero auf keinen Fall allein lassen. Zum Glück stand direkt an der Wandgabelung eine große Grünpflanze an der Duo vorbei schauen musste um die beiden Kontrahenten zu sehen. Er würde an diesem Punkt stehen bleiben und von dort aus alles beobachten. Sollte der Zwerg Heero doch wieder in die absolute Bedrängnis bringen, dann konnte er sich immer noch auf seinen weißen Schimmel schwingen und Heero zur Hilfe eilen.
Für einen kurzen Augenblick überlegte Duo, wieso sein Freund nicht einfach den Fußboden mit Gordon aufwischte. Immerhin war er ein Gundam Pilot gewesen. In einem Kampf Mann gegen Mann würde ihm der Zwerg – auch wenn er Heero um einen Kopf überragte – nichts entgegensetzen können.
Aber dann schalt Duo sich einen Narren. Gordon hatte es in den letzten Jahren geschafft eine unheimliche Macht über Heero zu erlangen. Das hatte nichts mit körperlicher Kraft zu tun, sondern damit wie er den anderen Stück für Stück seines Selbstvertrauens beraubt hatte. Da war es kein Wunder, wenn Heero nicht einmal in der Lage war sich gegen den Zwerg zu wehren.
Duo schüttelte den Kopf, er wollte sich jetzt nicht weiter mit diesen Gedanken beschäftigen. Er wollte stattdessen genau verfolgen was dort in der Nähe der Toilette geschah. Und da er immerhin etliche Meter vom Ort des Geschehens entfernt war, musste er sein Gehör schon gut anstrengen um dann doch mitzubekommen was die beiden sagten. Da konnte er das Rauschen in seinen Ohren nicht wirklich gebrauchen.
„Kommst dir nach der großen Selbstbeweihräucherungsshow wohl ziemlich groß vor, was?" zischte Gordon ärgerlich.
„Lass mich in Ruhe," erklärte Heero und versuchte sich an Gordon vorbei zu drängen.
Doch dieser wich ihm nicht aus und versperrte weiter den Weg. „Ach," erklärte er mit triefendem Sarkasmus. „Bist du dir jetzt zu fein mit mir zu reden? Jetzt nachdem dir tausende ‚Fans' Standing Ovations gegeben haben? Wieviel hat sich Gwen das kosten lassen? Und war dein sexy Begleiter schon im Preis mit inbegriffen?"
Für einen Moment wirkte es so, als wenn Heero der Unterkiefer herunter geklappt wäre vor Erstaunen. Duo konnte es ihm gar nicht verdenken bei dem Unsinn, den Gordon gerade von sich gab.
„Was zum Geier, redest du da?" fragte deshalb auch Heero.
„Ach komm schon. Mir wurde berichtet, dass du schon den ganzen Tag von einem verdammt gut aussehenden Elfen begleitet wirst. Wie solltest du schon jemandem abgekommen, ohne dafür zu bezahlen?"
Das Blut rauschte wieder in Duos Ohren. Aber er konnte trotzdem alles hören. Und so entging ihm zum Glück nicht Heeros sarkastische Erwiderung. „Na, du musst es ja wissen, Gordon." Bei diesem Satz war Heeros Stimme so eisig, dass es Duo kalt den Rücken runter lief. Jeder normale Mensch würde jetzt Reißaus nehmen um sich nicht Heeros Zorn in den Weg zu stellen.
Aber Gordon schien diese Überlebensinstinkte nicht zu besitzen. Er grinste Heero nur anzüglich an und sagte: „Also, was kostet dich das Schneckchen am Tag? Und ist er nur schmückendes Beiwerk oder kannst du seine Dienste auch Nachts in Anspruch nehmen.? Wir wissen ja beide, dass du es so langsam mal wieder richtig nötig haben wirst."
Heeros Stirn war gerunzelt, er wirkte fast, als wenn ihm Rauch aus den Ohren stieg, so wütend war er. Duo bejubelte das. Es hatte lang genug gedauert, dass Heero wütend auf den Zwerg wurde. Da ließ er sich doch fast gerne von dem Arsch beschimpfen. „Dieses schmückende Beiwerk, wie du meinen Begleiter so schön nennst, ist Duo."
Für einen Moment wirkte es so, als wenn diese Neuigkeit Gordon aus dem Konzept bringen könnte. Er sah kurz verwirrt drein und sogar ein wenig ängstlich – auch wenn sich Duo das vielleicht sogar nur einbildete. Doch dann, viel schneller als erhofft, hatte sich Gordon wieder gefangen und spuckte weiter Gift und Galle.
„Ahhh, Duo. Ist dein Ex wieder aus der Versenkung hervor gekrochen und du kannst dich jetzt hinter seinem Mantelsaum verstecken? Darauf hast du doch schon so lange gehofft, nicht?"
Heero starrte den anderen nur an und machte einen halben Schritt zurück, ließ sich wieder von Gordon bedrängen. „Lass mich endlich in Ruhe," erklärte er auch nur ohne großen Nachdruck.
„Ich hab ins Schwarze getroffen, oder?" zischte Gordon. Dann beugte er sich vor. „Aber freu dich nicht zu früh Heero. Auch wenn Duo dich jetzt wieder ranlässt. Du weißt genau, dass du ihm nichts bedeutest."
„Das ist nicht wahr," brach es aus Heero hervor, während er sich versuchte wegzudrehen.
„Natürlich ist es wahr. Du wirst dich doch schließlich noch an damals erinnern. Als er dich wie Dreck behandelt und wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat."
Duo schnaubte wieder. Er musste sich unheimlich anstrengen nicht sofort auf dieses Arschloch loszugehen. Aber noch wollte er Heero die Chance lassen, sich gegen Gordon zu wehren. Und ja, er wollte auch wissen ob Heero ihn verteidigte. Er wusste, dass dies ziemlich selbstsüchtig war, aber seine Neugierde war stärker.
„Das ist nicht wahr," erklärte Heero.
„Und ob es das ist. Ich war schließlich dabei. Er hat dich wie Dreck behandelt und du hast ihn betrogen. Glaubst du er wird jemals etwas anderes in dir sehen, als einen von seinen unendlich vielen Aufrissen? Wenn ihm irgendwas an dir liegen würde, dann würde er sich für dich interessieren Heero und nicht nur mit dir schlafen."
Plötzlich lachte Heero auf. Dieses Geräusch schien nicht nur Duo zu erschrecken sondern auch Gordon. Dieser machte einen Schritt zurück und gab Heero damit genug Raum sich richtig aufzurichten.
„Gordon, was bist du doch für ein Arschloch," erklärte er immer noch mit einem Lachen im Tonfall.
„Was?" keifte Gordon zurück.
„Du versuchst mir Duo madig zu machen. Und womit? Mit Dingen die eher auf dich, als auf ihn zutreffen. Du bist es doch, der sich jahrelang von mir hat aushalten lassen. Und du hast dich nur für mich, bzw. für meine Arbeit, interessiert um noch mehr Kohle raus zuschlagen. Ich war dir doch schon immer egal. Aber Duo ist mein Freund. Anders als du hegt er keine Hintergedanken."
„Dein Freund, ja? Wie oft hat sich dein feiner Freund denn in den letzten Jahren bei dir blicken lassen? Zweimal im Jahr, und er hatte immer seine neueste Errungenschaft dabei im Arm. Mach dir doch keine falschen Hoffnungen."
Heero schüttelte den Kopf und ging einen weiteren Schritt auf Gordon zu. „Das mach ich auch nicht. Ich weiß dass ich alles mit meinem Fehler von damals kaputt gemacht hab. Aber zumindest kann ich Duos Freund sein. Und du sagst mir nicht, was ich hoffen darf und was nicht."
„Ohhhh du kannst sein Freund sein," ätzte Gordon. „Womit wir wieder beim Thema wären, Heero. Er interessiert sich nicht für das was du tust. Worüber willst du denn mit ihm reden? Alte Kriegsgeschichten? Darauf lässt sich keine Freundschaft aufbauen."
„Du bist so verbohrt, dass du gar nichts mehr mitbekommst Gordon. Duo und ich haben viele gemeinsame Interessen, nicht nur die Gundam Kriege."
„Nenn mir nur einen," forderte Gordon.
Heero lächelte. „Er schreibt als Max Samuel Fantasy Romane. Du weißt, die Serie die mir so gefallen hat. Ich werde daraus mein neues Spiel machen." Aber Heero war noch lange nicht fertig. Er ging einen weiteren Schritt auf Gordon zu, und diesmal musste der Zwerg zurückweichen. „Duo liebt Deathscythe. Und er ist dabei den Rekord zu brechen. Außerdem fängt er an sich an Rollenspielen zu versuchen. Er hat mir gesagt, dass er weiß dass er sich damals nicht immer wie ein Freund verhalten hat. Und ich hab ihm verziehen. Ich vertraue ihm wieder und er hat mir geholfen als du diese ganze Schlammschlacht angezettelt hast. Er ist mein Freund und daran wird niemand, nicht einmal du etwas ändern können."
„So, er ist dein Freund," brachte Gordon hektisch hervor. Er wirkte wie ein Mann, dem sämtlicher Wind aus den Segeln genommen wurde. Aber er konnte trotzdem nicht klein bei geben. „Wie naiv bist du eigentlich Heero? Das ganze ist doch nur ein großes Schauspiel. Inszeniert von deinem ‚Freund' der dich wieder in sein Bett zerren will. Ich kann zwar nicht verstehen wieso, mit einem Stück Holz kann man schließlich mehr Spaß haben als mit dir, aber was anderes steckt da doch auf keinen Fall dahinter."
Duo schäumte vor Wut. Und er hatte es in seinem Versteck nicht mehr ausgehalten. Er war zwar unheimlich stolz darauf, dass und wie Heero ihn verteidigt hatte. Aber da Gordon einfach keine Vernunft annehmen wollte und endlich verschwand, hielt er es für an der Zeit Heero zur Hilfe zu kommen. Die beiden Männer waren so in ihr Streitgespräch vertieft, dass sie nicht bemerkt hatten, wie sich eine kleine Gruppe Schaulustiger um sie gescharrt hatte und erst Recht nicht, dass sich Duo direkt neben sie stellte.
Doch als er seinen Arm um Heeros Hüfte schlang, wurde er von beiden bemerkt. Gordon warf ihm blitzende Blicke zu, die aber an Duo einfach abprallten. Heeros Blick war verwundert und ein wenig beschämt. Aber auch erleichtert. Der ehemalige Wing Pilot hatte sich zwar in diesem ‚Kampf' behauptet aber es hatte ihn nicht wenig Kraft gekostet. Das spürte Duo schon allein daran, dass der Mann in seinem Arm leicht zitterte.
„In einem gebe ich dir Recht, Gordon," erklärte er ohne große Umschweife. „Ich habe Hintergedanken. Ich will Heero wieder, aber nicht so wie du denkst. Ich will ihn als meinen Lebenspartner. Denn ich liebe ihn und habe ihn schon immer geliebt." Er hatte zwar eigentlich nicht vorgehabt, diese Tatsachen einfach so in die Öffentlichkeit hinaus zu posaunen, zumindest nicht bevor er mit Heero darüber in Ruhe geredet hatte und alles geklärt war. Aber er konnte seinen Mund einfach nicht halten. Er wollte Gordon beweisen wie unendlich falsch er doch lag.
„Liebst mich…?" stammelte Heero.
Doch Gordon übertönte das. „Das sind ja ganz neue Neuigkeiten," sagte er hämisch.
„Nein, sind sie nicht," erwiderte Duo. „Und wenn ich nicht so dumm gewesen wäre, und euch euer Schauspiel für die Presse vom Glücklichen Paar nicht abgenommen hätte, dann hätte ich schon vor Jahren um Heero gekämpft. Ihn aus deinen elendigen Klauen befreit. Du bist Abschaum Gordon. Und mir tut jede Sekunde leid die Heero unter dir leiden musste."
„Ha," erklärte Gordon. „Das sagt der Richtige, du hast ihn schließlich abserviert."
„Ja, und das war der größte Fehler meines Lebens. Ein Fehler für den Heero bezahlen musste. Aber ich werde versuchen das wieder gut zu machen." Kam es ihm nur so vor, oder entspannte sich Heero in seinem Arm? Auf jeden Fall fühlte es sich gut an.
„Was zahlt er dir dafür, dass du das sagst?"
Bevor Duo noch etwas sagen konnte, mischte sich wieder Heero ein. „Du verstehst es wirklich nicht, oder? Nicht jeder und nicht alles ist käuflich. Freundschaft ist nicht käuflich. Genauso wenig wie Liebe. Wenn du das nicht begreifen kannst, dann tust du mir wirklich Leid. Gordon. Dann bist du ein verdammt armes Würstchen."
Duo konnte nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. Gerade mit dem ‚armen Würstchen' hatte Heero ins Schwarze getroffen. Und nicht nur das, damit hatte er den anderen auch zu dem Zwerg zurück geschrumpft der er im richtigen Leben war.
Gordon schnaubte vor Wut. Aber ihm schienen keine neuen Argumente, oder keine neuen Beschimpfungen einzufallen. Deshalb drehte er sich weg und ging. „Das wird noch Konsequenzen haben," erklärte er ärgerlich.
Duo hätte vor Freude jubeln können. Aber etwas anderes war wichtiger. Er drehte sich zu Heero um und sah dem ehemaligen Wing Piloten tief in die Augen. Der andere war immer noch etwas verwirrt und geschockt von den Ereignissen aber seine Augen schimmerten Hoffnungsvoll. „Du liebt mich?" fragte er mit leicht zitternder Stimme.
Duo hob die freie Hand und streichelte kurz über Heeros Gesicht. Denn beugte er sich vor und hauchte einen kurzen Kuss auf dessen Mund. „Ja, ich liebe dich. Ich hoffe du kannst mir verzeihen, dass ich es dir nicht früher gesagt hab. Aber.."
Doch in diesem Moment ertönte wieder die Stimme von Gordon in einer sehr unangenehmen Lautstärke. „Das werdet ihr beide noch bereuen," kreischte er über den ganzen Flur. „Ich werde euch fertig machen, ich werde euch durch den Dreck ziehen. Was glaubt ihr, wird die Presse daraus machen, wenn sie erfährt dass Heero sich seinen neuen Bettpartner mit diesem Spiele-Geschäft kaufen muss? Wenn ich mit euch beiden fertig bin, dann könnt ihr euch nirgendwo mehr auf der Straße blicken lassen! Und niemand wird Heero bei der nächsten Convention zu jubeln!"
Duo hatte von dem Zwerg endgültig genug. Ohne groß darüber nachzudenken hatte er in einer schnellen Bewegung seinen Bogen gezückt und einen Pfeil in die Sehne gespannt. Und dann, wie in Zeitlupe ließ er die Sehne los und der Pfeil flog in Gordons Richtung. Traf den Zwerg, der sich inzwischen endlich wieder umgedreht hatte, mitten in den Hintern. Zwar hatte Duo noch nie mit Pfeil und Bogen geschossen, aber er war immerhin ein Gundam Pilot gewesen und wusste wie man zielte. „Uuups," erklärte er süffisant als Gordon schreiend zusammen brach. „Der Pfeil muss sich von allein gelöst haben."
