Hey liebe Leute, heute nun ein neues Cap. Allerdings auch gleich mit dem Hinweis, dass es beim vierzehntägigem Posten bleibt. Ich komme derzeit sehr selten zum Schreiben und muss mir meinen Vorlauf aufsparen.

Viel Spaß beim Lesen und schreibt mir eure Meinung.

Kapitel 25

„Was?"

Billy Black schreckte hoch, blickte sich kurz um und schaute dann zur Tür seines kleinen Häuschens im Reservat. Bis eben hatte er noch auf den kaputten Telefonhörer gestarrt und damit auf die vier oder fünf abgeplatzten Plastikfragmente der Hörmuschel. Jacob, sein Sohn, hatte den Hörer vor genau viereinhalb Stunden wütend auf das Telefon geknallt und war zitternd aus dem Haus gerannt.

Seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr von ihm und Billys Herz und sein Verstand malten sich schon die schlimmsten Szenarien aus. Alles was der alte Indianer wusste war, dass Jacob bei den Cullens angerufen hatte, um mit Bella zu sprechen. Doch erreicht hatte er nur deren frisch angetrauten Mann, das kalte Wesen Edward Cullen. Und dieser hatte gesagt, dass Bella nicht zu sprechen war und auf gar keinen Fall zu besuchen.

Billy war sofort bewusst geworden was dies zu bedeuten hatte. Die Cullens hatten den Vertrag gebrochen. Sie hatten Bella verwandelt, sie gebissen und damit den Vertrag mit den Ahnen des Stammes, den sie immer als so heilig gesehen hatten, gebrochen. Nun herrschte Krieg mit den Vampiren. Etwas das Billy nie wollte, zumal er Carlisle trotz seines inneren Wesens zu schätzen gelernt hatte. Der Mann hatte schließlich seinem Sohn geholfen und ihn geheilt nach ihrem Sieg über Victoria und ihre Neugeborenenarmee.

Was den alten Quileute noch mehr schmerzte war die Tatsache, dass Jacob ohne darüber nachzudenken zum Haus der Cullens gestürmt war, einem Haus voller Vampire. Und das war jetzt schon Stunden her. Stunden in denen die Angst um seinen Sohn stetig stieg. Stunden in denen Billy mit jeder Minute die verstrich, versucht war den Hörer vom Telefon abzuheben und bei Carlisle Cullen anzurufen, egal wie dieser reagieren würde.

Einen Moment später drang wieder ein Geräusch an sein Ohr. Diesmal war es das Knarren der alten Gartentür hinter dem Haus. Rasch löste Billy die Bremse seines Rollstuhls und bewegte sich in Richtung Balkon. „Jacob", rief er. Aber es war nicht Jacob sondern Sam, der das Haus betrat und sein Gesicht zeigte nicht wirklich Freude.

„Was ist Sam? Habt ihr ihn gefunden?"

Sam Uley schüttelte nur den Kopf. „Nein Billy, haben wir nicht. Allerdings haben wir auch nicht das Land der Cullens betreten. Du weißt nicht, ob sie den Vertrag gebrochen haben. Es tut mir leid."

Billy sackte in seinem Rollstuhl zusammen. Natürlich hatte Sam Recht was den Vertrag anging. Sie wussten nicht, ob Carlisle gegen ihn verstoßen hatte. Und ein weiteres Mal war der alte Indianer versucht einfach bei den Cullens anzurufen und nach Jacob zu fragen.

„Aber es muss doch was geben, Sam. Irgendwas, das wir tun können."

„Warten Billy. Warten bleibt als einziges. Du weißt, dass ich Jacob nicht mehr unter Kontrolle habe. Er ist nicht mehr Mitglied meines Rudels, sondern hat sein eigenes. Ich kann ihn weder spüren noch hören, wenn er es nicht will."

„Aber Leah und Seth könnten es, oder?" In Billy keimte eine Hoffnung auf und er wartete darauf, wie Sam wohl reagieren würde.

„Ja Billy, sie könnten es. Sie gehören zu seinem Rudel", erwiderte der Alphawolf des Stammes. Obwohl man heraus hörte, dass gerade dies nicht unbedingt seine Zustimmung hatte. Leah und Seth entfernten sich immer weiter aus seiner Kontrolle. Die beiden schafften es sogar schon, sich zeitweise seiner Anweisungen zu entziehen und ihre Gedanken zu blocken. Der Kampf gegen die Neugeborenen hatte den beiden Geschwistern eine Menge Selbstvertrauen gegeben.

„Aber wir tun es nicht", meldete sich eine Stimme vom Fenster her. Es war Leah Clearwater, die gerade noch ihr kariertes Hemd fertig zuknöpfte und dann das Haus betrat. Seth folgte ihr kurz darauf und begrüßte die beide Älteren mit eine coolen „Peace".

„Warum nicht, Leah?", fragte Billy und ging nicht weiter auf das Victoryzeichen des jüngsten Werwolfes ein. Obwohl ein wenig mehr Respekt war vielleicht nicht unangebracht. Doch der Junge steckte mitten in der Pubertät und hing wohl zu oft mit Jacob rum.

„Keine Ahnung, Mister Black. Jacob ist manchmal sehr eigen und will nicht, dass man seine Gedanken hört. Er schotten seine Gedanken ab. Alphaprivileg wie ich es gern nennen würde. Aber was ich Ihnen sagen kann ist, dass es ihm gut geht. Er lebt, wenn Sie das beruhigt. Und er ist nicht verletzt. Mehr kann ich aber über unsere Verbindung nicht herausfinden."

Billy fielen zentnerweise Steine vom Herzen. Sein Sohn lebte also und das war das Wichtigste. Und um sich ein wenig zu beruhigen, ging er zu einer alten Kommode im Wohnzimmer und schenkte sich ein Glas Bourbon ein. Allerdings nicht ohne Leah oder Sam auch etwas anzubieten. Leah lehnte ab und sie und Seth meinten, sie würden sich lieber eine Coke aus der Küche holen. Sam allerdings meinte, ein Schluck könne nicht schaden und würde vielleicht das Warten verkürzen.

Und warten mussten sie auch. Fast zwei Stunden waren vergangen und die Dämmerung hatte große Teile der Landschaft schon umschlungen, da hörten alle vier ein leises Klappern und Quietschen an der Rückseite des Hauses. „Das kommt von Jacobs Fenster", meinte Billy und dreht seinen Rollstuhl in Richtung Flur. Es brauchte aber noch mehrere Minuten bis sich dort etwas tat. Und als Jacob schließlich durch die Wohnzimmertür trat, war er gerade dabei eine frische Hose zu zuknöpfen und den Gürtel durch die Schlaufen zu fädeln.

„Dad? Sam? Leah? Was macht ihr hier?", fragte Jacob überrascht, als er die kleine Gruppe sah. Er hatte nicht damit gerechnet um diese Zeit noch jemanden anzutreffen, zumal sein Dad heute eigentlich bei einer Versammlung des Ältestenrates sein sollte.

Auch schwebte Jacob teilweise noch auf Wolke sieben und war daher umso überraschter als sein Dad plötzlich zu ihm hin rollte und ihn in seine Arme zog. Ein ungutes Gefühl beschlich den Jungen und er schaute seinen Vater besorgt an.

„Ist etwas passiert? Was ist los? Leah? Ist was mit Rachel? Wollte sie nicht in den nächsten Tagen zu Besuch kommen?" Jacob wandte sich an das einzige Mädchen im Rudel und wollte eine Antwort. Und diese kam auch in einer für Leah typischen Art. Sie trat an Jacob heran und boxte ihn auf den Arm.

„Was los ist? Was los ist, du Idiot?", fauchte sie wütend. „Dein Dad ist fast gestorben vor Sorge. Wie kannst du es wagen ohne Rückendeckung zu den Cullens zu laufen? Allein und wütend und ohne darüber nachzudenken. Wir haben gedacht du hast den Vertrag gebrochen, weil sie Charlies Engel verwandelt haben?"

Was?", rief Jacob und in dem Moment wurde ihm klar, was er getan hatte, wie seine Wut nach dem Telefonat mit Cullen für seinen Dad ausgesehen haben musste und betreten schaute er auf seine Füße.

Allerdings nicht für lange, denn im nächsten Moment tat Leah etwas, dass für sie völlig untypisch war. Sie zeigte Gefühle und umarmte Jacob. „Mach das nie wieder, Jake", flüsterte sie. „Ich will dich nicht verlieren. Wen soll ich denn sonst zur Sau machen, wenn nicht meinen Leitwolf und Bruder?"

Bevor Jacob darauf jedoch diese Geste erwidern oder etwas sagen konnte, versteifte sich Leah plötzlich, sog die Luft noch einmal tief ein als wollte sie etwas bestimmtes erschnüffeln und schob ihn dann von sich weg.

„Oh mein Gott, Jake. Du bist geprägt worden? Wer ist sie? Kenne ich sie? Ist es ein Mädchen?" Mit großen Augen schaute Leah Jacob in an und versuchte eine Reaktion zu erkennen. Nicht dass er versuchte es zu leugnen. Obwohl ihm die Frage nach dem Geschlecht schon zu einem Rümpfen der Nase bewegte. Allerdings wurde ihre Musterung von einem nicht minder überraschten Sam Uley unterbrochen.

„Ist das wahr Jacob? Bist du geprägt worden?", fragte er und schaute dann kurz zu Billy um zu sehen, wie dieser darauf reagierte. Immerhin ging es hier um dessen einzigen Sohn und Stammhalter. Ganz zu schweigen davon, dass sich mit dem Prägen das Leben dessen, den es betrifft, völlig verändert.

Billy's Sohn brauchte aber noch einen Moment, bevor sich ein Lächeln auf sein Gesicht schlich. „Sie heißt Hermine und kommt aus England. Und sie ist das schönste Mädchen, das es auf der Erde gibt."

„Wow Jake, geprägt und verliebt. Na dich hat's ja total erwischt", grinste Seth und fing sich einen Ellenbogenstoß von seiner Schwester ein. Allerdings wollte der jüngste Wolf im Rudel nun auch wissen, wie Leah darauf gekommen war, dass Jacob seine Gefährtin gefunden hatte. Denn er konnte keinen Unterschied im vertrauten Geruch seines Kumpels feststellen.

Leah schaute erst ihren Bruder und dann Sam an. „Ich habe es gerochen. Und ich meine nicht ihr … wie war ihre Name, Hermine? …Parfum. Sondern es ist Jacobs eigener Geruch, der sich für mich irgendwie verändert hat."

„Echt?", fragte Seth und schnupperte in Richtung Jacob. „Also ich kann nichts riechen, keine Veränderung oder so."

„Nun das liegt daran, dass du ein Junge bist", meldete sich Billy Black zu Wort. „Die Legenden und Geschichten berichten nur spärlich davon, da es sehr selten vorkam, dass eine Frau zur Kriegerin wurde. Doch soweit ich es weiß, verändert sich der Geruch eines geprägten männlichen Wolfes nur für das weibliche Geschlecht, als Zeichen, dass dieser Krieger tabu ist."

„Tabu Billy?", fragte Seht, der altersmäßig noch nicht wirklich an das andere Geschlecht dachte, und daher seine Schwester zum Augenrollen brachte.

„Es heißt, dass jede andere Frau, die unsere Gene hat und auch in der Lage ist sich zu verwandeln, es tunlichst unterlassen sollte, dem Geprägten schöne Augen zu machen." Dann wandte sie sich an Jacob und lachte. „Aber keine Sorge Jake, du warst eh nicht mein Typ."

Die nächsten Minuten erzählte Jacob seinem Dad und den anderen, was im Haus der Cullens geschehen war. Er ließ dabei aber wohlweißlich seine Reaktion beim ersten Anblick Hermines aus. Das brauchte keiner, besonders aber Leah und Seth zu wissen.

Ein wolliger Schauer überzog Harrys Rücken und an seinen gesamten Körper bildete sich eine leichte Gänsehaut. Es war acht Uhr morgens, die Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durchs Fenster und so wie fast jeden Tag, war der Gryffindor gerade aus dem Land der Träume zurückgekehrt. Warum aber der Schauder? Nun das war leicht zu erklären. Alice, oder vielmehr ihre kühle Hand zog leichte Kreise auf seinem Bauch, beginnend am Nabel und immer gefährlich größer werden in Richtung Hosenbund.

Nicht dass dies Harry an sich störte. Er gewöhnte sich langsam daran, nicht mehr allein im Bett zu liegen und genoss die Streicheleinheiten, die seine Freundin ihm schenkte. Doch heute war es etwas anderes, denn sie waren ja nicht allein im Zimmer. Hermine lag ja keine zwei Meter von ihm entfernt und schlief. Nun so hoffte es jedenfalls der Gryffindor. Harry öffnet kurz die Augen um sich zu vergewissern. Kniff sie jedoch sofort verlegen wieder zu. Denn das was er sah, schien ihm sein Blut einerseits ins Gesicht und andererseits weiter südlich wandern zu lassen.

Hermine war noch da. Soviel stand schon einmal fest. Doch wann hatte sie sich so verändert? War Harry dies nie aufgefallen? Jedenfalls dies dort auf der Liege war nicht mehr das kleine Mädchen von früher, welches Ron und er vor dem Bergtroll gerettet hatten. Nein die Person, die junge Frau, die dort auf dem Feldbett lag war … – wenn Harry nicht schon in Alice verliebt wäre und Hermine als seine Schwester ansehen würde – …der richtige Begriff wäre wohl heiß.

Hinzu kam, dass es Hermine in der Nacht offenbar zu warm geworden war und sie ihr Zudecke ans Fußende verbannt hatte. So lag sie nun auf dem Bauch, den Kopf mit ihrer Mähne von Harry abgewandt und das linke Bein angewinkelt. Man konnte sagen es war die stabile Seitenlage, die Madame Pomfrey Harry schon einmal im Krankenflügel gezeigt hatte. Und obwohl dies an sich nicht jetzt nicht die erotische Pose schlecht hin war, tat der Umstand, dass Hermine nur ein weit nach oben gerutschtes T-Shirt und einen schwarzen – wie hatte Dean es mal genannt Ritzenschieber – trug, sein Übriges.

So viel nackte Haut hatte Harry bei seiner besten Freundin noch nie gesehen. Allein schon dadurch, gepaart mit Alice Streicheleinheiten, dem Hormonüberschuss eines Teenagers und den Erinnerungen an die Träume der letzten Nächte, konnte man es Harry als pubertierenden Homo sapiens doch nicht verdenken, dass in seiner Schlafanzugshose der Aufstand tobte. Wo sein bestes Stück eben noch die leicht WC-bedürftige Moprala mimte, entwickelte nun etwas, das er einfach nicht verstecken konnte. Harry versuchte sich zu beruhigen und an was anderes zu denken. Doch so wirklich klappen wollte es nicht.

„Tut's weh? Soll ich mich darum kümmern?", raunt Alice ihm verführerisch ins Ohr und ließ ihre Hands absichtlich noch weiter nach unten kreisen. Sie war zwar nicht Edward, der Gedanken lesen konnte, doch Harrys Gestik und ihr Gespür für Menschen sagte Alice was Harry gerade durchmachte. Sie spürte wie sich der ganze Körper ihres Freundes verspannt und er mit all seiner Unerfahrenheit nicht wusste, was er tun sollte.

„Nein, bitte nicht", entfuhr es Harry und er schaute seine Freundin entsetzt an. Dadurch weckte er aber Hermine, die sich sofort herumdrehte, voller Befürchtung, dass dem Schwarzhaarigen etwas passiert war, oder dass Alice ihn verletzt hatte. Harry konnte ja nicht wissen, dass seine beste Freundin gar nicht mehr geschlafen hatte und nur noch liegen geblieben war, dass er, Harry nicht gestört wurde.

Musternd wanderte Hermines Blick hinüber zum Bett ihres besten Freundes und über das eng aneinander gekuschelte Paar. Doch wo Harry gespannt ihren Blick erwiderte, grinste Alice vielmehr schelmisch und es verstärkte sich noch, als Harry versuchte die Decke enger an seinen Körper zu ziehen, als wolle ihr bester Freund etwas verbergen. Etwas, das bei Hermines dafür sorgte, dass sie ihre Augenbrauen hoch zog.

„Komm Hermine, ich muss dir unbedingt was zeigen." Alice sprang gekonnt vom Bett und landete federnd auf dem weichen Teppichboden. Hermine verstand aber nur Bahnhof und dementsprechend war ihr Gesichtsausdruck. Was hatte Alice vor? Hatte sie etwas zu verbergen, genau wie Harry? Und noch bevor die Gryffindor etwas erwidern konnte, hatte der quirlige Vampir sie mit Satz „Wir wollen doch noch ein Outfit für heute und für den heutigen Abend für dich zusammenstellen" auch schon aus dem behelfsmäßigen Bett und aus dem Zimmer buchsiert. Harry atmete erleichtert aus und beflügelt von der Hoffnung, dass seine beste Freundin nichts gesehen hatte, konnte der Gryffindor seiner Morgentoilette nachkommen.

Von Wehren konnte keine Rede sein, als Alice die Gryffindor immer weiter durch das Haus scheuchte. Zwar versuchte Hermine vereinzelt zu Wort zu kommen und stehen zu bleiben, doch was sollte sie gegen einen Vampir, und war er noch so zierlich, ausrichten? Außerdem sagte ihr ihre Vernunft, dass es vielleicht besser war, sich einfach auf Alice einzulassen und ihr zu folgen. Schließlich stand sie hier gerade nur mit Slip und T-Shirt bekleidet im Flur und jederzeit konnte jemand aus seinem Zimmer kommen.

Der Raum, den Alice als Ziel gewählt hatte, war allerdings schon belegt und schien auch gar nicht ihr zu gehören. Hermine wurde jedoch einfach in das Zimmer geschoben und Alice schloss die Tür. Danach ging sie zu einem riesigen Kleiderschrank und begann die verschiedensten Klamotten heraus zu holen. Etwas, das dem eigentlich hier lebenden Familienmitglied der Cullen offenbar nicht zu gefallen schien.

„Darf man fragen, was das wird, Alice?", meldete sich Rosalie zu Wort. Hermine wirbelte herum und sah die Blondine gelangweilt und mit einem Buch in der Hand auf ihrem Bett liegen. Sie schaute nicht einmal auf und blätterte um.

„Na was wohl, Rose", erwiderte Alice voller Enthusiasmus. „Ich kleide Hermine für den heutigen Tag und für ihr erstes Date richtig ein. Ich dachte, das wäre offensichtlich."

„Dir ist aber schon klar, wessen Schrank du dort zerpflückst?" Rosalie klang überhaupt nicht begeistert und mit strengem Blick klappte sie das Buch zu und legte es auf den Nachttisch.

„Natürlich Rose. Deinen. Doch was soll ich tun? Ich bin zu klein um Hermines was zu leihen. Wogegen ihr beide annähernd die gleiche Figur habt. Außerdem ziehst du deine Sachen ja eh nur einmal an. Also was willst du?"

Der blonde Vampir sog daraufhin scharf die Luft ein und ihr Blick ging musternd über Hermines mehr als nur spärlich bekleideten Körper. Die Gryffindor fühlte sich daraufhin gar nicht mehr so wohl in ihrer Haut. Aber nicht weil sie sich plötzlich weniger schön vorkam. Nein dafür hielt sie sich einfach für zu gut aufgeklärt. Sondern weil in Rosalies Blick etwas mitschwang, das man im Entferntesten mit Eifersucht vergleichen konnte. Hermine konnte sich nur sehr gut vorstellen, warum Rosalie so reagierte. Man verglich die blonde Schönheit, und das war sie ja nun einmal, offenbar nicht so oft mit anderen Menschen und es schien in ihrer Welt das Naturgesetzt zu geben, dass ihre Figur und ihre Schönheit von niemandem erreicht wurde.

Langsam ging Hermine einige Schritte zurück. Sie kannte Rosalie und Alice ja eigentlich überhaupt nicht, geschweige denn dass sie eine Ahnung hatte, wie Rosalie sich wohl mit Harrys Freundin verstand. ´Sicher ist sicher`, dachte Hermine und ihre Hand ging langsam zu ihrem Zauberstab.

Ungeachtet dessen holte Alice immer mehr Klamotten aus dem Schrank und breitete sie über dem Sofa aus. Hermine wusste gar nicht wo sie zuerst hinschauen sollte. Um sie herum lagen Berge von Designerjeans, teuer wirkende Röcke, Blusen und Tops. Von diverser reizvoller Unterwäsche ganz zu schweigen, zauberten sie doch einen leichten Rotschimmer auf Hermines Gesicht.

Alice schien wirklich in ihrem Element und es dauerte noch einige Augenblicke bis sie mit dem Darbieten der Klamotten fertig war.

„Los komm Hermine, probier die Sachen an. Ich will wissen, wie sie dir stehen."

„Aber …", protestierte Hermine. Oder zumindest versuchte sie es.

„Kein aber. Du kannst ja schließlich nicht nackt herum laufen, oder? Und was Rosalie betrifft, mach dir wegen meinem Schwesterherz keine Sorgen. Sie wird wegen der ganzen Klamotten nicht böse sein. Unsere Schönheit ist heute nur ein wenig bitchy."

„Ich bin was?"

Hermine nahm nur Schemen war und einen Wimpernschlag später stand Rosalia auch schon vor Alice und hatte sich mit in die Hüften gestemmten Armen aufgebaut. Sie funkelte den zierlichen Vampir böse an.

„Bitchy, oder auf Deutsch zickig", erwiderte Alice keck und wandte sich dann über Rosalies Schulter hinweg schauend wieder an Hermine. „Nimm es ihr nicht übel, Hermine. Rose macht gerade eine schwierige Zeit durch. Wir alle spüren das. Doch wo Carlisle und Esme vermuten es liegt am schönen Sommer mit seinen für uns einhergehenden Einschränkungen, habe ich da eine andere Theorie, warum dies so ist."

„Alice", drohte der blonde Vampir.

Ihre Schwester schien aber nicht im Mindesten beeindruckt. Nein sie beugte sich nur verschwörerisch in Richtung Hermine und reichte dieser nebenbei ein schwarzes Set, bestehend aus String und BH, welches ein ungeübtes Auge auch als zwei zusammengebundene Augenklappen bezeichnen könnte. Dann flüsterte sie verschwörerisch: „Und wenn ich es mir recht überlege, sind es sogar drei Theorien, die ich habe, Hermine. Willst du sie hören?"

„Ähm, ich weiß nicht?", erwiderte Hermine und schaute vorsichtig zu Rosalie, die kurz vorm Ausbruch zu stehen schien.

„Also Theorie eins ist, dass Rosalie sich seelisch oder bettakrobatisch vernachlässigt fühlt, weil Emmett sich so intensive um Harry kümmert. Und sexueller Frust ist nie ein gutes Zeichen."

„Alice Cullen", fauchte Rosalie nun schon, während Hermine noch einen Schritt zurück ging. Doch das beeindruckte Harry Freundin wohl nicht im Geringsten. Sie machte einfach weiter.

„Und meine nächste Theorie wäre, dass sie sauer ist, dass ihre heimliche „Liebe" Jacob Black jetzt jemanden gefunden hat und sie sich nicht mehr so intensive anfeinden können. Ein Schauspiel, welche wohl auch ich vermissen werde."

Der Laut, welcher nun Rosalies Kehle entkam, klang so, als würde aus ihr gleich besagter Werwolf herausbrechen und ein Grinsen zeichnete sich auf Alice Gesicht ab und sie sprach weiter: „Doch mein Favorit ist immer noch Theorie Nummer drei. Sprich, die Berglöwin, die Rose letzte Nacht gejagt und an der sie sich gelabt hat, war schon in der Memopause und es wirkt sich nun auch auf sie aus. Schlechtes Essen bleibt nun mal schlechtes Essen."

Hermine wusste nicht ob sich lachen sollte oder nicht. Das Gesicht von Rosalie lud jedenfalls dazu ein. Allerdings verkniff sich die Gryffindor jedweden Kommentar, angesichts der Gefahr in der sie schwebte. Alice hin oder her, Rosalie sah so aus als wollte sie einen grausamen Mord begehen.

Zwei Sekunden später änderte sich die Situation jedoch gewaltig, denn Rosalie tat etwas, das Hermine auf gar keinem Falle gutheißen konnte. Die Blondine ging nämlich geradewegs zu ihrem Nachttisch und holte ihren iPod. Und als sie dies tat, schlug sie mit voller Wut gegen das vorhin noch sorgsam behandelte und gelesene Buch und schleuderte es an die Wand, wo es einige Seiten einbüßte.

„So etwas tut man nicht", fuhr Hermine auf und sah Rosalie tadelnd an. Bücher waren für sie heilig und man behandelte sie pfleglich und liebevoll. Und egal ob nun Vampir, Erzengel oder Voldemort persönlich, man hatte sich daran zu halten.

„Was tut man nicht?", fauchte Rosalie und funkelte Hermine herausfordernd an.

„Bücher misshandeln, egal welcher Art sie sind", erwiderte der Lockenkopf und hob das Buch sachte auf. Dann zückte sie ihren Zauberstab und mit einem „Reparo" sah es wieder aus wie neu.

Rosalie wusste im nächsten Moment nicht, wie sie reagieren sollte. Hatte dieses eigentlich fremde Mädchen, dieses Kind im Bezug auf ihr, Rosalies, Alter sie gerade gemaßregelt? Wusste Harrys kleine Schulfreundin denn nicht, wozu sie, Rosalie Hale, in der Lage war? Sie war ein Vampir, verdammt noch mal.

Hermine schien unbeeindruckt, auch wenn es in ihrem Innersten ganz anders ausschaute. Sie drückte Rosalie das Buch einfach in die Hand und bedachte die Blondine mit einem Blick, der wohl sagen sollte „Ich hoffe, wir verstehen uns". Dann wandte sich Hermine wieder an Alice, die echt damit zu kämpfen hatte, nicht vor Lachen zu platzen, und ließ Rosalie Rosalie sein.

Das nächste was man sah war wie die Blondine das Zimmer verließ und immer noch perplex wirkte. Und kaum war sie weg, platzte es auch schon aus Alice heraus. Sie lachte herzhaft und meinte, dass es in den letzten fünfzig Jahren wohl keiner mehr geschafft hatte Rosalie abzufertigen. „Respekt", sagte sie zwischendurch, wenn es das Lachen zuließ und dann wurde Alice plötzlich wieder ernst.

„So. Jetzt wo wir nun allein sind, können wir ja zum Eigentlichen kommen."

Hermine erstarrte leicht und schaute Alice skeptisch an. Ihr Bauchgefühl hatte nämlich schon so etwas geahnt und daher fragte sie: „Und das wäre, Alice? Denn wie ich denke, war das mit dem Klamotten aussuchen wohl nur ein Vorwand."

Alice grinste: „ Um was es geht? Na was wohl, Hermine? Harry natürlich. Glaub nicht, ich hab das da gestern Nacht vorm Schlafengehen nicht mitbekommen."

Hermine wich etwas zurück und ließ den schwarzen BH fallen. „Nein Alice, es ist nicht so wie du denkst. Der Kuss war rein freundschaftlich gemeint. Ich bin keine Gefahr für dich. Harry ist mein bester Freund und ich hab mich wirklich um ihn gesorgt."

„Das weiß ich doch, Hermine", erwiderte Alice und lächelte wie die Katze, die um die Milch herum schlich. „Nur sagt mir dein Verhalten, dass du die richtige Person bist, um alles über meinen kleinen Zauberer zu erfahren. Wer sonst kennt ihn so gut, kennt seine Macken und Vorlieben besser, als sein bester Freund oder seine beste Freundin? Und da ersterer ja nicht da ist, musst du halt ran. Außerdem weißt du als Mädchen bestimmt besser Bescheid, oder?"

„Oh", sagte Hermine überrascht und verlegen darüber, dass sie Alice auf den Leim gegangen war. Dann überlegte sie, was sie dem Vampirmädchen über Harry erzählen konnte oder durfte ohne ihren besten Freund in Verlegenheit zu bringen und beschloss, dass es vielleicht besser war, eine Art Frage-und Antwortspiel mit Alice zu veranstalten.

„… und dann hat der Minister endlich einsehen müssen, dass Harry kein Lügner ist. Doch das ist nun eh egal. Sirius war tot und Harry gibt sich glaube ich immer noch die Schuld."

Die Zeit war wie im Fluge vergangen und Hermine hatte Alice so einige Geschichten über Harrys Leben erzählt, während sie selbst wohl schon das zwanzigste Outfit anprobiert hatte. Und wenn ihr jemand vor drei Tagen noch gesagt hätte, sie würde sich einmal mit einem Vampir über Mode, Liebe und Jungs unterhalten. Nun, dieser Jemand hätte von ihr eine Wegbeschreibung zum St. Mungos Hospital bekommen. Doch hier und jetzt war es eben nicht wie vor drei Tagen und zwischen ihr und Alice hatte sich in der letzten Stunde so etwas entwickelt, das man getrost den Beginn einer Freundschaft nennen konnte.

Und weil dies so war, äußerte Hermine auch noch eine Bitte an Alice. Sie schaute ihr in die bernsteinfarbenen Augen und sagte: „Du siehst also Alice, Harrys Leben war bisher nicht immer leicht. Und das Letzte was ich will, ist dass man ihm weh tut."

„Hermine mach dir deswegen keine Sorgen. Ich mag Harry wirklich und fange an ihn zu lieben …"

„Du fängst an?", fragte Hermine überrascht, da Alice Worte nicht wirklich Sinn machten. Es war ja sogar für sie offensichtlich, dass die beiden etwas füreinander empfanden. Man küsste und streichelte sich ja nicht von ungefähr. Doch Alice hob ganz schnell die Hand, um weiter zu erzählen.

„Ja Hermine du hast richtig gehört. Ich fange an Harry so richtig zu lieben. Denn wenn du so lange Zeit auf der Welt bist, erkennst du, was der feine Unterschied zwischen all den Worten bedeutet. Als Kind liebst du deine Mutter, denn sie hat dich geboren und ist das Zentrum deines Lebens. Doch später als Teenager, wenn du deinen ersten Freund hast ist das was ganz anderes. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass wenn du jemanden kennenlernst, dann bis du maximal verliebt und magst ihn zunehmender Weise gern. Doch wirkliche Liebe bedeutet in meinen Augen heute mehr als das. Es ist die Eigenschaft seinem Gegenüber zu nehmen wie er ist und der Wunsch immer bei ihm zu bleiben und geneinsame Erlebnisse zu erfahren. Hermine, Liebe kommt nicht auf einmal. Liebe muss wachsen und gedeihen. Und du musst immer etwas tun, damit sie nicht verwelkt."

Hermine schaute das Mädchen, das da vor ihr auf dem Bett saß und so aussah, als wäre sie die Jüngere, an und ließ ihre Worte auf sich wirken. Sie verstand, was Alice meinte und beschloss dann auch etwas gedeihen zu lassen, wenn eben jene Alice es zuließ, und zwar den Beginn einer möglichen Freundschaft. Zwei Sekunden später zeichnete sich aber plötzlich auf ihrem Gesicht ein Grinsen ab, welches man eher als teuflisch bezeichnen konnte und was man von Hermine nur selten zu sehen bekam.

„Du Alice ? Wo wir gerade von Wachsen und Gedeihen sprechen. Und wenn wir dann noch das Wort Schmerzen mit einbeziehen. Meinst du, wir könnten hier Schluss machen? Klamotten hab ich ja jetzt genug und meine Magen fängt gleich an zu knurren. Wir sind jetzt fast eine Stunde hier in Rosalies Heiligtum, ich müsste mal auf's Klo und Harry dürfte sich um seinen kleinen Zauberstab gekümmert haben."

Alice stockte in ihrem Tun und starrte Hermine mit großen Augen an. Sie wollte noch fragen, was der Lockenkopf meinte, doch Hermine grinste nur noch breiter. „Ach komm schon, Alice. Glaubst du wirklich ich habe nicht bemerkt warum du so erpicht darauf warst mich aus Harrys Zimmer zu bekommen? Bei Merlin, die Beule unter seiner Decke war nicht zu übersehen. Und außerdem scheinst du zu vergessen, dass Harry Potter mein bester Freund ist. Wir haben in den letzten Jahren fast jeden Sommer irgendwann bei Ron's Eltern im Fuchsbau gewohnt. Oder wo anders. Hast du 'ne Ahnung, wie oft ich die Jungs in Hogwarts wecken musste, damit sie nicht zu spät zum Unterricht kommen? Glaub mir, ich hab bei deinem Liebsten und auch unseren Kumpel Ron mehr als nur ihr tägliches Morgenlächeln gesehen und weiß um Harrys Anatomie und auch, dass er morgens keine Angst zu haben braucht, aus Versehen aus dem Bett zu rollen."

„Hermine, Hermine. Da tun sich ja Abgründe auf, solche Worte von einer Schülerin wie dir zu hören", lachte Alice und schüttelt danach gespielt entsetzt leicht den Kopf.

„Abgründe? Welche Abgründe? Und was heißt hier, eine Schülerin wie du? Sag mal, wie hat Harry mich denn beschrieben? Hat er gesagt ich wäre a-sexuell und würde nur zwischen Büchern schlafen, mit Buchseiten als Decke?" Hermine konnte nicht glauben, was man ihr da unterstellte, oder was man für ein Bild von ihr hatte. „Es stimmt ja, dass ich gern lese und ich Wissen aufsauge wie ein Schwamm. Doch glaub mir Alice, ich lese nicht nur Fachliteratur, sondern auch die Teenwitch mit dem Doktor Summer Team."

Alice lächelte und hakte nach. „Ach ja, tust du das?" Sie hatte dabei eine Ahnung, worum es in dieser Rubrik der Zeitung gehen konnte. „Na dann braucht sich ja Jacob Black keine Sorgen zu machen. Oder?" Und das war dann der Punkt, wo die sonst so gefasste und taffe Gryffindor doch leicht verlegen wurde und den Blick abwandte. Alice schmunzelte und meinte dann, dass es wirklich Zeit fürs Frühstück war.