Hi Leute! Ich denke gerade, dass ich diese Story nicht weiter schreiben möchte, da kommen plötzlich irgendwo her Reviews lol. Und dann muss ich doch endlich mal wieder was posten…

Steffi: hey, cool, dass du noch dabei bist, Süße. Vielen Dank für die lieben Worte, sie ermutigen einfach, mal wieder was zu schreiben. knuffel

Ly: Auch dir vielen Dank, dass du noch da bist. Und das nächste kapitel ist schneller gekommen. Nur leider nicht so schnell, wie ich es gerne gehabt hätte ;-)

Machtlos

Als ein weiterer Körper in Sichtweite kam, stürzte Bill zur Reling und griff darüber. Er schaffte es nicht, den Bewusstlosen komplett zu packen, doch nahm er ein Großmaß des Gewichtes auf sich. Unter sich hörte er William außer Atem keuchen, als er versuchte, Jack über die Reling zu wuchten. Hinter Bill standen schon Gibbs und Marty bereit, um ihnen zu helfen.

Und als er es weit genug herauf geschafft hatte, ließ Will den Piraten auf die schwarzen Dielen der Pearl sacken. Er selbst ließ sich erschöpft neben ihn fallen und schnappte nach Luft. Sein Vater kniete sich neben sie, ertastete zunächst Jacks Puls und wandte sich dann Will zu, der sich auf dem Deck wand. Er versuchte anscheinend, sich wieder aufzurichten, kam langsam auf Hände und Knie. Völlig durchnässt war er und das Haar hing ihm störrisch ins Gesicht. Jack wurde von den anderen hochgezogen und an die Reling gelehnt, er war bewusstlos, doch lebte er. Eine Decke wurde ihm um die Schultern gelegt. Als Will aufsah, entdeckte er Anamaria und Cotton, die am Großmast saßen, zitternd vor Kälte und Schock. Doch das war ihm kein Trost, es beruhigte ihn keineswegs.

Bill packte William und zog ihn auf die Beine, als dessen Knie ihn einfach nicht stützen wollten. Will jedoch wollte sich sofort umwenden und wieder über die Reling springen.

"Nein, du bleibst hier!" rief er und versuchte allein durch sein Starren etwas Vernunft in seinen Sohn zu prügeln.

"Elizabeth," schnaufte Will. "Ich habe sie nicht gefunden!"

Seine Augen blickten gehetzt umher, versuchten Bill zu fixieren, schafften es jedoch nicht. Anscheinend war er mit den Gedanken schon wieder im Wasser und auf der Suche. Bill ließ William los und machte sich ebenfalls bereit, wieder ins Meer zu springen. Er wusste, dass nichts in der Welt William davon abhalten konnte, seine Elizabeth zu finden. Der einzige Grund, warum Bill ihn gewähren ließ war, dass es ihnen anscheinend viel leichter fiel, sich in Wasser zu bewegen, als anderen.

Trotz seines offensichtlich schlechten körperlichen Zustandes sah es unglaublich galant aus, wie William auf die Reling stieg, die Beine durchdrückte und kopfüber ins Wasser tauchte. Bill zögerte einen Moment, die letzten Minuten drängten sich zurück in seinen Kopf: der Tsunami, Bill erinnerte sich, wie er ihn gerochen hatte. Der Salzgeruch des Meeres war plötzlich völlig verschwunden. Er hatte Cotton gepackt und auch Anamaria und als die mächtige Welle gekommen war, war es wie eine Erlösung gewesen.

Als Angeheuerter der Dutchman gab es eben schon gewisse… Vorteile. Ohne Mühe war er durch das Wasser geschwommen, der Strömung entgegen. Seine beiden Schutzbefohlenen im Schlepptau.

Warum nur hatte William Jack zuerst gerettet? Oder was ihn noch viel dringender interessierte: wo war der Ursprung dieses Tsunamis gewesen?

Sein Blick fiel auf Jack, Marty legte dem Bewusstlosen gerade eine Decke um die Schultern. Jack war blass. Und das sollte etwas heißen. Die sonst sonnengegerbte Haut des Piraten hatte einen Grauton angenommen, der nicht sehr gesund aussah.

„Gott sei uns gnädig," schickte Gibbs ein Stoßgebet zum Himmel, Jack nicht aus dem Augen lassend.

„Das hier hat wenig mit Gott zu tun, Mr. Gibbs," etwas Unheimliches lag in Bills Stimme, als er sich anschickte, sich ebenfalls über die Reling zu schwingen.

Doch der Pirat packte ihn am Arm.

„Findet sie," gab er ihm mit auf den Weg.

FdKFdKFdK

Bill tauchte ein ins Wasser, es war jedes Mal, als fände er sich in einer anderen Welt wieder. Alles verstummte, alles verschwamm. Die Sonnenstrahlen brachen sich und ließen alles sehr unwirklich aussehen.

Und für Bill war es, als könne er schwimmen, wie ein Fisch. Natürlich kam er nicht an William heran, dieser bewegte sich unter Wasser wahrlich wie ein Meermann. Als wäre er nie an Land gelaufen, schwamm er grazil und anmutig, konnte geradezu unglaublich schnell werden.

Doch im Moment konnte er seinen Sohn nicht sehen. Nur spüren. Will befand sich an der Luvseite der Pearl. Das hieß für ihn, er musste die Leeseite übernehmen. Er schwamm und suchte, suchte den sandigen Meeresboden ab, so gut es seine alten Augen vermochten. Vieles fand er, das Gerippe eines alten Rettungsbootes, Fische, Tang, tote Gardisten… doch Elizabeth war nicht da. Vielleicht lag es an der unruhigen Strömung, die alles aufwirbelte und es ihm schwer machte.

Es war beinahe wie ein Nebel, der Schlamm und die Schlicke, die hier herum wirbelten. Bill verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. Dort glaubte er etwas zu sehen, das er wieder erkannte… Es neigte sich sanft in den Wellen des Meeres, tief auf dem Grund. Oh, ach so sacht.

Bill schwamm schneller, er hatte es beinahe erreicht. Und dann erkannte er es. Eine Feder war es, eine Feder an einem großen Hut.

Barbossa.

Er lag auf dem Boden, das Gesicht im Sand. Etwas Kaltes bemächtigte sich Bills Herz, ein Gefühl, welches ihm Gebot, Barbossa nicht anzurühren.

Wenn er ihn nun hier ließe, wer würde es je erfahren? Ja. Das war es, was es zu tun galt. Elizabeth hatte Vorrang.

Bill wandte sich ab und schrak auf, als er merkte, dass er nicht alleine war. William schwebte vor ihm, über ihm. Die Sonne in seinem Rücken verleite ihm ein fast ätherisches Aussehen. Sein Blick ruhte auf Barbossa, seine schwarzen Augen stachen unheimlich von seiner weißen Haut ab und die Wunden in Armen und Beinen zogen rote Schwaden.

Und dann schwamm er herab, ohne jegliches Zögern, packte Barbossa unter den Armen. Und plötzlich fühlte sich Bill schuldig.

Bill nahm seinen Sohn an den Schultern und machte ihm verständlich, dass er Barbossa nehmen würde. Doch als William aufsah, erkannte Bill unsäglich tiefes Leid in seinen Augen. Ein Leid, wie er es noch nie gesehen hatte, das ihn bis ins Innerste erschütterte. Er fühlte diese Kälte und Verzweiflung. Er sah sie, diese Trauer.

Und Bill war froh, als William sich von ihm abwandte und mit Barbossa an der Hand weg schwamm.

Diese Kälte ließ Bill nicht einmal los, als er wieder Fuß auf die Pearl setzte. Alle waren sie an Deck versammelt, die Gesichter lang, manche sogar Tränen in den Augen.

Schreie übertönten das leise Geflüster. Williams Schreie.

Er lag auf den Dielen neben Barbossa. Die Hände über die Augen geschlagen schrie er seine Pein hinaus in den aufziehenden Wind.

„Elizabeth!"

Es brach Bill das Herz.

Es war Pintel, welcher neben Barbossa Kniete und durch ein kurzes Nicken über dessen Zustand Auskunft gab. Bills Blick wanderte zu den anderen dreien, welche beinahe Opfer des Tsunamis geworden waren. Anamaria saß an die Reling gelehnt, die Augen geschlossen. Anscheinend schlief sie oder gab vor zu schlafen. Neben ihr saß Cotton, seine Augen waren traurig auf Will gesenkt, welcher sich vor ihnen auf dem Rücken wand vor Kummer. Von Cottons Papagei fehlte jede Spur.

Und neben ihm saß Jack… bewusstlos.

Da Bill es nicht ertrug, sich seinem Sohn zu nähern, gar nicht gewusst hätte, wie er dessen Schmerz hätte lindern können, raffte er sich auf und kniete neben Jack nieder. William lebte, wenn auch etwas in ihm gestorben sein musste. Doch Jack…

Der Kopf des Piraten hing zwischen seinen Schultern, die dicken Haare tropfend. Bill hob Jacks Kopf an, um ihn sich genauer anzusehen. Fast hätte er erwartet, dass Jack zurückgewichen und auf wackeligen Beinen weg gewankt wäre. Doch nicht jetzt. Etwas lag über dem Kapitän der Pearl, das er nur allzu oft gesehen hatte. Der Hauch des Todes.

Als er Jack weiter untersuchte, fand er eine blaue Schulter. Der Brustkorb offenbarte sich ihm in einem aggressiven Rot, zweifellos gebrochene Rippen. Die Atmung des Captains war flach und nur allzu beschwerlich. Es sah nicht gut aus.

„Will," Bill drehte sich zu seinem Sohn um.

William schien ihn nicht zu hören. Doch Bill wusste, dass es keinen Aufschub duldete.

„Setzt Segel zur Dutchman, ihr Landratten," befahl er in ungewöhnlich hartem Ton. „Und macht schnell, wenn ihr nicht als Haifischfutter enden wollt!"

Der Großteil der Anwesenden zerstreute sich, Gibbs gab Anweisungen, blieb jedoch. Besorgt kniete er neben William, auf der gegenüber liegenden Seite von Bill. Die beiden alten Seemänner tauschten Blicke, während Wills Schreie ganz allmählich in Schluchzen übergingen.

„William, komm zu dir," Bill griff nach den Armen seines Sohnes, doch erst, als Gibbs ihm half, schaffte er es, sie von seinem Gesicht weg zu bekommen.

Sie nagelten Will am Boden fest, obwohl dieser sich wehrte. Es schien fast, als wandelte sich seine Verzweiflung in Wut. Er fing an um sich zu treten und wollte sich aus ihrem Griff befreien. Bill und Gibbs ließen nicht locker. Noch immer rann Blut aus Williams Wunden.

„Will! Hör auf, verdammt!"

Aber William war außer sich. Bill konnte ja nicht wissen, was in seinem Sohn vor sich ging, als sie ihn da an den Boden drückten.

Wills Kopf spielte ihm einen Streich. Er sah sie über sich gebeugt, wie sie ihn angesehen hatten, bevor sie ihn aus seinem Bett geholt hatten. Er sah die Hände auf sich zu kommen, welche ihn sofort aus den Kissen rissen, an allen Vieren haltend. Sie zerrten an ihm, er wollte sich wehren.

Als die kalte Luft sich auf seine Haut legte, wusste er, dass er nichts ausrichten konnte. Sie hatten ihn fast mühelos nach draußen geholt. Dennoch hörte er nicht auf, sich zu wehren. Sein Gesicht war gen Himmel gerichtet, mit Schrecken beobachtete er, wie jemand ein Messer in das Gesicht eines seiner Männer rammte. Dort oben am Mast. Oakley hörte mit einem Mal auf, zu zappeln und hing dort wie eine leblose Marionette.

Meine Männer! Will fühlte sich so ohnmächtig, als er seine Mannschaft sah, aufgereiht wie Perlen auf der Kette. Nur dass sie nicht an der Kette hingen, sondern an seinem Mast.

Dann sah er sie: drei Menschen, drei Gesichter, welche er nicht wieder vergessen würde. In diesem kurzen Augenblick, den er sie erkennen konnte, brannten sich ihre Züge in sein Hirn.

„Rein mit ihm!" befahl der größte von ihnen, dessen Erscheinung William nur mit „eisig" beschreiben konnte.

Doch bevor er noch einen weiteren Gedanken führen konnte, spürte er, wie er herab gelassen wurde.

Zuerst war da ein Schmerz in seinem Rücken. William atmete zischend ein, stellte jedoch zu seinem Schrecken fest, dass er aus irgendeinem Grund nicht viel Luft bekam. Es war, als würde etwas verhindern, dass Luft in seine Lungen gelangte.

Er verlor plötzlich völlig die Orientierung und konnte sich nicht mehr wehren. Augenblicklich spürte er, wie jemand seine rechte Hand nahm und damit ausholte. Der folgende Schmerz ließ ihn aufschreien, auch wenn der Schrei nicht gerade kraftvoll war. Seine Hand war auf etwas Spitzes gerammt worden.

Als er einen Moment klar wurde, erkannte er, dass etwas aus seiner Brust ragte. Der Schmerz war dumpf geworden, pochte nun in seinem Arm anstatt in seinem Brustkorb. Einen lächerlichen Augenblick lang hatte er wirklich Angst, dass diese spitze Klinge sein Herz durchbohrt hatte. Doch sie schwand und machte Panik platz, als sich der Schmerz auch in seinem anderen Arm breit machte und kurz darauf in seiner rechten Wade. Als sein linkes Bein durchbohrt wurde, war er kaum noch im Stande, sich genug darauf zu konzentrieren. Stechende Impulse schossen durch seinen gesamten Körper. Will hörte sich selbst nach Luft schnappen. Er wusste, dass er es war, doch hörten sich die Geräusche merkwürdig an, welche er da machte.

Dann wurde es dunkel.

Und als er die Augen wieder aufschlug, wurde es viel einfacher zu atmen. Es war nicht mehr dunkel und diese drei unheimlich anmutenden Menschen waren verschwunden. Stattdessen sah er seinen Vater, welcher die Zähne zusammen biss, auf der anderen Seite war Mr. Gibbs, welcher nicht minder angestrengt drein schaute. Erst jetzt wurde ihm wieder bewusst, wo er war, was passiert war.

„Will," sprach sein Vater ihn an und es wunderte den Jüngeren, wie klar er doch plötzlich dachte.

Der Himmel war plötzlich nicht mehr so hell, wie gerade eben noch. Barbossa lag nicht mehr neben ihm, sondern kauerte in einer Ecke, gelegentlich hustend. Und Jack… Wills Augen schweiften umher und erfassten ihn schließlich.

„…ihm helfen," eigentlich hörte er seinem Vater gar nicht zu.

Nur einzelne Worte konnte er verstehen, so sehr war er abgelenkt. Dieses Gefühl…

Er starrte Jack vor sich an, die Erkenntnis dämmerte in ihm. Seine schwarzen Augen weiteten sich, als ihm klar wurde, welche Ahnung da in ihm heran wuchs. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Er wollte es nicht wahr haben.

„Jack," brachte er brüchig heraus.

Doch der Pirat bewegte sich nicht. Er saß nur da, gegen die Reling gelehnt, eine Decke über den Schultern. In sich selbst zusammen gesackt.

Will kämpfte sich auf die Beine, sein Vater und Gibbs ließen ihn los. Die beiden sahen sich fragend an. Waren sie wohl doch noch zu William hindurch gedrungen? Dieser schien letztendlich zu begreifen, dass etwas nicht stimmte mit Jack, wankte mehr in dessen Richtung, als dass er lief. Er ließ sich neben dem Piraten auf den Boden fallen, sein eigenes Gewicht schier unendlich schwer.

Dann griff er nach Jacks Puls.

„Nein!" es war fast wie ein Flüstern.

Bill zog die Brauen zusammen und Gibbs reckte den Kopf nach den beiden Männern.

„Jack, tu mir das nicht an!" Wills Atmung wurde wieder schneller. „Tu mir das nicht an, Jack! Ich hab dich gerettet, obwohl ich hätte nach Elizabeth suchen können! Verdammt!"

William schlug mit der Faust auf Jacks Brust. Bill hob die Hand, wusste er doch, dass Jack schwere Verletzungen im Rippenbereich hatte. Aber plötzlich musste er sich fragen, ob es überhaupt noch Sinn machte, Will von seinem Zorn abzuhalten. Wie von selbst wurde er jedoch ruhig. Eine Hand an die Reling hinter Jack gestützt, eine Hand an des Toten Brust, kniete er da. Nur noch ein Schluchzen.

„Das kann nicht sein," Gibbs getraute sich nicht zu mehr als zu einem Flüstern.

Bill trat langsam an seinen Sohn heran, legte ihm eine Hand auf die bebende Schulter. Will schüttelte nur den Kopf.

Um sie herum war der Wind aufgezogen und blies nun immer stärker.

„Wir bekommen Arbeit," war Wills bittere Antwort auf Bills gut gemeinte Geste.

Die Ankündigung der Dutchman…

Tränen traten ihm aus den Augen. Das war nicht Jack vor ihm, nein, das war nicht Jack! Er würde nie wieder versuchen ihn zu hintergehen, würde nie wieder eines seiner undurchsichtigen Spiele mit ihm treiben. Will erschien die Welt plötzlich trostlos und leer. Das Grau in Jacks Gesicht, war der Zeuge des Todes. Und dennoch sah er noch würdevoll aus, wie er da saß, die Augen geschlossen, als schliefe er.

„Er war ein guter Mann," sagte Gibbs und plötzlich schien alles auf der Pearl still zu stehen.

Nur der Wind heulte auf, es war bedrohlich. Irgendwie passend.

Niemand wagte es, sich zu bewegen. Sie standen alle auf Deck, wo der tote Captain des Schiffes an der Reling saß.

Will sackte nach vorne, lehnte seine Stirn an das dunkle Holz der Pearl. Er war Jack nun ganz nahe, keine zehn Zentimeter von ihm entfernt.

„Ich hatte dich wirklich gern," flüsterte er in Jacks Ohr. „Ich glaube, Jack… dass Elizabeth dich sehr respektiert hat. Ich habe ihr den Kuss verziehen und ich verzeihe ihn auch dir."