Wieder einmal danke an alle Reviewer!
Zufällig hatte ich heute etwas Zeit und dachte, ich stelle nochmals ein Kapitel ein. Da ihr so fleißig reviewed habt konnte ich Euch doch nicht mit einem Cliff so lange hängen lassen. Ist ein Schnellschuss, ich hoffe die Fehler halten sich in Grenzen.
Und nun weiter:
Kapitel 25 – Überraschende Offenbarungen
Hermine konnte nicht glauben, wen sie dort völlig ruhig im Sessel sitzen sah. In bequemer Haltung, den Fuß auf den Oberschenkel des anderen Beines gelegt und konzentriert in einem Buch lesend, saß dort ihr alter Erzfeind Draco Malfoy. Als hinter Hermine die Türe ins Schloss fiel zuckte Hermine zusammen und der blonde Ex-Slytherin sah auf. Kurz trafen sich ihre Blicke, dann klappte Draco das Buch zu, legte es auf das Tischchen und stand auf.
Mit seinem typischen emotionslosen Gesichtsausdruck sah er ihr ins Gesicht. „Na Granger, kannst Du nun wieder geradeaus denken?" sagte er spöttisch.
Damit erwischte er Hermine auf dem falschen Fuß. Noch immer erschüttert von den unzähligen Informationen, die die letzten Stunden und Tage auf sie eingeströmt waren, verhinderten eine schlagfertige Antwort. Ihr Blick huschte über die Gestalt, die ihr gegenüber stand. Draco hatte sich überhaupt nicht verändert, als wären die letzten vier Jahre spurlos an ihm vorübergegangen. Er hatte schon immer gut ausgesehen, aber nun kam noch ein echter distinguierter Eindruck dazu , der eindeutig von unterschwelligem Selbstbewusstsein zeugte. Nicht wie früher in der Schule, wenn er alles schikanierte, was nicht in seine angebliche Weltbild der Reinblüter passte und für den aufmerksamen Beobachter doch deutlich war, dass das arrogante Gehabe nur seine Unsicherheit überdecken sollte. Er stand vor ihr wie ein Mann von Welt, der es nicht nötig hatte, seine Machtposition zur Schau zu stellen. Mann wusste einfach, dass er macht besaß!
Er trug einen eleganten, hellbeigen Muggelanzug und ein smaragdgrünes Seidenhemd, welches durch ein locker um den Hals gelegtes Halstuch komplettiert wurde. Er konnte in diesem Outfit problemlos in jedes Vier-Sterne-Muggelrestaurant gehen, ohne aufzufallen. Er bewegte sich mit einer Eleganz, die belegte, dass er gewohnt war, in der Gesellschaft der oberen Zehntausend ein- und auszugehen.
„Was ist? Hat es Dir die Sprache verschlagen, oder bist Du von meinem tollen Aussehen nur überwältigt?" unterbracht Draco ihre Gedankengänge in dem ihr nur zu bekannten abfälligen Ton. Doch das belustigte Glitzern in seinen grauen Augen verriet ihn.
„Malfoy!" Hermine hatte endlich ihre Sprache wiedergefunden. „Ich bin erstaunt Dich hier anzutreffen. Nachdem Du vier Jahre lang die Zaubererwelt von Deiner Gegenwart verschont hast, bin ich fast enttäuscht, dass es Dich noch gibt." ging sie auf seinen Tonfall ein. „Aber jetzt weiß ich ja, wie Du das gemacht hast."
Überrascht hob Draco eine Augenbraue. „Wie ich was gemacht habe?"
„Na, wie Du so lange unerkannt bleiben konntest. Du bist der geheimnisvolle Lord Martin. Stimmts?"
Der Gesichtsausdruck Dracos verriet so maßlose Verblüffung, dass Hermine unsicher wurde. Entweder hatte Draco nicht damit gerechnet, dass Hermine hinter seine Geheimnis gekommen war oder sie hatte meilenweit danebengetippt. Das schallende Gelächter, das auf Dracos Verblüffung folgte, machte Hermine mehr als deutlich, dass wohl letzteres der Fall war. Es dauerte mehrere Minuten, bis der Blonde sich beruhigt hatte und er musste sich mehrmals die Lachtränen aus den Augen wischen. Noch nie hatte Hermine den Slytherin so ausgelassen lachen gehört. Draco hatte sich wirklich verändert. Trotzdem kam nun leichter Ärger in Hermine auf.
Draco schien das zu merken. Er setzte eine ernstere Miene auf. „Komm schon Granger, hab Dich nicht so. Ich bin nur erfreut, dass alle Tarnmaßnahmen so hervorragend funktionieren. Wenn schon die klügste Hexe seit Rovenna Ravenclaw nicht dahinter steigt, und das nach all den Informationen die Potter Dir hinterlassen hat, dann kann sich man schon etwas darauf einbilden."
Hermine konnte eine leichte Rötung ihres Gesichtes nicht verhindern, immerhin hatte der Ex-Slytherin ihr zum ersten Mal ein Kompliment gemacht. „Du bist nicht Lord Martin?" fragte sie skeptisch.
„Nein!" Draco hatte immer noch Mühe, das Lachen zu unterdrücken. „Jetzt setz Dich erst mal. Wir lassen uns Tee kommen und dann kannst Du alle Fragen abfeuern die Du noch hast. Ich bin angewiesen, Dir bis auf wenige Ausnahmen, alle Fragen zu beantworten."
„Angewiesen? Von wem?" fragte Hermine neugierig?
„Harry." Antwortete Draco schlicht.
„Also ist er hier?" Hermines Augen leuchteten hoffnungsvoll.
Draco grinste: „Diese Frage gehört zu den Ausnahmen." Sofort erlosch das Leuchten in Hermines Augen.
„Komm schon Granger, was ist denn aus der selbstbewussten und besserwisserischen Gryffindor geworden? Seit wann lässt Du so schnell den Kopf hängen."
„Hast Du überhaupt eine Ahnung, wie das ist, jahrelang nach einer Person zu suchen, von der nirgends belegt ist, dass sie überhaupt noch lebt? Permanent zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin und her zu pendeln? Irgendwann sind Deinen Nerven nicht mehr die Besten glaube mir." zischte die Braunhaarige zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Abwehrend hob Draco hob beide Hände: „Schon gut. Es wird sich alles zum Guten wenden, vertrau' mir. Setzt Dich jetzt endlich hin, ich habe keine Lust mir die Beine in den Bauch zu stehen."
Er führte Hermine zu der Sitzgruppe, von der er aufgestanden war und schob ihr den gegenüberstehenden Sessel zurecht. Hermine setzte sich. Sofort öffnete sich eine Türe und das Dienstmädchen betrat den Raum, in den Händen ein Tablett mit einer Teekanne, Tassen und einem Teller Gebäck. Das Mädchen stellte das Tablett auf das Tischchen, schenkte zwei Tassen voll und verließ genau so leise den Raum, wie sie hereingekommen war.
Nach einigen Minuten Schweigsamkeit, in der sie beide den heißen Tee schlürften, hielt es Hermine nicht länger aus: „Und ich kann Dich alles fragen?"
„Wenn Du Fragen nach meinem Liebesleben auslässt, ja." zynisch fiel Draco in seine alte Rolle zurück.
„Malfoy! Dein Liebesleben interessiert mich nicht – glaube mir!" kam prompt von Hermine.
Spöttisch blickte er in ihre Augen und konnte es sich nicht verkneifen: „Na ja, nach meinen Informationen könntest Du noch einiges lernen, was die Praxis angeht". Hermine wurde puterrot und sie fragte sich, wie viel Draco tatsächlich wusste.
Schnell wechselte sie das Thema: „Nun, erste Frage: Wo – ist – Harry-?" Jedes Wort der Frage betonend.
„Unglücklicherweise ist genau das eine der Fragen, die mir verwehrt ist zu beantworten." Draco war anzusehen, dass ihm das Spielchen gefiel. Hermine merkte das natürlich und wurde schon wieder ärgerlich.
„Wann werde ich ihn sehen?" versuchte sie es erneut.
„Bald!" war die lakonische Antwort. „Hör zu Granger, Fragen nach Harry kann und will ich nicht beantworten. Ich habe Dir gesagt, dass alles gut werden wird und ich habe das auch so gemeint. Ich habe versprochen darüber nichts zu sagen und ich halte meine Versprechen. Hab einfach etwas Geduld!"
„Wem hast Du es versprochen!"
„Lord Martin!"
„Verdammt! Immer wieder dieser Lord Martin. Wo ist der denn? Das ist doch sein Martin Manor oder?" fragte Hermine gefrustet.
„Er kommt gleich. Und ja..." und nach kurze Zögern „...und nein!"
„Was denn – ja und nein. Wie soll ich das jetzt wieder verstehen." Hermine rollte die Augen.
„Eigentlich ist es Potter Manor."
„POTTER MANOR? DAS VERSCHWUNDENE ANWESEN DER POTTERS? WIR SIND IN GODRICS HOLLOW?" Hermine war aufgesprungen und schrie Draco fast an.
„Granger setz Dich und reg Dich ab! Das ist nicht Godrics Hollow. Das hier ist der jahrhunderte alte Stammsitz der Potters im Norden Irlands. Und es ist nicht verschwunden nur seit jeher versteckt."
Hermine beruhigte sich und setzte wieder. „Und wieso heißt es jetzt Martin Manor? Wurde es verkauft?"
„Natürlich nicht! Die Martins sind eine alte Familie. Leider vor vielen Jahrzehnten dem letzten Ehepaar der Martins nur ein einziges Kind geboren worden. Ein Mädchen. Diese heiratete einen Mann namens Wayne..."
„... Evans" ertönte eine wohlbekannte Stimme hinter Hermine. Sie schrak hoch und drehte sich um. Hinter ihr stand Lord Martin und lächelte sie an. „Guten Tag Hermine, wie ich sehe, haben Sie die Aufarbeitung der Vergangenheit hinter sich und platzen vor Fragen." Leon Martin ging zu dem freien Sessel und setzte sich, als wäre nichts weiter geschehen.
„L...Leon!" presste Hermine überrascht heraus. „Wo kommen Sie so plötzlich her? Ich habe die Türen die ganze Zeit im Blickfeld und habe Sie nicht hereinkommen gehört." Leon grinste so verschmitzt, wie Hermine es noch nie bei ihm gesehen hatte. Irgend etwas an diesem Grinsen kam ihr bekannt vor. Aber sie hatte keine Ahnung was.
„Berufsgeheimnis!" antwortete er. „Zumindest, bis Sie in alles eingeweiht sind."
Nachdem Hermine ihre Überraschung überwunden hatte, siegt ihre Wissbegierde: „Mit was unterbrachen Sie uns noch mal?"
„Ich sagte ..Evans. Das einzige Kind der Familie Martin heiratete einen Mann namens Wayne Evans. Und diese waren die Urgroßeltern von..."
„...Lily Evans!" vervollständigte Hermine, der es im selben Moment wie Schuppen von den Augen fiel.
„Sehr gut Hermine. Ich selbst habe völlig legal den Namen Martin wiederbelebt. Die Ämter und Sitze hatte ich soweiso schon inne." vervollständigte Leon das Bild.
„Dann sind Sie also mit Lily verwandt und damit auch mit Harry?" fragte Hermine.
„Kann man so sagen – ja."
„OK, da mir ja offensichtlich niemand sagen will, wo ich Harry finde, würde ich gerne wissen, was das Ganze hier soll, was meine Aufgaben sein sollen und warum die Entscheidung so endgültig war."
Draco, der die ganze Zeit nur zugehört hatte, übernahm nun das Wort.
„Hermine, wie Du ja rausgefunden hast, als einzige wohlgemerkt, steckt Leon hinter der W.H.O. Das gesamte Kapital stammt aus Harrys Vermögen und gehört auch zu 100 Harry. Diese Firma hat mehrere Ziele. Zuerst dient sie als Stiftung, um die Opfer zu unterstützen, die Voldemort geschädigt hat. Familien, die ihren Ernährer oder ihre Heimat verloren haben, erhalten Unterstützung und Hilfen, unzählige Waisenhäuser und Schulen wurden gebaut usw. Das weißt Du ja schon. Was Du nicht weißt, ist dass dies alles zum Ziel hat, durch Umerziehung der Reinblutidee und durch Annäherung an die Muggelwelt einen dauerhaften Frieden zu sichern. Das geschieht vor allem in den Kindergärten und Grundschulen, wo die Vorurteile abgebaut werden. Dieser Vorgang muss noch schleichend erfolgen, da die Fanatiker und Todesser noch immer unter uns ihr Unwesen treiben können, was durch das korrupte Ministerium und daraus resultierende ineffektive Aurorenarbeit unterstützt wird.
Wir haben eine Untergrundorganisation aufgebaut, ähnlich des Ordens des Phönix. Es ist Zeit in die Offensive zu gehen. Die restlichen Todesser müssen unschädlich gemacht werden, das Ministerium muss ausgemistet und zu dem gemacht werden was es sein soll, nämlich eine Verwaltung und die Macht muss wieder dem Zaubergamot übertragen werden."
„Da habt ihr aber mächtig was vor!" sprach Hermine skeptisch, die konzentriert zugehört hatte.
„Hermine, wir arbeiten seit vier Jahren ausschließlich daran." führte nun Leon weiter aus. „Hinter Harry steht die wohl größte wirtschaftliche und finanzielle Macht Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Wir haben Ihnen nur einen groben Überblick über unsere Arbeit gegeben. Wir brauchen Sie und ihr helles Köpfchen. Bis jetzt haben wir - neben der Stiftungsarbeit natürlich, die hervorragen läuft – nur beobachtet, Informationen gesammelt, Verräter und Todesser identifiziert und Beweise zusammengetragen. Nun werden sind wir in der Planungsphase um in die Offensive zugehen, die Menschen aufzurütteln und ein ehrliches, politisches System wiederherzustellen. Als erstes werden wir im Ministerium aufräumen und einen kompetenten, unbestechlichen neuen Minister einsetzen."
Hermine sah entsetzt auf: "Sie wollen den Minister stürzen? Einfach so?"
Draco sah Hermine eindringlich an:" Hermine, das Ministerium ist ein korrupter Sumpf. Minister Scrimgeour ist nicht nur inkompetent und machtbesessen, er ist eine echte Gefahr für die Gesellschaft. Wir haben tonnenweise Beweise dafür. Wir können es uns nicht leisten, einen Idioten durch einen anderen zu ersetzten. UNSER Minister muss lanciert werden. Und glaube mir, wir haben bis dahin die Macht unsere Vorstellungen durchzusetzen."
„So? Und wer ist Eurer Meinung nach dafür geeignet? Wer hat das Fachwissen, die Kompetenz und die Uneigennützigkeit, die Machtposition nicht zu missbrauchen? Wer ist denn Euer ach so toller Kandidat, den ihr auf den Thron der Zaubererwelt setzen wollt?" fragte Sie mit triefendem Sarkasmus in der Stimme.
„Ist das so schwer zu erraten?" fragte Draco süffisant.
Hermine überlegte einen Augenblick: „Etwa HARRY? Das macht er nie. Er hasst Aufmerksamkeit."
„Wir haben auch nicht an Harry Potter gedacht, Hermine." sagte nun Leon mit einem Lächeln auf den Lippen. „Unser Wunschkandidat und der nächste Zaubereiminister sind..."
„... SIE, HERMINE JANE GRANGER!"
TBC
