Der dritte Text
Die Sonnenstrahlen krochen an diesem Morgen langsam in das Hotelzimmer.
Kurtis atmete tief durch und schlug langsam die Augen auf.
Er brauchte einen Moment, um zu erkennen, wo er sich befand, doch dann fiel es ihm wieder ein und ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Er drehte den Kopf zu seiner Linken und erblickte Lara.
Das war nun schon das zweite mal, dass er sie in den Armen hielt, doch diesmal, war er als erstes wach geworden.
Seinen Arm hatte er um ihren Oberkörper geschlungen und ihre Hand ruhte auf seinem Bauch.
Lara schlief noch seelenruhig und er wollte sie auch noch ein bisschen schlafen lassen.
So vergingen einige Minuten und er legte seinen freien Arm unter seinen Kopf.
Er mochte es ihr zuzusehen.
Es machte ihn glücklich.
…Wenn es doch nur für immer so sein könnte, Lara. Nur du und ich…#
Dann wurde leise die Zimmertür aufgesperrt und Sara trat ein, doch als ihr Blick auf Lara und Kurtis fiel, stockte sie einen Moment.
Kurtis drehte neugierig den Kopf und nickte Sara dann freundlich zu.
Sie hob grüßend die Hand, doch war auch ein wenig perplex: ,,Morgen…´´ flüsterte sie und trat näher, ,,…Ich hoffe, ich störe nicht! Wollt mir nur frische Klamotten besorgen!´´
Kurtis schüttelte den Kopf: ,,Nein,…ich wollte sie nur noch nicht wecken! Habt ihr denn schon was rausgefunden?´´ flüsterte er zurück.
Sara nickte: ,,Ich denke schon, wir werden dann alles besprechen, wenn wir richtig wach sind!´´
,,Madeleine?´´ fragte er.
Saras Kopfschütteln, war ihm Antwort genug und er nickte betroffen. Er hatte so gehofft, das sich ihr Zustand gebessert hatte, doch vergebens.
,,Okay…´´ Kurtis bewegte sich behutsam, um Lara nicht zu wecken und löste sich von ihr. Dann stand er langsam auf und streckte sich ausgiebig.
Lara bewegte sich zwar, doch sie wachte noch nicht auf.
,,Ich werd mich dann auch mal umziehen…´´ er blickte noch einmal auf Lara herab und lächelte, dann sah er wieder zu Sara, ,,…Ihr ruft dann, okay?´´
Sara nickte lächelnd und Kurtis verließ dann das Zimmer...
Die Polizistin wunderte sich schon ein wenig, als sie sich im Badezimmer fertig machte und sich umzog.
Klar, sie wusste, das Kurtis gestern zu Lara gegangen war, deswegen, hatte sie auch bei Zip und Alister übernachtet, doch sie hätte sich nie erträumt, das Lara es ihm gestatten würde, sie in den Arm zu nehmen, geschweige denn mit ihr im selben bett zu schlafen.
Sara wusste aber auch, das die beiden eine gewisse Sympathie füreinander empfanden und sie wusste, das Kurtis Laras kalt gewordenes Herz wieder erwärmen konnte, wenn sie nur etwas Zeit füreinander hätten.
Nach einer Weile kam sie wieder aus dem Bad und beschloss Lara zu wecken.
Sie setzte sich auf die Bettkante und strich Lara dann einige Haarsträhnen aus dem Gesicht. Dann strich sie ihr sanft über die Wange: ,,Hey, Süße, aufstehen!´´
Lara atmete tief durch, seufzte zufrieden und drehte sich dann auf den Rücken. Sie wandte sich noch ein wenig und schlug dann sachte die Augen auf.
,,…Sara?…´´ begann sie verschlafen.
Sara lächelte: ,,Ja, guten Morgen!´´
Lara fuhr sich durchs Gesicht und entgegnete dann: ,,Morgen! Wie spät ist es?´´
,,Erst kurz nach halb zehn! Du kannst dir ruhig Zeit lassen!´´
Lara richtete ihren Oberkörper auf: ,,Was ist mit Madeleine? Gibt es was neues?´´
Sara senkte leicht den Kopf und schüttelte ihn: ,,Nein, ich habe eben mit Sammy telefoniert, sie liegt immer noch im Koma. Er kommt gleich noch vorbei…Wie geht es dir?´´ Bei ihrer letzten Frage, deutete Sara auf Laras Hüfte.
,,Besser…´´ murmelte Lara und sie würde sogar sagen, das es ihr richtig gut ging. Die Kopfschmerzen waren kaum noch spürbar und Kurtis hatte ihr tatsächlich geholfen.
Außerdem war sie ausgeschlafen, denn wenn sie diesen Alptraum hatte, konnte sie hinterher für gewöhnlich nicht mehr einschlafen.
,,Wir haben auch Neuigkeiten, was den Text angeht. Die anderen werden gleich rüber kommen und dir alles erklären!…´´ sprach Sara weiter, ,,…Aber jetzt mal etwas anderes: Kurtis hat also wirklich hier übernachtet?´´
,,Was?´´
,,Ja…Ich kam eben rein und du lagst in seinen Armen! Was war denn los?´´
Lara überlegte angestrengt: ,,Ich…em…ich weiß es nicht mehr genau. Wir haben uns unterhalten und dann bin ich wohl eingeschlafen.´´
Natürlich war das geflunkert, doch sie wollte Sara nicht mit ihren Problemen belasten.
,,Aha…´´ machte Sara, doch sie roch förmlich, das Lara ihr etwas verschwiegen hatte, ,,…Und du bist sicher, das du mir die Wahrheit sagst?´´
Lara blickte ihre Freundin an, als sie aufstand: ,,Ja, wir haben miteinander gesprochen, sonst war da nichts. Wirklich. Ich werde dir ein anderes mal alles ausführlich erklären, doch jetzt sollten wir uns um den Text kümmern.´´
,,Okay, aber ich nehm´ dich beim Wort. Wir reden später!´´
Lara nickte und ging ins Badezimmer…
,,…Im Süden, da wird´s schon richtig heiß…Die Kleidung, getränkt mit kaltem Schweiß…In den Tiefen des Berges und ewiger Dunkelheit…Zu finden, dank der Menschlichkeit…Den nächsten Teil des großen Ganzen…bevor es versucht dich in den Boden zu stanzen…Mit Geschick ist garantiert das Entkommen…und das Objekt sei nun nicht mehr genommen…So, das war´s!´´ beendete Kurtis seine Übersetzung.
,,Okay, was habt ihr denn herausgefunden?´´ fragte Lara dann. Sie stand am Fenster und hatte die Arme verschränkt.
Zip trat vor: ,,Wir haben herausgefunden, das die Koordinaten auf eine Stelle in den Pyrenäen hinweist. Es ist mitten in der Pampa!´´
,,Wir glauben auch, das es dort wieder etwas gibt, das es zu finden gilt. Genau wie bei den beiden letzten malen, also…´´ sagte Alister, der neben Kurtis auf der kleinen Couch saß.
,,…findet ihr, wir sollten uns dort mal umsehen?´´ beendete Lara seinen Satz.
,,Naja, wir dachen, du würdest an der Sache dran bleiben wollen.´´ sagte Sara, die neben ihrer Freundin stand.
Lara seufzte und drehte den Kopf zur Seite: ,,…Ich möchte Madeleine ungern alleine lassen und Sammy wird mit Sicherheit auch hier bleiben wollen, um bei ihr zu sein…´´
,,Sicher wird er das tun…´´ begann Sara und fasste Laras Hand, ,,…aber es hilft ihr nicht. Wir sollten etwas unternehmen!´´
,,Ja…´´ Lara drehte den Kopf zu ihrer Freundin, ,,…Ihr versteht nicht…´´
,,Dann erklär es uns!´´ forderte Sara.
Lara senkte den Kopf und schüttelte ihn leicht: ,,Das ist zu kompliziert!´´
Wie sollte sie es ihren Freunden erklären?
Alle erwarteten, das sie eine Lösung fand und mit Fleisch und Blut bei der Sache dabei war, doch sie hatte einfach keine Kraft mehr, um ihr bisheriges Leben weiterzuführen.
Sie wollte einfach nicht mehr.
All das Leid, das sie in den letzten Jahren erfahren hatte, war ihr zu viel geworden.
All die Menschen, geliebte Menschen, die verletzte worden waren und sie verloren hatte.
Und nun soll sie ein weiteres Abenteuer bestehen? Gegen die neue Cabal, die vielleicht noch gefährlicher als die alte ist. Es war damals ein reines Wunder, dass sie und Kurtis überlebt hatten.
Noch einmal all das erleben, ohne zu wissen, was auf einen zukommt, konnte sie einfach nicht, doch sie war es Madeleine schuldig…
,,Lara?´´ fragte Sara.
,,Was?´´
,,Was sagst du?´´
Lara seufzte: ,,Gut!…Trefft die Vorbereitungen!´´
Zip nickte zu ihr, dann deutete er Alister und Kurtis ihm zu folgen und die drei verließen das Zimmer…
Sara blickte immer noch zu Lara.
Sie konnte sich nicht in sie hineindenken, doch sie spürte, das da irgendetwas war.
,,Was siehst du mich so an? Stimmt etwas nicht?´´ fragte Lara.
,,Keine Ahnung, sag du es mir!´´
,,Was meinst du?´´
,,Na, du bist so anders als früher…´´ begann Sara, ,,…Damals warst du kaum zu halten, wenn es um ein Abenteuer ging und jetzt…´´ sie blickte Lara in die Augen, doch ließ den Satz unvollendet und fing einen neuen an, ,,…Du wolltest sowieso mit mir reden!´´
,,Sara, nicht jetzt! Wir haben viel zu tun!´´
,,Wann denn dann? Wenn das alles vorbei ist? Nächstes Jahr?…´´ protestierte Sara und konnte nichts gegen die Wut tun, die in ihr aufstieg, ,,…Weißt du ich hasse es immer gegen eine Mauer zu prallen!´´
,,Sara hör zu, ich kann dir nicht…´´
,,Was?…´´ unterbrach Sara sauer, ,,…Wir beide konnten uns doch immer alles erzählen!´´
,,Das ist es nicht, ich…´´ Lara versuchte die richtigen Worte zu finden und seufzte, ,,…Es tut mir Leid, ich kann einfach nicht!´´
Sara nickte und in ihren Augen spiegelte sich Endtäuschung. Sie würde jetzt damit aufhören, auf Lara einzureden und hoffte, das sie dann von alleine zu ihr komme würde. Sara war beleidigt und konnte die Reaktion ihrer Freundin nicht verstehen. Sie verstand nicht, wie jeamnd so verdammt stur und dickköpfig sein konnte und sagte dann: ,,Du weißt wo du mich findest!´´
Dann drehte sich die Polizistin, ohne ein weiteres Wort um und ging und Lara war wieder allein.
…Warum muss ich auch so fürchterlich Stur sein?…
Sie ohrfeigte sich selbst innerlich und blickte aus dem Fenster.
Es war noch so früh an diesem Morgen, doch schien die Sonne schon glühend.
Ihre Verletzung machte sich etwas bemerkbar, doch Lara fand es gut so. Es gab ihr das Gefühl zu leben.
Dann klopfte es an ihre Zimmertür…
,,Ja?´´ rief Lara und drehte sich um.
Ihr Blick erhellte sich, als sie Sammy erblickte und sie glaubte, das es Neuigkeiten von Madeleine gibt, doch der Blick ihres Patenonkels machte ihre neue Hoffnung gleich zu Nichte.
,,Hi, Kleine, wie geht es dir?´´ fragte er und trat näher, nachdem er die Tür geschlossen hatte.
Lara überging die Frage und stellte eine andere: ,,Gibt es etwas neues von Madeleine?´´
Sammy stand nun vor ihr und schüttelte den Kopf: ,,Nein, der Arzt hat eben nach ihr gesehen, doch das gleiche gesagt, wie gestern Abend. Ich wollte mich nur umziehen und dann fahre ich wieder hin…´´ als sie den Kopf senkte, sprach er weiter, ,,…Wie ich höre, wollt ihr aufbrechen?´´
Lara nickte und sah ihren Patenonkel wieder an: ,,Ja. Du kommst wohl nicht mit, oder?´´
,,Nein, ich bleibe bei ihr!´´
Lara nickte: ,,Okay, das ist kein Problem. Wir werden gleich nach Andorra fliegen und von dort aus…´´ er drehte sich von ihr weg, während sie sprach ,,…Sammy? Was ist los?´´
,,Ich wünschte ich könnte dich begleiten.´´
,,Das musste du nicht! Ich weiß, wie viel Madeleine dir bedeutet!´´ sie kam dabei näher und legte ihn ihre Hand auf die Schulter.
,,Ihr bedeutet mir beide viel…´´ er drehte sich wieder zu ihr um, ,,…Ich liebe dich wie eine Tochter und für mich bist du es auch, doch ich wende mich von dir ab, um bei der Frau zu sein, die ich Liebe.´´
,,Es ist okay!…´´ sagte Lara, doch Sammy sprach einfach weiter: ,,…Ich habe bei deiner Taufe geschworen dich zu beschützten und für dich zu sorgen, falls deinen Eltern etwas passiert und das habe ich getan, doch jetzt…´´
,,Sammy!…´´ diesmal hörte er ihr zu, ,,…es ist okay! Ich danke dir für alles, was du für mich getan hast und ich bitte dich um einen Gefallen…´´ er blickte sie an und sie sprach weiter, ,,…Bleib hier, bei Madeleine und sag uns bescheid, wenn sich etwas verändert.´´
Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht und dann auch über ihres.
,,Es tut mir Leid!´´ flüsterte Lara.
,,Warum?…´´ Sammy fuhr ihr über die Wange, ,,…Es gibt keinen Grund dazu. Du hast keine Schuld!´´
,,Wenn ich ein anderes Leben geführt hätte und führen würde…´´ begann Lara und sah Sammy fest in die Augen, ,,…würde sie jetzt nicht im Koma liegen!´´
Er schwieg.
Er wusste, das sie recht hatte und sie wusste es auch.
Doch Sammy wollte nicht, das sie sich das eingestand.
,,Ich bin sicher, das sie wieder aufwacht!´´ sagte Sammy dann.
,,Ich hoffe, du hast recht! Denn ich würde mir nie…´´
,,Hey…´´ er drückte sie kurz, ,,…sie wird wieder okay, das weiß ich und den Rest mit der Cabal, kriegst du auch noch hin und dann wird alles wieder gut! Du wirst sehen!´´
Lara nickte, als sie sich voneinander lösten.
,,Ich geh dann…´´ sagte er.
Lara nickte abermals und wusste, das sie Sammy für den Moment zum letzten mal sah…
