Disclaimer: Nur ausgeliehen.

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Stranded 24

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Plip. Plop.

Plip.

Plop.

Ob es in der Hölle ebenso dunkel war wie hier? Krad hatte jegliches Zeitgefühl verloren, seit er vor scheinbar unendlich langer Zeit inmitten undurchdringlicher Schwärze erwacht war. Mit einem leisen Stöhnen versuchte er, die Hände zu bewegen, doch wie schon zuvor gab er nach wenigen Sekunden auf. Wer auch immer ihn fesselt hatte, verstand etwas von seinem Handwerk. Die schweren Ketten, die seine Handgelenke umschlossen und über seinem Kopf an die Wand ketteten, rührten sich nicht einen Millimeter.

Plip. Plop.

Plip.

Plop.

Wenn er nur etwas sehen könnte. Verzweifelt drehte Krad den Kopf in die Richtung aus der er den Klang der fallenden Wassertropfen vernahm, doch es war sinnlos. Nicht der kleinste Funken Licht erhellte die Dunkelheit, die sich in ihrer Intensität in sein Innerstes bohrte und ihn an die Ängste erinnerte, die er als Kind ausgestanden hatte. Schon als kleiner Junge hatte er geahnt hatte, das es die Monster, die in Schränken lauerten, eben ‚doch' gab. Eine Angst, die sich in den letzten Wochen bewahrheitet hatte.

Plip.

Das stetige Tropfen des Wassers trieb ihn allmählich trieb es ihn in den Wahnsinn. Wenn das noch lange so weiterging, würde er noch verrückt werden.

Plop.

Sein Gefühl sagte ihm, dass er sein Gefängnis sich unter der Erde befand. Er konnte deutlich die Kälte spüren, die durch die rauhen Steine drang und allmählich seinen ganzen Körper umhüllte. Solch eine Kälte hatte er bisher nur in den Verliesen erfahren. Vielleicht war dies der Ort, an dem er sich gerade befand.

Plip.

Plop.

Wieviel Stunden hat die Nacht, wenn sie kein Ende hat?

Plip.

Wieviel ist dein Leben wert, wenn es niemanden kümmert ob du lebst oder stirbst?

Aber ich kümmere mich."

Plop.

Nein.

Plop.

Ich habe mich immer gekümmert."

Nein.

Du bedeutest alles für mich."

NEIN.

Plop.

Danach war nur noch Schmerz.

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„Wenn der Alte recht hatte, dann müssen wir nur da hinten nur noch rechts abbiegen." Themin rollte den Plan zusammen und steckte ihn in die Tasche. Er war froh, dass sie endlich am Ziel waren. Seine Hüfte schmerzte von den unendlich scheinenden Treppen, die sie in den letzten Minuten hinuntergestiegen waren und seine Geduld neigte sich mit jedem Schritt mehr dem Ende zu.

Satoshi eilte den beiden anderen voraus und spähte um die Ecke. Alles, was er sehen konnte, war ein leerer Gang, der spärlich von einigen Fackeln erhellt wurde. Er blickte die Wände entlang und runzelte die Stirn.

„Seid Ihr sicher, dass es hier ist? Ich kann nichts entdecken. Hier gibt es nichts außer Staub und Spinnweben."

„Was?" Themin trat an dem Jungen vorbei und überzeugte sich davon, dass er die Wahrheit sagte. Nicht eine einzige Tür weit und breit. Wie es schien, war alles umsonst gewesen. „Der Alte hat mich belogen!"

„Das glaube ich nicht." Daisuke war weiter vorangegangen und wies auf eine Stelle in der Mauer, an der die Ziegel eine etwas andere Färbung hatten. „Die Tür wurde zugemauert. Man kann noch die Umrisse erkennen."

„Verdammt! Was machen wir jetzt? Das war unser einziger Anhaltspunkt!" Satoshi hieb mit der Faust gegen die Mauer und ignorierte den stechenden Schmerz, der gleich darauf seine Hand durchzuckte. „Ich war so sicher, dass wir Krad hier unten finden."

„Vielleicht gibt es einen anderen Eingang!" Daisuke klopfte probehalber gegen die Steine und wurde von Satoshi mit einem verächtlichen Schnauben dafür belohnt.

„Das ist eine solide Mauer, Daisuke. Ich bin mal gespannt, was du dir davon versprichst."

Der Rotschopf zog es vor, seinen Freund zu ignorieren und klopfte weiterhin die Wand ab. Satoshis offene Feindseligkeit machte ihm schwer zu schaffen und das nur wegen einer einzigen unbedachten Äußerung. Wer hätte gedacht, dass Satoshi dermaßen empfindlich... Seine Fingerspitzen ertasteten eine kleine Öffnung. Neugierig drückte er dagegen und wurde mit einem kaum hörbaren Klicken belohnt.

„Daisuke, du bist genial," sagte Satoshi mit leiser Bewunderung in der Stimme, als auf einmal die zugemauerte Tür aufschwang und den Blick auf ein verstaubtes kleines Labor freigab.

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Sie hatten es also gefunden und wie Lämmer, die man zur Schlachtbank führt, waren sie direkt in die Falle getappt.

Jorgen löste sich von der Säule, deren Schatten ihn bisher den Blicken der anderen verborgen hatten und lauschte für einen Augenblick auf die schwächer werden Stimmen des Beraters und seiner beiden Begleiter. Die dicken Wände des Labors schluckten fast jedes Geräusch und die wenigen Laute, die auf den Flur drangen, würden auch noch ersterben, sobald die einzige Öffnung sicher verschlossen war.

Vorsichtig tastete er in seiner Tasche nach dem Schlüssel. Wenn er ihn vergessen hatte, dann wäre alles umsonst... doch nein, er hatte ihn dabei. Er konnte das Spiel wie geplant beenden.

Auf leisen Sohlen näherte er sich dem Labor, wobei er immer wieder prüfend nach rechts und links blickte. Obwohl er genau wusste, dass niemand sonst in diesen entlegen Winkel des Schlosses kam, gab diese kleine Vorsichtsmaßnahme ihm ein angenehmes, aber auch ein wenig beschämendes Gefühl von Sicherheit. Eigentlich hatte er dies gar nicht mehr nötig, doch so ganz hatte er die Verhaltensmuster, die er jahrelang für seine Existenz als Heiler verinnerlicht hatte, wohl doch noch nicht abstreifen können.

Jorgen seufzte leise und gestattete sich für einen kurzen Augenblick, Bedauern zu empfinden. Eigentlich schade, dass es schon vorbei war. Die Jagd hatte gerade begonnen ihm Spaß zu machen. Allerdings hatte man ihm keine nennenswerte Herausforderung geboten, aber das zu erwarten, wäre wohl zu viel des Guten gewesen.

Aus dem Labor hörte er unterdrücktes Fluchen und jetzt konnte er ein überlegenes Grinsen nicht mehr unterdrücken. Seine Gegner waren in einer Sackgasse, doch das merkten sie nicht. Für einen kurzen Augenblick hatte er Mitleid mit diesen armen bedauernswerten Kreaturen, doch das hielt nicht lange an. Sie hatten es nicht anders verdient. Sie hielten sich für so schlau und doch waren sie, ebenso wie alle anderen, nichts weiter als willenlose Schachfiguren, die er nach Belieben hin und her schieben konnte. Sie waren seines Mitleids nicht würdig.

So geräuschlos wie möglich schob er den Schlüssel ins Schloss, dann schlug er die Tür zu. Gleich darauf hatte er abgeschlossen und mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen überließ er die drei hinter der Tür ihrem sicheren Tod.