Kapitel 23 Neuigkeiten
„Wenn sie den Zauber, von dem Pansy gesprochen hat, aktiviert haben, bleiben wir so unbemerkt."
Harry startete das Motorrad. Draco saß hinter ihm und sie fuhren vom Kloster zu der Straße, die sie nach London bringen würde. So früh am Morgen schliefen die meisten noch ihren Rausch von der Neujahrsfeier aus und daher gab es kaum Verkehr, bis sie eine der Zufahrtsstraßen nach London erreichten. Sie wollten sich mit Ron und Hermione im Haus der Grangers treffen. Harry parkte das Motorrad einige Straßen entfernt und sie legten den Rest des Weges zu Fuß zurück. In einer Tasche hatten sie ihre Zauberstäbe, in der anderen ihre, durch Zauber, verkleinerten Besen.
„Hör mal, Harry... ist dir schon in den Sinn gekommen, dass es einer deiner Freunde gewesen sein könnte, der uns an die Todesser verraten hat?"
Harry, der von dieser Aussage sehr überrascht war, und vor allem darüber, dass es von Draco kam, blieb wie angewurzelt stehen und schaute ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Ron oder Hermione? Unmöglich!"
„Warum ist das unmöglich? Weil sie deine Freunde sind oder Gryffindors? Außerdem habe ich damit auch Mutter und Vater Wiesel, Tonks und Lupin gemeint. Jemand muss ihnen gesagt haben, wohin wir Robards bringen. Und wir wissen, dass es niemand von meinen Leuten war. Also muss es jemand von deinen gewesen sein."
„Du vergisst dabei, dass nicht einmal Ron wusste, wohin wir ihn bringen. Genauso gut hätten sie Robards warnen können, aber sie haben es nicht gemacht."
„Woher weißt du das? Robards hätte es wissen können und vorgeschlagen haben, sich dumm zu stellen, damit die Todesser dich gefangen nehmen können. Als wir geflohen sind, habe sie gesehen, dass der Plan nach hinten losging und sie töteten Robards, damit er nicht von den Auroren befragt werden konnte."
Harry erschien diese Idee sehr weit hergeholt zu sein. Harry vertraute seinen Freunden wirklich.
„Der Unterschied zwischen meinen Freunden und Robards ist, dass sie wissen, dass man die Pforte nicht kontrollieren kann. Keiner von ihnen ist so verrückt, Draco. Außerdem, wenn sie mich den Todessern übergeben hätten wollen, wieso gerade auf diese Nacht warten? Sie hatten bessere Gelegenheiten!"
Draco grübelte auf dem restlichen Weg zum Haus der Grangers darüber nach und nickte schließlich.
„In Ordnung. Es kann sein, dass du Recht hast und dass Robards eine Methode hatte seine Komplizen zu warnen. Aber ich bleibe weiterhin misstrauisch."
„Du wärst nicht du, wenn du das nicht wärst", antwortete Harry ironisch.
Einige Sekunden später klingelten sie und Dr. Granger öffnete ihnen die Tür mit besorgter, aber dennoch freundlicher Miene. Harry hatte ihn, schon bevor das mit Ginny geschehen war, lange nicht mehr gesehen, aber er bemerkte, dass er ihn grüßte wie immer. Ohne Umschweife stellte er ihm Draco vor. Im Esszimmer trafen sie auf Remus und Tonks, die schnell aufgestanden waren, um beide zu begrüßen."
„Wir waren sehr besorgt. Obwohl wir uns wenigstens denken konnten, dass du in Hogsmeade den Patronus geschaffen hast."
„Die Todesser haben uns überrascht."
„Seid ihr alle in Ordnung?", fragte Remus.
Harry schaute aus dem Augenwinkel zu Draco und schüttelte den Kopf.
„Nein. Sie habe einen von uns getötet, Greg Goyle. Konntet ihr schon mit Ron reden?"
„Gestern Abend", antwortete Tonks. „Draco... ist es wahr? War es wirklich sie? Sie lebt noch?"
Harry benötigte einen Moment, um zu verstehen, dass sie von Narcissa redete. Ron musste es ihnen erzählt haben. Tonks dachte bestimmt an ihre Mutter Andromeda. Würde sie sich freuen, wenn sie erführe, dass noch eine Schwester am Leben war? Er hatte mit Draco noch nicht darüber geredet und er wusste nicht, wie Narcissa darüber dachte.
„Weasley ist eine Klatschtante."
„Du hast ihm nicht gesagt, dass er es nicht verraten darf", erinnerte ihn Harry. „Und deine Mutter schien sich keine Sorgen darüber zu machen erkannt zu werden."
„Ich habe meiner Mutter gegenüber nichts erwähnt, Draco, nicht einmal von dir", versicherte ihm Tonks. „Aber auch wenn sie weiterhin streiten würden, weiß ich, dass meine Mutter sich freuen würde zu wissen, dass ihr beide am Leben seid."
Draco sagte nichts und setzte sich, nun völlig in die Ecke gedrängt, auf einen Stuhl. Ein Klingen an der Tür rettete ihn. Die vier Zauberer zogen automatisch ihre Zauberstäbe, obwohl Draco sitzen blieb. Aber, als er sah, wer zur Tür reinkam, sprang er auf. Harry war auch überrascht, aber nicht beunruhigt.
„Minerva..."
Seine ehemalige Verwandlungslehrerin und jetzige Direktorin von Hogwarts, zog sich ihren Umhang aus und umarmte ihn kurz.
„Harry, mein lieber Junge... Geht es dir gut? Du kannst dir nicht vorstellen wie gerne ich dich sehen wollte. Hat dir Remus erzählt, dass ich bestimmt ein halbes duzend Mal versucht habe, dich in Askaban zu besuchen?"
„Ja, machen Sie sich darüber keine Gedanken", beruhigte er sie, zufrieden sie zu sehen.
Sie schenkte Draco einen ihrer berühmten strengen und durchdringenden Blicke. Es war offensichtlich, dass er weniger davon begeistert war, sie hier zu treffen.
„Mister Malfoy...Ich muss sagen, dass ihre Beteiligung an dieser Sache doch eine angenehme Überraschung war."
„Für mich ist es auch eine Überraschung Sie hier zu treffen, Professor McGonagall", antwortete Draco ungerührt. „Wen erwarten wie noch alles?"
„Ron hat uns gesagt, dass er mit allen Weasleys kommt", antwortete Remus. „Er hat ihnen gestern vom Geständnis von Robards erzählt. Niemand von ihnen kann mehr etwas gegen dich oder Harry haben."
Harry bemerkte, dass Draco in seinem Inneren einen Kampf ausfocht zwischen dem Wunsch seiner Wut nachzugeben und zu gehen oder zu bleiben und zu helfen den nächsten Schritt zu planen. Schließlich entschied er sich für das letztere, obwohl Harry sich fragte, ob die Ankunft von sechs oder sieben weiteren Gryffindors ihn nicht überfordern würde. Na gut, er hatte drei lange Monate unter Slytherins gelebt und hatte es überlebt.
Obwohl Draco teilweise schon Recht hatte.
„Ich gebe euch einen Rat, Leute. Wir Justizflüchtlinge sind etwas paranoid."
Die Direktorin von Hogwarts schaute wieder Draco an.
„Wo wir schon mal hier sind Mister Malfoy. Das Porträt von Professor Dumbledore bat mich, Ihnen mitzuteilen, dass er gerne mal mit Ihnen reden würde. Wie es scheint hat er Informationen, die helfen könnten ihre Rolle als Spion für den Orden des Phönix zu klären."
Harry strahlte über das ganze Gesicht, aufs neue positiv überrascht, und schaute zu Draco, der als einzige Reaktion eine Augenbraue gehoben hatte.
„Dumbledore weiß, dass ich für den Orden gearbeitet habe?"
„Das entzieht sich meiner Kenntnis. Sie müssen schon nach Hogwarts kommen und ihn selbst fragen."
Für Harry war es eine so tolle Nachricht, dass er sich neben Draco setzen musste und ihn liebevoll und freundschaftlich anstupste, aber Draco schien noch skeptisch zu sein. Da klingelte es wieder an der Tür, Mrs Granger ging und ließ einen Schwall Weasleys ins Haus. Nur Percy fehlte; später erklärten sie ihnen, dass er zu sehr auf die Regeln und Gesetzte fixiert war, um ihm hundertprozentig trauen zu können.
Fünf Minuten lang war das Esszimmer ein Chaos aus Begrüßungen, Erklärungen und Entschuldigungen von Rons Brüdern, die geglaubt hatten, dass er Ginny getötet hatte. Harry suchte Draco und fand ihn etwas abseits stehend, wie er, etwas bleich, Bill Weasley anstarrte. Ohne darüber nachzudenken, entwischte er bekümmert und stellte sich neben Draco, um ihm aufmunternd die Hand zu drücken. Draco zog seine Hand als hätte er sie verbrannt, zurück, sein Gesicht wies aber keine Ablehnung auf. Er schien ihn nur daran erinnern zu wollen, dass man hier dachte, sie seien nur Freunde. Kurze Zeit später begrüßten Hermione, Ron und seine Eltern auch Draco. Es folgten George, Charlie und zuletzt Bill und seine Frau Fleur. Er schien freundlicher zu sein als sie.
„Malfoy", begrüßte Bill ihn und reichte seine Hand. „Remus hat erzählst, dass du zuletzt für uns gekämpft hast."
Wenn Harry nicht drei Monate mit Draco zusammengelebt hätte, würde er behaupten, dass dieser die Ruhe selbst war. Schließlich zitterte seine Hand kaum als er sie Bill reichte. Aber er kannte ihn gut genug, um sich nicht von ihm täuschen zu lassen.
„Mir gefallen weder Morde noch größenwahnsinnige Fellbüschel. Das mit Greyback tut mir Leid."
„Lass gut sein!"
Fleur war weniger verständnisvoll und grüßte ihn beinahe unhöflich, sagte aber nichts gegen Draco und diesen schien ihr Verhalten nicht sehr zu stören, wenigstens nicht mehr als die Anwesenheit von so vielen Leuten, denen er nicht vertraute. Harry überlegte, ob Fleur auch geglaubt hatte, dass er all die Morde begangen hatte und ob sie dachte, dass sei entschuldbarer wie das, was Draco mit sechzehn getan hatte. Aber Remus, der schon immer feinfühlig auf die Stimmung in seiner Umgebung reagiert hatte, übernahm die Initiative und bat alle Platz zu nehmen. Sie hatten wichtigeres zu tun. Ron wollte Harry einen Platz neben sich reservieren, aber dieser setzte sich neben Draco.
„Bevor wir beginnen muss ich zugeben, dass ich die Befragung des Auroren Robards gerne mit eigenen Augen sehen würde", sagte McGonagall. Sie schaute zu Molly und Arthur. „Hat er alles gestanden?"
„Alles, diese Kanaille!"
„Einen Moment mal", unterbrach Draco mit eisiger und fester Stimme. „Ich nehme an, Weasley, dass du deiner Familie mit Hilfe der Legilimentik, das Verhör gezeigt hast."
„Hast du damit ein Problem?"
„Ja, die Todesser kamen innerhalb von zwanzig Minuten zur Scheune. Jemand muss ihnen gesagt haben, wo wir sind. Ich weiß, dass es keiner von meinen Leuten war, da ich gestern alle mit Veritaserum befragt habe. Und Harry wird dir sicher bestätigen, dass ich es auch genommen habe."
Mehrere rote Augenbrauen runzelten sich synchron.
„Glaubst du etwa, dass es einer von uns war?", fragte George Weasley empört.
Draco zog den Flachmann, den seine Mutter ihm geschenkt hatte, aus der Tasche und Harry, obwohl er es für unnötig hielt und über dieses Vorgehen gerne informiert gewesen wäre, konnte nicht umhin Draco mit gewisser Bewunderung anzuschauen. Man musste wirklich kaltschnäuzig sein, um sich hier mit dem Dunklen Mal hinzustellen und vom halben Phönixorden zu verlangen, dass er Veritaserum nahm.
„Das ist nichts Persönliches. Hier geht es ums Überleben."
Außer Remus und Tonks drehten sich alle Harry zu, als ob sie hoffen würden, er könnte das ganze auflösen. Aber das war ein Kampf, den er nicht kämpfen wollte.
„Ich habe es auch genommen", versicherte er, als ob das die Sache vereinfachen würde.
Remus und Tonks nahmen das Veritaserum als erstes. Draco gab ihnen eine Dosis, die sie für fünf Minuten nur die Wahrheit sagen ließ und er stellte ihnen dann die gleichen Fragen wie seinen Freunden am Tag zuvor. Die Hogwartsprofessorin war die nächste, obwohl ihr Gesicht nicht mehr Missbilligung hätte ausdrücken können. Dann nahm ein Weasley nach dem anderen den Trank.
Als sie fertig waren, war Harry mit dem Ergebnis zufrieden, aber er musste sich fragen, was denn dann in dieser Nacht geschehen war.
„Ein permanenter Lokalisationszauber?", schlug er Draco vor.
„Nur als allerletzte Möglichkeit. Weasley..." Sechs Personen schauten auf und Draco hob eine Augenbraue. „Ron Weasley, um genau zu sein. Wer hat die Auroren verständigt und wann? Weißt du das?"
„Ein achtzigjähriger Zauberer, der zehn Meilen von Robards Haus entfernt wohnt, hat deinen Patronus gesehen, Harry. Er hat die Auroren verständigt, die etwa zehn bis fünfzehn Minuten später eingetroffen sind. Sie haben eine völlig aufgelöste Mrs Robards vorgefunden, die ihnen erzählte, dass Draco und du ihren Mann entführt habt. Alle verfügbaren Auroren wurden daraufhin verständigt. Ich kam echt gerade rechtzeitig nach Hause, als ich informiert wurde. Aber sie hätten nicht gewusst, wo sie mit der Suche anfangen sollten, wären nicht Unverzeihliche während eurer Flucht gesprochen worden. Ihr seid so hoch geflogen, dass ihr von mehreren Zeugen in der Umgebung gesehen wurdet. Sogar ein paar Muggel haben euch gesehen. Als die erste Meldung eintraf, hat uns Dawlish alle dorthin beordert."
„Was glaubte er, was passiert ist?", fragte Harry.
„Das Robards entkommen ist und ihr ihn verfolgt habt."
„Ich kann mit vorstellen, dass durch die Aussage seiner Frau und der schmückenden Beiwerke der Todesser in seinem Haus, jetzt alle Welt davon überzeugt ist, dass Draco und ich es waren."
Ron nickte. „Ja."
„Haben sie außer Robards noch eine Leiche gefunden?"
„Etwa fünfzehn Meilen entfernt die von Montague. Aber das ändert nichts. Für die Leute ist er einer von euch."
McGonagall unterbrach sie
„Das ist der richtige Zeitpunkt, um zu zeigen, was Robards genau gesagt hat.
Remus und Tonks stimmten McGonagalls Forderung zu. Um die Sache zu beschleunigen, stellte sich jeder von ihnen zu einem der drei Zeugen. Da er an Narcissas Vorgehensweise gewohnt war, fand Harry die Methode der Direktorin etwas irritierend, aber geduldig ließ er es über sich ergehen
„Was für Chancen habe ich vor dem Zaubergamot?", fragte er, als die Neugierde der drei gestillt war. „Würde das ausreichen, nachdem was alles passiert ist?".
„Das und die Aussage von Hermione müssten ausreichend sein", antwortete McGonagall. „Natürlich vorausgesetzt, dass kein weiteres Mitglied des Zaubergamots in diese Schweinerei verwickelt ist."
„Vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, wo du direkt mit dem Minister reden solltest, Harry", schlug Arthur vor.
„Ich denke das ist keine gute Idee", antwortete Draco. „Im Moment würde Scrigmeour Harry bestimmt am liebsten mit seinen eigenen Händen erwürgen."
„Aber nicht, wenn wir mit ihm gehen, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Scrigmeour ist ein intelligenter Mann."
„Scrigmeour befahl die Verbannung der Familien der Todesser und schloss Slytherin ohne dass es ihn interessiert hat, ob es ungerecht oder gefährlich für das Gleichgewicht der Magie war. Mir scheint er nicht so intelligent zu sein."
Harry dachte etwas nach und schaute Ron dann zweifelnd an.
„Wenn ich mit ihm rede, wenn ich ihn meine Gedanken lesen lasse und er mir dann immer noch nicht glaubt, oder denkt ich wolle ihn täuschen, dann wird er wissen, dass du auch mit drin steckst."
Sein Freund zuckte mit den Schultern.
„Dann müsst ihr mir in euerem Versteck eben ein Plätzchen frei räumen. Ich bin nicht sehr anspruchsvoll."
Es wäre von großem Vorteil, wenn Scrigmeour ihnen glauben würde. Das Ministerium könnte aufhören Draco und seine Leute zu suchen und stattdessen sich auf die echte Bedrohung konzentrieren. Und wenn er von allen Anschuldigungen befreit werden würde, müsste er sich nicht mehr um die Auroren sorgen, sondern nur noch um die Todesser... und das hatte er seit er elf war gemacht. Klar war es nicht sehr wahrscheinlich, dass alle Anschuldigungen sofort fallen gelassen werden würden, noch weniger, wenn sie ohne eine akzeptable Erklärung für die Bevölkerung abgegeben wurde.
Die Ausgabe des Tagespropheten, die Hermione mitgebracht hatte, bestätigte, dass Harry und Draco die Hauptverdächtigen im Mordfall Robards waren. Man redete natürlich wieder von Rache. Die unerträgliche Rita Skeeter ging sogar soweit zu spekulieren, wer wohl das nächste Opfer sein würde und tippte auf die Weasleys und Hermione.
McGonagall schlug vor, dass sie das Treffen in Hogwarts abhalten könnten und nicht nur Harry sich einfinden sollte, sondern auch Draco, Ron, Hermione, Arthur und Remus.
Die ersteren könnten seine Aussage bestätigen und die zwei letzten waren eine Garantie für die Echtheit der Aussage. Sogar Dumbledores Porträt könnte seinen Teil dazu beitragen, da es helfen konnte, Dracos Arbeit als Spion für den Orden zu bestätigen.
Harry hielt das für eine bessere Idee als sich alleine mit Scrigmeour zu treffen und er bemerkte, dass Draco wohl ebenso dachte.
„Wann können wir es machen?"
„Ich werde ihm gleich heute Nachmittag eine Eule schicken", antwortete die Direktorin. „Wenn ich eine Antwort erhalten habe, setzte ich mich mit Remus in Kontakt, damit er euch benachrichtigt."
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McGonagall verließ das Treffen kurze Zeit später, aber nicht ohne Hermione vorher Schutz in Hogwarts anzubieten, falls sie es wollte. Harry dachte die Versammlung sei vorbei, sah aber plötzlich Molly mit einem Haufen Pakete beladen, die er zuvor nicht gesehen hatte. Sie wollte ein Familienessen für alle zubereiten. Natürlich, weil sie an Weihnachten keins hatten. Harry gefiel die Idee – Harry schmeckte schon immer alles was Molly Weasley kochte – und er drehte sich zu Draco.
„Wenn wir uns verspäten, werden sie sich Sorgen machen."
„Ich werde zurückgehen, bleib du hier, wenn du möchtest."
„Draco..."
„Wirklich, es macht nichts. Außerdem wollte ich mich noch mit Vince treffen. Wir sehen uns!"
Wie als wäre der Anti-Apparationszauber, von dem Pansy erzählt hatte, nur ein Gerücht, verabschiedete sich Draco nur mit einem „Tschüß an alle" und disapparierte.
Harry gab einen kleinen traurigen Seufzer von sich.
„Komm schon Kumpel", sagte Ron und legte eine Hand auf Harrys Schulter. „Du braucht mal etwas Urlaub von den Slytherins!"
Harry störte dieser Kommentar nicht, aber er musste sich auf die Zunge beißen, um nicht zu sagen, dass er nicht eine Stunde Urlaub von einem bestimmten Slytherin benötigte.
Schnell war er von George, Bill und Charlie umringt. Nachdem sie sich nochmals entschuldigt hatten, wollten sie alles über die Rettung durch Draco wissen und wie sie auf Robards Spur gekommen waren. Dann erzählten er und Ron genau, was in der Scheune vorgefallen war. Es war Ron gewesen, der, unter dem Tarnumhang versteckt, versucht hatte die Todesser vom Boden aus zu treffen. Er war sogar kurz davor gewesen, den Todesser, den er vom Besen geholt hatte, gefangen zu nehmen, aber er war mit einer Mischung aus Glück und Flüchen entkommen.
„Hey Harry, Ron hat erzählt, dass du mit Draco jetzt gut auskommst", sagte George mit einer Mischung aus Belustigung und Ungläubigkeit.
„Wieso sollte er nicht mit ihm auskommen?", erwiderte Tonks, bevor Harry den Mund aufmachen konnte. „Mir hat man zwar erzählt, dass er, als Jugendlicher ein Vollidiot gewesen ist, aber jetzt scheint er ein guter Junge zu sein."
Harry war dankbar für Tonks leidenschaftliche Verteidigungsrede.
„Ich verstehe mich gut mit ihm."
Das Grinsen, das dann in seinem Gesicht erschien, war etwas zu breit, sodass es Hermiones Aufmerksamkeit erregte, die ihn neugierig anschaute. Harry versuchte sein Grinsen etwas zu verstecken, aber war es wirklich notwendig? Die Angst, die er vor Monaten gespürt hatte, noch jemanden zu verlieren, war immer kleiner geworden. Er war beschützerisch gegenüber den Leuten die er mochte, das konnte er nicht abstellen, aber er hatte verstanden, dass sein Plan, sich von seinen Liebsten fernzuhalten, aus dem Schock über Ginnys Verlust heraus entstanden war. Als er daran dachte, schaute er zu Remus, der den Blick mit Zuneigung erwiderte. Ob er wohl Bescheid wusste? Sicherlich.
Kurz darauf kam Molly und verkündete, dass das Mittagessen bald fertig wäre und sie stürmten den Tisch. Bald schon konnte man sehen, dass Molly mit zwanzig bis dreißig Personen mehr gerechnet hatte.
„Malfoy hätte zum Essen bleiben sollten. Er ist so dünn."
Harry lächelte für sich. Molly dachte, dass jede dünne Person ihr Mitleid und eine Extra-Portion verdiente, egal wer es war. Hätte sie einen dünnen Voldemort getroffen, hätte sie wahrscheinlich gegen ihn gekämpft, weil sie dachte, alles was er benötigte wäre ein guter Braten.
„Wir bekommen dort gutes Essen", beruhigte Harry sie. „Das Essen ist fast wie in Hogwarts."
„Du kannst alles mitnehmen, was übrig bleibt!"
Obwohl sich Harry im Kloster wohl fühlte, war er glücklich hier mit seinen Freunden essen zu können. Das Treffen war zwar nicht so fröhlich wie früher – Ginny fehlte, das war normal – aber alle versuchten sich auf das Positive zu konzentrieren. Es war offensichtlich, dass sie darauf brannten, die Typen zu treffen, die ihre Schwester ermordet hatten. Das war letzten Endes der Charakter der Gryffindors. Harry nutzte die Gelegenheit, um die Grangers nach der Muggelwelt zu fragen, von der er sich niemals vollständig getrennt hatte, trotz dass er eine Hexe geheiratet und in der magischen Gesellschaft integriert gelebt hatte. Arthur hörte aufmerksam und begeistert zu, als würde man ihm von einem exotischen Volk im Amazonas erzählen. Aber als sie beim Nachtisch waren, einem wundervollen Schokoladenkuchen, musste Harry an Draco denken. Die Erinnerung wie er in seinen Armen um Greg geweint hatte war noch sehr frisch und weckte seinen Beschützerinstinkt, den sogar er definitiv kitschig fand. Aber er konnte nichts dagegen machen. Er wusste, dass Draco stark war und er bewunderte ihn dafür, aber andererseits hatte er das Bedürfnis ihn in seine Arme zu schließen, so wie er es letzte Nacht getan hatte. Ein kleiner melancholischer Seufzer entkam ihm.
„Oh, Schätzchen...", riss ihn Mollys Stimme aus seiner Selbstversunkenheit. „Denkst du an Ginny? Du bist doch nicht mehr wütend auf sie, oder?"
Harry wusste nicht, was ihn mehr überraschte, dass Molly vor allen mit ihm darüber reden wollte, oder dass alle seinen Seufzer missinterpretiert hatten. Obwohl es verständlich war. Für einen Moment fehlten ihm die Worte.
Es war ihm unangenehm, dass sie ihm Gefühle unterstellten, die er nicht hatte, aber es schien ihm auch etwas peinlich vor der Familie seiner Frau zuzugeben, dass er sie, schon bevor er von ihrer Untreue erfahren hatte, nicht mehr geliebt hatte. Hin- und Her gerissen, entschied er sich für die Wahrheit.
„Nein, ich bin ihr nicht böse, Die Wahrheit ist, dass unsere Ehe nicht mehr funktioniert hat. Es tut mir leid."
Er konnte fast Dracos Stimme schreien hören, warum bei allen Dämonen er sich entschuldigte.
Die Weasleys mussten dasselbe denken, denn, nach einigen Sekunden in denen sich alle wünschten, dass Molly nichts gesagt hätte, nickten alle leicht.
„So was Harry..."
„Wolltet ihr euch scheiden lassen?"
„Nein, wir hatten noch nicht darüber gesprochen, aber... es lief auf eine Scheidung hinaus."
Das schien sie etwas zu beruhigen. Harry nahm an, sie waren froh, dass Ginnys Untreue nicht so viel Schaden angerichtet hatte, wie befürchtet. Zum Glück wurde das Thema dann fallengelassen. Es machte ihm nichts aus darüber mit Draco, Remus oder sogar Hermione zu reden, aber es vor der gesamten Weasley-Familie zu tun, hatte einen schlechten Beigeschmack.
Als sie mit dem Essen fertig waren, stellten sie die Teller zusammen und räumten sie weg und Hermione fragte, ob jemand Tee oder Kaffee wollte. Sie und ihre Mutter gingen in die Küche und Remus nutzte die Gelegenheit, um Harry zu fragen, ob sie kurz alleine miteinander reden könnten. Sie gingen auf den Balkon und Harry steckte die Hände unter die Achseln, um sie vor der Kälte zu schützen.
„Was ist los, Remus? Habt ihr noch etwas über die Pforte herausgefunden?"
„Nein, nichts, was du nicht schon weißt. Ich wollte nur... hmmm...fragen, ob du... dein Problem mit Malfoy gelöst hast. Ich glaube schon, aber..."
Harry wurde etwas rot und lächelte.
„Ja.. Er… " Dann erzählte Harry, was Draco getan hatte, um seinen gut ausgetüftelten Schutzplan zu Nichte zu machen und Lupin musste laut lachen.
„Welpe, du weißt nicht, worauf du dich da eingelassen hast! Du kannst mir glauben, ich kenne die Blacks nur zu gut."
„Er ist so... Manchmal habe ich gute Lust ihn zu erwürgen. Aber dann wieder..."
„Ich verstehe dich. Ich fühlte für Sirius auch so. Und ich weiß, dass mein Schwiegervater auch so über Andromeda denkt. Wenigsten weißt du, dass das Leben mit ihnen nie langweilig ist."
Harry lächelte, obwohl er bemerkt hatte, dass Tonks nicht in dieser Aufzählung vorgekommen war. Die Wahrheit war, dass die Aurorin sehr wenig des blackschen Temperaments geerbt hatte.
„Läuft es zwischen euch gut?
„Ja, Draco ist toll!"
„Das freut mich zu hören. Ich war etwas besorgt... na ja, du weißt schon. Es ist nicht gut, von den Menschen, die man liebt getrennt zu sein."
„Ich weiß. Obwohl ich es lieber hätte, dass das ein Geheimnis bleibt, bis wir die Sache mit der Pforte hinter uns gebracht haben. Im Kloster wissen es schon alle, aber hier..."
Er zeigte ins Innere des Hauses; Lupin blickte hinein und drehte sich wieder zu Harry.
„Natürlich, kein Problem. Aber ich hoffe du bist dir darüber im Klaren, dass Tonks es als gegeben ansieht und Hermione etwas ahnt!"
„Was?"
„Tonks hat einen sechsten Sinn für solche Sachen. Und Hermione... vor ein paar Tagen hat sie mich darauf angesprochen, sie sei so überrascht gewesen, dass du und Draco so gut miteinander auskommt. Ich glaube sie hat versucht mich auszuhorchen."
Harry seufzte resigniert auf.
„Jetzt fehlt nur noch die Anzeige im Propheten." Lupin lachte. „Hör mal, kam sie dir besorgt oder nur neugierig vor?
Remus dachte etwas nach.
„Ich glaube nicht, dass sie denkt, das sei alles eine Falle von Draco oder so. Ich würde sagen Ron und Hermione vertrauen ihm schon sehr, aber klar... das ist etwas anderes. Ich denke sie brauchen etwas, um es zu verstehen."
Es war gewiss, dass Harry sich schon darauf eingestellt hatte mit ihnen zu diskutieren, wenn er ihnen von Draco erzählen würde, sodass ihn das nicht überraschte.
„Wenn sie wirklich meine Freunde sind, werden sie es schließlich akzeptieren."
Lupin gab ihm einen aufmunternden Klaps auf den Rücken.
„Das werden sie, Harry. Das werden sie."
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Als Harry ins Kloster zurückkehrte, sagte man ihm, dass Draco mit Vince unterwegs war und er wartete auf ihn und spielte derweil mit Altair, im Speisesaal, Snape explodiert.
Kurz darauf kam Narcissa herein und setzte sich zu ihnen, um das Spiel zu beobachten. Harry betrachtete sie aus dem Augenwinkel, spielte aber weiter.
„Ich habe gehört, dass sich Nymphadora nach mir erkundigt hat", sagte sie plötzlich.
„Ja", bestätigte Harry und schaute sie überrascht an.
„Hast du Andromeda kennen gelernt?"
„Auf der Hochzeit und ich bin ihr schon einmal zufällig begegnet."
Altair schaute sie an.
„Wer ist Andromeda?"
„Niemand."
„Niemand?", wiederholte Harry noch überraschter.
„Genau!", sagte Narcissa und stand brüsk auf.
Altair starrte ihr mit weit geöffneten Augen hinterher und drehte sich dann zu Harry.
„Wer ist Andromeda?"
„Es ist besser, wenn du das deine Mutter oder deinen Bruder fragst!"
Harry verstand Narcissas Reaktion nicht. Andromeda war aus der Familie ausgestoßen worden, nachdem sie einen muggelgeborenen Zauberer geheiratet hatte. Aber es verwunderte ihn, dass Narcissa sich immer noch daran störte, obwohl sie aus erster Hand erfahren hatte, wohin der fanatische Rassismus Voldemorts geführt hatte.
Als Draco zurückkam, waren sie alleine und Harry fragte ihn nach dem Grund.
„Also Harry... Meine Mutter konnte sich nie mit der Idee anfreunden Muggel oder muggelgeborene Zauberer zu töten, aber das heißt noch lange nicht, dass sie die Hochzeit meiner Tante gut findet. Und dazu kommt noch, dass meine Kusine einen Werwolf geheiratet hat..."
„Remus ist eine der besten Personen, die ich je kennen gelernt habe!"
„Das Problem hat meine Mutter, nicht ich... Außerdem geht es nicht nur darum. Da meine Mutter natürlich denkt, dass meine Tante ihr es immer noch nachträgt und es reizt sie, dass meine Tante ihr Vorwürfe machen könnte wie "Sieh nur wo du gelandet bist" und so. Wenn du einen Rat willst, halt dich raus. Wenn die zwei Frieden schließen wollen, können sie das alleine machen."
„Nein, nein, ich wollte mich nicht einmischen. Ich habe selbst schon genug mit meinen Angelegenheiten zu tun. Remus weiß über uns Bescheid."
„Woher sollte er das wissen?"
„Ähm... er hat mich gefragt und ich habe es ihm gesagt."
Dracos Augenbrauen schossen in die Höhe.
„Ja, so war es einfach für ihn, es herauszufinden. Und wie hat er es aufgenommen?"
„Gut." Innerlich lachte er sich schlapp. „Das hat uns eng miteinander verbunden, weißt du? Wir haben jetzt beide eine Black-Schwiegermutter: das schafft ein festes Band."
Draco boxte ihn in den Arm.
„Red nicht so über meine Mutter, sie ist eine bewundernswerte Frau."
„Bewundernswert ist das richtige Wort."
„Und von wegen Schwiegermutter, denkst du nicht, das geht etwas schnell?"
„Oh, natürlich, verzeih mir. Ich wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass es zwischen uns irgendetwas Ernstes geben würde, das beständig wäre. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe." Er küsste Draco auf den Kopf. „Ganz ruhig, tu so als hätte ich nichts gesagt."
Draco wusste nicht, ob er lachen oder beleidigt sein sollte.
„Idiot..."
Aber Harry lachte los und Draco stimmte bald mit ein. Es war sein erstes Lachen seit Gregs Tod.
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Lieben Dank an Celina-HP, Apollinia, Ramuthra und Zissy für die Kommis)
