May20: Mir tat es selbst leid, als ich Boromir sterben lassen musste. Wirklich! Aber meiner Meinung nach passt er einfach nicht mehr in die Geschichte hinein: sowohl in Tolkiens Geschichte nicht, als auch in meiner nicht. Man stelle sich vor: Boromir als Statthalter Aragorns! Ich glaube nicht, dass das gut gehen würde. Ich möchte lieber, dass jemand anders Aragorns Statthalter wird. Sein Name fängt mit „F" an. /grins/ Ich hoffe, dass ich in meinen künftigen Kapitel noch einige Überraschungen bieten kann. Einerseits wird sich die bekannte Handlung, wie ein roter Faden durch die Story ziehen, andererseits wird es aber schon ein wenig anders durch Faramirs Anwesenheit. In einem der nächsten Kapitel wird dann noch jemand auftauchen, der für eine Überraschung sorgt...
Ali: Wäre langweilig, wenn sich Éowyn sofort in Faramir verlieben würde. Aber sieht ja auch nicht so aus, als würde er sich in sie verlieben... /zwinker/
Leonel: Zum Glück sind jetzt deine Reviews zu lesen. Vielen Dank! Ich fand die Idee auch nicht schlecht, Brego gleich am Anfang Aragorn zu geben. So hat dann Faramir das Pferd Hasufel für sich, das im Film dann so plötzlich unter den Teppich gekehrt wurde.Éowyn kommt wohl gerade jetzt am Anfang etwas unsympathisch herüber, weil sie sich Faramir gegenüber so hochnäsig benimmt.
Rubics Cube: Hurra, ein neuer Leser! Vielen Dank fürs Reviewen!
Feael: Ich verrat' nix/grins/
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Und weil ihr alle so brav reviewt habt, bekommt ihr zur Belohnung vor dem Wochenende ein Update:
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Kapitel 25: Angriff der Warge
Der lange Zug von Frauen, Kindern und Alten kam nur langsam voran. An der Spitze des Zuges ritten die Krieger. Allen voran der König. Aragorn ging zu Fuß neben Éowyn her. Er dachte an Gandalf, der unter merkwürdigen Andeutungen plötzlich davongeritten war. Am Morgen des fünften Tages würde er zurückkommen. Zu gerne hätte der Waldläufer gewusst, welche Pläne der weiße Zauberer schmiedete. Doch Gandalf hatte sich in Schweigen gehüllt. Aragorn fummelte jetzt geistesabwesend an seinem Halsschmuck herum.
„Wer ist sie?" fragte Éowyn plötzlich. „Die Frau, die Euch dieses Geschenk gab?"
Faramir, der hinter Aragorn lief, spitzte die Ohren: die Schildmaid hatte also endlich den Abendstern entdeckt. Er war schon ganz gespannt, was der Dunedain antworten würde.
„Sie segelt mit ihrem Volk zu den unsterblichen Landen", erwiderte Aragorn schwermütig und verfiel in Schweigen.
Faramir schüttelte fast unmerklich den Kopf: mit diesen Worten signalisierte der Waldläufer Éowyn, dass ihre Verliebtheit vielleicht doch nicht umsonst war.
„Na, das kann ja heiter werden", murmelte Faramir kaum hörbar vor sich hin.
Aragorn drehte sich stirnerunzelnd um:
„Hast du etwas gesagt?"
„Nichts von Bedeutung", entgegnete der jüngere Mann geschickt.
Éowyn warf ihm einen finsteren Blick zu. Sie empfand Faramir als Störenfried.
§
Sie schlugen das Nachtlager in einem kleinen geschützten Tal auf, durch welches ein lieblicher Bach murmelte. Faramir beobachtete, wie Éowyn über einer kleinen Feuerstelle eifrig kochte. Ihre Wangen waren ganz gerötet, während sie immer mehr Zutaten in den Topf warf. Anscheinend sollte dies ein Eintopf werden. Faramir, der sich ein wenig aufs Kochen verstand, grinste vor sich hin: das kalte Hammelfleisch, das sie hineingetan hatte, würde in Kombination mit den anderen Lebensmitteln wahrscheinlich fürchterlich schmecken. Zum Glück war der Topf nicht besonders groß. Wie es aussah, kochte Éowyn nur für ihre eigene Familie. Er selbst würde sich mit Lembas begnügen.
Aragorn saß etwas abseits und ruhte sich aus. Er blickte gedankenverloren in die Ferne. Faramir wusste, an wen er dachte. Diese Éowyn würde niemals Arwen aus Aragorns Herzen verdrängen können, selbst wenn der Waldläufer die Rohir-Frau heiraten würde.
Plötzlich sah Faramir, dass Éowyn mit ihrem Kochtopf und einem Napf auf Aragorn zuging. Sollte er den Waldläufer warnen? Nein, dazu war es jetzt zu spät. Nichtsahnend ließ sich Aragorn den Teller füllen. Éowyn blieb hoffnungsvoll vor ihm stehen. Anscheinend wollte sie wissen, wie ihr Essen schmeckte. Aragorn beschnüffelte die heiße Suppe vorsichtig. Faramir beobachtete ihn mit einem diabolischen Grinsen. An der Mimik des Waldläufers erkannte er, dass er sich ekelte. Doch dann nahm Aragorn tapfer einen Löffel Brühe mit Hammelfleisch in den Mund. Er nickte mit einem falschen Lächeln und Faramir ließ sich lautlachend ins Gras fallen. Éowyn betrachtete den rothaarigen Mann mit einer Mischung aus Wut und Verwunderung. War dieser Gondorianer jetzt von allen guten Geistern verlassen?
Empört warf sie den Kopf in den Nacken und wandte sich mit ihrem Kopftopf zum Gehen. Aragorn spuckte den Inhalt seines Mundes rasch ins Gras, als Éowyn sich ein Stück entfernt hatte.
„Möge Melkor dich holen, Höhlentroll von einem Gondorianer!" zischte er Faramir wütend zu. „Du hast gewusst, was sie mir vorsetzt!"
Faramir lachte jedoch weiter, bis ihm die Tränen kamen. Aragorn ließ inzwischen den Eintopf unauffällig im hohen Gras verschwinden.
„Wie konntest du das tun, Ara! Das war doch mit Liebe gekocht", spottete Faramir prustend.
Der Waldläufer hob scherzhaft drohend den Teller in Richtung des rothaarigen Mannes.
Tief in seinen Herzen freute sich Aragorn, dass Faramir endlich einmal wieder so ausgelassen lachen konnte. Seit Boromirs Tod hatte er ihn kaum mehr fröhlich erlebt.
§
Am nächsten Morgen zogen die Rohirrim weiter. Die Gegend wurde immer gebirgiger und der Zug der Menschen wurde immer langsamer. Faramir hatte ein ungutes Gefühl: er spürte, dass Gefahr in der Luft lag. Aragorn, der wieder vor ihm zusammen mit Éowyn wanderte, wirkte heute auch ernster und verschlossener als gestern. Er gab der blonden Schildmaid nur knappe Antworten, doch der verliebten Frau schien das egal zu sein. Legolas war ein Stück vorausgelaufen: er hatte einen grasbedeckten Hügel erklommen.
„Warge!" schrie er plötzlich Aragorn und Faramir zu. „Sie greifen uns an!"
Augenblicklich gerieten die Menschen in Panik. Die Meisten von ihnen wussten, was Warge für entsetzliche Geschöpfe waren. Schreien und Klagen ertönte.
König Theoden jedoch behielt die Ruhe und sammelte seine Krieger um sich. Geistesgegenwärtig holte Éowyn die Pferde von Aragorn und Faramir.
„Ich will mitkämpfen!" rief sie ihrem Onkel leidenschaftlich zu.
„Nein, du musst die Frauen und Kinder nach Helms Klamm führen", befahl der König streng. „Tu es für mich!"
Faramir beobachtete, wie Éowyn mit sich selbst rang, doch letztendlich befolgte sie den Befehl ihres Onkels, der fast mehr eine Bitte war. Der junge Gondorianer begann die tapfere Frau immer mehr zu bewundern. Sie war ein Krieger, der in den Körper einer Frau geboren worden war. Sie würde wohl nie aus ihrer vorgesehenen Rolle ausbrechen können. Er fühlte, dass er großes Mitleid mit ihr bekam.
Éowyn warf Aragorn einen letzten Blick zu, bevor sie sich umdrehte, um zu den Frauen und Kindern zu gelangen. Und der Waldläufer nickte ihr noch einmal zu. Faramir lenkte sein Pferd an Aragorns Seite und zog sein Schwert.
„Dann lasst uns kämpfen, Freund", meinte er schief lächelnd.
König Theoden gab das Zeichen zum Angriff. Die Truppe, die nur ein paar hundert Krieger zählte, galoppierte den Wargen entgegen. Mit hundeähnlichem Gebell kamen die Warge, die von Orks geritten wurden, auf die Rohirrim zu. Faramir hatte noch nie einen Warg gesehen. Er kannte diese Unholde nur von Erzählungen her. Sie sahen aus wie Wölfe, waren aber so groß wie ausgewachsene Ochsen und bewegten sich flink wie Pferde. Ihre Mäuler hatten sie weitaufgerissen und entblößten so schreckliche Raubtierfänge. Die Warge hatten nun die Rohirrim erreicht und Faramir hob sein Schwert, um sich zu verteidigen. Es gelang ihm, einige Reiter von den Wargen mit seinem Schwert herabzufegen. Doch dann wurde er selbst vom Pferd geworfen und eine dieser entsetzlichen Kreaturen kam auf ihn zugelaufen. Rasch zog Faramir seinen Dolch und warf ihm den herannahendem Warg zwischen die Augen. Es gab eine kurze Verschnaufspause für den rothaarigen Gondorianer, der rasch sein Schwert wieder aufklaubte. Den Rohirrim war es inzwischen gelungen, die Warge weitgehend in die Flucht zu schlagen. Nur vereinzelt befanden sich noch diese Untiere und ihre Reiter lebend auf dem Schlachtfeld. Faramir suchte Aragorn und die anderen Gefährten. Er sah Gimli, der halb unter einem Warg eingeklemmt war und zog ihn vorsichtig heraus.
„Bist du verletzt?" fragte er den Zwerg besorgt.
„Nein, mir geht es gut", knurrte Gimli empört. „Von so einem Scheusal lässt sich Gimli, Gloins Sohn, nicht so leicht umbringen."
Faramir lachte leise und klopfte dem Zwerg freundschaftlich auf die Schulter. Legolas kam hinzu und wirkte recht betrübt.
„Aragorn...er ist...er ist gefallen", stammelte der Elb und zeigte Faramir und Gimli den Abendstern mit der Kette.
Faramir starrte Legolas ungläubig an.
„Das kann nicht sein! Aragorn kann nicht gefallen sein. Er darf nicht! Wo liegt er?"
Legolas wies auf einen Felsvorsprung.
„Er ist mit seinem Gegner in den Fluß hinabgestürzt."
Faramir rannte auf die Klippe zu. Am Rand bliebt er stehen und starrte in den reißenden Fluß hinab, der sich unten durchs Tal schlängelte. Von Aragorn war weit und breit nichts zu sehen.
König Theoden trat zu ihm. Er legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter.
„Ihr habt tapfer gekämpft, Faramir. Es gut mir leid um Eueren Freund. Kommt!"
Faramir rannen die Tränen offen über das Gesicht, als er sich zu Theoden umdrehte. Er nickte nur stumm und folgte dem König zu den Pferden. Brego war offensichtlich entlaufen. Aber das war jetzt nicht so wichtig.
Schweigend ritt Faramir neben Legolas und Gimli her. Sie folgten den Rohirrim nach Helms Klamm. Sie wussten, dass es Aragorn sich so gewünscht hätte.
§
Éowyn war inzwischen mit den Frauen und Kindern in der Felsenburg angekommen. Ein Späher hatte ihr mitgeteilt, dass bald der König mit seinen Kriegern eintreffen würde. Sie freute sich schon auf das Wiedersehen mit Aragorn. Ob er es zulassen würde, wenn sie ihn umarmte?
Endlich ritt Theoden durch das Tor der Burg. Er wirkte sehr ernst und bedrückt. Viele Krieger waren in der Schlacht gegen die Wargreiter gefallen. Éowyn stellte sich auf die Zehenspitzen, um Aragorn schneller erspähen zu können. Doch sie sah ihn nicht: stattdessen erblickte sie Faramir, den Elb und den Zwerg. Sie sah an Faramirs Miene, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. Rasch lief Éowyn zu ihm hin. Müde stieg der junge Gondorianer von Hasufel.
„Wo ist Herr Aragorn?" fragte die Schildmaid bebend, die schon etwas schreckliches ahnte.
Faramir seufzte und legte seine Hände auf ihre Schultern. Seine blauen Augen begannen sich erneut mit Tränen zu füllen.
„Es tut mir so leid, Herrin, aber Aragorn ist gefallen", stieß er mühsam hervor.
Éowyn warf sich an seine Brust und begann hemmungslos zu schluchzen. Faramir stand etwas hilflos da und kämpfte selbst mit den Tränen, doch dann legte er vorsichtig seine Arme tröstend um die Schildmaid.
