Amicus Draconis - 1st Cycle: Cycle of the Badger - Part 12: Erinnye

Mein Name bedeutet Schmetterling und lange Zeit habe ich geglaubt, ich müsste eines Tages fliegen können.

Glaubst du, ich kann von dieser Turmzinne fliegen, einfach ins Blaue hinein? In den azurblauen Himmel, oder den azurblauen See, was macht das für einen Unterschied? Es ist vollkommen gleichgültig, denn nichts um mich herum ist wirklich, dieser See nicht, diese Burg nicht und ganz besonders der Himmel nicht. Es sind lediglich Trugbilder eines Lebens, das längst vergangen ist, Sinneswahrnehmungen eines Mädchens, das längst nicht mehr existiert - eine leere Hülle. So leer, als hätte ein Dementor ihre Seele getrunken.

There's a pain within

That I can't define

There's an empty space

Where your love used to shine

Der Wind zerrt an meinen Haaren. Hier oben ist es immer windig, denn der Ravenclaw Tower ist der zweithöchste Turm von Hogwarts, gleich nach dem Astronomie Turm, wo wir unsere Astronomiestunden haben. Hier bin ich fünf Jahre lang zur Schule gegangen, hab' meine Sprüche gelernt, mit meinen Freundinnen gelästert, heimliche Mitternachtsparties in unserem Common Room gefeiert. Jetzt erscheint es mir, als hätte eine andere dies alles erlebt, als sei dieses Mädchen, das hier gelernt, gelacht und gefeiert hat, nicht mehr als eine Erinnerung.

From the night we met

To the day you died

Do you think I wish

Do you still believe I tried

Ich habe es nie jemandem erzählt, aber ich bin der Grund, warum alles so gekommen ist. Ich bin der Grund, warum du überhaupt erst an diesem Turnier teilgenommen hast, es war ein Versuch, mir zu imponieren. Immer wieder hast du davon gesprochen, dass wir mit dem Preisgeld gemeinsam irgendwohin fahren. Nur wir beide - einfach mal den ganzen Schulalltag vergessen und nur für uns sein.

All too soon we were divided

And life had just begun

Sollte deine Mutter das jemals erfahren, ich könnte ihr nicht mehr in die Augen sehen. Aber sie wird es nicht erfahren. Sie nicht, und niemand sonst, denn ich rede nie darüber. Ich lächle und gehe durch etwas, das einmal mein Leben war.

Will you revive from the chaos in my mind

Where we still are bound together

Will you be there waiting by the gates of dawn

When I close my eyes forever

Manchmal wache ich nachts auf und weiß nicht mehr was passiert ist. Und dann frage ich mich, warum meine Augen tränen und mein Herz in meiner Brust schmerzt, wie eine tödliche Wunde. Es kann doch alles nicht wirklich passiert sein. Nicht hier- nicht in Hogwarts, wo wir alle sicher sind. Vielleicht gab es mal das eine oder andere Problem, die eine oder andere Gefahr, aber am Schluss wurde alles aufgeklärt und in Ordnung gebracht und alle waren wieder glücklich. Solange Dumbledore uns beschützt, kann uns doch nichts geschehen.

I belong to you

You belong to me

It's the way things are

always meant to be

Das einzige, was Dumbledore jetzt beschützt, ist die Wahrheit. Er sorgt dafür, dass niemand sie erfährt. Was verbirgt er vor uns? Welches schreckliche Geheimnis?

Like the morning star

And the rising sun

You convey my life

And forgive me what I've done

Manchmal laufe ich durch die Gänge und glaube, du müsstest gleich um die Ecke biegen, irgendwo auf dem Weg zum Unterricht. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie mir einfällt, dass ich dir unbedingt erzählen muss, wie viele Punkte dieser fiese Snape uns wieder abgezogen hat, oder mich frage, welches Fach du jetzt gerade haben müsstest. Dann bin ich für einen Moment fast glücklich, denn es gibt nichts Besseres als vor der Wirklichkeit davon zu laufen. Ich habe Angst davor, was mit mir geschieht, wenn ich die Wahrheit erfahre. Ich habe schon jetzt Angst davor, was mit mir geschieht...

All too soon we were divided

Into Darkness and Light

Ich bin nicht die, für die alle mich halten. Auch vorher schon war ich es nicht, aber jetzt - jetzt bin ich überhaupt nichts mehr. Jetzt ist alles mechanisch, aufstehen, essen, in den Unterricht gehen. Wie eine Puppe mit Zahnrädern.

Will you revive from the chaos in my mind

Where we still are bound together

Will you be there waiting by the gates of dawn

When I close my eyes forever

Ich bin nicht die, für die alle mich halten. Auch vorher schon war ich es nicht, sonst hätte nicht alles so kommen dürfen. Mein Kopf dreht sich, die ganze Welt steht auf dem Kopf. Manchmal fange ich grundlos an zu schreien. Manchmal werde ich ohnmächtig, aber das passiert nicht mehr, seit Madam Pomfrey mir Pillen für den Kreislauf gegeben hat.

Save me- reverse how I'm thinking of you

Every breath I take brings me closer

Closer to forever - to you

Professor Flitwick ist zu bedauern, immer wieder und wieder hat er versucht, sich um mich zu kümmern. Wollte, dass ich mit ihm rede. Ich rede nicht, nicht über dich, nicht über das, was passiert ist. Wozu auch, ich weiß ja ohnehin nicht was passiert ist und werde es nie erfahren. Es ist sinnlos, alles vollkommen sinnlos. Manchmal reißt der goldenen Faden an dem unser Leben verläuft einfach ab und dann ist es sowieso nur noch eine Frage der Zeit. Diese Gleichgültigkeit ist schlimmer als jede Verzweiflung, denn sie bedeutet, dass ein Teil von mir gestorben ist.

All too soon we were divided

And life had just begun

Ich soll dankbar sein, sagt meine Mutter. Dankbar sein, für all das Schöne, das ich erleben durfte und keine Gier empfinden für das, was ich nicht haben kann. Gier ist der Anfang alles Bösen sagt sie und ich weiß genau, ich bin gierig, ich bin böse, durch mich hat alles Böse angefangen, denn wegen mir wolltest du unbedingt an diesem Turnier teilnehmen, wolltest dass ich dich bewundere, wolltest meine Aufmerksamkeit, meine Wertschätzung, meine Liebe. Warum musstest du dich in jemanden wie mich verlieben, jemanden von dem du hättest wissen müssen, dass sie dich mit Sicherheit ins Unglück stürzen wird? Ich habe viel zu viel Wasser in meiner Persönlichkeit, sagt meine Mutter und Wasser macht, dass alles wegfließt.

Will you revive from the chaos in my mind

Where we still are bound together

Will you be there waiting by the gates of dawn

When I close my eyes forever

Ich warte auf den Moment, an dem der Strom meiner Gedanken abreißt, wird es ein Knall sein, oder wird er sich langsam auflösen, wie Herbstnebel? Meine Füße haben die Turmzinne verlassen, meine Augen blicken ins Blau des Himmels, oder des Sees, was macht das für einen Unterschied? Fragen Schmetterlinge danach, ob die Welt um sie herum ewig ist, oder einfach aufhört zu existieren? Sommer sind kurz und der Winter bringt Kälte, die ihre zarten Flügel viel zu schnell gefrieren lässt.

Will you revive from the chaos in my mind

Where we still are bound together

Will you be there waiting by the gates of dawn

When I close my eyes forever

Und wenn der Nachtfrost kommt, gibt es kein Morgen mehr.

Amicus Draconis - 1. Zyklus: Zyklus des Dachses - Teil 12: Erinnye - Rachedämon

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Atem...

Warmer Atem, der durch ihre eisigen Lungen drang und sie mit Leben erfüllte. Ein Hustenanfall schüttelte sie, dann ein zweiter, sie spuckte Wasser und ein paar Tropfen Blut und die Kälte fuhr wie ein Schwert durch ihren Körper.

Sie war nicht tot...

Sie war klatschnass, fror und alles tat ihr weh. Der Aufprall auf der harten Wasseroberfläche musste ihren Körper geradezu mit blauen Flecken überzogen haben und vielleicht hatte sie sich auch etwas gebrochen...

Aber sie lebte und in diesem ersten Moment wusste sie nicht, ob sie sich darüber freuen, oder nur noch verzweifelter sein sollte. Nichts hatte sie sich mehr gewünscht, als die Augen zu öffnen und Cedric's Gesicht vor sich zu sehen, wie auch immer Augen und/oder Gesichter im nächsten Leben geartet sein mochten.

Aber - war sie dem Tod auch noch einmal entronnen, so war er doch nur wenige Zoll von ihr entfernt. Denn dieses Gesicht, welches sich über sie beugte, der Atem, der sie zum Leben erweckt hatte, gehörte - wenn nicht dem Tod, dann doch zumindest dem Teufel.

Er sah ganz genauso aus, wie auf den vielen Photographien. Zerrissene Kleidung, verwahrlostes Aussehen, langes zottiges braunschwarzes Haar. Nur seine Augen, seine Augen waren irgendwie anders. Auf den Bildern waren sie vom Wahnsinn gezeichnet gewesen, sein Gesicht zu einer irren Fratze verzerrt.

Jetzt schienen sie vollkommen klar und das machte die ganze Situation noch angsteinflößender. Dieser Mann war verrückt, aber er wusste genau, was er tat. Er hatte sie gerettet, nur um sie einem noch schlimmeren Schicksal zuzuführen...

Sie schrie, ein langgezogener hilfloser Schrei, den er sofort erstickte, indem er ihr eine Hand auf den Mund presste. "Sei still," flüsterte er, seine Stimme war rau und sein Blick fuhr ängstlich nach links und rechts.

Es war dunkel um sie herum, nur der Lichtschein einer einzelnen Fackel tanzte über die felsigen Wände. Sie mussten in einer Art Höhle sein, vielleicht unter dem Schloss, vielleicht aber auch mittendrin. Oder an einem ganz anderen Ort, sie wusste ja nicht, wo Sirius Black sie hingebracht hatte, als sie bewusstlos, und dem Tode nahe war.

Sie lag auf einer Art Bett aus Stroh und schmuddeligen Decken. Und um sie herum...

Beinahe hätte sie ein weiteres Mal geschrieen, nur die Hand auf ihrem Mund hinderte sie daran. Um sie herum lagen Knochen auf dem Höhlenboden, fahl schimmerten sie im schwachen Licht, doch an einigen war noch das rostbraune Blut zu erkennen. Oh Gott, warum hatte er sie nicht einfach ertrinken lassen...

"Hör mir genau zu," sagte er eindringlich. Eine seiner Hände hatte sie jetzt losgelassen, sie tastete nach etwas, mit Sicherheit nach seinem Zauberstab. Cho dachte nicht daran, zuzuhören, sie trat nach ihm und warf sich zur Seite, doch ein furchtbarer Schmerz in der linken Schulter lähmte sie.

"Lieg doch still, du verletzt dich nur!" Vorsichtig hob Black sie hoch, um sie auf das Lager zurückzulegen. "Du hast dir beim Sturz die Schulter ausgerenkt, aber ich musste dich zuerst wieder beleben, du hast nicht mehr geatmet...hier, beiß drauf!"

Ein Stück Holz wurde ihr in den Mund geschoben, seine Hände griffen nach ihr und ein weiterer Schmerz durchzuckte ihren Körper, so furchtbar, dass sie ums Haar wieder ohnmächtig geworden wäre. Doch sie ließ es nicht zu, eine kalte gnadenlose Wut hatte ihre Angst verdrängt. Dieser Mann gehörte zu Voldemort, er war einer von denen, die Cedric's Leben auf dem Gewissen hatten und wenn sie jetzt sterben musste, dann würde sie ihn mitnehmen...sie wollte nach ihm greifen, doch ihre Arme gehorchten ihr nicht...da war nur Schmerz...

"Es kommt alles in Ordnung, Madam Pomfrey kriegt dich wieder hin." Seine besorgte Stimme war der blanke Hohn, sie wusste nicht, was für ein Spiel er mit ihr spielte. "Ich werde einen Memory Charm auf dich legen, du wirst im Schloss aufwachen, und vergessen haben, dass wir uns jemals begegnet sind..."

"Lassen Sie die Spielchen und töten Sie mich endlich," fauchte sie zurück, ihre Worte klangen seltsam rau und wurden von einem heiseren Husten begleitet. "Es ist mir gleich! Sie und ihre Leute haben mir Cedric weggenommen, haben ihn einfach ermordet!" Tränen erstickten ihre Stimme, Tränen der Verzweiflung und auch der Wut, weil sie sich die Blöße gab, vor einem von Cedric's Mördern zu weinen.

Aber sie hatte keine Kraft mehr. Sie wollte nur, dass es vorbei war.

Endlich vorbei...

Black hielt mitten in der Bewegung inne. "Diggory?" fragte er leise. "Du kanntest Cedric Diggory?"

"Sie waren also dabei," murmelte sie leise. "Warum kennen Sie seinen Namen? Sie können sich doch unmöglich die Namen aller Ihrer Opfer merken. Haben Sie ihn getötet? Oder war es ein anderer und Sie haben nur zugesehen?"

"Es würde nichts nützen, selbst wenn ich dir die Wahrheit sage." Er hatte sein Gesicht abgewandt und starrte düster zu Boden. "Ich muss dir ja doch deine Erinnerung an unsere Begegnung nehmen, damit du mich nicht verrätst..."

"Warum wollen Sie mich laufen lassen?" fragte sie zurück. Ihre Stimme wurde zusehends hilfloser. "Ist das ein Spiel? Wollen Sie mich glauben lassen, ich hätte noch eine Chance? Jetzt, wo alles zerstört ist? Mein Leben ist zu Ende und es ist vollkommen gleich, ob Sie es beenden, oder ich selbst! Was glauben Sie denn, warum ich vom Turm gesprungen bin! Ich hab' Sie nicht darum gebeten, mich aus dem Wasser rauszufischen! Ich weiß jetzt, dass ich nie erfahren werde, was wirklich mit Cedric geschehen ist und es gibt nichts, was ich dagegen tun kann und es ist mir auch egal! Ich will einfach nur bei ihm sein, das ist alles was ich mir wünsche!" Ein Schluchzen durchbrach ihre Stimme und sie wandte ihr Gesicht ab.

Ohne jede Vorwarnung kniete er neben ihr nieder und schloss sie in seine Arme. Sie erschrak, war dies wirklich der Mann, der dreizehn Menschen ermordet und seine Freunde verraten hatte? Wie war so etwas möglich? Er schien ebenso hilflos und verzweifelt zu sein, wie sie...

Und er weinte. Sie konnte seine nassen Wimpern an ihrer Wange spüren.

"Du würdest die Wahrheit niemals glauben," murmelte er. "Sie ist noch viel schrecklicher, als du sie dir vorstellen kannst. Ihr habt alle in einer Welt aus schönem Schein gelebt, habt geglaubt, die Gefahr sei vorüber. Dabei hat es gerade erst begonnen...."

"Erzähl' mir, was mit Cedric geschehen ist," bat sie leise.

"Ich bin nicht dabei gewesen." Er löste sich von ihr und rieb sich mit seiner schmutzigen Hand das Gesicht. "Ich kann nur das wiederholen, was Harry mir erzählt hat. Aber nur dann, wenn du mir eines versprichst, Kleine, dass du nie wieder solche Dummheiten machst..."

"Ich verspreche es." In diesem Moment hätte sie ihm alles versprochen.

"Du bist Cho, nicht wahr?" fragte er. "Cedric's Freundin. Harry hat mir von dir erzählt. Er wollte dich zum Ball einladen, aber er war leider zu spät dran."

"Du weißt davon?" Unter Tränen lächelte sie. "Tut mir leid, wenn ich Harry verletzt' hab', das war keine Absicht."

Natürlich war es keine Absicht gewesen, aber es tat ihr auch nicht leid. Es war ihr einfach nur egal.

"Cedric wurde ermordet," begann Sirius Black, "von jemandem, den die Welt dort draußen für tot hält. Voldemort's Gefolgsmann, Peter Pettigrew."

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Peter Pettigrew...

Wer ist dieser Mann, der so einfach auf Befehl eines anderen tötet. Ohne zu fragen, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an seine Opfer zu verschwenden.

Die alten Zeitungsberichte behaupten, er sei ein Held. Ganz allein hat er versucht, den Wahnsinnigen Sirius Black aufzuhalten und ist ach-so-tragisch von ihm ermordet worden. Post Mortem hat ihm dann die Ministerin den Orden des Merlin verliehen und sein Name kam auf den Gedenkwall für die Opfer des Unnennbaren.

Ein tragisches Schicksal, und nicht ein Wort davon wahr....

Natürlich hätte Sirius mich belügen können, aber wozu? Wenn er wirklich der ist, für den die Welt ihn hält, hätte er mich genauso gut umbringen können, wobei...wozu hätte er überhaupt erst die Sicherheit seines Verstecks verlassen sollen, um mich aus dem Wasser zu fischen? Wenn er mich nicht gerettet hätte, wäre ich ohnehin gestorben.

Seine Geschichte klang unglaublich, doch alles fügte sich nahtlos aneinander. Pettigrew's Verrat. Der falsche Mad Eye Moody. Voldemort's Auferstehung...

Du zuckst zusammen, wenn ich den Namen deines Meisters ausspreche?

Du fürchtest ihn.

Ich fürchte ihn nicht mehr, schon lange nicht mehr. Wenn man für so lange Zeit den Tod vor Augen hatte, kennt man keine Furcht mehr. Meine Seele starb an jenem Tag, als ich meinen Liebsten verlor und seitdem war es nur noch eine Frage der Zeit, wann auch der Rest von mir sterben würde.

Aber nicht, bevor ich jemand anderen getötet hatte.

........................................................................................................................................................ ........March,1 996

Regen fiel in langen silbrigen Strichen herab, wie auf einem kitschigen Gemälde. Kapuzen wurden übergezogen, mächtige Schirme tanzten über die Strasse. Die Luft war grau und alles um sie herum neblig und von Nässe durchzogen.

Wurde es jemals Frühling in Knockturn Alley? Die düsteren Häuserfassaden erhoben sich drohend in einen wolkenverhangenen Himmel und auch die Gesichter der Menschen schienen hier verschlossener zu sein, kalt und doch von einer inneren Unruhe erfüllt. Sie spürten, dass etwas im Gange war. Hier gab man nicht viel auf offizielle Erklärungen und auf das Ministerium schon gar nicht. Hier galten andere Regeln.

"Was kann ich Ihnen anbieten, junge Dame? Vielleicht ein Liebeszauber, der die Herzen der jungen Männer betört?"

Mr. Borgin's Stimme war genauso ölig, wie seine Erscheinung, und sie fühlte eine heftige Antipathie in sich hochsteigen. Dies war die Sorte Mensch, mit der sie in Zukunft zu tun haben würde, schmierige kleine Lakaien, Handlanger, Stiefelknechte der dunklen Seite. Besser, sie gewöhnte sich dran.

"Ich bin nicht hier, um einzukaufen,"sagte sie mit ruhiger Stimme, bemüht sich ihren Widerwillen nicht anmerken zu lassen. Sofort verschwand das Lächeln von Mr. Borgin's Gesicht und sie wunderte sich, ob ein Mann in seiner Position nicht in der Lage sein sollte, seine Gefühle zu verbergen.

"Ich bin wegen des Jobs hier,"fügte sie hinzu und das typisch asiatische Lächeln auf ihrem Gesicht hatte sich nicht mit einem Muskel bewegt.

"Und was macht dich so sicher, dass du die Richtige für diese Position bist?"fragte Mr. Borgin zurück.

Cho ließ sich Zeit mit ihrer Antwort. Immer noch lächelnd ging sie einen Schritt an der vertrockneten Gestalt des Ladenbesitzers vorbei und trat an eines der Regale. Borgin and Burke's war vermutlich die erste Adresse für exotische schwarzmagische Gegenstände, selbst in Knockturn Alley, wo es Dutzende solcher Läden gab. Hierhin verirrte sich jeder dunkle Zauberer zumindest einmal in seinem Leben und die High Society gehörte zur Stammkundschaft.

"Ein Wendigo-Dreamcatcher."Nachdenklich betrachtete Cho den spinnennetzartigen Gegenstand, der mit allerlei Knochen, und vertrockneten Hautteilen bestückt war. "Über den Schlafplatz einer Person aufgehängt, bringt er die schlimmsten Albträume und kann bei längerer Verwendung zu Wahnsinn führen. Hm...Ginko Pulver zur Verwendung von Liebestränken. Es funktioniert aber nur, wenn man bereits in einem früheren Leben der Partner der anderen Person war..."

"Ein Mythos, nichts weiter,"unterbrach Mr. Borgin kalt.

"Mag sein,"entgegnete Cho gelassen. "Belladonna ist hierzulande beliebter, aber es ist hochgiftig, und falsch dosiert, führt es schnell zu Wahnsinn, und zum Tod. Hm... die 'Hand of Glory'? Das Lieblingsspielzeug von Dieben und Plünderern..."

"Wie mir scheint, verstehst du dein Handwerk."Mr. Borgin hatte sie nicht aus den Augen gelassen. "Nun gut, erzähl mir etwas über deine Familie."

Erleichterung durchströmte Cho. So war es also nicht umsonst gewesen, dass sie sich in den letzten Wochen und Monaten mit schwarzer Magie beschäftigt hatte. Eigentlich hatte sie nur nach einer effektiven Möglichkeit gesucht, jemanden umzubringen, ohne ihm mit dem Zauberstab entgegen treten zu müssen. Selbst wenn Pettigrew nicht unter Voldemort's Schutz stünde, glaubte sie nicht, dass sie ihm in einem Duell gewachsen wäre.

Abgesehen davon, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie ihn überhaupt finden sollte. Es wäre nicht einfacher, an Voldemort selbst heran zu kommen.

"Mein Name ist Cho Chang,"begann sie. "Ich stamme aus einer sehr alten asiatischen Magierfamilie."Das war nicht einmal gelogen, auch wenn sie nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob all ihre Vorfahren reinblütig gewesen waren.

Als sie von ihrem Vater erzählte, leuchteten Mr. Borgin's Augen für einen Moment auf, sie war sich sicher, dass er ein paar Nachforschungen betreiben würde, ob sie wirklich die Tochter eines Botschafters war. Sie hatte zwar mit dem Gedanken gespielt, sich eine falsche Identität zuzulegen, doch das schien ihr alles viel zu risikoreich. Was, wenn ihr jemand auf die Schliche kam? Mit nachweisbaren Angaben wirkte sie glaubwürdiger und auch ihr Hintergrund war nicht besonders ungewöhnlich. Mädchen aus gutem Hause, von daheim abgehauen, in schlechte Gesellschaft geraten. Das passierte doch jeden Tag.

"So, so, du bist also noch keine siebzehn?"Mr. Borgin verzog die Lippen zu einem schmierigen Lächeln. "Dann kann ich dich, wenn überhaupt, nicht mit Arbeitsvertrag einstellen. Es sei denn, du hast eine schriftliche Erlaubnis deiner Eltern mitgebracht?"

Betreten starrte sie zu Boden und ihr Lächeln verschwand. Sie ließ ihn merken, dass er eine Ausreißerin vor sich hatte, ein Mädchen, das alle Brücken hinter sich abgebrochen hatte, das praktisch völlig in seiner Hand war.

"Ich hab's einfach nicht mehr ausgehalten,"brach es schließlich aus ihr hervor. "Hogwarts ist die schlimmste Schule, die man sich vorstellen kann. Das ganze Mudblood-Gesocks stolziert eingebildet herum und wir haben Lehrer, die nicht mal richtige Menschen sind. Warum verbietet das Ministerium so was nicht?"Anklagend hob sie den Blick. "Es ist einfach alles total daneben."

"Kopf hoch, vielleicht kommen auch irgendwann wieder bessere Zeiten."Mit einem hageren Finger strich Mr. Borgin über ihre Wange und sie zwang sich dazu, nicht zusammenzuzucken. "Nun, wir werden mal sehen, was wir hier mit dir anfangen können..."

Sein Blick gefiel ihr ganz und gar nicht.

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Das Grinsen....

In meinen Träumen sehe ich das Grinsen. Pettigrew grinst mich an, wenn er den Zauberstab hebt, um den tödlichen Fluch auf Cedric herab zu beschwören. Doch dann wird sein Gesicht zu dem Lord Voldemort's und das Grinsen ist noch viel unmenschlicher geworden. Es ist ein Schlangengesicht, das sich über mich beugt, und höhnisch die Lippen verzieht.

Manchmal glaube ich, dass ich jetzt wahnsinnig werde...

Schweißgebadet wache ich auf und meine Hände krallen sich in die Bettdecke. Über mir wölbt sich das schiefe Dach der kleinen Bodenkammer, in der ich jetzt schlafe. Es ist nicht viel Platz hier, weil es eigentlich ein Lagerraum für den Laden ist, doch ich hab' auch nicht viele Sachen. Eigentlich hab' ich nur das Nötigste mitgenommen, als ich voriges Jahr aus Hogwarts...na ja, lassen wir das.

Um mich herum ist es dunkel und der Wind heult über dem Dach. Der Rahmen klappert, der Rahmen meines kleinen Fensters, das zur Straße hinführt. Wenn ich gerade nicht arbeite, stehe ich manchmal hier und beobachte die Leute. Ich versuche mir, ihre Gesichter zu merken. Vielleicht ist einer von ihnen der Schlüssel zu...

Draußen in der Diele knarrzt es. Nein, bitte nicht schon wieder! Bogin ist doch heute Abend schon hier gewesen.

'Reiß dich zusammen,' ermahne ich mich, 'reiß dich zusammen.' Es ist nicht wichtig. Es ist alles nicht wichtig, schließ dich einfach in dir selbst ein und lass es vorübergehen...Es ist nur ein Teil des Alptraums.

Aber das Grinsen ist kein Alptraum...

Es ist immer noch da, auch wenn ich schon längst wach bin. Es schwebt über meinem Bett, es hüpft auf und nieder und grinst dabei auf mich hinunter. Es ist nur ein Grinsen, doch plötzlich bekommt es Augen, und Schnurrhaare und noch bevor ich schreien kann, spüre ich ein Gewicht auf meinem Bauch.

........................................................................................................................................................ .......... April, 1996

Liebe Cho

bitte zerstör' diese Nachricht sofort, nachdem du sie gelesen hast, sonst bringst du dich in Gefahr, schließlich bin ich immer noch ein gesuchter Massenmörder. Ich hab' extra nicht den normalen Postweg benutzt, damit der Brief nicht abgefangen werden kann.

Du hast mir erlaubt, dir zu schreiben und deshalb hoffe ich, dass der Brief dich erreicht und du ihn auch nicht ungelesen vernichtest. Von Dumbledore weiß ich, dass deine Eltern verzweifelt versuchen, dich zu finden, sie haben Dutzende Briefe an dich geschickt, die aber alle wieder zurückgekommen sind. Auch das Ministerium haben sie eingeschaltet. Nur, da wir jetzt schon April haben und du in ein paar Tagen 17 wirst, haben sie bald keine rechtliche Handhabe mehr, um nach dir zu suchen, wenn du nicht gefunden werden willst.

Bitte sei vernünftig und geh' wieder zu deinen Eltern zurück. Ich weiß, dir geht's im Moment verdammt dreckig, aber Cedric hätte nicht gewollt, dass du deine Zukunft wegwirfst, oder dich sogar in Gefahr bringst.

Irgendwie hab' ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die ganze Sache ausgelöst habe. Natürlich hattest du ein Recht drauf, die Wahrheit zu erfahren, aber du musst dich dieser Wahrheit stellen, selbst wenn's weh tut. Weglaufen bringt nichts, glaub' mir, ich spreche aus Erfahrung.

Sirius

P.S. Falls du mir antworten willst, schreib' auf die Rückseite des Zettels und steck' ihn dann wieder an die Rückseite von Crookshanks' Namensschild.

P.P.S. Bitte lass dir das, was ich gesagt hab', zumindest mal durch den Kopf gehen. Deine Eltern vermissen dich echt wahnsinnig.

Cho hatte schon zu einem Flammenzauber angesetzt, um den Brief zu verbrennen, als sie innehielt. Nicht etwa, weil Sirius' Worte sie berührt hatten. Sich der Wahrheit stellen? Lächerlich. Was glaubte er wohl, was sie hier tat! Cedric hätte nicht gewollt, dass...? Cedric war tot, sie würde niemals erfahren, was er gewollt hätte!

Aber vielleicht wäre es ein Fehler den Kontakt zu Sirius so einfach aufzugeben. Er hatte einen engen Bezug zu Dumbledore und Harry Potter, er kam an Informationen ran, die ihr vielleicht für ihre eigenen Pläne nützlich sein konnten. Zwar hatte Sirius es bei ihrem Gespräch nicht deutlich gesagt, aber zwischen seinen Worten war es deutlich geworden, er gehörte der geheimen Bewegung um Dumbledore an, die gegen den Dunklen Lord kämpfte.

Rasch schrieb sie einige Zeilen auf den Zettel. Nichts Bedeutendes, nur dass es ihr den Umständen entsprechend gut ging und sie über seine Worte nachdenken würde. In einem PS bat sie ihn, ihr wieder zu schreiben und versuchte anschließend den Brief am Namenschild des Katers zu befestigen. Einfach war es nicht, denn das riesige Fellvieh wollte gekrault werden und rieb ständig seinen Kopf an ihren Händen.

"Du brauchst das doch gar nicht,"wunderte sie sich, als Crookshanks schließlich aufs Fensterbrett sprang und maunzend nach Auslaß verlangte. Sie wartete ein Weilchen, doch der Kater schien sich nicht wieder in Luft auflösen zu wollen. Also gab sie schließlich nach, und öffnete ihm das Fenster. Eine Weile noch blickte sie ihm nach, wie er über die Dächer davon spazierte.

Schlafen konnte sie jetzt nicht mehr. Also stand sie auf und schlich vorsichtig die morsche Holztreppe nach unten. Im mittleren Stockwerk war alles still, nur Borgin und seine Frau schnarchten leise vor sich hin. Auch im Laden regte sich nichts, sie würde dort erst in einigen Stunden aufsperren.

"Lumos!"Das sanfte Licht ihres Zauberstabes umgab sie, als sie der Treppe weiter nach unten folgte. Das Haus der Borgins war nach außen hin nicht groß, doch es besaß riesige Kellergewölbe, in denen der größte Teil ihrer Ware lagerte, Gegenstände und Mittelchen bei denen sie sich nicht einmal ausmalen wollte, wozu sie verwendet wurden.

Nur, dass sie es wissen musste. In der Zeit, die sie hier verbrachte, wollte sie alles was nur möglich war, über die schwarze Magie lernen. Nicht Zaubersprüche, nein, selbst wenn ihr jemand die Unforgivable Curses beibringen würde, so glaubte sie nicht, dass sie jemals die Möglichkeit haben würde, einen solchen einzusetzen. Etwas anderes würde sie zum Ziel führen, etwas viel Subtileres, das nichts mit lautem Geschrei und wedelnden Zauberstäben zu tun hatte.

"Haben wir wieder geträumt, Kindchen?"

Cho hätte beinahe aufgeschrieen, als dürre, faltige Hände ihre Schultern packten. Trotz ihres Alters besaßen diese Hände einen Griff, wie ein Schraubstock

"Madam Borgin..."

Nicht nur der Tatsache, dass sie tief in ihre Gedanken versunken war, hatte Cho es zu verdanken, dass sie zusammenfuhr. Sie wusste, wem diese Hände gehörten, und dennoch durchfuhr sie ein eisiger Schreck. Oder gerade deswegen.

Wie jede Nacht, wenn sie hier herunterkam..

Denn das Geschöpf, das sie hier unten erwartete, war kein menschliches...

Mr. Borgin's Großmutter war eine Hag, oder besser gesagt, eine Annis. Eine kleine verhutzelte, und dennoch furchterregende Gestalt mit gräulich blauer Hautfarbe und einem runzeligen Gesicht, in dessen Mitte ein einziges bösartiges Auge glühte. Dieses fixierte nun Cho, während die langen, klauenartigen Finger noch immer ihre Schultern festhielten. "Du kommst spät, Kindchen, wirklich spät. Ich dachte schon, du hättest Großmütterchen vergessen...oooohh."Sie stieß ein leises Geheul aus und knirschte mit den fauligen Zähnen. "Der Geruch meines nichtsnutzigen Enkels haftet immer noch an dir – puh!"Ihre lange gebogene Nase streifte das Gesicht des Mädchens.

Cho spürte das dringende Bedürfnis, sich den nächst besten Kübel Wasser über den Kopf zu schütten, doch sie schluckte es hinunter und folgte der Annis in ihr Laboratorium am Ende des Ganges. Madam Borgin lebte in den Kellergewölben, da eine Hag das Licht und die Menschen scheute und sich am liebsten an dunklen einsamen Orten aufhielt. Zudem war Mr. Borgin natürlich nicht unbedingt erpicht darauf, seine nichtmenschliche Abstammung herumzuzeigen.

Leises Brodeln und Blubbern empfing Cho, als sie den kleinen stickigen Raum betrat und Schwaden übel riechender Dämpfe vernebelten ihren Blick. In der Mitte baumelte ein mächtiger Kupferkessel über einer Feuerstelle, hinten auf den Anrichten standen weitere Schüsselchen und Gefäße mit diversen Pulvern und Flüssigkeiten. Einige der getrockneten Kräuter und Pflanzen erkannte sie wieder, doch hier waren auch weitaus weniger angenehme Ingredienzien zu finden, wie etwa Nachtigallenschnäbel, diverse Fischaugen, und die gelb gesprenkelten Beine eines zweiköpfigen hyperboreanischen Frosches.

Ohne weiter auf die junge Hexe zu achten, wuselte die Annis zwischen den Gefäßen umher und murmelte dabei leise vor sich hin. Mit spitzen Fingern griff sie einen kleinen schillernden Kristall aus einer Glasphiole und zertrümmerte ihn mit einem Faustschlag, der den Tisch erzittern ließ. Aus dem Kristall war nun Staub geworden, kristallklarer, in allen Regenbogenfarben schillernder Staub, in welchem sie ihre Fingerspitzen badete. Das Quietschen ihrer krallenartigen Nägel auf der metallenen Tischoberfläche war so schrill und unangenehm, dass Cho sich hastig die Hände über die Ohren hielt.

Die Alte warf ein paar Zutaten in den Kessel und benutzte ihren Zauberstab, um die Glut anzufachen. Nach den Regeln des Ministeriums war es einer Hag verboten, Zauberstäbe zu verwenden, genau wie das Wasservolk, die Hauselfen oder die Centauri waren sie als 'Nichtmenschliche Kreaturen' klassifiziert, und fielen unter die Gesetze des Magical Creature Departments. Aber anscheinend hatte sich noch nie jemand die Mühe gemacht, in Mr. Borgin's Keller nachzusehen.

Die wahre Macht einer Hag lag auch nicht in Zauberstäben und -sprüchen. Diese Geschöpfe beschäftigten sich mit etwas anderem, der Giftmischerei. Ihre Tränke und Wässerchen waren Legenden in der magischen Welt und der eigentliche Erfolg von Mr. Borgin's Geschäft basierte auf den mysteriösen Suden, die seine Großmutter des Nachts in ihren Kellergewölben zusammenbraute.

Und diese hatte Cho als ihre Schülerin und Assistentin akzeptiert.

Ein Zischen erklang aus dem Kessel und Madam Borgin hob blitzartig den Kopf. "Komm her, Kindchen,"befahl sie und ihr giftgelbes Auge glühte über den Kesselrand in Cho's Richtung. Das Mädchen gehorchte, sie wusste bereits, was jetzt kommen würde. In die Geheimnisse der Zaubertrankkunst eingeweiht zu werden, hatte seinen Preis...

"Mund auf,"befahl die Annis und ihre dürren Klauenfinger griffen nach Cho's Gesicht. "Braves Mädchen!"

Cho schrie leise auf, als die glühendheiße Flüssigkeit ihr die Zunge verbrannte, dann holte sie tief Luft und schluckte sie hinunter. Wenn das der schlimmste Effekt des Gebräus gewesen war, dann konnte sie sich noch glücklich schätzen, ihr Körper zeigte immer noch die Spuren anderer, weniger glimpflich abgelaufener Experimente.

Aber was bedeutete das schon? Er war ohnehin nicht mehr als eine leere Hülle...

"Es funktioniert nicht!"kreischte Madam Borgin. "warum funktioniert es nicht? Großmütterchen hat alles richtig gemacht, ja alles richtig gemacht, warum funktioniert es nicht?"

Sie ließ Cho's Gesicht so heftig los, dass ihre Fingernägel sich in die Haut gruben und einen blutigen Kratzer hinterließen. Cho wich zurück, zum ersten Mal seit langem zeigte sich wahre Angst auf ihrem Gesicht.

"Ohhhh, hast du dir wehgetan, Kindchen?"Ein gehässiges Lächeln erschien auf Madam Borgin's Gesicht, als sie genüsslich das Blut von ihrem Finger leckte. "Nicht weinen, Großmütterchen macht alles wieder heil..."

Cho hätte am liebsten kehrtgemacht und wäre so schnell wie möglich davongerannt, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. Eine seltsame Leere durchflutete ihren Körper, doch seltsamerweise war es kein unangenehmes Gefühl. Es war ein wenig, als würde sie schweben, und sie spürte keine Angst mehr.

Auch keinen Schmerz. Sie fuhr mit der Hand zur Wange, da war kein Kratzer mehr, nichts mehr. Verwirrt hob sie den Blick, doch um sie herum war nur Dunkelheit. Der Kessel war weg, der Raum war weg, die Annis war weg....

Es war, als hätte sich die ganze Welt in Nichts aufgelöst.

WARUM HAT SICH DIE WELT AUFGELÖST? WAS IST MIT DIR GESCHEHEN?

"Ich weiß nicht. Alles schwebt. Ich schwebe. Alles ist weg. Nein, da ist noch was..."

Es war dunkel um sie herum, doch inmitten all der Dunkelheit glaubte sie, einen Schatten zu erkennen, der sich über sie beugte. Schemenhaft. Nicht real.

Diese Augen. Dieses Grau. Nicht wie Cedric's Augen, Cedric's Augen waren warm und liebevoll gewesen. Diese Augen waren kalt und unergründlich. Und die Stimme..

DA IST NOCH WAS? WAS IST DA? ERINNERE DICH, CHO!

"Die Stimme. Die Stimme von Madam Borgin. Sie spricht mit mir. Aber ich weiß nicht, was. Sie stellt mir Fragen. Nein, du stellst mir Fragen. Du fragst. Ich antworte. Warum antworte ich auf deine Fragen? Warum? Wer bist du?"

KONZENTRIERE DICH, CHO, DU HÖRST DIE STIMME VON MADAM BORGIN. ES IST FRÜHJAHR 1995 UND DU ARBEITEST BEI BORGIN UND BURKES. ES IST NACHT. DU LIEGST IN MADAM BORGIN'S LABOR AUF DEM BODEN. SIE STELLT DIR FRAGEN UND DU ANTWORTEST, WEIL DER TRANK, DEN SIE DIR GEGEBEN HAT, VERITASERUM ENTHÄLT. VERSTEHST DU, CHO? IN DEM KESSEL WAR VERITASERUM....

Nein, das stimmte nicht! In dem Kessel war kein Veritaserum. In dem Kessel war nur eine Krötensuppe.

Aber wieso...?

Die Krötensuppe schmeckte immer noch grässlich, doch sie brachte Cho wieder auf die Beine. Benommen rappelte sie sich hoch und betastete den Kratzer an ihrer Wange. Ihr verwirrter Blick wanderte durch den Raum. Nichts hatte sich verändert, der Kessel brodelte immer noch vor sich hin und über sie gebeugt stand die Annis und grinste auf sie herunter.

"Kindchen hat Großmütterchen interessante Geschichten erzählt. Sehr interessante Geschichten. Verlorene Liebe...bäh, wie langweilig! Wie in den verstaubten alten Büchern, aus denen Großmütterchen ihrem nichtsnutzigen Enkel vorgelesen hat, als er noch klein war..."

Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Die Alte hatte ihr Veritaserum verabreicht. Was hatte sie ihr unter dem Einfluss des Serums erzählt? Hatte sie sich verraten? Hatte sie über Cedric gesprochen? Oder gar über ihre Rachepläne?

"Hm...Rache..."Ein hinterlistiges Grinsen erschien auf dem faltigen Gesicht. "Rache gefällt Großmütterchen schon viel besser. Eine grausame Rache. Blut muss fließen, viel Blut...oh ja!"Sie brach in ein meckerndes Lachen aus. "Jetzt bin ich dran, mit Geschichtenerzählen. Setz' dich, oh setz dich."Sie packte Cho am Arm und zog sie zu einem Hocker, der zwischen den Labortischen stand. "Setz dich hin!"befahl sie herrisch und begann neben dem Kessel auf und ab zu gehen.

"Vor langer Zeit lebte einmal eine Hexe. Eine junge schöne dumme Hexe. Und eines Tages traf sie einen jungen schönen dummen Zauberer und die beiden verliebten sich ineinander. Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende..."

Sie zog die Stirn kraus. "Nein, das war nicht richtig. So ist das nicht passiert! Ein garstiger alter Hexer kam und zerstörte das junge Glück!"

Die Annis neigte den Kopf zur Seite und zog die Lippen hinter die Vorderzähne zurück, so dass diese wie die Zähne eines Nagetiers hervorstanden. "Hässliche Ratte! Hässliche Ratte ermordet jungen schönen Zauberer!"Röchelnd griff sie sich an die Kehle und tat so, als wolle sie tot umfallen.

"Aber,"sie erhob ihren Zeigefinger. "Was der garstige alte Hexer nicht wusste war, dass er damit sein eigenes Schicksal besiegelt hatte. Denn die schöne Hexe kam, um ihn zu vernichten. Nicht mit ihrem Zauberstab – oh nein! Das war viel zu gut für ihn! Sie war jetzt eine clevere Hexe und sie hatte einen Plan!"

"Welchen Plan?"fragte Cho atemlos. "Welchen Plan hatte sie?"

"Kindchen,"tadelte die Alte. "wie tötet man eine Ratte?"

Cho lächelte. Es war kein wirkliches Lächeln, es war ein Grinsen, und dem teuflischen Grinsen der alten Madam Borgin stand es in nichts nach.

"Mit Gift,"hauchte sie. "Man legt einen vergifteten Köder aus und wartet darauf, dass die Ratte ihn frisst!"

Das Licht der Flammen spiegelte sich in ihren Augen.

.

.

Lieber Sirius, wie geht's dir so? Was machen die Geheimpläne? Schon rausgefunden, wie ihr du-weißt-schon-wen besiegen könnt? Oder wenigstens das Ministerium davon überzeugen, dass es ihn gibt?

Lieber Sirius, ich hab' heute Nachmittag eine magische Öllampe verkauft, die sehr viel wert ist und Mr. Borgin hat mich gelobt, was sonst nie vorkommt. Allerdings hab' ich keine Ahnung, ob wirklich ein Geist in der Flasche ist. Wahrscheinlich hab' ich den Kunden nach Strich und Faden angeschmiert, aber er kam aus Brasilien und wird wohl nicht so schnell wieder hier auftauchen, um sich zu beschweren.

Lieber Sirius, stell dir vor, heute Nacht hab' ich von Madam Borgin gelernt, wie man einen Liebestrank aus Belladonna Extrakt herstellt. Nicht die Billigteile, die sie den Mädels in den Läden anbieten – nein, einen richtigen Liebestrank. Vielleicht werd' ich losziehen, den nächsten Death Eater verführen und ihn fragen, wo du-weißt-schon-wessen Schwächen liegen. Was hältst du davon?

Lieber Sirius, ich halte es hier nicht mehr aus. Du hattest Recht, ich hätte nach Hause gehen sollen. Ich vermisse meine Eltern und sogar die Schule. Mir ist so schlecht, dass ich hier alles voll kotzen könnte. Ich will einfach nur noch heim...

Lieber Sirius, bei mir ist alles wie immer. Heute war ein langweiliger Tag, auch wenn ich viel zu tun habe. Ich mach' gerade Mittagspause, futtere ein bisschen was und hör nebenbei zu, wie sich Mr. Borgin mit seinem Partner Mr. Burkes streitet. Nichts Besonderes, sie fragen sich nur wieder mal, wann ihr Lord sich endlich mal aus seinem Versteck traut. Offensichtlich wissen sie beide genauso wenig....

........................................................................................................................................................ .......April, 1997

"Cho? Cho, wo steckst du, wir haben Kundschaft!"

Hastig sammelte Cho die Briefe zusammen und schob sie wieder in ihr Versteck in der Innentasche ihres Umhangs. 'Wie leichtsinnig du doch bist!' schalt sie sich. Sie wusste doch, dass hier niemand auf ihre Mittagspause Rücksicht nahm. Was, wenn Mr. Borgin sie beim Lesen erwischte und entdeckte, was sie da las?

Natürlich war es unwahrscheinlich, er kümmerte sich nie darum, was sie tat, es sei denn, es hing irgendwie mit dem Laden zusammen. Trotzdem, sie musste vorsichtig sein und allmählich wurden die vielen Briefe auch zu schwer für ihre Innentasche.

Keinen einzigen davon hatte sie abgeschickt...

Sie warf einen kurzen Blick in den Spiegel, um festzustellen, ob ihr Gesicht sauber war, dann marschierte sie brav nach vorn in den Laden. Wahrscheinlich wieder irgend so ein schwerreicher Ausländer, der sich irgendeinen Schwachsinn andrehen lassen wollte. Davon hatte es in letzter Zeit schon einige gegeben.

"Ich bin auf der Suche nach einer frischen Regenbogenschlangenhaut."

Dieser arrogante Typ hielt sich nicht mit langen Begrüßungen auf. Offenbar war er es gewohnt, Befehle zu erteilen, welche dann widerstandslos befolgt wurden.

"Kommt sofort, der Herr. Wünschen Sie noch etwas dazu?"

Er mochte um die zwanzig sein, doch es war schwer zu sagen. Groß, kräftige Gestalt, markantes Gesicht. Ein bisschen Übergewicht, aber bei seinem Körperbau fiel das nicht weiter auf. Dunkles volles Haar, es spielte zwischen braun und schwarz.

Wie das von Sirius...

Nur, dass seines kurz geschnitten war, fast schon ein Bürstenschnitt. Und das Gesicht darunter hatte nichts von Sirius' verschmitzter Liebenswürdigkeit.

Sie wandte sich ab und begann die Schubladen abzusuchen. Frische Regenbogenschlangenhaut hatte man nicht offen im Laden liegen, es war verboten, diesen intelligenten und friedfertigen Tieren ein Leid anzutun. Anständige Zauberer verwendeten nur die abgelegten Häute. Aber hier gab es keine anständigen Zauberer und genau darum war sie hier.

"Es tut mir außerordentlich leid, Sir."Mit einem entschuldigenden Lächeln und einer leichten Verbeugung wandte sie sich an den jungen Mann. "Im Moment haben wir leider keine Regenbogenschlangenhaut verfügbar..."

"Tja, was machen wir denn da?"Verwirrt kratzte sich der Angesprochene am Kopf. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass er ungehalten werden würde, aber er schien einfach nur ratlos zu sein.

"Ich kann natürlich eine Bestellung für Sie aufnehmen,"schlug Cho vor. "Accio!"Der Bestellblock kam in ihre Hände geflitzt und stieß dabei beinahe eine Vase um.

"Ja...uhm... das wäre wohl das Beste..."Besonders helle schien der Kerl ja nicht zu sein.

"Ihren Namen bräuchte ich dann, bitte."

"Tja...uhm...ich heiße..."Seinen Namen sollte man sich doch wohl merken können, oder etwa nicht?

Erst als sie aufsah und direkt in sein Gesicht blickte, wurde ihr klar, dass sie selbst der Grund für seine Nervosität war. Sein Gesicht war knallrot geworden, jede Spur von Arroganz war verschwunden, und durch offensichtliche Verlegenheit ersetzt worden. Dieser Typ hatte sich Hals über Kopf in sie verschossen, und das obwohl er sie erst seit wenigen Minuten kannte.

Es funktioniert! Heiß und Kalt überlief es sie. Es funktioniert tatsächlich!

Die Schülerin hatte ihre Meisterin übertroffen...

"Ich heiße Macnair. Tod Macnair."

Ihr Lächeln hatte sich nicht verändert, auch wenn sie innerlich erstarrt war. Walden Macnair war einer der Männer gewesen, welche der Auferstehung des Dunklen Lords beigewohnt hatten und dieser Junge war offensichtlich ein Verwandter von ihm. Insgeheim hatte sie immer darauf gewartet, dass endlich jemand von den ganz Großen hier auftauchte und sich überlegt, wie sie es denn anstellen konnte, ihn näher kennen zu lernen. Nun, zumindest das zweite Problem hatte ihr die Arbeit mit Madam Borgin abgenommen. Tod Macnair konnte seine Augen nicht eine Sekunde lang von ihr abwenden.

"Oh, einen Moment Geduld bitte, mein Quill funktioniert nicht."Beiläufig schob sie sich an ihm vorbei, um nach einer neuen Adlerfeder zu greifen. Als sich ihre Körper berührten, zuckte er wie elektrisiert zusammen und stieß heftig die Luft aus.

Ohne weiter auf ihn zu achten, kehrte sie zu ihrer Bestellung zurück. Als sie jedoch das Blatt fertig ausgefüllt hatte, startete sie einen zweiten Versuch. "Würden Sie hier bitte unterschreiben, Sir?"Ihre Hände berührten sich wie zufällig und sie hatte ganz deutlich das Gefühl, dass er diesen Moment so lange wie möglich hinauszögerte.

Ein silberner Fischotter wand seinen Körper um den Mittelfinger dieser Hand. Mit Augen aus winzigen kobaltblauen Edelsteinen....

"Ich...ich danke Ihnen."Er drückte seinen Abholzettel wie einen kleinen Schatz an seine Brust und verließ fluchtartig den Laden.

Na, das war ja wirklich super gelaufen! Wenn ihr Geheimrezept alle ihre potentiellen Verehrer in die Flucht schlug, dann war es wohl an der Zeit, sich ein neues zusammenzustellen. Erschöpft lehnte sie einen Augenblick an der Ladentheke und bückte sich schließlich, um in der Schublade unter der Kasse nach dem Ordner für die Bestellungen zu suchen.

"Uhm...Miss...entschuldigen Sie..."

Tod Macnair stand vor der Theke, sein Kopf noch eine Spur röter, als vorhin, falls das überhaupt möglich war. "Uhm...Miss...falls Sie heute Abend irgendwann frei haben...vielleicht hätten Sie Lust...uhm... Sie haben mir nicht einmal ihren Namen verraten..."

"Ich heiße Cho,"entgegnete sie. "Es ist japanisch und bedeutet Schmetterling."

.

.

Flammen...tanzende Flammen....

Wie das Feuerorakel meiner Mutter...

Ich habe keinen Kamin in meiner Dachkammer und Mr. Borgin hat mir offenes Feuer immer verboten. Wegen der Brandgefahr. Wahrscheinlich würde er ausflippen, wenn er die Feuerschale sehen würde, die Tod mir geschenkt hat, aber das ist mir jetzt egal. Ich brauche Licht zum Packen!

Ich habe tatsächlich Sachen zu packen. Sehr viel mehr, als das bisschen mit dem ich voriges Jahr hier eingezogen bin. Ein paar Umhänge und Festroben, ein paar teure Klunker, alles was man(n) einem Mädchen so schenkt, wenn man(n) verliebt ist. Das türkisfarbene Kleid zum Beispiel, das hab' ich zum Valentinstag bekommen. Der passende Silberschmuck, der kam zum 18. Geburtstag. Da sind wir groß Essen gegangen und anschließend in die Oper. Madame Butterfly. Wie passend.

Das billige Kettchen aus Goldimitat, das habe ich nicht von Tod. Es stammt von einem Typen, dessen Namen ich mir gar nicht gemerkt habe. Ich hatte gehofft, er könne mir ein paar Informationen geben, aber Fehlanzeige.

Auch Tod weiß praktisch überhaupt nichts. Außer natürlich, dass sein Vater Walden Macnair zum inneren Kreis von du-weißt-schon-wem gehört und sie heimliche Treffen abhalten. Also alles das, was ich ohnehin schon wusste.

Niemand scheint hier etwas zu wissen. Es ist genau wie damals in Hogwarts.

Ich glaube, ich sollte mich von den Borgins verabschieden. Gut, sie waren nicht übermäßig nett zu mir, aber ich hatte meinen Job, mein Gehalt und meine Unterkunft. Und später, nachdem Tod in mein Leben getreten war, hatte ich sogar freie Tage. Der gute Mr. Borgin hat sich von unserer Beziehung nämlich geschäftliche Vorteile versprochen. Wenn Tod mich im Laden besuchen kam, lauerte Mr. Borgin meistens irgendwo im Hintergrund herum und versuchte zum richtigen Zeitpunkt in unser Gespräch einzugreifen, um es auf sein Sortiment zu lenken. Viel Erfolg hatte er nicht damit, Tod kaufte nur, was sein Vater ihm aufgetragen hatte und außerdem hatte er ohnehin nur Augen für mich.

Aber von Madam Borgin sollte ich mich verabschieden, das ist ganz sicher. Und das werd' ich auch tun – auf meine Weise. Auf die einzig angemessene Weise, wie sich eine Schülerin der Giftmischerei von ihrer Lehrmeisterin verabschiedet, wenn sie diese übertroffen hat.

Nein, ich brauche das Feuer nicht, um Licht zu haben. Das könnte ich mit meinem Zauberstab genauso. Ich brauche es auch nicht, um mich zu wärmen, für mich gibt es keine Wärme mehr, nie mehr. Ich brauche es, um die vielen vielen Briefe an Sirius zu verbrennen, welche ich im letzten Jahr geschrieben und niemals abgesendet habe....

Denn der seltsame rote Kater ist nie wieder zu mir gekommen. Und eine Eule zu benutzen, das wage ich nicht. Ich würde Sirius in Gefahr bringen, und mich dazu.

Ich kann die vielen Briefe aber auch nicht mit in mein neues Zuhause nehmen. Das wäre unglaublich leichtsinnig. Tod darf nie erfahren, dass es diese Briefe jemals gegeben hat.

Deshalb sehe ich jetzt zu, wie das Feuer sie verschlingt. Was ich im letzten Jahr gedacht, was ich gefühlt, was ich getan habe, ist ebenso vergangen und bedeutungslos, wie mein ganzes bisheriges Leben. Jetzt schlage ich ein neues Kapitel auf.

........................................................................................................................................................ ...August,1997

"Bist du nervös, mein kleiner Schmetterling?"fragte Tod halb ernst, halb scherzhaft, als er sich in die weiche Lederpolsterung der Kutsche zurücklehnte. Seine Hände spielten mit einer der beiden seidigen Strähnen, die ihr links und rechts neben ihrem Haarknoten über die Schultern fielen.

"Nein, nur ein bisschen aufgeregt."Sie kicherte mädchenhaft. "Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich."

Sie blickte an sich hinunter und begann zum x-ten Mal das tiefblaue Abendkleid glatt zu streichen. Tod hatte es ihr extra zu diesem Anlass geschenkt, ein Traum aus Spitze, mit einem Babydoll Schnitt, der sie kindlich-verspielt wirken ließ. Passend dazu trug sie Schleifchen im Haar und weiße Mary Janes mit mittelhohen Absätzen. Eines musste man Tod wirklich lassen, wenn er auch sonst nicht viel Geschmack besaß, so wusste er doch genau in welchen Klamotten sie gut aussah.

Wobei, mittlerweile sah sie in allem gut aus. Noch etwas, das sich geändert hatte. Früher hatte Gelb sie blass und kränklich gemacht und es gab diesen bestimmten hellen Rot-Ton, der sich ganz fürchterlich mit der Farbe ihrer Lippen biss. Nicht mehr. Es war als würde sie sich wie ein Chamäleon den Farben anpassen, die sie trug.

'Ich bin wirklich die perfekte Schönheit geworden', dachte sie grimmig und umfasste das angebliche Parfumfläschchen in ihrer Handtasche. Nicht, dass sie es heute Abend noch brauchen würde, aber nur für alle Fälle. Sie fühlte sich sicherer, wenn sie es dabei hatte.

"Du musst dir aber keine Sorgen machen,"versicherte Tod. Er neigte sich nach vorne, um ihr einen sanften Kuss auf die Lippen zu drücken. "Meine Eltern werden von dir begeistert sein und meine Brüder werden vor Neid platzen. Von dir kann man nur begeistert sein. Du bist das bezauberndste Mädchen auf der ganzen Welt!"

'Trottel!' dachte sie, und erwiderte sein Lächeln zuckersüß.

"Warum findet der Empfang eigentlich bei euch statt?"wollte sie wissen. "Ich meine, die Malfoys haben doch selbst ein riesiges Anwesen?"

"Ganz einfach, weil es ein Empfang ist, den mein Vater für Lucius Malfoy gibt."Tod warf einen Blick durchs Fenster, doch da es draußen schon dunkel war, konnte man nichts erkennen. "Er möchte ihm dadurch seine Unterstützung bekunden. Du weißt, wir stehen kurz vor einem Wahljahr, so langsam spalten sich die Lager im Ministerium und die Leute bekennen Farbe."

"Hat Malfoy denn überhaupt eine Chance gegen Fudge?"Nachdenklich folgten ihre Augen einem einzelnen Regentropfen, welcher außen am Fenster hinunterperlte. "Fudge ist doch mehr als beliebt, die Medien singen jeden Tag sein Loblied und die Leute auf der Strasse..."

"Das ist doch alles Fassade!"rief Tod aufgebracht. "Fudge hat keine Ahnung, was hier abgeht und er ist überhaupt nicht in der Lage, dieses Land weiterhin zu führen. In Friedenszeiten hat's keiner gemerkt, weil es nichts zu tun gab, aber jetzt, jetzt befinden wir uns in einer Krise. Menschen verschwinden, Anschläge aufs Ministerium, Misstrauen überall. Und Fudge dieser unfähige Hohlkopf versucht einfach die Augen zu schließen und alles unter den Teppich zu kehren. Nein, nein, wir brauchen jetzt jemanden, der mit Krisen umgehen kann! Jemanden wie Malfoy, der mal kräftig auf den Tisch haut und in diesem Land für Ordnung sorgt!"

Sie ließ ihn reden und bedauerte es fast schon, ihn mit ihrer stichelnden Frage so aufgebracht zu haben. Das war die Sache nicht wert, sie wusste ohnehin schon, dass er nichts wusste. Er wiederholte einfach stur die Sprüche von seinem Vater und von Malfoy's Wahlpropaganda.

Beruhigend legte sie eine Hand auf seinem Oberarm. "Du hast ja recht," stimmte sie ihm zu, "du hast ja vollkommen recht. Ich mache mir einfach nur Sorgen, was mit unserem Land geschieht, das ist alles."

"Das brauchst du nicht,"entgegnete er versöhnlich und legte seine Hand auf die ihre. "Du brauchst dir über solche Sachen überhaupt nicht dein hübsches Köpfchen zu zerbrechen. Es wird alles in Ordnung kommen! Jetzt denk' lieber mal an heute Abend und freu dich auf meine Eltern!"

Fast unmerklich kam die Kutsche vor einem schmiedeeisernen Tor zum Stehen und setzte sich wieder in Bewegung, als dieses aufschwang. Sie hatten Macnair Manor erreicht...

Durchs Fenster konnte Cho sehen, wie das hell erleuchtete Anwesen näher rückte. Ein prächtiges Landhaus im Fachwerk Stil, erbaut in vier Flügeln, welche quadratisch um einen Innenhof herum angeordnet waren. Die vorherrschenden Farben – warme Brauntöne und ein kräftiges Ziegelrot – ließen es freundlich und anheimelnd erscheinen.

Unter einem steinernen Torbogen hindurch, welcher mit dem Familienwappen geschmückt war, führte die Straße direkt in den Hof hinein. Dies verlieh dem Gebäude den Hauch einer Burg, selbst wenn es an den Ecken keine Türme besaß.

"Da wären wir!"Tod öffnete die Tür der Kutsche mit Schwung und fegte dabei einen kleinen Hauself beiseite, der gekommen war, um seinem Meister beim Aussteigen zu helfen. Der junge Macnair beachtete ihn nicht weiter, sondern spannte einen Schirm für Cho auf und trat zur Seite, um ihr höflich den Vortritt zu lassen.

Tod's Mutter wartete in der Eingangshalle auf sie. Eine kleine unscheinbare Frau in konservativer Abendgarderobe und einem freundlichen, etwas schüchternem Lächeln auf dem ansonsten nichts sagenden Gesicht. Ganz anders sein Vater, ein Schrank von einem Mann, der sofort mit energischen Schritten auf sie zutrat, und ihr breit lächelnd die Hand schüttelte. "Willkommen in unserem Heim, junge Dame."

"Ich danke Ihnen, Sir."Mit einem mädchenhaften Wimpernschlag erwiderte sie den Gruß und sah den alten Macnair dahin schmelzen. Wer hätte gedacht, dass das alles so wunderbar funktionieren würde...

Tod's Mutter dagegen schien weniger beeindruckt zu sein. Vielleicht wirkte die Magie nur bei Männern, oder bei Frauen trat einfach die Eifersucht zu stark durch – sie wusste es nicht und es war ihr auch egal. Diese Frau schien ohnehin zu Hause nicht viel zu sagen zu haben. Seltsam, eigentlich trafen gerade in konservativen Familien Frauen die alltäglichen Entscheidungen innerhalb des Haushaltes. Aber hier...

Während Cho höfliche Konversation machte, blickte sie sich in der Eingangshalle um, hier war eindeutig ein männlicher Stil vorherrschend. Schlicht und kahl, nur das Nötigste an Mobiliar und kein Schmuck im Raum, keine Blumen, keine Deckchen – nichts von all dem Krimskrams, den sie in einem solchen Haus erwartet hätte. Dafür waren Ecken und Wände überfüllt mit ausgestopften Tieren. Wie Tod erzählt hatte, so waren die Macnairs eine Familie begeisterter Jäger.

"Die nächsten Gäste kommen an."Mit verhaltenem Atem wandte Alice Macnair ihren Blick zur Eingangstür. "Sie sind überpünktlich...und ich wollte doch das Buffet noch einmal überprüfen..."

"Geh' ruhig, Mutter, wir übernehmen die Begrüßung,"bot Tod an. Er war schon eine Weile lang unruhig von einem Fuß auf den anderen getreten, eine Nervosität, die Cho sonst nicht von ihm kannte. Auch seine Körperhaltung war anders, irgendwie ein wenig gebückt. Hatte es vielleicht mit der Anwesenheit seines Vaters zu tun?

Seine Mutter nickte und hastete in Richtung Festsaal davon. Als die Tür sich öffnete, konnte Cho den großen Buffettisch und eine Anrichte mit Bowle und diversen Begrüßungsdrinks erkennen. Am anderen Ende des Raumes stand ein Rednerpult. Natürlich, zuerst kam die politische Propaganda, dann das große Bauchvollschlagen.

"Ambassador Chang, was für eine Freude..."

Cho schrak innerlich zusammen, auch wenn man es ihr nicht ansah. Ganz langsam, ohne die Ruhe in ihren Bewegungen zu verlieren, wandte sie sich um und blickte direkt in die Augen ihres Vaters.

"Es ist schön, dich zu sehen, Otoh-san,"zwitscherte sie und verneigte sich lächelnd, während die standardisierte Grußformel mühelos von ihren Lippen tanzte.

Nichts verriet den Aufruhr in seinem Inneren, nur ein kaum unmerkliches Zittern seiner Hände, als er ihren Gruß erwiderte. Tod und Macnair standen daneben und strahlten wie die Honigkuchenpferde, offenbar hielten sie das Ganze für eine äußerst gelungene Überraschung. "Sie beide haben sicherlich viel zu besprechen, "wandte Macnair sich mit einem höflichen Nicken an Cho's Vater, "wie mein Sohn mir sagte, haben Sie ihre Tochter nun schon eine Weile nicht gesehen. Vielleicht möchten Sie rüber in den Salon gehen und sich ein wenig austauschen?"Einladend wies Macnair auf die nächste Türe neben dem Festsaal.

"Sie sind äußerst zuvorkommend,"bedankte sich Botschafter Chang. Ohne sich nach Cho umzublicken, trat er mit raschen Schritten auf die Tür zu.

Sie folgte ihm, spürte das Pochen ihres Herzens in ihrem Hals, als sie mit erhobenem Kopf und starrem Lächeln die Empfangshalle durchquerte. Hinter ihr Stimmengemurmel, klappernde Absätze, ein schrilles Lachen. Weitere Gäste hatten den Saal betreten, schüttelten Hände, spazierten gemächlich in Richtung Festsaal und bewunderten lautstark das Buffet.

Aber sie wandte sich nicht um und sie blickte auch nicht nach vorne, zu ihrem Vater. Maskenhaft blickte sie vor sich in die Luft und selbst das leise Klacken mit welchem die Türe sich schloss, riss sie nicht aus ihrer innerlichen Erstarrung. Warum war Vater hier? Was wollte er jetzt, ausgerechnet jetzt, wo sie es gerade erst wieder geschafft hatte, mit dieser furchtbaren Verzweiflung klarzukommen! Gerade jetzt, wo sie ihrem Ziel wenigstens einen winzigen Schritt näher war, ohne vollends zu verzweifeln! War er gekommen, um alles wieder zu zerstören?

War er gekommen, um sie mit nach Hause zu nehmen?

Er sprach nicht sofort und als sie ihn endlich anblickte, verstand sie auch den Grund dafür. In seinen Augen glitzerten Tränen. Cho hatte ihren Vater noch nie weinen sehen und es erschreckte sie mehr, als sie sich vorstellen konnte. Sie hatte nicht geglaubt, dass ihr abgestorbenes Herz noch solche Gefühle empfinden konnte.

Nicht nach den Dingen, die ihr angetan worden waren...nicht nach den Dingen, die sie selbst getan hatte.

"Sind wir der Grund, warum du fort gegangen bist, Cho-chan?"fragte er leise. "Haben wir uns nicht gut genug um dich gekümmert?"

Aus dem Nebenzimmer hörte sie lauten Beifall tosen, bevor es wieder still wurde. Sie wusste nicht, was sie ihrem Vater antworten sollte, wie sie ihm erklären sollte, was geschehen war. Auch damals hatte er es nicht wirklich verstanden. Er hatte geglaubt, dass der Schmerz nach einer Zeit der Trauer vorübergehen würde...

"Nein, Otoh-san, es hat nichts mit dir, oder Mutter zu tun."Sie holte tief Luft. "Es ist alles meine Schuld, ich bin eine sehr schlechte Tochter und ich habe euch bitter enttäuscht..."

"Komm' mir nicht mit diesen Floskeln,"unterbrach Vater sie ernst. "Bitte sag' mir, was wirklich mit dir los ist! Erkläre mir, was das alles zu bedeuten hat, dein plötzliches Verschwinden, dein Untertauchen, die Leute mit denen du dich jetzt umgibst..."

Sie schwieg und starrte zu Boden. Drüben im Festsaal hatte Lucius Malfoy begonnen seine Rede zu halten, eine reißerische Rede, die von vielen Zurufen und Beifallsbezeugungen begleitet wurde. Offenbar erzählte er den Leuten genau, was sie hören wollten.

Vater konnte sie nicht erzählen, was er hören wollte. Er wollte die Wahrheit und die konnte sie ihm nicht geben. Niemand durfte die Wahrheit erfahren. Jeder Mitwisser gefährdete ihren Plan, deshalb durfte es keine Mitwisser geben.

"Ich will nicht so leben, wie ihr das tut,"begann sie schließlich. "Euer Haus, die Schule, das alles passt nicht zu mir. Ich will mein eigenes Leben führen und ich gehöre nicht in eure Welt, schon lange nicht mehr..."

"Wir leben in schwierigen Zeiten, meine Freunde und unsere jetzige Regierung verschließt die Augen davor!"erklang Malfoy's Stimme von drüben aus dem Festsaal. "Aber Probleme verschwinden nicht dadurch, dass man die Hände in den Schoß legt! Schwierigkeiten lösen sich nicht von selbst, wenn man den Kopf in den Sand steckt! Krisen lassen sich nicht wegdebattieren!"

"In deinem Leben ist also kein Platz für uns,"murmelte Vater beinahe unhörbar. "Ist es das, was du damit sagen willst?"

"Hai, Otoh-san."Kalt blickte sie ihn an.

"Dann haben wir uns wohl nichts mehr zu sagen."Seine Stimme war immer noch kaum hörbar, nicht mehr als ein Flüstern, doch sie hatte seine Worte sehr deutlich verstanden. Sie dachte an den Mann, der so gerne Honigfrüchte aß, der Quidditchbälle verzaubern konnte, der für sie einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen bereithielt, einen Platz, den sie jetzt eiskalt verschmähte. Hätte sie in diesem Moment schreien können, sie hätte geschrieen, und geschrieen, bis sie nicht mehr bei Stimme war.

"Genug geredet – jetzt ist Handeln angesagt! Genug Zeit verschwendet – lasst uns bewahren, was uns lieb und teuer ist! Wenn unser werter Herr Zaubereiminister in all den Jahren nicht gelernt hat, seinen Job zu machen, so ist es an der Zeit für ihn beiseite zu treten und jemandem Platz zu machen, der die Dinge in die Hand nimmt!"

"Ist das die Welt, zu der du gehören willst?"fragte Vater. "Nach all dem, was wir dir über moralische Werte, und die Würde eines jeden Lebewesens beigebracht haben, willst du dich diesen verblendeten Fanatikern anschließen, die nur Hass und Intoleranz predigen und alles was die Menschlichkeit ausmacht mit Füßen treten? Cho, ich erkenne dich nicht wieder."

'Ich erkenne mich selbst nicht wieder,' schoss es ihr durch den Kopf, doch sie schwieg. Wenn sie Vater auch nur das geringste Zeichen gab, dann würde er sie nicht gehen lassen. Er liebte sie, er würde sie nicht so ohne weiteres aufgeben, solange er noch an eine Chance glaubte, sie zurückzuholen...

Und was das Schlimmste war, sie würde mit ihm mitkommen. Sie würde alles vergessen, und sich in seine Arme werfen, und Cedric würde in seinem Grab ungerächt bleiben.

"Ich werde euch nicht mit schönen Worten vertrösten!"

Sirius und Dumbledore und all die anderen kämpften gegen Voldemort, doch Cedric war für sie nur ein Opfer unter vielen, die noch kommen würden. Sie hatten ihre Pläne, große und wichtige Pläne und mussten das Gesamtbild im Auge behalten. Für Persönliches war da kein Platz und falls doch, so würden sie diesen Platz für die Menschen reservieren, die ihren eigenen Herzen nahe standen.

"Ich werde euch nicht mit leeren Versprechungen abspeisen!"

Nein, es gab niemanden, der etwas tun konnte. Cedric hatte nur noch sie und sie durfte ihn nicht im Stich lassen. Selbst dann nicht, wenn es bedeutete, ihren eigenen Vater zu verleugnen...

"Nein! Was ich tun werde, ist euch die Wahrheit zu sagen! Weil es sonst kein anderer tut!"

"Deine Mutter und ich werden Britannien verlassen,"sagte Vater leise, "wir gehen zurück nach Korea. Hier werden bald große Umwälzungen stattfinden und wir haben uns entschieden, dass wir nicht Teil dieser Veränderungen sein wollen. Dieses Land bewegt sich in eine politische Richtung, die wir nicht unterstützen können."

"Denn ein Problem zu lösen, liebe Freunde, bedeutet, nicht die Augen zu schließen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, und nicht die Hände in den Schoß zu legen!"

Cho fühlte, wie Erleichterung sie durchströmte. Ihre Eltern würden in Sicherheit sein, was immer jetzt noch geschehen mochte, es würde nicht sie treffen.

"Mein Name ist Lucius Malfoy und ich werde die Probleme lösen! Schenken Sie mir Ihr Vertrauen!"

"Wir werden noch für die nächsten drei Tage hier in England sein,"fügte Vater mit bitterer Stimme hinzu. Er sprach jetzt ein wenig lauter, um den tosenden Beifall und die Jubelrufe aus dem Nachbarsaal zu übertönen. "Falls du deine Meinung änderst, du weißt ja, wo du uns findest."Ohne ein weiteres Wort wandte er sich zur Tür.

"Sie wird es sich nicht anders überlegen!"

Mutter stand im Türrahmen, ihre zierliche kerzengerade Gestalt war nur als Silhouette gegen die erleuchtete Eingangshalle zu erkennen. Sie trat näher, ihre Augen waren ebenso kalt wie die ihrer Tochter und ihr Gesicht schien ausdruckslos. Sie musterte Cho und diese schrak zurück, als sie den alles durchbohrenden Blick bemerkte.

"Du hast deine Unschuld verloren,"stellte Mutter fest und innerhalb eines Augenblicks wusste Cho wovon sie sprach. Nicht von Tod und den ganzen Affairen, nein, sie meinte etwas ganz anderes, was sie getan hatte und es war etwas, woran das Mädchen nicht erinnert werden wollte, nicht um alles in der Welt. Sie hielt dem Blick stand und schwieg eisern.

"Es ist alles so gekommen, wie die heiligen Flammen es vorausgesagt haben," murmelte Mutter und sie schien eher mit sich selbst zu sprechen, als mit jemand anderen. "Du hast begonnen, den Weg zu beschreiten und du wirst ihn zu Ende gehen..."

"Izumi, beruhige dich!"Besorgt trat Vater zu ihr hin und stützte sie, doch sie schien ihn kaum wahrzunehmen. "Und sie hatten Recht, sie hatten von Anfang an Recht. Es wäre besser gewesen, dich nicht zu lieben, denn es ist immer besser, nie geliebt zu haben, als zu lieben und zu verlieren. Ich dachte, ich könne den Schicksalslauf beeinflussen, es war so vermessen von mir so zu denken...so vermessen..."

"Izumi!"Vater schüttelte sie und versuchte sie aus ihrer Trance zu reißen. Sein Blick fiel auf Cho und in diesem Moment lag ein echter Vorwurf in seinen Augen. 'Was hast du da nur angerichtet?' schienen diese Augen zu fragen und Cho konnte diesen Blick nicht länger ertragen. An ihren Eltern vorbei, stürzte sie auf die Tür zu. Noch im Laufen wühlte sie in der Handtasche nach ihrem Fläschchen, korkte es hastig auf und stürzte den Inhalt hinunter.

"In diesem Leben werden wir uns nicht wieder sehen..."

Wie der Klang einer Geisterstimme hallten diese Worte in ihr nach...

.

.

Ich wünschte, sie hätte mich wirklich nicht geliebt. Ich wünschte, es wäre genau so gewesen, wie ich es mir ein Leben lang eingeredet habe. Dass ich ihr egal bin, dass ich nur ein störender Schmutzfleck in ihrem ach-so- perfektem Leben bin.

Alles wäre leichter zu ertragen, als das hier.

Ich wünschte, Vater und Mutter hätten mich nicht so gesehen. Ich wünschte, sie beide hätten nie gesehen, was aus mir geworden ist. Nicht die Schlampe, die sich durch alle Betten nach oben katapultiert, nicht die eiskalte Rächerin, die nicht einmal mehr auf die Gefühle der Menschen Rücksicht nimmt, die sie einmal geliebt hat.

Nicht die Mörderin...

Ich wollte es nicht tun, ganz sicher nicht...ach komm schon Cho, hör mit der Lügerei auf. Du wusstest genau, dass du es nicht zulassen kannst, dass jemand deine Pläne kennt. Das Risiko war einfach zu groß. Was, wenn sie jemandem davon erzählt hätte? Sie hätte dich in der Hand gehabt...sie hätte alles ruinieren können....

Ich hab' meine Unschuld verloren, weil ich ein Leben ausgelöscht habe...auch wenn es nicht das Leben eines Menschen war, so ist das doch unbedeutend. Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass alles Leben eins ist...

Ausgelöscht mit einem ihrer eigenen Gifte. Eines das wir gemeinsam entwickelt haben, eines das stark genug ist, um selbst eine Hag auszuschalten. Ihre Familie wird niemals erfahren, was dort unten in den Kellergewölben geschehen ist...

Ja, ich hab' sie umgebracht und weißt du was? Es ist mir egal! Es ist mir auch egal, wer sonst noch alles draufgeht, wenn ich nur endlich meine Rache bekomme.

Um mich herum ist nur Tod und Zerstörung, das Leben wie ich es kannte, wurde in den furchtbaren Abgrund der Finsternis gerissen. Cedric ist nur der erste gewesen, das erste Opfer auf einer langen Liste von weiteren. Als das Ministerium zerstört wurde, als Hogwarts an den Dunklen Lord fiel, als schreckliche Kreaturen aus schwärzester Magie über dieses Land herfielen...floss das Blut in Strömen und wer nicht fliehen konnte, oder umkam, musste um seine Seele fürchten, denn die entfesselten Dementoren stürzten sich auf jeden Hauch von Leben.

Eine neue Ordnung wurde ins Dasein gerufen und die alte Welt verging in Feuer und Blut....

Er sitzt an Voldemort's Seite, in dieser neuen Ordnung. Er ist einer von den vier Mächtigen, mit denen der Dunkle Lord sich umgibt. Ebenso wie der alte Lestrange, Malfoy und Tod's Vater. Und so warte ich immer noch darauf, ihm eines Tages zu begegnen. Ich warte wie eine Spinne in ihrem Netz und eines Tages wird er kommen und sich in meinen Fäden verfangen und dann gibt es kein Entrinnen mehr für ihn....

........................................................................................................................................................ ....October,1998

"Bist du ihm schon einmal persönlich begegnet?"

"Nein, noch nie!"

"Warum zeigt er sich nie in der Öffentlichkeit?"

"Ich weiß nicht, vielleicht weil er Angst hat. Oder weil der Dunkle Lord es nicht möchte. Aber ich weiß es nicht...ich..."

Tod sackte in sich zusammen und innerhalb Sekunden verriet sein gleichmäßiger Atem, dass er tief und fest schlief. Cho rollte sich von ihm weg, nur um reglos auf der Seite liegen zu bleiben und enttäuscht vor sich hin zu starren.

Tod's Vater war ein Grand Dragon des Dunklen Rates und der Kerl wusste immer noch nichts. Er fragte auch nie nach, es interessierte ihn einfach nicht. Er führte Befehle aus und war damit glücklich.

Sie stand auf und ging sich die Hände waschen. Möglichweise waren noch Pulverspuren an ihren Fingernägeln. Außerdem war ihr wieder schlecht, wie so häufig in letzter Zeit. Ihr Herz pochte gegen ihre Schläfen und ihr war so übel, dass sie fürchtete, sich übergeben zu müssen.

Das kühle Wasser war angenehm auf ihrem Gesicht und ihren Händen. Erschöpft lächelte sie ihrem Spiegelbild zu, dachte an Tod, der keine Ahnung hatte, was mit ihm geschehen war. Veritaserum in Pulverform war eine der genialsten Erfindungen, die Madam Borgin je zustande gebracht hatte. Kombiniert mit einer Alaunverbindung konnte man das Serum zu Kristallen erstarren lassen und diese dann zu Pulver zermalmen, welches problemlos unter langen Fingernägeln Platz hatte. Viel praktischer, als eine Flüssigkeit, die man in Gefäßen mit sich herumschleppen musste.

Und sie hatte sich damals noch gewundert, ob das Veritaserum in der Krötensuppe gewesen war...

Sie betastete ihre Wange, dort wo Madam Borgin sie damals gekratzt hatte. Anders als die Flüssigkeit konnte das Pulver nicht mit einem Getränk verabreicht werden, es musste direkt in die Blutbahn gelangen. Ein kleiner Kratzer genügte schon und für sie war es eine äußerst sichere Methode. Kein Mann wunderte sich jemals über einen Kratzer, den er beim Liebesspiel verpasst bekam.

Aber was brachte die Ausfragerei, wenn der Mann nichts wusste?

Tod schlief immer noch, als sie in sein Schlafzimmer zurückkehrte, sich wieder neben ihm im Bett ausstreckte, um gedankenverloren in die Glut seines Kamins zu starren. Vielleicht sollte sie ihn verlassen und sich einen anderen Liebhaber suchen, einen, der selbst Mitglied im Dunklen Rat war? Andererseits war es vielleicht besser geduldig abzuwarten, denn die Chancen standen nicht schlecht, dass Tod irgendwann selbst dort aufgenommen wurde. Irgendwann, wenn er sich in den Augen seines Meisters bewährt hatte.

Wollte sie so lange warten?

Oder sollte sie es riskieren, zweigleisig zu fahren? Offiziell Tod's Freundin bleiben und sich inoffiziell einen anderen suchen? Risikoreich ja, aber vielleicht das Sinnvollste. Sie konnte nicht mehr ewig warten.

Sie hatte nicht mehr ewig Zeit...

Die Glut knisterte, loderte auf und im nächsten Moment brannte wieder ein Feuer im Kamin. Schlaftrunken bewegte sich Tod neben ihr, doch sie achtete nicht auf ihn, ihre Augen waren auf die Flammen gerichtet. Ein neuer Befehl von Tod's Vater? Oder was war so wichtig, dass man sie beide mitten in der Nacht stören musste?

Etwas formte sich im magischen Farbenspiel der Flammen. Helle Funken wurden zu wässrig blauen Augen, züngelnde Muster bildeten ein Gesicht und Rauch entwickelte sich zu einem Kranz wirren grauen Haares, der sich um eine kahle Stelle an dem, nun im Feuer schwebenden Kopf legte.

Es war das erste Mal, dass sie ihm Auge in Auge gegenüberstand, oder besser gesagt lag, denn sie tat weiterhin so, als schliefe sie, während Tod Pettigrew ehrfurchtsvoll begrüßte. Sie beobachtete ihn unter ihren halbgeschlossenen Lidern, beobachtete ihn wie die Schlange das Kaninchen und fühlte wie eisiger Hass sie durchströmte. Sirius hatte nicht übertrieben, der Mann sah wirklich aus wie eine Ratte, selbst in menschlicher Gestalt.

Nein, an diesem Kerl war nichts menschlich. Er war ein Stück Dreck, das sie unter ihrem Absatz zertreten würde.

Sie hatte ihn gefunden, jetzt musste sie nur noch dafür sorgen, dass er sie bemerkte. Mit einem Seufzer rollte sie sich herum und ließ dabei wie unbeabsichtigt die Decke zur Seite gleiten. Er schrak zusammen, blinzelte verwirrt, aber kaum dass er sie erblickt hatte, verschlang er sie auch schon mit den Augen. Ihr Zauber wirkte perfekt und inzwischen war er stärker geworden.

Noch viel stärker. Schon bald würde sie...

Eine Razzia in Diagon Alley? Nur langsam drangen die Worte des Gesprächs zu ihr durch. Tod und die Männer der Blood Legion sollten eine Razzia durchführen und das sofort, ohne Zeit zu verlieren. Auf Befehl von Pettigrew.

Tod deckte sie hastig wieder zu, er murmelte liebevolle Worte, sie murmelte auch irgendetwas, sie hörte nicht zu. Ihre Gedanken überschlugen sich, Pettigrew gab keine Befehle. Pettigrew war ein dreckiger kleiner Mitläufer! Ein Mittelsmann, nichts weiter!

Was mochte so Wichtiges in Diagon Alley sein und was würde es bedeuten, wenn es dem Dunklen Lord in die Hände fiel? Sollte sie das so einfach zulassen? Wo es vielleicht eine Möglichkeit gab, das Ganze zu verhindern.

Sie hörte, wie Tod durchs Zimmer rannte. Es raschelte, als er sich Klamotten überwarf, wohl nur eine einfache Robe, denn drüben im Hauptquartier musste er sowieso seine Uniform anziehen. Er beugte sich über sie, drückte ihr einen Kuss auf den Mund, dann war er auch schon verschwunden. Draußen im Flur verhallten seine Schritte.

Sollte sie es riskieren, Sirius eine Eule zu schicken? Wenn sie ein Tier aus der Owlery nahm, würde der Verdacht nicht auf sie fallen, die gesamte Blood Legion hatte darauf Zugriff. Wie groß war die Gefahr, dass die Eule aufgehalten, und kontrolliert wurde?

Im Moment vielleicht gar nicht allzu groß, wenn sich alle in Aufbruchsstimmung befanden...

Sie lief hinüber zur Kommode, kramte nach einem Quill und einem Stückchen Papier. "Die Blood Legion führt eine Razzia in Diagon Alley durch,"schrieb sie auf den Zettel. "Befehl von Pettigrew."

Anrede und Unterschrift sparte sie sich, doch sie musste Sirius' Namen auf den Umschlag setzen, da die Eule ihn sonst nicht finden würde. Im ersten Moment schien es ihr ein kaum tragbares Risiko, doch genau genommen gefährdete sie ihn damit nicht mehr, als er es ohnehin schon war. Die Leute des Dunklen Lords wussten schließlich, wer er war, und zu welcher Seite er gehörte.

'Nicht zuletzt durch seinen alten Rattenfreund,' dachte sie mit grimmiger Miene.

.

.

"Cho, ich muss dich unbedingt treffen, so bald wie möglich. Schreib' Zeit und Ort auf diesen Brief und steck' ihn wieder hinter das Namensschild."

Hallo Kätzchen, lange nicht gesehen...

Jetzt auf einmal will er mich also treffen! Die ganze Zeit davor hat er sich nicht gerührt, hat mir nicht einmal geschrieben. Aber jetzt kann es ihm nicht schnell genug gehen.

Nun, wir werden ja sehen, was er mir zu sagen hat...

Der Nachtwind fährt durch meinen langen Umhang und bringt ihn zum Flattern. Es ist kühl geworden seit einigen Tagen, der Winter kommt dieses Jahr früh. Welk hängt das Laub von den Bäumen, schlaff und von Nässe durchzogen, die farbenfrohe Herbststimmung will nicht so richtig aufkommen, oder kommt mir das nur so vor?

Ein Käuzchen schreit und die Turmuhr der alten Kapelle schlägt drei Uhr morgens. Da Tod heute Nachtschicht hat und ich normalerweise um diese Zeit schlafe, wird man mich nicht vermissen. Wieder einmal frage ich mich, was ich hier tue, warum riskiere ich das Scheitern meiner Pläne, um mich mit einem Mitglied der Phoenix Order zu treffen?

Order of the Phoenix – der Name der Gruppe um Dumbledore. Ein Name, der von Voldemort's Anhängern hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird. Auch wenn Dumbledore selbst sich in Gefangenschaft befindet, so sorgen doch seine Leute für Unruhe. Allen voran Harry Potter und eine Gruppe ehemaliger Schüler aus Hogwarts bereiten Macnair jede Menge Schwierigkeiten.

Jetzt haben sie wohl keine Hemmungen mehr, Jugendliche aufzunehmen! Als ich damals mitmachen wollte, konnten sie mich nicht gebrauchen. Aber egal...

Dies ist einer der ältesten Friedhöfe Englands und ich bin noch nie zuvor hier gewesen. Ich hab' mich immer davor gedrückt an diesen Ort zu kommen, hatte Angst davor, Angst, was mit mir geschehen würde, ob ich vielleicht zusammenbrechen und die Kontrolle über mich verlieren würde und das darf nicht sein. Ich brauche meine Kraft, ich habe nicht mehr viel davon...

Ich nehme einen Schluck aus meinem Fläschchen und packe es wieder weg...

Das Grabmal, das ich suche, befindet sich weiter hinten, nahe der Kapelle. Ein Monument aus verwittertem Stein, umgeben von mächtigen Eichen und Buchen. Hier finden die Diggorys seit vielen Generationen ihre letzte Ruhe.

Ich trete zwischen den Säulen hindurch und blicke auf die große Steintafel unter dem Dach. Cedric's Name ist der drittletzte, sein Vater und Bruder stehen noch darunter. Was aus seiner Mutter geworden ist, weiß ich nicht, sie steht jedenfalls nicht hier. Vielleicht ist sie noch am Leben. Viel davon haben wird sie jedenfalls nicht!

Der Eingang zur Gruft müsste hier irgendwo auf dem Boden sein. Im Licht meines Zauberstabes finde ich die Falltüre und öffne sie mit einem Alohomora Spell. Eine schmale Steintreppe führt nach unten in die Grabkammer. Meine Schritte klingen seltsam hohl auf dem alten Stein.

Särge...eine endlose Reihe von Särgen.

Cedric's ist der letzte in der Reihe, direkt neben seinem Bruder. Seit dreieinhalb Jahren liegt er nun hier in der kalten Dunkelheit, anstatt zu leben und bei mir zu sein.

Ich knie neben dem Sarg nieder, fühle die Kälte des Steins, die Kälte meiner Tränen. In diesem Moment wünsche ich mir nichts mehr, als selbst tot zu sein und hier neben ihm liegen zu können. Ich habe keine Kraft mehr, will nicht mehr kämpfen. Ich will keine Pläne mehr schmieden. Ich will einfach nur alles vergessen und endlich bei ihm sein.

........................................................................................................................................................ ...October,1998

Schritte auf der Treppe rissen Cho aus ihren Gedanken, sie fuhr hoch und wischte sich das Gesicht ab. "Bitte erschrick' nicht, Cho,"kam eine leise Stimme vom Eingang, noch bevor sie jemanden erkennen konnte. "Tut mir sehr leid, dass ich dich stören muss, aber ich hab' leider nicht viel Zeit, und wir müssen einiges besprechen. Ich warte oben auf dich."

Die Schritte entfernten sich wieder.

Sirius hatte sich verändert, stellte sie fest, als sie seine Gestalt im fahlen Mond- und Sternenlicht betrachtete. Er wirkte nicht mehr so dürr und verwahrlost, doch genau wie damals war sein Gesicht von Sorge gezeichnet. Seltsamerweise hatte sie das starke Bedürfnis, ihn zu umarmen, als er vor ihr stand, aber das kam sicher nur von ihrer Verzweiflung her.

Er streckte die Hand aus, ein kleines goldenes Ornament glitzerte darin. Ein Phoenix...

"Danke, dass du gekommen bist,"begann er. "Ist eigentlich ziemlich viel erwartet, nachdem ich dir die letzten Jahre nicht einmal geschrieben habe..."

"Ich bin sicher, du hattest Wichtigeres zu tun,"entgegnete sie. Ihre Worte klangen ein wenig kühler als erwartet und für einen Moment glaubte sie, eine Spur von Schuldbewusstsein auf seinem Gesicht zu erkennen. Es war ohnehin ein sehr merkwürdiger Blick mit dem er sie ansah, freundlich und auch irgendwie liebevoll, aber ohne jede Spur von Gier, oder Verlangen. Sie war es nicht gewohnt, von Männern so angesehen zu werden.

"Ich kann dir nur sagen, dass es mir echt leid tut,"entschuldigte er sich, "aber es gab wirklich keine Möglichkeit mit dir in Kontakt zu treten. Im Moment gibt es sehr viel Wichtigeres, als dich und mich und unsere persönlichen Gefühle. Das musst du verstehen, ich weiß, dass es nicht einfach ist."

Persönliche Gefühle? Was für ein schöner Satz!

"Du hast Recht, ich hab' mich kindisch benommen."Probehalber umarmte sie ihn, sie wollte jetzt wissen, wie es um seine Gefühle bestellt war.

Er zuckte nicht zurück, sondern legte seinerseits die Arme um sie, hielt sie fest genau wie damals, als er versucht hatte, sie zu trösten. Das war keine dieser gierigen Umarmungen, wie sie sie von Tod und den anderen Männern kannte, es war etwas vollkommen anderes. Etwas, das sie seit ewig langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte.

Geborgenheit und Vertrauen...

Mit einemmal schämte sie sich für ihr kindisches Verhalten. Er hatte ihr die Wahrheit gesagt, als alle anderen geschwiegen hatten. Er war als einziger ehrlich zu ihr gewesen und sie hatte ihn einfach so für ihre Pläne benutzen wollen...

"Was kann ich tun?"fragte sie leise, als sie sich von ihm löste. "Wie kann ich dir und der Phoenix Order helfen?"

"Du bist gut informiert."Ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen, als sie die Phoenix Order erwähnte und er fuhr fort: "Und genau das ist es, was uns weiterhelfen könnte. Deine Nachricht über die Razzia beispielsweise, sie hat uns vor einer mittleren Katastrophe bewahrt..."

"Normalerweise komme ich nicht an solche Informationen,"dämpfte sie seine Begeisterung. "Es war mehr oder weniger Zufall, dass Tod in meiner Gegenwart davon gesprochen hat. Aber ich kann natürlich versuchen, mich ein wenig umzuhören."

"Genau das hab' ich gemeint,"nickte Sirius. "Wir können jeden Informanten gebrauchen. Alles was du aufschnappst, könnte von Bedeutung sein, selbst wenn es dir sehr banal erscheint. Außerdem gibt es ein paar Themen, die uns ganz besonders interessieren würden..."

Sie dachte an ihre Veritaserum Kristalle und lächelte innerlich, als er weitersprach. Auf diese Weise konnte sie mit Sicherheit etwas erfahren und wenn sie ein paar Stichworte kannte, würde es umso leichter werden.

"Projekt Ragnarök?"fragte sie verwirrt zurück. "Hat das etwas mit dem Weltuntergang zu tun?"

"Wir wollen es nicht hoffen,"murmelte Sirius grimmig. "Allerdings bei Voldemort kann man nie wissen!"

Sie zuckte zusammen, sie war es nicht gewohnt, den Namen laut zu hören. Selbst seine Gefolgsleute sprachen ihn nicht aus, sie nannten ihn immer nur den Dunklen Lord, oder seit der Machtübernahme den Imperial Wizard.

"Wir müssen allerdings sehr sorgfältig vorgehen."Eindringlich blickte Sirius sie an. "Am besten schickst du mir die Nachrichten immer über Crookshanks, oder eine der anderen Cheshire Katzen, damit gehen wir kein Risiko ein. Eulen sind nur für den äußersten Notfall, wenn es ganz schnell gehen muss und es keine andere Möglichkeit gibt."

"Mache ich mich nicht verdächtig, wenn ständig Katzen um mich rumrennen?" wollte sie wissen, doch er schüttelte den Kopf. "Die Cheshire Katzen sind äußerst vorsichtig, nur keine Sorge. Und unsere Feinde werden gar nicht auf die Idee kommen, dass wir Katzen benützen. Solltest du allerdings eine Eule verwenden müssen, brauch' ich dir wohl gar nicht erst zu sagen, dass diese auf keine Fall mit dir in Verbindung gebracht werden darf."

Sie nickte und dachte an die vielen Eulen, die sich in der Macnair Owlery befanden.

"Außerdem sollten wir unsere Nachrichten verschlüsseln und auf gar keinen Fall unsere richtigen Namen verwenden,"fuhr Sirius fort. "Denk' dir einen Codenamen für dich aus. Und deine Briefe, die schreibst du einfach an Snuffles."

Snuffles? Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht, dieser Name klang wirklich süß. Wer Sirius den wohl gegeben haben mochte? Vielleicht ein Kosename von einer ganz besonderen Person...

In Sirius' Leben musste es diese ganz besondere Person geben. Jemanden, den er aufrichtig und von ganzem Herzen liebte. Das war die einzig mögliche Erklärung, warum ihr Zauber bei ihm nicht funktionierte. Gegen ein liebendes Herz konnte die Macht ihrer dunklen Magie nichts ausrichten.

Wenn es doch immer so sein könnte, dass Liebe stärker war, als die Dunkelheit...

"Es gibt da noch etwas anderes,"begann Sirius. "Abgesehen von den Informationen, mein' ich. Etwas, das du uns vielleicht beschaffen könntest. Aber es ist mit einem noch größeren Risiko verbunden..."

"Wenn ich dir helfen kann, dann werd' ich es tun,"entgegnete sie mit fester Stimme und in diesem Augenblick meinte sie das auch so.

"Kennst du den Ring, den Tod Macnair an seiner Hand trägt? Den Wappenring mit dem Fischotter?"

Was war das für eine Frage? Natürlich, sie sah den Ring doch jeden Tag. Tod's Vater hatte genau den gleichen. Jede Death Eater Familie besaß diese Wappenringe, so hatte der Dunkle Lord es bestimmt, und jeder erstgeborene Sohn erhielt einen solchen Ring am Tag seiner Volljährigkeit.

Vielleicht hatte Sirius das gemeint, als er von Informationen sprach, die ihr banal erschienen. Bisher hatte sie sich nie über diese Ringe gewundert, oder ihnen eine besondere Bedeutung beigemessen.

"Brauchst du diesen Ring?"fragte sie leise. "Was hat es damit auf sich?"

"Ich kann dir nicht allzu viel darüber sagen,"begann Sirius. "Aber ja, wir benötigen diesen Ring sehr dringend und deshalb brauchen wir deine Hilfe. Du könntest ihn stehlen, ohne dass Macnair Junior es bemerkt."

"Er würde es auf jeden Fall bemerken,"unterbrach sie, "er trägt den Ring fast immer..."

Anstelle einer Antwort zog Sirius ein Kästchen aus der Innentasche seiner Robe hervor. Als er es öffnete, konnte sie vier Ringe darin erkennen, vier silberne Ringe, die wie diverse Tiere geformt waren und verschiedenfarbige Edelsteine als Augen besaßen. Ein Schakal, ein Luchs, eine Ratte und der Fischotter der Macnairs. Täuschend echte Nachbildungen, zumindest beim Fischotter konnte sie es beurteilen.

"Die Wappenringe der Grand Dragons,"erriet sie ohne Zögern. "Malfoy hat den Luchs, Pettigrew mit Sicherheit die Ratte, damit bleibt der Schakal für Lestrange! Ihr braucht also alle vier?"wandte sie sich an Sirius.

Dieser nickte. "Insgesamt schon, allerdings wird eine Person allein das nicht übernehmen können. Wir dachten, du kämst vielleicht an den Macnair Ring heran, weil du mit dem Sohn zusammen bist..."

"Vielleicht kann ich auch mit den anderen Ringen weiterhelfen."Sie lächelte geheimnisvoll. "Tod Macnair ist nämlich nicht die einzige Person, zu der ich...sagen wir...gewisse Beziehungen habe."

"Bring' dich bloß nicht unnötig in Gefahr!"bat Sirius. "Wir müssen sowieso sehr vorsichtig vorgehen, Voldemort darf keinesfalls erfahren, dass wir uns für die Ringe interessieren. Deshalb haben wir auch entschieden, nicht die Ringe der Grand Dragons persönlich zu stehlen, sondern die Ringe der Familienmitglieder. Bei den ursprünglichen Ringen können wir nicht wissen, welche Fähigkeiten sie haben und wie die Death Eaters sie einsetzen. Bei den Söhnen besteht diese Gefahr weniger, sie sind ja nicht einmal Mitglieder im Dark Council..."

"Aber nicht alle Grand Dragons haben Söhne,"überlegte Cho. "Sicher, die Macnairs und die Malfoys, aber Lestrange hat nur Töchter, und Pettigrew hat überhaupt keine Familie, oder irre ich mich da?"

Sirius schüttelte den Kopf. "Bei Pettigrew haben wir tatsächlich keine Wahl, wir müssen den Originalring nehmen. Deshalb kommt dieser auch als Letzter an die Reihe. Bei Lestrange können wir das absolut nicht riskieren, der Kerl ist so gefährlich wie Voldemort selbst...na ja, fast. Aber die Chancen stehen gut, dass es noch mehr Lestrange Ringe gibt, bei einer so alten einflussreichen Familie muss es einen Erben geben..."

"Vielleicht eine seiner Töchter,"überlegte Cho. "Kann man den Ring nicht auch an eine Tochter weitergeben?"

"Können sicherlich, aber der alte Lestrange hasst Frauen, also ist es nicht sehr wahrscheinlich."Angestrengt nachdenkend ging Sirius auf und ab. "Aber ausschließen sollten wir es natürlich nicht. Es gibt tatsächlich ein Gerücht, dass die älteste Tochter einen Ring besessen haben soll, aber sie ist tot. Auch Lestrange's jüngerer Bruder ist tot, wurde vor ewigen Zeiten von Dorian Malfoy in einem Duell gekillt."

Er blieb stehen und wandte sich Cho zu. "Dann käme auch noch sein Schwiegersohn Avery in Frage, der Ehemann seiner jüngsten Tochter Marguerite. Er steht total unter der Fuchtel von dem Alten und wird mehr oder minder als Lestrange Erbe gehandhabt. Andererseits ist er kein Blutsverwandter, das spricht natürlich dagegen. Der einzige männliche Nachkomme ist Draco Malfoy, der Sohn der mittleren Tochter Narcissa. Aber die Lestranges und die Malfoys hassen sich seit Generationen, also sieht es auch hier nicht gut aus..."

Cho überlegte blitzschnell. Avery kannte sie bereits, es wäre überhaupt keine Schwierigkeit, ihn noch besser kennen zu lernen, und ihn ein wenig auszuhorchen. Die Malfoys kannte sie bisher noch nicht persönlich, aber das ließe sich bestimmt nachholen, schließlich waren Macnair und Malfoy gute Freunde. Sie musste nur dafür sorgen, dass sie einmal da war, wenn Malfoy zu Besuch kam. Allerdings wozu die Mühe, sie kannte Draco von der Schule her und auch wenn sie damals alles andere als Freunde gewesen waren, so konnte sie doch trotzdem Sehnsucht nach ihrem alten Schulkameraden bekommen, oder etwa nicht? Irgendwas ließe sich da schon arrangieren.

Was Pettigrew's Ring anging, so würde die Phoenix Order ihn nicht brauchen...

"Was wäre, wenn es einen Machtwechsel gäbe?"fragte sie. Sirius schaute sie ungläubig an und sie fügte hastig hinzu. "Ich meine, wenn Voldemort plötzlich einen anderen Great Titan zum Grand Dragon beruft, oder so..."

"Darüber können wir uns erst Gedanken machen, wenn es soweit ist,"erklärte Sirius. "Aber im Moment sieht es so aus, als ob die Vier einigermaßen fest im Sattel sitzen würden. Da müsste jemand schon zum Verräter werden, so wie Nott, damit Voldemort ihn beseitigt und einen anderen an seine Stelle setzt. Und das kann man sich bei diesen Vieren und ihren Familien nun absolut nicht vorstellen..."

Cho nickte, sie wollte nicht noch deutlicher werden, damit Sirius keinen Verdacht schöpfte. "Ich werde versuchen, so viele Ringe wie möglich zu bekommen,"sagte sie mit fester Stimme. "Und du kannst mir glauben, meine Chancen stehen nicht allzu schlecht. Ich hab' wirklich gute Connections."

"Geh' bloß kein unnötiges Risiko ein."Sirius klappte das Kästchen zu und überreichte es ihr. "Denk immer daran, du bist in tödlicher Gefahr und falls sie irgendwas rauskriegen, ist unser gesamter Plan hinfällig. Wenn du also merkst, dass du irgendwo nicht weiterkommst, dann lass' es und gib' mir die betreffende Nachbildung wieder zurück. Wir werden eine andere Möglichkeiten finden, wir sind schon mit größeren Schwierigkeiten fertig geworden."Seine Worte klangen zuversichtlich, doch sein Tonfall strafte ihn Lügen.

"Noch etwas,"warnte er sie. "Pass auf, an wen du herantrittst! Der Macnair Sohn, oder auch Avery mögen ziemliche Trottel sein, aber Draco Malfoy ist äußerst gefährlich. Er ist noch ein Junge, aber schon ebenso kaltblütig und skrupellos wie ein langjähriger Death Eater. In der kurzen Zeit, die er in den Diensten Voldemort's steht, hat er sich schon einen Ruf erworben, den Ruf eines gnadenlosen Menschenverächters und Mörders. Und in einer Gesellschaft wie dieser, wo jeder auf seinen Ruf bedacht ist, will das etwas heißen. Und ich wiederhole, unter gar keinen Umständen darfst du versuchen, den Ring eines Grand Dragon zu stehlen. Halte dich fern von ihnen, besonders von Malfoy und Lestrange. Sie haben Kräfte, die wir uns nicht einmal vorstellen können...hast du mich verstanden?"

Sie nickte und konnte förmlich spüren, wie besorgt er um sie war. Am liebsten würde er sie gar nicht in solche Gefahr bringen, aber er hatte ja keine andere Wahl...

"Ich werde vorsichtig sein,"versprach sie ein weiteres Mal. Für sie selbst war es zu spät, aber Sirius und seine Pläne wollte sie nicht gefährden, ganz sicher nicht.

"Gut."Er ließ das Kästchen los und auch ihre Hände, die er während seiner kleinen Rede festgehalten hatte. Wieder einmal war sie erstaunt über seine Berührung, die soviel Vertrauen in ihr auslöste und gleichzeitig nichts mit Verlangen oder Leidenschaft zu tun hatte. Seit Cedric's Tod hatte es keinen Menschen mehr gegeben, der ihr so nahe gestanden hatte und das, wo sie Sirius doch eigentlich kaum kannte.

Sie dachte daran, dass es jemanden gab, dem Sirius' Liebe gehörte und sie wünschte sich von ganzem Herzen, das Schicksal möge zu ihm nicht so grausam sein, wie zu ihr. Im Stillen wünschte sie ihm all das Glück und diese ganz besonderen Momente, die ihr und ihrem Liebsten nicht vergönnt gewesen waren...einmal sollte die Liebe nicht in Schmerz enden müssen. Einmal sollte sie sich erfüllen...

Sie schloss für einen Moment die Augen und dachte an Schmetterlinge, die durch die Luft schaukelten, ihre schillernden Flügel, in denen sich das Sonnenlicht brach wie Tausende funkelnder Diamanten.

"Sirius,"sagte sie leise. "ich werde meine Briefe mit Diamond Wing unterschreiben."

.

.

So grell...

Ich ziehe die Decke über meinen Kopf, um dem Licht auszuweichen. Ich bin eingeschlafen, etwas, das mir sonst nie passiert, aber in letzter Zeit bin ich immer so müde. Und mir ist schlecht, so schlecht. Ich will einfach nur weiterschlafen...

Aber ich darf nicht. Heute ist mein letztes Treffen mit Duane Avery, ich kann es nicht mehr länger riskieren, sonst bemerkt Tod etwas. Tod ist seltsam in letzter Zeit, so unruhig und eifersüchtig. Duane Avery war schon bei unserem zweiten Treffen seltsam. Ich muss aufpassen, wirklich aufpassen.

Sobald ich Tod's Ring habe, verlasse ich ihn. Ich kann's nicht riskieren, dass er krank wird, meine Tarnung würde auffliegen...

So müde...

Ich schlage die Decke zurück, um Avery aufzufordern, wieder ins Bett zu kommen. Dazu muss ich nicht viel tun, er folgt wie ein Hündchen. Er weiß nichts über ein Ragnarök Projekt und nichts über die Dinge, die Sirius interessieren. Nach dem Wappenring hab' ich ihn noch nicht gefragt, aber das werd' ich jetzt gleich tun.

So schlecht...

Er sülzt und sabbert mich voll, und ich schleime ihn zu. Das übliche Spiel, bis ich ihm den Kratzer am Rücken verpasse. Leider wirkt das Serum nur sehr kurz.

"Duane, kannst du mich hören?"

"Ja."

"Wenn du wirklich Lestrange's Erbe bist, wie kommt es, dass du dann nicht seinen Ring trägst?"

"Er sagt, ich werde erst einen Wappenring erhalten, wenn Marie mir einen Sohn geboren hat."

"Gibt es jemanden außer Istave Lestrange selbst, der einen solchen Ring besitzt? Ein anderer Erbe vielleicht?"

"So weit ich weiß, nicht. Aber möglicherweise...."

Mit einem letzten Stöhnen bäumt er sich auf und stößt hörbar die Luft aus, bevor er entspannt in sich zusammensackt. Nur wenige Augenblicke später schließen sich seine Augen und ein lautes, zufriedenes Schnarchen füllt den Raum. Sein schlaffer Körper zeigt keinerlei Regung, als ich mich darunter herauswinde und auf leisen Sohlen ins nächste Badezimmer schleiche, um mich zu waschen und zurechtzumachen.

Er hat den Ring also nicht und seine Frau auch nicht, weil sie keinen Sohn haben. Also bleiben nur noch die Malfoys. Schon gemein für den Alten, dass ausgerecht die Tochter einen Sohn hat, die mit seinem Erzfeind verheiratet ist. Und Lestrange hofft natürlich immer noch auf einen Enkel von Marguerite.

Ich sehe mich im Spiegel nicht an, als ich mich käme und schminke. Ich sehe mein Gesicht, aber das bin nicht ich. Das ist jemand anderes dort drinnen. Ich trinke einen Schluck aus meinem Fläschchen, bevor ich das Bad verlasse und hinüber ins Wohnzimmer zum Kamin gehe.

Ich hasse das Lestrange Anwesen. Überall diese ausgestopften Frauen. Und die Geräusche aus den Zimmern. Man sagt, der alte Lestrange hält hier Mädchen gefangen, die er wie Puppen anzieht. Mädchen ohne Seele.

"Macnair Manor," sage ich, als ich ins Feuer trete. "Tod Macnair's Zimmer."

.......................................................................................................................................................N ovember, 1998

Laut klackten Cho's Absätze auf dem steinernen Boden, als sie mit eiligen Schritten den Flur entlang trippelte. Köpfe wandten sich nach ihr um, verwirrte und fassungslose Blicke folgten ihr. Es war sicher nicht das erste Mal, dass sie im Hauptquartier der Blood Legion auftauchte, aber so aufgelöst durch die Gänge zu rennen, anstatt sich klammheimlich mit jemandem aufs Zimmer zu schleichen, war man sicher nicht von ihr gewohnt.

"Tod!"schrie sie schon von weitem, als sie ihren Freund entdeckte, der mit seinem Bruder Michael und zwei anderen Rotroben abwartend vor dem Besucherzimmer stand. "Das war das letzte Mal, dass du mich versetzt hast!"

"Cho, was soll das, ich hab' dir doch Bescheid gegeben, dass ich..."Mit hochrotem Gesicht drehte er sich zu ihr um, offenbar war ihm die ganze Szenerie äußerst peinlich. Die anderen jungen Männer grinsten hinter seinem Rücken und warfen einander viel sagende Blicke zu.

"Gehen wir nach draußen!"Unwirsch packte Tod sie am Arm und wollte sie vorwärts ziehen, doch sie riss sich los und stolzierte mit erhobener Nase an ihm vorbei in Richtung Hof. Achselzuckend folgte er ihr, ohne sich um Michael's Protestgeschrei zu kümmern. "Du kannst Vater nicht warten..." Seine Stimme verklang.

"Wir wollten heute Abend schön essen gehen!"fauchte Cho, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme hatte einen weinerlichen Tonfall angenommen. "Du hattest es mir versprochen!"

"Cho, warte!"Er ging an ihr vorbei in den Innenhof und stellte sich ihr in den Weg. "Ich hab' dir doch erklärt, dass wir es verschieben müssen. Jason, Michael und ich haben einen wichtigen Auftrag zu erledigen!"

"Und dazu braucht man unbedingt dich!"Sie stemmte die Hände in die Hüften und sah ihn mit funkelnden Augen an. "Als ob nicht jemand anders ebenso mit seinem Zauberstab rumfuchteln und sich wichtig machen könnte!"

"Pass auf, was du sagst,"entgegnete er und diesmal schwang eine leichte Drohung in seiner Stimme mit. Sie schluckte, es war jetzt besser, ihn nicht weiter zu reizen. In ihrer Gegenwart war er nicht mehr ganz bei Verstand und es war nicht auszumalen, was er noch alles tun konnte. Sie musste so schnell wie möglich von ihm weg, bevor noch ein Unglück geschah.

"Cho, ich möchte nicht mit dir streiten!"Im nächsten Moment war alle Aggression von ihm abgefallen und seine Stimme klang beinahe flehend. "Schau, wir müssen uns um eine wichtige Gefangene kümmern und Vater hat diese Aufgabe mir und meinen Brüdern aufgetragen, weil er uns vertraut. Das musst du doch verstehen..."Hilflos hob er die Arme.

"Was denn für eine Gefangene?"fragte sie misstrauisch. "Das ist keine dumme Ausrede, oder so?"

"Nein, ganz sicher nicht,"beeilte er sich zu erklären. "Sie ist die Tochter von..."

In diesem Moment kam Michael aufgeregt in den Hof gestürzt. "Wo bleibst du?"rief er seinem Bruder zu und senkte die Stimme, als er hastig weiterredete. "Vater wartet schon, er wird das Mädchen jede Minute brauchen. Wir sollen uns mit ihr vor dem Besucherzimmer bereithalten!"

"Ich komme schon,"fauchte Tod gestresst, bevor er sich wieder seiner Freundin zuwandte. "Hör zu, Schmetterling, ich mach' mich los, so schnell ich kann, okay?"Er drückte ihr einen raschen Kuss auf die Lippen und stapfte ins Gebäude zurück.

Cho verschwendete keinen Gedanken mehr an ihn und die Show, die sie abzog, um ihren Abschied glaubwürdig zu machen. Die Blood Legion hatte eine Gefangene und es schien jemand Wichtiges zu sein. Sirius musste sofort davon erfahren.

Sie überlegte, ob sie Tod hinterherlaufen und versuchen sollte, ihn weiter auszufragen, entschied sich dann jedoch dagegen. Im Moment war er zu gestresst, um ihr zuzuhören und es gab keine Gelegenheit unbeobachtet das Veritaserum zu verwenden. Und sich vor der Macnair Familie aufzuführen und die vernachlässigte Geliebte zu spielen, würde nur Verdacht erwecken. Besser war es, so schnell wie möglich Sirius Bescheid zu geben.

Es war keine der Katzen hier, also blieb ihr nichts anderes übrig, als eine Eule loszuschicken. Nun, heute Nacht wollte sie das Risiko eingehen, es war ohnehin ihre letzte Nacht bei den Macnairs und sie würde natürlich eine der Blood Legion Eulen verwenden. "Lieber Snuffles,"kritzelte sie auf ein Blatt, "die Blood Legion hat eine wichtige Gefangene gemacht, ein Mädchen., aber ich konnte noch nichts raus finden, melde mich, sobald ich was weiß. Diamond Wing."

Mit einem Zauber verschlüsselte sie die Nachricht, bevor sie die Eule fliegen ließ und in Tod's Schlafzimmer zurückkehrte. Das flackernde Kaminfeuer ließ erkennen, dass er bereits versucht hatte, mit ihr Kontakt aufzunehmen. So wenig Lust sie im Moment hatte, mit ihm zu reden, es musste sein und mehr noch, sie musste versuchen, ihn hierher zu locken, damit sie das Veritaserum einsetzen konnte. Nur so konnte sie erfahren, was es mit dieser Gefangenen auf sich hatte.

Sie warf eine Prise Floo Powder in die Flammen. Sollte sie sich entschuldigen und versuchen, ihn mit Schmeicheleien zu überreden, oder sollte sie hart bleiben und ihn unter Druck setzen?

"Hör zu, Kleines,"Tod's Stimme riss sie aus ihren Gedanken, noch bevor sie eine Entscheidung treffen konnte. Es war nur seine Stimme, die aus dem Feuer erklang, also konnte er nicht in der Nähe eines Kamins sein. Wohin mochte sein Vater ihn geschickt haben?

"Hör zu, es wird noch etwas länger dauern, ich bin mit Jason unterwegs. Michael wird mich in ein paar Stunden ablösen, dann komm' ich sofort zu dir, okay? Und morgen Abend gehen wir aus, genau wie ich's dir versprochen hab'..."

"Ein paar Stunden!"schrie sie zurück. "Bin ich ein alter Umhang, den man einfach so in den Schrank hängt, wenn man ihn grad nicht braucht? Früher war alles ganz anders mit uns! Da hast du dich..."sie stockte kurz, als sie den seltsamen Schatten zu ihren Füßen sah, hatte sich aber sofort wieder gefangen und nahm ihre Jammerlitanei wieder auf. Schwer genug war es, sich geeignete Vorwürfe einfallen zu lassen, wenn ein Grinsen und ein glühendes Auge vor einem in der Luft herumhüpften.

Sie streckte den Arm aus und bereute es einen Moment später, denn der riesige rote Kater hatte sich diesen als Landeplatz ausgesucht. Maunzend ließ er sich darauf nieder und sie umklammerte ihn gerade noch rechtzeitig, bevor er zu Boden fallen konnte, während sie in ihren höchsten Tönen in den Kamin plärrte: "Baka! Ich will gar nicht wissen, wer die Schlampe ist, mit der du dich grade rumtreibst!"

Hastig tastete sie das Namensschild ab und kramte den Zettel dahinter hervor. "Ich mach' das nicht mehr mit, Tod, jetzt ist endgültig Schluss!" Sie versuchte, am Kater vorbei in ihre Tasche zu greifen, um ihren Zauberstab zu erreichen, doch das Riesenvieh machte es ihr nicht unbedingt einfach. "Du kannst mich mal!"

"Jetzt hör' bitte auf, mir Vorwürfe zu machen, du weißt, dass ich einen anstrengenden Job habe. Ich habe gesagt, ich komme zu dir so schnell es geht! Ich kann nichts dafür, wenn Vater ...!"

Katie Bell? Die Katie Bell aus dem früheren Gryffindor Team? Aber wieso...?

Mit einem Wasserstrahl aus ihrem Zauberstab erstickte sie das Feuer im Kamin, sie brauchte jetzt einen Moment Ruhe, um nachdenken zu können. Sirius Antwort enthielt nur zwei Wörter, den Namen Katie Bell. Mit einem Fragezeichen dahinter. War Katie diejenige, die von der Blood Legion verhaftet worden war? War sie ein Mitglied der Phoenix Order?

"Cho, ich liebe dich! Du kannst mich nicht verlassen, ich liebe dich doch!"

Das Feuer loderte auf und im nächsten Moment hatten sich zwei Arme um sie geschlungen. Entsetzt schrie sie auf, ihr Zauberstab fiel nutzlos zu Boden, als sie versuchte, ihren Liebhaber beiseite zu stoßen. Er quetschte die Katze ein, was war, wenn er die Katze sah?

Aber da war keine Katze. Nur ein winziges rotes Fellbüschel auf dem Stoff ihres Umhangs.

"Cho, beruhige dich!"Tod hielt ihre Hände fest, die nach ihm schlugen und bekam den Zettel zwischen ihren Fingern zu fassen. "Was ist das, was hast du da?"

Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Oh Kami-sama, wenn Katie wirklich Gefangene der Blood Legion war und er sah ihren Namen auf dem Zettel...warum hatte sie sich nur darauf eingelassen? Warum war sie nicht vorsichtiger gewesen? Und warum hatte sie die ganze Spioniererei und Briefeschreiberei nicht einfach gelassen und sich auf ihre eigenen Pläne konzentriert?

"Wer ist Katie Bell?"Verwirrt zog Tod die Stirn in Falten. "Was hat das zu bedeuten?"

"Das frage ich dich!"schrie sie zurück, in einem verzweifelten Versuch sich irgendwie rauszureden. "Ist sie die kleine Schlampe mit der du mich betrügst? Und sieh mal – das hab' ich außerdem gefunden!"Mit spitzen Fingern hielt sie die roten Haare von Crookshanks hoch. "Willst du mir vielleicht erklären, was die hier in unserem Bett zu suchen haben?"

Wie vom Donner gerührt stand Tod da und wusste sich überhaupt nicht mehr zu helfen. "Das ist ein Missverständnis,"murmelte er, "das kann doch alles nicht wahr sein. Ich hab' niemals..."

"Wo bist du heute Abend gewesen?"fragte Cho anklagend. "Du bist aus dem Kamin gekommen, also musst du an einem Ort gewesen sein, wo es einen Kamin gab! Aber mir gegenüber hast du so getan, als wäre da keiner und mir irgendwelchen Blödsinn über Spezialaufträge erzählt..."

"Hör zu, es ist nicht wie du denkst,"beeilte sich Tod zu erklären. "Jason und ich waren in Malfoy's Jagdhütte, wir hatten einen Spezialauftrag und ich hab' keinen Kamin geseh'n, da hab' ich mit dir über meine Feuerschale gesprochen und als du die Verbindung abgebrochen hast, bin ich so schnell wie möglich hergekommen, über den Kamin in unserer Wohnung in London. Ich bin dorthin Appariert und dann per Floopowder hierher gekommen. Hier im Haus kann man doch nicht Apparieren, das weißt du genau...du bringst wieder alles durcheinander!"

Während seiner kleinen Rede war sie langsam zurückgewichen, immer weiter auf den Spiegelschrank zu. Das Veritaserum Pulver war in einem ihrer Schminkdöschen in der obersten Schublade. Sie musste es so schnell wie möglich erreichen, lange würde sie dieses Spiel nicht mehr durchziehen können. Und sie musste wissen, was passiert war, jede Sekunde konnte für Katie entscheidend sein...

"Du wirst verdammt noch mal hier bleiben!"schrie er plötzlich und stieß einen Stuhl aus dem Weg, als er auf sie zukam. "Hier hab' ich das Sagen, du zickiges Biest!"Seine Augen hatten sich gerötet, sein Atem ging schnell und stoßweise, als stünde er unter Drogen. Panik ergriff sie, sie riss die Schublade auf und tastete zwischen den Döschen herum. Wo war das verdammte Ding nur?

Er stieß sie zu Boden, die Schublade brach herunter und der Inhalt verteilte sich im ganzen Raum. Hart schlug ihr Körper auf dem Holz auf, doch sie fühlte keinen Schmerz mehr, dafür war er schon zu abgestorben. Anders Tod, er rutschte auf etwas aus und schlug der Länge nach hin. Mit einem Schmerzensschrei packte er sie am Arm und versuchte sie zu sich herzuziehen. Sie schlug nach ihm, während ihre andere Hand über den Boden glitt, ihre Augen hatten das Döschen erspäht. Es war aufgebrochen und unters Bett gerollt, das Pulver auf dem Boden verteilt. Hoffentlich reichte es! Hoffentlich war nicht alles zwischen den Ritzen verschwunden.

Jetzt oder nie! Sie riss die andere Hand hoch und verpasste ihm einen tiefen Kratzer über die Wange. Er war so verblüfft, dass er einen Moment lang überhaupt nicht reagierte.

Dann krachte seine Faust in ihr Gesicht und sie hatte das Gefühl, dass die Welt um sie herum explodierte. Vor ihren Augen wurde alles dunkel, im Mund spürte sie den Geschmack von Blut. Benommen hielt sie sich den Kopf, als sie, unfähig sich zu rühren, am Boden lag.

Alles um sie herum war still. Sie hörte Tod's Atem, aber er klang seltsam flach, das Zeug musste ihn erwischt haben. Mühsam stemmte sie sich hoch, aufsetzen zumindest konnte sie sich, wenn ihr auch noch zu schwindelig war, um zu stehen...

"Wo ist Katie Bell?"fragte sie leise, ohne zu Tod hinüberzublicken.

"Ich weiß es nicht. Ich kenne keine Katie Bell."

"Wurde heute eine Verräterin gefangen genommen? Ein Mitglied der Phoenix Order vielleicht?"Sie hielt sich am Bett fest, um sich daran nach oben zu ziehen und wandte endlich den Kopf zu ihm hinüber. Tod lag auf dem Boden, seine Augen leicht glasig, sein Blick starr in die Luft gerichtet. Auf seiner Stirn glänzten Schweißtropfen.

"Ja, die Ghost Riders haben eine Frau gefangen genommen. Sie hat Flugblätter gegen den Lord verteilt."

"Wo befindet sie sich jetzt?"

"Azkaban. Pettigrew's Leute haben sie den Ghost Riders wieder abgenommen. Die Ghost Riders werden nicht mit wichtigen Gefangenen betraut."

"Was weißt du sonst noch über sie? War sie allein oder waren andere bei ihr?"

Aber Tod redete nicht weiter, er war eingeschlafen.

Jetzt musste sie schnell handeln, sie wusste nicht, wie viel Zeit ihr blieb, bis er aufwachte. Inzwischen konnte sie wieder stehen, wenn auch noch etwas wackelig. Sie musste jetzt das Zimmer aufräumen, ein paar Sachen zusammenpacken, Tod's Kratzer heilen und ihn in sein Bett legen. Er würde sich mit Sicherheit nur sehr undeutlich an ihren Streit erinnern...und alles was danach kam, war sowieso fort.

Sie zog dem Schlafenden seinen Wappenring vom Finger und tauschte ihn gegen Sirius' Kopie aus. Das Original würde sie sorgfältig verwahren, bis sie Sirius wieder begegnete, er hatte ihr eingeschärft, die Ringe niemals und unter keinen Umständen per Post zu schicken. Selbst nicht mit den Katzen.

Apropos Katzen! Vom Kater war keine Spur zu sehen, also musste sie wohl oder übel eine zweite Eule los senden, um Sirius über Katie Bell's Verbleib zu informieren. Nicht dass es viel bringen würde...

Wenn Katie in Azkaban war, konnte ihr niemand mehr helfen. Auch nicht Sirius.

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Lieber Snuffles,

Katie ist auf Befehl von Pettigrew nach Azkaban gebracht worden, das ist alles, was ich weiß. Über eine mögliche Anklage oder Verurteilung konnte ich bisher nichts in Erfahrung bringen, aber ich bleibe dran.

Diamond Wing

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Im Vergleich zu Tod ist Anthony Goyle ein echter Erholungsurlaub. Brav, unterwürfig, liest mir jeden Wunsch von den Augen ab. Da er außerdem sehr eitel ist, genügen ein paar Schmeicheleien um ihn im Zaum zu halten.

Ich mag gar nicht dran denken, dass er schon einen Sohn in meinem Alter hat.

Ist Tod am Anfang genauso pflegeleicht gewesen? Bevor er angefangen hat, durchzudrehen? Tony wird auch bald durchdrehen, gestern haben sich seine Augen so komisch rötlich verfärbt. Ich hab' nicht mehr viel Zeit. Die Zeit läuft und läuft und sie rinnt mir wie Sand durch meine Finger.

Heute Nacht wird der Kreis sich schließen.

Heute Nacht werde ich wissen, ob Rache stärker ist, als Schmerz und Liebe stärker ist, als der Tod. Oder ob Mutter Recht hatte und alles, was unsere kleinen unbedeutenden Menschenherzen bewegt, nicht mehr Bedeutung hat, als eine trügerische Illusion.

Ich drehe mein langes schwarzes Haar hoch, stecke es mit zwei Stäbchen fest und schmücke es mit einer Haarspange in Form eines Schmetterlings. Ich schminke mich sorgfältig, zartvioletter Lidschatten, Wimperntusche und etwas Kajal um meine kohlschwarzen Mandelaugen zu betonen. Ein glänzender Lippenstift, nicht zu aufdringlich und nur einen Hauch von Rouge auf meine blassen Wangen.

Mein Schmuck liegt bereit, ich werde lange Ohrringe tragen, ein Kettchen und ein paar Ringe. Klein, glitzernd und hauchzart, ebenso wie der Stoff meines Ballkleides...

Ich liebe dieses Kleid, ich hab' es extra für mich anfertigen lassen. Mit Tony's Geld natürlich. Es ist dunkelviolett und ähnlich geschnitten wie ein Kimono, allerdings mit einigen dezenten Änderungen an den richtigen Stellen. Und mit Schmetterlingen, die verspielt darüber huschen....

Ich nehme meine restlichen Fläschchen und trinke sie aus.

...........................................................................................................................................................December 25, 1998

Mächtige Trommelschläge erfüllten den Ballsaal, erhitzten die Luft, brachten die Weingläser in den warmen Händen sanft zum Vibrieren. Nur wenige Minuten später setzte der metallische Klang der Lauten ein und schließlich die Dudelsäcke. Ihre Melodien umwarben einander im ewigen Tanz aus Begierde und Abwehr, um sich schließlich in dröhnendem Crescendo zu vereinigen.

Stimmengewirr raunte zwischen den Tönen der Musik hindurch, Lachen, Schwatzen, das Klappern hoher Absätze auf dem Parkett. Im sanften Licht der schwebenden Rosenkerzen schillerten prächtige Ballkleider, glitzerten goldsilberne Broschen mit Kettchen und Ohrringen um die Wette. Der Geruch des Weins und die teuren Parfumdüfte betäubten die Sinne, ließen alles seltsam unwirklich erscheinen, als läge die Welt hinter einem Schleier.

Seltsamerweise war ihr überhaupt nicht schlecht. Bis auf ein leichtes Pochen in den Schläfen fühlte sie keinen Schmerz und auch keine Übelkeit. Mit geheucheltem Interesse lauschte sie Gabriel Delacour's politischen Ausführungen, den Kopf leicht zur Seite geneigt, um Aufmerksamkeit vorzutäuschen, die Lippen zu einem bezaubernden Lächeln verzogen.

"...ünd die Verträge für die drei Länder Alliance liegen praktisch auf dem Tisch. Noch paar Monate in die Zükünft geblickt, Mademoiselle Chang ünd wir haben ein vereinischtes Öropa..."

Tony hatte sie bereits kurz nach dem Dinner abgehängt, die wachsamen Augen eines eifersüchtigen Liebhabers konnte sie nicht gebrauchen. Aus den Augenwinkeln betrachtete sie die Leute um sich herum, sorgsam darauf bedacht, weder Tod noch Duane Avery zu nahe zu kommen, um einen Skandal zu vermeiden. Auch vor Lucius Malfoy und dem alten Lestrange sollte sie sich hüten, hatte ihr Sirius eingeschärft. Und vor den Lestrange Töchtern, die beiden waren fiese Giftschlangen und außerdem Seherinnen...

"...vereinischt ünter dem Bannière des Basilisken..."

Der Dunkle Lord. 'Sieh' ihm niemals in die Augen!' hatte Sirius sie gewarnt, 'er kann deine Gedanken lesen, allein durch seinen Blick.' Bis jetzt hatte sie der Versuchung brav widerstanden, auch wenn sie Neugier verspürte, in dieses Gesicht zu blicken, das Gesicht des Mannes, der für soviel Terror und Schmerz und Tod verantwortlich war, dem die magische Welt Britanniens auf Wort und Fingerzeig gehorchte, dessen Lippen den Befehl zu Cedric's Ermordung gegeben hatten.

"es ist nür noch eine Frage der Zeit, bis die Welt vor üns in die Knie geht..."

Aus den Augenwinkeln beobachtete sie die Leute, bunte Farbtupfer in ihren prunkvollen Kleidern und Roben, im Glanz des Lichts, im Spiel der Musik. Sie konnte ihre Blicke auf sich ruhen fühlen, neugierige, neidische und vor Begierde glühende Blicke.

Ein brennendes Augenpaar aus dem Schatten...

Hinter ihr, nahe des Eingangsportals, verborgen hinter einem Fenstervorhang, verkrochen unter seinen langen schmutzigdunklen Roben. Eine kleine in sich zusammengefallene hutzlige Gestalt mit wirrem grauweißem Haar und zittrigen Händen. In dieser feinen Gesellschaft so fehl am Platze, wie eine dürre Distel in einem Rosengarten...

Behutsam und unmerklich wich sie zurück, während sie weiter mit Delacour plauderte, sie wandte sich nicht um, ließ mit keiner Silbe, keiner Bewegung erahnen, dass sie seine Gegenwart bemerkt hatte. Ihr Lachen war glockenhell, ihre Bewegungen anmutig und spielerisch, ihre Augen glänzten im sanften Kerzenlicht, ihr ganzer Körper wob ein unsichtbares Netz um sie herum und niemals zuvor hatte dieses Netz solche Macht besessen wie heute Nacht.

Sie spürte seinen Blick, fühlte einen Hauch von Atem in ihrem Nacken und schließlich die zaghafte Berührung einer Hand, die allmählich intensiver wurde. Nein, es war keine Hand, es war ein Stück Metall, kalt und glatt. Es war wie Glas. Es war wie Rauch. Ganz und gar unwirklich.

Sie wusste, er würde sich zurückziehen, wenn sie ihn auch nur anblickte, geschweige denn, ansprach. Aber so lange sie hier stand, würde er nicht die Kraft besitzen, sich von ihr loszureißen. Seit damals, als er sie durch das Feuer des Kamin's erblickt hatte, trug er ihr Bild in seinem dunklen Herzen...

Sie griff hinter sich und legte ihre Hand auf seine Nicht-Hand. Wie elektrisiert zuckte er zusammen, zog sie jedoch nicht zurück. Ihre Finger spielten miteinander, sie faltete seinen Daumen und den kleinen Finger in seine Handfläche, so dass die übrigen die Zahl drei ergaben. Dann ließ sie los, um auf seine Handfläche die Form eines Ziffernblatts zu zeichnen.

Die dritte Stunde nach Mitternacht...

Die Hand begann heftig zu zittern und wurde nun doch zurückgezogen. Eine Weile lang wartete sie, spürte das Pochen ihres Herzens im Hals und in den Schläfen. War es alles umsonst gewesen? War es ihm genug, sie aus der Ferne zu bewundern, wagte er nicht, sie zu treffen? Würde ihr Plan zum Scheitern verurteilt sein?

Minutenlang bangte sie, während sie lächelnd plauderte, und wartete darauf, dass die Berührung der Hand zurückkehren möge. Als es schließlich geschah, blieb ihr keine Zeit für Erleichterung, alles ging viel zu schnell.

Ein Finger, ein echter Finger bewegte sich über ihre Haut, malte Buchstaben, Worte darauf. Hastige fahrige Bewegungen, der kurze scharfe Druck eines Fingernagels, die kühle Berührung eines metallenen Ringes...

Westflügel, oberster Stock, Ende des Gangs...

Und ein weiteres Mal die Zahl drei...

Dann war die Hand verschwunden und der Platz hinter dem Vorhang leer.

"Möschten Sie vielleischt tanzen, Mademoiselle Chang?"fragte Monsieur Delacour.

Sie nickte strahlend. "Avec plaisir!"

.

.

"Hm...hm...bist du sicher, dass wir hier auch ungestört sind?"

Harold ist beinahe auf dem Teppich ausgerutscht. Ich frage mich, wie er so tollpatschig sein kann, ich hab' ihn doch erst einmal geküsst.

Und jetzt ein zweites Mal. Angenehme Träume, Herbert!

Das Fenster lässt sich ohne Probleme öffnen. Ich spüre die Kühle der Nachtluft auf meiner verschwitzten Haut, selbst das Pochen in meinen Schläfen wird ein wenig milder. Mir ist immer noch nicht schlecht, aber ich bin ein wenig benommen.

Ich pfeife und meine Eule landet auf der Fensterbank, lautlos wie ein Schatten. Ich hab' sie mir erst vor kurzem gekauft und Tony kennt sie nicht. Niemand kennt sie...es würde kein Verdacht auf mich fallen, selbst wenn sie es nicht durchs Sicherheitsnetz schafft.

Aber sie wird es schaffen. Viel Zeit bleibt mir nicht, der Kerl auf dem Sofa wacht in wenigen Minuten auf...

Was in aller Welt soll ich dir nur sagen? Wie es dir erklären, es in Worte fassen?

Du wirst es nicht verstehen. Du wirst dich von mir verraten fühlen und es gibt nichts, was ich dagegen tun kann, außer zu wissen, dass du Recht hast.

Alle meine schön zurecht gelegten Sätze sind fort, verschwunden, verglüht wie kleine Insekten im Feuer. Mein Geist ist leer. Und es ist nicht die reinigende Leere der Meditation, nein, es ist ein kalter gefühlloser Abgrund.

Mit einer heftigen Bewegung stoße ich mir die Spitze der Falkenfeder in den Handrücken. Schmerz zu fühlen, ist besser als gar nichts. Mit den Blutstropfen kommen endlich Worte, nicht die klugen, und weisen Worte, die ich suche, aber zumindest etwas, das man den Versuch einer Erklärung nennen kann. Hastig kritzele ich sie aufs Papier, ehe sie meinem Geist wieder entschwinden können, falte das Blatt zusammen und stecke es in den Umschlag am Bein der Eule.

Ich hoffe, dass du mir irgendwann verzeihen kannst, Sirius, irgendwann. Du warst mein einziger Freund in dieser Finsternis und du besitzt ein edles Herz, im Gegensatz zu mir. Ich werde niemals so sein, wie du. Meine Liebe, mein Hass, meine Rache sind mir wichtiger, als die Phoenix Order und alle Ideale dieser Welt. Ich hab' so lange gekämpft und so sehr gelitten, um mein Ziel zu erreichen und jetzt wo ich so kurz davor stehe, werde ich nicht umkehren, für dich nicht und auch nicht für all die Menschen, die sich die Freiheit von der Tyrannei des Dunklen Lords erhoffen. Die Erinnye in mir hat gesiegt, sie besaß die größte Macht....

Mein Herz hatte Liebe für einen einzigen Menschen und als er von mir ging, ist nichts davon übrig geblieben.

Cedric ist tot...

Aber nein, ich träume nur, ich träume ja nur. Ich bin auf einem Ball, dem Weihnachtsball zusammen mit Cedric. Wir haben 1994, es ist mein fünftes Schuljahr und ich bin auf dem Ball, hörst du denn gar nicht, wie die Musik spielt?

Hörst du sie denn nicht?

Hörst du sie denn nicht spielen?

Dancing bears,

Painted wings,

Things I almost remember,

And a song someone sings

Once upon a December.

Sie war auf einem Ball, dem Weihnachtsball zusammen mit Cedric. Sie hatten 1994, es war ihr fünftes Schuljahr und sie war auf dem Ball und sie hörte die Musik spielen. Ein wunderschönes Lied und sie tanzte mit Cedric, ihrem Cedric... Er hielt sie in seinen Armen und es war ein wunderbares Gefühl, ihm so nahe zu sein. Sie gehörten zusammen, das wusste sie, auch wenn es mit dem Kuss noch nicht geklappt hatte. Es würde ein anderes Mal klappen. Irgendwann, wenn der richtige Augenblick gekommen war...

Someone holds me safe and warm.

Horses prance through a silver storm.

Figures dancing gracefully

Across my memory...

Das war Cedric's Hand, die ihren Kopf hielt, seine liebevollen Augen, die sie anblickten...nein das waren nicht seine Augen. Diese Augen waren grau, wie die seinen, aber sie waren wie Eis, keine Spur von Liebe lag darin, nur Kälte und Berechnung, und dennoch brannte ein eisiges Feuer darin, ein wilder gnadenloser Sturm, der alles, was in seinem Weg stand, ohne Gnade niederreißen würde.

Far away, long ago,

Glowing dim as an ember,

Things my heart

Used to know,

Once upon a December

Nein, es war nicht 1994, sondern vier Jahre später. Sie tanzte nicht mit Cedric, denn Cedric war tot. Sie tanzte mit Draco Malfoy, weil sie irgendwie die Zeit rumbringen musste und weil sie hoffte, irgendwie doch noch an seinen Ring zu kommen. Vielleicht besaß er sogar alle beide Ringe, den Luchs der Malfoys, und den Schakal der Lestranges. Vielleicht kehrte ihre Eule noch rechtzeitig zurück und sie konnte Sirius die Ringe schicken, bevor...bevor...oh Kami-sama, sie müsste kein so furchtbar schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihm wenigstens diese beiden Ringe noch schicken konnte.

Someone holds me safe and warm.

Horses prance through a silver storm.

Figures dancing gracefully

Across my memory...

Was war nur aus ihr geworden? Cedric wäre so traurig, so unglücklich, wenn er wüsste, wie tief sie gesunken war. Er hätte sich sicher gewünscht, dass sie ein anderes Leben geführt hätte. Dass sie jetzt nicht hier wäre, auf diesem Ball des Dunklen Lords und seiner Anhänger. Aber sie war hier, sie war hier und sie tanzte.

Far away, long ago,

Glowing dim as an ember,

Things my heart

Used to know,

Things it yearns to remember...

Um sie herum drehten sich weitere Paare, dort drüben tanzte Draco's kleine Schwester mit einem bildhübschen Jungen, den sie nicht kannte. Er fing ihren Blick auf und lächelte, ein glänzender Schimmer in seinen nachtdunklen Augen. Sie glaubte in diesem Lächeln vergehen zu müssen, wie ein zartes und doch so mächtiges Licht leuchtete es tief in ihr Herz hinein und diese samtschwarzen Augen blickten auf den tiefsten Grund ihrer Seele, wo die Erinnye ihnen voll Hass entgegenstarrte.

And a song

Someone sings

Once upon a December

Wenn du nur lange genug in einen Abgrund blickst, dann blickt der Abgrund auch in dich zurück...

WAS MEINST DU DAMIT?

Auch deine Augen sind ein Abgrund, ich wusste es schon damals, als du mich beinahe vom Besen gestoßen hast. Sirius hat mich vor dir gewarnt, aber ich bin mit dir mitgegangen, als die letzten Töne des Liedes verklungen sind, hinaus aus dem Festsaal, hoch auf den Balkon und hinunter in den Garten. Wir sind durch die Rosenbüsche gerannt...und drinnen spielt wieder Musik.

WAS HAT SIRIUS BLACK ÜBER MICH GESAGT?

Dass du skrupellos und eiskalt bist und über Leichen gehst, um deine Ziele zu erreichen...

DA SIND WIR SChon zu zweit.

Sie rollte sich zur Seite, hustete und schmeckte eine Menge Blut in ihrem Mund. Ihr Kopf tat weh und ihr war schlecht, so schlecht. Es hatte begonnen. Aber das war jetzt nicht mehr wichtig, denn sie würde ihre Rache nicht mehr vollenden. Sie hatte zu hoch gepokert, hatte zu viele Fehler gemacht, war kurz vor dem Ziel gescheitert. Konnte es etwas Grausameres geben, als so kurz vor dem Ziel zu scheitern? Cedric, ihr Cedric würde in seinem Grab ungerächt bleiben, sie hatte versagt und dafür hatte sie sich selbst verraten, einen Mord begangen und Sirius im Stich gelassen...

Das Gras war feucht und kühl unter ihrem Körper. Mühsam stemmte sie sich mit den Armen hoch und spuckte das Blut aus. Allmählich wurden ihre Sinne wieder klarer, sie roch den Rosenduft und hörte die leise Musik vom Ballsaal her. Wie spät es jetzt wohl sein mochte?

"Es ist zehn Minuten vor drei."

Als sie Draco's spöttische Stimme hörte, wurde ihr klar, dass sie laut gedacht haben musste. Wie es schien, war die Wirkung des Veritaserums noch nicht ganz verklungen. Oh Kami-sama...sie hatte ihm alles erzählt, einfach alles. Über Cedric und über Sirius...die Ringe...ihre Rache.

"Du hast Blutflecken auf deinem Kleid,"stellte Draco unbeteiligt fest. Er hockte mit gekreuzten Beinen neben ihr im Gras und verfolgte gelassen ihre mühsamen Versuche, sich aufzurichten. Schließlich sprang er hoch und zog sie mit einem Ruck auf die Beine. "So willst du doch wohl kaum zu deinem Date erscheinen, oder?"

Sie schrak zusammen, als er seinen Zauberstab hervorzog, doch er ließ nur die verräterischen Flecken verschwinden, sichtlich amüsiert über ihre Angst. "Wenn du quer über den Rasen gehst, bist du in drei Minuten beim Westflügel. Auf der anderen Seite ist eine zweite Treppe, dort kannst du nach oben gehen, also ist es nicht das Ende des Gangs, sondern der Anfang. Gleich die erste Tür rechts ist ein Gästezimmer, ich schätze, er hat mit meinem Vater ausgemacht, dass er dort übernachten kann..."

"Du lässt mich gehen?"fragte sie fassungslos. "Du lässt mich einfach so gehen, nach alldem, was du über mich weißt?"

"Warum nicht?"fragte er zurück. "Soll ich dich lieber meinem Meister überlassen, damit auch ja alle anderen erfahren, was ich jetzt weiß? Oder liegt mir vielleicht so viel an Pettigrew, dass ich ihn unbedingt retten muss?"

"Sirius hatte Recht, mit dem, was er über dich gesagt hat."Nachdenklich blickte sie ihn an. "Aber du erinnerst dich, was ich dir über Abgründe erzählt habe? Du kannst mir vielleicht Veritaserum verabreichen und mir all meine Geheimnisse entreißen, aber du kannst nicht verhindern, dass ich dadurch auch etwas über deine erfahre..."

Draco zuckte mit den Achseln. "Du wirst sie niemandem mehr verraten können."

"Nein, wohl kaum!"Gleichmütig wandte sie sich ab und ging auf den Westflügel zu.

"Warte, da wäre noch was..."

"Was?"Sie fuhr herum und spürte einen Hauch von Angst. Wollte er sie doch hier festhalten? Trieb er nur ein grausames Spiel mit ihr?

"Ich hab' gesagt, ich lass' dich gehen!"Mit langsamen Schritten kam er auf sie zu. "Ich hab' nicht gesagt, dass ich es umsonst tue."

"Was willst du?"fragte sie müde.

"Das Rezept für die Kristallisierung des Veritaserums."Mit einem Wink seines Zauberstabs ließ er ein Blatt Pergament und Schreibzeug erscheinen.

Sie stieß einen Seufzer aus und kritzelte hastig die Anleitung darauf. "War's das? Oder willst du das andere Rezept auch noch?"

"Was sollte ich damit?"Kalt lachte er auf. "Selbst wenn ich in deiner Situation wäre, würd' ich mir doch niemals einen so hirnrissigen Plan einfallen lassen!"

"Draco,"sagte sie ernst, "ich hoffe für dich, dass du niemals in meine Situation kommen wirst..."

.

.

Die sechs Zeiger der großen Unruh' drehten sich weiter und einer von ihnen wies auf die Ratte.

Er hatte ein wenig geschlafen, aber es war kein angenehmer Schlaf gewesen. Unruhig, durchsetzt von Träumen um Abgründe und kreisende Pendel. Normalerweise verwandelte er sich, bevor er schlief, das machte die Träume weniger komplex, aber er befürchtete, sie würde hereinkommen, und ihn in seiner wahren Gestalt sehen.

Und das durfte sie nicht. Sie durfte ihn niemals so sehen...

Schritte auf dem Gang...sachte Schritte...

Peter Pettigrew fuhr hoch und blickte sich hastig um. Das Zimmer war dunkel, bis auf den Schein einer Kerze, die sich neben dem Bett auf einem Tischchen befand. Hastig stand er auf, strich seine verknitterten Roben glatt. "Lumos!"befahl er seinem Zauberstab und ein weiterer Schein erhellte den Raum.

Die Türe öffnete sich, und er sah ihre Gestalt im Türrahmen stehen wie einen Engel, der sich strahlend gegen das Dunkel des Nachthimmels erhob.

Der Schein seines Zauberstabs brachte ihre schwarzen Mandelaugen zum Leuchten, als sie ohne jedes Wort auf ihn zu, ins Zimmer trat. Als sie sich umwandte, um die Türe zu verschließen, konnte er die sanfte Neigung ihres Halses erkennen, die glänzende Pracht ihres Haares. Diese Frau konnte einfach nicht von dieser Welt sein.

Der zarte Stoff ihres Kleides wehte um sie herum, als sie sich wie eine Tänzerin auf dem Absatz drehte und leichtfüßig auf ihn zuschritt, bis sie direkt vor ihm stand. Sie hob ihre weißen Arme und zog die Stäbchen aus ihrem Haar. Als dunkle Wolke fiel es herunter, legte sich schwarzschillernd um ihren und seinen Körper, hüllte sie beide wie ein sanfter Umhang ein.

Ihr Kuss war der Kuss des Lebens, noch nie hatte er sich so lebendig gefühlt, aber dann, er war nie auf diese Weise geküsst worden. Es gab die liebevollen Küsse seiner Mutter, die freundschaftlichen Küsse von Lily, aber dies war etwas vollkommen anderes. Gebannt erwiderte er die Berührungen ihres Mundes, ihrer Lippen, ihrer Hände, ließ sich einfach in ihre Zärtlichkeiten fallen, um darin zu vergehen. Es war anders, ganz anders, als in seinen Träumen.

Der sanfte Druck ihres Körpers verschwand, um einen Augenblick später wiederzukehren, jetzt war sie es, die sich fallen ließ, in seinen Liebkosungen versank. Er trank das süße Leben aus ihrem Leib, trank und trank, bis es ihn voll und ganz erfüllte, ein himmlischer Nektar, der sich mit seinem Blut vermengte, und seine Kreise durch seinen ganzen Körper zog....

Die erste Welle der Übelkeit ergriff ihn so überraschend, dass er nicht wusste wie ihm geschah. Es war, als habe er zuviel Wein genossen, der Raum drehte sich um ihn herum, wie ein Kreisel. Er stand auf, versuchte einen Schritt zu gehen, doch seine Beine gehorchten ihm nicht, seine Knie waren wie Watte.

Er griff nach ihr. Sie lachte, ein grausames glockenhelles Lachen und stieß ihn mit der Handfläche zurück, er stolperte, taumelte, hielt sich schwankend am Bett fest. Ihre Augen blickten ihn an, es waren keine verführerischen Mädchenaugen mehr, sondern die gewaltigen gnadenlos schillernden Insektenaugen eines Schmetterlings...

Es war ganz genau so, wie in seinen Träumen...

Sie hob die Hand, um ihm ins Gesicht zu schlagen, aber das war keine Hand mehr, es war eine Insektenkralle und sie hinterließ einen tiefen blutigen Kratzer auf seiner Wange. "Du hast nicht das Leben getrunken,"sagte sie, ihre Stimme klang hart und klar wie ein Diamant. "Du hast den Tod getrunken und jetzt gibt es kein Entrinnen mehr..."

"Gift,"hauchte er fassungslos und seine Augen weiteten sich vor Angst. "Aber wie..."Er dachte an die strengen Sicherheitsvorkehrungen, Marguerite Lestrange hatte nicht einmal ihren Giftring einschmuggeln können und daran, dass sie ihm nichts zu essen, oder trinken gegeben hatte, worin sie das Gift hätte verbergen können. Es gab keine Erklärung dafür.

"Ich trage mein Gift nicht in Ringen oder Flaschen bei mir!"Ihre Schultern dehnten sich, rissen auf und schillernde Flügel entfalteten sich um ihren weißen Leib. "Ich selbst bin das Gift. Seit Wochen und Monaten fülle ich es in meinen Körper, Tropfen für Tropfen, Fläschchen für Fläschchen. Es hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Es macht mich schön, begehrenswert, schlägt alle in meinen Bann bis auf diejenigen, die von ganzem Herzen lieben. Hättest du geliebt, hätte ich dich nicht damit einfangen können. In diesem Fall hätte ich dich wohl verschonen müssen, damit ich nicht einem anderen Menschen das antue, was du mir angetan hast."

"Was habe ich dir angetan?"wimmerte er. Die zweite Welle der Übelkeit riss ihn zu Boden, er krümmte sich vor Schmerzen, spuckte Blut auf den Teppich.

"Von all den Menschen, die du verraten und getötet hast, von all den Schandtaten, die du begangen hast, ist es ausgerechnet diejenige, wo du am wenigsten erwartet hättest, eines Tages dafür büßen zu müssen."Sie stand vor ihm, ein grässliches Insekt, selbst ihre Stimme hatte alles von ihrer Menschlichkeit verloren. "Vor dreieinhalb Jahren hast du im Auftrag deines Meisters einen Jungen ermordet, der nur das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Du wirst dich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern, doch für mich war er kostbarer, als das Leben selbst..."

"Lass mich nicht sterben!"flehte Pettigrew und kroch ihr zu Füßen, "bitte, lass mich nicht sterben. Es tut mir leid. Ich wollte das nicht. Bitte gib' mir das Gegengift!"

"Welches Gegengift, mein lieber Peter,"kicherte sie mit einem schmatzenden Geräusch, und ein langer Saugrüssel neigte sich über ihn. "Sicher, mit viel Zeit könnte man eines entwickeln, aber das ist ein Luxus, den wir hier nicht haben. Deine Zeit ist abgelaufen!"

Er schrie, weinte, flehte, krabbelte hilflos am Boden herum. Er warf sich gegen die verschlossene Tür. Er nahm seine Rattengestalt an, rannte quiekend im Zimmer umher und suchte nach einem Ausweg, den es nicht gab.

Während all dieser Zeit beobachtete sie ihn. Gelangweilt. Falls ein Schmetterling gelangweilt aussehen konnte...

Als er sich ihr zuwandte, hielt er seinen Zauberstab in der Hand. "Du Monster!"zischte er, "du widerwärtiges Monster! Gib' mir das Gegengift! Gib' mir sofort das Gegengift, oder ich werde..."

"Was?"fragte sie zurück. Seine Sicht wurde wieder klarer und sie war kein Insekt mehr, sie war nur mehr wieder eine Frau, die am Fenster stand, ein teuflischer Engel, der sich strahlend gegen den dunklen Nachthimmel erhob.

"Avada Kedavra!"krächzte er und der giftgrüne Strahl traf sie mitten in die Brust, stieß sie durch die Scheibe zurück, welche klirrend zerbrach, schleuderte sie hinaus in die Nacht.

Die dritte Welle der Übelkeit kam über ihn und ließ alles in Dunkelheit versinken.

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Schmetterlinge...

...........................fliegende Blüten....

....................................................zart und zerbrechlich

Sie sind Monster und sie sind Träume. Sie sind flüchtig und hauchzart, schillernd und metallisch kalt. Sie vergehen mit dem Sommer.

Mein Sommer geht zu Ende, versinkt in einem Licht aus Grün und ich kann dir jetzt nicht mehr sagen, dass ich mich geirrt habe. Liebe ist für die Ewigkeit. War ich auch lange im Zweifel gefangen, jetzt glaube ich fest daran. Ich hatte meine Hoffnung verloren und ich hab' sie wieder gefunden.

Die Welt ist in Dunkelheit versunken, aber alles, was jetzt noch dunkel ist, wird eines Tages wieder hell und strahlend und schön sein, du wirst sehen.

Hast du jemals geliebt? Deine Augen haben es mir nicht verraten, sie waren so kalt wie die Augen eines Schmetterlings. Doch Augen können täuschen, ebenso wie Worte. Du kannst mir vielleicht Veritaserum verabreichen und mir all meine Geheimnisse entreißen, aber du kannst nicht verhindern, dass ich dadurch auch etwas über deine erfahre.

Mein Gift hat dich nicht in seinen Bann geschlagen. Du bist einem Menschen begegnet, der soviel Licht und Wärme besaß, dass alles in dir hell und strahlend wurde. Jemandem, der deine ganze Welt einfach auf den Kopf gestellt hat.

Vielleicht ist die Erinnerung weit weg und es scheint dir, als wären Jahrhunderte vergangen und nicht ein paar wenige Jahre. Aber vieles von dem, was uns nur wie ein Augenblick erscheint, ein winziger Tropfen im Strom der Zeit...

...ist für die Ewigkeit...

Denn die Sonne erwacht jeden Morgen aufs Neue und bringt den Nachtfrost zum Schmelzen.

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Der verbotene Wald war von schillerndem Raureif überzogen und ein fahler Wintermond erhellte die düsteren Wolken. Keine einzige Schneeflocke war über die Weihnachtsfeiertage gefallen, nur nasser und eisiger Hagel.

Die Schritte von Harry, Ron und Hermione knirschten auf dem gefrorenen Boden, als die drei sich dem Waldrand näherten. Hagrid war seit einem Tag verschwunden, und noch nicht wieder zurückgekehrt, doch er hatte ihnen eine Nachricht hinterlassen, in welcher er sie bat, sich um Fang zu kümmern und die restlichen Kristallscheiben mit den Weihnachtsgrüßen abzuholen.

"Percy hat gemeint, es geht allen gut!"Ron vermied es, Hermione anzusehen, denn ihre Hand hatte sich klammheimlich in die seine geschmuggelt und er war knallrot im Gesicht. "Trotzdem, es wär' schön gewesen, wenn ich auch von Mom, oder Dad eine Nachricht bekommen hätte."

"Sie konnten es wohl einfach nicht riskieren,"überlegte sie und drückte tröstend seine Hand. "Aber du weißt zumindest, dass sie frei und am Leben sind."

Harry hatte sich bisher nicht am Gespräch beteiligt, er ging schweigend und in Gedanken versunken neben Hermione her. Sie fragte sich, worüber er wohl diesmal nachgrübelte und ob es einen Sinn hatte, ihn darauf anzusprechen.

Und dann blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen. Seine beiden Freunde wandten sich zu ihm um, doch sein Blick blieb starr und reglos nach vorn gerichtet. Ein Zittern lief durch seinen Körper, schüttelte ihn wie ein Fieber und er musste sich für einen Moment auf Hermione's Arm lehnen, um nicht vollends zusammenzubrechen.

Eine schlanke Gestalt trat aus dem Schatten der Bäume, der kühle Nachtwind bauschte seinen Umhang und das Sternenlicht fing sich funkelnd in seinem silbrigen Haar.

Ron's Hand schoss in die Tasche seiner Robe, um den Zauberstab zu ziehen, doch Hermione hielt seinen Arm fest und schüttelte stumm den Kopf. Sie selbst blieb jedoch aufs Äußerste angespannt und umklammerte ihren eigenen Stab im Innenfutter ihrer Tasche.

Ungläubig flog Ron's Blick zu Harry, der Hermiones Arm losgelassen hatte, und nun auf den Neuankömmling zuging, bis die beiden Jungen schließlich direkt voreinander standen. Für eine lange Weile standen sie einfach nur da und blickten einander in die Augen, funkelndes Grün versank in eisigem Grau.

Dann, nach einer Ewigkeit hob Draco Malfoy eine zitternde Hand an Harry Potter's Gesicht. Sanft strichen seine Fingerspitzen über dessen Wange, als sich die schmalen blassen Finger um Harry's Brille schlossen, und sie ihm abnahmen.

"Komm, Ron!"Hermione rollte die Augen und wandte sich genervt ab. "Du siehst doch, dass wir hier vollkommen überflüssig sind!"

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Tsuzuku...

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The sun is sleeping quietly

Once upon a century

Wistful oceans calm and red

Ardent caresses laid to rest

For my dreams I hold my life

For wishes I behold my nights

The truth at the end of time

Losing faith makes a crime

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I wish for this night-time to last for a lifetime

The darkness around me - shores of a solar sea

Oh how I wish to go down with the sun

Sleeping

...............Weeping

............................. With you

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extra Extra EXTRA!!!!

und der silberblonde eisgrauäugige slytherin riss den schwarzhaarigen funkelndgrünäugigen gryffindor in seine wunderbar starken und trotzdem zärtlichen arme und drückte seine weichen kühlen mondblassen lippen in einem wilden leidenschaftlichen kuss auf dessen...

und im hintergrund ritt tarja auf nem einhorn vorbei

tarab tarab

fred?

ja, george?

warum heißt diese geschichte amicus draconis?

weiß ich doch ned, vielleicht weil der hauptchara mit nem drachen rumpoppt

und der trottel von yama nach ganzen zweieinhalb jahren endlich so nett ist, das unsere armen hörer wissen zu lassen

böser yama!

tja, hiermit verabschieden wir uns von allen hörern/zuschauern/lesern, die ned weiterlesen, weil sie das pairing ned verkraften.

ihr werdet nie erfahren, ob sirius noch gerettet wird, oder wer nun neuer grand dragon wird,

oder ob die phoenix order ihre ringe noch zusammenkriegt,

pech gehabt zunge rausstreck

und hiermit begrüßen wir alle neuen hörer/zuschauer/leser, die jetzt erst anfangen zu lesen, weil die freundin gesagt hat, ui, das is ja dein lieblingspairing

ihr dürft euch jetzt erstmal durch 600 harry/dracolose seiten quälen

eins zwei drei ohhhhhhh

und wir grüßen ganz ganz herzlich all die superschlauen leute unter euch, die's eh schon wussten...

ned weil sie den yama kennen und wissen, dass der eh nie was anderes schreiben würde, das gildet nicht

sondern weil sie genau gelesen haben,

so wie die vanillia, die uns einen dreiseiten leserbrief geschrieben und fast alle hinweise gefunden hat!

und der berufrodo, bei dem der yamalego so gern auf dem stuhl stuhlt!

und die liz, die noch bis pitel 11 auf die cho-ablenkung reingefallen ist eg

und die anna moonlight, die meint dass es schon viel zu viel h/d gibt

ja aber liebe anna, vor zweieinhalb jahren gabs noch fast gar keine

und noch viele, viele andere leute, denen der yama hoffentlich bald auf die reviews antworten wird

yama an pc fessel

so dann blendet der george jetzt noch mal drei i-net adressen ein, die ihr euch anguggen könnt.

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3mal w.amicus-draconis PUNKT net – das wird die ad homepage, ist zwar noch ned viel drauf, kommt aber noch

3mal w.ebilein.at.tf – das ist die hp von ebilein, der tolle bilder zu ad malt. anguggen! gästebuch schreiben!

3mal w.slayerfanfic.de – da gibt's ne 8. buffy staffel für buffy fans, wo der yama auch mitschreiben tut

war's das?

yep, das war's!

einen schlafenden drachen soll man nicht poppen...uh...kitzeln

halt halt halt halt da kommt noch ne folge!

da kommt noch eine? grummel no ned bald schluss?

yep, die wichtigste...also schnallt euch an für's finale, leute!

ihr habt noch nix gesehen,

ihr habt noch nix gelesen,

ihr steht erst am anfang der reise...

In der letzten Folge geht das alte Jahr zu Ende, ebenso wie der erste Zyklus. Und es ist kein friedliches Ende, das New Hogwarts erwartet. Die große Entscheidungsschlacht gegen die Blood Legion wird nicht spurlos an unseren Helden vorübergehen.

Kann Sirius noch gerettet werden, oder kommt jede Hilfe zu spät? Wie entwickeln sich die Dinge im Dunklen Rat, jetzt wo es einen freien Posten gibt? Wird das Gleichgewicht der Mächte sich verschieben, und wenn ja, für wen?

Und welche Rolle spielt Draco? Ist er wirklich zum Verräter aus Liebe geworden, oder steckt stattdessen ein hinterhältiger Racheplan an Harry dahinter? Oder geht es gar nicht um Gefühle, sondern um ein eiskaltes Machtspiel, das die Blood Legion schwächen und die Ghost Riders nach vorn katapultieren soll?

Stay tuned for the final episode

Coming August 2004:

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Amicus Draconis - 1st Cycle: Cycle of the Badger - Part 13: Upon the 13th Hour

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Draco Dormiens Nunquam Titillandus .